Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #3

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Von Fischingen nach Gibswil

Am dritten Tag meiner Wanderung auf dem Schweizer Jakobsweg stand die erste Bergetappe auf dem Weg von Fischingen nach Gibswil an. Den Anstieg von rund 500 Höhenmetern auf das Hörnli würde ich sicher schaffen, zur Not halt sehr langsam gehend. Allerdings fürchtete mich vor dem Abstieg nach Steg, der im Pilgerführer als teilweise steil abwärts führend beschrieben war.

Bevor ich das Kloster Fischingen verließ, holte ich mir in der prächtigen Idda-Kapelle noch einen Pilgerstempel. Dann streckte ich meine Füsse in das Loch unter dem Grabstein der Hl. Idda, was den Pilger angeblich von Fußschmerzen befreien soll. Zwar hatte ich keine Probleme mit den Füßen, dachte aber, es könne nicht schaden. Dazu später mehr …

Als ich morgens aufbrach, war es stark bewölkt, aber immerhin regnete es nicht. Gleich zu Beginn führte der Weg mal durch den Wald und dann wieder auf einer Nebenstraße und immer steil in die Höhe. Einen letzten Blick auf das schöne Kloster Fischingen werfend ging ich weiter.

Kurz vor dem Weiler Au verlief der Schwabenweg etwas angenehmer begauf. Am Wegesrand lag auch ein hübsches St.Idda-Bildstöckchen.

Aber gleich hinter dem nächsten Dörfchen war wieder meine Kondition gefragt. Die Krönung war eine lange steile Himmelstreppe, die wie im Pilgerbuch beschrieben, „den Kreislauf in Schwung bringt“.

Weiter bergauf führte nun ein aufgeweichter wurzeliger und rutschiger Waldweg. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich, wie ich dessen Pendant beim Abstieg bewältigen würde.

Den Gasthof zum Kreutz konnte ich bald sehen und erreichte ihn schließlich angemessen außer Puste. Da traf es sich gut, dass es den ersten Weitblick zu bewundern gab. Auch das örtliche Federvieh schaute ich mir an und fotografierte es. Die armen Truthähne würden sicher bald als „Trutenfleisch“ enden.

Das Wetter klarte nun weiter auf und ich brauchte mich nicht mehr zu sorgen, dass es auf dem Hörnli keine Aussicht geben würde.

Nach einem weiteren knackigen Anstieg von 150 Höhenmetern hatte ich das Hörnli erreicht. Zunächst suchte ich das Berggasthaus auf, das nur wenige Meter unterhalb des Gipfels lag.

Ein kühler Wind trieb mich in die urige holzvertäfelte Gaststube. Dort trocknete ich meine verschwitzen Klamotten so gut wie möglich und erholte mich bei einer köstlichen vegetarischen Gerstensuppe. Bei einer Tasse Kaffee studierte ich die Karte in meinem Pilgerführer noch einmal etwas genauer. Zu meiner großen Begeisterung entdeckte ich, dass sich ein Sträßchen dicht am Jakobsweg entlang schlängelte. Zur Sicherheit fragte ich den Wirt, der mir bestätigte, dass ich diesen Weg nach Stegen nehmen könne, allerdings wäre es etwas weiter. Mein Entschluss stand schnell fest. Ich folgte zwar dem Jakobsweg, aber wenn es galt, eine für mich unangehme Strecke zu vermeiden, würde ich nicht päpstlicher als der Papst sein. Und auf ein paar Kilometer mehr kam es mir nicht an .

Aber zunächst suchte ich den nur wenige Meter höher gelegenen Hörnli Gipfel auf. Dort war es ziemlich belebt. Das 360 Grad Panorama war schon grandios aber die Sicht doch ziemlich getrübt. Bei klarerem Wetter hätte man sicher eine bessere Fernsicht mit weiteren Bergspitzen genießen können.

Panoramafoto bitte anklicken!

Danach folgte ich der kleinen Bergstraße, von der schon bald der Jakobsweg steil bergab führend abzweigte. Da der Weg nach dem tagelangem Regen schlammig und rutschig aussah, blieb ich weiterhin auf dem Teerweg und folgte damit dem Beispiel der großen Mehrzahl der Wanderer. Während ich genüsslich hinunter schlenderte und dabei die Aussicht genoss, erschien mir die nicht durchgehend asphaltierte Strecke nicht zu lang. Erst im unteren Teil kamen einige Fahrzeuge vorbei.

Panoramaphoto bitte anklicken.

Kurz vor dem Talort Steg traute ich schließlich mich zweimal, ein Stück abzukürzen, indem ich auf den Jakobsweg zurückkehrte. Der Pfad war etwas glitschig, verlief aber über flache Stufen und ich konnte meine Wanderstöcke einsetzen. In Stegen angekommen entdeckte ich bald einen Wirtshausgarten, wo ich mich bei einem großen Milchkaffee erholte.

Die letzten fünf Kilometer durch das Tösstal kamen mir danach etwas lang vor. Zum Einen brannte inzwischen die Sonne und zum anderen verlief der Weg zwar weitgehend eben führte aber oft ziemlich dicht an den Bahngleisen entlang. Allerdings folgten immer wieder idyllische Abschnitte am Wasser. Da hatte sich jemand viel Mühe gegeben, die Wanderstrecke so angenehm wie möglich anzulegen.

Als kurz vor Gibswil noch ein kürzerer Aufstieg anstand, fanden das meine müden Beine überhaupt nicht lustig. Aber schließlich erreichte ich meine Unterkunft in Gibswil. Auf der Caféterrasse fand ich mich bald darauf ein und freute mich bei Cappuccino und Hörnli-Gebäck über den gelungenen Pilgertag. Und ein bisschen stolz war ich auch …

Fazit:
Knapp 19 Km (15,3 km auf dem Jakobsweg), 600 Aufstieg, 450 m Abstieg, 5,5 Stunden ohne Pausen.
Sehr schöner und panoramenreicher Weg. Anstieg auf das Hörnli zum Teil steil, geht aber, wenn man sich Zeit lässt. Wenn der Camino wegen Nässe rutschig ist, empfiehlt es sich beim Abstieg, die kleine kaum befahrene Bergstraße mit den tollen Weitblicken zu nehmen. Das gilt nicht für Pilger, die noch die nächste Etappe von Gibswil nach Rapperswil anhängen wollen, weil ihre Strecke ohnehin schon über 30 km beträgt.
Der Weg von Steg nach Gibswil ist eigentlich ein Spaziergang kann aber am Ende der Etappe ermüdend sein.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

6 Kommentare zu „Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #3

  1. Danke 😊, ich fand diese Bergetappe auch sehr schön und im Gegensatz zu der ein paar Tage später Folgenden auch nicht zu anstrengend. Über Letztere berichte ich noch. Kaffee trinke ich sehr gerne und gerade beim Wandern nutze ich oft jede Gelegenheit. Man weiß ja nie 😉.

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  2. Kaffee im Berggasthof Hörnli, großer Milchkaffee in Stegen, Cappuccino in Gibswil – vielleicht solltest Du einen Reiseführer für`s Kaffee-Pilgern schreiben? Ich habe diese Etappe von Dir jedenfalls wieder mit großem Interesse gelesen…

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