Unterwegs auf Lanzarote (1)

Am ersten Wochenende auf Lanzarote war ich mit dem Mietwagen unterwegs. Zum ersten Mal während meines Aufenthalts auf der Insel kam ich über Costa Teguise hinaus.

Am Samstagmorgen schaute ich aus dem Fenster und konnte es nicht glauben. Während der gesamten Woche, die ich im Sprachunterricht verbracht hatte, herrschte wunderbares Wetter. Fast immer schien die Sonne und die Temperaturen bewegten sich um angenehme 20 °C.  Nun regnete es tatsächlich und zwar nicht nur ein bisschen. Meine Reservierung für den Fiat Panda wollte ich aber nicht verfallen lassen, so begab ich mich auf eine Tour durch den Norden der Insel.

Zuerst ging es nach Teguise, in die Inselhauptstadt im Landesinneren. Eigentlich wollte ich dort nicht stoppen,  vertrieb mir dann aber die Zeit mit Kaffeetrinken und Schlendern durch die Altstadtgassen im spanischen Kolonialstil in der Hoffnung auf besseres Wetter.

DSC04320DSC04327Es war immer noch regnerisch. Daher beschloss ich, nach Haria zu fahren und dort das letzte Wohnhaus des Ausnahmekünstlers Cesar Manrique (1919-1992) anzuschauen, das in ein Museum umgewandelt wurde. Manrique war Maler, Architekt, Bildhauer und Designer. Er prägte das Erscheinungsbild von Lanzarote maßgeblich und sorgte dafür, dass die touristische Bebauung mit Hochhäusern unterblieb. Die von ihm entworfenen Ferienanlagen orientierten sich an der traditionellen kanarischen Architektur. Außerdem schuf er Werke, in denen die Natur der Vulkaninsel und die Kunst eine  einzigartige Symbiose eingehen (Über die einzelnen Orte  berichte ich jeweils).

Nach Haria fährt man auf einer Serpentinenstrecke, wird aber mit schönen Ausblicken von mehreren Miradores belohnt. Letzeres war mir nicht gegönnt. Die Gegend war in dichten Nebel gehüllt.

In dem schönen Ort Haria gibt es Manriques liebevoll gestaltetes Haus in exquisitem Design und sein Maleratelier zu sehen. Sehr sehenswert sind u.a. die außergewöhnlichen Bäder mit Glasfronten, durch die man nach draußen in das  Lavaformationen schaut (Fotografieren durfte man in den Innenräumen nicht). Etwas unheimlich war, dass die Einrichtung der Privaträume so belassen wurde, wie Manrique sie vor seinem Unfalltod verlassen hatte. Das geht sogar soweit, dass in der Bar noch seine alten, angebrochenen Flaschen stehen!

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In Haria war es nicht neblig, aber sehr trübe und es regnete ein bisschen. Ich überlegte, ob ich weiter zum Mirador del Rio nach Norden oder zu meinen nächsten Zielen an der  Ostküste fahren sollte. Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt und so landete ich in einer Nebelsuppe am schönsten Aussichtspunkte von Lanzarote, dem Mirador del Rio.
Der Mirador del Rio mit dem dazugehörigen Restaurant ist ein Werk von Cesar Manrique. Die Cafeteria bietet großartige halbrunde Panoramafenster und ist geschmackvoll und puristisch möbliert, so als ob nicht von dem einzigartigen Ausblick abgelenkt werden soll. Angeblich ist der Blick auf die vorgelagerte Insel La Graciosa einer der schönsten auf den Kanaren. Nur kurz konnte ich dies erahnen. Die Insel tauchte einmal aus dem Dunst auf. Ich stürzte nach draußen, um zu fotografieren, da war es schon wieder vorbei ! Mit Cafe con Leche  und leckerem Apfelkuchen tröstete ich mich und beschloss, noch einmal zum Mirador zu fahren, entweder in diesem Urlaub oder später einmal.

DSC04346Am Nachmittag besichtigte ich ein weiteres Werk von Manrique an der Ostküste. Die Jameos del Aqua liegen nördlich von Arrieta. Dort lachte endlich wieder die Sonne. In einem eingestürzten Lavatunnel befindet sich ein großartiges Gesamtkunstwerk. Rund um einen türkisschimmernden Salzsee mit endemischen Albinokrebschen ließ Manrique ein Restaurant, einen Pool und einen unterirdischen Konzertsaal einbauen.  Wirklich eine einzigartige Sehenswürdigkeit, die durch subtropische  Vegetation noch verschönert wird.

Schließlich besuchte ich noch die nahe Cueva de los Verdes, die einen Teil eines fast acht Kilometer langen Lavatunnels bildet. Mit einer Führung können knapp zwei Kilometer der Höhle besichtigt werden. Stimmungsvoll beleuchtet kommen die Struktur der erstarrten Lavaströme und die verschiedenen eingelagerten Gesteinsarten sehr gut zur Geltung. Immer wieder wurden wir aber auch aufgefordert den Kopf einzuziehen. Die Decke war oft ziemlich niedrig.

Nach einem erlebnisreichen Tag kam ich erschöpft aber glücklich zurück nach Costa Teguise. Über meinen Ausflug am nächsten Tag folgt ein weiterer Bericht.

Wart ihr schon mit dem Mietauto auf Lanzarote oder einer anderen Kanareninsel unterwegs und wie fandet ihr das ?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

 

 

 

 

Lanzarote im November

Sehr schöne  Tage auf Lanzarote bei rund 20 Grad verlebe ich gerade. Es ist mein erster Aufenthalt auf der Kanareninsel. In Costa Teguise habe ich einen Intensivspanischkurs gebucht. Noch einmal die Schulbank drücken und endlich ordentlich Spanisch lernen! Das ist der Plan …

Schon jetzt gefallen mir die sympathische und entspannte Atmosphäre und die vulkanische Landschaft. In der Nebensaison trifft man nicht auf Touristenmassen, aber alles ist geöffnet und angenehm belebt.  Über Costa Teguise bin ich noch nicht hinausgekommen, aber das wird sich ändern. Darüber möchte ich noch  berichten. Heute sende ich zunächst einige Impressionen der ersten Tage.

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Wart ihr schon auf Lanzarote und wie hat es euch gefallen?
Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

 

 

 

 

 

Tophighlight: Taj Mahal in Agra Indien

Der Taj Mahal, das herausragendste Werk der indo-islamischen Baukunst, ist ein mit weißen Marmorplatten verkleidetes Mausoleum, das auf einer quadratischen ca. 5 m hohen  Plattform am Ufer des Yamuna Flusses in Agra (Indien) steht. Das Mausoleum wurde vom muslimischen Großmogul Shah Jahan für seine verstorbene Frau Mumtaz Mahal errichtet. Sie starb im Jahr 1631 nach der Geburt ihres 14. Kindes. Ihr letzter Wunsch war, dass ihr Mann ihr die schönste aller Grabstätten bauen möge.  Der Großmogul,  dessen große Liebe Mumtaz Mahal gewesen war, begann noch  im gleichen Jahr mit dem Bau des Mausoleums, das mit immensem finanziellen und logistischem Aufwand im Jahr 1648 fertiggestellt wurde. Beteiligt waren mehr als 20.000 Handwerker und mehrere Architekten. Aus Indien und anderen asiatischen Ländern stammen die Baumaterialien, die durch mehr als 1.000 Elefanten transportiert wurden.

In den letzten Jahren vor seinem Tod wurde Shah Jahan von seinem Sohn eingesperrt, der zwischenzeitlich die Macht übernommen hatte. Aus dem Fenster seines Zimmers im Roten Fort von Agra konnte/mußte Jahan jeden Tag das Mausoleum seiner liebsten Ehefrau betrachten. Begraben wurde er schließlich neben ihr. Im Inneren  des Taj Mahal befinden sich die von einer achteckigen Schranke umgebenen Kenotaphen (Scheingräber) von Mumtaz Mahal und Shah Jahan. Das Grabmal von Mumtaz Mahal befindet sich genau in der Mitte, im Einklang mit der Symmetrie des Raumes, während das nur wenig größere Grabmal ihres Ehemanns sich  seitlich versetzt befindet (Fotografieren leider verboten; Foto Wikipedia ). Die richtigen  Gräber liegen in der nicht zugänglichen Krypta.

Die Außenfassaden und auch die Grabmäler im Inneren sind mit feinzisilierten Reliefs verziert. Es gibt bunte florale Motive, wie z. B. Lilien, Rosen und andere Blumen, aber auch Inschriften mit Passagen aus dem Koran.

Den Tadj Mahal besuchte ich am letzten Tag meiner Rundreise durch Rajasthan im Januar 2016.  Bis dahin hatte ich schon die äußerst prächtigen Paläste der Moghul Architektur und Wüstenfestungen, die im Abendlicht zu leuchten begannen, anschauen dürfen, u.a. in Jodhpur, Jaisalmer, Udaipur und Jaipur. Auf meiner Reiseroute hatte ich Hindu- und buddhistische Tempel (teilweise mit Ratten und Affen !) gesehen. Die Skulpturen in den Jain Tempeln hätte ich stundenlang bewundern können, wenn ich genug Zeit gehabt hätte. Kurzum, ich war bereits gesättigt mit zahlreichen sehr schönen Eindrücken.

Das Taj Mahal, das zum UNESCO Weltkulturerbe und zu den 7 neuen Weltwundern gehört, betrachtete ich eine Sehenswürdigkeit, die man bei einer Indienreise nicht auslassen durfte, erwartete aber nicht viel von dem Besuch. In Deutschland hatte ich schon unzählige Fotos des Mausoleums gesehen. Das indische Fremdenverkehrsamt warb mit Fotos des Taj Mahal. Oft war das Bauwerk vor einem Sonnenuntergang in  knalligem Orange und vor einem lilagetöntem Himmel abgebildet. Auch kannte ich die recht kitschig wirkenden Fototapeten und hatte vor langer Zeit sogar ein Puzzle mit dem Taj Mahal zusammengesetzt. Dass es etwas bringen würde, sich das Ganze in Wirklichkeit anzuschauen, bezweifelte ich.

Früh morgens, als es noch nicht sehr voll war, trat ich durch das Tor in der Mauer, die den Taj Mahal umgibt. Und dann geschah das Unerwartete. Vor mir breitete sich ein Wunder aus weißem Marmor aus, zauberhaft schön wie aus einem Märchen . Woher kam diese Schönheit ? War es die perfekte Symmetrie, die meisterhafte Ästhetik, die Verwirklichung des Goldenen Schnitts,  in dem die Gebäudeteile zueinanderstanden , die Morgensonne, die das Mausoleum im weißen Licht erstrahlen ließ (obwohl der wolkenlose Himmel eher grau wirkte, was mit der Luftverschmutzung zusammenhing) ? Ich wußte es nicht. Nie zuvor war ich durch  den Anblick von Architektur so ergriffen gewesen. Meine Gefühle erinnerten mich an einzigartige Landschafterlebnise, zum Beispiel beim Wandern in Patagonien Topreiseerlebnis : Wandern in Patagonien. Meine Faszination in Worten zu vermitteln, ist nur unvollkommen möglich.  Auch Fotos können den tatsächlichen Eindruck nur annährend vermitteln.

Jedenfalls konnte ich mich kaum sattsehen und war wieder einmal froh, dass ich nicht mit einer Reisegruppe unterwegs war. Als es dann voller wurde, riß ich mich los und setzte meine Reise nach Delhi fort, wo in der kommenden Nacht mein Rückflug ging. Der Besuch des Taj Mal bildete den vollkommenen abschließenden Höhepunkt meiner Rajastan Rundreise.

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Über Indien gäbe es noch sehr viel mehr zu berichten, aber das soll einem weiteren Beitrag vorbehalten sein. Wart ihr schon einmal am Taj Mahal oder an einer anderen weltberühmten Sehenswürdigkeit und wie habt ihr das erlebt ?

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Auf dem Münchner Jakobsweg (9)

 Von Eschach und Buchenberg nach Weitnau, ca 20 km

Als ich morgens aus dem Fenster meiner Bauerstube schaute, war alles in dichten Nebel gehüllt. Der grandiose Panoramablick war mir nicht gegönnt.
Die Bäuerin hatte mir das Frühstück bereit gestellt, das ich ohne großen Appetit aß, eher pflichtschuldig, weil ich die Energie brauchen würde. Auch ein Brot für unterwegs schmierte ich, weil es wieder keinerlei Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke geben würde.  Es stand nicht fest, wie lange das Wetter halten würde. Immerhin regnete es gerade nicht, das musste ich ausnutzen. So brach ich ziemlich früh auf. Die anderen Gäste standen gerade erst auf. Ob sich dabei um Pilger oder um „normale“ Feriengäste handelte, würde ich nicht mehr erfahren. Meine Hoffnung in Pilgerunterkünften andere Pelegrinos zu treffen, hatte sich nicht erfüllt.

Zunächst musste ich zurück nach Buchenberg laufen. Die nette Bäuerin bot mir an, mich zu fahren, was ich dankend ablehnte. Sie kam gerade aus dem Stall und hatte noch nicht gefrühstückt. Der Bauer wollte mich auf eine Abkürzung schicken, die mich nicht zurück nach Buchenberg geführt hätte. Nachdem ich entdeckt hatte, dass es sich um ein Stück des Augsburger Jakobswegs handelte, lehnte ich ab. Das Verlassen „meines“ Caminos kam nicht in Frage. Nun ging ich auf dem Radweg an der Straße entlang recht angenehm leicht bergab. Der Nebel hing in Fetzen tief in den Bäumen. Am frühen Sonntagmorgen herrschte eine friedlich verwunschene Stimmung. An einer Weide vorbeigehend wollte ich eigentlich nicht schon stehenbleiben. Dann kam eine Horde neugieriger Kälbchen herangestürmt. Die Tiere tollten ganz herzallerliebst herum.  Auch als sie schon am Zaun standen, sprangen einige noch übermütig in die Luft. Wie froh war ich, dass ich das Angebot der  Bäuerin nicht angenommen hatte! So sorgte ich für Abwechselung im Rinderalltag und durfte mich über die Kleinen freuen. Mein auf dem ersten Teil des Jakobsweges gefasster Vorsatz (bis heute eingehalten), kein Kalbfleisch mehr zu essen, wurde noch einmal gefestigt.
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Von Buchenberg führte ein Schotterweg ziemlich gerade und eben fünf Kilometer durch einen schönen Mischwald. Auf dieser Strecke begegnete mir nur ein Paar, das seinen Hund ausführte.
P1040323Schließlich kam ich an die Kreuzung, an der ich mich entscheiden musste. Eine Wegvariante führte steil hinauf über Rechtis auf den Sonneckgrat. Dort entlang wandernd sollte man fünf Kilometer lang  sehr schöne Aussichten genießen können. Sodann ging es laut Pilgerbuch „steil bergab in den hübschen Ort (Weitnau)“. Die andere Variante führte über den Radweg nach Weitnau weitgehend eben aber 11 km lang geradeaus auf einem Schotterweg. Das würde sich ziehen. Andererseits war es immer noch sehr diesig. Die Aussicht fiel ohnehin flach. Außerdem riet das Buch, bei schlechtem Wetter, nicht über das Sonneck zu gehen. Trüb wie es war, konnte es jederzeit  zu regnen beginnen. Auf Rutschpartien beim Bergabgehen hatte ich überhaupt keine Lust, also beschloss ich, den Radweg zu nehmen.
Der Weg verlief zunächst durch die Hochmoore Breitenmoos und Schönleitenmoos. Auf einer Bank machte ich es mir kurz bequem und stärkte mich.
P1040328P1040330Kurz danach gab es sogar etwas zu entdecken, die Wasserscheide. Ohne das Schild, das schon bessere Tage gesehen hatte, hätte ich allerdings nicht erkennen können, dass es sich dort entscheidet, ob ein Wassertropfen Richtung Rhein oder Donau fließt.
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Nun näherte ich mich der B 12. Nach der langen Ruhe im Wald kam mir der stetig brausende Autoverkehr extrem laut vor.  Der Weg führte an der Bundesstraße nur kurz entlang, dann ging es durch eine Unterführung  auf die andere Seite. Schließlich befand ich mich so weit entfernt, dass ich die Straße zwar manchmal sah aber nicht mehr hörte.

P1040333Den Sonneckgrat konnte ich auf der anderen Seite der B 12 gerade noch erkennen. Dichte Nebelschwaden hingen dort fest. Eine Aussicht hätte ich da oben nicht gehabt und wäre vermutlich recht ungemütlich unterwegs gewesen. Von meinem Radweg konnte ich immerhin die nächsten Hügel auf der andere Talseite erkennen. Eigentlich verlief die Strecke durch eine schöne Berg- und Weidenlandschaft, aber dass es überhaupt kein Lokal gab, auch nicht in einem der Dörfer, die nicht weit vom Weg entfernt lagen, fand ich seltsam. Wenn es nicht gerade schüttet, habe ich kein Problem damit, mein mitgebrachtes Essen draußen zu verspeisen. Dumm ist aber, dass ich ohne Einkehrmöglichkeiten auf einer Wanderung kiloweise Wasser mitschleppen muss. Das machte mir nun zu schaffen. Das Gewicht des Rucksacks zerrte schwer an meinen Nackenmuskeln. Ich versuchte alles Mögliche, verstellte Hüft- und Schultergurte  und legte Trinkpausen mit Lockerungsübungen ein, auch um das Gewicht zu reduzieren. Nichts half wirklich, auch nicht, dass ich mir sagte, dass sei doch ein Luxusproblem. Immerhin hatte ich auf dem Weg noch keinerlei Rückenprobleme gehabt. Auch mit Blasen an den Füßen hatte ich überhaupt nicht zu kämpfen.
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Nach ungefähr zwei Stunden auf der schnurgeraden Strecke kamen mir immer mehr Radler und Spaziergänger entgegen. Nun konnte es nicht mehr weit bis zum Ziel sein. Das war gut so, denn kurz vor Weitnau begann es zu nieseln. Gottlob blieb es dabei und ich beendete die Etappe im Unterschied zum Vortrag  Auf dem Münchner Jakobsweg (8) ziemlich trocken.
In Weitnau holte ich mir den Pilgerstempel in der neugotischen Kirche St. Pelagius und ging dann zu meiner Unterkunft. Endlich wieder im Hotel !
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Seid Ihr schon eine längere Strecke auf einem eher langweiligen Weg gewandert ? Und wie habt ihr es erlebt ?

Über eure Likes und Kommentare freue ich mich immer sehr.

Und so ging es weiter:

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/12/29/auf-dem-muenchner-jakobsweg-10/

 

Tophighlight in Vietnam: Sunset Cruise in der Halong Bay

Die Halong-Bucht  ist ein rund 1500 km² großes Gebiet im Norden Vietnams. Etwa 2000 von Regenwald bewachsene Kalkfelsen ragen dort bis zu mehreren hundert Meter hoch steil aus dem smaragdgrünen Wasser. Die UNESCO erklärte die Bucht zum Weltnaturerbe. Die Gegend gehört zu den beliebstesten Touristenattraktionen Vietnams.

Dorthin fuhr ich während meiner Vietnam- und Kambodschareise im Dezember 2013  von Hanoi aus gut 4 Sunden mit dem Shuttlebus. Im Dezember 2018 wurde ein 50 km entfernter Flughafen eröffnet, was die Anreise erleichtern dürfte.

Die Bootstour, die ich gebucht hatte, umfasste ein abwechselungsreiches Programm. Es gab u.a. Kanufahren um schwimmende, bewohnte Inseln, den Besuch einer beeindruckenden Höhle und einen Kochkurs zur vietnamesischen Frühlingsrolle. Außerdem übernachtete ich auf dem Boot, das in der Bucht ankerte.

Aber das absolute Highlight bildete die Fahrt durch den Sonnenuntergang („Sunset Cruise“) . In der Halong Bay herrscht Massentourismus. Daher hatte ich befürchtet, dass wir abends, wie schon tagsüber, von vielen anderen Booten begleitet würden. Unser Veranstalter warb damit, dass sein Boot während der Sunset Cruise eine Route nahm, die nur die beiden Schiffe der Gesellschaft befahren durften. Und es war tatsächlich so ! Wir konnten die zauberhafte Abendstimmung in der magischen Landschaft in aller Ruhe genießen. Es war einfach berauschend schön, wie die sinkende Sonne die Silhouetten der markanten Felsen zeichnete und Himmel und Meer sich allmählich tiefrot färbten. Nach den ersten bewundernden Ausrufen („marvellous“, „amazing“, „awesome“ etc.) herrschte eine andächtige Stille auf dem Deck, die nur vom leisen Klicken der Kameras unterbrochen wurde.

2 Halong Hanoi (34) - Kopie2 Halong Hanoi (30) - Kopie2 Halong Hanoi (28) - Kopie2 Halong Hanoi (33) - Kopie2 Halong Hanoi (45)2 Halong Hanoi (48)2 Halong Hanoi (51)2 Halong Hanoi (38) - Kopie2 Halong Hanoi (57)

Fazit:
Die Halong Bucht hatte ich schon lange besuchen wollen. Sie war einer der Gründe für meine Vietnamreise gewesen. Natürlich hatte ich vorher unzählige tolle Fotos gesehen. Wie immer bei dermaßen abfotografierten Sehenswürdigkeiten, erwartete ich nicht, dass die Wirklichkeit genau so schön sein würde. Und das trifft tatsächlich oft zu. Beim Sonnenuntergang in der Halong Bucht verhielt es sich aber ganz anders. Das Naturwunder in Wirklichkeit zu erleben, übertraf meine Vorstellungen bei Weitem und war eines meiner schönsten Reiseerlebnisse (Ging mir übrigens ebenfalls so, als ich das Taj Mahal besuchte. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich später erzählen möchte).

Wo befindet sich euer Reisehighlight und was hat euch dort besonders gut gefallen ?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

 

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (8)

Regen, Regen …

„Schönwetterwandern ist anders!“ Durch das Fenster im Wirtshaus bei der Kapelle Mariaberg  schaue ich dem auf die Tische prasselnden Regen zu. Aber schließlich geht es beim Pilgern nicht um den Komfort. Es soll auch mühsam sein. Natürlich möchte ich mich auf dem Münchner Jakobsweg anstrengen und meine Grenzen austesten. Wie weit kann ich mit dem schweren Rucksack gehen? Kann ich die Tagesetappen steigern ? Das waren die Gedanken, mit denen ich den Weg begonnen hatte.
Jetzt regnet es pausenlos, schon seit 24 Stunden. Meine Zimmerwirtin hat mich heute morgen mit „ Das Wetter soll heute besser werden! „verabschiedet. Das erinnert mich an den Mutmacherspruch der Taxifahrerin auf Malta : „It is brrightening upp!“ Reisepech: Das Wetter !
Das stimmte seinerzeit nicht und ich fürchte inzwischen, dass das heute auch wieder nicht der Fall ist. Nun sitze ich etwas trübselig im Gasthaus. Es gibt keine weiteren Gäste. Der Kellner, der auf seinem Handy daddelt, wäre wahrscheinlich heilfroh, wenn ich bald aufbrechen würde. Vorhin habe ich mir auf der Toilette die Regenbekleidung aber auch das nasse Shirt ausgezogen und alles über einem Stuhl ausgehängt. Hier sitze ich nun bei Apfelküchlein und Tee und hoffe, dass die Klamotten ein bißchen trockener werden. Ärgerlicherweise habe ich mich auf meine Regenjacke verlassen und mein Regencape  wieder ausgepackt, um Gewicht zu sparen.  Eben habe ich zu meinem Schrecken festgestellt, dass die Jacke zwar einem Niesel-  aber keinem Starkregen standhält. Meine heutige Strecke ist zwar relativ kurz. Aber ewig im Restaurant auf besseres Wetter zu  warten, bringt es auch nicht. Außerdem wird es mir in den feuchten Sachen, die ich noch trage, langsam kalt. Nach einer knappen Stunde bezahle ich.
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Zunächst besuche ich die direkt gegenüberliegende Kapelle und hole  mir den Pilgerstempel. Soll ich  die Wanderung abbrechen ? Zurück in Kempten wäre ich in einer Stunde. Von dort könnte ich gemütlich mit dem Zug nach Hause fahren. Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage ! Wenn ich auf dem Camino in Spanien unterwegs wäre, könnte ich auch nicht ohne weiteres aufgeben. Das Pilgern bei Wind und Wetter gehört auch zum Jakobswegerlebnis. Auf geht’s ! Davon dass mir die Erfahrung des Regenpilgerns auf dem Münchner Jakobsweg schließlich intensiv gegönnt wurde, werde ich noch berichten …

Von Kempten nach Buchenberg und Eschach, ca. 10 Km

Morgens lieh ich mir einen Schirm von meiner Vermieterin und unternahm eine kleine Besichtigung von  Kempten bei  strömenden Regen. Zunächst schlenderte ich über den großen Wochenmarkt am Residenzplatz. Bei schönerem Wetter hätte man das vielfältige Sortiment sicher besser bewundern können. Dann ging ich noch zum historischen Rathaus und zur nicht weit entfernten evangelischen Kirche St. Mang. Am Samstagmorgen und bei regnerischem Wetter wirkte die Altstadt verlassen. Die Gassen und Plätze mit schön restaurierten Häusern und zahlreichen Caféterrassen würde ich gerne noch einmal bei Sonnenschein besuchen. In der Kirche St. Mang war es ziemlich dunkel,  aber den Stempel fand ich schließlich. Auf dem Rückweg besuchte ich die katholische Kirche St. Lorenz, die verschwenderischer ausgestattet war. Auch begann gerade eine Messe.  Der Innenraum war hell erleuchtet und  viele Bänke waren besetzt.
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Ich hatte mir Zeit gelassen. Meine Etappe sollte nur 14 km betragen. Auch wartete ich  noch auf besseres Wetter. Gegen 10 Uhr brach ich schließlich in voller Regenmontur auf.  Der Jakobsweg führte über einen steilen Anstieg aus der Stadt. Danach ging es gleich wieder hinunter zu einem schon etwas angeschwollenen Flüsschen und dann durch einen Mischwald. Im Wald spürte man den Regen nicht so stark und ich freute mich über schönen Trampelpfad und die schon buntgefärbten Laubbäume. Leider war meine Freude von kurzer Dauer.
Nach einem kurzen steilen Aufstieg am Ufer des Bachs gelangte ich auf die Mariaberger Straße. Der Jakobsweg verlief  von da an entlang der wenig befahrenen Straße sicher auf einem aspaltierten Gehsteig . Allerdings war ich nun dem Regen ausgesetzt. Es gab keinen Schutz durch Bäume oder Ähnliches. Zunächst hatte das sanfte Rauschen des Regens, das alle Geräusche dämpfte, fast etwas Meditatives. Bald merkte ich aber, dass Feuchtigkeit durch meine Regenjacke drang und mich am Oberkörper, vorne wo der Rucksack mich nicht schützte, durchnässte. Erleichtert stellte ich fest, dass wenigstens die von H. geborgte Regenhose „dichthielt“. Ich wollte schnell ins Trockene und ging den Anstieg von insgesamt 300 m etwas schneller als gewöhnlich an. Schnaufend kam ich in Mariaberg an und flüchtete mich zunächst ins Wirtshaus (s.o.).
Danach führte der Jakobsweg steil auf einen Wiesengrat mit Bänken, von denen man laut Pilgerführer eine wunderbare Aussicht auf Kempten und die Berge haben sollte …
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Nach kurzer Zeit ging es wieder hinunter zur Straße, die ich in Mariaberg verlassen hatte. Dieser Umweg diente einzig dem Zweck, dem Wanderer einen schönen Blick zu bieten. Nun ja !

Im Pilgerführer hatte ich gelesen, dass der folgende Abstieg zum Herrenhauser Weiher auf einem steilen Schotterweg verlief. Das Höhenprofil zeigte eine stark abfallende Linie an. Da ich keine Freundin des Bergabgehens bin und mich dabei schon verletzt habe, fürchte ich mich ein bißchen vor diesem Wegstück. Auf dem Weg zum Weiher hatte ich insgesamt zwei Wanderer gesehen, die aber in eine andere Richtung abgebogen waren. Wer würde mir helfen, wenn ich ein Problem bekäme ?
Zunächst folgte ich dem fast ebenen Weg,  auf dem sich schon große Pfützen gebildet hatten.

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Richtig steil wurde es dann nur an zwei Stellen, die ich mit meinen Wanderstöcken sehr vorsichtig, aber gut bewältigen konnte.
Am Herrenwieser Weiher (s. Beitragsbild) herrschte „total tote Hose“. Kein Wunder, das Wetter lud nicht wirklich  zum Spazierengehen ein. Nun gab es zwei Varianten des Jakobsweges. Eigentlich hatte ich die Etappe über Ermengest nach Buchenberg gehen wollen. Durchnässt wie ich war, entschied ich mich nun für die steilere Strecke über Ahegg, die vier km kürzer war.
Kurz vor Buchenberg, als ich gerade wieder ohne Unterstellmöglichkeit über ein Wiesenstück querte, setzte ein regelrechter Wolkenbruch ein. In kürzester Zeit war ich bis auf die Haut durchnässt. Das war das erste Mal, dass ich laut fluchte. „Was soll das jetzt noch, Petrus ? Es reichte doch schon !“ Es war niemand in der Nähe und mir tat das Rufen gut.
In Buchenberg musste ich den Besuch der Kirche St. Mang verschieben. Vor der Kirchentüre standen festlich gekleidete Hochzeitsgäste, die meine patschnasse Erscheinung entgeistet anstarrten. Stattdessen flüchtete ich ins gegenüberliegende Café, wo ich mich einigermaßen zivilisiert herrichtete und mit meinem koffeinhaltigen Lieblingsgetränk und einer Semmel stärkte. Danach ging ich noch in Kirche und holte mir den wohlverdienten Stempel.
Ich hatte eine pilgerfreundliche Unterkunft auf einem Bauerhof gebucht, der allerdings in Eschach, vier  Kilometer entfernt vom Jakobsweg  lag. Meine Bereitschaft, noch weiter durch den Regen zu stapfen, war sehr überschaubar. Daher telefonierte ich mit dem Bauern, der mich netterweise mit dem Auto abholte. Auf dem Hof wurde ich sehr herzlich von der Bäuerin empfangen, die mir auch noch selbstgebacken Apfelkuchen gab. Meine nassen Sachen  drapierte ich über der Heizung und sämtlichen Möbelstücken. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich sehr erholsam  in meinem gemütlichen Zimmer, einer holzgetäfelten Bauernstube. Schade war nur, dass es während meines Aufenthalts neblig blieb. Auf dem Foto in der Gemeinschaftsküche war der traumhafte Panoramablick zu sehen, den man bei besserem Wetter gesehen hätte.

Was haltet ihr vom Pilgern im Regen ? Seid ihr schon einmal richtig nass geworden ?

Über eure Likes und Kommentare freue ich mich immer sehr.

Und so ging es weiter https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/11/13/auf-dem-muenchner-jakobsweg-9/