Jugendstil in München-Schwabing / Art Nouveau in Munich-Schwabing

For translation please use the Google Translate button.

In dieser „speziellen“ Zeit habe ich wieder einmal Touristin in meiner Heimatstadt gespielt. In München waren alle Sehenswürdigkeiten wegen Corona geschlossen, so dass mir nur Besichtigungen an der frischen Luft blieben.

München zählt zu den Hochburgen des Jugendstils. Die meisten Gebäude befinden sich im Stadtviertel Schwabing. Die in Alt-Bogenhausen stehenden Jugendstilhäuser und Gründerzeitvillen hatte ich mir Anfang März diesen Jahres angeschaut (siehe hier). In der letzten Woche ging es bei noch etwas kühlem, aber sonnigem und klarem, Wetter nach Schwabing. Dabei konzentrierte ich mich auf die Straßen, die westlich der Leopoldstraße liegen.

Mit der U-Bahn möchte ich lieber noch keine längeren Strecken zurücklegen, daher fuhr ich nur bis zum Odeonsplatz und lief dann weiter nach Schwabing. Zunächst ging ich über die Ludwigstraße an der Ludwig-Maximilian-Universität vorbei nach Norden.

Den Abschluss der von König Ludwig I. angelegten Prachtstraße bildet das Siegestor, das 1848 fertiggestellt wurde. Vorbild war der römische Konstantinsbogen. 1944 traf eine Bombe das Siegestor. Es wurde bis 1958 restauriert. Durch die neue Inschrift zur Ludwigstraße hin: „Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend.“ wurde das Siegestor zum Mahnmal.

Hinter dem Siegestor beginnt die Leopoldstraße. Obwohl eine der Hauptausfallstraßen eignet sie sich mit ihren breiten Bürgersteigen, zahlreichen Geschäften, Eisdielen, Cafés und Restaurants immer noch zum Flanieren und zum Sehen und Gesehen werden. Das hätte sich bei der derzeit geschlossenen Gastromie nicht gelohnt, also schaute ich mir nur das Jugendstilhaus in der Leopoldstraße 6 an, das erste von Martin Dülfer Ende des 19.Jahrhunderts entworfene Luxusmietshaus.

Danach bog ich ins westlich der Leopoldstraße gelegene Alt-Schwabing ein. Mein nächstes Ziel befand sich in der Georgenstraße 10. Das ehemalige Palais Bissing wurde vom Schweizer Architekten Ernst-Robert Fiechter im Jahr 1903 entworfen. Es wirkt mit seiner süddeutsch-schweizerisch bunten Fassade und Medaillonmalerei eher traditionell und kann nicht dem Jugendstil zugerechnet werden. Die Medaillonportraits zeigen Schiller, Raffael, Donatello und Sophokles.

Das Gebäude gefiel mir trotz oder wegen seiner Mischung aus gründerzeitlichen Elementen und bunter Fassadengestaltung sehr gut. Nun ging es in die Friedrichstraße 9-11. Dort erbaute Martin Dülfer 1989/99 ein fünfstöckige Haus mit zahlreichen Erkern, Balkonen und Ornamenten. Es war seinerzeit das größte Mietshaus.

Das Haus war wegen der Lichtverhältnisse nicht einfach zu fotografieren. Außerdem konnte ich, obwohl ich mich in den gegenüberliegenden Leopoldpark zurückzog, nicht weit genug von dem hohen Gebäude zurücktreten. Aber ich denke, einen Eindruck von dem dezent farblich gestalteten Jugendstilhaus bekommt man schon.

Am Leopoldpark vorbei, den ich noch nicht kannte, schlenderte ich zu dem vom Architekten Max Langheinrich, einem Dülfer Schüler, 1903-1904 geplanten Haus in der Friedrichstr. 18. Ein wahrhaft prächtiges Gebäude in idealer Lage am Rande des Parks !

Auf der Friedrichstraße kamen mir zwei Leute mit Kaffeebechern entgegen. Das weckte meine Kaffeegelüste und so fragte ich die Beiden, wo sie das Getränk gekauft hatten. Es war nur ein kleiner Umweg von meiner Route. Mit einem köstlichen Cappuccino und einem saftigen Stück Marmorkuchen begab ich mich dann auf die Suche nach einer Bank. Die Sitzgelegenheiten waren leider schon belegt, aber Kaffeepausen im Stehen an einem sonnigen windgeschützten Platz gehören inzwischen zu meinen leichtesten Übungen! Es schmeckte mir sehr gut und ich beschloss, das Café noch einmal richtig zu besuchen, wenn sich die Lage normalisiert hat. Nach heutigem Stand könnte ich dies mit negativem Corona Schnelltest ab übermorgen tun, aber nur für einen schnellen Kaffee zwischendurch lohnt das sich wohl nicht.

Frisch gestärkt suchte ich das Haus in der Franz-Josef-Straße 19 auf, das vor allem durch seine prachtvollen farbigen Pfauenreliefs auffällt.

In der Ainmillerstraße Nr. 20 bewunderte ich die mit Stuckornamenten verzierte Fassade, die sich mir zwar im schönsten Sonnenlicht präsentierte, aber in der engen Straße nicht leicht abzulichten war.

Das „Adam und Eva Haus“ in der Ainmillerstraße 22 wurde 1899-1900 von Henry Helbig und Ernst Haiger erbaut. Nachdem ich das prachtvolle Pflanzendekor und das Paradiesmedaillon gebührend bewundert hatte, bog ich zu meinem letzten Ziel in der Römerstraße ab.

Das Haus in der Römerstraße 11, ein weiteres Werk der Architekten der Ainmillerstr. 22, wurde nur ein Jahr später errichtet und weist deutliche ägyptisierende Stilelemente auf.

Sämtliche Quellen: Reclams Städteführer, Architektur und Kunst, München, 2009

Zurück auf der Leopoldstraße spazierte ich nach Süden zurück zum Odeonsplatz. Für meinen Verzicht auf die Fahrt mit der U-Bahn wurde ich auf der Leopoldstraße mit einem feinen Blick auf den „walking man“ von Jonathan Borofsky vor dem Gebäude der Münchner Rückversicherung (Munich Re) belohnt. Auch das Siegestor und die Bayerische Staatsbibliothek auf der Ludwigstraße präsentierten sich im warmen Nachmittagslicht.

Fazit:
Meine kleine Runde zu den Schwabinger Gründerzeit- und Jugendstilhäusern hat mir sehr gut gefallen. Obwohl die besuchten Häuser alle um das Jahr 1900 erbaut wurden, zeigen sie eine erstaunliche und sehr interessante Vielfalt. Wunderbar ist, dass so viele dieser prächtigen Bauten noch erhalten sind bzw. wieder aufgebaut wurden.

In Schwabing stehen noch zahlreiche weitere Jugendstilhäuser. Als Nächstes werde ich mich auf die weiter nördlich gelegene Gegend rund um den Platz „Münchner Freiheit“ konzentrieren. Übermorgen habe ich in der Ecke sogar einen Friseurtermin (ist wegen der niedrigen Inzidenz in München erstmals wieder ohne Test möglich). Aber die Wettervorhersage ist nicht gut, mal schauen ..

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

16 Kommentare zu „Jugendstil in München-Schwabing / Art Nouveau in Munich-Schwabing

  1. Sehr schön! Ich finde, es lohnt sich, sich die eigene Stadt auch mal genauer anzusehen. Was haben wir während der Corona-Krise nicht alles gelernt, was? 🤣

    Gefällt 1 Person

  2. Durch Schwabing westlich der Leopoldstraße flanieren und mir die schönen Häuser ansehen, mache ich auch zu gerne! Und obwohl ich die Straßen allesamt schon recht gut kenne, entdecke ich immer wieder Neues und Interessantes. Bei meinem letzten Spaziergang war es die sehr originelle Kunstoase in der Hohenzollernstraße, die meine Aufmerksamkeit weckte. Sobald Corona vorüber ist, werde ich ganz sicher dort mal ausführlich stöbern gehen.

    Gefällt mir

  3. Ich habe mal einen Herren aus der Ainmillerstraße 22 gefahren. Natürlich hatten wir mit der Adresse gleich ein spannendes Thema. Bei Renovierungsarbeiten ist er auf einen Teil der ursprünglichen Innendekoration gestoßen. Er hat dann in Absprache mit dem Denkmalschutz zwei Räume wieder originalgetreu hergestellt. In der damaligen Zeit gehörte das Design nämlich nicht nur außen mit dazu, sondern auch die Innenräume wurde stilecht gestaltet. Er hat mit Fotos gezeigt – beeindruckend!

    Gefällt mir

  4. Danke fuer’s Mitnehmen und Zeigen dieser schoenen Gebaeude. Ich bedaure es auch manchmal, dass ich nicht weit genug zuruecktreten kann, um solche Fassaden komplett auf’s Bild zu kriegen. Aber damit muss man einerseits einfach leben, und anderersits kommen dann die Details ja besser heraus.
    Liebe Gruesse,
    Pit

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.