Begegnungen in Südkorea Encounters in South Korea

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Reiseerfahrungen in Südkorea

Im April 2019  reiste ich drei Wochen lang durch Südkorea. Hierzu habe ich schon mehrfach berichtet Meine andere Südkoreareise Kurioses und Geniales aus Südkorea  und  Wandern in Südkorea .

Neben schönen und sehr interessanten Erlebnissen beschäftigen mich bis heute meine Begegnungen mit den Einheimischen und wie sich diese auf meine Reise auswirkten.

Nachfolgend gebe ich meine persönlichen Reiseerlebnisse wider. Allgemeine Aussagen über „die Koreaner“ sind nicht beabsichtigt.

Den Weg finden

Von Tokyo kommend reiste ich über den Flughafen Gimpo ein. In Japan war es ein guter Plan gewesen, bei der Ankunft an einem neuen Ort die Touristeninformation aufzusuchen und dort einen Stadtplan zu holen sowie weitere Informationen z.B. zum Subwaynetz. Im International Airport Gimpo gab es keinen Plan im Tourist Information Center.

Tragisch war das nicht, weil ich ohnehin mit dem Taxi ins Guesthouse in Seoul fahren wollte. Dort traf ich den sehr netten Inhaber, der mir in den kommenden Tagen immer wieder helfen, z.B. die beste Anfahrt zum Bukhansan Nationalpark erklären würde, aber einen Stadtplan hatte er auch nicht. An der Wand hing ein Metroplan, den ich mit dem Handy fotografierte. Am nächsten Tag ergatterte ich doch noch einen Innenstadtplan, aber in den übrigen Orten in Südkorea war es schwierig. In Gangneung, Gyeongju und in der Inselhauptstadt Jeju- si  gab es nur eine grobe Übersicht. Auf einem Tagesausflug an die Südküste von Jeju nach Seogwipu bekam ich einen richtigen Plan mit Straßennamen in lateinischer Schrift und fühlte mich fast wie bei einem Sechser im Lotto.

An meinem ersten Tag in Seoul besichtigte ich die bekannten Paläste, zunächst  Gyeongbokgung, der ganz in der Nähe meines Guesthouses lag und ging dann weiter zum Changdeokgung. Den Weg hatte mir der Inhaber des Guesthouses beschrieben und ich konnte ihn auf dem inzwischen ergatterten Stadtplan weiterverfolgen. Leider war auf dem Rückweg eine Straße wegen Bauarbeiten gesperrt und meine Orientierung war dahin. Ich fragte zwei älterere Herren nach dem Weg zum Gyeongbokgung. Sie winkten mir zu und baten mich auf koreanisch, ihnen zu folgen. Wir liefen dann eine gute Viertelstunde nebeneinander und an einer Palastmauer mit einem Tor, das mir bekannt vorkam, verabschiedeten wir uns . Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es sich nicht um Gyeongbokgung handelte. In diesem Moment kamen die beiden schon zurück und wir beratschlagten auf Koreanisch bzw. Englisch, wo wir uns befanden, was die Beiden nicht zu wissen schienen (!). Ein vorbeilaufender amerikanischer Tourist erklärte mir den Weg und empfahl,  die Metro zu nehmen, weil ich mich weit vom Gyeongbokgung entfernt hatte. Nach diesem, wenn auch liebenswerten, Erlebnis kaufte ich mir sofort eine koreanische SIM Card für mein Smartphone.

Dann stellte ich fest, dass Google Maps auch online in Südkorea nicht ausreichend funktioniert. Fußwege werden  nicht angezeigt und Busverbindungen existieren z.T. nicht so wie angezeigt. In Südkorea lässt die Regierung aus Sicherheitsgründen den Online-Kartendienst nur eingeschränkt zu wegen des Konflikts mit Nordkorea. In Seoul konnte ich „City Mapper“ verwenden, sogar auf Deutsch, und damit war mein Navigationsproblem vorerst gelöst.

Mein nächster Stop war Gangneung. Im Hotel hatte ich angefragt, wie ich vom Bahnhof am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin gelangte. Der Rat lautete kurz und bündig „Take a taxi.“ Vor dem Bahnhof stand eine Reihe Taxis. Sie fuhren vor, um die Passagiere aufzunehmen. Der Fahrer öffnete die Kofferraumklappe von innen. Ich hatte alle Mühe, meinen schweren Koffer in den hochgelegenen Kofferraum zu hieven, musste mehrmals ansetzen und das dauerte etwas. Der Fahrer stieg nicht aus, um mir zu helfen, sondern rief aus dem Fenster gelehnt, dass ich mich beeilen sollte. Im Auto zeigte ich ihm die koreanische Schreibweise meiner Hoteladresse. Als ich ihn dann noch fragte, was die Fahrt kosten würde, schrie er mich an, natürlich auf Koreanisch. Ich war erst einmal fassungslos und dann froh, als er mich vor dem richtigen Hotel absetzte.

Dort probierte ich City Mapper aus, um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, da ich auch keinen Stadtplan im Hotel bekommen hatte. (Es gab wirklich keinen, selbst in der ansonsten sehr hilfreichen Touristeninformation am Bahnhof mit einem excellent Englisch sprechenden Mitarbeiter. Von ihm erfuhr ich dann die Basics, Busverbindungen zum Strand, wie heißt die Haltestelle, an der ich aussteigen muss, um zum Hotel zurückzukommen, o.Ä). City Mapper meldete mir, dass ich mich nicht in Seoul befinde, daher funktioniere es nicht. Ich versuchte wieder einmal,  die Naver App herunterzuladen, die in Korea jeder benutzt und die Fußwege und alle Verkehrsverbindungen sogar mit Preisen anzeigt. Das klappte allerdings nur in der koreanischen Variante mit Hangeul Schriftzeichen.

Als ich vom Strand zurückkam, bummelte ich noch durch die Innenstadt und dann wußte ich nicht genau, wo sich mein Hotel befand. Da ich vor einer weiteren Touristeninformation stand, ging ich hinein und fragte nach. Dort sprach man kein Englisch. Kein Problem dachte ich und zeigte die koreanische Adresse meiner Buchung.  Leider verstanden die beiden Damen überhaupt nicht, was ich wollte. Suchte ich ein Hotel zum Übernachten ? Nachdem ich selber ein bisschen mit Google Maps herumprobiert hatte, sah ich das Hotel, den einzigen Wolkenkratzer in der Gangneunger Innenstadt, nicht weit entfernt. Prima, dachte ich, und fotografierte das Gebäude für den Fall, dass ich wieder einmal jemand fragen musste. Zwei Tage später sollte ich feststellen, dass das nichts änderte. Die Passanten, die ich um Auskunft bat, kannten das markante Gebäude  nicht.

Am nächsten Morgen war dringend mein Bargeldproblem zu lösen. Zwar konnte man überall die Kreditkarte benutzen, aber auf die Dauer wollte ich nicht jeden Kaffee damit bezahlen. In Südkorea geht man zu einer Bank , um am Automaten Geld zu holen, im Seven Eleven,  wie in Japan und Taiwan, funktioniert es mit ausländischen Karten nicht. Aber auch die Bankautomaten hatten kein Geld herausgerückt, man braucht einen „Global ATM“. Danach  fragte ich die Dame an der Hotelrezeption, worauf sie erwiderte „Oh, I don’t know“ und keine Anstalten machte, irgendwie zu helfen. Auf meine weitere Frage, wie ich zum Busbahnhof käme, wo ich mich wegen meiner Weiterfahrt erkundigen wollte, entgegnete sie „Why don’t you take a taxi ?“ Nun  ja !

Den Bankautomaten fand ich selber, aber dann stand ich an einer Haltestelle, an der im Minutentakt Busse abfuhren und wußte nicht, welcher zum Busbahnhof fuhr. Sobald man im richtigen Bus saß, war übrigens alles gut, die Haltestellen wurden auch auf Englisch angesagt. An der Haltestelle warteten sehr viele Leute, von denen ich einige nach dem Bus zum Busterminal fragte. Zuerst sprach einen jungen Mann an, weil ich dachte, dass die Jugendlichen in der Schule bestimmt Englisch lernen. Wie dem auch sei, er griff zu seinem Handy. Aber statt über Google Translate  zu helfen, fing er an zu telefonieren. Andere schüttelten  auf meine Frage hin den Kopf und sagten „No English“  oder zuckten mit den Achseln, ohne etwas zu sagen. Schließlich erbarmte sich eine ältere Frau und gab mir ein Zeichen, dass sie auch zum Busbahnhof fuhr.

Ähnliche Erlebnisse hatte ich immer wieder an Bushaltestellen. Schließlich gelang es mir „Naver“ auf Englisch herunter zu laden, so dass fast alle Nachfragen entfielen. Manchmal musste ich aber doch etwas fragen, z.B. zeigte die App oft nicht genau die Straßenseite der Bushaltestelle an. In Jeju City hielt der Bus direkt vor dem Hotel, aber der vielsilbige Name der Haltestelle war für mich nur schwer auszusprechen. Das führte dazu, dass ich keine Antwort bekam, weil ich z.B. eine Silbe falsch betont hatte. Auch das Vorzeigen des in Hangeul geschriebenen Namens half  oft nicht weiter. In Korea war ich froh, wenn ich die U-Bahn benutzen  konnte, da das System sehr einfach zu verstehen ist.

Am Bus Terminal  wollte ich ein Ticket nach Gyeongju für den nächsten Tag kaufen. Ich ahnte nicht, dass dieses Vorhaben zu größeren Unwägbarkeiten führen würde. Die Dame am Schalter verstand mich nicht und schickte mich zur Tourist Information, die sich im gleichen Gebäude befand. Meine Frage nach der Busverbindung konnte dort mangels Fremdsprachenkenntnissen zunächst nicht beantwortet werden. Ich wurde aber mit einer Englisch sprechenden Mitarbeiterin verbunden. Diese erklärte mir, dass ich nur die Fahrt bis nach Pohang buchen könne, von dort aber in kurzen Abständen Busse nach Gyeongju führen. Mit dieser Information ging ich zurück an den Schalter, um ein Billet nach Pohang lösen. An der Anzeigetafel hatte ich gesehen, dass es eine Verbindung um 9:30 Uhr gab. Zu der Dame am Schalter sagte ich, dass ich für folgenden Tag , dem 19.4., den Bus zu dieser Zeit nehmen wollte. Sie fragte „Day?“ und ich antwortete „19“. Daraufhin sie wieder „Day?“ und ich etwas lauter als vorher „19“. Ich malte die Zahl mit dem Finger auf, einen Stift hatte ich leider nicht dabei. Die Dame wollte mir ihren Stift nicht geben und so führten wir unseren unfreundlicher werdenden Austausch fort. Schließlich wurde ich wieder zur Touristeninformation geschickt. Nachdem ich erneut mit der englischsprechenden Angestellten telefoniert hatte, bat diese eine der beiden Damen in der Info, mit mir das Ticket kaufen zu gehen !

Während der mehrstündigen Fahrt nach Pohang graute es mir vor dem nächsten Ticketkauf. Aber überhaupt kein Problem ! Wie es mir geraten worden war, zeigte ich auf den koreanisch geschriebenen Namen meines Ziels ( koreanische Ortsnamen werden oft anders ausgesprochen als in der lateinischer Umschrift, da kann man bei mündlicher Bestellung leicht woanders landen), erhielt ein Billet für den nächsten Bus und meine Frage nach dem Bahnsteig wurde in perfektem Englisch beantwortet.

Im Nachhinein betrachte ich meinen Aufenthalt in Gangneung als den Tiefpunkt meiner Reise. Ähnliches hatte ich bei mehreren selbstorganisierten Reisen durch Asien noch nicht erlebt. Während meines fast dreitägigen Aufenthalts in der Stadt sah ich aber auch  nur einen westlichen Besucher und zwar in Begleitung einer koreanischen Frau.

„Koreaner sind etwas rauhbeinig“

Es handelt sich um ein Zitat einer Amerikanerin koreanischer Abstammung, die ihre Landsleute als „ A little rough“ bezeichnete.

In Japan begegnet man einer unglaublichen Höflichkeit. Japaner entschuldigen sich ständig, beim nichtigsten Anlaß, z.B. wenn sie dir in einer Menschenmenge entgegenkommen und du einen kleinen Schritt zur Seite gehen musst, um ihnen auszuweichen. Manchmal war mir es fast zu viel. Nach dem Einchecken im Hotel brachte mich eine Angestellte zum Aufzug und verbeugte sich immer wieder lächelnd, bis die Tür geschlossen war. Das fand ich übertrieben und es zuckte mir  in den Fingern, den Knopf zu drücken, um die Aufzugstür schneller zu schließen, aber das wäre sicher sehr unhöflich gewesen.

In Korea sind viele Leute in der Öffentlichkeit unterwegs und man wird sehr oft angerempelt. Zuerst dachte ich, es läge an meinem Day Pack, der mir oft vollgepackt vom Rücken herunterhing, so dass ich mehr Platz einnahm als andere Passanten, was von den Vorbeigehenden nicht bemerkt wurde. Ich gewöhnte mir an, in einer Menschenansammlung den Rucksack eng am Körper oder vorne zu tragen. Aber das änderte nichts. Alt und Jung schrammten an mir vorbei. Einmal filmte ich eine Karatevorführung. Aus dem Augenwinkel sah ich eine ältere Frau, die direkt hinter mir vorbeigehen wollte. Ich legte Wert darauf, dass meine Aufnahme nicht verwackelte und ging vorsichtig einen Schritt nach vorne. Zack, die Gute rannte gegen meinen Rucksack. Ich setzte erneut zum Filmen an, da kam sie zurück und dieses Mal rannte sie mich fast um. Am meisten erstaunte es mich, dass sich bei diesen Gelegenheiten, die ja mal vorkommen können, niemand entschuldigte. Die Einheimischen,  Kinder und Erwachsene,  gingen wortlos weiter. Manchmal schaute ich sie fragend an, wartete auf ein „Sorry“ oder vielmehr ein „Byeonmyeong“ , aber das kam nicht. Es fällt mir schwer, es zu sagen, aber koreanische Passanten, die dich anrempeln, entschuldigen sich nicht. Es scheint nicht zu ihrer Kultur zu gehören.

In Unterkünften habe ich dagegen oft „Sorry !“ gehört. Das bedeutete,  dass ein Service nicht angeboten wurde und damit hatte es sein Bewenden. In meinem Hotel auf Jeju gab es z.B. nur am ersten Tag Frühstück. Dann hing ein Schild im Aufzug, dass es bis auf weiteres kein Frühstück mehr gab und es folgte  „ We’re sorry to give you an inconvience“. Ich übernachtete dort mehrmals  und legte Wert auf die Mahlzeit im Haus, ein Minifrühstück hätte mir gereicht. Aber auf meine Nachfragen entgegnete das Personal stets nur „Sorry !“, ohne mir eine Alternative anzubieten.

Fazit:

Reisen in Korea hatte ich mir anders vorgestellt. Wenn ich jemand ansprach, grüßte ich zuerst freundlich lächelnd („Annyeonghaseyo“ oder „Haseyo“) und bedankte mich mit „Kamsahamnida“.  Zum Teil begegnete ich einer geringen Hilfsbereitschaft, eher selten auf unfreundliche Reaktionen, die mich schlucken ließen. In Seoul und Busan, aber auch in Gyeongju, habe ich dagegen häufig nette Einheimische getroffen, mit denen ich mich gut verständigen konnte, auf Englisch, mit der Unterstützung von Google Translate, altmodisch mit Zeichensprache oder einer Kombination von alledem.

Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, zuerst nach Korea zu reisen und sich danach über die  höflichen und lieben Japaner zu freuen.

In Taiwan, das ich danach bereiste, habe ich die fantastische Hilfsbereitschaft der Einheimischen kennengelernt, Impressionen aus Taiwan,  die  sich über die wenigen westlichen Touristen regelrecht zu freuen schienen und mir ihre Hilfe anboten, bevor ich gefragt hatte.

Wart ihr schon in Südkorea unterwegs und wie habt ihr die Reise  erlebt ?

Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich immer sehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu „Begegnungen in Südkorea Encounters in South Korea

  1. Sind wirklich köstlich Deine Beiträge und ich kann mich durch Deine Schilderung sehr gut in Deine Lage versetzen. 🙂

    Ich bin natürlich nur hin und wieder mal in Seoul (und kenne keine anderen koreanischen Städte), kann also nur für die Stadt und die Bewohner sprechen. Mittlerweile mag ich die Koreaner ganz gerne, sie haben sich aber auch über die vielleicht 15 Jahre geändert, haben sich den Touristen und internationalen Firmen und ihren Angestellten angepasst. Wenn es vor gut 15 Jahren noch nicht unüblich war, dass einem manchmal direkt vor die Füße gespuckt wurde, habe ich das in den letzten paar Jahren nicht mehr erlebt. Ich fand sie bei meinem letzten Aufenthalt sogar richtig bemüht, einer „weißen“ Frau, die scheinbar orientierungslos auf dem Bürgersteig oder in dem U-Bahnhof stand, sofort weiterzuhelfen. Sogar, wenn sie kein Englisch konnten. Mich hat eine ältere Dame sogar an die Hand genommen und vom Bahnhof mit nach oben genommen und mir gezeigt, wie ich laufen sollte. Putzig.

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  2. Ein sehr schöner Artikel, der mich zum Schmunzeln gebracht hat. Alle Geschichten kann ich sehr gut nachvollziehen, insbesondere den Kontrast zu Japan. Manche Sachen sind mir auch nach eineinhalb Jahren in Korea noch nicht klar. Die Untiefen der rustikalen Umgangsformen sind kleine Gewerbebetriebe: Putzereien, 24h-Restaurants usw. Da muss man schon hoffen, dass man beim Bestellen überhaupt angeschaut wird.

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