Monatsmotto „Buchstaben“ – „W“ im November Moto of the month „Letter“ – „W“

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Beim Fotochallenge von Antje handelt es sich in diesem Monat um Fotos zum Buchstaben „W“.

Mein Foto zeigt einen

Wanderweg.

Abgebildet ist ein Stück des Jakobswegs von München nach Lindau, auf dem ich im Sommer/ Herbst 2019 pilgerte. In den Allgäuer Bergen hing an diesem Tag der Nebel fest. Es gab keine schöne Aussicht, aber während der Wanderung blieb es fast die ganze Zeit trocken. Erst kurz vor dem Ende der Etappe fielen ein paar Tropfen.

Während wir mit der Pandemie leben müssen, befinden wir uns auch auf einem

Weg.

Der Weg erscheint uns sehr schwierig und mühselig. Wir können das Ende noch nicht sehen und fragen uns:

warum wir das erleben müssen,
wohin der Weg uns führen wird,
wie lange es noch dauert,
wann wir unsere Normalität zurückbekommen ?

Diese Fragen kann zur Zeit niemand beantworten. Gehen wir es an wie ein geübter Wanderer, der nicht klagt, dass das Ziel noch weit entfernt ist, sondern sich auf die Wegstrecke konzentriert. Wenn er müde ist, dann macht er eine Pause, genießt die Landschaft und stärkt sich, aber dann steht er wieder auf und geht weiter. So weit wie es notwendig ist, um das Ziel zu erreichen

Wie geht es euch in der 2. Welle ? Seid ihr die Corona Krise auch zunehmend leid ?

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

PS: Wenn ich wieder pilgern darf, will ich nie mehr jammern, nicht über die Hitze, die Kälte, den Regen, die schlechte Ausschilderung, den langen und eintönigen Weg, den schweren Rucksack usw. usw.




von München nach Lindau

Finale im Fichtelgebirge: Bayreuth Final in the Fichtel Mountains: Bayreuth

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Wie im Wetterbericht angekündigt regnete es anhaltend während unseres letzten Tages im Fichtelgebirge. Einerseits war das sehr schade, aber andererseits bot es uns die Gelegenheit, das nahegelegene Bayreuth zu besuchen. Bayreuth stand schon lange auf meiner Wunschliste. Es liegt zwar noch in Bayern aber mit 240 km doch ziemlich weit entfernt von unserem Wohnort in München. Als wir losfuhren, rechneten wir uns allerdings nicht damit, dass es den ganzen Tag lang ohne Pause regnen und zeitweise schütten würde.

Zunächst besuchten wir die Eremitage, die etwas außerhalb von Bayreuth liegt.
Die Eremitage, eine 1715 entstandene historische Parkanlage vor den Toren der Stadt Bayreuth, beherbergt das Alte Schloss mit Innerer Grotte und Wasserspielen. Weiterhin befinden sich das Neue Schloss mit Orangerie und dem zentralen Sonnentempel auf dem Gelände.
Quelle: Wikipedia

Trotz Dauerregen spazierten wir durch die zauberhafte Gartenanlage und auch ein bisschen durch den Landschaftpark. Besonders der Sonnentempel und die angrenzenden Gebäude faszinierten, weil sie aus bunten mosaikartigen Steinen zusammengesetzt wurden. Richtig schade war, dass alle Innenräume und die Grotte geschlossen waren. Die Räumlichkeiten sind so klein, dass die unter Coronabedingungen einzuhaltende maximale Besucherzahl zu schnell erreicht ist. Auch das Café im Sonnentempel, das einen wunderbaren Ausblick auf die Brunnenanlage und den Garten bietet, war leider geschlossen.

Fotos zum Vergrößern bitte anklicken.

Danach fuhren wir in die Bayreuther Innenstadt, wo wir uns als Erstes Tickets für die nächste Führung im Markgräfliche Opernhaus holten. Das UNESCO-Weltkulturerbe ist eines der schönsten Barocktheater. Bayreuth hat es der Markgräfin Wilhelmine zu verdanken. Aktuell waren nur 28 Besucher zugelassen, für die es Platzkarten gab. Wir saßen dann sehr weit auseinander im Zuschauerraum, der 1267 Sitzplätze aufweist. Nur jede dritte Reihe war belegt. Außerdem saßen die Besucher diagonal versetzt und zueinander mit vier Sitzen Abstand. Auch H. und ich wurden so platziert. Es gab einen kurzen Film über die Historie des Opernhauses, dann erzählte der Führer etwas über die Entstehunggeschichte, und das war es dann auch schon. Für mich war das in Ordnung. Hatte ich doch überlegt, ob ich mich überhaupt in eine Filmvorführung trauen sollte. Immerhin habe ich seit Ende Februar kein Kino mehr besucht (!). Sehr schade war, dass man ohne Stativ in dem prächtigen Raum nicht ordentlich fotografieren konnte. Wenn ihr mögt, schaut doch einmal hier.

Nach dem Mittagessen beim Vietnamesen (zur Abwechselung mal keine fränkischen Knödel mit Braten) bummelten wir durch die Altstadt und schauten bei der Stadtkirche aus dem 13. Jahrhundert vorbei.

Schließlich gingen wir zum Neuen Schloss, wo wir durch den Garten flanierten.

Den Abschluss unserer Städtetour bildete das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel. Dort finden jährlich die berühmten Wagnerfestspiele statt. Natürlich ist auch diese Veranstaltung in diesem Jahr ausgefallen. Die Besichtigung des Hauses sparten wir uns, da wir nicht zu den Wagner Fans gehören.

In Bayreuth gibt es sehr viel Interessantes zu sehen. Die schöne Umgebung konnten wir am Regentag nur erahnen. Die Umgebung bietet auch Wandermöglichkeiten. Die Stadt muss ich, wenn Corona überstanden ist, noch einmal besuchen.

Fazit:
Im Fichtelgebirge hat es uns wesentlich besser gefallen als erwartet. Man kann tolle Wanderungen durch den märchenhaften Wald mit seinen spektakulären Felsformationen unternehmen. Zwischendurch sind Städtetouren nach Bayreuth und Kulmbach möglich, zwei völlig unterschiedliche Orte (siehe Kulmbach). Aber auch kleinere Orte haben ihren Charme und bieten oft Überraschendes. Habt ihr gewusst, dass der Schriftsteller Jean Paul in seiner Jugend in Wunsiedel lebte ? Oder dass Alexander von Humboldt als staatlicher Bergassessor den Bergbau in der Region Bayreuth in technischer und ökonomischer Hinsicht reorganisierte? Zahlreiche Museen können besucht werden, z.B. das Zinnfigurenmuseum in Bamberg.

Kurzum: das Fichtelgebirge ist eine landschaftliche sehr reizvolle Region mit einer sehr interessanten Historie. Die Gegend würde ich gerne wieder besuchen. Interessieren würde mich aber auch ein Wanderurlaub in der südwestlich gelegenen Fränkischen Schweiz.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Heute vor einem Jahr One year ago today

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Wichtiger ist der heutige Nationalfeiertag, mit dem wir der deutschen Wiedervereinigung am 03.10.1990 gedenken. Für mich ist der 3. Oktober aber auch ein persönlicher Gedenktag. Genau vor einem Jahr begann ich den letzten Abschnitt des Münchner Jakobswegs, der bis nach Lindau führt. In Stötten am Auer setzte ich den Weg fort (s. hier) und kam fast bis nach Lindau (siehe dort).

Ziemlich herausfordernd war das ständige Regenwetter, aber trotzdem oder gerade weil ich immer weiter lief, wurde meine Pilgerwanderung zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Fotos zum Vergrößern bitte anklicken.

Meinen Vorsatz, in diesem Jahr auf einem Schweizer Jakobsweg weiter zu pilgern, konnte ich wegen der Pandemie nicht umsetzen. Aber wer weiß, was noch alles möglich ist. Andere Fernwanderwege in Deutschland kommen auch in Frage. Ich lass‘ mich überraschen ..

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Traumwanderung mit Alpenblick (Osterseen) Fantastic hike with alpine views (Osterseen)

Mein letzter Ausflug vor dem Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen in Bayern führte mich am letzten Montag zu den Osterseen bei Iffeldorf. Von dort lief ich bei allerschönstem warmen Frühlingswetter (bis zu 17 Grad Celsius) rund um den Großen Ostersee durch das Naturschutzgebiet  (10,5 km und ca. 100 m Höhenunterschied).

Als ich gegen 11 Uhr am Parkplatz in Iffeldorf ankam, standen dort erst zwei Fahrzeuge. Aus einem PKW stieg gerade eine Familie mit zwei Kindern. Der Montag war der erste Tag, an dem Schulen und Kitas und sämtliche Freizeiteinrichtungen (Spielplätze, Bibliotheken, Schwimmbäder etc.) geschlossen worden waren. Wir sprachen kurz miteinander (natürlich „auf Abstand“). Die Leute wollten „solange es noch geht“ zum Wandern gehen, was mir genauso ging.

Auf dem Rundweg wanderte ich gegen den Uhrzeigersinn zunächst entlang des Westufers des Großen Ostersees. Der Weg führte durch den schattigen Wald, wo schon zahlreiche Leberblümchen blühten. Bei der Privatklinik „Lauterbach“ gab es die ersten Ausblicke über den See. Wunderschön ! So ähnlich stelle ich mir die Seenlandschaften in Skandavien vor.

Kaum war ich am Ostufer des Sees angelangt, kamen mir zum ersten Mal massenhaft Spaziergänger entgegen. Das hatte seinen Grund. Nun konnte man neben dem Ausblick auf den See ein fantastistisches Bergpanorama bewundern. Allerdings musste ich nun aufpassen, dass mir die Leute, die oft in Gruppen unterwegs waren, nicht zu nahe kamen. Viele waren ins Gespräch vertieft, sprachen über die Corona Krise, achteten aber nicht auf den empfohlenen Mindestabstand. Der Rundweg war aber meistens breit genug, so dass das Ausweichen kein Problem für mich darstellte. Wenn ich im Wald bei uns zu Hause spazierengehe (was heute, am 22. März, unter gewissen Bedingungen noch möglich ist ) muss ich auf den engeren Wegen oft ins Unterholz ausweichen, wenn  Andere den Abstand nicht einhalten.

Schließlich fand ich eine Bank, auf der ich alleine sitzen und eine Brotzeit essen konnte. Ich bewunderte das Landschaftspanorama mit dem See im Vordergrund. Auf den Seewiesen grasten viele Wildgänse und im Hintergrund konnte ich die schneebedeckten Berge erkennen (Ammergauer Alpen und Zugspitzgebiet). Sehr schön !

Am Südufer gelangte ich zum einzigen Badeplatz des Großen Ostersees. Zum Baden war es zu kalt, aber viele Ausflügler genossen dort, oft in Gruppen dicht zusammensitzend, das warme Frühlingswetter. Was für eine Idylle wäre das gewesen, hätte es nicht die Mahnung gegeben, soziale Kontakte einzuschränken, um den Virus einzudämmen. Die Landschaft fand ich ganz zauberhaft, konnte sie aber doch nicht richtig genießen, weil über uns das Damoklesschwert „Corona“ schwebte.

Nach knapp drei Stunden kam ich wieder am Parkplatz in Iffeldorf an, wo es nun kaum noch freie Plätze gab. Nach einem letzten Foto des Ausblicks  über die „kleinen“ Osterseen (s.unten) fuhr ich zurück nach München.

Fazit:
Die Wanderung um den Großen Ostersee bietet viele wunderschöne Landschaftseindrücke. Es handelt sich eher um einen, nicht sehr anstrengenden, längeren Spaziergang. Wer noch etwas länger laufen will, kann die Runde um die „kleinen“ Osterseen (Fohn-, Staltacher- und Sengsee) auf ca. 13 km verlängern. Möglich ist auch eine schnelle Runde von 4 km, die nur um diese Seen herum führt. Am Parkplatz gibt es einen Kiosk mit Toilette und in Iffeldorf weitere Einkehrmöglichkeiten.

Sehr froh bin ich, das ich den Ausflug zu den Osterseen noch unternommen habe. Von dieser Tour und meinem Spaziergang in der Nähe des Egglburger Sees
https://wanderlustig2019.wordpress.com/2020/03/14/traumwanderung-mit-alpenblick-egglburger-see-fantastic-hike-with-alpine-views-lake-egglburg/
werde ich nun, wer weiß wie lange, zehren.

Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich immer sehr.
Und bitte passt gut auf euch auf !

 

My last excursion before the partial curfew in Bavaria came into effect led me to the Osterseen near Iffeldorf last Monday. From there I walked in the most beautiful warm spring weather (up to 17 degrees Celsius) around the Große Ostersee through the nature reserve (10.5 km and about 100 m difference in altitude).

When I arrived at the parking lot in Iffeldorf at about 11 a.m., there were only two cars. A family with two children just got out of one vehicle. Monday was the first day when schools and day-care centres and all leisure facilities (playgrounds, libraries, swimming pools etc.) were closed. We talked to each other briefly (of course „at a distance“). The family wanted to go hiking „while it still works“, which was the same for me.

On the round trip I hiked counterclockwise first along the western shore of the Große Ostersee. The path led through the shady forest, where already numerous liverworts were blooming. Near the private clinic „Lauterbach“ I had my first views over the lake. Marvellous ! I imagine the lake landscapes in Scandavia to be similar.

As soon as I arrived at the eastern shore of the lake, masses of walkers met me for the first time. That had its reason. Now one could admire a fantastic mountain panorama besides the view on the lake. But now I had to take care that people, who were often walking in groups, did not come too close to me. Many were absorbed in conversation, talking about the Corona crisis, but did not pay attention to the recommended minimum distance. But the hiking trail was mostly wide enough, so that stepping aside was no problem. When I walk in the forest at home (which is still possible today, 22 March, under certain conditions) on the narrower paths I often have to step into the undergrowth,  when others do not keep the distance.

Finally,  I found a bench where I could sit alone and eat a snack. I admired the landscape panorama with the lake in the foreground. Many wild geese grazed on the lake meadows and in the background I could see the snow-covered mountains (Ammergau Alps and Zugspitz area). Very beautiful !

On the south shore I reached the only bathing spot of the Große Ostersee. It was too cold for bathing, but many excursionists enjoyed the warm spring weather,  often sitting closely together in groups. What an idyll that would have been, if there had not been the warning to restrict social contacts in order to contain the virus. I found the landscape quite enchanting, but I could not really enjoy it, because the sword of Damocles „Corona“ hovered over us.

After almost three hours I arrived back at the parking lot in Iffeldorf, where there were hardly any free spaces left. After a last photo of the view over the „small“ Easter lakes (see below) I drove back to Munich.

Conclusion:
The hike around the „Großer Ostersee“ offers many beautiful landscape impressions. It is rather a longer, but not very exhausting stroll. If you want to walk a little further, you can extend the walk around the „small“ Osterseen (Fohn-, Staltacher- and Sengsee) to about 13 km. It is also possible to do a fast round of 4 km, which only leads around these lakes. There is a kiosk with a toilet at the car park and further refreshment facilities are in Iffeldorf.

I am very glad that I still made the trip to the Osterseen. From this tour and my walk near the Egglburger See
https://wanderlustig2019.wordpress.com/2020/03/14/traumwanderung-mit-alpenblick-egglburger-see-fantastic-hike-with-alpine-views-lake-egglburg/
I will  have to live on for who knows how long.

I am always very happy about your comments and your likes.
And please do take good care of yourself !

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Traumwanderung mit Alpenblick (Egglburger See) Fantastic hike with alpine views (Lake Egglburg)

Vor zwei Tagen brauchte ich dringend eine Ablenkung von der derzeitigen Situation. Die nächstgelegene Möglichkeit von unserem Wohnort in München eine Wanderung mit Blick auf die Berge zu unternehmen, besteht am Egglburger See bei Ebersberg. Normalerweise laufen wir in ca. einer Stunde rund um den See, eine schöne kleine Wanderung durch das Naturschutzgebiet. Am Donnerstag herrschten durch einen Föhneinbruch hohe Temperaturen von bis zu 17 Grad Celsius.  Die damit verbundene klare Sicht auf die Alpen wollte ich mir nicht entgehen lassen. So beschloss ich zum Ebersberger Aussichtsturm zu laufen.

Am Egglburger See in der Nähe der Gaststätte „Zur Gass“ stellte ich das Auto ab. Schon eim Aussteigen bemerkte ich, dass der warme Föhnwind, der zu Hause geherrscht hat, dort nahezu Sturmstärke erreicht hatte.  Zunächst ging ich ein Stück die wundersschöne Eichenallee entlang, die über 100 Jahre alt sein soll. Besonders genoss ich, dass die Bäume noch kahl waren. So konnte man sowohl ihre Form als auch den Blick über den See bewundern. Im Sommer bieten die Eichen willkommenen Schatten, aber die Aussicht auf den See ist eingeschränkt. Nicht ganz so lustig fand ich die Hinweisschilder, die vor herabfallenden Ästen warnten. Mißtrauisch schaute ich immer wieder nach oben, sagte mir aber, dass die kürzlichen Stürme sicherlich schon den Großteil des toten  Holzes heruntergeholt hatten.

Two days ago I urgently needed a distraction from the current situation. The closest possibility to take a hike with a view of the mountains from our residence in Munich is at Lake Egglburg near Ebersberg. Normally, we walk around the lake in about an hour, a nice little hike through the nature reserve. On Thursday there were high temperatures of up to 17 degrees Celsius due to a foehn.  As I did not want to miss the clear view of the Alps that is connected with the weather condition,  I decided to walk to the Ebersberg observation tower.

At the Egglburger See near the restaurant „Zur Gass“ I parked . As soon as I got out of the car I noticed that the warm foehn wind, which was prevalent at home, had almost reached storm force there.  At first I walked along the wonderful oak alley, which is said to be over 100 years old. I particularly enjoyed the fact that the trees were still bare. So one could admire their shape as well as the view over the lake. In summer the oaks offer welcome shade, but the view of the lake is limited. Not quite as funny were the signs warning of falling branches. Suspiciously, I kept looking up, but told myself that the recent storms had certainly brought down most of the dead wood.
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Nachdem ich Richtung Aussichtsturm abgebogen war, war ich alleine im Wald. Das erinnerte mich an meine Wanderungen auf dem Münchner Jakobsweg … Sehr wohltuend war es, die würzige Luft im Nadelwald einzuatmen. Der Pfad führte nur geringfügig ca. 80 m bergauf und ich  fühlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr. Der Weg verlief dann am Waldrand  und schon gab es den ersten wunderbaren Fernblick auf die Alpenkette.

After I had turned towards the observation tower, I was alone in the forest. This reminded me of my hikes on the Munich St. James‘ Way … It was very soothing to breathe in the spicy air of the coniferous forest. The path led only slightly uphill for about 80 m and I felt better than I had in a long time. The path then ran along the edge of the forest and there was already the first wonderful view of the Alps.

P1040731Der Ebersberger Aussichtsturm auf der Ludwigshöhe wurde im Jahr 1915 erbaut und sollte ursprünglich „Siegesturm“ heißen, aber das kam dann ja anders. Am Fuße des Turms beginnen die Erinnerungstafeln an im Weltkrieg gefallene Soldaten.

The Ebersberg observation tower on Ludwigshöhe was built  1915 and was originally supposed to be called „Siegesturm“ (victory tower), but that had to be changed. At the foot of the tower begin the commemorative plaques of soldiers who died in the world war.P1040735P1040736
Der Zugang zum Turm war mit der Begründung, dass im Winter nicht geräumt werde, gesperrt. Ich glaubte, dass ich die Turmbesteigung  bei 17 Grad Celsius risikieren konnte. Beim Auftauchen von Eisplatten, konnte ich immer noch umkehren. Gemeinsam mit einem Paar, dass sich den Ausblick ebenfalls nicht entgehen lassen wollte, kletterte ich über die niedrige Absperrung. Der Aufstieg war problemlos möglich. Als wir schwer schnaufend nach 169 Stufen oben ankamen war es ziemlich windig, aber der grandiose Fernblick über die Alpenkette von den Berchtesgadener Alpen bis hin zum Allgäu  entschädigte uns für die geringe Mühe.

The access to the tower was blocked on the grounds that it would not be cleared in winter. I believed that I could risk climbing the tower at 17 degrees Celsius. Should ice plates appear then, I could still turn back. Together with a couple, who also did not want to miss the view, I climbed over the low barrier. The ascent was possible without problems. When we arrived at the top after 169 steps panting heavily , it was quite windy, but the magnificent view over the Alps from the Berchtesgaden Alps to the Allgäu compensated for the little effort.P1040741P1040743P1040744Durch die Föhnwetterlage und die Telezoomansicht wirkte es tatsächlich so, als ob Ebersberg nicht 50 km Luftlinie entfernt von den Alpen liegt, sondern in unmittelbarer Nähe.
Nachdem ich das Panorama ausgiebig genossen hatte, ging ich die Stufen hinunter zur  Ebersberger Alm. Für eine Brotzeit war es mir noch zu früh, also folgte ich der „Heldenallee“ hinunter Richtung Eberberg. In der Allee befindet sich an jeder schönen alten Eiche eine Tafel mit dem Namen eines Gefallenen.

Due to the foehn weather conditions and the telezoom view, it actually seemed as if the  Ebersberg was not 50 km away from the Alps as the crow flies, but in the immediate vicinity.
After I had enjoyed the panorama extensively, I walked down the steps to the Ebersberger Alm. It was still too early for a snack, so I followed the „Heldenallee“ down towards Eberberg. In the alleyway there is a plaque with the name of a fallen man at each beautiful old oak tree.P1040749Am Uferweg spazierte ich entlang der Ebersberger Weiherkette zurück an den Egglsee.

On the shore path I walked along the Ebersberg pond chain back to the Egglsee.P1040754DSC_4276P1040759Während ich zum Auto zurück marschierte, bewunderte ich die rapide vorbeiziehenden Wolken. Das schnell wechselnde Licht verzauberte die Landschaft noch zusätzlich. Schließlich wirkte es so, als ob demnächst der Heilige Geist durch ein Wolkenloch hinabsteigen wollte. Das könnte die Welt gerade gut gebrauchen ! Sehr glücklich fuhr ich zurück nach Hause.

As I marched back to the car, I admired the rapidly passing clouds. The fast changing light enchanted the landscape even more. Finally,  it seemed as if the Holy Spirit was about to descend through a cloud hole. The world could use that right now ! Very happy I drove back home.
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Fazit:
Die kleine Wanderung von 5,5 km ist bei guter Sicht sehr zu empfehlen. Ratsam ist es auch, links herum um den Egglburger See zu laufen und dann zum Aussichtsturm abzubiegen, was die Strecke auf ca. 7 km verlängert. So kann man schöne Blicke auf den See genießen und Wasservögel, vor allem die laut kreischenden Möwen, bewundern. Unterwegs lohnt der Abzweig über Stufen zur kleinen Kirche St. Michael.
Die Wanderung bietet zwei Einkehrmöglichkeiten: in der Ebersberger Alm und im Gasthaus „Zur Gass“. Bei schönen Wetter kann es mit den Parkplätze an der Straße „Zur Gass“ knapp werden. Dann läuft vom Beginn der Straße entweder ca. 1 km bis zum See oder man startet die Wanderung am Klostersee (Parken habe ich dort noch nicht ausprobiert). Nicht weit ist auch von der S-Bahnstation in Ebersberg.

Habt ihr schon eine schöne Vorfrühlingswanderung unternommen und wie hat es euch gefallen ?
Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

Conclusion:
The short hike of 5.5 km is highly recommended in good visibility. It is also advisable to walk to the left around the Egglburger See and then turn off to the observation tower, which extends the distance to about 7 km. So you can enjoy beautiful views of the lake and admire water fowl, especially the loud screeching seagulls. On the way it is worthwhile to take the turnoff over steps to the small church St. Michael. The hike offers two places to stop for refreshments: in the Ebersberger Alm and in the inn „Zur Gass“. If the weather is fine, parking spaces at the street „Zur Gass“ can be scarce. Then either walk from the beginning of the road for about 1 km to the lake or start the hike at the Klostersee (I haven’t tried parking there yet). Not far is also the S-Bahn station in Ebersberg.

Have you already done a nice pre-spring hike and how did you like it ? Am always looking forward to your comments and likes.

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Finale auf dem Münchner Jakobsweg

Wollt ihr wissen, ob und wie ich es zum Ziel des Münchner Jakobswegs in Lindau geschafft habe ? Dann schaut mal hier.

8.10.2019 Scheidegg nach Hergensweiler (Lindau), ca. 12 km

Beim Frühstück fragte mich die Wirtin, ob ich bei diesem Sauwetter tatsächlich wandern wollte. Es schüttete und Dauerregen war angesagt. „Natürlich,“ entgegnete ich, „das ist meine letzte Etappe. Ich will den Jakobsweg bis Lindau schafften.“ Zunächst holte ich mir den Pilgerstempel in der Touristeninformation in Scheidegg. Wieder wurde ich gefragt, ob ich vorhatte,  im Starkregen  zu pilgern. Ziemlich zuversichtlich nickte ich. Die längste Strecke ging es bergab, 800 m hinunter vom Allgäu an den Bodensee. Auch würde es unterwegs Einkehrmöglichkeiten geben, wo ich  mich ausruhen und die Kleidung trocknen konnte.

Zunächst lief ich bergauf bis zur Gallus-Magnus-Kapelle, die neben einem schönen holzverkleideten Bauerhof lag. Die Kirche war geöffnet und ich stellte mich kurz unter.
Jakobsweg3 (179)Jakobsweg3 (180)An den Scheidegger Wasserfällen kam ich vorbei, aber der Zugang war wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Im strömenden Regen stieg ich weiter hinauf und erreichte die Wendelinskapelle.
Jakobsweg3 (182)
Von nun an ging es bergab, im übertragenen und im tatsächlichen Sinn. Der Camino führte fast nur über steile Schotterwege, die mir, da das Regenwasser den Berg hinablief und die Steine zum Teil unterspült hatte, nicht geheuer waren. Bei jedem Schritt musste ich aufpassen. Vor einem Sturz in der verlassenen Gegend fürchtete ich mich.  Es gab so viele Waldwege wie nie zuvor auf dem Münchner Jakobsweg. Nun freute ich mich über jedes asphaltierte Stück.
Jakobsweg3 (189)Das Gasthaus in Niederstaufen, war zu meinem Entsetzen geschlossen und eine weitere Einkehrmöglichkeit sah ich nicht. Wegen des schlechten Wetters waren auch keine Passanten unterwegs, die ich hätte fragen können. Natürlich hatte ich gehofft, im Trockenen relaxen zu können.

Hinter Niederstaufen folgte ich dem Flüsschen Leiblach, das ich  überquerte wie im Pilgerführer beschrieben. Als ich auf der Brücke stand, sah ich, dass sich die Leiblach nach  tagelangem Regen in ein reißendes Gewässer verwandelt hatte.

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Der Pilgerführer erläuterte den Weg nach der Brücke folgendermaßen: „… Diesem Weg folgen Sie, bis er Sie wieder zurück zu einer Brücke über einen Bach bringt …“  Am anderen Ufer stand ein Muschelzeichen, dem ich folgte. Kurz danach hatte sich der Weg in eine Schlammwüste verwandelt. Ich versuchte, über heruntergefallene Äste zu balancieren, rutschte aber vom nassen Holz herunter und blieb bei jedem Schritt im zähen Matsch stecken. Der Weg endete schließlich am Flussufer.  Ungläubig starrte ich in die trüben Fluten. Der Jakobsweg war an dieser Stelle wohl überschwemmt worden. „Es reicht !“ rief ich in den menschenleeren Wald. “ St. Jakobus, was soll das ?“ Beim Zurückgehen nahm ich einem abzweigenden Pfad, der mich aber nicht auf den richtigen Weg führte. Dazu kam, dass es im Wald keinerlei Unterstellmöglichkeiten gab. Vor dem Starkregen schützte das Blätterdach nicht. Schließlich folgte ich einem Asphaltsträßchen in Richtung Hergensweiler, wo ich den Radweg nach Sigmarszell nehmen und dort  auf den Jakobsweg zurückkehren wollte.
Beim ersten Bauernhof sah ich einen überdachten Grillplatz. Ich klingelte, um zu fragen, ob mich dort unterstellen durfte. Ein Fenster im Erdgeschoss war gekippt, aber es öffnete niemand. Nach kurzem Warten stellte ich meinen Rucksack auf dem überdachten Platz ab, setzte mich auf ein Mäuerchen und legte eine kleine Brotzeit ein.

In Hergensweiler waren einige Frauen unterwegs, die gerade ihre Kinder abgeholt hatten. Endlich Leute, die man nach dem Weg fragen konnte ! Hinter dem geschlossenen Gasthaus entdeckte ich den Radweg nach Sigmarszell. Auf dem Camino betrug die Entfernung von Niederstaufen nach Sigmarszell fünf Kilometer, von Hergensweiler waren es für Radfahrer noch mehr als zehn. Die Entfernung von Sigmarszell nach Lindau betrug weitere zehn Kilometer. Inzwischen war ich völlig durchnässt und wäre noch länger als drei Stunden unterwegs gewesen. Die Bushaltestelle fand ich ohne Probleme. Als ich sah, dass in wenigen Minuten ein Bus nach Lindau ging, entschied ich mich schweren Herzens für die Busfahrt.Jakobsweg3 (197)Den Bodensee sah ich zum ersten Mal an einer roten Ampel in  Lindau-Rehlein. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich war ziemlich enttäuscht.

Der Bus fuhr nicht zur Insel Lindau, auf der die Altstadt liegt, sondern zum Berliner Platz. Der Platz mit seinem riesigen Kreisverkehr bildet einen Verkehrsknotenpunkt. Im  Jahr 2017 hatte mich der Flixbus dort abgesetzt. Beim Aussteigen hatte ich das Hotel, das direkt am Platz lag,  gesehen und gedacht. „Was für eine schreckliche Lage!“ Nun war mir alles recht, um die nassen Klamotten loszuwerden. Ich bekam sogar ein Zimmer zum Hof, das für eine Nacht ausreichend konfortabel und ruhig war. Dort breitete ich meine Kleidung zum Trocknen aus und zog mich um. Im Einkaufszentrum gegenüber regenerierte ich mich bei Kaffee und Kuchen. Danach holte ich mir auf der Insel die letzten Pilgerstempel, in der Touristeninformation und im Münster Unserer lieben Frau, wo ich mich in die Marienkapelle setzte, um über meine Pilgerwanderung nachzudenken. Obwohl ich traurig war, dass ich den Weg nicht bis zum Ende zu Fuß zurücklegen konnte, war ich doch ein bisschen stolz , dass ich es trotz des schlechten Wetters so weit geschafft hatte. Viele der wunderbaren Landschaftspanoramen und auch die anstrengenden Erlebnisse würde ich nicht so schnell vergessen. Beim Gehen hatte ich sehr intensive Eindrücke gewonnen. Ich hatte erlebt, was Goethe meinte: „Nur wo zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.“
Jakobsweg3 (201)Jakobsweg3 (202)Jakobsweg3 (204)
Lindau hatte ich bisher nur im Sommer besucht, als es von Besuchern nur so wimmelte. Nun wirkte die Altstadt wie ausgestorben. Die Cafés waren aber geöffnet. Dorthin waren die Touristen vor dem Regen geflüchtet. Eine wunderbare Pause verbrachte ich im urigen Buchcafé, wo ich nicht zum Lesen kam, weil ich mich sehr nett mit einem älteren englischen Ehepaar unterhielt.
Jakobsweg3 (200)Jakobsweg3 (210)Jakobsweg3 (209)
Danach spazierte ich am Bodenseeufer entlang zurück zu meiner Unterkunft. Es hatte endlich aufgehört zu regnen und zwischendurch schien sogar die Sonne.
Jakobsweg3 (214)

10.10.2019 Rückfahrt nach München

Mit dem Rucksack lief ich am nächsten Morgen zum Lindauer Hafen und  beendete dort (fast regulär) meine Pilgerreise auf dem Münchner Jakobsweg.
Jakobsweg3 (220)Dann nahm ich den nächsten Zug nach München. Von den 290 km des Münchner Jakobswegs hatte ich 260 km zu Fuß zurückgelegt. Die ausgelassene Strecke von 20 km am Westufer des Ammersees werde ich in einer Tageswanderung nachholen. Auf dem  Camino hatte ich 15 Tage verbracht, die Bahn brauchte für die ähnlich verlaufende Strecke gerade einmal drei Stunden.

Unterwegs sah ich das Wegstück, auf dem ich drei Tage vorher nach Stiefenhofen gelaufen war
https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/12/29/auf-dem-muenchner-jakobsweg-10/  .
Jakobsweg3 (223)

Fazit:
Der Münchner Jakobsweg verläuft zu einem großen Teil auf Asphalt oder Schotterwegen. Lange Strecken führen durch landwirtschaftlich geprägte Gegenden mit schönen Bauernhöfen und Begegnungen mit putzigen neugierigen Kälbchen. Unterwegs gibt es immer wieder prächtige Barockkirchen und liebvoll ausgestattete Kapellen zu bestaunen. Bei klarem Wetter kann der Pilger traumhafte Bergpanoramen genießen.
Für mich war die Strecke mit Gepäck anstrengend genug. Vor allem im Allgäu ging es ständig auf und ab. Wer fitter ist, kann die Etappen verlängern und den Weg in kürzerer Zeit zurücklegen.
Nicht gefallen hat mir, dass ich nur am 1. und 2. Tag eine  Pilgergruppe getroffen habe. Den Caminospirit, der im  Austausch mit anderen Pilgern entsteht, habe ich leider nicht erlebt.
Es würde mich reizen, den Weg in Lindau fortzusetzen. Von Lindau fährt ein Schiff nach Rorschach, wo einer der  Schweizer Jakobswege beginnt. Gehört habe ich aber, dass auch auf diesem Camino nur wenige Pilger unterwegs sind. Vielleicht gehe ich dann doch auf dem Camino portugues oder frances weiter. Schaun‘ mer mal  …

Wart ihr schon auf einem Fernwanderweg unterwegs, den ihr nicht wie vorgesehen geschafft habt ? Und hat es euch trotzdem gefallen ?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

 

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (11)

8.10.2019 – Von Stiefenhofen  nach Scheidegg, ca. 20 km

Nun lässt es der Camino richtig krachen! Auf dem Münchner Jakobsweg  bin ich im Oktober mehrmals völlig  durchnässt worden.  Die Einkehrmöglichkeiten waren ein Trauerspiel: an mehreren Tagen gab es überhaupt nichts. Aber heute ist es nur stark bewölkt, dazwischen gibt es etwas Sonne, ab und zu fallen ein paar Tropfen, die kein Regenzeug erfordern, und in den Wolken entdecke ich einen zarten Regenbogen.
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Und das ist die Krönung: Ich sitze in Börser-Scheidegg in einem Café bei Latte Macchiato und einer köstlichen herb-süßen Biskuitrolle mit Schwarzer-Johannisbeer-Sahne. Die Gaststube ist im Stil der 60er Jahre eingerichtet. Am Nebentisch spielen drei ältere Damen Doppelkopf und fluchen dabei lautstark im Dialekt wie Pferdekutscher. Die freundliche Wirtin spricht mich tatsächlich an und und fragt, ob ich auf dem Jakobsweg pilgere und wie weit ich schon gelaufen bin. Toll, dass sich mal jemand interessiert! Ich erzähle ihr, dass ich schon sehr lange keine Jakobspilger mehr getroffen habe. Doch es gäbe sie schon, sie sehe einige pro Tag, aber nur wenige in dieser Jahreszeit.  „Wie weit ist es noch nach Scheidegg ?“ frage ich. Sie entgegnet, dass sie „auf Scheidegg“ bis zur Schule in 30 Minuten läuft.  Gut regeneriert breche ich auf, mein heutiges Ziel habe ich fast erreicht.
Jakobsweg3 (169)Morgens in Stiefenhofen hatte ich meinen inneren Schweinehund besiegt, indem ich keine Abkürzung wählte, sondern direkt zum Jakobsweg zurückging. Am Vortag hatte ich mir die spätgotische Kapelle in Zell gespart, um schneller zu meiner Unterkunft in Stiefenhofen zu kommen Auf dem Münchner Jakobsweg (10)
Nun fühlte ich mich gut ausgeruht und wollte ich nicht auch noch auf die Kirche St. Stephan in Genhofen bei Oberstaufen verzichten, wo es interessante Wandmalereien aus dem 16./17.Jahrhundert zu bewundern geben sollte. Das Sträßchen nach Genhofen führte durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend und war überhaupt nicht befahren. Auch die Bewohner waren nirgends zu sehen. Allerdings begleiteten mich ihre guten Wünsche.
Jakobsweg3 (127)Jakobsweg3 (130)Von weitem sah ich mit Bestürzung, dass die Kapelle von Genhofen vollkommen eingerüstet war. Beim Näherkommen entdeckte ich, dass die Kirchentüre offen stand.  Vorsichtig trat ich ins Kircheninnere. Die Handwerker, die an der Außenfassade arbeiteten,  hinderten mich nicht daran, womit ich eigentlich gerechnet hatte. Der Innenraum des Gotteshauses  schien völlig ausgeräumt zu sein. Durch eine Tür in einer Stoffabdeckung gelangte ich in die Apsis, wo ich den wunderschönen Hauptaltar aus dem 16. Jahrhundert mit Figuren der Muttergottes und von Heiligen bewunderte.  Im Pilgerführer stand, dass sich der Pilgerstempel hinter dem Altar im Beichtstuhl befände. Dieser stand tatsächlich noch dort, aber einen Stempel fand ich nicht. Aber die interessanten spätgotischen Fresken mit Wappen, Jagdszenen, Sonnenkreuzen und  vorchristliche Kultzeichen und Symbolen konnte ich bewundern.

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Draußen sah ich kein Wegzeichen. Es befand sich wahrscheinlich hinter dem Gerüst. Daher fragte ich die Arbeiter, die freundlich antworteten und die es nicht zu kümmern schien, dass ich in der Baustelle herum lief.
Der Weg führte durch ein Sägewerk, das verlassen schien. Dann kam ich zu einem Bauernhof. Davor stand ein Bauersfrau, die, bevor ich gefragt hatte, die Richtung zeigte und  „Da lang!“ rief.
Im nächsten Ort Hopfen setzte sich das fort. Als ich vor der  Kapelle St. Martin stand, kam sofort der Anwohner mit dem Schlüssel angelaufen. Auch einen Stempel gab es.
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Im Käselädele von Hopfen wurde eine aromatisch duftende Käseauswahl angeboten. Leider konnte ich nicht richtig zuschlagen, weil ich mit dem Rucksack unterwegs war. Also kaufte ich nur ein kleines Stück Allgäuer Emmentaler für meine nächste Brotzeit. Eine Einkehrmöglichkeit gab es nicht im Lädele. Ich bestellte frische Buttermilch, das einzige angebotene Getränk,  und setzte mich damit auf die Bank vor dem Geschäft. Die Milch war lauwarm und schmeckte anders als die aus dem Supermarkt. Nicht schlecht, aber doch gewöhnungsbedürftig. Nun ja, wenigstens würde mir das Kraft für die Wanderung geben, dachte ich.  Nach kurzer Zeit wurde es mir allerdings schlecht. Es ging aber schnell wieder vorbei.
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In Simmerberg kam ich um die Mittagszeit an. Nach einem kleinen Rundgang legte  ich eine Mittagspause im  Brauereigasthof ein. In der urigen Gaststube konnte man sogar beim Bierbrauen zuschauen. Mittags eine volle Mahlzeit zu essen, war ich nicht mehr gewohnt. Eigentlich wollte ich mir nur einen Snack bestellen, aber das gab die Speisekarte, die österreichisch beeinflußt war, nicht her. Das Backhendl mit Salat und Kürbiskernöl fand ich lecker, aber es gab zu viel paniertes Fleisch für meinen Geschmack.
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Hinter dem Ort folgte der Weg lange kleinen Straßen und führte auch ein kleines Stück an der B 308 entlang. „Na super,“ dachte ich und überlegte, ob ich wieder einmal ein bißchen fluchen sollte. Hinter dem nächsten Ort Hasenried ging es dann sehr steil hinunter, teilweise auf einem rutschig gerölligen Waldpfad. Das war garnicht mein Ding und ich fragte mich, worüber ich mich eigentlich vorher aufgeregt hatte.
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Kurz danach lief es sich sehr lauschig immer am Bach entlang bis nach Weiler. Der Camino bot mir gerade viele neue Eindrücke. Die Einkehrmöglichkeiten in dem  hübschen Ort  ließ ich links liegen, hatte überhaupt keinen Hunger.
Jakobsweg3 (162)Jakobsweg3 (160)Jakobsweg3 (163)Dann lief ich über Ortsteile von Weiler hinauf zur Altenburg. Als es nun zum ersten Mal an diesem Tag richtig bergauf ging, merkte ich, dass ich doch nicht so fit wie gedacht war. Außerdem begann es gerade zu tröpfeln, so dass ich schneller aufstieg und dadurch erst recht zu schnaufen begann. Die Ruine Altenburg fand ich zuerst nicht, obwohl ein kleiner Pfad ausgeschildert war. Viel zu sehen gab es nicht, die Steine der verfallenen Burg waren größtenteils für den Kirchenbau verwendet worden. Im schattigen Wald erzeugten die von der Vegetation fast überwuchterten Steinhaufen eine fast verwunschene Atmosphäre. 
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Weiter ging es, immer schön bergauf, nach Börserscheidegg, wo ich eine sehr angenehme Kaffeepause verbrachte (s.o.). Als ich aus dem Lokal trat, schien die Sonne. Es gab schöne Alpenblicke und mit ein bisschen Phantasie konnte man den nähergerückten Bodensee ahnen.Jakobsweg3 (166)Jakobsweg3 (170)

Das Höhenprofil im Pilgerführer hätte mich warnen sollen …   Auf den letzten fünf Kilometern  musste ich immer wieder aufsteigen, auch noch innerhalb von Scheidegg und zwar bis zu der von der Wirtin in Börserscheidegg erwähnten Schule. Für die Strecke brauchte ich viel länger als eine halbe Stunde. Um das zu schaffen, darf man nicht mit Rucksack gehen und eine stundenlange Wanderung sollte man auch nicht hinter sich haben. Oder man läuft wie die Einheimischen schon ein ganzes Leben lang auf solchen bergigen Wegen.
In Scheidegg schaute ich mir die Kirche an und ging dann zu meiner Unterkunft, die dankenswerterweise direkt gegenüberlag.
Was für ein abwechselungsreicher vorletzter Tag auf dem Münchner Jakobsweg !

Wie geht es euch beim Wandern auf Fernwegen, lauft ihr lieber bergauf oder bergab ?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

Wollt ihr wissen, ob ich es bis Lindau geschafft hebe, dann schaut mal hier nach :

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2020/02/03/finale-auf-dem-muenchner-jakobsweg/

Auf dem Münchner Jakobsweg (10)

7.10.2019  Von Weitnau nach Stiefenhofen, ca. 20 Km

„Nein, nicht schon wieder ! “ rufe ich laut in den menschenleeren Wald hinein. Der Pilgerführer hat mir prophezeit, dass es heute immer nach Erreichen einer „Ansteigung“ sofort wieder bergab geht. Leider allzu wahr ! Obwohl ca. 800 Höhenmeter zu bewältigen sind, liegen der Start und das Ziel der heutigen Etappe auf gleicher Höhe. Gestern  habe ich mich noch beklagt, dass der Wegverlauf und das Wetter eintönig  waren. Das ist heute überhaupt nicht der Fall! Auch das Wetter bietet mir viel Abwechslung. Vom Platzregen, über Nebel und Sonne ist alles dabei. „ Camino provides“? Aber dabei geht es doch um nur Positives, oder ? Heute handelt es sich eher um eine wilde Mischung.

Als ich morgens in Weitnau startete, sah ich einige Löcher in der Wolkendecke und freute mich auf besseres Wetter. Nach knapp 20 Minuten fing es an zu nieseln. Auf einer Bank auf einer Lichtung  zog ich mein Regenzeug an. Währenddessen begann es richtig zu schütten und ich wurde beim Umziehen ziemlich nass. Nach einer kurzen Strecke durch den Wald stellte ich mich bei einer großen Schutzhütte unter. Also doch, „Camino provides“ !

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Dort fror ich ziemlich schnell. Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, ging ich schnell weiter. Nun begann der im Pilgerbuch angekündigte Wechsel zwischen Bergauf- und Bergablaufen. Dann musste ich auch noch einen steilen Matschweg hinunterschlittern. Als ich mich gerade bitterlich beklagen wollte, weil ich das überhaupt nicht schätze, schien plötzlich wieder die Sonne. Nebelfetzen, die in den Baumkronen hingen, stiegen sehr fotogen nach oben.
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Vom nächsten Ort Williams erhoffte ich mir eine gemütliche Einkehr. Zwar wusste ich schon, dass das beste Restaurant Ruhetag hatte, aber da würde es bestimmt noch eine andere Möglichkeit geben. An einigen Skiliften kam ich vorbei und sah dort auch Restaurants. Wie die Lifte waren die Gaststätten leider außerhalb der Saison geschlossen. Auch meine Nachfrage bei Einheimischen brachte nichts. In einem anderen Ortsteil, der kilometerweit entfernt war, gab es wohl etwas aber in Williams nicht.
Eine freundliche Bäurin konnte mir auch nicht helfen, aber sie zeigte mir, wo der Jakobsweg wieder aus dem Dorf hinausführte. Leider war auch die Kapelle von Williams geschlossen, so dass ich keinen Pilgerstempel bekam.
Hinter dem Ort ging es zunächst bergab und dann ca. 1 km steil bergauf nach Aigis. Auch hier gab es keine Einkehrmöglichkeit und der Ort war wie ausgestorben. Vor einem Aussiedlerhof befand sich ein idyllischer Picknickplatz mit Holztisch und Bänken. Dort ließ ich mich nieder und packte meine Brotzeit aus. Neben der Bank lag ein kleiner Gedenkstein für ein verstorbenes Ehepaar mit der Aufschrift „Zu Hause waren sie in ihren geliebten Bergen“ . Als ich den Stein betrachtete und mir überlegte, ob es sich wohl um langjährige Feriengäste gehandelt hatte, sah ich die darauf fallenden Regentropfen. Fluchend legte ich mein Raingear wieder an. Meine Brotzeit nahm ich auf die Hand und flüchtete in den Wald. Der Camino machte mir mal wieder keinen Spaß !

Im Wald war niemand unterwegs und das sollte stundenlang so bleiben. Einige Male fehlte die Beschilderung an den Abzweigungen. Mir grauste davor, dass ich mich verirren könnte. Das Handynetz hatte sich passenderweise auch gerade wieder verabschiedet.Wer würde mich finden, wenn ich mich verletzte ?  Dem Rat des Pilgerbuchs folgend, dass man sich auf dieser Strecke an Weggabelungen immer links halten solle, fand ich den Weg. Bis Geratsried ging es wieder munter, teilweise steil, bergauf und gleich wieder bergab . Dort stand ich erneut vor einer geschlossenen Kapelle.
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Hinter dem Ort musste ich noch einmal steil bergauf gehen. Japsend erreichte ich einen großen Bauernhof. Wieder war keine Menschenseele zu sehen. Dann kam ich an eine Weide mit Kälbern. Die Tiere kamen sofort angallopiert und folgten mir soweit die Wiese am Weg entlang führte.
P1040376Diese nette Begegnung baute mich auf . Dann kam auch noch die Sonne heraus. Schließlich entdeckte ich eine sonnige Bank auf einer Anhöhe mit einer wunderbaren Aussicht auf leuchtend grüne Allgäuweiden. Dort setzte ich meine Brotzeit fort und  die Welt war wieder in Ordnung.
P1040380Obwohl es von nun an bergab ging, entschied ich mich für die Abkürzung nach Stiefenhofen, wo ich meine Unterkunft gebucht hatte. Dabei ließ ich die gotische Kapelle in Zell aus.  Schon wieder kein Stempel ! Aber nach meinen Erfahrungen im Allgäu war ich mir nicht sicher, ob die Kirche geöffnet sein würde. Auf dem Allgäu Radweg lief ich bis Stiefenhofen, das fast drei Kilometer vom Jakobsweg entfernt liegt. Der Weg folgte der Bahnstrecke von Lindau nach München und einmal fuhr ein Zug vorbei. Ansonsten handelte es sich um eine sehr schöne Strecke am Bach, die ich bei schönstem Sonnenschein zurücklegte.
Nur der letzte Kilometer nach Stiefenhofen verlangte mir Einiges ab. Es ging noch einmal richtig steil nach oben.
Als ich ziemlich erledigt im Hotel ankam, fragte mich der Gastwirt, wie weit ich gegangen war und wie lange ich gebraucht hatte (sechs Stunden plus Pausen) und meinte dann, soo lange würde er nicht brauchen (!).
Bei einem sehr schmackhaften Abendessen in der gemütlichen und gut besuchten Gastwirtschaft erholte ich mich von den Strapazen. An meinem Tisch unterhielt ich mich mit zwei Frauen. Die eine besuchte ihre Freundin, die in der Nähe wohnte, und sie wollte am nächsten Tag zunächst Richtung Lindau pilgern und dann über den Jakobsweg zurück in den heimatlichen Schwarzwald. Schade, dass ich die nette Frau auf dem Weg nicht wieder getroffen habe.

Wart ihr schon einmal alleine auf einem Fernwanderweg unterwegs und wie ging es euch ?
Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich immer sehr.

Unso ging es weiter :

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2020/01/19/auf-dem-muenchner-jakobsweg-11/

 

 

 

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (9)

 Von Eschach und Buchenberg nach Weitnau, ca 20 km

Als ich morgens aus dem Fenster meiner Bauerstube schaute, war alles in dichten Nebel gehüllt. Der grandiose Panoramablick war mir nicht gegönnt.
Die Bäuerin hatte mir das Frühstück bereit gestellt, das ich ohne großen Appetit aß, eher pflichtschuldig, weil ich die Energie brauchen würde. Auch ein Brot für unterwegs schmierte ich, weil es wieder keinerlei Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke geben würde.  Es stand nicht fest, wie lange das Wetter halten würde. Immerhin regnete es gerade nicht, das musste ich ausnutzen. So brach ich ziemlich früh auf. Die anderen Gäste standen gerade erst auf. Ob sich dabei um Pilger oder um „normale“ Feriengäste handelte, würde ich nicht mehr erfahren. Meine Hoffnung in Pilgerunterkünften andere Pelegrinos zu treffen, hatte sich nicht erfüllt.

Zunächst musste ich zurück nach Buchenberg laufen. Die nette Bäuerin bot mir an, mich zu fahren, was ich dankend ablehnte. Sie kam gerade aus dem Stall und hatte noch nicht gefrühstückt. Der Bauer wollte mich auf eine Abkürzung schicken, die mich nicht zurück nach Buchenberg geführt hätte. Nachdem ich entdeckt hatte, dass es sich um ein Stück des Augsburger Jakobswegs handelte, lehnte ich ab. Das Verlassen „meines“ Caminos kam nicht in Frage. Nun ging ich auf dem Radweg an der Straße entlang recht angenehm leicht bergab. Der Nebel hing in Fetzen tief in den Bäumen. Am frühen Sonntagmorgen herrschte eine friedlich verwunschene Stimmung. An einer Weide vorbeigehend wollte ich eigentlich nicht schon stehenbleiben. Dann kam eine Horde neugieriger Kälbchen herangestürmt. Die Tiere tollten ganz herzallerliebst herum.  Auch als sie schon am Zaun standen, sprangen einige noch übermütig in die Luft. Wie froh war ich, dass ich das Angebot der  Bäuerin nicht angenommen hatte! So sorgte ich für Abwechselung im Rinderalltag und durfte mich über die Kleinen freuen. Mein auf dem ersten Teil des Jakobsweges gefasster Vorsatz (bis heute eingehalten), kein Kalbfleisch mehr zu essen, wurde noch einmal gefestigt.
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Von Buchenberg führte ein Schotterweg ziemlich gerade und eben fünf Kilometer durch einen schönen Mischwald. Auf dieser Strecke begegnete mir nur ein Paar, das seinen Hund ausführte.
P1040323Schließlich kam ich an die Kreuzung, an der ich mich entscheiden musste. Eine Wegvariante führte steil hinauf über Rechtis auf den Sonneckgrat. Dort entlang wandernd sollte man fünf Kilometer lang  sehr schöne Aussichten genießen können. Sodann ging es laut Pilgerbuch „steil bergab in den hübschen Ort (Weitnau)“. Die andere Variante führte über den Radweg nach Weitnau weitgehend eben aber 11 km lang geradeaus auf einem Schotterweg. Das würde sich ziehen. Andererseits war es immer noch sehr diesig. Die Aussicht fiel ohnehin flach. Außerdem riet das Buch, bei schlechtem Wetter, nicht über das Sonneck zu gehen. Trüb wie es war, konnte es jederzeit  zu regnen beginnen. Auf Rutschpartien beim Bergabgehen hatte ich überhaupt keine Lust, also beschloss ich, den Radweg zu nehmen.
Der Weg verlief zunächst durch die Hochmoore Breitenmoos und Schönleitenmoos. Auf einer Bank machte ich es mir kurz bequem und stärkte mich.
P1040328P1040330Kurz danach gab es sogar etwas zu entdecken, die Wasserscheide. Ohne das Schild, das schon bessere Tage gesehen hatte, hätte ich allerdings nicht erkennen können, dass es sich dort entscheidet, ob ein Wassertropfen Richtung Rhein oder Donau fließt.
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Nun näherte ich mich der B 12. Nach der langen Ruhe im Wald kam mir der stetig brausende Autoverkehr extrem laut vor.  Der Weg führte an der Bundesstraße nur kurz entlang, dann ging es durch eine Unterführung  auf die andere Seite. Schließlich befand ich mich so weit entfernt, dass ich die Straße zwar manchmal sah aber nicht mehr hörte.

P1040333Den Sonneckgrat konnte ich auf der anderen Seite der B 12 gerade noch erkennen. Dichte Nebelschwaden hingen dort fest. Eine Aussicht hätte ich da oben nicht gehabt und wäre vermutlich recht ungemütlich unterwegs gewesen. Von meinem Radweg konnte ich immerhin die nächsten Hügel auf der andere Talseite erkennen. Eigentlich verlief die Strecke durch eine schöne Berg- und Weidenlandschaft, aber dass es überhaupt kein Lokal gab, auch nicht in einem der Dörfer, die nicht weit vom Weg entfernt lagen, fand ich seltsam. Wenn es nicht gerade schüttet, habe ich kein Problem damit, mein mitgebrachtes Essen draußen zu verspeisen. Dumm ist aber, dass ich ohne Einkehrmöglichkeiten auf einer Wanderung kiloweise Wasser mitschleppen muss. Das machte mir nun zu schaffen. Das Gewicht des Rucksacks zerrte schwer an meinen Nackenmuskeln. Ich versuchte alles Mögliche, verstellte Hüft- und Schultergurte  und legte Trinkpausen mit Lockerungsübungen ein, auch um das Gewicht zu reduzieren. Nichts half wirklich, auch nicht, dass ich mir sagte, dass sei doch ein Luxusproblem. Immerhin hatte ich auf dem Weg noch keinerlei Rückenprobleme gehabt. Auch mit Blasen an den Füßen hatte ich überhaupt nicht zu kämpfen.
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Nach ungefähr zwei Stunden auf der schnurgeraden Strecke kamen mir immer mehr Radler und Spaziergänger entgegen. Nun konnte es nicht mehr weit bis zum Ziel sein. Das war gut so, denn kurz vor Weitnau begann es zu nieseln. Gottlob blieb es dabei und ich beendete die Etappe im Unterschied zum Vortrag  Auf dem Münchner Jakobsweg (8) ziemlich trocken.
In Weitnau holte ich mir den Pilgerstempel in der neugotischen Kirche St. Pelagius und ging dann zu meiner Unterkunft. Endlich wieder im Hotel !
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Seid Ihr schon eine längere Strecke auf einem eher langweiligen Weg gewandert ? Und wie habt ihr es erlebt ?

Über eure Likes und Kommentare freue ich mich immer sehr.

Und so ging es weiter:

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/12/29/auf-dem-muenchner-jakobsweg-10/

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (7)

Fortsetzung des Münchner Jakobswegs im Oktober 2019

2. Etappe von Geisenried nach Kempten, ca. 25 km

Eben habe ich mich noch über ein herrliches Alpenpanorama gefreut und nun, nur eine knappe Stunde später, stehe ich am Rand des Kemptner Waldes, buchstäblich alleine auf weiter Flur und ratlos. Von meinem Weg zweigt ein anderer ab, aber eine Beschilderung finde ich nicht. Wenn es kein Schild gibt, bleibe ich normalerweise auf dem Weg .

Aus den Aktualisierungen zum Pilgerbuch habe ich mir eine Beschreibung von zwei kritischen Punkten ausgedruckt. Ich zitiere “ (Seite) 126, nach Oberthingau: Hier ist an einem Dreiweg mitten im Kempter Wald kein Schild angebracht. Der falsche Weg verliert sich nach einigen hundert Metern in einem Moos. Hier bräuchte es an folgenden zwei Stellen dringend ein Schild bzw. einen Hinweis im Buch. Die beiden neuralgischen Punkte befinden sich an folgender Stelle: (es folgen GPS Koordinaten)Unklar war mir, wie man sich an den beiden „neuralgischen „Punkten verhalten sollte. Nachdem ich zu Hause meinen ausgedruckten GPS-Track gecheckt habe, meine ich, dass ich zweimal rechts abbiegen muss. An der ersten Stelle bin ich wohl schon vorbei. Dort war der Weg,  wenn auch etwas versteckt, ausgeschildert. Sicher bin ich mir nicht, ob ich mich nun am zweiten Ort befinde. Ich schaue bei Google Maps nach und nach dem GPX Track von outdooractive. Fehlanzeige: kein GPS und kein Telefonnetz !

Durch den Kemptner Wald verläuft der Jakobsweg  18 km lang ohne Orte und ohne Einkehrmöglichkeiten. Im Pilgerführer steht,  dass es im Wald lange, immer gerade Strecken gäbe, die psychische Widerstandskraft erforderten, da man das Gefühl haben könne, nicht vorwärts zu kommen. Auch könne es wochentags recht einsam werden. Tatsächlich bin ich heute, seit ich Oberthingau verlassen habe, noch keinem Menschen begegnet. Nur ein paar Kühe von der nahen Weide schauten mir leise schnaubend und interessiert zu,  wie ich mit dem Buch, der Karte und dem Smartphone hantiere. Daher kann nicht darauf hoffen, dass gleich jemand vorbei kommt, den ich nach dem Weg fragen kann.

Immerhin muss ich heute die längste Etappe bewältigen und will mich auf keinen Fall verlaufen, wie es einigen Pilgern hier wohl schon passiert ist. Das darf einfach nicht geschehen. Ich atme mehrmals tief ein und aus. Die frische Waldluft tut mir gut und beruhigt die Nerven. Der Weg, der gerade aus führt, scheint im Bogen in die Richtung zu gehen, aus der ich gerade gekommen war. Derjenige der nach rechts abzweigt, führt in einiger Entfernung über einen schmalen Bach. Ich sehe einen dünnen blauen Strich auf der Karte.  Es kann sich doch um den richtigen Weg handeln. Nun nehme ich die Abzweigung und was sehe ich, als ich den Bach überquere ? Ein neues Jakobswegzeichen, die sog. Schwabenmuschel, nur ganz schwach zu erkennen (Das Foto habe ich so bearbeitet, dass ihr das Muschelzeichen sehen könnt. So deutlich war es in der Realität nicht zu erkennen.) Kurz danach ist der Jakobsweg wieder deutlich ausgeschildert. Uff, geschafft !

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Um 8:30 Uhr war ich mit Proviant und vollen Wasserflaschen von Geisenried aufgebrochen. Gespannt war ich auf diese lange Tour und auch ein bisschen besorgt. Was sollte ich tun, wenn mich auf der langen Waldstrecke die Kräfte verließen oder ich mich verletzte ?

Nachmittags war Regen angesagt. Als ich aufbrach, war es zwar kalt, aber angenehm zum Laufen und einen (letzten) wunderschönen Alpenblick gab es auch. Bei schönem Sommerwetter war die Sicht auf die Berge nicht so schön gewesen, sondern eher diesig.P1040265Ich passierte zwei Dörfer, Osterberg und Oberthingau, und wollte eigentlich noch einmal einkehren, bevor ich in den Kemptner Wald ging. Aber am frühen Vormittag hatte noch kein Gasthaus geöffnet. In Oberthingau füllte mir eine sehr nette Frau noch meine Wasserflaschen, so dass ich gut ausgestattet weiterziehen konnte. Im Wald legte ich dann eine Brotzeit in einer Schutzhütte ein, die direkt an einer Kuhweide stand. An dem abgelegenen Ort am Waldrand wäre es eigentlich sehr ruhig gewesen. Allerdings läuteten die Kuhglocken fast schon ohrenbetäubend.

Nachdem ich mein oben beschriebenes Orientierungsproblem gelöst hatte, begab ich mich in den „gefürchteten“ Kemptner Wald. Stimmt, es war dort oft ziemlich monoton. Kilometerlange schnurgerade Wege, die durch Nadelholzmonokulturen führten und auch noch stetig anstiegen, herrschten vor. Auch lief man ständig über nicht endenwollende Schotterwege. Aber ich war vorbereitet und fand es nicht so DSC_3907Nachdem ich  fast vier Stunden gewandert war, erreichte ich die Kemptner Waldkapelle. Die letzten hundert Meter legte ich im Laufschritt zurück. Der Regen hatte begonnen, so dass ich mich regelrecht in die Kirche flüchtete. Dort zog ich den Regenschutz über den Rucksack und meine Regenhose an.
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Es regnete nur leicht, als ich weiter zum Dengelstein ging, hörte allerdings während der Wanderung auch nicht mehr auf. Nach der Kapelle musste ich noch etwas aufsteigen, dann war der höchste Punkt mit ca. 950 Meter erreicht.
Der Dengelstein gehört mit einer Höhe von über acht Metern zu den größten noch erhaltenen Findlingen des Kemptner Waldes. Während der Eiszeit wurde er vor etwa 18.000 Jahren durch den Illergletscher bis zu seinem jetzigen Standort transportiert. Es wird vermutet, dass er sowohl als heidnische Kultstätte als auch als Gerichtsstätte diente. So groß und mächtig hatte ich mir den Findling nicht vorgestellt. Auch fand ich den Ort  bei dem trüben Regenwetter geradezu unheimlich.
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Weiter ging es bei stetig rauschendem Regen bergab Richtung Kempten. Am Bachtelweiher in der Nähe der Stadt  konnte ich endlich einkehren. Nachdem ich mein nasses Zeug im Vorraum deponiert hatte, ließ ich es mir bei Latte Macchiato und Kuchen gut gehen. Köstlich, wie der Kaffee duftete ! Zum Frühstück hatte ich so etwas Gutes nicht bekommen und natürlich auch nicht unterwegs.

Der Weg durch die Kemptner Vorstadt wollte dann doch kein Ende nehmen. Nachdem ich die St. Mang Brücke zur Altstadt überquert hatte, galt es mein Privatquartier zu finden. Ziemlich bald verabschiedete sich Google Maps. Ratlos stand ich am Kemptner Residenzplatz für dessen Schönheit ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Blick hatte. Nachdem ich meine Vermieterin zweimal angerufen und um eine Wegbeschreibung gebeten hatte, gelang es mir das Haus zu finden, wo ich nach fast neun Stunden Wanderzeit erschöpft eintrudelte.
H. hatte  mir schon ein Whats App geschickt „Lebst du noch ?“, das ich mit  „Ja, so gerade noch…“ beantwortete.

Abends musste ich dann noch einmal hinaus in den Regen, hatte es aber nicht weit zur Altstadt und konnte dort gemütlich essen gehen. Ein bisschen stolz war ich schon, dass ich die lange Strecke geschafft hatte. Die nächste Etappe würde viel kürzer sein, allerdings war wieder Regenwetter angesagt.

Wart Ihr schon im Dauerregen wandern und wie fandet ihr es ?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

Wollt ihr wissen, wie es mir auf der Wanderung am Vortag erging, dann schaut doch mal hier  Auf dem Münchner Jakobsweg (6)

und so ging es weiter

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/11/04/auf-dem-muenchner-jakobsweg-8/