Tophighlight : Wandern in Patagonien

Wetterbedingungen in Patagonien

Das Wetter in Patagonien ist zu Recht berüchtigt: es ist unberechenbar, selbst im Sommer muss mit empfindlichen Kälteeinbrüchen gerechnet werden, peitschende Regengüsse sind an der Tagesordnung, Windgeschwindigkeiten erreichen Orkanstärke.

Jahrelang hatte ich mich, da häufig vom Wetterpech verfolgt Reisepech: Das Wetter ! nicht getraut,  in diese Gegend mit ihren spektakuläre Landschaften zu reisen. Im Januar 2017 wagte ich es schließlich, gut ausgestattet mit wind- und wasserfestem Equipment, und das Wetter war tatsächlich extrem wechselhaft und wies alle genannten Phänomene auf.  Aber immer wieder, besonders an den spektakulärsten Punkten, erlebte ich plötzlich ausgesprochen traumhaftes Wetter !

Parque Nacional Torres del Paine Chile

Im Torres del Paine National Park hielt ich mich drei Tage lang auf. Weitere Informationen über den Nationalpark gibt es auf  https://torresdelpaine.com/en/

Das allerschönste Erlebnis war meine Wanderung zur Base de las Torres. Ich hatte mir eine Hotelunterkunft am  Eingang des Nationalparks am Rio Serrano mit Blick auf die Cuernos gegönnt, die wie alle anderen recht teuer war. Außerdem hatte ich  mich nur für diesen Teil meiner Reise für einen Mietwagen entschieden. Ansonsten war ich in Patagonien mit den sehr guten Bussen  unterwegs. Regelrechten Horror hatte ich vor dem Befahren der Straßen im Nationalpark mit dem Mietwagen gehabt, da es dort nur mehr oder minder üble Schotterpisten gibt. Im Großen und Ganzen stellt sich das als aufregend aber nie als gefährlich dar. Es gab immer genug Platz zum Ausweichen. Um zu den Ausgangspunkten der Wanderungen zu kommen, hätte ich ohne ein eigenes Fahrzeug auch Transfers im Hotel buchen können. Von den hohen Preisen einmal abgesehen, wollte ich aber lieber unabhängig sein, meine Touren je nach Wetter kurzfristig planen.  Im Torres del Paine gibt es auch Mehrtageswanderungen. Die meisten Wanderer gehen den W-Treck in vier bis fünf Tagen und übernachten in Campamentos oder Refugios (einfache Campingplätze und Berghütten). Ich hatte mich für Tagestouren entschieden.

Traumwanderung zur Base de las Torres

Zur Base de las Torres, dem Highlight im Nationalpark,  wollte ich bei möglichst schönem Wetter wandern. Beim Blick aus dem Fenster am frühen Morgen entdeckte ich riesige Pfützen und dunkle Wolken zogen gerade heran. Am Vortag hatte sich ein plötzlicher Wettersturz ereignet und ich hatte nicht schnell genug meine Regenkleidung überziehen können, so dass ich völlig durchnässt und ordentlich durchgepustet worden war. Ich beschloss, wieder schlafen zu gehen und später je nach Wetter eine kleinere Wanderung zu unternehmen.  Als ich gegen 7 Uhr wieder hinaus schaute,  hatte es sich schon beträchtlich aufgehellt. Schnell prüfte ich den Wetterbericht, wonach es bald schöner werden sollte und sogar sonnig. Ich überlegte kurz. Die Wanderung würde mindestens 8 Stunden dauern, der Startpunkt der Wanderung lag am anderen Ende des Nationalparks, würde ich das überhaupt schaffen ? Das Gute am Sommer in Patagonien ist aber, dass es Tageslicht bis ca. 22 Uhr gibt.  Kurzentschlossen packte ich alles ein, auch mein Regenzeug, frühstückte schnell und fuhr gegen 8 Uhr los. Ich konnte es nicht glauben, auf der Fahrt wurde das Wetter laufend schöner. Wie beim Fahren am Vortag schwankte meine Stimmung beim Autofahren ständig zwischen: „Es kann doch nicht wahr sein, dass diese Piste immer noch enger und steiler wird und die Schottersteine wieder größer, wow diese Landschaft ist überwältigend, aber diese großen Schlaglöcher sind neu, die sind durch den Regen heute Nacht entstanden. Wahnsinn, diese Farben des Himmels und der Lagos,  Grün und Blau in allen Schattierungen und das kontrastierende  Gelbbraun der Vegetation, einfach wunderschön ! … “

Fotografieren konnte ich leider nicht, mit dem Autofahren war ich ziemlich beschäftigt. Aber ein Guanako am Straßenrand im Gegenlicht hatte ich doch  erwischt.

torres del paine (79)

Nach der Abzweigung zum Wanderparkplatz musste ich noch einmal tief durchatmen,  als es über eine nur mit Holzplanken lose (?) belegte enge Brücke ging, aber natürlich stellte das kein Problem dar. Für die ca. 50 km lange Fahrstrecke hatte ich fast zwei Stunden gebraucht. Mit der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/ h war ich aber auch nie gefahren. Vom Parkplatz bis zum Hotel Las Torres  war es noch fast eine halbe Stunde zu laufen, bis die Wanderung begann. Ich ahnte nun schon, dass ich an diesem Tag keinesfalls alleine unterwegs sein würde. Heerscharen von Wanderern bewegten sich in Richtung meines Ziels. Vor meiner Reise hatten mich viele gefragt, ob mir das nicht zu gefährlich sei, alleine wandern zu gehen. Während meiner Wanderungen in Patagonien war das überhaupt kein Problem. Die Sommersaison in Patagonien ist kurz und der Tourismus konzentriert sich auf wenige Ziele. Einsam in Not geraten konnte ich da wirklich nicht !

Zu Beginn ging es langsam aber stetig bergauf. Bis zum Refugio Chileno konnte man mit dem Pferd reiten. In den ersten Minuten lief ich direkt hinter einem Pferdehinterteil, dann verliefen der Wander- und der Reitweg gottlob getrennt.

Die Aussicht ins Tal über die unberührte Landschaft war wunderschön. Allerdings wurde es in der Sonne nun auch immer heißer und ich war nicht die Einzige, die eine  Auszieh- und Eincremepause einlegte.

Hinter dem Refugio Chileno begann der Weg anzusteigen, um kurz darauf wieder bergab zu verlaufen. Dies wiederholte sich mehrere Male, so dass ich kaum an Höhe gewann. In der Wanderbeschreibung hatte ich gelesen, dass der finale Aufstieg von 300 Höhenmetern erst auf dem letzten Kilometer der 9 km langen Strecke zu bewältigen war. Nach einer letzten Trink- und Snackpause (mit warmem Cola, köstlich ! Wirkt aber bei mir wie ein sehr guter Kaffeeersatz ) am Campamento Torres wurde der Weg sehr steil und felsig. Das letzte Stück führte mitten durch ein riesiges Geröllfeld aus groben Felsbrocken und nahm einfach kein Ende.  Dort waren auch zahlreiche Wandergruppen unterwegs, die entgegenkamen oder überholen wollten, so dass man oft ausweichen musste. Auf allen Vieren und mit letzter Kraft zog ich mich an den Felsen hoch. Meine bewährte Strategie beim Wandern, mit kleinen Schritten auch im steilen Terrain langsam immer weiter zu gehen, versagte und ich musste mehrmals schwer atmend stehen bleiben. Zwischendurch konnte ich immer mal wieder die Spitzen der Torres sehen und das motivierte. Nach knapp vier Stunden erreichte ich schließlich das Ziel.

Und dann als ich an der Lagune mit Blick auf die Torres angekommen war, war die ganze Plage vergessen. Es war einfach wunderschön, die Torres wirkten unglaublich majestätisch in der großartigen Gebirgslandschaft und jeder Schritt dorthin hatte sich gelohnt. Darin  war ich mir mit meinen zahlreichen Wandernachbarn einig. Es machte mir auch nichts aus, dass es dort oben so voll war, dass man sich am „Kodak Point“ für das berühmte Foto vor der Lagune mit den Bergspitzen anstellen musste, um alleine auf das Bild zu kommen.

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Trotz strahlendem Sonnenschein konnte man sich an der Base de las Torres nicht sehr lange aufhalten. Durchgeschwitzt wie ich war, begann ich bald zu frieren. Und mir stand auch noch der lange Rückweg bevor. Den steilen Abstieg über das Geröllfeld bewältigte ich sehr vorsichtig. Dann ging es natürlich wieder stetig bergab und bergauf und das blieb so bis fast ganz zum Schluss der Strecke. Obwohl sich nun im Nachmittagslicht immer wunderschöne Ausblicke eröffneten, zog sich der Rückweg gewaltig. Im Refugio Chileno bekam ich den dringend notwendigen Koffeinschub und dann ging es zurück ins Tal.

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torres del paine (137)Auf dem letzten Kilometer war ich so fertig, dass ich es nicht schaffte, meinen offenen Schnürsenkel  zu binden. Als ich am Parkplatz ankam, war es schon 18:30 Uhr und ich fragte mich, wie ich die fast zweistündige Rückfahrt über die Schotterpiste bewälltigen sollte. Aber dann passierte ein weiteres Wunder. Ein warmes Abendlicht verzauberte die Landschaft noch zusätzlich. Aufgrund der späten Stunde herrschte auch nur wenig Verkehr. Das Beste waren die zahlreichen Guanakos. Zwei Tieren jagten leichtfüssig an einem abschüssigen Hang entlang, Staubfahnen im Gegenlicht hinter sich herziehend. Ein magisches Bild!

Fazit: Die Wanderung zur Base de las Torres war trotz aller Anstrengung und der langen Anfahrt ein berauschendes Naturerlebnis. Obwohl es dort in der Hochsaison sehr voll werden kann, unbedingt empfehlenswert !

Kurze Wanderungen im Nationalpark Torres del Paine

Im Torres del Paine habe ich die folgenden kürzeren Wanderungen unternommen.

Vom Parkplatz zum Mirador Cóndor (einfache Strecke 40 Minuten, toller Ausblick, aber sehr stürmisch auf dem Mirador)

Vom Parkplatz zum Wasserfall Salto Grande und weiter zum Mirador Cuernos mit Ausblick zum Lago Nordernsköld (einfache Strecke 1 Stunde, leicht, Guanakoherden gesehen)

Am Lago Grey entlang zum Mirador Grey  (einfache Strecke ca. 1 Stunde, toller Ausblick auf den Gletscher und die auf dem See treibenden Eisberge)

Vom Lago Grey zum Mirador Ferrier (knackige 700 Höhenmeter, je 2 Stunden für Auf- und Abstieg, wegen schlechten Wetters nur bis zur Hälfte gegangen, wunderbarer Blick aber auch schon von dort).

Bewertung Torres del Paine Nationalpark

Im Torres del Paine Nationalpark habe ich atemberaubende Landschaften gesehen. Der Zugang zu den Wanderwegen war oft stressig. Das konnte ich aber beim Anblick der Berge, Gletscher, Seen, die in ständig wechselndes Licht getaucht wurden und immer wieder neu bestaunt werden konnten, schnell vergessen. Der Aufenthalt dort gehört unbedingt zu einer Patagonienreise.

Um so mehr kann man danach das Wandern in El Chaltén genießen. Den Ort erreicht man mit dem Bus von El Calafate in drei Stunden, wobei die Fahrt ein weiteres schönes Landschaftserlebnis bietet. Die Treks beginnen im Ort und  bieten reichtlich Gelegenheit zum Schauen in die wunderschöne Gegend. Dazu möchte ich einen weiteren Bericht schreiben.

Was waren eure schönsten Landschaftserlebnisse beim Wandern ? Welche Treks sollte man nicht verpassen?

Über eure Kommentare und eure Like freue ich mich sehr.

Reisepech: Das Wetter !

Auf Reisen habe ich so viel Wunderbares gesehen und erlebt, dass ich immer wieder losziehen will. Zu meinen schönsten Reiseerlebnissen gehörte  Traum Reiseerlebnis: Gorillatracking in Uganda . Aber auf der Uganda-Reise haben wir auch sehr viel Stress erfahren. In lockerer Folge möchte ich euch von nun an auch von Reiseerlebnissen der besonderen Art  berichten. Nach unserem extrem schneereichen Urlaub in Österreich  Winterwandern im Ausseer Land    ist mir als erstes Thema „Schlechtes Wetter“ eingefallen.

Bei unseren Reisen hatten wir oft nicht gerade „Kaiserwetter“. Vielleicht sollte ich mich in Dürregebieten als Regenmacherin anbieten. Wenn ich in einem Land eintreffe, wo normalerweise um diese Jahreszeit schönstes Reisewetter herrscht,  besteht eine reele Chance, dass es anhaltend schüttet.

Als wir mit dem Baby  zum ersten Mal im Süden von Südtirol in der besten Törgelen Saison unterwegs waren, regnete es tagelang fast pausenlos. Mit unserer Tochter im Tragetuch unternahmen wir ein paar Spaziergänge mit dem Regenschirm. Unverdrossen trat H. jeden Morgen auf die Hotelterrasse, die bei schönem Wetter einen weiten Ausblick hätte bieten können, und rief : „Es reißt auf!“.

Diesen Ausruf benutzen wir scherzhaft in weiteren Urlauben mit einem stabilen Tiefdruckgebiet. Er wurde ersetzt durch “ It’s brrightening upp!“,  den Mutmacherspruch einer Taxifahrerin, die uns im strömenden Regen auf Malta beförderte.

In Hammamet/Tunesien verbrachten wir eine Woche im Februar. Mit Badewetter hatten wir nicht gerechnet, aber auch nicht mit eisiger Kälte und Regen. Auf unserer Bustour nach Karthago schneite es sogar. Gelernt habe ich bei dieser Gelegenheit, dass der stilbewusste Italiener sein edles Schuhwerk nicht durch Besichtigungen auf nassem Untergrund ruiniert. Kein Mitglied der großen italienischen Gruppe aus unserem Bus stieg zum Besuch der weltberühmten Sehenswürdigkeit aus.

Während unseres Aufenthalts im März auf Puerto de la Cruz /Teneriffa war uns nicht ein einziges Mal der Blick auf den Teide vergönnt. Der Berg war durch Wolken verhüllt und, und wie wir auf dem Hinflug gesehen hatten, meterhoch mit Schnee bedeckt. Bei kühlem Wetter mit gelegentlichen Regengüssen gingen wir in der herrlichen Umgebung von Puerto de la Cruz wandern.  Wir wunderten uns aber sehr über die zahlreichen Engländer, die uns dünner Sommerkleidung begegneten, während es uns im T-Shirt zu kalt war.
Vom Besuch des wunderschönen, aber nicht beheizten Meerwasserschwimmbades ließen wir uns aber nicht abhalten. Wir hatten natürlich  freie Auswahl unter den Liegestühlen.  Dann badeten wir sogar. Gemütliches Schwimmen im eisigen Atlantikwasser war nicht möglich, aber sich vom Meerwasser ein Stück weit tragen zu lassen und dabei die schöne Gestaltung des Bades mit Vulkangestein zu bewundern, stellte wirklich ein besonderes Erlebnis dar. Dick eingepackt bewunderten wir hinterher die Gischt, die laut krachend  in den Badebereich hereinbrach.

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Machu Picchu  besuchte ich im Januar und damit in der Regenzeit. Aber dass der Himmel genau in dem Moment seine Schleusen öffnen musste, als wir aus dem Zug stiegen, wäre nicht nötig gewesen. Von geschäftstüchtigen Verkäufern kauften wir Plastikregencapes. Vor dem Eintritt in das riesige Ausgrabungsgelände warnte uns die Reiseleiterin: „Drinnen kann man nichts zu essen oder zu trinken kaufen. Es gibt keine Toiletten! Wollen Sie noch einmal gehen?“  Mein leichtes Grummeln im Bauch ignorierte ich. Wir wollten alle schnell das Highlight der Peru-Reise besuchen und deswegen meldete sich wohl niemand. Als ich dann hinter meinen Reisegenossen in ihren bunten Capes stand und auf die im Nebel verborgenen Ruinen schaute, musste ich plötzlich sehr dringend auf die Toilette. Der Reisevirus hatte mich erwischt. Nur wohin ? Mein Idee, mich hinter einem abgelegenen Mäuerchen zu verstecken, scheiterte daran, dass überall Wächter mit Trillerpfeifen postiert waren und aufpassten, dass man nicht vom Weg abwich. Zum Ausgang würde ich es nicht schaffen. Bereits ziemlich verzweifelt schlug ich mich in ein Feld mit hohen Maispflanzen, das aber direkt an der Besichtigungsroute lag. Von weitem sah ich schon eine Touristengruppe kommen. Wie gut, dass ich das Regencape hatte ! Ich warf es so über die Pflanzen, dass die Sicht versperrt war.

Meine Gruppe fand ich an einem weiteren Aussichtspunkt wieder. Der Nebel war gerade dabei sich zu lichten und die daraus auftauchenden Ruinen wurden in ein zauberhaftes Licht getaucht.
maccu picchu (8)maccu picchu (9)

Fazit:
Schlechtes Wetter kann so manche Reise verderben. Jenseits von Postkartenidyllen kann es aber zu ganz besonderen Eindrücken beitragen, die man nie vergisst.

Wie habt ihr schlechtes Wetter auf Reisen erlebt ? Eure Erfahrungen würden mich interessieren.

Über Eure Kommentare und Likes freue ich mich sehr.

 

 

 

 

 

Traum Reiseerlebnis: Gorillatracking in Uganda

Wir wandern im Winterwunderland rund um Bad Aussee. Was für ein Gegensatz zu unseren ersten Januartagen 2018 in Uganda.

Seit meiner Kindheit hatte  ich von einer Safari in Afrika geträumt. Zum Jahresende 2017 war es soweit: wir begaben uns auf eine abenteuerliche Reise nach Uganda.  Das absolute Highlight des Trips war der Besuch bei den Berggorillas im Bwindi Impenetrable National Park, den wir heute vor einem Jahr unternahmen.

Früh am Morgen fuhren wir zum Treffpunkt im Nationalpark. Berggorillas sind streng geschützt, was sicher auch der Forschung von Diane Fossey („Gorillas in the Mist“) zu verdanken ist. Insgesamt leben nur noch etwa 900 Tiere im Bwindi Park sowie in den Nationalparks in Ruanda und der Republik Kongo. Berggorillas werden nicht in Zoos gehalten .

Im Bwindi Park leben ca. 400 Tiere, etwa 40 davon, die alle in Familien leben, sind habituiert. Sie werden von den Rangern allmählich über mehrere Jahre an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt. Wilde Gorillas fliehen normalerweise in panischer Angst vor Menschen.  Besuchergruppen dürfen die habituierten Affen nur für eine Stunde besuchen, um sie nicht zu sehr zu stören.

Die Gorillapermits sind sehr begrenzt (auf einige Dutzend pro Tag im Bwindi, daher müssen sie Monate vorher gebucht werden) und alles andere als billig (600 $ pro Besucher in Uganda in der Hauptsaison, 1500 $ in Ruanda!). Letztendlich zahlt der Besucher für ein zutiefst beeindruckendes Erlebnis, spendet aber vor allem für den Erhalt des Nationalparks und den Schutz der Berggorillas.

Ein bisschen skeptisch war ich aber schon. Würden wir die Gorillas überhaupt finden oder nur lange und erfolglos durch den Dschungel stapfen?  Von einer Stunde Wanderung bis zu sechs Stunden war die Rede und eine Garantie, dass man die Gorillas zu sehen bekam und sich ihnen nähern konnte, wurde natürlich nicht gegeben.

Zu Beginn wurden wir in Gruppen eingeteilt. Die Tracker spüren die Tiere auf. Sie wissen, wo die Gorillas am Vorabend ihre Schlafnester gebaut haben und folgen den einzelnen Familien, wenn sie am Vormittag aufbrechen.

Wir hatten Glück bei der Einteilung, unsere Gorillafamilie  „Oruzogo“ würde sich voraussichtlich in relativ geringer Entfernung aufhalten. Für den Hinweg wurde mit einer Gehzeit von 1,5 Stunden gerechnet. „Gehen“ war in diesem Zusammenhang allerdings ein Euphemismus. Im dichten Regenwald ging es auf einem kaum erkennbaren Pfad steil bergab. Immer wieder mussten unsere Begleiter mit der Machete den Weg von Schlingpflanzen befreien.

Der Bwindi Park liegt in einer Höhe von ca. 2600 bis 3000 Metern. Durch das feucht-kalte Tropenklima triefte der Wald auch in Trockenzeit nur so vor Nässe und der Lehmboden hatte sich in eine veritable Schlitterbahn verwandelt.

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Ich war die einzige in unserer zwölfköpfigen Besuchergruppe, die einen Träger gebucht hatte. Der junge Mann namens Michael sollte allerdings nicht mich tragen, sondern  festhalten, wenn es steil und glatt bergab ging. In den letzten Jahren hatte ich einige zwar harmlose Stürze erlebt , die aber im Gegensatz zu früher oft zu ernsten Verletzungen (Beinbrüche o.Ä.) geführt hatten. Das passierte leider auch, wenn ich vor der Reise ein Kraft- und Fitnesstraining absolviert hatte. Nun war ich heilfroh, dass ich Michael die Hand reichen konnte, wenn es steil und glatt nach unten ging. Allerdings wollte er mich auch den Hang heraufziehen, wenn es bergauf ging, was ich dankend ablehnte. So schlimm stand es mit mir noch nicht !

Nach einer guten halben Stunde blieben wir erst einmal stehen. Unser Guide sprach in sein Walkie Talkie mit den Tracker, um den Weg zu  „unserer“ Familie zu finden. Trotz einer fetten Ladung Moskitospray und einer fast völligen Körperbedeckung mit Hut, langärmeliger Oberbekleidung, langen Hosen, die in dieWanderschuhe gesteckt worden waren, Handschuhen und Halstüchern hatten wir alle Mühe, die Myriaden von Insekten abzuwehren, die sich auf uns stürzen wollten.

Schließlich ging es weiter, steil bergauf und dann wieder herunter auf der lehmigen und immer schmaler werdenden Rutschbahn. Einige junge Leute rutschten aus und standen ungerührt wieder auf. Begleitet wurden wir von mehreren bewaffneten Wächtern. Ich dachte, dass es nicht nur darum gehen konnte, Tierangriffe abzuwehren und fürchtete mich ein ganz kleines bißchen.

Und dann war es soweit: wir mussten unsere Rucksäcke, den Proviant und die Getränke sowie unsere Wanderstöcke zurücklassen. Es ging darum, die Affen, zu deren Rastplatz wir nun herabstiegen, nicht zu irritieren. Der Guide bat uns außerdem, nicht mit Blitz zu fotografieren und uns möglichst ruhig zu verhalten.

Jetzt wurde es noch unwegsamer und wir liefen durch ein hohes Dickicht von Schlingpflanzen. Nur kurz fragte ich mich, ob da nicht irgendwo meine Horrortiere, die Schlangen, auf uns warteten.

Wir trafen bald auf die Gorillafamilie, zunächst auf einzelne Mitglieder, aber dann zeigte uns unser Guide noch weitere, die in der hohen Vegetation tiefenentspannt relaxten. Sie lagen dort und steckten sich genüsslich, die am nächsten wachsenden Blätter in den Mund und mampften oder sie schliefen aneinandergeschmiegt. Wir sahen Weibchen, einige halbwüchsige Affen, die umhersprangen und ein bisschen kletterten, und ein Jungtier, das sich an seine Mama kuschelte. Der Silberrücken der Gruppe richtete sich nur halb auf, als wir ankamen und ließen sich dann zurück auf seinen Ruheplatz fallen. Ab und zu gab er ein tiefes Grummeln von sich und unser Guide antworte dann mit einem ähnlichen Geräusch. Das hörte sich ein bisschen so an, als ob sich zwei alte Freunde unterhalten.

Wir folgten unserem Guide, der uns rund um den Rastplatz führte, und uns bis auf ca. 1,5 Meter an die Affen heran ließ. Nur wenn man näher als etwa drei Meter an den Silberrücken herantreten wollte, winkte er ab. Keiner von uns hatte erwartet, dass wir den Gorillas so nahe kommen würden. Die Begeisterung in der Gruppe, die aber nur leise geäußert wurde, war entsprechend groß.

Es war ein unglaubliches Erlebnis die total entspannten Gorillas zu beobachten, die es nicht zu kümmern schien, dass zwölf Besucher sich in ihrer unmittelbaren Nähe aufhielten und dabei wie wild fotografierten. Die Affen schauten uns entweder direkt an, interessiert und auch ein bisschen skeptisch, oder sie drehten gelangweilt den Kopf weg. Diese eindrucksvolle Gelassenheit hatte ich den Gorillas überhaupt nicht zu getraut und ich war einfach überwältigt. Das ging so weit, dass ich irgendwann gar nicht mehr fotografieren konnte,  sondern nur noch gucken wollte.

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Berggorillas haben übrigens ein flauschigeres Fell als die Tieflandgorillas aus dem Zoo und sie wirkten so knuffig, dass man Lust bekam, sie zu streicheln, was aber gottlob niemand tat.

Mit den Insekten hatten wir übrigens kein Problem mehr, die umschwirrten in dichten Wolken die Gorillas, die das Ganze in stoischer Ruhe hinnahmen.

Viel zu schnell war unsere „Besuchszeit“ vorbei. Das Jungtier gab noch eine drollige Abschiedsvorstellung. Es hangelte sich durch das Dickicht, stürzte auf den weichen Untergrund und kletterte immer wieder hoch.

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Nach knapp vier Stunden kamen wir ziemlich erschöpft aber sehr glücklich wieder am Ausgangspunkt an. Zum Abschluss wurde jedem Teilnehmer ein „Gorilla Tracking Certificate“ mit dem Namen der „getrackten“ Gorillafamilie verliehen.

Fazit: Das Gorilla Tracking im Bwindi Impenetrable Nationalpark in Uganda  gehörte zu meinen eindrucksvollsten Reiseerlebnissen. Es tat mir um keinen einzigen Dollar leid, den ich für den Erhalt dieser faszinierenden Tiere und ihren Schutz vor Wilderern ausgegeben hatte. Besonders beeindruckt war ich von der Ruhe und Friedfertigkeit der Gorillas, die ich nicht erwartet hatte.

Nach meiner Rückkehr aus Uganda habe ich in Stresssituationen oft gedacht :

„Sei so gelassen wie ein Gorilla !“

Wart ihr schon einmal auf Safari und was war euer schönstes Erlebnis ?

Über eure Komentare und Likes freue ich mich.