Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #4

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Weiter ging es auf dem Schwabenweg, einem Teil des Schweizer Jakobswegs, der von Konstanz nach Einsiedeln führt. Ich war nun drei Tage gepilgert und fühlte mich immer noch gut, auch wenn ich nicht so fit war, wie ich es mir gewünscht hätte.

Die 4. Etappe von Gibswil nach Rapperswil war bei geringen Höhenunterschieden sicher gemütlicher als die Strecke vom Vortag mit dem Auf- und Abstieg auf das Hörnli (s. hier) . Eigentlich hatte ich in Rapperswil übernachten wollen, aber wegen des an diesem Wochenende stattfindenden „Ironman 2021“ hatte ich kein Quartier bekommen. Daher hatte ich beschlossen, nach der Wanderung mit dem Zug nach Einsiedeln zu fahren, um dort zweimal zu übernachten. Am nächsten Tag würde ich nach Rapperswil zurückkehren und von dort die Etappe nach Einsiedeln angehen.

Morgens brach ich von Gibswil auf. Es war stark bewölkt. Um 16 Uhr war Starkregen vorausgesagt, so dass ich bis ich mich etwas beeilen wollte. Auch Rapperswil wollte ich mir möglichst noch im Trockenen anschauen.

Kurz nach Beginn meiner Wanderung riss es auf und der beste Bergblick des Tages ergab sich.

Ich befand mich nun auf der historischen Route des Jakobswegs. Seit fast 1000 Jahren ziehen hier Pilger entlang. Nach einem kleinen Aufstieg sah ich in Ried die 18. Jahrhundert erbaute Pilgerherberge “Zum weißen Kreuz”. Und oberhalb des Örtchens Wald ging der Pilgerweg an der ehemaligen Herberge “Dändler” vorbei.

Der Jakobsweg führte dann leicht an- und absteigend auf einem kaum befahrenen Sträßchen weiter. Dieses war vor kurzem frisch geteert worden, so dass es leider ziemlich stank. Ich durchquerte eine Wiesenlandschaft mit einigen kleineren Waldstücken. Immer wieder hatte ich traumhafte Weitblicke, wie sonst nur auf einem Panoramahöhenweg. Schöner wäre es allerdings bei klarer Sicht gewesen!

Panoramabild bitte anklicken!

Durch mehrere Dörfchen mit wunderbar restaurierten alten Bauernhäusern zog ich weiter. So schön die Gegend auch war, es gab über weite Strecken keinerlei Sitzgelegenheit, keine Bank, nicht einmal einen Holzstoß. Meine Trink- und Stretchingpausen verbrachte ich stehend.

Der Weg führte schließlich steil abwärts hinab zum Fluß Jona, aber über Stufen und mit einem Geländer gesichert. Hinter der Brücke musste ich natürlich wieder hinauf steigen und fühlte mich nach zweieinhalb Stunden Wandern mit dem Rucksack schon ziemlich matt. Hinter dem Ort Weier führte der Weg in den Wald. Und dann sah ich sie, eine schöne große Bank! Aber dort hatte es sich schon eine Wandergruppe bequem gemacht. Wegen Corona traute ich mich nicht, die Leute zu fragen, ob sie ein bisschen zusammenrücken können.

In diesem Moment überholte mich eine junge Frau mit einem Tagesrucksack. „Das war die einzige Bank in zehn Kilometern!“ sprach ich sie an. Wir kamen ins Gespräch und liefen ein Stück gemeinsam durch den Wald. Sie hatte einige Jahre in der Schweiz gearbeitet und wohnte nun in München. Zur Zeit war sie in der Alpenrepublik zu Besuch. Von ihren Wanderausflügen kannte sie schon einige Teile der Via Jacobi und war, wie ich auch, schon über den Münchner Jakobsweg nach Lindau gepilgert. Ich wandere sehr gerne alleine, hänge meinen Gedanken nach, fluche laut wenn mir danach ist, und möchte in meinem eigenen, eher langsamen, Tempo, laufen. Aber ein Stück mit einer Begleitung zu pilgern, mit der ich mich über Caminoerlebnisse austauschen kann, habe sehr genossen.

Wie ihr wahrscheinlich schon wisst, trinke ich sehr gerne Kaffee. Gerade hatte ich mich bei meiner Gesprächspartnerin darüber beklagt, dass es in den Schweizer Dörfern am Jakobsweg nur selten Cafés gibt (was auch auf Münchner Jakobsweg zutrifft!) und schon standen wir vor dem „Pilgerstübli“, einem kleinen Hofladen am Wegesrand. Auf einer handgeschriebenen Tafel wurden u.a. Kaffee und Most angeboten. Danke, Heiliger Jakob ! Meine Begleiterin ging weiter, während ich mich an den Tisch auf der gemütlichen kleinen Terrasse setzte. Bei der Bauersfrau bestellte ich Kaffee und frischen Apfelmost. Beides war sehr gut und ein Stück selbstgebackenen Schokoladenkuchen gab mir die nette Frau gratis dazu.

Kurz danach kam der Bauer. Er setzte sich zu mir und wir unterhielten uns sehr nett. Vor Jahren war er auf dem Jakobsweg bis Fribourg gepilgert. Außerdem erzählte er mir, dass manche Pilger in einer Etappe von Fischingen nach Rapperswil wanderten, eine Strecke von 32 km. Bei 30 Grad im Hochsommer kämen sie oft sehr erschöpft im „Pilgerstübli“ an und pausierten dort, um sich für die letzten fünf Kilometer zu stärken. Zwischendurch traf noch eine Nachbarin ein, die frische Milch kaufte. Von dem kurzen Gespräch auf Schweizerdeutsch habe ich allerdings nur wenig mitbekommen. Gut erholt und gestärkt verabschiedete ich mich schließlich.

Die restliche Strecke nach Rapperswil verlief durch den Stadtwald und alle paar hundert Meter gab es Bänke und Rastplätze ! Durch das Stadtgebiet ging es ziemlich lange, aber immer gut ausgeschildert weiter. Schließlich erreichte ich die auf einer Halbinsel im Zürichsee gelegene Altstadt .

Fazit:
16,3 km, 5 Stunden ohne Pausen, 120 Hm bergauf und 460 Hm bergab.
Leichte, mittellange Etappe. Der einzige steile Absteig ist durch Treppen und Geländer gesichert. Wunderbare Fernblicke in die Alpen (wenn das Wetter es erlaubt!). Ein Großteil des Weges verläuft über verkehrsarme Sträßchen. Einige Waldstücke, aber bei sonnigem Wetter bietet die Strecke nur wenig Schatten.

Den historischen Ortskern von Rapperswil schaute ich mir kurz an. In der Kirche St. Johann aus der Mitte des 13. Jahrhunderts (nach einem Brand im 19. Jahrhundert neugotisch ausgestattet) holte ich mir den Pilgerstempel und auf dem Schlosshügel besichtigte ich die Liebfrauenkapelle (ursprünglich ein Beinhaus, das um 1250 n. Chr erbaut wurde). Am meisten bewunderte ich die wunderschöne Aussicht auf den Zürichsee und das Umland. Aber schon zogen ganz dunkle Wolken heran …

Panoramafoto bitte anklicken!

Eine Treppe führte direkt hinunter zum Hauptplatz mit dem Rathaus aus dem 15. Jahrhundert.

Von dort eilte ich zum Bahnhof. Der Himmel hatte sich tiefdunkel verfärbt und ein kalter Wind wehte. Als mein Zug nach Einsiedeln Rapperswil verließ, kam der angekündigte Starkregen. Den Zürich See konnte ich kaum erkennen, als wir ihn überquerten. Während der kurzen Fahrt von rund 20 Km überwand der Zug knapp 500 Höhenmeter. Nun schwante mir, dass die nächste Etappe von Rapperswil nach Einsiedeln kein Spaziergang werden würde …

Als ich durch den Regen zu meiner Unterkunft in der Nähe des Klosters Einsiedeln ging, entdeckte ich mehrere Cafés. Ratet mal, was ich bald nach dem Einchecken in Einsiedeln unternommen habe.

Wenn ihr wissen wollte, was ich an diesem Abend noch erlebt habe, dann schaut doch mal hier.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr..

9 Kommentare zu „Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #4

  1. Ein super schöner Bericht mit sehr schönen Fotos!
    Ich kenne die diese Etappe und Dein Bericht hat viele tolle Erinnerungen geweckt.
    Hab ihn direkt auf meinem Twitter-Account gepostet:

    Vielen Dank.
    Und Buen Camino

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  2. Danke😊. Wäre gerne noch im Herbst weiter gepilgert, aber in Anbetracht der weiter gestiegenen hohen Inzidenz in der Schweiz habe ich auf nächstes Jahr verschoben. Die wenigsten Fälle hat das Tessin. Dort werde ich mich, wenn alles gut geht, Ende September kurz aufhalten, bevor es weitergeht nach Italien 😊.

    Gefällt 1 Person

  3. Abgesehen davon, dass das Wetter und die Sicht nicht ganz so gut mitspielten, war das doch eine sehr schöne Tour! Dass es auf der Strecke so gut wie keine Sitz- und Rastmöglichkeiten gibt, ist allerdings wirklich merkwürdig. Ich wandere übrigens auch am liebsten alleine und hänge ungestört meinen Gedanken nach.

    Gefällt 1 Person

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