Wieder auf Reisen: Wandern in Bayern/ Traveling again: Hiking in Bavaria (4)

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Der letzte Tag meiner Rucksackwanderung in den bayerischen Alpen begann mit einem Frühstück um 7 Uhr. Zwar wollte ich nur eine Tageswanderung unternehmen und hätte es eigentlich ruhiger angehen können, aber coronabedingt musste ich mich im Hotel gleich beim Einchecken für einen der beiden Frühstückstermine entscheiden. Ich hatte den früheren gewählt in der Hoffnung, dass es dann weniger voll sein würde. Wieder einmal sollte ich froh über meinen vollständigen Impfstatus sein. Im winzigen Frühstücksraum und am Buffet staute es sich. Aber das Hotelmanagement hatte sich große Mühe gegeben : Schilder mit Hinweisen auf den Mindestabstand, die Maskenpflicht, wenn man vom Platz aufstand und die Plastikhandschuhe, die zu tragen waren, wenn man sich etwas vom Buffet holte.

Der Andrang war hauptsächlich auf eine Wandergruppe zurückzuführen. Wieder einmal war ich glücklich, dass ich alleine unterwegs war. Auf die zwangsläufig mitgehörten Gespräche am Frühstückstisch konnte ich gerne verzichten. Man unterhielt sich über die durch das Wandern eingetretenen Blessuren. Bald wusste ich, wem welche Knochen schmerzten und wieviele Blasen an den Füßen der Gruppenmitglieder aufgetreten waren. Ziemlich unpassend fand ich, dass eine Dame am Nachbartisch zur Demonstration ihren nackten Fuß über dem Tisch hochstreckte. Meinen anhaltend bösen Blick bemerkte nur der neben ihr sitzende Herr, der mir lächelnd zunickte.

Gut gestärkt packte ich dann meinen Rucksack und steckte die notwendigen Wanderutensilien in mein Säckchen zum Umhängen. Die Wanderstöcke musste ich tragen, aber das störte mich nicht. Ich checkte aus und ließ meinen großen Rucksack im Hotel, um ihn vor der Rückfahrt wieder abzuholen.

Wandern wollte ich auf der Großen Kranzberg Runde, die von Mittenwald auf den Hohen Kranzberg, zum Ferchensee und Lautersee und zurück in den Ort führt. Die Wanderbeschreibung gab als Beginn die Talstation des Kranzberg-Sesselliftes an. Andererseits zeigte direkt vor meinem Hotel ein Wegweiser zum Lautersee. An der Rezeption erkundigte ich mich, ob ich die Runde auch umgekehrt gehen könnte und da hatte man keine Bedenken. Hinterher wusste ich, dass es schlauer gewesen wäre, die vorgeschlagene Richtung zu wählen.

Zuerst lief es sich ohne schweres Gepäck sehr angenehm, aber schon bald stieg die Temperatur. Auf dem schattigen Weg durch den Wald konnte ich aber recht gut mäßig steil bergauf gehen. Am Lautersee genoss ich den Blick auf die Wettersteinspitze und das von der Morgensonne angestrahlte Gewässer in verschiedenen Blautönen. Außer einer, wenn auch sehr lauten, Gruppe von E-Bikern traf ich am frühen Morgen nur wenige andere Passanten.

Der Aufstieg zum Ferchensee war schon etwas steiler, verlief aber im Schatten und durch einen dichten Mischwald. Bald kam ich am Südüfer des Sees an, wo ich mir eine erste Pause gönnte. Ein Mann mit Hund und ein Paar nahmen ein, wahrscheinlich recht kühles, Bad. Ich genoss die Ruhe, das Panorama und die Seerosen.

Dann folgte ich dem Westufer des Ferchensees, wo schon mehr Betrieb herrschte. Zahlreiche Wanderer und Radfahrer hielten sich dort auf, aber es war nicht überlaufen. Ziemlich überraschte war ich, als mich auf dem breiten Schotterweg ein Wanderbus überholte. Wenn man eine lange Strecke wandern will, z.B. zum Schachenhaus und zurück, kann man so ein Stück verkürzen. Es gibt natürlich auch diejenigen, nur relaxen und baden aber nicht wandern wollen. Mir hatte die Wanderung durch den Wald zu den beiden Seen gut gefallen, aber ich merkte mir die Busverbindung für zukünftige Touren.

Kurz hinter dem Gasthaus am Nordende des Sees fand ich die Abzweigung zum Großen Kranzberg. Nun ging es zur Sache, in weiten Kehren führte der Wanderweg steil bergauf. Sehr häufig kamen mir nun Wanderer entgegen. Das konnte zwei Gründen haben: der Gipfel war nicht mehr weit und die meisten Ausflügler waren in der Gegenrichtung unterwegs.

Nun musste ich mehrere kurze Trinkpausen einlegen und auch mein bewährter Traubenzucker kam zum Einsatz. Als ich aus dem Wald trat, sah ich den Hohen Kranzberg und die Hütte, das Kranzberghaus. Beides war nicht mehr weit und lag nicht viel höher. Beglückt nahm ich ein Foto dieses verheißungsvollen Anblicks auf.

Den letzten Anstieg auf den Hohen Kranzberg bewältigte ich in ein paar Minuten, aber unterwegs sah ich, dass das Wirtshaus nicht geöffnet hatte. Es hatte keinen Ruhetag, das hatte ich vorher nachgeschaut. Das Haus wirkte eher so, als ob dauerhaft geschlossen wäre.

Auf dem Kranzberggipfel (1391 m) schaute ich zunächst zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war. Neben der Wettersteinwand, die ich schon auf der Wanderung gesehen hatte, entdeckte ich in der Ferne die Zugspitze und rechts daneben die Alpspitze. Auf die Zugspitze, den höchsten deutschen Berg (2962 m), will ich seit geraumer Zeit fahren, habe es aber bisher nicht geschafft. Die Alpspitze (2628 m) erinnerte mich an meinen vor drei Jahren verstorbenen Vater. Er schwärmte noch in hohem Alter von seiner Bergtour, die er Ende der 1930er Jahre mit einem „Kameraden“ von Garmisch (700 m) aus auf die Alpspitze (damals natürlich ohne Seilbahnunterstützung !) unternommen hatte.

Panoramafoto bitte anklicken.

Auf dem Kranzberggipfel steht eine Holzhütte als Unterstand. Ich setze mich auf die umlaufende Bank in den Schatten, wo ich auch vor dem überraschend kräftigen Wind geschützt war. Unter der Holzhütte standen viele bequeme Liegebänke aus Holz. Diese waren leider belegt und lagen außerdem in der prallen Sonne.

Von meinem Sitzplatz konnte ich den größten Teil des sensationellen 360° Bergpanoramas (Ester-, Soiern- und Karwendelgebirge) betrachten. Mein Blick ging zurück nach Wallgau, wo ich übernachtet hatte. Auch den Herzogstand, den ich am zweiten Wandertag bestiegen hatte, konnte ich erkennen. Der Ausblick ließ mich an meine zu Ende gehende Mehrtagestour mit dem Rucksack zurückdenken. Einfach toll, das alles so gut geklappt hatte !

Panoramafoto bitte anklicken.

Vom Kranzberggipfel konnte ich mich schließlich loseisen. Von nun an ging es bergab, auch im übertragenen Sinn. Wenn ihr meinem Blog folgt, wisst ihr vielleicht, dass ich mich vor dem Bergabgehen fürchte. Zunächst landete ich auf einem gerölligen Wegstück über dem Kranzberghaus , das sehr steil abwärts führte. Ich wollte gerade umkehren, als mir zugerufen wurde, dass es besser würde. Bis zur Sankt Anton Hütte führte die Strecke mal steiler und dann wieder angenehmer talwärts. Sehr hilfreich war, dass die steilsten Passagen asphaltiert waren und auffällig, dass mir mehrere schwer atmende Passanten entgegen kamen. Das waren wohl diejenigen Spaziergänger, die mit dem Kranzberglift hinauf gefahren waren und nur den letzten, allerdings sehr steilen, Aufstieg von 150 Höhenmetern bewältigen mussten. Aber wahrscheinlich hatte sich der Eine oder Andere das Ganze weniger anstrengend vorgestellt…

In der Sankt Anton Hütte verbrachte ich eine ausgedehnte Mittagspause bei Rindertafelspitz mit Kartoffelsalat und einem alkoholfreien Weizenbier. Beim Kaffee betrachte ich noch einmal die Landschaft und nahm Abschied von den wunderschönen Bergen. Vor allem das Karwendelgebirge hatte es mir angetan.

Panoramabild bitte anklicken.

Nach meinem Aufbruch traf ich ein (viel) älteres Paar, das das Bergpanorama mit dem Wildensee im Vordergrund bewunderte. Auf meine Nachfrage erklärten sie mir, dass sich die Bergstation der Kranzbergbahn nur wenige Meter unterhalb befinde. Ich war mir nicht sicher, ob ich laufen oder fahren sollte. Immerhin handelte es sich noch um 300 Höhenmeter. Daraufhin meinte der mindestens 80 Jahre alte Mann, dass der Weg ins Tal „sehr angenehm“ sei.

Wäre ich nur meinem Bauchgefühl gefolgt ! Aber mir ging eine Talfahrt mit dem Lift am Ende meines Wanderurlaubs gegen den Strich. Daher lief ich weiter talwärts und schwitzte auf den gerölligen Abschnitten Blut und Wasser. Sehr vorsichtig taste ich mich hinunter. Schließlich wollte ich mich nicht auf den letzten Kilometern meiner Wanderreise verletzen. Nun ging mir auch auf, warum die Wanderbeschreibung empfahl, den Aufstieg auf den Kranzberg, notfalls mit Hilfe des Lifts, zuerst anzugehen und dann gemütlich an den Seen entlang ins Tal zu spazieren.

Der Weg folgte der Sessellifttrasse und führte fast senkrecht hinunter. Nur einmal oder zwei Mal ging es in Kehren bergab. Als ich in Mittenwald ankam, zitterten mir die Knie, aber ich war heilfroh, dass alles gut gegangen war.

Fazit:
13 Km, 480 Hm, 3 Stunden ohne Pausen
Empfehle die Wanderung an der Talstation des Kranzbergliftes zu beginnen, den man auch als Aufstiegshilfe benutzen kann. Sehr abwechselungsreiche und leichte Wanderung mit steilen Aufstiegen, wunderschönes 360° Bergpanorama auf dem Hohen Kranzberg (Ester-, Soiern- und Karwendelgebirge), Bademöglichkeiten an den Seen.

Ich schlenderte noch einmal durch die Mittenwalder Altstadt. In einem Eiscafé in der Fußgängerzone erholte ich mich bei Erdbeer-Spaghetti-Eis und Espresso von den Strapazen.

Auf der Rückfahrt mit dem Zug erwartete mich noch eine unangenehme Überraschung. Die Bahnstrecke zwischen Oberau und Eschenlohe war gesperrt. Offensichtlich hatte sich ein Gleiskörper wegen der hohen Temperaturen von über 30 ℃ verformt. Ab Oberau fuhr ein Notfallbus bis Eschenlohe und zwar ausgerechnet über die Superstaustrecke, die Bundesstraße (B 2). Letztendlich lief alles nur auf eine halbe Stunde Verspätung hinaus, auch wenn nicht gerade angenehm war, mit dem vollgestopften Bus zu fahren. Auch die zweistündige Zugfahrt von Eschenlohe nach München war nicht gerade ein Vergnügen. Immerhin bekam ich gerade noch einen Sitzplatz.

Im Zug saßen auch etliche ältere Leute. Ich bemerkte, dass viele die FFP2-Maskenpflicht sehr nachlässig befolgten. Neben dem bekannten Herunterziehen unter die Nasenlöcher, zeigten sich schlampig angelegte OP- und Stoffmasken und ein Herr hielt sich die Maske sogar wie einen Maulkorb mit Abstand vor das Gesicht. Wahrscheinlich waren diese Herrschaften vollständig geimpft, während dies bei den jungen Passagieren in ihrer Nähe überwiegend nicht der Fall war. Wie bekannt ist, können auch Geimpfte das Virus noch übertragen. Selten habe ich mich so sehr fremdgeschämt! Was müssen die Jungen von unserer Generation denken? Sie werden die wirtschaftliche Last der Corona Pandemie in der Zukunft tragen müssen und wir sind nicht einmal bereit, ein bisschen Rücksicht zu nehmen.

Nach meiner wunderbaren Wanderreise kam ich glücklich, dankbar und etwas erschöpft wiedder nach Hause. Schön war’s !

Eine Bewertung meiner viertägigen Rucksackwanderung mit vollständigem Impfschutz veröffentliche ich in einem weiteren Beitrag.

22 Kommentare zu „Wieder auf Reisen: Wandern in Bayern/ Traveling again: Hiking in Bavaria (4)

  1. Bergab laufen geht halt in der Regel auf die Knie !
    Bergauf auf die Kondition ! Man kann sich also aussuchen was einem lieber ist. Beim Bergauf hat man eben auch noch einen vollen Rucksack und beim Bergab ist er schon leichter weil die Getränke ect. doch weniger sind.
    Egal das muss jeder für sich entscheiden

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  2. Hiking is not always easy in such mountains, and I’m glad your hiking went well by the end. Such incredible and picturesque landscape, amazing photos!!

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  3. Wieder eine schöne Wanderung mit tollen Bildern, Danke fürs Zeigen 😊
    Besonders gut haben mir auch deine Panoramabilder gefallen, ich war schwer beeindruckt 😉
    Liebe Grüße,
    Roland

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  4. Danke 😊. Der Sessellift geht leider nicht bis oben. Der schlimmste Teil war für mich aber Abstieg ab der Bergstation des Lifts. Das schlimme Stück an der Kranzberghütte kann man umgehen. Trotzdem bleibt der 150 m Auf und Abstieg, der nicht zu unterschätzen ist.
    Ich würde mal schauen, welche Ziele dir der Wanderbus näher bringt. Zum Lautersee und Ferchensee gibt es zum Beispiel eine Busstrecke. Dort ist es sehr schön und man kann evtl. eine kleine Wanderung unternehmen.
    Ja ganz schön teuer die Zugspitzbahn, aber winmal muss es sein ,

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  5. Danke für deinen ausführlichen Kommentar 😊. Ich fahre lieber bergab mit dem Lift, wie berichtet. Das hätte ich an diesem Tag auch besser getan, aber da hatte mich der Ehrgeiz gepackt 😉. Wenn möglich fahre ich aber schon zu einem höher gelegenen Wanderparkplatz, z.B. auf die Kesselberghöhe, um auf den Herzogstand zu gehen wie am zweiten Tag meiner Reise.
    War wirklich eine außergewöhnlich schöne Tour. Durch Corona hab ich viel mehr Zeit für die bayerische Heimat…

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  6. Also erstmal Glückwunsch auch zu dieser herrlichen Tour . Sehr schöne Fotos und vor allem die Panoramabilder !
    Ja Bergtouren sind im allgemeinen immer anstregend und ich war eigentlich immer dankbar wenn es Aufstiegshilfen gab, egal ob das nun ein Sessellift oder eine Passtrasse war. Ich fand die direkten Anstiege aus dem Tal immer eher langweilig und kräfteraubend. Diese nicht zu vergeuden war mir wichtig weil ich diese für den eigentlichen Gipfel mir aufgespart habe.
    Das ist natürlich alles Geschmack und Ansichtssache ! Ich kann das schon ganz gut nachvollziehen wenn man endlich in Sichtweite eine Hütte gesehen hat. Das diese dann „geschlossen“ hat ist natürlich blöd !
    Auf jeden Fall hast du hier wieder ganz tolle Fotos gezeigt und das Wetter passte auch, wenn auch manchmal zu „heiß“ ! Ein paar Grad weniger hätten vermutlich auch gereicht !

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  7. Auf den Kranzberg möchte ich auch seit längerem schon, mit Zuhilfenahme des Sessellifts. 😉 Aber da du schreibst, dass ein Teil des Wegs sehr geröllig ist, muss ich mir das noch einmal gründlich überlegen, da ich mich ja kaum mehr abfangen kann, wenn ich mal ins Rutschen und Stolpern gerate…
    Danke für die vielen schönen Bilder. Ich liebe diese Gegend wirklich sehr… Die Preise für die Zugspitzbahn hat man mittlerweile recht kräftig erhöht, das kostet jetzt über 50 Euronen. Das ist schon happig…
    Liebe Grüße!

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