Der Glücksbote (2) The messenger of good luck (2)

English translation below.

Den ersten Teil meiner Kurzgeschichte habe ich euch (hier) vorgestellt.Und das passierte danach …

Irma ist fassungslos, mit zitternden Händen hält sie das Geldbündel fest, streckt vorsichtig die Arme aus und schaut noch einmal genau hin, voller Angst, dass alles nur ein Trick ist oder dass ihre Weitsichtigkeit ihr einen Streich spielt.

„Ja, das ist wundervoll! “ erwidert sie nach einer Pause. Sie hat das Bedürfnis, sich zu setzen, um sich von dem freudigen Schreck zu erholen. Am liebsten würde sie sofort Gerti anrufen.

“Also dann, danke Herr Glück, das hat mich sehr gefreut, “ sagt sie und geht einen Schritt auf den jungen Mann zu, um ihn zu verabschieden.

„Frau Brandt, wie schön, dass Sie so glücklich sind ! Darf ich noch ein Foto von Ihnen mit Ihrem Gewinn machen? Wir bringen das Foto in unserer Kundenzeitung, die im ganzen Land und in Österreich und der Schweiz verteilt wird. Für uns ist eine gute Werbung und Sie können Ihren Freunden ihr Foto als strahlende und hübsche Gewinnerin zeigen!“

Ihr Foto in einer Zeitung ! Aber wie sieht sie denn aus? Sie hat sich noch nicht zurechtgemacht. Rasch öffnet Irma die Türe und geht auf Herrn Glück zu, der sogleich einen Schritt zurückweicht.

„Herr Glück, ja bitte, hier entlang. Ich kämme mir nur schnell die Haare.“

Mit diesen Worten dirigiert Irma den jungen Mann in die Küche und verschwindet im Badezimmer. Den Umschlag mit dem Geld nimmt sie vorsichtshalber mit. Die Badezimmertüre lässt sie einen Spalt breit offen, schließlich ist sie keine unvorsichtige, dumme Gans.

Du lieber Himmel, ihre Haare sind wild zerzaust! Man kann deutlich sehen, dass  sie einen Haarschnitt bei einem guten Friseur braucht. Rasch fährt Irma mit dem Kamm durch ihre dichten Haare. Etwas Puder, ein bisschen Rouge und der neue pinkfarbene Lippenstift sollten ausreichen, um sie auf dem Foto annehmbar aussehen zu lassen.

Aus der Küche hört Irma einen dumpfen Schlag und dann ein anhaltendes, würgendes Husten. Hat sich der nette Herr Glück verletzt oder versucht der Dreckskerl etwa …??? Mit dem Briefumschlag  in der Hand betritt  sie den Gang. Mit heftig klopfendem Herzen schleicht sie zur Küche und späht vorsichtig durch die geöffnete Tür. Sie sieht Herrn Glück zunächst nicht. Sollte er mit ihren Ersparnissen aus der zweiten Kaffeedose, die direkt neben der Kaffeemaschine steht, das Weite gesucht haben ?

Schnell betritt Irma den Raum und schaut sich um. Herr Glück liegt zusammengekrümmt auf dem Boden und röchelt stoßweise. Sein Gesicht ist mit dicken Schweißtropfen bedeckt und sein Teint geht ins Aschgraue. Seine rechte Hand ist in einer unnatürlichen Stellung nach oben gereckt und umklammert die zerknitterte Plastiktüte, in der Irma ihr Geld versteckt. Sie reißt die Tüte an sich und wirft sie auf den Esstisch. Dort liegt auch ihre Lesebrille, die sie rasch aufsetzt. Auf den ersten Blick erkennt sie nun, dass es sich bei den gewonnenen Banknoten um plumpe Fälschungen handelt. 

Irma  schubst den am Boden Liegenden so lange mit dem Fuß, bis sie ihn mit einem schnellen Ruck hochziehen und an der Wand anlehnen kann. Vor ihrer ersten Ehe hatte sie als Krankenschwester gearbeitet. Sie ist nicht mehr so kräftig wie früher, aber den richtigen Griff unter den Achseln beherrscht sie noch. Eigentlich müsste Irma jetzt große Angst spüren. Aber sie fühlt sich nicht wie eine schwache alte Frau, die mit einem Kriminellen alleine ist. Stattdessen bebt sie vor Wut.

„Hören Sie mal!“ herrscht sie den stark zitternden und leise stöhnenden Herrn „Glück“ an.

„Sie haben wohl geglaubt, ich bin ein armes, altes Muttchen vom Lande, aber hier in der Großstadt kennen wir uns aus! Und jetzt hauen Sie ab, aber schnell, sonst ruf’ ich die Polizei! An ihrer Stelle würde ich zum Arzt gehen, sonst können ihr Gaunereien vergessen!“

Der „Glücksbote“ stemmt sich mit äußerster Mühe an der Wand hoch und tritt auf sie zu. Irma weicht zurück und flüchtet in den Gang, um sich im Schlafzimmer einzuschließen. Verrückt ist sie nicht. Soll er ihr Geld doch mitnehmen. Wichtiger ist ihre Gesundheit. Herr „Glück“ dreht sich aber wortlos um, geht langsam und kopfschüttelnd durch die Wohnungstür, die hinter ihm zufällt.

Schwer atmend lässt sich Irma auf einen Stuhl fallen. Sie sackt zusammen und spürt wie sie mit einem Mal alle Energie verlässt. Aber was liegt da auf dem Boden?  Ein schwarzer Gegenstand: sein Portemonnaie! Keine Papiere, das ist typisch. Aber, was ist das denn?  In einem versteckten  Seitenfach  entdeckt sie zehn fein säuberlich zusammengefaltete Scheine: 10.000 Euro! Sie hält einen Schein gegen das Licht und erkennt den Sicherheitsstreifen und das Wasserzeichen. Es handelt sich nicht um Falschgeld. Das Geld hat der Mann bestimmt nicht ehrlich verdient. Und als vermisst wird er es sicher nicht melden.

In diesem Augenblick läutet das Telefon. Schnell hebt Irma den Hörer ab.

„Hallo, hier ist Gerti, ich wollte dir doch noch die Geschichte von meiner Bekannten erzählen. Ein Gauner hat ihr ganzes Geld gestohlen! Die Inge hatte angeblich in einem Preisausschreiben gewonnen und sie hat ihn in die Wohnung gelassen, …“

Irmas Gedanken begeben sich wieder auf Wanderschaft. Während der nächsten zehn Minuten unterbricht sie Gerti nur durch kurze Ausrufe.

Dann beginnt der Wortschwall am anderen Ende der Leitung nachzulassen. Jetzt ist Irmas Einsatz gekommen. Mit betont ruhiger Stimme sagt sie.

„ Sag mal Gerti, hast du Lust, heute in der Stadt Shoppen zu gehen? Ich hab’ gerade eine größere Ausschüttung von meinem Immobilienfonds bekommen und ich brauch’ unbedingt eine neue Sommergarderobe…“

-Ende-

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

The first part of my short story I presented to you (here). This is what happened next

Irma is stunned, with trembling hands she holds the bundle of money tight, carefully stretching out her arms taking a closer look, full of fear that someone is pulling a prank on her or that her farsightedness has played a trick on her.

„Yes, it is wonderful! „she replies after a pause. She feels the need to sit down to recover from the joyful fright. She would like best to call Gerti immediately.

„Well then, thank you Mr. Glück, I am very pleased, “ she says and takes a step towards the young man to say goodbye.

„Mrs. Brandt, how nice that you are so happy! May I take a photo of you with your prize? We will publish the photo in our customer magazine, which will be distributed throughout the country and in Austria and Switzerland. For us it is a good advertisement and you can present your photo as a shining and pretty winner to your friends.

Her photo in a newspaper ! But what does she look like ? She hasn’t not dressed up yet. Irma quickly opens the door and approaches Mr. Glück, who immediately takes a step back.

Mr. Glück, yes, please, this way, I’m just combing my hair. „

With these words, Irma directs the young man into the kitchen and disappears into the bathroom. She takes the envelope with the money with her as a precaution. She leaves the bathroom door ajar, after all, she is not a careless, stupid goose. Good heavens, her hair is wildly disheveled ! One can clearly see that she needs a haircut at a good hairdresser. Irma quickly runs the comb through her thick hair. Some powder, a bit of blush and the new pink lipstick should be enough to make her look acceptable in the photo.

From the kitchen, Irma hears a thud and then a persistent, gagging cough. Did the nice Mr. Glück hurt himself or is the bastard trying to …??? Carrying the envelope, she enters the hallway. With her heart pounding, she creeps to the kitchen and peers cautiously through the open door, not seeing Mr. Glück at first. Should he have taken off with her savings from the second coffee can, which is right next to the coffee machine?

Irma quickly enters the room and looks around. Mr. Glück is curled up on the floor, gasping fitfully. His face is covered with thick drops of sweat and his complexion has turned ash-gray. His right hand is stretched upward in an unnatural position, clutching the crumpled plastic bag in which Irma is hiding her money. She snatches the bag and throws it on the dining table. There are also her reading glasses, which she quickly puts on. At first glance, she now realizes that the banknotes she has won are clumsy forgeries.

Irma pushes the man lying on the floor with her foot until she can pull him up with a quick jerk and lean him against the wall. Before her first marriage, she worked as a nurse. She is no longer as strong as before, but she still masters the right grip under the armpits. Actually, Irma should feel great fear now. But she does not feel like an weak, old woman alone with a criminal. Instead, she is quivering with rage.

„Listen,“ she orders the trembling and moaning Mr. „Glück,“

„You probably thought I was a poor, old mummy from the countryside, but here in the big city we know our way around! And now get out of here, but hurry, or I’ll call the police! If I were you, I’d go to the doctor, otherwise you can forget about your rogue life!“

The „messenger of good fortune“ lifts himself up on the wall with the utmost effort and steps toward her. Irma backs away and flees into the hallway to lock herself in the bedroom. She is not crazy. Let him take her money, her health is more important. But Mr. „Glück“ turns around without a word, walks slowly and shaking his head through the apartment door, which slams shut behind him.

Breathing heavily, Irma drops onto a chair. She slumps down and feels all energy leave her all at once. But what is lying on the floor? A black object: his wallet! No papers, that’s typical. But, what is this? In a hidden side compartment, she discovers ten neatly folded bills: 10,000 euros! She holds a bill up to the light and recognizes the security strip and the watermark. It is not counterfeit money. The man certainly did not earn this money honestly. And he certainly won’t report it missing.

At that moment, the phone rings. Irma quickly picks up the receiver.

„Hello, this is Gerti, I wanted to tell you the story of my friend. A crook stole all her money! Inge had supposedly won a contest and she let him into the apartment, … „

Irma’s thoughts start wandering again. For the next ten minutes, she interrupts Gerti only with short exclamations, and then the torrent of words on the other end of the line begins to subside. Now Irma’s cue has come. In an emphatically calm voice, she says.

„Tell me, Gerti, would you like to go shopping in town today? I just got a big payout from my real estate fund and I really do need a new summer wardrobe…“

– The End –

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

Always looking forward to your feedback.

4 Kommentare zu „Der Glücksbote (2) The messenger of good luck (2)

  1. Wie gut, dass ich mich nie an Preisausschreiben beteilige! Wie sagte meine Oma doch immer so schön: „Wir sind arm, aber ehrlich!“ 😆

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  2. Schöne Geschichte und ein aktuelles Thema, leider. Mit Corona hat diese Form des Betruges sogar noch zugenommen. Das einzige, was mir nicht so ganz klar ist, ist was dem Glücksboten in der Küche zugestoßen ist. Oder habe ich etwa was überlesen?

    Gefällt 1 Person

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