Unterwegs auf Lanzarote (2)

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Am Sonntagmorgen sah das Wetter viel besser aus. Im Gegensatz zum Vortag Unterwegs auf Lanzarote (1) war es nur leicht bewölkt und wurde im Laufe des Tages immer schöner.
Zuerst fuhr ich zur Südwestküste der Insel nach El Golfo. In einer Bucht in der Nähe des  idyllischen Örtchens liegt ein beliebtes Ausflugsziel, der Charco de los Clicos. Es handelt sich um einen Vulkankrater, der zur Hälfte ins Meer abgerutscht ist. Vor einem schwarzem Lavastrand liegt der grün leuchtende Lagunensee. Das Ganze wird von einem tiefroten Hang eingerahmt. Zu Beginn des Pfades, der zum Charco de los Clicos führte, zog ich meine Wanderschuhe an. Das wäre allerdings nicht nötig gewesen, da ich nach fünf Minuten am Mirador ankam, der einen atemberaubenden Blick auf die farbenfrohe Landschaft bietet.

DSC04412Danach fuhr ich an der Küste entlang nach Yaiza. Der bekannteste Halt an der wilden Klippenküste befindet sich bei den sog. Hervideros. Dort prallen die Wellen mit großer Wucht auf die Felsen aus tiefschwarzer Lava, schießen durch Felslöcher hindurch nach oben.  Die aufgewühlte weiße Gischt und das hellblaue Meer bieten noch dazu einen sehr schönen Farbkontrast zu den Lavafelsen. Man kann im Areal herumspazieren und an einige Stellen durch Felsgrotten in die Gischt blicken.

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Inzwischen schon etwas hungrig fuhr ich nach Yaiza. Das Städtchen, das schon mehrfach als schönstes spanisches Dorf ausgezeichnet wurde, präsentierte sich mit malerischer kanarischer Architektur,  blank geputzt und vorbildlich renoviert. Allerdings irrte ich zunächst durch den sonntäglich verlassenen Ort. Die Restaurants waren geschlossen. Schließlich entdeckte ich an der Hauptstraße eine sehr gut besuchte Bar, wo man sich an der Theke auch kleine warme Gerichte aussuchen konnte. Die Einheimischen nahmen das Essen auch mit nach Hause. Mein geschmortes Huhn mit Gemüse und Kartoffeln  schmeckte ausgezeichnet und ich ergatterte sogar noch einen Sitzplatz am Tisch bei einem englischen Ehepaar,  mit dem ich mich sehr nett unterhielt.

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Gut gestärkt begab ich mich zu DEM Highlight eines Lanzarote Besuchs, dem Nationalpark Timanfaya mit den Feuerbergen (Montanas del Fuego).

Zur Entstehungsgeschichte folgender Auszug aus Wikivoyage:
“Am 1. September 1730 brach bei der Ortschaft Timanfaya die Erde auf, es bildet sich ein Berg, aus dessen Gipfel Flammen in die Höhe schossen. Es war der Beginn einer gewaltigen Vulkaneruption, die insgesamt 6 Jahre lang andauerte. In ihrem Verlauf wurden 11 Ortschaften zusammen mit dem fruchtbarsten Ackerland der Insel Lanzarote vernichtet. In der Erde bildete sich ein Riss von 14 km Länge, an dessen Rändern Lavafelder entstanden. Der längste Lavastrom hatte eine Länge von über 20 km und erreichte schließlich bei Arrecife das Meer.
Bei diesem von zahlreichen Seebeben begleiteten Naturschauspiels verlor ein Großteil der Bevölkerung auf Lanzarote seine Existenzgrundlage …
Im Jahr 1824 kam es erneut zu einem Vulkanausbruch, es war vorläufig der letzte, sein Zentrum lag am Rand des heutigen  Nationalparks …“

Den Nationalpark kann man nicht auf eigene Faust besichtigen. Es gilt die kargen, im Entstehen begriffenen  und äußerst empfindlichen Flechtenkulturen auf der Lava streng zu schützen. Außerdem ist der Boden vielfach unterhöhlt und es gibt gefährliche Spalten in der Lava.

Mit dem Pkw fährt man, nachdem man den Eintritt bezahlt hat ( aktuell 10 €),  ohne Zwischenstops zum Besucherzentrum „Islote de Hilario“, wo man das Fahrzeug parkt.

Auf dem Weg in den Nationalpark  kann man einen kurzen Ritt auf einem Dromedar unternehmen. Das hatte ich schon einmal ausprobiert. Die schaukelnde Gangart der Tiere hatte mir nicht zugesagt und daher verzichtete ich gerne auf das Vergnügen.

Das Besucherzentrum befindet sich auf einem Hügel. Dort gibt es ein rundherum verglastes Panoramarestaurant, das natürlich wieder vom Lanzeroter Künstler Cesar Manrique konzipiert wurde. Vorführungen der an dieser Stelle herrschenden starken Erdhitze werden geboten. In eine Erdspalte wird ein trockenes Pflanzenbüschel platziert, das sofort in Flammen aufgeht. Außerdem kann man den natürlichen Vulkangrill hinter dem Restaurant bewundern. Gegrillt wird über einem ummauerten Erdloch ausschließlich mit der natürlichen Erdhitze. Im Restaurant kann man so zubereitetes Fleisch und Fisch bestellen. Schmeckt sicher sehr gut,  aber so viel Zeit wollte ich mir doch nicht nehmen.

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Vom Besucherpark starten Busse zu einer Rundfahrt von dreißig Minuten auf der „Ruta de los Volcanes“. Die Strecke führt über 14 km durch einen kleinen Teil eines riesigen Gebietes. Der Bus hält an markanten Punkten kurz an, aber aussteigen darf man nicht. Nach alledem waren meine Erwartungen ziemlich niedrig, als ich mich in dem vollbesetzten Bus setzte, glücklicherweise auf die richtige Seite zum Fotografieren, rechts in Fahrtrichtung.

Während der vom Band abgespielten Erklärungen auf Englisch und Spanisch wurden immer wieder Teile aus der Chronik des Pfarrers von Yaiza wieder gegeben. Don Curbelo erlebte die Katastrophe von 1730  als Augenzeuge und beschrieb sie sehr eindrucksvoll. Es folgt ein Auszug aus seiner Chronik der Katastrophe.

“… Am 1. September 1730, zwischen 9 und 10 Uhr abends, öffnete sich plötzlich die Erde bei Timanfaya, zwei Wegstunden von Yaiza. Ein gewaltiger Berg bildete sich
bereits in der ersten Nacht und Flammen schossen aus seinem Gipfel, die 19 Tage lang weiterbrannten. Wenige Tage später brach ein neuer Schlund auf und der Lavastrom ergoss sich über Timanfaya, Rodeo und einen Teil der Mancha Blanca.
Die Lava floss nach Norden, anfangs wie sprudelndes Wasser, später zähflüssig wie Honig. Doch am 7. September stieg mit unheilvollem Donnern ein riesiger Fels aus der Tiefe und zwang die Lava dazu, ihren Fluss nach Westen und Nordwesten zu wenden. Dort zerstörte sie die Orte Maretas und Santa Catalina.
Am 11. September erneuerte sich die Gewalt der Lava. Sie bedeckte und verbrannte das Dorf Mazo und stürzte danach acht Tage lang als feuriger Katarakt unter furchtbarem Tosen ins Meer, so dass tote Fische in riesigen Mengen an der Oberfläche schwammen oder ans Ufer geworfen wurden. Danach beruhigte sich alles und die Eruptionen hörten auf.
Jedoch am 18. Oktober brachen direkt über dem verbrannten Santa Catalina drei neue Schlünde auf, aus denen schwere Rauchwolken strömten, die sich über die ganze Insel verbreiteten. Sie trugen Unmengen an Asche und Sand mit sich und überall fielen dicke Wassertropfen nieder. Die dadurch verursachte Finsternis, Asche und Rauch vertrieben mehrfach die Einwohner von Yaiza und Umgebung.
Doch kehrten sie wieder zurück, als auf die Eruptionen keine weiteren Ausbrüche mehr folgten. Am 28. Oktober, als diese Ereignisse zehn Tage angedauert hatten,
fiel in der ganzen Region das Vieh tot um, erstickt vom stinkenden Dunst.
Vom 1. bis 20. November brach unaufhörlich Rauch und Asche aus den Kratern hervor und am 27. wälzte sich mit enormer Geschwindigkeit ein Lavastrom die Hänge hinunter. Am 1. Dezember erreichte er das Meer und bildete dort eine erstarrende Insel. Am 16. Dezember änderte die Lava plötzlich ihren Lauf, floss nicht mehr ins Meer, sondern verschüttete das Dorf Chupadero und vernichtete die fruchtbare Ebene von Uga.
Am 7. Januar 1731 kam es zu neuen Ausbrüchen, die die früheren Krater wieder zerstörten. Aus zwei Öffnungen brach Lava heraus, begleitet von dichten Rauchwolken,
in denen rote und blaue Blitze tobten. Dazu donnerte es wie bei Gewittern, was für die Bewohner sehr erschreckend war, da sie auf ihrer Insel keine Gewitter kannten.

Am 10. Januar türmte sich ein hoher Berg auf, der noch am selben Tag wieder in sich zusammenstürzte. Steine und Asche regneten auf die Insel und Lavaströme flossen über den Malpaís ins Meer.
Am 7. März entstanden gleich mehrere Vulkane, die sich in einer Reihe von Ost nach West erhoben.
Am 4. Juni öffneten sich in der Timanfaya-Region drei Krater auf einmal. Sie verbanden sich schnell zu einem einzigen Vulkankegel, aus dem ein Lavastrom ins Meer
floss. Aus einem Nebenkrater schossen Asche und Blitze heraus, aus einem anderen entwich weißer Dampf, wie man ihn bisher nicht gesehen hatte. Ende Juni waren alle Küsten an der Westseite der Insel mit riesigen Mengen von toten Fischen bedeckt, von denen man viele Arten noch nie gekannt hatte. Nordwestlich von Yaiza stiegen mit heftigen Detonationen Rauch und Flammen aus dem Meer empor.
Im Oktober und November verstörten neue Eruptionen die Einwohner. Am 25. Dezember bebte die Erde und am 28. schoss ein Lavastrom aus einem neu entstandenen Kegel, zerstörte ein weiteres Dorf und eine Kapelle bei Yaiza …“

Als der Pfarrer die Insel verlassen musste,  brachen die Notizen ab, aber die Eruptionen dauerten noch weitere fünf Jahre an. 

Wir rollten langsam durch eine Landschaft, die nicht von dieser Welt zu sein schien. Die fehlende Vegetation, die vielfältigen Formen und Farbtöne des Gesteins und die Silhouetten der Vulkane  waren von außerirdischer Schönheit. Timanfaya  wird oft mit einer Mondlandschaft verglichen. Ich fand, das es eher wie auf dem roten Planeten, dem Mars, aussah. Einerseits war ich äußerst beeindruckt von der dramatischen Vulkanlandschaft, hätte am liebsten mehrmals laut „Wow“ gerufen, andererseits konnte ich mir wegen der Berichte des Augenzeugen lebhaft vorstellen, wie die Landbevölkerung  im 18. Jahrhundert unter der nicht endenden wollenden apokalyptischen Naturkatastrophe gelitten haben muss. Die Vulkaneruptionen haben Lanzarote nachhaltig verändert. Große fruchtbare Gebiete wurden von einer hohen Lavaschicht bedeckt und waren für den Ackerbau verloren.

Aber schaut selbst, wie atemberaubend diese Landschaft aussieht.
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Nachdem die Busfahrt viel zu schnell vorbei war, gönnte ich mir im Restaurant Kaffee und Kuchen und genoss noch einmal den Ausblick über die wunderschöne Vulkanlandschaft.
Schließlich  schaute ich mir noch die informative Ausstellung über Vulkanismus im Allgemeinen und in Lanzarote im Besucherzentrum in Mancha Blanca an und machte mich dann auf den Rückweg.
Von der Nationalparkbehörde werden übrigens  auch geführte kostenlose Wanderungen für eine geringe Anzahl von Besuchern angeboten. Diese kann man online genau einen Monat vorher buchen aber sie sollen immer sofort ausgebucht sein.

Bevor ich nach Costa Teguise zurückkehrte, besuchte ich noch die Fundacion Cesar Manrique, das zu einem Kunstmuseum umgewandelte Wohnhaus des Künstlers. Diese außergewöhnliche Sehenswürdigkeit und weitere Werke Manriques sind einem eigenen Beitrag vorbehalten.

Wart ihr schon einmal in einer Vulkanlandschaft und wie hat es euch gefallen?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

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8 Kommentare zu „Unterwegs auf Lanzarote (2)

  1. Schwierig, eigentlich eher nicht. Zu gefährlich. Es gibt aber kleine Gruppenreisen mit Guide. Ziemlich teuer, aber sehr reizvoll… Und ja, ich mag es ein wenig abenteuerlich, aber ich bin nicht leichtsinnig 😊

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  2. Ähnlich dachte ich vorher auch, dass muss man tatsächlich erlebt haben und sich möglichst schon ein paar Tage vorher an die karge, aber sehr besondere Landschaft auf Lanzarote gewöhnt haben. Am nächsten Wochenende war ich dann Wandern, bin auch um zwei kleinere Vulkane herumgelaufen. Bei einem der beiden konnte man in die Caldera hineinspazieren (Bericht folgt). Toll 😊!

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  3. Ein Traum!! Diese Farben und Formen. Timanfaya hat mich damals auch tief beeindruckt. Außerdem machte es mich sehr dankbar für unseren blauen Planeten. In so einer extremen Landschaft ist kaum Leben möglich. Wie gut haben es wir dagegen!!
    Am tiefgreifsten hat mich aber White Island in NZ beeindruckt. Da stand ich auf einem aktiven Vulkan. Hammer!! Mein Traum ist ja Kamschatka – Vulkane ohne Ende!!

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  4. Ich bin da ein wenig Zwiegestalten, ob ich diese arg kargen Landschaften schön finde oder nicht. Aber vermutlich muss man mal mittendrin stehen, um die Weite und die Farbtöne richtig zu erfassen … 😜

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