Highlight: Wandern in den Cinque Terre 3/Hiking in Cinque Terre 3

Reisen ist zur Zeit unmöglich. Bis zu einer Verbesserung der Situation bleibt uns nicht anderes übrig als die Erinnerung an wunderschöne, vergangene Reisen zu beleben.

In diesem Sinne veröffentliche ich noch einmal meine Beiträge über unseren Wanderurlaub in den Cinque Terre in Ligurien (Italien). Den im März 2018, in der Frühzeit meiner Bloggerei verfassten, Beitrag habe ich nicht verändert. Meine Texte waren damals länger und nur wenig bebildert. Wie gefällt euch das Ganze ?

Meinen ersten Beitrag zu unserer Wanderreise in den Cinque Terre findet ihr hier und den zweiten dort.

Cinque Terre im Vorfrühling 3

Wanderung von Sestri Levante zur Punta Manara

Nach der langen Wanderung gingen wir am nächsten Tag eigentlich nur spazieren. In Sestri Levante (Fahrt von Levanto mit dem Regionalzug ab 15 Minuten, einfache Fahrt 4 €) einem netten Städtchen bummelten wir und relaxten dann an der wunderschönen halbmondförmigen Baia del Silencio.

Danach liefen wir zur Landzunge Punta Manara (ca. 1,5 Stunden hin und zurück), wo wir immer wieder herrliche Blicke auf die Stadt hatten. Danach gingen wir noch am Hauptstrand mit seinen herrlichen Palästen entlang, kehrten wegen der überteuerten Essenspreise aber in die Fussgängerzone zurück, wo wir den Ausflug bei Pasta, Kaffe und Eis ausklingen ließen.

Wanderung von Corniglia nach Manarola

Als wir am folgenden Morgen aus dem Fenster sahen, lachte zum ersten Mal in unserem Urlaub nicht die Sonne. Dunkle Wolken hingen über den Hügeln. Es war stark bewölkt, aber es regnete nicht. Im Grunde herrschte kein schlechtes Wanderwetter.

In unserer „Sammlung“ der Cinque Terre Dörfer fehlte uns noch Manarola. Als Alternative zu dem gesperrten Küstenwanderweg von Corniglia nach Manarola wollten wir nun den Höhenweg gehen.

In Corniglia stiegen wir aus dem Zug. Bei unserem ersten Aufenthalt am Bahnhof von Corniglia hatten wir einen kleinen Shuttlebus entdeckt, der ins Dorf fährt. Mit diesem Bus benutzten wir nun (2,50 € pro Person) und sparten damit einen ersten Anstieg von 80 m. Die restliche Höhe von etwas über 200 m absolvierten wir, inzwischen trainiert, ohne Probleme. Mit schönem Blick auf die Küste ging es dann eben weiter. Ein bisschen schade war, dass das Meer bei dieser Witterung nicht mehr zwischen azurblau und smaragdgrün changierte. Vielmehr herrschte ein dumpfes Dunkelgrau vor.

Mit der Zeit merkten wir, dass auch andere Wanderer auf unsere Alternativroute unterwegs waren. Uns kamen viele große Gruppen entgegen oder überholten uns. Wir bekamen eine Ahnung davon, wie das Wandern in der Hochsaison sein würde.

Der Weg war, besonders in dem Weinbaugebiet, das wir durchquerten, ziemlich schmal und man musste sich an einigen Stellen um auszuweichen, über die Weinstöcke oder vorsichtig über den Abgrund beugen. Es handelte sich um das größte Weinbaugebiet in den Cinque Terre, das mehrere Hänge bedeckte. Auf Hinweisschildern lasen wir, dass diese Art, den Wein auf steilen Terrassen anzubauen, Teil des UNESCO Weltkulturerbes der Dörfer der Cinque Terre ist. Die Landschaft lässt keinen Einsatz von Traktoren oder größeren Maschinen direkt am Hang zu. Die Weinhänge werden in mühsamer Handarbeit terrassenförmig angelegt, die Mauern ohne Zement, Mörtel o.ä. errichtet und müssen häufig kontrolliert werden, um ein Abrutschen zu verhindern. Auch die Ernte erfolgt in Handarbeit. Das einzige Beförderungsmittel ist das „Trenino“, eine Zahnradbahn zum Abtransport der Trauben. Hiervon sahen wir allerdings im Frühjahr nur die Schienen.

Unsere Hoffnung auf eine Mittagspause in Volastra, dem einzigen Dorf auf unserer Route, erfüllte sich nicht. Nur eine teurere Trattoria, in der man keine Snacks essen konnte, hatte geöffnet. Also stiegen wir gleich, auf zunächst bequemen Stufen, ab nach Manarola.

Die letzte Wegstrecke  war als Panorama-Route ausgeschildert, das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Tatsächlich hatten wir eine sehr schöne Aussicht auf die farbenfrohen und übereinandergebauten Häuser von Manarola und den Hafen. Im Wanderführer stand, dass man hier bei Nässe nicht absteigen solle. Nun es regnete nicht, aber als wir am Beginn des Abstiegs über den Hang schauten, sahen wir eine Gruppe von Wanderern, die sich äußerst langsam hinunterhangelten, und hörten schon von weitem eine Frau sehr laut schreien. Das konnte ja heiter werden! Letztendlich schien es sich eher um ein psychologisches Problem gehandelt zu haben, wie wir bald erleichtert feststellten. Natürlich war es ein sehr steiler Abhang, den wir hinuntergingen, und es gab auch eine Stelle, wo man direkt über die Klippen ins Meer hätte stürzen können, aber man konnte sich doch ganz gut festhalten, so dass wir keine Probleme hatten. Aber ja, wenn der Weg feucht ist, sollte man ihn höchstens als Aufstieg nutzen, alles andere wäre gefährlich.

Nun hatten wir uns eine schöne Pause in Manarola verdient. Mit Snacks und Getränken von einem Imbissstand machten wir es uns auf einer Bank bequem. Dann liefen wir zum Hafen, immer weiter nach unten, während sich die Häuser von Manarola an den steilen Hängen geradezu übereinander zu stapeln schienen. Wir nahmen, mit vielen anderen Touristen, den Spazierweg an der Küste Richtung Corniglia, der aber, wie wir schon wussten, nach kurzer Zeit gesperrt war.

Zum Abschluss setzten wir uns auf die verglaste Terrasse einer Bar, tranken Kaffee und genossen Eis mit sehr leckerer Amarenasoße. Es gab wieder reichlich Gelegenheit, Leute zu beobachten. Die Bar lag auf dem Weg zum Hafen, den alle gehen, die Wanderer und die Touristen, die mit dem Zug angefahren kommen. Bei letzteren handelte es sich um die Mehrzahl und davon stammte ein sehr großer Prozentsatz aus Asien. Dass diese Leute nicht gewandert waren, sahen wir daran, dass sie nur dünne Kleidung trugen. Die Frauen bewegten sich oft auf Stöckelschuhen. Viele Passanten entsprachen dem Klischee, dass sich Asiaten gerne vor einer Touristenattraktion fotografieren lassen oder sich mit dem Selfie-Stick ablichten. Unerwartet war, dass nicht wenige dieser Touristen sich zum Fotografieren stocksteif hinstellten, sozusagen mit den Händen an der Hosennaht. Der Andrang war bereits beträchtlich. Vielleicht war es doch keine gute Idee die Cinque Terre in der Saison zu besuchen.

Vor der Rückfahrt wollten wir es nicht versäumen, wenigstens ein kleines Stück die berühmte Via dell‘ Amore zu gehen, die nach Riomaggiore führt. Nach fünf Minuten, vorbei an geschlossenen Bars und Imbissständen und den obligatorischen Schlössern, mit denen Liebende aus aller Welt Brücken und Geländer drapieren, kamen wir zu dem Tor, das den Weg versperrte. Noch während wir nach dem gesperrten Weg schauten, kamen uns zwei junge Leute entgegen. Er kletterte lässig über das Tor und half dann seiner Begleiterin. Er musste sich dabei allerdings auf die Meerseite lehnen, auf der ein Abgrund gähnte, so dass es nicht ganz ungefährlich war, die junge Frau hinüber zu heben. Wir hatten genug gesehen und fuhren nun mit dem Zug zurück.

An unserem letzten Urlaubstag regnete es. Wir flüchteten mit dem Zug nach Genua (Regionalzugverbindung ab 1:04 h von Monterosso, 13,20 € pro Person für Hin- und Rückfahrt), bummelten durch die interessante ehemals reiche Hafenstadt, die auch ihre dunklen Ecken hat, und verbrachten ein paar Stunden im riesigen Aquarium in der Gesellschaft von Haien, Manatees, Delphinen, Pinguinen, Seehunden und -pferdchen und vielen weiteren Fischarten (26 € Eintritt pro Person).

Bei der Rückkehr sahen wir viele Surfer am Strand von Levanto, die sich auf dem aufgewühlten Meer tummelten.

Die Cinque Terre haben mir sehr gut gefallen. Würde gerne noch einmal wiederkommen und nach dem Wandern im Meer baden. Aber wie ich dann die Touristenmassen umgehen kann, ist mir noch nicht klar. Es wird wohl nicht ausreichen, auf entlegene Höhenwegen auszuweichen …

Wart Ihr schon einmal im Urlaub in den Cinque Terre ? Und habt Ihr Tipps, wie man dort in der Saison den Urlaub genießen kann ?

28 Kommentare zu „Highlight: Wandern in den Cinque Terre 3/Hiking in Cinque Terre 3

  1. Schöner Beitrag und traumhafte Bilder! Das mit dem Overtourism ist ein Problem – es spricht sich eben rum, dass schöne Orte schön sind 🙂 und da will mal jeder „wandern“ gehen, auch wenn es mit den Stöckelschuhen ist. Ich hätte große Lust, die Cinque Terre zu besuchen, aber wenn, dann wahrscheinlich jenseits der meist frequentierten Reisezeiten…

    Liebe Grüße
    Kasia

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  2. Liebe Inga,
    vor vielen Jahren war ich mehrmals in Genua und auch in den Cinque Terre zum Wandern, aber das ist mittlerweile über 20 Jahre her. Schon damals waren die Dörfer, aber auch die Wanderwege ziemlich voll, was mich schon ein wenig gestört hat. Es ist aber auch einmalig schön dort. Danke für‘s Teilen! 😀

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  3. Thank you for taking me back to those wonderful places!! We loved the whole are, and I think you can’t simply avoid the crowd, unless it’s really off season. We’ve been there in August, moreover it happened to be their National holiday Ferragosto. Can’t describe🙂 Loved it, nevertheless!!

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  4. Danke fuer’s Mitnehmen. Das ist eine Ecke, die ich immer schon mal gerne sehen wollte, wo ich aber bisher noch nicht hingekommen bin.

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  5. Es ist sehr, sehr schön dort. Wir waren eine Woche vor dem Saisonstart im April unterwegs und die schmalen Wege waren schon überfüllt. Das lag aber auch an den großen Gruppen! Keine Ahnung, wie das nach Corona weitergeht. Ein Einbahnstraßensystem ?

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  6. also ich war noch nie dort, wollte es aber immer. Ich finde es einfach traumhaft schön dort und die tollen Häuser !!!! Vielleicht ergibt es sich ja doch mal !!!
    Viele Touristen, klar das man immer bei Sehenswürdigkeiten. Vielleicht sollte man wirklich in der Nebensaison gehen oder früher ! Juni oder Anfang Okt finde ich vielleich ganz geschickt !!!

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