Nach dem Schweizer Jakobsweg/ After the Swiss Camino: Fribourg

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Nach neun Tagen Pilgerwanderung auf der Via Jacobi im Oktober 2021 verbrachte ich noch einen Tag in Fribourg, bevor ich nach Hause fuhr.

Morgens frühstückte ich recht gemütlich. Zuerst aß ich meinen restlichen Wanderproviant und trank dazu einen köstlichen Nespresso aus der Maschine im Hotelzimmer. Dann ging ich zum nahen Bahnhof, um mein Ticket für die Heimatfahrt zu kaufen. Online hatte ich es auch versucht, der Bezahlvorgang stellte sich aber als kompliziert heraus, so dass ich den Spaziergang durch die Fußgängerzone vorzog.

Danach gönnte ich mir ein kleines 2. Frühstück in einem Kaufhaus. Es gab frischen Orangensaft, ein Mini Bircher Müsli und ein kleines Croissant zum Cappuccino. Das mundete ganz köstlich und war für Schweizer Verhältnisse nicht einmal teuer

Und dann schlappte ich durch Fribourg. Mein Knie war nicht besser geworden und jeder Schritt über eine kleine Stufe war schmerzhaft. Und davon gab es reichlich in der hügeligen Altstadt! Ich hatte einen Wanderstock mitgenommen, um mich darauf zu stützen und fühlte mich mindestens zehn Jahre älter. Das trübte meine Stimmung und das graue kalte Wetter tat ein Übriges.

Meine Unterkunft befand sich im Burgquartier von Fribourg, das im Jahr 1157 durch Herzog Berthold von Zähringen an strategischer Lage auf einem Felsvorsprung über der Saane gegründet wurde. Als Nächstes wollte ich die Unterstadt besuchen, das historische Neustadtquartier, das im 13. Jahrhundert ebenfalls durch den Herzog geschaffen wurde. Im 18. Jahrhundert lebte die Oberschicht der Stadt rund um die Kathedrale und in der Reichengasse (Grand-Rue), während sich die Unterschicht in der Unterstadt, insbesondere in der Neustadt, ansiedelte. Der Bau der Standseilbahn “ Funiculaire“ im Jahr 1899 erleichterte den Zugang zum kommerziellen und industriellen Stadtgebiet, dem Burgquartier.
Quellen: Fribourg Tourisme und Wikipedia

Zunächst irrte ich auf der Suche nach dem Zugang zur Neustadt umher. Das Viertel sah ich schließlich von einer hohen Brücke über den Fluss Saane. Es lag tief unten und sehr viele Stufen führten direkt dort hin. Das kam für mich aber nicht in Frage.

Also suchte ich die Funiculaire, um damit bequem nach unten zu fahren. Einen Passanten sprach ich an und fragte nach der Station. Seiner Beschreibung folgend humpelte ich immer weiter eine steile Straße mit zahlreichen Treppen hinunter. Dabei wurde ich immer wieder von Gruppen junger Leute überholt, die mit Zetteln in der Hand nach unten rannten. Offensichtlich handelte es sich um eine Art Schulprojekt, bei dem sie eine bestimmte Route so schnell wie möglich zurücklegen mussten. Es schien aber so, als ob alle Oberstufenschüler der Stadt daran beteiligt waren. Schließlich musste ich feststellen, dass ich von der Oberstadt zur Talstation in der Unterstadt geschickt worden war. Vielleicht lag es an meinem etwas eingerosteten Französisch. Eigentlich verstand ich die französichsprechenden Schweizer sehr gut, weil sie nicht so schnell sprachen wie z.B. die Pariser. Aber das musste ja nicht auf Gegenseitigkeit beruhen!

In der Unterstadt stolperte ich ein bisschen auf den zentralen Plätzen Planche-Supérieure (Obere Matte) bis zur Planche-Inférieure (Untere Matte) umher, die sich wohl wegen des kalten Wetters und dem auf Corona zurückführenden Touristenmangel als gänzlich verlassen präsentierten. Ich überlegte, ob ich ins Hotel zurück gehen sollte, um mich auszuruhen.

Beim Zurückgehen durch die Unterstadt entdeckte ich in ein gut besuchtes Restaurant und beschloss spontan, auch einmal Mittagessen zu gehen. Im gemütlichen Innenraum des Alstadtgebäudes bestellte ich ein Menue mit einem gemischten Salat und einer Wirsingroulade, die mit einer Schweinefleischfarce gefüllt war. Dazu gab es Pilavreis. Das leckere Essen weckte meine Lebensgeister wieder.

Danach stromerte ich noch durch das ebenfalls in der Unterstadt gelegene Auviertel, spazierte über mehrere Brücken und an der Saane entlang. Nun schien sogar ein bisschen die Sonne und gleich sah alles viel schöner aus. Die idyllischen Uferpromenade mit Ausblick auf die imposanten Kalksteinfelsen gefiel mir sehr gut. Allerdings war es für mich unmöglich, den steilen Hügel zu erklimmen. Auch der Rundgang auf der historischen Stadtmauer mit den Türmen hätte ich mich interessiert. Möglicherweise kann ich alles nachholen, wenn ich den Schweizer Jakobsweg im nächsten Frühjahr in Fribourg fortsetze. Wenn alles gut geht …

Dann überquerte ich die Saane auf einer gedeckten Holzbrücke und spazierte noch etwas am anderen Flussufer entlang. Bald danach stand ich vor einer sehr hohen Brücke mit unendlich vielen Stufen, dem Zugang zur Oberstadt.

Mit dem Bus fuhr ich zunächst auf der Route zurück, die ich in der Unterstadt zu Fuß zurück gelegt hatte. Verrückterweise entdeckte ich die in der Schweiz lebende Portugiesin, mit der ich mich in Stans unterhalten hatte, am Straßenrand im Auviertel. Als ich ihr erzählte hatte, dass ich bis Fribourg laufen wollte, hatte sie sehr von der Stadt geschwärmt und mir den Besuch wärmstens empfohlen. Sie wohnte nicht dort, besuchte Fribourg nur von Zeit zu Zeit, daher wunderte ich mich doch sehr. Ich klopfte an die Scheibe und winkte, aber sie bemerkte es nicht.

Nach einer ausgiebigen Ruhepause im Hotel ging es zunächst zum Kafeetrinken in der Nähe der Kathedrale. Im Café bestellte ich einen großen Cappuccino und ein schmackhaftes Apfel-Zimt-Törtchen. Ich plauderte noch ein bisschen mit der Besitzerin, die sogar Deutsch mit mir sprach, besuchte Kirchen in der Nähe und spazierte in der Abendsonne durch den Park des Kunstmuseums und dann zurück ins Hotel.

Am nächsten Morgen ging ich zum Frühstücken ins Café und dann zum Abschied noch einmal in die St. Nikolauskathedrale, die im stimmungsvollen Halbdunkel lag und in der ich zunächst ganz alleine saß.

Noch einmal dachte ich an meine Pilgerwanderung zurück. Von Konstanz nach Fribourg hatte ich im August und nun im Oktober insgesamt fast 280 km an 15 Tagen zurückgelegt. Großartige Landschaftspanoramen hatte ich genießen dürfen, ohne Bergtouren unternehmen zu müssen. Andererseits hatte mich das häufige Auf und Ab auf der Via Jacobi, dem Schweizer Jakobsweg, oft sehr angestrengt, meiner Meinung nach viel mehr als vor zwei Jahren auf dem Münchner Jakobsweg nach Lindau. Von den Kniebeschwerden mal ganz abgesehen …

Sehr gut hatten mir auch die wunderschönen historischen Kapellen, die sorgfältig restaurierten Fachwerkhäuser am Wegesrand und die hübschen Gassen in den Altstädten gefallen. Andere Pilger hatte ich in der Schweiz nur ab und zu getroffen. Einerseits freute ich mich immer über den kurzen Austausch über Erfahrungen auf dem Camino, aber andererseits wandere ich sehr gerne alleine. Abends hätte ich manchmal gerne ein Gespräch unter Pilgern geführt. Aus persönlichen Gründen kann ich nicht in den Mehrbettzimmern von Pilgerherbergen übernachten, so dass sich dazu leider keine Gelegenheit ergeben hatte.

Sehr wohltuend war, dass ich mich den ganzen Tag an der frischen Luft bewegen konnte, ohne Corona Regeln beachten zu müssen. In sämtlichen Innenräumen wurde dagegen genau auf die Maskenpflicht geachtet und in jeder Unterkunft und allen Restaurants galt damals 3G, was genau kontrolliert wurde. Mein Impfnachweis wurde jedes Mal eingescannt und ich musste den Ausweis vorzeigen. Das machte mir nichts aus, im Gegenteil dadurch fühlte ich mich sicherer.

Insgesamt war das Pilgern auf dem Schweizer Camino ein außergewöhnlich schönes Erlebnis. Ich hoffe daher, dass ich den Weg im nächsten Frühjahr über Lausanne und Genf bis zur französichen Grenze fortsetzen kann. Und danach: mal sehen …

Nach einer Zugfahrt von sechs Stunden kam ich pünktlich und einigermaßen wohlbehalten wieder in München an.

Meine Erlebnisse auf der Via Jacobi könnt ihr, wenn ihr mögt, in 15 Posts nachlesen (von hier bis dort).

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

9 Kommentare zu „Nach dem Schweizer Jakobsweg/ After the Swiss Camino: Fribourg

  1. Danke ! Wie es mit dem Knie weitergeht, werde ich sehen. Zur Zeit, bei normaler Belastung, ist alles ok. Freiburg ist eine schöne kleine Stadt. In Luzern, wo ich nach der ersten Strecke auf dem Schweizer Jakobsweg einen Tag verbracht habe, fand ich es aber schöner.

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  2. Freiburg habe ich noch nie besucht, aber wenn ich deine Fotos sehe, ist die Stadt auf jeden Fall eine Reise wert. Ich hoffe sehr, dass es keine bleibenden Verletzungen an Ihrem Knie gibt. Ich weiß, dass Bergwandern sehr anstrengend ist. Auch meine Mutter musste sich aufgrund unserer Bergferien in der Schweiz mit zwei Knieprothesen abfinden.

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  3. Wie der Zufall so spielt: gerade habe ich in einem anderen Blog einen Bericht ueber eine franzoesischen Camino [Chemin de Saint Jacques] gelesen [https://wp.me/p27cFs-QK#comment-3199].

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