Jordanien Rundreise im November 2018 (2) Wadi Dana

Kreuzritterburg Karak und Wandern im Dana Nature Reserve

Als ich heute durch den Nebel im spätherbstlichen Wald schlenderte, dachte ich zurück an meine wunderbare, zuweilen abenteuerliche Tour durch das kleine Land Jordanien, das es schafft, umgeben von problematischen und keineswegs friedlichen Nachbarländern, relativen Frieden und Toleranz zu wahren. Außerdem beherbergt Jordanien bei knapp zehn Millionen Einwohnern ca. eine Mio. syrische Flüchtlinge …

Gegenüber Touristen haben die Jordanier eine regelrechte „Willkommenskultur“ entwickelt. Sie sind (außer in Petra)  zurückhaltend, sprechen dich nicht an, aber wenn man auf sie zugeht, eine Auskunft haben möchte, reagieren sie freundlich, mit einem „Where are you from ?“ „Germany“ und dann antworten sie mit Lächeln und begrüßen dich mit „Welcome“. Erst danach kann man sie fragen, wo die nächste Toilette ist o.Ä. Oft ist der englische Wortschatz mit der Begrüßung erschöpft, aber es handelt sich um reine Freundlichkeit, ohne die folgende Aufforderung etwas zu kaufen (nicht so in Petra).

 

02.11.2018 –  Fahrt nach Karak und Dana

Am frühen Morgen ging ich zum Frühstück und da traf ich sie zum ersten und keineswegs zum letzten Mal : die REISEGRUPPE. Wenn ich zum ersten Mal vor dem Frühstücksbuffet in einem Hotel stehe, dann ist es ganz natürlich, dass ich nicht alles auf Anhieb finde, mich zum Beispiel frage, wo die Butter liegt und das Besteck. Auch wünsche ich mir z.B., dass es frisches Obst und Müsli gibt, kann es aber nicht entdecken. Wenn eine Gruppe am Buffet eintrifft, dann werden diese Fragen laut gestellt und im Extremfall werden sie quer durch den Raum geschrien. Auch trägt es nicht gerade zu meiner guten Laune bei, wenn ich vor dem ersten Kaffee am Buffet anstehen muss und es länger dauert, weil manche Touristen die Speisen nicht kennen und dann erst miteinander besprechen müssen, was sie sich auf den Teller laden.

Schon um acht Uhr morgens begab ich mich auf die Weiterreise. Mein erstes Ziel, einen schönen Ausblick auf das Wadi Mujib, ein Naturschutzgebiet, das ich mir nur von oben anschauen wollte, hatte ich bald erreicht. Ein junger Beduine, der mich mit seinem Piratentuch und den mit Kajal geschminkten Augen an Jack Sparrow erinnerte, bot köstlich starken Schwarztee mit frischer Minze an. Bei  diesem Heißgetränk genoss ich den Blick das wunderschöne Wadi Mujib, das wie eine Miniaturausgabe des Grand Canyon wirkte.
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Beim Genießen des Ausblicks hatte ich nicht erwartet, dass ich in das Tal hinunter und auf der anderen Seite den Berg wieder herauf fahren würde, aber genauso kam es. Trotz wunderbarer Ausblicke und der durchweg gut ausgebauten Straße forderten die zahlreichen Serpentinen meine volle Konzentration. Um so erleichterter war ich, als ich kurz vor Mittag in Karak ankam. Die Kreuzritterburg fand ich ohne Probleme und begann mit der Besichtigung der riesigen Festungsruine aus dem  12.Jahrhundert. Gut erhalten waren vor allem ausgedehnte unterirdische Gallerien, darunter eine „Einkaufsstraße“, zwei Gefängnisse, aber auch ein Palast der islamischen Eroberer nebst Moschee aus dem 14. Jahrhundert. Wie im Reiseführer empfohlen hatte ich eine Taschenlampe griffbereit, brauchte sie aber nicht, weil inzwischen Bewegungsmelder eingebaut wurden, die das Licht anschalten, sobald man den Raum betrat.

Nach der Besichtigung fuhr ich relativ bald weiter Richtung Dana, was gut war, weil sich die weitere Fahrt von ca. 90 km noch mehr als zwei Stunden hinziehen sollte. Zahlreiche Ortsdurchfahrten und einige Umleitungen sorgten dafür, dass ich nur langsam vorankam. Zeitweise schien auch Google Maps die Orientierung zu verlieren und schickte mich auf völlig verlassene enge Sträßchen, die aber stets asphaltiert waren. Zwischendurch durchquerte ich auch wieder einige Täler und absolvierte Berg- und Talfahrten. Ziemlich erleichtert war ich, als ich wieder auf dem King’s Highway ankam, einer einigermaßen gut ausgebauten Überlandstraße.

Dann bemerkte ich, dass mein Handy nur noch eine Akkuladung von unter 10 % anzeigte. Würde ich die Abzweigung nach Dana Village ohne Navigation finden? Kurz darauf fuhr mein Smartphone herunter. Ich hatte es mit einem speziellen Kabel zum Aufladen an den Zigarettenanzünder des Mietwagens angeschlossen. Bei früheren Urlauben hatte das funktioniert und ich verstand die Welt nicht mehr. Kurz zeigte ein Schild zur Dana Nature Reserve und ich fuhr ab. Die nicht asphaltierte Straße kam mir seltsam vor. In diesem Moment kam mir ein riesiger  LKW entgegen. Nachdem ich dem Fahrer zugewinkt hatte, hielt er an und ich kurbelte meine Scheibe herunter und schrie meine Frage nach  dem Ort Dana nach oben. Mit Handzeichen machte mir der Fahrer klar, dass die Abfahrt noch kommen würde. Fast wäre ich zum Rummana Campground im Naturschutzgebiet heruntergefahren.

Inzwischen musste ich sehr dringend auf die Toilette. Am nächsten Parkplatz mit Aussichtspunkt hielt ich daher an. Hier standen mehrere Busse und am Rand des Parkplatzes gab es eifrig fotografierende Touristen. Für den spektakulären Blick ins Wadi Dana interessierte ich mich gerade nicht, sondern verkrümelte mich in ein Gebüsch am anderen Ende des Parkplatzes, nachdem ich kein WC entdeckt hatte.

Als ich zurück kam, entdeckte ich eine deutsche Reisegruppe und fragte ihren Reiseleiter nach der Abzweigung nach Dana. Der nette Mann erklärte mir, dass es nach einigen Kilometern rechts ab gehe, konnte aber nicht versehen, wieso mein Handy nicht aufgeladen wurde und ging mit mir zum Auto. Hier entdeckten wir, dass in dem Neuwagen einen speziellen USB-Anschluss unter dem Handschuhfach gab, an den ich das Smartphone hätte anschließen sollen. Ich bedankte mich herzlich und hoffte im Stillen, dass dies mein letztes Technikdisaster gewesen war.

In Dana Village angekommen bezog ich mein einfaches Kämmerchen im Dana Tower Hotel und ging anschließend im Abendlicht durch das Dorf spazieren. Dana Village war vor einiger Zeit schon fast verlassen. Etliche Ruinen sind immer noch zu sehen, aber an vielen Stellen werden die Gebäude für Touristen, die im Nature Reserve wandern wollen, instand gesetzt.
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Ich spazierte danach zum Rand des Canyons, in den ich am folgenden Tag hinabsteigen wollte. Es ging ziemlich steil und rutschig hinunter, was nicht so sehr mein Fall ist. Beim Betrachten des Sonnenuntergangs über dem überlegte ich, ob ich statt die volle Tour zur Feynan Ecolodge von 16 km zu unternehmen, nur ein Stück ins Wadi hinab gehen und dann wieder zurück wandern sollte. So würde ich mir auch die teure und lange Taxifahrt zurück nach Dana sparen.
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03.11.2018 –  Wanderung im Dana Nature Reserve

Schon um acht Uhr morgens stand ich gut eingepackt, mit Knieschützern und Wanderstöcken ausgerüstet, am Rand des Canyons. Am Vorabend hatte es angefangen zu stürmen, und immer noch fegten heftige Böen über Dana hinweg. Ab und zu bekam ich auch eine Ladung Sand ab. Ich hatte gezögert, ob ich überhaupt wandern gehen sollte, aber -zutreffend- damit gerechnet, dass der Wind beim Hinuntersteigen nachlassen würde. Noch einmal schaute ich in das wunderschöne aber menschenleere Tal hinab, bevor ich sehr langsam und vorsichtig mit dem Abstieg begann. In steilen Serpentinen führte der Weg nach unten. Es gab fast nur lose Steine, so dass ich sehr aufpassen musste, um nicht weg zu rutschen. Bei meinen Wanderungen habe ich mich in den letzten Jahren manchmal verletzt, bis hin zu einem Wadenbeinbruch in Patagonien, daher bin ich sehr vorsichtig geworden.

Nach einer Viertelstunde überholte mich ein Guide, der zwei Französinnen durch das Wadi führte. Wir kamen ins Gespräch und er riet mir, auf keinen Fall nach der Hälfte wieder zurückzulaufen. Zum einen sei der Weg bis zum Ende sehr schön abwechslungsreich, durchlaufe unterschiedliche Landschaften und zum anderen sei der Aufstieg sehr steil und anstrengend. Ich erklärte ihm, dass ich keinen Rücktransport organisiert hatte. Er versprach mir, mir an der Feynan Eco Lodge einen der dort angestellten Taxifahrer zu vermitteln.

Ich bedankte mich und die drei zogen mit flottem Tempo vorbei. Ich hatte damit gerechnet, dass mich noch weitere Wanderer überholen würden, was aber während der gesamten Wanderung nicht der Fall war. Lediglich kurz vor Feynan traf ich einige Menschen, die in der Gegenrichtung unterwegs waren.

Während meiner vierstündigen Landschaft bemühte ich mich, den Anschluss an die dreiköpfige Wandergruppe nicht zu verlieren. Ich war immer erleichtert, wenn ich sie in der Ferne wieder entdeckte. Verlaufen konnte man sich nicht, solange man in der Nähe des ausgetrockneten Bachbetts bewegte, aber manchmal verlief der Trail auch am Hang darüber  und wenn ich die Gruppe sah, half mir das auch bei der Orientierung. Steinhäufchen gab es ab und zu, aber nie einen Wegweiser. Einmal sah ich, als ich am Hang auf der Suche nach dem Trail hinaufschaute, einen Beduinen, der hoch über mir auf einen Esel ritt. Er hielt etwas in der Hand. Ich befand mich gerade im Bachbett, war allein an dieser nicht von weitem nicht einsehbaren Stelle unterwegs und schaute vorsichtshalber genauer hin, ob der Mann eine Waffe trug. Erleichtert stellte ich fest, dass der Beduine sein Handy anguckte!

Sobald man den Talboden erreicht hatte, verlief der Weg recht angenehm, aber wegen des steinigen und gerölligen Untergrundes musste ich mich doch sehr konzentrieren. Inzwischen war es recht warm geworden und ich trank wegen der sehr geringen Luftfeuchtigkeit oft aus meiner Wasser- und der Colaflasche.  Eine Wanderung bei Sommerhitze konnte ich mir in diesem Tal nicht vorstellen. Aber bei alledem: die wunderschöne und abwechslungsreiche Felsenlandschaft begeisterte mich zusammen mit der überraschend reichen Vegetation immer wieder. Welch magischer Ort ! Ich wäre gerne länger geblieben, um Vögel zu beobachten oder um das Licht zu bestaunen, das die Wolken auf die Felsen warfen. Kurz vor der Lodge durchquerte ich einige Beduinenzeltlager. Die Angebote, einen Tee zu trinken, schlug ich aus, weil ich den Guide mit den Französinnen nicht verlieren wollte. Außerdem wollte ich mich in der Lodge frisch machen und dann einen guten Kaffee genießen.
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Nach vier Stunden und quasi ohne Pause kam ich Feynan an, wo ich es schaffte, dass man mir, obwohl ich nicht in der Lodge gebucht hatte, den dringend notwendigen Kaffee servierte. Dann bekam ich Dank der Hilfe des Guides, der sich mir als Mohammed vorgestellt hatte, auch noch ein Jeeptaxi für die Rückfahrt.

Ein sehr netter junger Beduine namens Jassir fuhr mich zurück nach Dana. Zwischendurch lieferte er noch ein paar Sachen im Haus seiner Familie ab. Nachdem ich seine Frage, ob ich es eilig hätte, verneint hatte, durfte ich dann auch noch mit seiner Frau und den beiden Kleinkindern auf der Terrasse Tee trinken. Die Strecke war auf der Straße sehr lang, fast 120 km. Wieder ging es durch wunderschöne Landschaften, zuerst durch das Wadi Araba, eine Wüste, die zum Teil für den Gemüseanbau bewässert wird und dann wieder durch eine wilde Berglandschaft. Obwohl Jassir einen sehr flotten Reifen fuhr, brauchten wir über zwei Stunden nach Dana. Allerdings wurde mir die Zeit wegen der tollen Ausblicke und des netten Gesprächs mit dem Fahrer überhaupt nicht lang.

Etwas erschöpft aber glücklich traf ich am späten Nachmittag wieder in Dana ein. Weiterlesen „Jordanien Rundreise im November 2018 (2) Wadi Dana“

Jordanien Rundreise im November 2018 (1) Madaba und Totes Meer

Jordanien ist ein  echtes Traumreiseziel, ein kleines Land mit relativ  geringen Entfernungen, es ist voller beindruckender Sehenswürdigkeiten und weist dramatische Fels- und Wüstenlandschaften auf. Als sehr freundlich und hilfsbereit habe ich die Jordanier erlebt. Und diese Hilfe nahm ich  häufiger in Anspruch. Ich  war nämlich alleine mit dem Mietwagen unterwegs …

Für die Inspiration zu dieser Reise bedanke ich mich bei Edel Seebauer. Ihren wunderbaren Reisebericht mit sehr guten Tipps zum Reisen in Jordanien kann ich nur wärmstens empfehlen  (  https://www.edeltrips.com/reiseberichte/jordanien/ ).

Jordanien ist kein Billigreiseland. Das Preisniveau entspricht in etwa dem deutschen, auch wenn sich bei manchen Ausgaben Geld sparen lässt, z.B. durch Essen in Schnellrestaurants oder an Essensständen. Benzin ist mit 0,8/1,0 JOD (Wechselkurs im November 2018: 1 JOD =1,23 €) nicht so günstig, wie man es im Nahen Osten erwarten würde. Alkohol ist generell sehr teuer und wird vor allem im Süden des Landes in Restaurants nicht ausgeschenkt.

Der Jordan Pass lohnt sich auf jeden Fall, wenn man Petra besuchen möchte. Außerdem ist sind die Visumsgebühr von 40 JOD und zahlreiche weitere Attraktionen z.B. in Jerash, Wadi Rum, Kerak und Amman inklusive.

Meine Reiseroute: Amman Flughafen-Madaba-Kerak-Dana-Petra-Wadi Rum-Jerash-Amman.

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Ich war insgesamt neun Tage im Land unterwegs. Auf der schnellsten Straßenverbindung von Amman nach Akaba fährt man gerade einmal vier Stunden (allerdings ohne Baustellen, die aktuell sehr häufig anzutreffen sind). Andererseits gibt es sehr viel zu sehen und zu erleben. Die Hauptattraktionen können aber  innerhalb einer Woche angeschaut werden. Ich habe sehr viel unternommen und wäre gerne noch mindestens zwei Tage länger gereist, z.B um nach Akaba zu fahren und am Roten Meer zu entspannen.

31.10.2018  – Ankunft in Jordanien, das fängt gut an !

Nachts gegen 22 Uhr verließ ich das Flughafengebäude in Amman und stieg in meinen Mietwagen, um nach Madaba zu fahren, wo ich die ersten zwei Nächte verbringen wollte. Meine Bedenken, nachts alleine in einem orientalischen Land, einen Mietwagen zu übernehmen, hatte ich damit beruhigt, dass ich ein Navi dazu nehmen würde. Dieses hatte mir der Angestellte der Mietwagenfirma nicht geben wollen, weil die Navigation in Jordanien nicht mehr aktualisiert werde und daher nutzlos sei. Statt dessen bot er mir eine WiFi gestützte Car Navigation an. Das hörte sich für mich teuer und schwierig an (funktionierte auch nicht, wie ich später von anderen Touristen erfuhr). Als ich insistiert hatte, hatte mir der gute Mann den Sack mit dem Gerät auf den Tresen geworfen.

Ich fuhr los und steckte das Gerät an. Wird wohl auch ausgeschildert sein, dachte ich. Nach kurzer Zeit merkte ich, dass das Navi tatsächlich verzichtbar war. Es kannte die vierspurig ausgebaute Schnellstraße vom Flughafen nach Amman nicht und schlug mir dauernd nicht existierende Abfahrten vor. Ich wusste, dass ich bald hinter dem Flughafen links abbiegen musste, nur wann kam jetzt diese Abzweigung ?

Ich fuhr auf den Standstreifen und wählte Google Maps auf meinem Handy. Vor der Reise hatte ich einmal die Navigation mit dem Smartphone im Auto geübt und mir die Offlinekarte von Jordanien heruntergeladen.  Nun fand das Gerät aber meinen Standort nicht. Leicht beunruhigt fuhr ich weiter, an vielen Abfahrtsschildern vorbei mit langen arabischen Bezeichnungen  und  kurze Namen in lateinischer Schrift. Aber nirgendwo stand „Madaba“.

Die Schnellstraße war schon ziemlich leer, die Tankstellen geschlossen. Endlich entdeckte ich einen Verkehrspolizisten, der auf dem Standstreifen den Verkehr beobachtete. Dieser hörte sich freundlich meine Frage an, verstand aber kein Englisch. Immerhin mein ständiges Wiederholen der Wortes „Madaba“ veranlasste ihn dazu, mir zu zeigen, dass ich zu weit in Richtung Amman gefahren war und er konnte mir auch verständlich machen, dass ich erst abfahren musste um  dann durch eine Unterführung hindurch auf die andere Straßenseite zu gelangen.

Nun  fuhr ich eine Weile in die andere Richtung. Dann sah ich einen Autofahrer, der Reifen auf der Standspur wechselte und hielt an. Ich fragte den jungen Mann, ob er Hilfe brauchte, was er verneinte.  Er sprach gut Englisch und seine Frau, die im Auto saß, zeigte mir auf ihrem Smartphone, dass ich bald rechts abfahren musste.

Die weitere Fahrt nach Madaba gestaltete sich problemlos. Nur musste ich dort noch mein Hotel finden. Das zog eine weitere Fragerunde nach sich. Gut war, dass es auf der Straße auch nach 23 Uhr noch ein bisschen belebt war und dass einige Läden noch geöffnet waren. Die meisten Befragten, alles Männer, verstanden mich nicht, aber sie gaben sich große Mühe, mir zu helfen. Da wurde z.B. ein englischsprechender Freund angerufen. Nur konnte mir dieser nichts raten, weil ich nicht wusste, wo ich mich genau befand. Anscheinend hatten ihm seine Freunde das auch nicht erklärt …

Schließlich landete ich vor einem andern Hotel. Der herbeigeeilte Angestellte, konnte mir den Weg erklären, so dass ich endlich im Mosaic City Hotel herzlich willkommen geheißen wurde. Nach einem Absackerbier (ich war im christlich geprägten Madaba, wo es ohne weiteres Alkohol im Hotel gab, das sollte sich im Laufe der Reise ändern) sank ich recht geschafft in die Federn.

1.11.2018  –  Madaba und Totes Meer

Um 8 Uhr morgens begann ich meine Besichtigung in Madaba bei schönstem Sonnenschein. Im November geht die Sonne in Jordanien gegen 16:30 Uhr unter, entsprechend kurz sind die Sehenswürdigkeiten am Nachmittag geöffnet. Angenehm ist, dass die meisten Hotel ein frühes Frühstück schon um 6 oder 6:30 Uhr anbieten.

Ich konnte ohnehin nicht lange schlafen, weil der Muezzin vom Minarett der nahegelegenen Moschee über leistungsstarke Lautsprecheer zum Morgengebet (fadschr) gerufen hatte. Dieses Gebet findet zwischen Morgendämmerung und Sonnenaufgang statt. Es gab allerdings einen ersten Aufruf gegen 4:30 Uhr, der wohl dazu diente, eine „erste Warnung“ zu geben, dass das Morgengebet naht. Als ich gerade wieder eingedöst war, erfolgte gegen 5:30 Uhr der richtige Gebetsaufruf. Dieser frommen Beschallung entgeht man nur, wenn man außerhalb der Städte ein Hotel bucht.

Zunächst schaute ich mir die griechisch orthodoxe St. Georgskirche mit der berühmten Palästina-Mosaikkarte an. Die Karte aus dem 6.Jahrhundert, die nur in Teilen erhalten ist und ursprünglich aus über 2 Mio. Steinchen bestand, fand ich schon interessant, hatte sie mir aber größer vorgestellt und schön war die Darstellung nicht.

 

Schon besser gefiel mir der naheliegende Archäologische Park mit sehr schönen Mosaiken in der Hyppolytus-Halle, einer byzantinischen Villa aus dem 6.Jahrhundert,  und ich schaute dann noch beim benachbarten Madaba Institute for Mosaic Art herein, wo Restauratoren und Mosaikkünstler ausgebildet werden.

Danach besichtigte ich die Kirche Johannes der Täufer. Die Hauptattraktion des Gotteshauses aus dem 20.Jahrhundert, die darunterliegende Akropolis, war  geschlossen, so dass ich wenigstens auf den Turm klettern „musste“. Zuletzt ging es über sehr steile Leitern und ich musste mich um Glocken und Glockenzüge herum winden, aber der Ausblick über die Stadt war atemberaubend.

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Inzwischen war es recht warm geworden und ich empfand die starke Trockenheit der Luft. Mit einem frisch gepressten Granatapfelsaft, der lecker und sogar fast süß schmeckte, und einem Espresso stärkte ich mich in einem Straßencafé. Dann begab ich mich auf die Suche nach der Apostelkirche, die außerhalb der Altstadt liegt. Hier hatte ich zum ersten Mal trotz Stadtplan Orientierungsschwierigkeiten. Nach mehreren Nachfragen (nicht hilfreich war dabei, dass kein Reiseführer den arabischen Namen der Kirche nennt) stand ich schließlich vor der unscheinbaren Kirche, die das schönste Mosaik in Madaba enthalten sollte.

Leider gab es keinen Gang in der Kirche, von dem man alle Mosaiken sehen konnte. Nur an der einen Seite konnte ich schauen, während die interessantesten und schönsten Bilder auf der anderen Seite nicht zu sehen waren. Der Museumswärter bemerkte meine enttäuschte Miene und  knipste netterweise ein paar Fotos mit meinem Smartphone.

Nach einer kleinen Pause im Hotel wagte ich mich wieder mit dem Auto auf die Straße. Zuerst wollte ich zum Berg Nebo fahren, dem biblischen Ort, von dem Moses angeblich das Gelobte Land gesehen hatte  und dann im Alter von 120 Jahren (?) gestorben war, ohne  Israel zu betreten. Der freundliche  Hotelangestellte hatte mir erklärt, dass ich erst auf die Hauptstraße fahren müsste und dann gehe es immer nur gerade aus. Die Hauptstraße fand ich ohne Probleme, aber dann kam ich zu einem Kreisverkehr mit Abfahrten in alle Richtungen. Meiner Wegbeschreibung folgend, nahm ich die zweite Ausfahrt, die gerade aus führte, und landete in einem Neubaugebiet, wo sich die Straße weiter verzweigte.
Außerdem machte ich erste Bekanntschaft mit den vielen Speed Bumps. In Jordanien gibt es keine Umgehungsstraßen. Alle Straßen verlaufen durch die Orte, oder wenn es Schnellstraßen sind, zumindest am Rand vorbei. Es gibt immer Stellen, an denen Passanten die Straße kreuzen. Daher wurden mehr oder minder fiese Erhöhungen errichtet, die den Autofahrer zum starken Abbremsen zwingen sollen. Zum Teil werden die Buckel durch Schilder angekündigt aber oft auch nicht. Nun schaute ich gerade nach dem Weg und schon rumste es gewaltig. Ich kehrte zum Kreisverkehr zurück und war entschlossen, mein Problem zu lösen. Im Hotel hatte man mir geraten, eine jordanische SIM-Karte zu kaufen. Vielleicht klappte es damit besser als mit der Offline-Navigation. Nur spaßeshalber versuchte ich noch einmal Google Maps auf meinem Smartphone. Fassungslos starrte ich auf die Fehlermeldung, die ich nun bekam und die mir vorschlug, meinen Standort freizugeben. Nachdem ich das erledigt und mein Ziel eingegeben hatte, funktionierte die Navigation (zunächst) ohne Probleme !  Nun ja, dachte ich mir, zu den Digital Natives gehöre ja nicht …

Auf dem Berg Nebo in der Moses Memorial Church mit Grundmauern aus dem 4. und 6. Jahrhundert befanden sich die beeindruckendsten Mosaiken von Madaba. Auch der Blick ins Heilige Land und auf das  Tote Meer gefielen mir. Allerdings war es zu diesig, um tatsächlich bis nach Jerusalem zu schauen.

Vom Berg Nebo stürzte die Straße in engen und steilen Serpentinen herab zum Toten Meer auf Minus 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Trotzdem war ich erstaunt, wie gut diese Straße ausgebaut war. Es war an keiner Stelle eng oder gefährlich. Alle Bergstrecken in Jordanien, die ich Laufe des Urlaubs befuhr, waren gut in Schuss. Von der Straßeninfrastruktur in Jordanien war ich positiv überrascht.

Am Toten Meer rauschte ich auf dem Dead Sea Highway zunächst an allen Badestellen, die kostenpflichtig von den Hotels angeboten werden, vorbei. Ich wollte ohnehin zunächst  zum Mittagessen im Dead Sea Panoramic Complex einkehren.  Allerdings ging es dorthin auf einer kurvigen Bergstrecke mehr als 10 km bergauf und ich entdeckte  auch noch, dass die Straße direkt nach Madaba führte. Das Panorama Restaurant bot dann tatsächlich eine gigantische Aussicht auf das Tote Meer. Ich nahm ein gutes Fischessen mit Zitronensauce  ein, das nicht ganz billig war, aber angesichts der Lage und des guten Services im schön designten Restaurant nicht überteuert. Wenn ich schon am Toten Meer war, dann musste ich dort auch baden, daher beschloss ich, noch einmal zurück zu fahren.

Leider hatte ich nun nicht mehr viel Zeit und bog zum nächst gelegenen Strand ab, dem OH Beach. An der Schranke traf ich  den ersten unfreundlichen Jordanier, der grußlos mehrfach „Twenty-five JD“ sagte. Meine Nachfrage, ob es Schließfächer gab, schließlich war ich alleine unterwegs und  wollte  meine Wertsachen nicht am Strand ablegen, konnte ich dort nicht klären und zahlte den teuren Eintritt.

Nach einem längeren Gespräch mit diversen Angestellten bei den Umkleidekabinen erhielt ich dann einen Schlüssel mit der Aufforderung, weitere 3 JOD zu bezahlen. Ich stieg zum Ufer hinab, was gar nicht so einfach war. Es ging über den felsigen Steilhang hinab und der vorgesehene Steg endete hoch über dem Ufer. Erst später erfuhr ich, dass das Tote Meer austrocknet und die Uferlinie sich jährlich um mehrere Meter senkt, so dass die Hotels die Stege verlängern müssen, was am OH Beach offensichtlich nicht geschehen war. Auch der Gang zur Dusche, die man unbedingt nach dem Bad benutzen muss,  war mit einer längeren Kletterei verbunden. Außerdem gab es keine Angestellten am Strand und die bekannten Schlammpackungen wurden nicht angeboten.

Trotzdem : das Bad im Toten Meer ist ein tolles Erlebnis. Du gehst ins Wasser und dann hebt es dich wie von alleine hoch, sogar schon ab Hüfttiefe, und du schwebst auf dem Wasser. Schwimmen ist nicht möglich, dazu müsste man tiefer im Wasser liegen. Also: bei allem Ärger einmalig ! Nach zehn Minuten muss man in der Regel das Bad beenden, weil an irgendeiner Körperstelle ein heftiges Brennen einsetzt. Oft handelt es sich um eine winzige Wunde, die vorher überhaupt nicht aufgefallen ist. Nach dem Duschen schwamm ich noch im Süßwasserpool, der recht groß war, und dann musste ich auch schon wieder los.

Übernachten am Toten Meer ist meiner Meinung nach nicht notwendig, aber einen Tagesausflug von Madaba zu unternehmen und mindestens einen halben Tag zu bleiben, vielleicht in einem der Luxushotels, empfehle ich schon.

Meine Rückfahrt nach Madaba führte über eine gut ausgebaute Bergstraße in  unzähligen Serpentinen stetig bergauf und bergab. Die Felsen glühten in verschiedenen Farbtönen im Abendlicht. Es war einfach wunderschön.

Trotzdem war ich froh, als ich bei Sonnenuntergang, pünktlich zum Ruf des Muezzins zum Abendgebet, wieder in Madaba ankam.

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Jordanien Rundreise im November 2018 (2) Wadi Dana

Jordanien Rundreise im November 2018 (3) Petra

Jordanien Rundreise im November 2018 (4) Wadi Rum und Jerash

Jordanien Rundreise im November 2018 (5) Amman

Jordanien Rundreise im November 2018 (6)