Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #5

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Von Rapperswil nach Einsiedeln

Nachdem ich am Vortag mit dem Zug von Rapperswil nach Einsiedeln gefahren war, kehrte ich nun dorthin zurück, um meine Pilgerwanderung auf dem Schweizer Jakobsweg fortzusetzen. Da ich in Einsiedeln noch ein zweites Mal übernachten würde, freute ich mich auf die Tageswanderung mit leichtem Rucksack. Ganz so gemütlich sollte es aber doch nicht werden …

Am Bahnhof Rapperswil fand ich gleich den Einstieg in den Camino. Unmittelbar danach überquerte ich den Zürichsee über die längste Fußgängerholzbrücke der Schweiz, die fast auf Seehöhe verläuft und als Pilgersteg auf dem Schwabenweg dient. Sehr schöne Aussichten eröffneten sich, nur leider war das Wetter sehr trüb. Bei Sonnenschein würde ich den Gang über den 840 m langen Steg gerne wiederholen, nicht ohne mich auf eine der Bänke zu setzen und die Aussicht zu bewundern.

Während ich den See überquerte, hörte ich die Ansagen des am zweiten Tag laufenden „Ironman“ und das war so lange der Fall, wie ich mich in Seenähe aufhielt.

Im Laufe des Tages sollte es leicht regnen, aber das hatte mich nicht von meiner Wanderung abgehalten. Als ich mich nach einer Stunde Pfäffikon näherte, fing es an zu nieseln. „Kein Problem“, dachte ich, „habe doch meinen Wanderschirm dabei !“

Wie im Pilgerführer beschrieben, begann am Ortsende von Pfäffikon der steile Aufstieg, der bis zum Etzelpass führen würde. Hinter dem Lützelhof mit einem großen Hofladen und der Möglichkeit, im Stroh zu übernachten, ging es über die Autobahnbrücke der A 3. Der Verkehrslärm begleitete mich noch eine Weile, weil der Weg danach an einem Hang über der Autobahn entlang führte.

Während ich auf einer Bank am Hang eine Trinkpause einlegte, sah ich die Massen von unten ankommen. Sehr viele Wanderer waren, oft in Gruppen, an diesem Sonntag trotz des mäßigen Wetters unterwegs. Es ging weiter zum laut Pilgerführer „ausichtsreich gelegenen“ Gasthof Lugeten, der eine Vogelperspektive auf den Camino seit Rapperswil bieten sollte. Davon konnte jedoch nicht die Rede sein. Der Zürichsee war komplett in den Wolken verschwunden. Kurze Zeit später begann es stark zu schütten. Ich hatte den Regenschutz noch nicht über meinen Rucksack gezogen und konnte es kaum erwarten, in den Wald zu gelangen. Dort tropfte es allerdings immer noch gewaltig.

Der Camino hatte sich in einen bergauf gehenden wurzeligen und matschigen Pfad verwandelt. Zwischen hohen Stufen und glitschigen Wurzeln stand zum Teil schon das Wasser, so dass man gut aufpassen musste, wo man hin trat. Nun freute ich mich, dass so viele Mitwanderer unterwegs waren, weil ich sozusagen in deren Fußstapfen treten konnte. Manchmal war auch der Verlauf des ziemlich breitgetretenen und schlammigen Weges nicht ganz klar. Dann konnte ich mich gut an den Anderen orientieren. Ich lief mehr oder minder mit einer Gruppe von fünf Schweizerinnen in meinem Alter mit, von denen einige recht flott den Berg hinauf stürmten, aber auch immer wieder auf ihre langsamerem Freundinnen warteten. Es beruhigte mich, dass ich nicht alleine auf diesem rutschigen Weg wanderte. So konnte ich auf Hilfe zählen, wenn ich ein Problem haben würde. Gerade als ich dachte, dass ich auf keinen Fall umkehren und den Weg wieder nach unten gehen konnte, kamen drei junge Mountainbiker herangeschossen, die sich fast ungebremst nach unten stürzten !

Zum Fotografieren fehlte mir die Energie. Es war mir zu nass, auch zu anstrengend und ich wollte nur noch so schnell wie möglich auf dem Etzelpass ankommen. Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, lichtete ich aber wenigstens eine moosbedeckte Panzerabwehrsperre ab, die quer durch den Wald verlief. Wikipedia schreibt dazu, dass es sich um den Teil eines Verteidigungssystems der Schweizer Armee aus den 1940er Jahren handelt.

Den in 950 Meter Höhe gelegenen Etzelpass erreichte ich nach etwas mehr als drei Stunden. So nah an den Zeitangaben des Pilgerbuchs hatte ich mich noch nie bewegt! Zunächst begab ich mich in die Kapelle St. Meinrad, wo ich mir den hart verdienten Stempel für den Pilgerpass holte. Dabei kam ich mit einer Wanderin aus Ulm ins Gespräch, die mir erzählte dass sie vor einigen Jahren von zu Hause (!) nach Santiago gepilgert war und mir „Buen Camino“ wünschte. Nun war es höchste Zeit für eine Mittagspause im Trockenen, so dass ich direkt zum Gasthaus neben der Kirche ging.

Das Gasthaus erwies sich als Feinschmeckerlokal mit Landhausambiente. Als ich mich umsah, entdeckte ich keinen freien Tisch und die nicht übermäßig freundlichen Bedienung sagte mir, dass die Gäste überwiegend noch bei der Vorspeise seien, so dass so schnell nichts frei werden würde. Ich brauchte diese Pause sehr dringend, also fragte ich ein Paar, das alleine an einem großen Tisch saß, ob ich mich als Geimpfte dazu gesellen durfte. Die Beiden hatten damit kein Problem (und glücklicherweise auch nicht die Servierkraft). Ich bestellte mir eine warme Suppe (die mir längst nicht so gut schmeckte, wie die Gerstensuppe einige Tage zuvor im Berggasthaus Hörnli) und ein alkoholfreies Weißbier. Mit meinen Schweizer Tischgenossen plauderte ich sehr angenehm. Unter anderem berichteten sie mir, dass sie in diesem Gasthaus eingekehrt waren, weil das Lokal vor Kurzem in einer Kochsendung empfohlen worden war. Das erklärte, warum dort so viele Menschen mehrere Gänge tafelten !

Als das Ehepaar nach lecker aussehenden aber auch reichlichen Vorspeisen den Hauptgang serviert bekam, verabschiedete ich mich. Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen, aber die Wolken hingen immer noch sehr tief. Von dem angeblich herrlichen Berg- und Seepanorama konnte ich kaum etwas erkennen.

Vom Etzelpasss führte mich ein asphaltiertes Sträßchen, auf dem nur wenige Wanderer und Radfahrer unterwegs waren, zur Teufelsbrücke („Tüfelsbrugg“) über die Sihl. Daneben wies ein Gedenkstein darauf hin, dass an diesem Ort im Jahr 1541 Paracelsus, der Schweizer Arzt und Alchemist, geboren wurde.

Laut Pilgerführer beflügelte das herrliche Bergpanorama auf dieser Strecke den Schritt. Nun ja, … Es ging dann meistens angenehm bergab aber auch wieder leicht in die Höhe. Zwischendurch regnete es mehrmals, aber glücklicherweise nur leicht. Nun stimmte der Wetterbericht !

Schon von weitem war das Kloster Einsiedeln zu sehen. Ich hatte das Ziel nun vor Augen, es dauerte aber noch mehr als eine Stunde bis ich dort ankam. Vorbei ging es am Sihlsee, wo man nach einer Infotafel einige Berggipfel sehen sollte. Diese Berge waren leider komplett wolkenverhangen und der See zeigte sich in trübem Grau.

Panoramafoto bitte anklicken.

Fazit:
17 Km, 660 Hm Auf- und 160 Hm Abstieg, 5 Stunden und 20 Minuten ohne Pausen.
Sehr abwechselungsreiche aber recht lange Strecke. Steiler und zum Teil sehr wurzeliger Anstieg zum Etzelpass, würde ich bei Nässe nicht in umgekehrter Richtung empfehlen, danach auf angenehmen, hauptsächlich leicht bergab gehenden, Wegen und Sträßchen durch eine liebliche grüne Voralpenlandschaft. Gefehlt haben mir allerdings die als herrlich beschriebenen Aussichten. Diese würde ich gerne bei besserem Wetter sehen. Am Liebsten nach einer Fahrt auf den Etzelpass …

In Einsiedeln war am Sonntagnachmittag Einiges los. Besonders in der Klosterkirche bewegten sich die Massen. Ich klingelte an der Klosterpforte und bekam dort meinen Pilgerstempel vom zuständigen Mönch, der auch in meinem Pass signierte und mich zum Vespergottesdienst der Mönche in einer Stunde einlud. Dazu hatte ich keine Zeit, was ich dem freundlichen Herren aber nicht verriet. Im Hotel zog ich mich schnell um und besuchte danach ein nahegelegenes Café. Das Zuger Kirschtörtchen schmeckte, als wäre es in eine Schüssel mit Kirschwasser gefallen, mundete mir aber zusammen mit dem Cappuccino mit Schokoladensauce ganz köstlich, obwohl ich normalerweise Schokolade auf dem Milchschaum überhaupt nicht mag. Das war übrigens erst mein zweites Kaffeetrinken an diesem Tag, falls mal wieder jemand meint, ich wäre in der Schweiz zum „Kaffeepilgern“ gewesen.

Nach dem Abendessen spazierte ich noch kurz durch Einsiedeln und knipste einige Abschiedsfotos.

Am nächsten Tag legte ich meine vorerst letzte Etappe auf dem Schweizer Jakobsweg von Einsiedeln nach Brunnen zurück. Was ich dabei erlebt habe, werde ich noch berichten. Verraten sei aber schon, dass an diesem Tag strahlend schönes Wetter herrschte!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.



8 Kommentare zu „Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #5

  1. Schade um das Wetter, aber das tut der Schönheit der Strecke keinen Abbruch. Dieser Sommer war zweifellos nicht der ideale Sommer für mehrtägige Wanderungen. Zum Glück hatten Sie am nächsten Tag schönes Wetter.
    Mit freundlichen Grüßen
    Rudi

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