Taiwan, die Zweite

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Tainan

Tainan, die älteste Stadt Taiwans mit prachtvollen historischen Tempeln und den Überresten von zwei Festungen der Niederländer aus dem 17. Jahrhundert, besichtige ich pflichtgemäß aber mit schon gebremstem Enthusiasmus. Ganztägige Temperaturen über 30 Grad und die sehr hohe Luftfeuchtigkeit machten mir zu schaffen. Auch war ich bereits zwei Monate unterwegs und eine gewisse Müdigkeit beim Sightseeing hatte mich gepackt.

Meine Reise zum Alishan

Um so mehr freute ich mich auf ein weiteres Highlight der Natur des Landes: die Alishan National Forest Recreation Area. Die Gegend wird wegen ihrer uralten roten Zypressenwälder besucht, die umgeben sind von einer atemberaubenden Bergwelt. Ich sehnte mich nach den kühleren Temperaturen und freute ich mich auf das Wandern. Auch wollte ich den berühmten Sonnenaufgang, die „Sea of Clouds“, sehen, wo man mit etwas Glück den Yushan, den höchsten Berg Taiwans (3952 m), über den ziehenden Wolken in einem magischen Licht bestaunen kann.

Früh am Morgen fuhr ich zunächst mit dem Zug nach Chiayi. In der Zeitung las ich, dass es im Norden und in Taiwans Mitte sintflutartige Regenfälle gegeben hatte. Wie zur Bestätigung begann es zu regnen und dicke Tropfen prasselten gegen die Scheiben. Außerdem meinte das Horoskop, dass es kein guter Tag zum Reisen sei. Es sollte sich herausstellen, dass das auf meine Reise zutraf.

In  Chiayi suchte ich die Touristeninformation im Bahnhof auf, um zu fragen, wo der Bus nach Alishan abfuhr und erfuhr, dass es die Busverbindung unterbrochen war, weil  die Straße nach einem Erdrutsch unpassierbar war. Fahren konnte ich mit dem Bus oder dem Zug bis nach Fenchihu, das ungefähr auf zwei Dritteln der Strecke lag.  Ich wusste, dass die Strecke zum Alishan seit einem Taifun im Jahr 2009  nicht mehr durchgehend mit dem Zug befahrbar war. Von Fenchihu muss man seitdem den Bus nehmen. Gegen die Fahrt mit der Bahn hatte ich mich entschieden, weil das Zügle für die 52 km von Chiayi nach Fenchihu  2,5 Stunden braucht. Nun kaufte ich mir kurzentschlossen ein Bahnticket und ergatterte gerade noch einen Platz in der letzten Verbindung am Morgen. Am Nachmittag gab es nur noch Rückfahrten.

Die historische Alishan Forest Railway wurde während der Zeit der japanischen Herrschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut und diente dem Transport von Stämmen der jahrhunderte und sogar jahrtausende alten Zypressen (Red Cyprus) hinunter ins Tal. Die Stämme wurden nach Japan weiter transportiert, um daraus exclusive Möbel zu  bauen. Heutzutage ist die Bahn eine Touristenattraktion.

Berühmt ist die Bahn, weil sie den steilen Aufstieg von Chiayi nach Fenchihu über fast 1400 m ohne Zahnradtecknik bewältigt, sondern sich in Spiralen an den steilen Berghängen hinaufschraubt (Foto des Modells, s. unten).

Über die Bahnfahrt hatte ich mich nicht vorher informiert, daher wusste ich von der speziellen Technik nichts. Die Schaffnerin, die auch als Reiseführerin fungierte, gab lange chinesische Erklärungen ab. Auf Englisch rief sie nur jeweils „first loop“, „second  loop“ etc. und ich fragte mich, worum es ging. Zwischendurch schrie sie „Left, …“ oder „Right, very beautiful view“. Die Schienen verliefen durch einen verwunschenen  Urwald, aber es regnete ununterbrochen und die Fernsicht war gleich Null.

Auch hatte ich andere Probleme zu lösen. In Alishan hatte ich ein Hotel für zwei Nächte gebucht, das nicht mehr stornierbar war. Ich tauschte mehrere Mails mit dem Hotelbesitzer aus, der mir schließlich bestätigte, dass es keine Busverbindung gab und mir versprach, die Buchung seinerseits zu stornieren. Dann überlegte ich, was ich in Fenchihu unternehmen konnte. Sollte ich mit dem Nachmittagszug zurückfahren ? Die anschließenden Übernachtungen am Sonne-Mond-See hatte ich erst zwei Nächte später gebucht und sie waren nicht mehr stornierbar. Vielleicht konnte ich am Nachmittag  auf den Trails rund um Fenchihu spazieren gehen, wenn das Wetter besser würde. Auch gab es ein kleines Eisenbahnmuseum und eine Old Street. Eventuell konnte ich am folgenden Tag das Alishan Gebiet erreichen und dort eine Nacht bleiben statt zwei.  Schließlich buchte ich über Booking ein Hotel in Fenchihu für die kommende Nacht. Das war eine knappe Stunde, bevor ich dort ankam und die Auswahl war nicht mehr groß. Wie gut aber, dass es Booking gibt und die Datenverbindung während der Zugfahrt zwar schwächelte aber bestehen blieb.

In dem Moment als wir in Fenchihu aus dem Zug stiegen, öffnete der Himmel seine Schleusen noch weiter. Wenn es vorher stark geregnet hatte, dann prasselte der Regen nun sehr stark. Zu sagen, dass es wie aus Kübeln goß, wäre untertrieben. Wie aus Badewannen? Um ins Bahnhofsgebäude zu gelangen, mussten wir ein Gleis überqueren. Es gab aber keinen Überweg, d.h. ich musste meinen schweren Koffer in das Gleisbett hinunterstellen und wieder nach oben heben.

Dabei wurde mir klar, dass ich unter meinem kleinen Reiseschirm mit dem Koffer nicht zum Hotel laufen und dabei gleichzeitig auf meinem Smartphone mit Google Maps navigieren konnte. Ich lief los und fragte unterwegs Passanten nach meiner Unterkunft. Das Problem war, dass fast nur Tagestouristen unterwegs waren, die sich nicht auskannten. Die Einheimischen saßen entweder in den zahlreichen Souvenirläden oder hüteten sich, bei diesem Wetter das Haus zu verlassen. Ich hätte einfach eine Skizze mit dem Weg zeichnen sollen, aber so schlau war ich an diesem anstrengenden Tag nicht mehr. Mehrmals erhielt ich falsche Auskünfte, auch von Ladenbesitzern,  und schob in dem Bergdorf meinen Koffer  hinauf und hinab, immer begleitet von hinabschießendem Regenwasser. Beim Heruntergehen klammerte ich meinen Koffer fest, damit er nicht in die Touristenmassen rollte. Auch hatte ich Angst, dass das Gepäck mich auf der nassen Straße nach unten ziehen würde. Schließlich wurde mir gesagt, die Hotelrezeption befinde sich auf der Old Street unter dem Seven Eleven Markt. Nachdem ich einige Stufen mit dem Koffer eher stolpernd als gehend hinter mich gebracht hatte, ließ ich mich erleichtert auf einen Stuhl an der Rezeption fallen. Dort erfuhr ich, dass ich falschen Hotel gelandet war. Selbst die Einheimischen verwechselten die beiden Hotels wegen ihrer ähnlichen Namen häufig. In diesem Moment reichte es mir. Es fehlte nicht viel und ich wäre in Tränen ausgebrochen. Stattdessen fragte ich nach Kaffee. Den gab es im Hotel nicht (?), aber die sehr nette Dame erlaubte mir, meinen Koffer abzustellen, so dass ich im Seven Eleven bei einem Caffee Latte durchschnaufen konnte. Außerdem unterhielt ich mich sehr nett mit einer Taiwanerin, die ihre Reisegruppe verloren hatte. Das war nur schade aber nicht problematisch, weil ein Treffpunkt am Bus in einer Stunde vereinbart war.  Durch mein koffeinhaltiges Lieblingsgetränk und angenehme Gespräche gestärkt wagte ich mich wieder nach draußen. Der Regen hatte etwas nachgelassen und schließlich fand ich mein Hotel, nicht ohne noch einmal zu fragen. Ich stand vor dem Gebäude, das direkt an einem großen Busparkplatz lag, und hatte den Eingang nicht gesehen, der hinter mehreren Souvenirständen versteckt lag.

Beim Einschecken erhielt ich ein laminiertes Schild, auf dem auf Englisch alles Wissenswerte zum Hotel stand, ansonsten war keine Kommunikation möglich. Als ich später eine Frage hatte, rief die Besitzerin jemanden zu Hilfe. Es handelte sich nicht um ein Familienmitglied sondern um einen anderen sehr netten Gast aus Singapur, der aus seinem Zimmer kam um zu dolmetschen.

Nachmittags  spazierte ich bei Regen noch ein bisschen durch das Dorf, besichtigte das Eisenbahnmuseum und ging zum Essen. Aus Fenchihu kommt angeblich die berühmte taiwanesische Lunchbox, die ich schon vorher im Zug gegessen hatte. Dazu gehört ein mariniertes Kotelett, panierter Fisch, ein Teeei, Reis und Gemüse.  Eine schmackhafte Mahlzeit für wenig Geld (2,5 bis 3 €).

Am Abend bestaunte ich noch die Glühwürmchen, die ganz in der Nähe des Hotels herumschwirrten und  sank dann geschafft in die Federn.

Am nächsten Morgen regnete es immer noch, aber dann riß es schlagartig auf. Inzwischen war es möglich, mit einem Taxi nach Alishan zu fahren, allerdings nur morgens für einige Stunden hin und gegen Abend in einem begrenzten Zeitraum zurück. Für Busse war die Strecke noch nicht befahrbar. Ich entschied mich ziemlich schnell gegen diese Tour, fand sie zu stressig und war mir nicht sicher, ob die Fahrt nicht doch gefährlich war oder ich im Alishan Gebiet festsitzen würde, wenn die Straße kurzfristig wieder geschlossen würde.

Vor dem Rückweg mit dem Bus ging ich noch eine Stunde spazieren. Ich bewegte mich hauptsächlich auf der Straße, weil die Trails auf Holzplanken regennass und glitschig waren. Aber die Gegend sah wunderschön aus.

Auf dem Rückweg mit dem Bus nach Chiayi bestätigte sich mein Eindruck, wirklich eine atemberaubende Landschaft, die rund um Alishan noch dramatischer sein musste.

Sollte ich jemals wieder nach Taiwan reisen, werde ich meine Reise zum Alishan nachholen.

Wie ist es euch auf Reisen ergangen ? Habt Ihr schon einmal einen Tag erlebt, an dem fast alles schiefging ?

Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich immer sehr.

 

2 Kommentare zu „Taiwan, die Zweite

  1. Stimmt, die Taiwaner fand ich auch ausgesprochen nett und ich bekam oft Hilfe angeboten, noch bevor ich darum gebeten hatte. Insofern war die Reise durch Taiwan sehr angenehm. Über das Reisen in Korea, wo es nicht ganz so gut lief, möchte ich noch schreiben, ist aber schwierig …

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  2. Oje! Vor 25 Jahren (ist es echt schon so lange her? ) war ich mal in Taiwan und es war ähnlich heiß und schwül wie dir.
    Gut, dass sich heute einige Probleme mit dem Internet lösen lassen. Damals musste man sich durch alle Probleme selbst durchkämpfen. Doch habe ich die Menschen in Taiwan als extrem freundlich und hilfsbereit erlebt. Ganz im Gegensatz zu Hongkong, das war damals mein persönlicher Horrortrip. Aber man wächst an solchen Schwierigkeiten! 🙂

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