Kleine Runde durch Alt-Bogenhausen Small Tour through Alt-Bogenhausen

Nach meinem Umzug nach München vor über 30 Jahren hatte ich mir einige Sehenswürdigkeiten angeschaut, aber seitdem nur noch regelmäßig die Museen besucht. Für München hatte ich relativ wenig Freizeit übrig, galt es doch zunächst Städte wie Tokyo, Hanoi, Delhi, Buenos Aires etc. zu erkunden. Aber was tut man nicht alles in Corona Zeiten. Warum nicht einmal in der Heimatstadt Touristin spielen? Bis vor kurzem waren in München alle Sehenswürdigkeiten geschlossen, so dass mir nur Besichtigungen an der frischen Luft blieben.

München zählt zu den Hochburgen des Jugendstils. Die meisten Gebäude befinden sich im Stadtviertel Schwabing. Aber auch im Nobelvorort Alt-Bogenhausen stehen prächtige Jugendstilhäuser und Gründerzeitvillen.

Bogenhausen war um die Wende zum 20. Jahrhundert eines der Münchner Künstlerviertel und Wohnort der Bohème. Im größtenteils von Bombenzerstörung verschonten Stadtteil kann man schön flanieren und dabei auch die Villen der Prominenten bestaunen. Jérome Boateng und Manuel Neuer haben dort gewohnt und am Shakespeareplatz soll angeblich Boris Becker residiert haben. Dementsprechend bewegen sich im Viertel die Immobilienpreise auf höchstem Niveau. Kürzlich wurde auf dem Immobilienmarkt eine Villa in Bogenhausen für schlappe 38 Mio. Euro angeboten.

Zunächst entschied ich mich für das nähergelegene Bogenhausen, auch weil ich mir die zahlreichen Jugendstilbauwerke in Schwabing in Ruhe anschauen und zwischendurch eine Pause in einem gemütlichen Café (derzeit alle geschlossen) einlegen wollte.

Als Erstes spazierte ich zum Friedensengel am Isarufer. Die goldene Statue steht auf einer hohen kannelierten Säule. Die Anlage von 1899 ist ein Denkmal für 25 Jahre Frieden nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Der Engel ist eine Nachbildung der Nike des Paionios, und steht damit auch für den militärischen Sieg.

Dann ging ich durch die Maria-Theresia-Straße und bewunderte Bauten der Gründerzeit, darunter das Gebäude des russischen Konsulats und die Monacensia, das einstige Wohnhaus des Bildhauers Adolf von Hildebrand. Die Monacensia beherbergt heute das Literaturarchiv der Stadt München sowie eine Präsenzbibliothek zur Münchner Geschichte (Öffnungen der Bibliotheken mit coronabedingten Maßgaben ab 8.3.2021 möglich). Schließlich kam ich zur Bechtolsheim-Villa (Maria-Theresia-Str.22) , die vom Architekten Martin Dülfer von 1896 bis 1898 erbaut wurde, und eine der ältesten, erhaltenen Jugendstilbauten Deutschlands ist.

Ganz wunderbar fand ich, dass die Bäume noch kahl waren. So konnte ich die Gebäude gebührend bestaunen und fotografieren. Nicht einfach war aber das Fotografieren in den engeren Straßen, weil ich mich dort nicht weit genug vom Motiv entfernen konnte, um stürzende Linien zu vermeiden.

Sodann schlenderte ich durch die angrenzenden Straßen. Vor allem in der Holbein- und in der Possartstraße bewunderte ich bei schönstem Sonnenschein sowohl mosaik- und stuckverzierte Jugendstilwohnhäuser als auch hochherrschaftliche Gründerzeitvillen.

Schließlich spazierte ich zum Prinzregentenplatz und bewunderte ein überaus schön verziertes Jugendstilhaus in der nahen Lucile-Grahn-Straße.

Vorbei am bekanntesten Jugendstilgebäude in Bogenhausen, dem  Prinzregententheater, ging ich zur U-Bahn Station, um nach Hause zurück zu fahren.

There will be silence without art.

Fazit:
Alt-Bogenhausen ist sehr sehenswert. Es gibt noch weitere Gebäude zu entdecken. Auch der Bogenhausener Friedhof mit den Gräbern vieler Prominenter, u.a. dem Autor Erich Kästner, den Filmemachern Rainer Werner Fassbinder und Bernd Eichinger sowie dem Schauspieler Walter Sedlmayr wäre einen Besuch wert. Im Lockdown wirkte die Gegend nur wenig belebt. Auf den Straßen waren kaum Leute unterwegs. Aber die Spielplätze waren gut besucht. Auch bei Familien scheint das Viertel beliebt zu sein. Bei einem weiteren Besuch würde ich mich in ein Restaurant oder ein Café setzen, um die Bewohner des Nobelviertels zu beobachten.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.


11 Kommentare zu „Kleine Runde durch Alt-Bogenhausen Small Tour through Alt-Bogenhausen

  1. Danke für die Erinnerung, wie schön München ist. Als Berufspendler, der fast nur im Norden der Stadt unterwegs ist, bekommt davon so wenig mit.

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  2. Ich habe meine Kindheit in dem mittlerweile quitschgelben Haus in der Ismaninger Straße 66 verbracht (damals war es noch Ocker), also nahe der Ecke zur Holbeinstraße. Das Quartier zwischen Maximiliansanlagen und Shakespeareplatz war meine „Hood“. Zwei interessante Cafés gäbe es auch: das Wiener’s in der Ismaninger und das Café Mio in der Holbeinstraße. Aber das wirklich sehenswerte sind tatsächlich die vielen Gebäude im Jugendstil. Bei dem tollen Wetter ist ein Spaziergang durch`s Viertel eine tolle Idee!

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