Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #14

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Von Riggisberg nach Schwarzenburg

An meinem vorletzten Tag auf dem Schweizer Jakobsweg stärkte ich mich zunächst mit einem sehr guten und reichhaltigen Frühstück in meiner Unterkunft im Schloss Riggisberg. Als ich mit einem Blick zurück auf das Schlossgebäude startete, hörte es auf zu regnen und die Sonne brach durch die Wolken. Als ich kurz danach die vielen Stufen zur Kirche von Riggisberg hinaufstieg, gefiel das meinem Knie überhaupt nicht. Oben angelangt eröffnete sich ein wunderschönes Landschaftspanorama mit Ausblicken auf die Berge. Nun wurde ich für die Wanderung am Vortag entschädigt, als das schlechte Wetter nur sehr kurze Fernblicke erlaubt hatte.

Danach ging es kurz knackig bergauf aber dann entspannter über den Weiler Mättiwill nach Rüeggisberg. Inzwischen war die Sonne hinter dunklen Wolken verschwunden. Im Dorf war nicht viel los. Ein offenes Gasthaus fand ich nicht. Schließlich kehrte ich im Dorfladen ein, wo man auch einen Imbiss einnehmen konnte. Ich entschied mich wieder für Cappuccino und Nussgipfeli. Dieses Gebäck ist zwar oft etwas trocken, schmeckt mir aber sehr gut und es gibt viel Kraft zum Wandern.

Nicht weit von der Kirche befinden sich die eindrucksvollen Mauerreste des ehemaligen Cluniazenserklosters aus dem 11. Jahrhundert. Als ich den Klosterhof betrat, begann es zu schütten. Und das Wetter sollte den ganzen Tag lang sehr wechselhaft bleiben. Mitgezählt habe ich nicht, aber ich schätze, dass es mindestens fünfmal Regen und genauso oft Sonnenschein gab.

Nach einem längeren aber nicht unangenehmen Abstieg an Viehweiden vorbei, erreichte ich das Naturschutzgebiet Schwarzwasser, wo ein ziemlich matschiger Weg am rauschenden Flüsschen entlang führte und mehrmals vor Erdrutschgefahr gewarnt wurde. Tatsächlich war an einigen Stellen der Hang von den darüberliegenden Steilwänden abgestürzt. Trotzdem gefiel es mir, dem schönen Uferweg ein Stück zu folgen.

Nach dieser idyllischen Stecke kam es wie es kommen musste, es ging wieder einmal aufwärts. Auch waren immer wieder Viehgatter zu öffnen. Einmal wurstelte ich mich mit dem Wanderstock in den feuchten Händen so ungeschickt durch das Tor, dass ich, obwohl ich einen Plastikgriff in der Hand hielt, einen leichten elektrischen Schlag bekam. Ich muss gestehen, dass dieses undramatische Ereignis dazu führte, dass es mir reichte mit dem Jakobsweg. Jeder kleine Aufstieg war mir zu viel, vom Bergabgehen ganz zu schweigen. Mein Knie schmerzte auch schon wieder. Was tat ich auf dem Camino? Für eine längere Pilgerwanderung war ich doch längst zu alt! Seufzend ging ich weiter, mitten im Nirgendwo im Regen und Nebel konnte ich nicht stehen bleiben. Aber ich würde mir gut überlegen, ob ich im nächsten Jahr noch einmal auf den Jakobsweg gehen würde. (Spoiler: Inzwischen sehe ich das anders …)

Danach führte der Weg über eine Hochebene an Feldern und kleinen Gehöften vorbei. Einmal setzte ich mich auf eine Bank an einem Hofladen, um mich auszuruhen. Es regnete zwar gerade nicht, aber es ging ein sehr kalter Wind, der mich bald wieder aufstehen ließ. Die Temperatur war inzwischen deutlich gefallen, in den einstelligen Bereich.

An der Bushaltestelle in Mamishaus zweigte der Camino von der Straße nach links aufwärts ab. Auf einen weiteren Anstieg legte ich gerade keinen Wert. In der Schweiz bleiben die Straßennamen gleich, wenn eine Straße in den nächsten Ort führt. Also musste mein Hotel an der Straße liegen, wo ich mich gerade befand. Es waren knapp zwei Kilometer und an der leicht abfallenden Straße mit breitem Randstreifen konnte ich gefahrlos entlang gehen. Nach kurzer Zeit erreichte ich Schwarzenburg, wo ich auf dem Bürgersteig gehend zu meiner Unterkunft gelangte. Für die Mühen des Tages entschädigte ich mich mit einem leckeren lauwarmen Schokoladenkuchen zum Cappuccino.

Fazit:
15 km,170 m Aufstieg, 150 m Abstieg, 4 Stunden reine Gehzeit
Eine mittellange an für sich unschwierige Etappe, kurzweilig und abwechselungsreich, sehenswert sind vor allem die Kirche aus dem 14. Jahrhundert in Riggisberg (toller Panoramablick vom Kirchenplateau) und die Klosterruine in Riggisberg. Trotzdem mein persönlicher Tiefpunkt auf dem Jakobsweg!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

19 Kommentare zu „Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #14

  1. Much more easy to travel in Europe, each country is only at a stone throwing distance😊 Of course, following the regulations. Will see what next year will bring, fingers crossed!

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  2. Thank you 😊. If you want to do the Camino I recommend to go as early possible. Traveling is of course a problem now. For me it was relatively easy to go to nearby Switzerland. For my second trip I waited for the lowering of Corona cases in Switzerland. This did actually happen at the end of September and they strictly followed the regulations. On the Way I hardly ever met others so that was very safe, although a bit of a shame. On the Camino in Spain that is of course different…

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  3. You’ve had an amazing journey! We’ve never been to Switzerland, but the landscape is stunning😊 Nor we’ve been on any Camino, although it sounds appealing. But I guess we need to do it sooner rather than later, if we decide to, if only the covid situation will stop and we can all travel again safe!
    take care, Christie

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  4. Danke! Nun weiß ich bei meinem nächsten Aufenthalt in der Schweiz Bescheid (hoffentlich im nächsten Frühjahr auf der Via Jacobi). Ganz vergessen habe ich bisher, das unglaublich leckere Schweizer Brot zu erwähnen. Außen knusprig, innen weich mit knackigen Körnern 😋. Werde ich bei Gelegenheit erwähnen.

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  5. Ich musste laut lachen wegen dem Nussgipfeli. Wir sagen der Schweiz zwar Gipfeli, das sind dann aber die „Croissant“, also Buttergipfeli, Laugengipfeli, Dinkelgipfeli, Maisgipfeli etc. Den Begriff Nussgipfeli hab ich noch nie gehört. Aber selbstverständlich darfst du dem Gebäck sagen wie du willst und Hauptsache es schmeckt! Ich mag die fast so gerne wie Vermicelle. 🙂

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  6. Thank you 😊. Have you traveled in Switzerland ? Although it is a neighboring country, we hardly never went there when we were young or as a family, because everything is more expensive than in Austria or Italy. So I am just discovering the beautiful country and the lovely people.

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  7. Es freut mich zu sehen, dass das Wetter auf dieser Strecke viel besser war 😉
    Die Landschaften kommen dann viel besser zur Geltung und es ist auch viel angenehmer zu laufen. Dieses köstliche Dessert war ein schöner und verdienter Abschluss.

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  8. Ich erfreue mich immer wieder an diesen Berichten und an den wunderschoenen Bildern: danke!
    Das Schild mit der Warnung vor dem Wasser/Bach haette ich in meiner Kindheit gut gebrauchen koennen: ich bin in nahezu jeden erreichbaren Bach gefallen! 😉
    Zum letzten Bild kann ich nur sagen: gut, dass ich gerade gefruehstueckt habe!
    Liebe Gruesse,
    Pit

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