Jordanien Rundreise im November 2018 (4) Wadi Rum und Jerash

 

6.11.2018 – Chaos Tag im Wadi Rum 

Bad things come in threes ! Or fours ?

Das war definitiv nicht mein Tag.

Es fing damit an, dass ich den Safe in meinem Hotelzimmer nicht öffnen konnte. Das Masterpasswort hatte nur der Manager, der von zu  Hause gerufen werden musste, und das dauerte…

Dann funktionierte Google Maps nicht und ich hatte alle Mühe aus Wadi Musa/ Petra heraus zu kommen und die Straße nach Akaba/Wadi Rum zu finden. Passanten schickten mich kreuz und quer durch die Altstadt. Ein Verkehrspolizist schrie mich an, als ich neben ihm anhielt, statt mir zu helfen. Mit dem Tipp von zwei Franzosen, deren GPS wundersamerweise funktionierte, gelang es schließlich.

Auf der Landstraße  kam  ein Wegweiser. Das Schild zeigte einen Pfeil nach Amman nach links, das war nicht meine Richtung. Ich musste Richtung  Akaba fahren. Dorthin ging es laut Wegweiser gerade aus. Kurz danach kam eine Abfahrt nach rechts, dahinter ging es gerade aus, aber nicht links! Nach Amman ? Kurz entschlossen  bog ich rechts ab. Nun landete ich auf einer kleinen Gebirgsstraße mit sehr wenig Verkehr.

Beunruhigt schaute ich auf die Uhr. Um 10 Uhr musste ich in Rum Village sein, von dort startete meine Jeeptour durch das Wadi Rum. Kurz danach entdeckte ich einen Neuwagen auf einem Parkplatz, das konnte nur ein Mietfahrzeug sein. Tatsächlich saß darin ein englisches Ehepaar, das sich ebenfalls fragte, ob es sich auf dem richtigen Weg befand. Witzigerweise hatten sie die Tour durch das Wadi Rum beim selben Veranstalter gebucht. Zusammen fuhren wir weiter. Kurz vor dem Ende der Fahrt, als es überhaupt kein Vertun mehr gab, meldete sich Google Maps wieder !

Als ich am Eingang zum Nationalpark meinen Jordan Pass vorzeigen wollte, fand ich meinen Ausdruck nicht mehr. Ich konnte aber die PDF Version auf meinem Smartphone vorzeigen. Das klappte übrigens bei allen weiteren Ticketschaltern,   meinen Pass hatte ich tatsächlich  verloren.

Zusammen mit zwei weiteren jungen Männern aus Belgien und Frankreich  starteten wir mit unserem Guide, einem jungen freundlichen Beduinen, mit der Jeeptour. Es war nur ein bisschen bewölkt, die Wüstenlandschaft mit dem roten Sand und den wilden Felsen sah wunderschön aus. Auf dem Programm stand zunächst die Lawrence Quelle (zu Ehren von Lawrence von Arabien so benannt) . Wir hielten an einer Stelle mit vielen parkenden Jeeps, die an einer steilen hohen  Felswand lag. Alle Veranstalter fahren wohl zu den gleichen Sehenswürdigkeiten. Unser Führer zeigte weit nach oben zu einem einzelnen Baum, der von der Quelle gespeist wird, und meinte, er würde auf uns warten.

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Die Mitglieder meiner Gruppe hatte ich beim Aufstieg bald aus den Augen verloren. Es gab keinen Weg, man musste um die Felsen herumklettern. Als ich oben anlangte, kamen mir die Anderen schon wieder entgegen. An der Quelle duftete es sehr aromatisch nach Kräutern und der Ausblick war ziemlich beeindruckend, aber ich fragte mich, wie ich da wieder herunterkommen sollte.

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Leider war  ich beim Abstieg nicht so vorsichtig wie sonst und geriet ins Rutschen, überschlug mich sogar, blieb aber bald liegen. Abstürzen konnte man nicht, dafür lagen zu viele hohe Steine herum. Der Belgier aus der Gruppe kam auf mich zu und fragte, ob ich ok sei. Nachdem ich aufgestanden war, konnte ich das bejahen.  Es war nichts gebrochen oder gezerrt, allerdings blutete ich stark am Daumen und meine Hose war mit Blutflecken übersät. Der Belgier bat mich,  einen Moment sitzen zu bleiben, weil ich zitterte, was mir nicht aufgefallen war und zeigte mir dann netterweise einen sicheren Weg nach unten. Dort gelang es uns, einen Beduinen aufzutreiben , der mit einem Schlauch Wasser über meine Wunde laufen ließ, die schon nicht mehr blutete. Ich beschloss,  es nun sehr ruhig angehen zu lassen.

Wir fuhren zur roten Sanddüne, zur kleinen Felsenbrücke, einem kleinen Canyon und zum Lawrence House (einer Ruine, hinter der man natürlich wieder hinaufklettern konnte). Meistens ging ich mit, aber mit dem Klettern hatte ich an diesem Tag abgeschlossen. Sehr schön fand ich es, einfach nur in die überaus spektakuläre Wüstenlandschaft zu schauen.

 

 

Nach einem sehr erholsamen von unsem Guide frisch zu bereiteten Picknick mit Gemüse, Fladenbrot, Ziegenfrischkäse, Obst und Keksen, das wir an eine Felswand gelehnt mit Ausblick in die  Wüste verspeisten, ging es weiter zur großen Felsenbrücke.

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Als ich sah, wie selbst junge Leute den steilen rutschigen Abstieg sehr vorsichtig im Sitzen herunterrutschten, war für mich klar, dass ich vom Beduinenzelt zuschauen würde. Dort trank ich auf dem Teppichboden sitzend, an ein Sitzkissen gelehnt einen Kardamon-Salbei -Schwarztee und schaute den Kletterern, die über die Brücke balancierten und denjenigen zu, die vorher umkehrten. Im Wadi Rum gibt es an jeder Attraktion ein großes Beduinenzelt, in dem sich die Fahrer und Guides sich ausruhen und eine  schwatzende Männerrunde um das zentrale Feuer bilden, auf dem das Teewasser kocht. Auch die Touristen bekommen kostenlos  so viele kleine Gläschen sehr zuckrigen Tees wie sie haben möchten. Daneben verkaufen die Beduinen Tee, Kräuter, Steine und kleine Souvenirs.

 

Wir fuhren weiter zur kleinen Sanddüne, die ich versehentlich für den Sunset Point hielt. Dort spazierte ich im warmen Abendlicht, das die Landschaft zu verzaubern begann, und entfernte mich ein ganzes Stück von der Gruppe, bis ich den heftig winkenden Guide bemerkte. Am Chicken Rock bewunderten wir dann den Sonnenuntergang. Mit der sinkenden Sonne begann die Wüste gerade zu in einem tiefen Rot zu glühen. Der Sonnenuntergang selbst war in Ordnung, konnte aber das einzigartige Landschaftserlebnis nicht mehr steigern.

 

Jordanien (342)Im Camp, das versteckt in einem Canyon in der weißen Wüste lag, wurden wir auf die Zelte verteilt. Ich hatte ein eigenes Zelt gebucht, das drei Betten mit vielen warmen Decken enthielt und sehr sauber war. Das galt auch für den Sanitärbereich in einem eigenen Gebäude mit Waschbecken unter freiem Himmel, Toiletten und einfachen Duschen. Tee und Abendessen gab es in einem zentralen Verpflegungszelt. Das in einem Erdloch gegarte Hähnchen mit Gemüse schmeckte uns nach dem langen Ausflugstag sehr gut. Dazu gab es Tee und Mineralwasser. In der Zeltmitte brannte ein Feuer. In Dana war es aber wesentlich kälter gewesen.

Wir unterhielten uns bis um 21 Uhr das Licht ausging und wir mit unseren Taschenlampen bewaffnet  unsere Zelte aufsuchten. Es war ein Abend in netter Gesellschaft und ich genoss es, zur Abwechselung mal nicht alleine zu sein. Meine Hoffnung, mehr über das Beduinenleben in der Wüste zu erfahren, hatte sich allerdings nicht erfüllt. Schon die einfache Frage: „Wie oft regnete es hier im Jahr ?“ konnte wohl mangels Sprachkenntnissen nicht beantwortet werden. Nachts als ich auf die Toilette ging, bewunderte ich den tiefschwarzen Himmel mit Myriaden funkelnder  Sterne.

Mein Fazit: Wadi Rum sollte man auf keinen Fall auslassen, die Landschaft ist sehr spektakulär. Wer alle Attraktionen bei den Jeeptouren mitmachen will, muss klettern. Auf jeden Fall eine Nacht in einem Beduinencamp verbringen, aber dann: Back to Civilization !

7.11.2018 – Besichtigung von Jerash und Blindflug zum Hotel

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Am Morgen brachen wir gegen 9 Uhr auf und fuhren zurück nach Rum Village, wo wir uns verabschiedeten. Die lange Strecke von 360 km nach Jerash fuhr ich, schon wieder ohne GPS, aber die Strecke verlief zum großen Teil auf dem King’s Highway und war gut ausgeschildert. Man hätte 110 oder sogar 120 km/h fahren können, allerdings bestand mindestens die Hälfte der Fahrstrecke aus Baustellen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Zwar hielt kein Fahrzeug diese Geschwindigkeit ein, auch ich nicht, aber es dauerte dann doch fünf Stunden, bis ich mein Ziel erreichte.

Ich fand sogar die Tangentiale, die westlich von Amman um die Innenstadt herumführt, und den Weg nach Jerash. Dort angekommen fuhr ich direkt auf die römischen Ruinen zu. Etwas länger brauchte ich, um den Eingang mit dem Parkplatz zu finden. Als ich gegen 14:30 Uhr ausstieg, hätte ich sehr gerne eine Pause eingelegt, aber das ging nicht. Bis zur Schließung hatte ich nur noch zwei Stunden Zeit. Von der Ausdehnung der antiken Stadt hatte ich allerdings keine Vorstellung, als ich nach einem Schluck brühwarmen Colas losging. Kurz darauf begann es zu schütten. Einen Schirm hatte ich natürlich nicht mitgenommen, weil es während der gesamten Fahrt sonnig gewesen war. Bald war ich ziemlich durchnässt. Wunderbarerweise hörte der Regen nach zehn Minuten auf und ein warmes Nachmittagslicht ließ die Ruinenstadt fantastisch aussehen. Über den Kolonnaden gab es sogar einen Regenbogen zu sehen.

 

In den zwei  Besichtigungsstunden düste ich durch das riesige Gelände und  staunte wie gut vor allem die spätrömischen Monumente aus dem 1. bis 3. Jahrhundert erhalten waren. Jerash ist tatsächlich das Pompeji des Nahen Ostens. Neben den Highlights wie dem Artemis Tempel, dem ovalen Forum, dem Zeus Tempel, dem Nymphäum und dem Cardo Maximus faszinierte mich der Anblick der modernen Stadt am Hügel direkt hinter den antiken Tempelresten, oder der gut erhaltene Straßenbelag einer römischen Straßenkreuzung. Wie gerne hätte ich mich an manchen Stellen hingesetzt, um diese Eindrücke länger auf mich wirken zu lassen.

 

 

„Man sollte antike Stätten nur im Nachmittagslicht bewundern,“ dachte ich, aber im Hintergrund lauerte schon meine Sorge, dass ich mein außerhalb gelegenes Hotel nach Sonnenuntergang nur schwer finden würde. Ein Blick auf den Buchungsausdruck zeigte mir, dass ich zunächst auf der Straße nach Aljoun fahren musste. Als ich das nach mehreren Anläufen geschafft hatte, war es dunkel und als ich aus Jerash herausgefahren war, gab es keine Straßenlaternen mehr und es wurde richtig düster.

Neben einer Tankstelle hielt ich an und da war sie wieder: die außergewöhnliche jordanische Hilfsbereitschaft. Die Angestellten riefen mir schon von Weitem zu, ob sie mir helfen könnten. Ich fragte nach der Abzweigung zum Olive Branch Hotel. Ein älterer Mann wollte in meinem Auto mitfahren und mich führen, worauf ich aber vorsichtshalber verzichtete. Dann hielt direkt neben mir ein alter Wagen, der mit drei Erwachsenen und mindestens vier Kindern vollgestopft war. Eine junge Frau mit Kopftuch stieg aus und bot in perfektem Englisch an, mir die Abzweigung zu zeigen. Ich fuhr der freundlichen Familie hinterher bis zu einer kleinen Straße, an der ein kleines und schlecht beleuchtetes Schild auf das Olive Branch Hotel hinwies. Nachdem ich mich sehr herzlich bedankt hatte, fuhr ich noch ein paar Kilometer auf einem engen Sträßchen den Berg hinauf, kam aber bald im Hotel an. Dort aß ich zu Abend, weil mir nicht nach weiteren Fahrten durch die Dunkelheit zumute war.

Bei einem Bier (endlich wieder !) zog ich mein Fazit: Jerash ist eine sehr gut erhaltene,  faszinierende Sehenswürdigkeit und gehörte zu den Highlights meiner Reise. Für eine Besichtigung reichen zwei Stunden nicht aus. Drei oder besser vier Stunden Zeit sollte man sich nehmen. Ich würde gerne wieder kommen und mir Jerash noch einmal in Ruhe ansehen.

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Jordanien Rundreise im November 2018 (3) Petra

Nach meinem Wandertag  im wildromantischen Wadi Dana begab ich mich zu den Highlights einer jeden Jordanienreise:  Petra und Wadi Rum. Auf meiner Tour habe ich keine Touristen getroffen, die diese Ziele auslassen wollten.

Letztendlich ist das absolut berechtigt. Es handelt sich um  besonders beeindruckende Sehenswürdigkeiten in kultureller bzw. landschaftlicher Hinsicht. Schade ist nur, dass alle Touren, auch wenn sie selbst organisiert sind, sich stark ähneln.

Als ich vor vielen, vielen Jahren, in den Zeiten vor dem Internet, durch Australien reiste, hatte ich nur eine grobe Vorstellung von meiner Reiseroute. Der genaue Verlauf der Tour ergab sich erst nach und nach während der Reise, durch Gespräche, Tipps, etwas das man im Reiseführer gelesen oder unterwegs aufgeschnappt  hatte. Ob das besser war, weiß ich nicht. Möglicherweise hab ich so ein paar Highlights verpasst …  Auf jeden Fall war das Reisen spontaner, abenteuerlicher aber auch oft frustrierend,wenn Dinge nicht klappten, aber gerade diese Erlebnisse habe ich nie vergessen.

4. – 5.11.2018  Wunderbares Petra

Mein Aufbruch von Dana Village wurde von einer süßen Eselshorde begleitet, die sehr hungrig war und jedes Mal, wenn ein Auto gepackt wurde, vom Müllcontainer abließ und herantrabte.

In Wadi Musa/Petra kam ich nach einer guten Stunde an und checkte im Hotel La Maison Petra ein, das ich weniger wegen des Komforts ausgesucht hatte, sondern weil es nur 250 m entfernt vom Eingang zur Ausgrabungsstätte liegt.

Mit dem Jordan Pass musste ich mich nicht am Ticketschalter anstellen und konnte gleich zum Eingang gehen.

Das Museum ließ ich links liegen und  stürmte gleich zu den Ausgrabungen. Ich weiß nur zu gut, dass es schwer ist, die Ungeduld zu bezähmen, wenn man zu einer Hauptattraktion kommt, würde das Museum aber zuerst und nicht, wie ich es tat, hinterher besuchen. Es gibt nur wenige Ausgrabungsstücke zu sehen, aber man erfährt viel über die Geschichte und die Gesellschaft der Nabatäer, das Volk, das die Stadt vor über 2000 Jahren erbaute und für einige Jahrhunderte bewohnte.

Beim Ticketschalter erhält man auch eine sehr gutes Faltblatt, in dem  die Lage der Sehenswürdigkeiten eingezeichnet ist. Später sollte ich allerdings feststellen, dass in meiner deutschen Broschüre keine Wanderwege eingezeichnet waren. Ich empfehle daher, ein englischsprachiges Blatt mitzunehmen.

Es ist alles sehr gut ausgeschildert und auf der Hauptroute kann man nicht falsch gehen. Nur wenn man zu bestimmten Zielen, wie z.B. dem Großen Opferplatz aufsteigen will, muss man auf das Faltblatt schauen oder jemanden fragen.

 

So überlaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte, war es nicht. Allerdings wurde ich buchstäblich alle fünf Meter angesprochen, ob ich den kilometerlangen Weg auf einem Esel, einem Pferd oder einem Kamel zurücklegen wollte oder ob ich ein Andenken von einem der zahlreichen Verkaufsstände erstehen wollte („Madam, want to ride a horse …“ „Want to buy ? Good price !“) Ich versuchte, das so gut es ging zu ignorieren und begann mit der Besichtigung.

Zuerst lief ich durch den berühmten Siq, die ungefähr einen Kilometer lange und zunehmend enger werdenden Schlucht, an deren Ende sich der Platz öffnet, wo das Schatzhaus steht, eines der größten und schönsten der in den Sandstein gemeißelten Königsgräber.Hu

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Dann ging ich die Fassadenstraße entlang und stieg die vielen Stufen zum Großen Opferplatz hinauf. Auf dem Weg ruhte ich mich aus und trank ich Tee bei einer sehr netten Beduinenfrau namens Noor („Licht“, wie die frühere jordanische Königin). Wir unterhielten uns ein bisschen und ich kaufte ihr einen schönen Stein mit den typischen bunten Bändern der Felsen von Petra ab. Auf dem Aufstieg zum Opferplatz ging es an einer Stelle sehr steil aufwärts. Ich war mir nicht sicher, ob ich richtig war und blieb stehen. Ein Beduinin schrie mir von ihrem Verkaufsstand „Up, up!“ zu, so dass ich vorsichtig hinauf kletterte und dann bald den wunderbaren Blick genießen konnte.

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Anschließend führte mich die Beduinin auf einem fast ebenen Pfad zu ihrem Stand zurück. Unterwegs kamen wir an einer Eselin und einem Eselchen vorbei, die sich im Schatten ausruhten. „Buy, good price!“ forderte mich die Frau nun auf. Ich meinte ihr danken zu müssen, wollte aber nichts kaufen , daher fragte sie, ob sie Tee hatte. „Ok, one minute tea!“ entgegnete sie rasch und holte einen großen Plastiksack, aus dem sie trockenes Reisig heraus schütteln wollte. Mir schwante, dass es mit dem Tee doch sehr viel länger dauern würde. In diesem Moment kamen die jungen Deutschen vorbei, mit denen ich auf dem Opferplatz unterhalten hatte. Ich verabschiedete mich von der Beduinin und sagte, dass ich leider doch keinen Tee trinken könne, weil ich mit meinen Freunden zurückgehen musste. Den von Noor empfohlenen
Weg am Soldatengrab vorbei fand ich leider nicht, aber der Abstieg über den Hinweg war wegen des veränderten Lichts trotzdem sehr schön.

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Unten angekommen stärkte ich mich mit Cola und einem Fladenbrot. Verhungern oder verdursten kann man in Petra nicht, dazu gibt es zu viele Verkaufsstände. Allerdings ist speziell das Essen überteuert und ich verspeiste das trockenste Sandwich meines Jordanienurlaubs.

Gestärkt ging ich zum Theater und den Königsgräbern und folgte dann dem Al-Khubtha-Trail, der hoch hinauf bis zu einem Aussichtspunkt führte, von dem man auf das Schatzhaus hinunterschauen konnte. So anstrengend hatte ich mir das gar nicht vorgestellt. Auch verlief ich mich ein bisschen, als die Stufen aufhörten und der Pfad durch eine wilde idyllische Felsenlandschaft weiterführte. Ein englisches Ehepaar, mit dem ich kurz ins Gespräch gekommen war, hatte mir noch geraten „Turn left at the donkey!“, aber entweder war es ein anderes Tier, bei dem ich abbog, oder ich hatte etwas falsch verstanden. Jedenfalls kraxelte ich eine Weile durch die wunderschöne Gegend bis ich wieder Besucher auf dem Weg unter mir erblickte. Vor dem letzten steilen Aufstieg legte ich noch eine Pause in einem Beduinenzelt ein, trank an ein buntes Sitzkissen gelehnt einen Tee und unterhielt ich mich mit zwei anderen erschöpften Wanderern aus Spanien und den USA.

 

Den Ausblick am Ende der Wanderung konnte man nur genießen, wenn man in einem weiteren Beduinenzelt  eingekehrte , das direkt an dem steilen Abhang stand . Nach kurzem Zögern ließ ich mich dort nieder, bestellte mir einen Nescafé und genoß den Ausblick. Nun verstand ich, warum der Aufstieg so anstrengend gewesen war: das Schatzhaus sah jetzt richtig klein aus. Sehr imposant war aber, wie die Nabatäer es geschafft hatten,das riesige Grabmal in den Felsen einzubauen.

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Auf dem Rückweg bewunderte ich noch einmal die Grabmale, die nun durch das Abendlicht herrlich angestrahlt wurden. Ich merkte aber auch, dass der Siq in dieser Richtung leicht aufwärts verlief und schleppte mich kurz vor Sonnenuntergang mit vielen anderen Touristen zum Ausgang zurück. Zur Belohnung bekamen wir noch die Sonne zu sehen, die sehr fotogen hinter einer Felsgruppe verschwand.

 

Natürlich wurde ich auch auf dem Rückweg immer wieder gefragt, ob ich nicht ein Reittier nehmen wollte. Nicht damit gerechnet hatte ich allerdings, dass auf dem 250 m langen Rückweg ins Hotel mehrmals ein Taxi neben mir mit der Aufforderung „Taxi , Madam ?“ halten würde.

Nachdem ich mich entstaubt hatte (aus meinen Schuhen kam ein ganzer Sandberg), ging ich im Hotel essen. Das Buffet war in Ordnung und ich war zu geschafft, um ein Restaurant zu suchen. Ich überlegte, wie es mir in Petra gefallen hatte. Die Bauten sind natürlich spektakulär, die Architekturleistung der Nabatäer ist äußerst beeindruckend, aber das war es nicht, was mich fasziniert hatte. Die Felsenlandschaft in verschiedensten Rot – und Rosatönen, die Einbettung der antiken Bauten in diese Landschaft und die  kurzen aber durchaus anstrengenden Aufstiege mit den fantastischen Aussichten, kurz gesagt, das Gesamtkunstwerk Petra war für mich einzigartig.

Nachdem es in Dana Village komplett „trocken“ gewesen war, freute ich mich auf ein Bier zum Abendessen. Als ich eines bestellen wollte, eröffnete mir der Kellner, dass es sich um ein Hotel ohne Alkohol handelte. Ich fragte dann nach einer Bar in der Nähe, bekam auch eine Wegbeschreibung zum Palace Hotel, hatte aber das Gefühl , als ob  ichnach einem Speak Easy gefragt hätte. An diesem Abend schaffte ich nicht mehr in die Bar, war einfach zu müde, um noch einmal auszugehen.

Am nächsten Morgen gegen 7 Uhr war ich zurück in Petra. Eigentlich sollte man noch früher gehen, um das Schatzhaus bei bestem Fotolicht (ohne Schatten)  zu sehen, aber an diesem Tag war es ohnehin bewölkt. Morgens war es noch schön leer und ich schlenderte gemütlich zu den restlichen Sehenswürdigkeiten vom Theater bis zum Monastry, dem imposantesten Grabtempel, der in einer wunderbaren Berglandschaft liegt.

Der Aufstieg zum Monastry besteht aus 900 Stufen, die sich aber problemlos bewältigen lassen. Zu Beginn nahm die Nachfrage „Madam, donkey to the Monastry ?“ stetig zu.  Ich kam kaum an den Tieren und ihren Haltern vorbei. Auf dem Weg musste man dann aufpassen, dass man nicht von einem Esel auf dem ein völlig verkrampfter, oft asiatischer oder übergewichtiger, Tourist saß, an die Felswand gedrückt wurde. Zwar liefen die Beduinen mit den Reitern mit, hielten sie manchmal sogar fest, aber die ganze Eselgruppe hatten sie doch nicht im Griff.

Im Teashop gegenüber dem Monastry, einem Logenplatz mit wunderbarer Aussicht auf das Bauwerk, ließ ich mich nieder. Zwischendurch zeigte sich sogar einmal die Sonne.

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Dann stieg ich noch auf zwei Aussichtspunkte. Von dem höheren konnte man sehr schön ins Gebirge und in einen Canyon  schauen.  Mit dem sehr freundlichen Beduinen, der dort den Teashop betrieb, unterhielt ich mich eine Weile. Er zeigte mir ein abgelegenes Grab auf einem Berg, das man mit einem Beduinenführer besuchen kann, der ein Zelt zum Übernachten und die Verpflegung mitbringt. Wir sprachen noch über den Jordan Trail, einen Fernwanderweg, den man auch in Etappen begehen kann. Sehr schön soll es sich von Dana nach Petra in vier Tagen gehen.

Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich noch einmal den Aufstieg zum Opferplatz gehen und dann auf den Trail abbiegen, den ich am Vortag verpasst hatte. Inzwischen waren dicke schwarze Wolken herangezogen und es fing leicht an zu regnen. Ich beschloss, auf eine Wanderung über regennasse Felsen zu verzichten und begab mich zum Ausgang.

Wie sich das Wetter in Petra weiter entwickelte, habe ich nicht verfolgt. Am 10.11. stieg das Wasser in Petra jedenfalls nach einer Sturzflut bis zu vier Meter hoch und mehr als 3500 Touristen mussten evakuiert werden !

Am Abend trank ich mein wohlverdientes Bier, Marke „Petra“, und zog mein Fazit: zwei  Besichtigungstage waren für mich ideal. Der Betrieb in Petra kann schon nerven, aber die antike Stadt gehört völlig zu Recht zu den „Sieben Neuen Weltwundern“.

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Jordanien Rundreise im November 2018 (2) Wadi Dana

Kreuzritterburg Karak und Wandern im Dana Nature Reserve

Als ich heute durch den Nebel im spätherbstlichen Wald schlenderte, dachte ich zurück an meine wunderbare, zuweilen abenteuerliche Tour durch das kleine Land Jordanien, das es schafft, umgeben von problematischen und keineswegs friedlichen Nachbarländern, relativen Frieden und Toleranz zu wahren. Außerdem beherbergt Jordanien bei knapp zehn Millionen Einwohnern ca. eine Mio. syrische Flüchtlinge …

Gegenüber Touristen haben die Jordanier eine regelrechte „Willkommenskultur“ entwickelt. Sie sind (außer in Petra)  zurückhaltend, sprechen dich nicht an, aber wenn man auf sie zugeht, eine Auskunft haben möchte, reagieren sie freundlich, mit einem „Where are you from ?“ „Germany“ und dann antworten sie mit Lächeln und begrüßen dich mit „Welcome“. Erst danach kann man sie fragen, wo die nächste Toilette ist o.Ä. Oft ist der englische Wortschatz mit der Begrüßung erschöpft, aber es handelt sich um reine Freundlichkeit, ohne die folgende Aufforderung etwas zu kaufen (nicht so in Petra).

 

02.11.2018 –  Fahrt nach Karak und Dana

Am frühen Morgen ging ich zum Frühstück und da traf ich sie zum ersten und keineswegs zum letzten Mal : die REISEGRUPPE. Wenn ich zum ersten Mal vor dem Frühstücksbuffet in einem Hotel stehe, dann ist es ganz natürlich, dass ich nicht alles auf Anhieb finde, mich zum Beispiel frage, wo die Butter liegt und das Besteck. Auch wünsche ich mir z.B., dass es frisches Obst und Müsli gibt, kann es aber nicht entdecken. Wenn eine Gruppe am Buffet eintrifft, dann werden diese Fragen laut gestellt und im Extremfall werden sie quer durch den Raum geschrien. Auch trägt es nicht gerade zu meiner guten Laune bei, wenn ich vor dem ersten Kaffee am Buffet anstehen muss und es länger dauert, weil manche Touristen die Speisen nicht kennen und dann erst miteinander besprechen müssen, was sie sich auf den Teller laden.

Schon um acht Uhr morgens begab ich mich auf die Weiterreise. Mein erstes Ziel, einen schönen Ausblick auf das Wadi Mujib, ein Naturschutzgebiet, das ich mir nur von oben anschauen wollte, hatte ich bald erreicht. Ein junger Beduine, der mich mit seinem Piratentuch und den mit Kajal geschminkten Augen an Jack Sparrow erinnerte, bot köstlich starken Schwarztee mit frischer Minze an. Bei  diesem Heißgetränk genoss ich den Blick das wunderschöne Wadi Mujib, das wie eine Miniaturausgabe des Grand Canyon wirkte.

 

Beim Genießen des Ausblicks hatte ich nicht erwartet, dass ich in das Tal hinunter und auf der anderen Seite den Berg wieder herauf fahren würde, aber genauso kam es. Trotz wunderbarer Ausblicke und der durchweg gut ausgebauten Straße forderten die zahlreichen Serpentinen meine volle Konzentration. Um so erleichterter war ich, als ich kurz vor Mittag in Karak ankam. Die Kreuzritterburg fand ich ohne Probleme und begann mit der Besichtigung der riesigen Festungsruine aus dem  12.Jahrhundert. Gut erhalten waren vor allem ausgedehnte unterirdische Gallerien, darunter eine „Einkaufsstraße“, zwei Gefängnisse, aber auch ein Palast der islamischen

 

Eroberer nebst Moschee aus dem 14. Jahrhundert. Wie im Reiseführer empfohlen hatte ich eine Taschenlampe griffbereit, brauchte sie aber nicht, weil inzwischen Bewegungsmelder eingebaut wurden, die das Licht anschalten, sobald man den Raum betrat.

Nach der Besichtigung fuhr ich relativ bald weiter Richtung Dana, was gut war, weil sich die weitere Fahrt von ca. 90 km noch mehr als zwei Stunden hinziehen sollte. Zahlreiche Ortsdurchfahrten und einige Umleitungen sorgten dafür, dass ich nur langsam vorankam. Zeitweise schien auch Google Maps die Orientierung zu verlieren und schickte mich auf völlig verlassene enge Sträßchen, die aber stets asphaltiert waren. Zwischendurch durchquerte ich auch wieder einige Täler und absolvierte Berg- und Talfahrten. Ziemlich erleichtert war ich, als ich wieder auf dem King’s Highway ankam, einer einigermaßen gut ausgebauten Überlandstraße.

Dann bemerkte ich, dass mein Handy nur noch eine Akkuladung von unter 10 % anzeigte. Würde ich die Abzweigung nach Dana Village ohne Navigation finden? Kurz darauf fuhr mein Smartphone herunter. Ich hatte es mit einem speziellen Kabel zum Aufladen an den Zigarettenanzünder des Mietwagens angeschlossen. Bei früheren Urlauben hatte das funktioniert und ich verstand die Welt nicht mehr. Kurz zeigte ein Schild zur Dana Nature Reserve und ich fuhr ab. Die nicht asphaltierte Straße kam mir seltsam vor. In diesem Moment kam mir ein riesiger  LKW entgegen. Nachdem ich dem Fahrer zugewinkt hatte, hielt er an und ich kurbelte meine Scheibe herunter und schrie meine Frage nach  dem Ort Dana nach oben. Mit Handzeichen machte mir der Fahrer klar, dass die Abfahrt noch kommen würde. Fast wäre ich zum Rummana Campground im Naturschutzgebiet heruntergefahren.

Inzwischen musste ich sehr dringend auf die Toilette. Am nächsten Parkplatz mit Aussichtspunkt hielt ich daher an. Hier standen mehrere Busse und am Rand des Parkplatzes gab es eifrig fotografierende Touristen. Für den spektakulären Blick ins Wadi Dana interessierte ich mich gerade nicht, sondern verkrümelte mich in ein Gebüsch am anderen Ende des Parkplatzes, nachdem ich kein WC entdeckt hatte.

Als ich zurück kam, entdeckte ich eine deutsche Reisegruppe und fragte ihren Reiseleiter nach der Abzweigung nach Dana. Der nette Mann erklärte mir, dass es nach einigen Kilometern rechts ab gehe, konnte aber nicht versehen, wieso mein Handy nicht aufgeladen wurde und ging mit mir zum Auto. Hier entdeckten wir, dass in dem Neuwagen einen speziellen USB-Anschluss unter dem Handschuhfach gab, an den ich das Smartphone hätte anschließen sollen. Ich bedankte mich herzlich und hoffte im Stillen, dass dies mein letztes Technikdisaster gewesen war.

In Dana Village angekommen bezog ich mein einfaches Kämmerchen im Dana Tower Hotel und ging anschließend im Abendlicht durch das Dorf spazieren. Dana Village war vor einiger Zeit schon fast verlassen. Etliche Ruinen sind immer noch zu sehen, aber an vielen Stellen werden die Gebäude für Touristen, die im Nature Reserve wandern wollen, instand gesetzt.

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Ich spazierte danach zum Rand des Canyons, in den ich am folgenden Tag hinabsteigen wollte. Es ging ziemlich steil und rutschig hinunter, was nicht so sehr mein Fall ist. Beim Betrachten des Sonnenuntergangs über dem überlegte ich, ob ich statt die volle Tour zur Feynan Ecolodge von 16 km zu unternehmen, nur ein Stück ins Wadi hinab gehen und dann wieder zurück wandern sollte. So würde ich mir auch die teure und lange Taxifahrt zurück nach Dana sparen.

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03.11.2018 –  Wanderung im Dana Nature Reserve

Schon um acht Uhr morgens stand ich gut eingepackt, mit Knieschützern und Wanderstöcken ausgerüstet, am Rand des Canyons. Am Vorabend hatte es angefangen zu stürmen, und immer noch fegten heftige Böen über Dana hinweg. Ab und zu bekam ich auch eine Ladung Sand ab. Ich hatte gezögert, ob ich überhaupt wandern gehen sollte, aber -zutreffend- damit gerechnet, dass der Wind beim Hinuntersteigen nachlassen würde. Noch einmal schaute ich in das wunderschöne aber menschenleere Tal hinab, bevor ich sehr langsam und vorsichtig mit dem Abstieg begann. In steilen Serpentinen führte der Weg nach unten. Es gab fast nur lose Steine, so dass ich sehr aufpassen musste, um nicht weg zu rutschen. Bei meinen Wanderungen habe ich mich in den letzten Jahren manchmal verletzt, bis hin zu einem Wadenbeinbruch in Patagonien, daher bin ich sehr vorsichtig geworden.

 

Nach einer Viertelstunde überholte mich ein Guide, der zwei Französinnen durch das Wadi führte. Wir kamen ins Gespräch und er riet mir, auf keinen Fall nach der Hälfte wieder zurückzulaufen. Zum einen sei der Weg bis zum Ende sehr schön abwechslungsreich, durchlaufe unterschiedliche Landschaften und zum anderen sei der Aufstieg sehr steil und anstrengend. Ich erklärte ihm, dass ich keinen Rücktransport organisiert hatte. Er versprach mir, mir an der Feynan Eco Lodge einen der dort angestellten Taxifahrer zu vermitteln.

Ich bedankte mich und die drei zogen mit flottem Tempo vorbei. Ich hatte damit gerechnet, dass mich noch weitere Wanderer überholen würden, was aber während der gesamten Wanderung nicht der Fall war. Lediglich kurz vor Feynan traf ich einige Menschen, die in der Gegenrichtung unterwegs waren.

Während meiner vierstündigen Landschaft bemühte ich mich, den Anschluss an die dreiköpfige Wandergruppe nicht zu verlieren. Ich war immer erleichtert, wenn ich sie in der Ferne wieder entdeckte. Verlaufen konnte man sich nicht, solange man in der Nähe des ausgetrockneten Bachbetts bewegte, aber manchmal verlief der Trail auch am Hang darüber  und wenn ich die Gruppe sah, half mir das auch bei der Orientierung. Steinhäufchen gab es ab und zu, aber nie einen Wegweiser. Einmal sah ich, als ich am Hang auf der Suche nach dem Trail hinaufschaute, einen Beduinen, der hoch über mir auf einen Esel ritt. Er hielt etwas in der Hand. Ich befand mich gerade im Bachbett, war allein an dieser nicht von weitem nicht einsehbaren Stelle unterwegs und schaute vorsichtshalber genauer hin, ob der Mann eine Waffe trug. Erleichtert stellte ich fest, dass der Beduine sein Handy anguckte!

Sobald man den Talboden erreicht hatte, verlief der Weg recht angenehm, aber wegen des steinigen und gerölligen Untergrundes musste ich mich doch sehr konzentrieren. Inzwischen war es recht warm geworden und ich trank wegen der sehr geringen Luftfeuchtigkeit oft aus meiner Wasser- und der Colaflasche.  Eine Wanderung bei Sommerhitze konnte ich mir in diesem Tal nicht vorstellen. Aber bei alledem: die wunderschöne und abwechslungsreiche Felsenlandschaft begeisterte mich zusammen mit der überraschend reichen Vegetation immer wieder. Welch magischer Ort ! Ich wäre gerne länger geblieben, um Vögel zu beobachten oder um das Licht zu bestaunen, das die Wolken auf die Felsen warfen. Kurz vor der Lodge durchquerte ich einige Beduinenzeltlager. Die Angebote, einen Tee zu trinken, schlug ich aus, weil ich den Guide mit den Französinnen nicht verlieren wollte. Außerdem wollte ich mich in der Lodge frisch machen und dann einen guten Kaffee genießen.

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Nach vier Stunden und quasi ohne Pause kam ich Feynan an, wo ich es schaffte, dass man mir, obwohl ich nicht in der Lodge gebucht hatte, den dringend notwendigen Kaffee servierte. Dann bekam ich Dank der Hilfe des Guides, der sich mir als Mohammed vorgestellt hatte, auch noch ein Jeeptaxi für die Rückfahrt.

Ein sehr netter junger Beduine namens Jassir fuhr mich zurück nach Dana. Zwischendurch lieferte er noch ein paar Sachen im Haus seiner Familie ab. Nachdem ich seine Frage, ob ich es eilig hätte, verneint hatte, durfte ich dann auch noch mit seiner Frau und den beiden Kleinkindern auf der Terrasse Tee trinken. Die Strecke war auf der Straße sehr lang, fast 120 km. Wieder ging es durch wunderschöne Landschaften, zuerst durch das Wadi Araba, eine Wüste, die zum Teil für den Gemüseanbau bewässert wird und dann wieder durch eine wilde Berglandschaft. Obwohl Jassir einen sehr flotten Reifen fuhr, brauchten wir über zwei Stunden nach Dana. Allerdings wurde mir die Zeit wegen der tollen Ausblicke und des netten Gesprächs mit dem Fahrer überhaupt nicht lang.

 

Etwas erschöpft aber glücklich traf ich am späten Nachmittag wieder in Dana ein.

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Jordanien Rundreise im November 2018 (1) Madaba und Totes Meer

 

 

Jordanien ist ein  echtes Traumreiseziel, ein kleines Land mit relativ  geringen Entfernungen, es ist voller beindruckender Sehenswürdigkeiten und weist dramatische Fels- und Wüstenlandschaften auf. Als sehr freundlich und hilfsbereit habe ich die Jordanier erlebt. Und diese Hilfe nahm ich  häufiger in Anspruch. Ich  war nämlich alleine mit dem Mietwagen unterwegs …

Für die Inspiration zu dieser Reise bedanke ich mich bei Edel Seebauer. Ihren wunderbaren Reisebericht mit sehr guten Tipps zum Reisen in Jordanien kann ich nur wärmstens empfehlen  (  https://www.edeltrips.com/reiseberichte/jordanien/ ).

Jordanien ist kein Billigreiseland. Das Preisniveau entspricht in etwa dem deutschen, auch wenn sich bei manchen Ausgaben Geld sparen lässt, z.B. durch Essen in Schnellrestaurants oder an Essensständen. Benzin ist mit 0,8/1,0 JOD (Wechselkurs im November 2018: 1 JOD =1,23 €) nicht so günstig, wie man es im Nahen Osten erwarten würde. Alkohol ist generell sehr teuer und wird vor allem im Süden des Landes in Restaurants nicht ausgeschenkt.

Der Jordan Pass lohnt sich auf jeden Fall, wenn man Petra besuchen möchte. Außerdem ist sind die Visumsgebühr von 40 JOD und zahlreiche weitere Attraktionen z.B. in Jerash, Wadi Rum, Kerak und Amman inklusive.

Meine Reiseroute: Amman Flughafen-Madaba-Kerak-Dana-Petra-Wadi Rum-Jerash-Amman.

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Ich war insgesamt neun Tage im Land unterwegs. Auf der schnellsten Straßenverbindung von Amman nach Akaba fährt man gerade einmal vier Stunden (allerdings ohne Baustellen, die aktuell sehr häufig anzutreffen sind). Andererseits gibt es sehr viel zu sehen und zu erleben. Die Hauptattaktionen können aber  innerhalb einer Woche angeschaut werden. Ich habe sehr viel unternommen und wäre gerne noch mindestens zwei Tage länger gereist, z.B um nach Akaba zu fahren und am Roten Meer zu entspannen.

31.10.2018  – Ankunft in Jordanien, das fängt gut an !

Nachts gegen 22 Uhr verließ ich das Flughafengebäude in Amman und stieg in meinen Mietwagen, um nach Madaba zu fahren, wo ich die ersten zwei Nächte verbringen wollte. Meine Bedenken, nachts alleine in einem orientalischen Land, einen Mietwagen zu übernehmen, hatte ich damit beruhigt, dass ich ein Navi dazu zu nehmen würde. Dieses hatte mir der Angestellte der Mietwagenfirma nicht geben wollen, weil die Navigation in Jordanien nicht mehr aktualisiert werde und daher nutzlos sei. Statt dessen bot er mir eine WiFi gestützte Car Navigation an. Das hörte sich für mich teuer und schwierig an (funktionierte auch nicht, wie ich später von anderen Touristen erfuhr). Als ich insistiert hatte, hatte mir der gute Mann den Sack mit dem Gerät auf den Tresen geworfen.

Ich fuhr los und steckte das Gerät an. Wird wohl auch ausgeschildert sein, dachte ich. Nach kurzer Zeit merkte ich, dass das Navi tatsächlich verzichtbar war. Es kannte die vierspurig ausgebaute Schnellstraße vom Flughafen nach Amman nicht und schlug mir dauernd nicht existierende Abfahrten vor. Ich wußte, dass ich bald hinter dem Flughafen links abbiegen musste, nur wann kam jetzt diese Abzweigung ?

Ich fuhr auf den Standstreifen und wählte Google Maps auf meinem Handy. Vor der Reise hatte ich einmal die Navigation mit dem Smartphone im Auto geübt und mir die Offlinekarte von Jordanien heruntergeladen.  Nun fand das Gerät aber meinen Standort nicht. Leicht beunruhigt fuhr ich weiter, an vielen Abfahrtsschildern vorbei mit langen arabischen Bezeichnungen  und  kurze Namen in lateinischer Schrift. Aber nirgendwo stand „Madaba“.

Die Schnellstraße war schon ziemlich leer, die Tankstellen geschlossen. Endlich entdeckte ich einen Verkehrspolizisten, der auf dem Standstreifen den Verkehr beobachtete. Dieser hörte sich freundlich meine Frage an, verstand aber kein Englisch. Immerhin mein ständiges Wiederholen der Wortes „Madaba“ veranlasste ihn dazu, mir zu zeigen, dass ich zu weit in Richtung Amman gefahren war und er konnte mir auch verständlich machen, dass ich erst abfahren musste um  dann durch eine Unterführung hindurch auf die andere Straßenseite zu gelangen.

Nun  fuhr ich eine Weile in die andere Richtung. Dann sah ich einen Autofahrer, der Reifen auf der Standspur wechselte und hielt an. Ich fragte den jungen Mann, ob er Hilfe brauchte, was er verneinte.  Er sprach gut Englisch und seine Frau, die im Auto saß, zeigte mir auf ihrem Smartphone, dass ich bald rechts abfahren musste.

Die weitere Fahrt nach Madaba gestaltete sich problemlos. Nur musste ich dort noch mein Hotel finden. Das zog eine weitere Fragerunde nach sich. Gut war, dass es auf der Straße auch nach 23 Uhr noch ein bisschen belebt war und dass einige Läden noch geöffnet waren. Die meisten Befragten, alles Männer, verstanden mich nicht, aber sie gaben sich große Mühe, mir zu helfen. Da wurde z.B. ein englischsprechender Freund angerufen. Nur konnte mir dieser nichts raten, weil ich nicht wusste, wo ich mich genau befand. Anscheinend hatten ihm seine Freunde das auch nicht erklärt …

Schließlich landete ich vor einem andern Hotel. Der herbeigeeilte Angestellte, konnte mir den Weg erklären, so dass ich endlich im Mosaic City Hotel herzlich willkommen geheißen wurde. Nach einem Absackerbier (ich war im christlich geprägten Madaba, wo es ohne weiteres Alkohol im Hotel gab, das sollte sich im Laufe der Reise ändern) sank ich recht geschafft in die Federn.

1.11.2018  –  Madaba und Totes Meer

Um 8 Uhr morgens begann ich meine Besichtigung in Madaba bei schönstem Sonnenschein. Im November geht die Sonne in Jordanien gegen 16:30 Uhr unter, entsprechend kurz sind die Sehenswürdigkeiten am Nachmittag geöffnet. Angenehm ist, dass die meisten Hotel ein frühes Frühstück schon um 6 oder 6:30 Uhr anbieten.

Ich konnte ohnehin nicht lange schlafen, weil der Muezzin vom Minarett der nahegelegenen Moschee über leistungsstarke Lautsprecheer zum Morgengebet (fadschr) gerufen hatte. Dieses Gebet findet zwischen Morgendämmerung und Sonnenaufgang statt. Es gab allerdings einen ersten Aufruf gegen 4:30 Uhr, der wohl dazu diente, eine „erste Warnung“ zu geben, dass das Morgengebet naht. Als ich gerade wieder eingedöst war, erfolgte gegen 5:30 Uhr der richtige Gebetsaufruf. Dieser frommen Beschallung entgeht man nur, wenn man außerhalb der Städte ein Hotel bucht.

Zunächst schaute ich mir die griechisch orthodoxe St. Georgskirche mit der berühmten Palästina-Mosaikkarte an. Die Karte aus dem 6.Jahrhundert, die nur in Teilen erhalten ist und ursprünglich aus über 2 Mio. Steinchen bestand, fand ich schon interessant, hatte sie mir aber größer vorgestellt und schön war die Darstellung nicht.

 

Schon besser gefiel mir der naheliegende Archälogische Park mit sehr schönen Mosaiken in  der Hyppolytus-Halle, einer byzantinischen Villa aus dem 6.Jahrhundert,  und ich schaute dann noch beim benachbarten Madaba Institute for Mosaic Art herein, wo Restauratoren und Mosaikkünstler ausgebildet werden.

Danach besichtigte ich die Kirche Johannes der Täufer. Die Hauptattraktion des Gotteshauses aus dem 20.Jahrhundert, die darunterliegende Akropolis, war  geschlossen, so dass ich wenigstens auf den Turm klettern „musste“. Zuletzt ging es über sehr steile Leitern und ich musste mich um Glocken und Glockenzüge herum winden, aber der Ausblick über die Stadt war atemberaubend.

Jordanien (19)

Inzwischen war es recht warm geworden und ich empfand die starke Trockenheit der Luft. Mit einem frisch gepressten Granatapfelsaft, der lecker und sogar fast süß schmeckte, und einem Espresso stärkte ich mich in einem Straßencafé. Dann begab ich mich auf die Suche nach der Apostelkirche, die außerhalb der Altstadt liegt. Hier hatte ich zum ersten Mal trotz Stadtplan Orientierungsschwierigkeiten. Nach mehreren Nachfragen (nicht hilfreich war dabei, dass kein Reiseführer den arabischen Namen der Kirche nennt) stand ich schließlich vor der unscheinbaren Kirche, die das schönste Mosaik in Madaba enthalten sollte.

Leider gab es keinen Gang in der Kirche, von dem man alle Mosaiken sehen konnte. Nur an der einen Seite konnte ich schauen, während die interessantesten und schönsten Bilder auf der anderen Seite nicht zu sehen waren. Der Museumswärter bemerkte meine enttäuschte Miene und  knipste netterweise ein paar Fotos mit meinem Smartphone.

Nach einer kleinen Pause im Hotel wagte ich mich wieder mit dem Auto auf die Straße. Zuerst wollte ich zum Berg Nebo fahren, dem biblischen Ort, von dem Moses angeblich das Gelobte Land gesehen hatte  und dann im Alter von 120 Jahren (?) gestorben war, ohne  Israel zu betreten. Der freundliche  Hotelangestellte hatte mir erklärt, dass ich erst auf die Hauptstraße fahren müsste und dann gehe es immer nur gerade aus. Die Hauptstraße fand ich ohne Probleme, aber dann kam ich zu einem Kreisverkehr mit Abfahrten in alle Richtungen. Meiner Wegbeschreibung folgend, nahm ich die zweite Ausfahrt, die gerade aus führte, und landete in einem Neubaugebiet, wo sich die Straße weiter verzweigte.
Außerdem machte ich erste Bekanntschaft mit den vielen Speed Bumps. In Jordanien gibt es keine Umgehungsstraßen. Alle Straßen verlaufen durch die Orte, oder wenn es Schnellstraßen sind, zumindest am Rand vorbei. Es gibt immer Stellen, an denen Passanten die Straße kreuzen. Daher wurden mehr oder minder fiese Erhöhungen errichtet, die den Autofahrer zum starken Abbremsen zwingen sollen. Zum Teil werden die Buckel durch Schilder angekündigt aber oft auch nicht. Nun schaute ich gerade nach dem Weg und schon rumste es gewaltig. Ich kehrte zum Kreisverkehr zurück und war entschlossen, mein Problem zu lösen. Im Hotel hatte man mir geraten, eine jordanische SIM-Karte zu kaufen. Vielleicht klappte es damit besser als mit der Offline-Navigation. Nur spaßeshalber versuchte ich noch einmal Google Maps auf meinem Smartphone. Fassungslos starrte ich auf die Fehlermeldung, die ich nun bekam und die mir vorschlug, meinen Standort freizugeben. Nachdem ich das erledigt und mein Ziel eingegeben hatte, funktionierte die Navigation (zunächst) ohne Probleme !  Nun ja, dachte ich mir, zu den Digital Natives gehöre ja nicht …

Auf dem Berg Nebo in der Moses Memorial Church mit Grundmauern aus dem 4. und 6. Jahrhundert befanden sich die beeindruckendsten Mosaiken von Madaba. Auch der Blick ins Heilige Land und auf das  Tote Meer gefielen mir. Allerdings war es zu diesig, um tatsächlich bis nach Jerusalem zu schauen.

Vom Berg Nebo stürzte die Straße in engen und steilen Serpentinen herab zum Toten Meer auf Minus 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Trotzdem war ich erstaunt, wie gut diese Straße ausgebaut war. Es war an keiner Stelle eng oder gefährlich. Alle Bergstrecken in Jordanien, die ich Laufe des Urlaubs befuhr, waren gut in Schuss. Von der Straßeninfrastruktur in Jordanien war ich positiv überrascht.

Am Toten Meer rauschte ich auf dem Dead Sea Highway zunächst an allen Badestellen, die kostenpflichtig von den Hotels angeboten werden, vorbei. Ich wollte ohnehin zunächst  zum Mittagessen im Dead Sea Panoramic Complex einkehren.  Allerdings ging es dorthin auf einer kurvigen Bergstrecke mehr als 10 km bergauf und ich entdeckte  auch noch, dass die Straße direkt nach Madaba führte. Das Panorama Restaurant bot dann tatsächlich eine gigantische Aussicht auf das Tote Meer. Ich nahm ein gutes Fischessen mit Zitronensauce  ein, das nicht ganz billig war, aber angesichts der Lage und des guten Services im schön designten Restaurant nicht überteuert. Wenn ich schon am Toten Meer war, dann musste ich dort auch baden, daher beschloss ich, noch einmal zurück zu fahren.

Leider hatte ich nun nicht mehr viel Zeit und bog zum nächst gelegenen Strand ab, dem OH Beach. An der Schranke traf ich  den ersten unfreundlichen Jordanier, der grußlos mehrfach „Twenty-five JD“ sagte. Meine Nachfrage, ob es Schließfächer gab, schließlich war ich alleine unterwegs und  wollte  meine Wertsachen nicht am Strand ablegen, konnte ich dort nicht klären und zahlte den teuren Eintritt.

Nach einem längeren Gespräch mit diversen Angestellten bei den Umkleidekabinen erhielt ich dann einen Schlüssel mit der Aufforderung, weitere 3 JOD zu bezahlen. Ich stieg zum Ufer hinab, was gar nicht so einfach war. Es ging über den felsigen Steilhang hinab und der vorgesehene Steg endete hoch über dem Ufer. Erst später erfuhr ich, dass das Tote Meer austrocknet und die Uferlinie sich jährlich um mehrere Meter senkt, so dass die Hotels die Stege verlängern müssen, was am OH Beach offensichtlich nicht geschehen war. Auch der Gang zur Dusche, die man unbedingt nach dem Bad benutzen muss,  war mit einer längeren Kletterei verbunden. Außerdem gab es keine Angestellten am Strand und die bekannten Schlammpackungen wurden nicht angeboten.

Trotzdem : das Bad im Toten Meer ist ein tolles Erlebnis. Du gehst ins Wasser und dann hebt es dich wie von alleine hoch, sogar schon ab Hüfttiefe, und du schwebst auf dem Wasser. Schwimmen ist nicht möglich, dazu müsste man tiefer im Wasser liegen. Also: bei allem Ärger einmalig ! Nach zehn Minuten muss man in der Regel das Bad beenden, weil an irgendeiner Körperstelle ein heftiges Brennen einsetzt. Oft handelt es sich um eine winzige Wunde, die vorher überhaupt nicht aufgefallen ist. Nach dem Duschen schwamm ich noch im Süßwasserpool, der recht groß war, und dann musste ich auch schon wieder los.

Übernachten am Toten Meer ist meiner Meinung nach nicht notwendig, aber einen Tagesausflug von Madaba zu unternehmen und mindestens einen halben Tag zu bleiben, vielleicht in einem der Luxushotels, empfehle ich schon.

Meine Rückfahrt nach Madaba führte über eine gut ausgebaute Bergstraße in  unzähligen Serpentinen stetig bergauf und bergab. Die Felsen glühten in verschiedenen Farbtönen im Abendlicht. Es war einfach wunderschön.

Trotzdem war ich froh, als ich bei Sonnenuntergang, pünktlich zum Ruf des Muezzins zum Abendgebet, wieder in Madaba ankam.

Weiterlesen „Jordanien Rundreise im November 2018 (1) Madaba und Totes Meer“

Wandern in den spanischen Pyrenäen (3)

15. – 19.9.2018

Wir schließen uns einer Massenveranstaltung an und bestehen eine Ausdauerprobe. Nur der Berg geht uns verloren. Dann wären wir fast im falschen Film gelandet, sehen furiose Vorführungen und ich bestehe den absoluten Kältetest. Ich hoffe, dass mich nicht die Geier holen, und dann fehlt uns eine Machete, aber wir treffen auch auf eine Karawane. Unsere abschließende Wanderung in den Pyrenäen führt schließlich zu neuen Herausforderungen.

Morgens um 7:30 Uhr brachen wir zu unserer Wanderung im Valle de Ordesa bei Torla auf. Es wurde gerade erst hell. Die Sonne geht in Spanien ziemlich spät auf, weil dort die MEZ gilt, während es nach dem Sonnenstand eigentlich GMT geben müsste.

Wir fuhren mit dem Auto nach Torla. Das war  mit über 60 km (einfache Strecke) unsere längste Fahrstrecke dieses Urlaubs. Die Fahrspur war  teilweise schmal, aber es gab auch besser ausgebaute Strecken und am frühen Samstag morgen herrschte nicht viel Verkehr. Nach einer guten Stunde kamen wir in Torla an. Auf einem riesigen Parkplatz, der schon sehr gut gefüllt war, ließen wir das Auto und stiegen in den Shuttlebus zur Pradera Ordesa. In den Sommermonaten ist die Straße für den Privatverkehr gesperrt und die Fahrt zum Wanderparkplatz ist nur per Bustransfer möglich. Als wir auf der engen Straße fuhren, die an steilen Hängen entlang führte und die nicht mit richtigen Leitplanken sondern mit Holzlatten gesichert war, war ich unendlich  dankbar, dass wir nicht selber fahren mussten. Wenn sich die Busse begegneten, verständigen sie sich vorher per Funk über die jeweilige Ausweichstelle !

Schon beim Warten auf den Bus war uns aufgefallen, dass sehr viele Wanderer unterwegs waren. Das würde sich im Laufe  des Tages noch verstärken.

Beim Aussteigen  entdeckten wir eine große Bar, in der wir uns für den langen und anstrengenden Marsch, der uns bevorstand, mit einem köstlichen heißen Café con Leche und sehr leckeren Nussteilchen stärkten.

Die beliebteste  Wanderstrecke geht  leicht ansteigend am Río Arazas entlang zum Wasserfall Cola de Caballo.Wir hatten uns für die deutlich anstrengendere Variante mit einem Aufstieg von ca. 700 m auf eine Höhe von 2000 m (Senda de los Cazadores) entschieden. Danach ging es weiter über Faja de Pelay  mit einer herrlichen Sicht auf das Ordesa-Tal. Unser Ziel lag ebenfalls am Wasserfall und dann wollten wir   auf dem breiten leicht abfallenden Weg zurück zum Parkplatz wandern.

Was soll ich sagen, der Aufstieg, bei dem wir von zahlreichen Leidensgenossen begleitet wurden, die meisten, aber nicht alle, schneller waren als wir, verlief gut 2,5 Stunden in immer währenden Serpentinen ziemlich steil bergauf. Es war leicht bewölkt und in der Höhe herrschten ohnehin niedrigere Temperaturen, ideales Wanderwetter. Zwischendurch wurden wir immer wieder mit herrlichen Aussichten auf das Ordesa Tal und die gegenüberliegenden Felswände belohnt.

Eigentlich war die Steigung nicht  schlimm, aber der Aufstieg dauerte unendlich lange und nach etwa zwei Stunden, als es dann steiler wurde und Kletterei mit Händen und Füßen begann, waren meine Beine so schwer, dass jeder Schritt eine Überwindung bedeutete. H. und ich sind zwar nicht die Fittesten, aber wir sind hartnäckig und waren ein bisschen stolz,  als wir bis zum Mirador, dem höchsten Punkt, geschafft hatten.

Dort trafen wir unsere vielen Mitwanderer, denen wir im Laufe der nächsten Stunden immer wieder begegnen sollten. Wir unterhielten uns sehr nett mit einem norwegischen Ehepaar, das an einem Fjord wohnte und ähnliche Steigungen schon oft zurückgelegt hatten. Spanier waren in großen Gruppen unterwegs und unterhielten sich laut aber fröhlich. Viele Franzosen trafen wir aber kaum englischsprachige Wanderer. Vor einer deutschen Gruppe mit einem schlecht gelaunten Wanderführer, der jedesmal meckerte,  wenn sich die Gruppenmitglieder ausruhen wollten, flohen wir regelrecht. Am angenehmsten ging es sich hinter den verschiedenen spanischen Gruppen, deren Gespräche wir nur ansatzweise verstanden.

Die Wanderung verlief nun sehr angenehm an der 2000 m Höhenlinie und an dramatischen  Felswänden entlang und dann leicht abfallend Richtung Wasserfall.

Nach vier Stunden Wanderung nahmen wir unsere Brotzeit ein. Das Sitzen war herrlich. Wir hatten großen Hunger und das Essen schmeckte viel besser als sonst.

Von unserem Picknickplatz blickten wir auf den Wasserfall und für einen kurzen Augenblick sahen wir den Monte Perdido, den höchsten Berg im Nationalpark (3355 m) , und dann hatten wir ihn wieder  in den Wolken „verloren“.

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Als wir am Wasserfall ankamen, dachten wir, jetzt wäre  es nur noch ein Spaziergang  Tatsächlich liefen wir nun auf einem schönen Pfad zurück. Es ging an brausenden Wasserfällen entlang und durch einen herrlichen Wald, aber die Strecke „zog sich“.

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Unsere Wanderung dauerte noch fast drei Stunden. Nach sieben Stunden war bei mir die Luft raus. Immer wenn ich dachte,  dass wir gleich auf dem Parkplatz ankommen müssten, folgte die nächste Biegung des Weges im Wald. Einige Male mussten wir kurz und sehr leicht ansteigen.  Das fanden meine erschöpften Beine überhaupt nicht lustig.  Schon mehrmals war ich acht Stunden am Tag gewandert, zum Teil auch noch wesentlich länger, aber nun war ich am Rande meiner Kraft ! Nach siebeneinhalb Stunden (plus Pause) hatten wir es geschafft. Vor der Rückfahrt mit dem Shuttlebus gönnten wir uns noch einen Kaffee, der es schaffte, unsere Lebensgeister einigermaßen aufzupäppeln.

An diesem Tag verlieh mir mein Fitnesstracker für 40.000 Schritte den „Forrest Gump Badge“.

Nach dem Abendessen war ich so müde, dass ich auf unseren gewohnten Abendspaziergang durch das Dorf verzichtete.

Alles in allem war es eine tolle und abwechslungsreiche Wanderung (ca. 30 km), ein richtiges Highlight, auf das man keinesfalls verzichten sollte. Es empfiehlt sich aber, das Wochenende im Ordesa Tal zu meiden.

Am nächsten Tag, dem Sonntag, legten wir eine Wanderpause im nahen Städtchen Ainsa ein. Ainsa ist mit etwas über 2000 Einwohnern der größte Ort im Landkreis Sobrarbre und hat eine sehr sehenswerten Altstadt .

Dort fand eine Fiesta statt, das ganze Dorf war auf den Beinen und viele Besucher aus der französischen Partnerstadt bevölkerten die Gassen. Zunächst wollten wir das Eco Museo besichtigen. Das Museum öffnete gerade und wir folgten einer großen Gruppe bis in einen ziemlich großem Saal, der schon gut gefüllt war. Dass so viele  Einheimische die Videoprojektion des Museums sehen wollten, kam uns „spanisch“ vor . Gerade noch rechtzeitig verließen wir den Saal, nachdem wir die französische Ankündigung eines 90 minütigen Films über einen Priester, der  während der französischen Revolution lebte, verstanden hatten. Gut, dass wir uns „auf Französich“ verabschieden konnten.

Das Eco Museo war klein, aber die Fauna und Flora der Pyrenäen wurde auf drei Stockwerken entsprechend der Höhenlage ansprechend präsentiert. Dort bewunderten wir einen (nachgebildeten) Lammgeier. Danach schauten wir uns noch die verletzten Vögel an, die dort gepflegt werden.

Wir bummelten sehr gemütlich durch die Altstadt, aßen leckere Tapas und es gab mehrmals Kaffee. Ganz lassen konnten wir es aber doch nicht. Wir stiegen mit eingezogenem Kopf auf den Kirchturm mit einer wunderbaren Aussicht. Gottlob  schlugen die Glocken in diesem Moment nicht.

Schließlich schauten wir uns auf der Plaza Mayor eine beeindruckende Vorführung von aragonesischen Jotas an. Abwechselnd gab es schmetternden Gesang und temperamentvolle Tänze.

Am Nachmittag suchten wir noch einmal den idyllischen Badeplatz am Fluss auf. Und dieses Mal tat ich es: ich ging bis zum Hals ins eiskalte Wasser! Ganz langsam watete ich hinein, aber als ich anfing zu schwimmen, blieb mir fast die Luft weg. Mehr als ein paar Züge konnte ich zwischen den Felsen ohnehin nicht machen und dann war es auch gut gewesen.

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Am Montag unternahmen wir eine Rundwanderung im Valle de Chisau. Unterwegs hielten wir an einem Parkplatz, wo gutes Geierwatching möglich sein sollte. Tatsächlich entdeckten wir einige Raubvögel, die aber sehr weit oben kreisten.

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Unsere Wanderung begann in Plan, einem kleinen Örtchen, in dem wir den Weg nach Gstain nicht fanden. Die Touristeninformation war geschlossen und viele Einheimische waren auch nicht unterwegs. Wir fragten praktisch jeden Menschen, der uns begegnete, aber ohne Erfolg. Schließlich trafen wir einen sehr netten Mann, der uns, als er merkte, dass wir seine spanische Beschreibung nicht verstanden, bis zur Abzweigung begleitete. Dort waren wir schon vorbeigegangen, es gab in unserer Richtung aber kein Schild. In weniger als einer Stunde waren wir 300 Höhenmeter nach Gstain aufgestiegen und ziemlich stolz auf unsere Leistung. Hinter dem Ort ging es zunächst stark bergauf, bis wir am Mirador mit einem wunderbaren Blick auf das Tal und die umliegenden Berge ankamen.

 

Auf einem als „Kräuterpfad“ bezeichneten Weg, der nun eben verlief, und wo tatsächlich Rosmarin, Thymian und Oregano wuchsen, liefen wir genüsslich mit herrlichen Ausblicken weiter. Zu unserem Etappenziel, dem Dörfchen Serveto, stiegen wir steil herab. Dort wohnten angeblich noch einige Leute. Wir sahen aber nur ein paar Katzen, die  laut maunzend auf uns zukamen. Zu meinem Schrecken ging es hinter dem Ort in der prallen Nachmittagssonne wieder anhaltend bergauf.  Wir waren nun schon über drei Stunden unterwegs und hatten uns ziemlich weit von Plan entfernt.

Schließlich erreichten wir einen Grat, der von mehreren höheren Bergen umgeben war. Wir hatten seit Stunden keinen Menschen gesehen. Nicht wirklich beruhigt war ich , als ich feststellte, dass es auch kein Mobilfunknetz gab. Unser Pfad verlief nun an dramatischen Felswänden entlang und schlängelte sich nicht, wie in unserer Wanderbeschreibung angegeben, gemächlich bergab, sondern verlief steil und teilweise geröllig und forderte unsere ganze Konzentration. Aber dann passierte das Wunderbare: wir sahen direkt über uns kreisende Geier ! Das Fotografieren stellte sich allerdings als schwierig heraus. H. musste mich festhalten, damit ich nicht abstürzte. Aber es war sehr beeindruckend, die Tiere elegant über uns hinweg segelnd  zu erleben. Es tat mir auch nicht mehr leid, dass wir uns gegen einen Besuch der Geierfütterung in Ainsa entschieden hatten. Die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben, war viel schöner.

Nun begann der mühsame und zum Teil gefährliche Abstieg. Kurz nach unserem schönen Geierwatching mussten wir ein Geröllfeld an einem steilen Abhang überqueren. Die Steine waren noch nicht festgetreten und es ging hunderte von Metern ohne eine Haltemöglichkeit bergab. Extrem vorsichtig setzen wir einen kleinen Schritt vor den anderen und erreichten schließlich mit zitternden Knien wieder festen Boden. Vor lauter Schreck hatte ich unbemerkt meinen Hut fallen lassen, aber meine Lust wieder zurückzugehen war gleich Null. Nun stiegen wir sehr lange auf einem schmalen verwachsenen Pfad bergab. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag hatte ich den Eindruck, dass diese Wanderung schon lange nicht mehr begangen wurde. Den letzten Teil des Abstiegs bewältigten wir – zu meiner großen Freude – auf einer rutschigen Schotterpiste. Unten im Tal setzte sich die Wanderung zunächst angenehm eben am Fluss entlang fort. Verlaufen konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Der Weg war auch ganz gut ausgeschildert, trotzdem  fragten wir uns häufiger, wo er verlief. Wir waren in einem spanischen Dschungel gelandet. Alles war fast komplett zu gewachsen. Meine Wanderstöcke benutzte  ich, um die Pflanzen zur Seite zu schieben. Ziemlich ermattet kamen wir beim Auto in Plan an. Auf dem Hinweg hatten wir eine Bar gesehen, die höchstens 200 m weit entfernt war. Aber wir waren so müde, dass wir mit dem PKW dort hinfuhren.

Als wir gemütlich auf  der Terrasse beim Kaffee saßen, sah ich, dass wir in der  bekannten “ Bar Bruche“  gelandet waren. Wer sich für den Grund interessiert und dafür,  wie die Junggesellen von Plan und ihr findiger Priester in den 80er Jahren  eine Karawane der Frauen  nach Plan geholt haben, sollte hier nachschauen

Erstaunlich fand ich, dass es in der Bar überhaupt keinen Hinweis auf die Karawane der Frauen gab, nicht mal ein Foto . Sehr geschäftstüchtig kam uns das nicht vor. Hätte sich als eine gigantische Werbung für die Bar geeignet.

29 km, ca. 6 Stunden

Am letzten Tag in den Pyrenäen beschlossen wir direkt von Laspuña aus ohne Auto wandern zu gehen. Wir stiegen zum Rio Cinco hinab und gingen bei mäßig warmen, bewölkten Wetter am Fluss entlang. Der Weg verlief recht idyllisch mit kleinen Auf- und Abstiegen zum Teil durch den Wald. Auf dieser Seite des Flusses, wo die Straße nicht entlang führte, gab es keine Picknickplätze und wir mussten lange suchen, bis wir uns ans Ufer durchschlagen konnten. Dort verbrachten wir eine sehr schöne Mittagspause, aßen unsere letzte Brotzeit und schauten noch einmal auf die umliegenden Berge, auf denen wir zum Teil sehr schön gewandert waren. Die Sicht auf das Dörfchen Torla erinnerte uns an unseren ersten Wandertag.

 

Auf dem Rückweg schien die Sonne und wir genossen die wunderbaren Blicke auf die Berge und den Fluss  zunächst sehr. Dann kamen wir aus dem Wald und folgten  steinigen Flussbett . Trotz der interessanten Vegetation, die wie ein riesiger Steingarten wirkte, war es uns irgendwann nur noch heiß. Besonders schlimm war das letzte Stück, als wir auf der Straße entlang gehen und nach Laspuña, das auf einem Hügel liegt, aufsteigen mussten. Im Auto war uns der Hügel bei weitem nicht so steil vorgekommen !

Ca. 20 Km, 4 Stunden.

Zum Abschied fuhren wir dann doch noch mit dem Auto, in den nächsten Ort zum Kaffeetrinken.

Am nächsten Tag verließen wir die wunderschöne Gegend und fuhren nach Tossa de Mar, wo wir uns bei spätssommerlichem Wetter von den Strapazen erholten.

Fazit: So schön und so unberührt hatte ich mir die Landschaft in den Pyrenäen nicht vorgestellt. Ich würde jederzeit wiederkommen. Es gibt unzählige und großartige Wandermöglichkeiten. Geierwatching bietet sich an. Die historischen Bauten, vor allem die romanischen Kirchen, wäre eine eigene Reise wert. Die Straßen sind allerdings gewöhnungsbedürftig.

 

Wenn ihr euch für das Wandern in den Pyrenäen interessiert und wissen wollt, was wir vorher erlebt hatten, schaut doch mal hier

Wandern in den spanischen Pyrenäen (1)

Wandern in den spanischen Pyrenäen (2)

Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich.

Wandern in den spanischen Pyrenäen (2)

14.-15.9.2018

Wir fliehen vor fiesen Biestern in eine Spelunke und erstarren in eisiger Kälte. Dann sparen wir uns den Flug in die USA, erklimmen wilde Kaskaden und genießen Glockenläuten beim Cafe con leche. 

Nachdem wir am Vortag im strömenden Regen unterwegs gewesen waren,

Wandern in den spanischen Pyrenäen (1)    

lachte nun wieder die Sonne. Wir unternahmen eine Wanderung im Gebirge, das sich über „unserem“ Dorf Laspuña auftürmt, bis zur Einsiedelei La Espelunga des Hl. Victorian. Im 6.Jh lebte der Heilige dort bis ins hohe Alter und zog dann ins Kloster um, das nach seinem Tod nach ihm benannt wurde.

Bis zum Ausgangspunkt mussten wir nur 14 km fahren . Das Sträßchen war aber so eng, dass wir überlegten, ob wir  die restlichen Kilometer laufen sollten.  Allerdings trauten wir uns nicht, unser Mietauto  am Straßenrand „in the middle of nowhere “ zu parken. Kurz vor dem Kloster befand sich ein  riesiger Wanderparkplatz, von dem mehrere Wege in die Höhe führten. Wir gingen weiter zum Kloster San Victorian, angeblich das älteste Kloster Spaniens. Die Klosterruine wird derzeit wieder aufgebaut. Fertig ist die Kirche, die man nur am Sonntag mit einer Führung besichtigen kann.

 

Oberhalb des Klosters führte unser Wanderweg erst allmählich und dann zunehmend steiler in die Höhe. Wir liefen zunächst im Schatten, was sehr angenehm war, weil die Sonne zum Wandern schon fast zu heiß brannte. Allerdings umschwirrten uns ständig kleine und stechende Fliegen, die sich auf Mund, Nase und Augen stürzten wollten.

Unterwegs genossen wir einen Ausblick auf die  schön bewachsene Landschaft des Landkreises Sobrabre, bewunderten die erodierten Reste von Vulkankegeln und kamen  noch an einer weiteren Eremitage vorbei.

 

Richtig abenteuerlich wurde der Pfad, nachdem wir an der Vegetationsgrenze angelangt waren. Hinter einer Felswand nahmen wir den Kletterpfad zur Espelunga.

 

Die Einsiedelei ist so in den Felsen eingebaut, dass man sie von weitem nicht erkennen kann. Im Innere befindet sich eine Höhle, in der der Heilige gelebt hat. Die  angebaute Barockkapelle stammt aus dem 16.Jahrhundert. Allerdings war statt eines Altars nur eine Attrappe zu sehen, da wäre die Diebstahlgefahr zu hoch.

Auf der „Terrasse“ vor der Eremitage verzehrten wir unsere mitgebrachte Brotzeit. Es gab wieder Weißbrot, Käse, Salami, Obst und Müsliriegel und dazu Wasser und warme Cola. Ich genoß die schöne Aussicht, dachte aber etwas wehmütig , wie schön es wäre, wenn an dieser Stelle ein Café leckeres Essen und mein koffeinhaltiges Lieblingsgetränk anböte.

Der steile Abstieg mit lockeren Steinen war gar nicht mein Fall. Aber auf der Rückfahrt kam die Belohnung. In einer Bar im nächsten Dörfchen bekamen wir Kaffee und leckeren Obstkuchen und genossen die wunderbare Aussicht auf die Berge.

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Auf dem Dach des Hauses sieht man einen traditionellen Kamin. Der unförmige Kegel stellt eine Hexe dar. Die Leute glaubten früher, dass Hexen durch den Kamin hereinkommen und um sie davon abzuhalten, wurde so signalisiert, dass im Haus schon eine Hexe wohnt.

Auf der Rückfahrt wurden wir dann von einer Rinderherde gestoppt, die  sehr gemächlich und friedlich vorbeitrottete.

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Unsere Wanderung hatte nur 3 Stunden gedauert, das Wetter war nach wie vor herrlich, daher beschlossen wir die vom Veranstalter empfohlene Badestelle am Fluss aufzusuchen. Dort war es ziemlich idyllisch, am munter plätschernden Wasser erholten wir uns von den Strapazen des Vormittags. Das Wasser war allerdings extrem kalt,  so dass wir nur kurz heftig bibbernd durch den Fluss wateten.

 

3 Stunden (mit Pause),13 Km

Am nächsten Tag wanderten wir im Valle de Pineta im  Monte Perdido Nationalpark. Schon während der Anfahrt brach ich wieder in entzückte Wow-Rufe aus. Die Landschaft wirkte sehr beeindruckend und erinnerte mich an den Zion Nationalpark im Südwesten der USA.

 

Aus dem Talkessel  stiegen wir an mehreren Wasserfällen des Rio Cinca  entlang auf die Hochsebene Llanos de Lalarri.  Der Weg verlief zunächst  am kühlen Wasser und durch dichten Wald, was den steilen Aufstieg sehr angenehm machte.  Kurz vor der Hochebene war es damit vorbei, aber der Blick in den Talschluss war danach spektakulär.

 

Unser Ziel war der Wasserfall am Talende. Dort legten wir unsere Mittagsbrotzeit ein und gingen dann über die Hochebene auf dem gleichen Weg zurück. Auf der riesigen Almwiese sahen wir zahlreiche Kühe und Pferde.

Vorbei an einem weiteren Wasserfall kehrten wir zum Parkplatz zurück, wo wir auf der Terrasse der Nationalparkbar Kaffee tranken. Kuchen gabs keinen aber einen Logenblick  auf die nebenan grasenden Kühe mit Kälbchen und heftiges Gebimmel.

 

16  Km, 4,5 Stunden mit Pause

Wenn ihr wissen wollt, was wir noch in den Pyrenäen erlebt haben, schaut doch mal hier nach

Wandern in den spanischen Pyrenäen (3)

Wandern in den spanischen Pyrenäen (1)

Nach einem  Aufenthalt in der wunderbaren aber auch unverschämt teuren Stadt Barcelona fuhren wir mit dem Mietwagen in die Pyrenäen.

Wir hatten im idyllischen Dörfchen Laspuña bei Ainsa über einen Reiseveranstalter eine Unterkunft und das Programm „Wandern auf eigene Faust“ gebucht. Gegen die ebenfalls angebotene Wanderreise in einer Gruppe hatten wir uns bewusst entschieden. Von Laspuña aus unternahmen wir täglich Wanderungen und folgten dabei meistens den Wandervorschlägen des Reisebüros (oder versuchten es zumindest !).

Die Benutzung eines Fahrzeugs war notwendig, um zu den Ausgangspunkten der Wanderungen zu kommen. Angebote öffentlichen Nahverkehrs sind in der Gegend praktisch nicht vorhanden.

Übrigens: ich beschreibe unsere zu 100 % selbst finanzierte Reise …

Viel Spass beim Lesen wünscht eure Inga  und ich denke dabei besonders an Pilgerin Belana Hermine, deren tägliche Reiseberichte von ihrer Pyrenäenwanderung vom Atlantik zum Mittelmeer meine Vorfreude auf unseren Pyrenäenurlaub sehr gesteigert hatten.

 10.9.2018 bis 13.09.2018

Wir begeben uns auf eine Höllenfahrt, besuchen Einsiedeleien, begegnen gefährlichen Raubvögeln, finden den Ausstieg aus dem kleinen Grand Canyon nicht und  haben dabei rauschende Erlebnisse. Nach einem Aufstieg in einen Zirkus, wringen wir uns in einer Hütte aus und gönnen uns dann Schleckereien in einer Tankstelle.

An unserem ersten Tag in den Pyrenäen wollten wir es ruhig angehen lassen. Wir wählten daher eine kombinierte Tour  zu  den Dörfchen Tella und  Revilla mit kurzen Wanderungen bzw. Spaziergängen. Angegeben war die Fahrstrecke mit 24 km hin und zurück.

Zunächst fuhren wir von Laspuña abwärts  zur Hauptstraße, die entlang des Rio Cinca verläuft. Dort sind alle paar Kilometer schöne Picknickplätze  am Fluss ausgewiesen, die wir aber nie besuchten. Die Straße führt über Bielsa nach Frankreich und ist sehr gut ausgebaut.  Dann bogen wir Richtung Tella ab, das mit 1360 m ca. 700 m höher liegt und prompt war „Schluss mit lustig“. Wir bekamen einen ersten Eindruck von den in unserem Fall stets asphaltierten aber sehr kurvigen  und engen Sträßchen, die oft auch noch zahlreiche Schlaglöcher aufwiesen und an steilen Abhängen, zum Teil ohne Vegetation oder Leitplanken, verlaufen.

Gleichzeitig fuhren wir durch sehr schöne Landschaft, die Ausblicke waren bereits atemberaubend. Allerdings konnte H. sie nicht betrachten, weil er sich auf die Straße konzentrieren musste, während ich die berühmten „tausend Tode“ starb. Da die Orte an der Straße kaum bewohnt sind und wir in der Nebensaison unterwegs waren, kamen uns nur wenige Fahrzeuge entgegen. Dabei fuhr jeder vorsichtig und mit ein bisschen Vor- und Zurückrangieren  klappte es immer mit dem Vorbeifahren.

Tella, ein winziges Örtchen, liegt am Eingang des Nationalparks „Monte Perdido & Ordesa“ (Eintritt kostenlos). Von hier aus legten wir eine kurze Rundwanderung zu drei Eremitagen aus dem 10. bis 16.Jahrhundert („Ruta de los Ermitos“)  mit weiten und faszinierenden Ausblicken  zurück.

 

 

 

„Wow !“ rief ich zum ersten Mal in diesem Wanderurlaub. Die Landschaften in den Pyrenäen sind auf eine sehr besondere Weise beeindruckend und überhaupt nicht überlaufen. So manches Mal erinnerte mich  an die Nationalparks im Südwesten der USA. Nur dass es in den Pyrenäen  mit den Eremitagen und den romanischen Kirchen mehr historische Gebäude zu sehen gab, von den kleinen Orten mit ihren alten Steinhäusern ganz abgesehen.

Auf dem Rückweg durch das verlassene Tella begegneten uns nur einzelne Katzen, die uns eher skeptisch musterten.

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Wir „erholten“ uns auf der Terrasse der erst kürzlich eröffneten Bar  mit großartigem Ausblick (einzige Einkehrmöglichkeit in Tella) und besuchten dann das Museum über die riesigen Höhlenbären, die vor ca. 30.000 Jahren in der Gegend lebten.

Die Abzweigung nach Revilla hatten wir schon auf der Hinfahrt gesehen und die Straße wurde nicht besser!  Wir liefen dann vom Wanderparkplatz relativ gemütlich eine halbe Stunde  zu zwei nebeneinanderliegenden Miradores mit Blick in die dramatische Escuain-Schlucht.

 

 

 

 

 

Schon während ich die ersten Fotos schoss, flog in einem Abstand von ca. 10 Metern der erste Geier vorbei. Es war einer der seltenen Lammgeier, die vom Aussterben bedroht sind und von denen es im  Sobrarbe Landkreis, zu dem auch Laspuna gehört, aber wieder ca. 30 Paare geben soll. In der Gegend hat man angeblich die weltweit besten Möglichkeiten, Raubvögel und speziell Geier zu beobachten.

Mit dem Fokussieren der Vögel, die nun fast im Minutenabstand elegant vorbei segelten, hatte ich aber ein Problem und erwischte nur die, wenn auch sehr malerischen, Felswände. Erst später erfuhren wir, dass in der Nähe der Miradores die Geier zusätzlich gefüttert werden. Hätte ich gewusst, dass dies meine beste Begegnung mit den Geiern bleiben würde, wäre ich länger geblieben, um zu fotografieren! Stattdessen dachte ich irrtümlich  „Na ja, erster Tag, da kommt noch viel Besseres!“

15 km, zwei Spaziergänge von ca. 1,5 Stunden.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Cañon im Valle de Anisclo. Die Zu- und Abfahrt verläuft normalerweise im Einbahnstraßenverkehr auf zwei verschiedenen  Straßen. Allerdings ist eine der beiden Straßen seit 2017 wegen eines Tunneleinbruchs gesperrt, so dass wir das Vergnügen hatten, auf der engeren und schlechteren Straße über Buerba hin und zurück zu fahren. Für die insgesamt 40 km brauchten wir mehr als eineinhalb nervenaufreibende Stunden.

Schon auf dem  ersten Mirador-Parkplatz mit Blick in die Schlucht brach ich aber schon wieder in einen entzückten „Wow“ Ruf aus.

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Vom nächsten Mirador, wo wir das Auto parkten (wir wussten nicht, dass man noch weiter unten an der gesperrten Straße halten konnte), stiegen wir hinunter in den Canyon.

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Wir liefen im Cañon de Anisclo unter steil aufragenden ockerfarbenen Felswänden, am türkisfarbenen Wasser des Rio Bellos entlang und an zahlreichen Wasserfällen. Natürlich kamen wir auch wieder an einer Eremitage vorbei, die unter einer hervorkragenden Felswand errichtet worden war. Der Weg verlief dann durch einen verwunschenen bemosten Märchenwald mit idyllischen Rastplätzen am Flußufer. Unterwegs gab es sogar eine der vielen Trinkwasserquellen in der Gegend („Fuent

 

 

Eigentlich waren wir überaus glücklich, hätte da nicht in der Wanderbeschreibung gestanden , dass wir einen „Buchsbaumpfad weiter hoch nach Mondoto“ nehmen sollten. Ziemlich am Anfang des Weges hatte es eine Abzweigung gegeben, die aber mit anderen Zielen beschildert war, und danach  ging es nur noch weiter in die Schlucht hinein. Wir beschlossen schließlich, noch eine Weile dem wunderschönen Flußpfad zu folgen, legten eine Mittagspause an einem rauschenden Wasserfall ein und spazierten zurück, wobei wir zum Schluss noch einen kleinen Rundweg (Circuito San Urbez) gingen.

Auf dem Rückweg zum Auto fluchten wir ein bisschen, weil wir schon etwas müde waren, an der kaum befahrenen Straße entlang hinaufsteigen mussten. Allerdings sahen wir dabei die Landschaft im goldfarbenen Nachmittagslicht.

 

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Vor der anstrengenden Rückfahrt erholten wir uns in einer der beiden Bars im Dorf  Buerba. Wer in den Pyrenäen zum Wandern geht, muss wissen, dass es dort nur sehr selten Einkehrmöglichkeiten während des Wanderns gibt. Die Brotzeit muss man sich mitnehmen und kann dann vor oder nach dem Wandern in einer Bar im Ort einkehren, die es aber nicht in jedem Dorf vorhanden ist. Viele abgelegene Orte wurden schon von ihren Einwohnern verlassen.

20 Km,  ca. 5 Stunden plus Pausen.

Der Verlauf des dritten Tages bewahrte uns vor einem Overkill an schönen Landschaftserlebnissen. Ausgesucht hatte ich die Tour, weil sie keine abenteuerliche Anfahrt erforderte, sondern der Wanderparkplatz zum „Circo de Barrosa“ direkt an der Strasse über Bielsa nach Frankreich in der Nähe von Parzan lag. Auf dem Hinweg tankten wir und kehrten, einem Tipp unseres Veranstalters folgend, in der Bar an der Tankstelle ein. Tatsächlich war dort um 10 Uhr morgens schon einiges los : eine fröhliche Runde von Fernfahrern frühstückte dort deftig mit Tortilla,Wein und Kaffee mit Schnapps. Beim Cafe con Leche entdeckte ich, dass es frischen Kuchen gab. Bis dahin hatte ich das in den Pyrenäen noch nicht bekommen und merkte es mir für den Rückweg vor.

Beim Einkauf im  angrenzenden Supermarkt fiel uns auf, dass es ein sehr breites Spirituosenangebot gab und zwar hauptsächlich in XXL-Flaschen. Hinterher fiel uns ein, dass dies auf die vielen französischen Touristen zielte, die hier über die nahe Grenze kamen.

Nachdem wir das Auto geparkt hatten, liefen wir auf einem angenehm ansteigenden Weg an den Ruinen einer Blei- und Silbermine entlang in den imposanten Talkessel des Circo de Barroso, dem wir bis zum Ende folgen sollten.

 

 

 

 

 

Nun bewölkte es sich zunehmend, was wir aber nicht weiter beachteten.  Dem Rio Barrosa waren wir stetig gefolgt und überquerten ihn an der ausgeschilderten Stelle mühelos, von Stein zu Stein gehend. Danach stiegen wir zu einer Schutzhütte (Refugio) auf 1740 m Höhe auf, die unser erstes Ziel bildete. Als wir dort ankamen, fielen ein paar Regentropfen. Wir verzogen uns ins Innere, wo einfache Stockbetten, ein Tisch mit Stühlen und sogar ein Ofen standen. Diesen sollte man allerdings nicht benutzen, weil der Abzug nicht funktionierte. Nachdem wir unsere Brotzeit  relativ komfortabel eingenommen hatten, hörte es auf zu regnen. Ich fühlte mich noch nicht ausgelastet und schlug vor, dass wir zur zweiten Schutzhütte gehen, die in unserer Wanderbeschreibung mit 1880 m Höhe angegeben war. Unterwegs regnete es immer mal wieder ein bisschen, aber nicht schlimm. Wir zogen unsere Regenjacken an und stiegen in Serpentinen immer weiter auf. Irgendwann kam uns das Ganze „spanisch“ vor: wir mussten schon auf etwa 2000 m Höhe sein. Wir kehrten um und in diesem Moment fing es  richtig stark zu schütten an. So schnell wir konnten, liefen wir den Berg hinunter und entdeckten dabei unser „Ziel“ , das zweite Refugio unweit der ersten Schutzhütte, eine zwischen hohen Felsen versteckte Ruine (!) .

 

 

 

Als wir in das Refugio zurückgekehrte , wo wir unsere Mittagspause verbracht hatten, waren wir bis auf die Haut nass. Wir zogen einige Sachen aus und hängten sie an die Haken in der Hütte. Meine Jacke konnte man auswringen. Wir warteten eine halbe Stunde und schauten auf die Pfütze am Eingang der Schutzhütte.  Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, traten wir den Rückweg an. Interessant war, dass die nassen Klamotten sich auf der Haut zunächst ekelhaft klamm anfühlten und dann beim Wandern Körpertemperatur annahmen.

Der Rio Barroso hatte sich inzwischen in einen reissenden Fluss verwandelt, die Furt am Wanderweg gab es nicht mehr. Wir fanden schließlich eine Stelle, wo wir einigermaßen queren konnten. Allerdings  kam dabei Wasser in meine Schuhe. Meine Füße waren bis dahin meine  letzten trockenen Stellen gewesen. In einer guten Stunde, sehr viel schneller als auf dem Hinweg, waren wir zurück am Auto, das einsam auf dem Parkplatz stand. Die anderen Wanderer waren anscheinend vernünftiger gewesen und früher umgekehrt.

In der Bar an der Tankstelle gab es dann Kaffee und leckeren Kuchen. Allerdings blieben wir nicht lange, weil wir uns in den nassen Klamotten nicht wohlfühlten.

Insgesamt war das ein sehr denkwürdiger Tag, der uns zeigte, wie unvorsichtig wir gewesen waren. Allerdings ärgerten wir uns auch über die Beschreibung des Wanderwegs, die nicht aktuell war.

15 Km, ca. 5 Stunden

Wenn Ihr unsere weiteren Wanderungen in den Pyrenäen verfolgen möchtet, schaut doch mal hier.

Wandern in den spanischen Pyrenäen (2)

Wandern in den spanischen Pyrenäen (3)

 

Wart Ihr auch schon in den Pyrenäen wandern und was habt ihr erlebt ?

Wenn ihr euch mehr für Wanderungen in zivilisierteren allerdings auch überlaufenen Gegenden interessiert, dann schaut doch mal hier

Cinque Terre im Vorfrühling 1

Cinque Terre im Vorfrühling 2