Auf dem Münchner Jakobsweg (5)

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Wieder einmal war ich auf dem Münchner Jakobsweg unterwegs. An fünf Tagen wollte ich von Dießen am Ammersee nach Marktoberdorf laufen. Bis Lechbruck hatte alles recht gut geklappt, wie schon berichtet.

Am letzten Tag wollte ich eine Strecke von 26 km zurücklegen. Es sollte meine „Königsetappe“ werden.  Wahrscheinlich wollte ich mir beweisen, dass ich so weit mit Gepäck laufen kann. Wie dem auch sei, es hat nicht ganz funktioniert.

Von Lechbruck nach Stötten am Auerberg , 15 km

Morgens brach ich in Lechbruck auf und lief vorbei an der Kirche, eine der wenigen am Weg, die geschlossen waren. Den Pilgerstempel hatte ich aber schon im Hotel bekommen.
Am Vortag hatte ich geflucht, dass ich zum Hotel noch bergauf durch den Ort gehen musste.  Das kam mir jetzt zugute. Sehr schnell erreichte ich den Jakobsweg, der als Panoramaweg wunderbare Ausichten über den Ort, den Lechstausee und die Berge  bot.

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Auf dem weiteren Weg gab es kilometerweit keinen Schatten. Als ich durch die pralle Sonne lief, merkte ich schon, dass ich mich nicht fit fühlte. Ich durchquerte Gegend mit schön bemalten Bauernhäusern und wunderte mich, dass ich, obwohl es Samstag und damit kein Tag für Pendler war, nur wenige Einheimische sah. War es ihnen etwa zu heiß ?

P1020524 - KopieP1020526P1020529P1020544Nach einem sanften Anstieg musste ich mich schon erholen. Auf einer Bank im Schatten vor einer Kapelle legte ich eine Trinkpause ein.P1020534

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In Bernbeuren schaute ich in der Kirche vorbei und stärkte mich für den bevorstehenden Aufstieg zum Auerberg mit einem starken schwarzen Kaffee. Ein Café gab es nicht, aber einen Laden und gemütliche Bänke.

P1020542Zunächst verlief der Wanderweg  durch die romantische Feuerschlucht mit geringen Steigungen. Das sanfte Plätschern des Baches war sehr wohltuend.

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Aber dann ging es richtig zur Sache.  Der Anstieg um 300 m auf den 1055 m hohen Auerberg verlief sehr steil. Der Jägersteig ging am Waldrand entlang und war größtenteils schattig . Es gab auch immer wieder schöne Aussichten. Ich schleppte mich aber mühsam auf den Berg.

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Auf dem Auerberg angekommen legte ich eine Mittagsrast ein. Ich war ausgepowert, hatte auch sehr viel Wasser getrunken, so dass ich kaum Hunger hatte. Eine Rinderbrühe mit Brätstrudel und ein Kaffee weckten meine Lebensgeister wieder. Danach war ich fit genug um über die enge Holztreppe auf den Turm der St. Georgs-Kirche zu klettern und die Aussicht zu bewundern.

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Nun folgte ein angenehmer Waldweg, der ohne starkes Gefälle nach Stötten führte. Trotzdem kam ich ziemlich geschafft dort an. Als ich bei Cappuccino und Apfelstrudel saß, konsultierte ich den Wanderführer. Der Weg nach Marktoberdorf schaute recht eben aus, aber ich hätte noch fast 12 km laufen müssen. Die Kellnerin bestätigte mir, dass es über Wiesen ging und dass die Strecke nur sehr wenig Schatten bot. Nun musste ich leider zugeben, dass ich mein Ziel nicht erreichen würde. Ein letztes Kirchenfoto knipste ich noch mit dem Handy. Das Innere der Kirche besichtige ich, wenn ich den Weg, wahrscheinlich im Oktober, an dieser Stelle fortsetze.
DSC_1377 - KopieNachdem ich festgestellt hatte, dass der nächste Bus erst mehrere Stunden später fuhr, bestellte ich mir ein Taxi. Es brachte mich zum Bahnhof Markoberndorf, wo ich nach kurzer Wartezeit  in den Zug nach München stieg.

Fazit:

Den Münchner Jakobsweg bin ich bis Kilometer 159 gegangen. Die 25 km, die ich am Ammersee ausgelassen habe Auf dem Münchner Jakobsweg (3), werde ich auf einer Tageswanderung nachholen.

Während meiner 134 km habe ich einige Tageswanderer gesehen, aber fast keine Pilger getroffen. Gleich zu Beginn des Weges in den Münchner Isarauen unterhielt ich mich mit einer Pilgergruppe vom Bodensee, die von München zurück nach Hause unterwegs waren. Weitere Wanderer mit Rucksack, insgesamt vielleicht fünf, habe ich nicht angesprochen, um sie zu fragen, ob sie den Weg gehen wollten. Am Münchner Jakobsweg gibt es keine Pilgerherbergen. Künftig möchte ich häufiger in pilgerfreundlichen Unterkünften übernachten und hoffe, dort andere zu treffen mit denen ich mich über Pilgererlebnisse austauschen kann.

Auf dem Weg konnte ich bei schönstem (wenn auch heißem) Sonnenschein schon sehr oft herrliche Landschaftsbilder und prächtige Rokokokirchen zu bewundern. Nicht so gut gefallen hat mir der hohe Asphalt-  bzw. Schotteranteil. Das wird hoffentlich besser, wenn ich den Weg im Herbst bis Lindau weiter gehe. Und vielleicht gelingt mir dann ein Tagesdurchschnitt von 20 km.

Eine Frage beschäftigt mich: wie weit muss ich eigentlich pilgern, bis mir die innere Einkehr gelingt ? Ich habe den Verdacht, dass dieses Erlebnis bei mir etwas länger dauern könnte. Nun ja, bis Lindau habe ich noch 131 km und dann bis Santiago …

Wie ging es euch, wenn ihr gepilgert seid ?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

Wollt ihr wissen, wie es mir im Oktober erging, als ich den Weg fortgesetzt habe. Meine Bericht beginnen hier:

Weiter geht’s auf dem Münchner Jakobsweg .

 

 

 

 

 

8 Kommentare zu „Auf dem Münchner Jakobsweg (5)

  1. Das heißt dann aber auch, du musstest im Vorfeld erst Mal richtig planen. Von wo nach wo wandere ich, wieviele Kilometer, was für Orte gibt es und wo bekomme ich eine Unterkunft und was zu Essen. Alle Achtung 👍

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  2. Danke 🙏. Habe zwei bis drei Unterkünfte vorgebucht und dann von Tag zu Tag jeweils die nächste. Die Übernachtungen waren bei meiner Etappeneinteilung oft in sehr kleinen Orten mit wenigen Möglichkeiten. In diesem Jahr wird es sicher voller auf dem Weg werden, was einerseits schön ist, fast nie andre Pilger getroffen. Bedeutet aber andererseits, dass man möglichst viele Übernachtungen vorbuchen sollte.

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  3. Ganz toll beschrieben und mit wunderschönen Bilder hinterlegt 👍
    Eines würde mich mal interessieren, wie läuft das mit den täglichen Unterkünften? Werden die vorher gebucht oder hofft man, dass man am Abend was findet 🤔
    LG Roland

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  4. Mhhh … was die innere Einkehr angeht, vermute ich mal, dass die sich erst einstellt, wenn man längere Zeit am Stück unterwegs ist. Und ich habe gehört, dass sie auch mit der Begegnung mit anderen Pilgern kommt …

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