Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #8

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Von Buochs nach Flüeli-Ranft

Als ich morgens aus dem Fenster sah, regnete es. Na super ! Bis zu meinem Aufbruch um 9 Uhr hatte es zwar aufgehört, es war aber noch stark bewölkt. Eigentlich das gleiche Wetter wie am Vortag auf meiner Etappe nach Buochs, trüb aber trocken.

Mir stand eine längere Strecke bevor, aber ich dachte, dass ich alle Zeit der Welt hätte. Kurz nach meinem Aufbruch stand ich vor der Sebastianskapelle, dann ein kleines Stück weiter gelangte ich zur Kirche St. Martin, nur einige Hundert Meter weiter folgte schon die Obgasskapelle. Alle Kirchen suchte ich auf, fotografierte und schaute nach dem Pilgerstempel. Im Nu war eine Stunde vergangen und ich befand mich noch am Ortsrand von Buochs.

Es klarte nun zunehmend auf, und erste Bergspitzen waren zu sehen. Nach einem kurzen Aufstieg schaute ich noch einmal zurück auf den Ort und den Vierwaldstätter See. Unter der Autobahn führte der Weg hindurch, dann entfernte ich mich immer weiter von der Hauptverkehrstraße.

Es ging nun recht steil bergan auf einem kleinen Sträßchen. Bald gelangte ich zur Loretto Kapelle in Ennerberg, die mir sehr gut gefiel. Nach einer kurzen Besichtigung setzte ich mich auf die Bank unter dem mächtigen Kastanienbaum, trank etwas Wasser und schaute mir die Gegend an.

Die nächste Kapelle am Wegesrand ließ ich aus. Gleich danach führte der Jakobsweg über eine kurze Strecke steil abwärts ins Tal. Sehr dankbar war ich, dass eine überwiegend asphaltierte Spur gab. Ansonsten wäre der Weg über die feuchte Wiese recht rutschig gewesen. Auf der Brücke über einen Bach trug ich Sonnenschutz auf und sprühte mich mit Insektenspray ein. Beides hatte ich morgens nicht für nötig gehalten, aber nun lief ich bei sonnigem Wetter und es wurde bald ziemlich warm.

Weiter ging es auf kleinen, kaum befahrenen Straßen in Richtung Stans. Wenig später lag die St.-Heinrichs-Kapelle am Weg.

Inzwischen sehnte ich mich nach Wald- und Wiesenpfaden. Auf den langen Asphaltstrecken begannen meine Fusssohlen zu brennen. Ich versuchte, am Rand durch die Wiesen zu gehen.

In Stans angekommen, stellte ich erstaunt fest, dass es schon fast Mittags war. Dabei hatte ich noch nicht einmal Drittel der Etappe geschafft. Eigentlich wollte ich in diesem Ort noch nicht Pause machen, aber als ich durch die malerische historische Ortsmitte schlenderte, überlegte ich es mir anders. Und dann kam Eines zum Andern. Ich fotografierte, besuchte die Stadtkirche, legte eine Suppenpause mit alkoholfreiem Weizenbier ein und weil ich so schön auf einer windgeschützten Caféterrasse in der Sonne saß, bestellte ich mir noch einen Kaffee. Dann kam ich ins Gespräch mit einer portugiesisch stämmigen Schweizerin am Nebentisch. Sie interessierte sich sehr für den Jakobsweg und stellte eine Menge Fragen. Als ich ihr erzählte, dass ich bis Fribourg laufen wollte, begann sie von der Stadt zu schwärmen und gab mir allerleiTipps. Ich wollte nicht unhöflich sein, daher blieb ich noch eine Weile sitzen, obwohl ich schon längst bezahlt hatte. Als ich schließlich aufbrach, hatte ich eine fast eineinhalb Stunden lange Pause eingelegt .

Gleich hinter der Kirche führte der Jakobsweg, wieder auf einer kleinen Straße, steil bergauf. Bald kam ich an der Kapelle Maria im Schnee vorbei. Ich nahm ein Foto auf und warf einen kurzen Blick ins Innere der kleinen Kirche.

Einen richtigen Schrecken bekam ich, als ich auf dem Wegweiser las, dass die Gehzeit nach Flüeli noch 4:45 h betragen würden. Erfahrungsgemäß brauchte ich mindestens ein Drittel länger und eine Pause würde ich sicher auch machen müssen.

Nach einem letzten Aufstieg auf der Straße, vorbei an einem schönen Bildstöckchen, zweigte endlich ein Wiesenpfad ab, der weiter bergauf führte und sehr schöne Aussichten eröffnete.

Panoramafoto bitte anklicken.

Nun befand ich mich auf dem Bruderklausenweg, der bis Flüeli weitgehend auf dem Jakobsweg verläuft.

Nikolaus von Flüe oder Bruder Klaus war ein einflussreicher Schweizer Bergbauer, Soldat, Einsiedler, Asket und Mystiker. Er gilt als Schutzpatron der Schweiz und wird 1947 heilig gesprochen.
Quelle: Wikipedia

Niklaus von Flüe lebt mit seiner Frau und 10 Kindern bis zum Alter von 50 Jahren in Flüeli, begibt sich dann mit dem Einverständnis seiner Frau Dorothee Wyss und der ältesten Söhne auf eine Pilgerwanderung. Noch in der Schweiz kehrt er um. Er lässt sich als Einsiedler im Ranft nieder, einer Schlucht in unmittelbarer Nähe von Flüeli. Dort lebt er 20 Jahre, betet, fastet und denkt nach.

Mehr und mehr reisen ratsuchende Menschen aus nah und fern kommen und lassen sich von Bruder Klaus, wie er nun genannt wird, beraten und stärken. Als Friedensheiliger wird er heute weltweit verehrt.

Am 21. März 1487 stirbt Bruder Klaus. Er wird in der Pfarrkirche Sachseln beigesetzt.

Quelle: https://bruderklaus.com/niklaus-von-fluee-dorothee-wyss/

Der Bruderklausenweg zwischen Stans und dem Ranft bei Flüeli wurde 1981 zum 500. Gedenken an das «Stanser Verkommnis» von 1481 eröffnet. Er folgt den Spuren des Stanser Pfarrers Heimo Amgrund, der diesen Weg in der Nacht vom 21./22. Dezember 1481 ritt, um sich im Ranft mit Bruder Klaus zu beraten. Eilends überbrachte Pfarrer Amgrund den zerstrittenen Eidgenossen in Stans den (geheimen) Rat des Eremiten und erreichte damit die Einigung.

Entlang des Weges laden mehrere Tafeln zur Besinnung und zum Nachdenken über die Bedeutung von Bruder Klaus in der heutigen Zeit ein.

Quelle: https://bruderklaus.com/orte-informationen/pilgerwege/bruderklausenweg-2/

Leider konnte ich an diesem Nachmittag nicht recht zur Besinnung gelangen. Ich rechnete mir aus, wie lange ich noch unterwegs sein würde, bis ich Flüeli erreichte. Und fragte mich, ob ich das noch vor Sonnenuntergang um 19 Uhr schaffen würde. Nicht sicher war ich mir, ob es in der tiefer gelegenen, schattigen Ranftschlucht, durch die ich kurz vor meinem Ziel laufen musste, nicht schon früher dunkel wäre. Auch die schönen Wald- und Wiesenpfade, über die ich nun durchgehend lief, konnte ich nicht richtig genießen.

Kurz vor dem Ort St. Jakob zweigte der Camino rechts ab und kurz danach stand ich vor einer Fabrik. Verlaufen wollte ich mich auf keinen Fall, deswegen ging ich ein paar Hundert Meter zurück, bis zu dem Wegweiser bei dem ich abgebogen war. Dieser zeigte eindeutig nach rechts unten. Eine Frau, die vor einem Haus mit Gartenarbeit beschäftigt war, fragte ich nach dem Weg. Sie bestätigte, dass der Jakobsweg ins Dorf hinunterführte, riet mir aber sehr nachdrücklich, gerade aus oben entlang zu gehen. Das wäre der direkte Weg, der wieder auf den Jakobsweg führte. Nach St. Jakob sollte ich nur gehen, wenn ich unbedingt die Kirche besuchen wollte. Nun ja, weitere Kirchen brauchte ich nicht unbedingt und so folgte ich dem Rat. Meine Hoffnung, dass die Strecke eben verlaufen würde, wurde aber nicht erfüllt, vielmehr ging es zunächst eine ganze Weile bergauf und dann leicht bergab. St. Jakob sah ich nur von weitem.

Nachdem ich den Camino wieder gefunden hatte, brauchte ich dringend eine Pause. Seit rund 2,5 Stunden war ich quasi ohne Unterbrechung mäßig steil aber stetig bergauf und bergab gelaufen. Bei einer weiteren Bruder-Klaus-Station ließ ich mich auf eine Bank fallen, genoss die Stille in dem Hochtal, warf Traubenzucker und Müsliriegel ein und trank eine ordentliche Menge Wasser. Die Inschrift der beiden Bänke hatte wohl etwas mit den Besinnungsthemen des Bruderklausenwegs zu tun, aber verstehen konnte ich die schweizerdeutschen Worte nicht. Auch Google half nicht weiter. Könnt ihr das übersetzen ?

Frisch gestärkt ging ich weiter. Nun durfte ich mir keine Pause mehr leisten. Nur kurz schaute ich in den nächsten beiden Kapellen, dem Maichäppeli und dem St.-Antoni-Kirchlein vorbei. Ich lief weit oberhalb der Straße auf einem Bergrücken. Zwischendurch überlegte ich vom darunter liegenden Ort Kerns mit dem Bus nach Flüeli zu fahren. Die Zeit zur Bushaltestelle war mit 20 Minuten ausgeschildert. Den letzten Bus hätte ich nicht mehr erreicht.

Inzwischen tauchte die tiefer stehende Sonne, die zwischen den Wolken hervorbrach, die Landschaft in ein zauberhaftes, gerade zu göttliches Licht. Zeit hatte ich zwar nicht, aber ich musste einfach fotografieren.

Der Rest ist schnell erzählt. Einmal verlief ich mich noch, fand aber durch die Hilfe eines netten älteren Ehepaars bald zurück. Im Ort St. Nikolausen, kurz vor dem Einstieg in die Ranftschlucht, sprach ich zwei junge Leute an, die gerade mit dem Auto losfuhren, ob sie in Richtung Flüeli unterwegs seien. Waren sie nicht, fuhren mich aber reizenderweise trotzdem dort hin. Gespart hatte mir etwa eineinhalb bis zwei Kilometer aber vor allem einen weiteren Ab- und Aufstieg. Um 18:30 Uhr erreichte ich schließlich angemessen erschöpft meine Unterkunft.

Die Ranftschlucht, in der Bruder Klaus als Eremit lebte, und die beiden Ranftkapellen wollte ich mir am nächsten Morgen in Ruhe anschauen, bevor ich weiterging.

Fazit:
22 Km (mein Fitnesstracker zeigte 27 km an, die genaue Entfernung liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen), 670 m Aufstieg, 380 m Abstieg (mit Ranftschlucht), 7 Stunden (ohne Pausen)

Sehr abwechselungsreicher Weg mit schönen Aussichten, aber wegen des dauernden Auf- und Ab auch eine sehr anstrengende Etappe. Unbedingt Zeit einkalkulieren für die vielen Kirchen und die Altstadt von Stans. Evtl. erst von Stans laufen, wie es zum Teil vorgeschlagen wird. Dadurch verlängert sich die Etappe von Brunen nach Buochs um ca. sechs Kilometer, aber abends kann man in Ruhe durch die schöne Altstadt von Stans gehen und am nächsten Tag den sehr schönen und naturnahen Weg nach Flüeli genießen.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.


Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #7

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Wie schon berichtet, setzte ich meine Pilgerwanderung auf dem Schweizer Jakobsweg Ende September fort. Ich wollte von Brunnen am Vierwaldstätter See möglichst bis Fribourg laufen, war mir aber nicht sicher, ob ich es schaffen oder nur bis Interlaken kommen würde. Nach der letzten Sechs-Tage-Tour auf dem Schweizer Camino hatte ich Schmerzen im linken Knie bekommen. Der Orthopäde hatte mir zur Schonung des Knies geraten und dann zum vorsichtigen Wiederbeginn mit Spaziergängen in der Ebene. Das hatte ich befolgt und trug dann während der gesamten Pilgerwanderung einen orthopädischen Knieschützer. Bei steilen Abstiegen war ich sehr vorsichtig, bzw. legte sie mit dem Bus zurück. Ob das alles geholfen hat, werde ich euch im Laufe meines Berichts verraten …

Nachdem ich den Camino zunächst auf der Variante „Luzerner Weg“ fortsetzen wollte, hatte ich mich doch für den „Innerschweizer Weg“ von Brunnen nach Rüeggisberg entschieden, der am Vierwaldstätter, dem Sarner, dem Brienzer und dem Thuner See entlang führt . Diese Variante ist nur unwesentlich länger, bietet aber wesentlich schönere Landschaftseindrücke.

Von Brunnen nach Buochs

Am Vortag war ich nach Luzern per Bahn und dann mit dem Schiff auf dem Vierwaldstätter See nach Brunnen gereist (Fotos von dieser wunderschönen Fahrt und dem Abendspaziergang am See in Brunnen – s. hier). Am nächsten Morgen begab ich mich mit dem Schiff schon um kurz nach 8 Uhr als eine von drei Passagieren auf die kurze Fahrt nach Treib, das gegenüber von Brunnen liegt. Dort hatte ich einen sofortigen Anschluss mit der Zahnradbahn nach Seelisberg. Erst beim Ausstieg sah ich, dass die auf einer sehr steilen Strecke verkehrende Bahn schon über 100 Jahre alt war. Aber wahrscheinlich wurde sie in der Zwischenzeit mehrmals erneuert …

Für den Einstieg hatte ich eine leichtere Variante des Jakobswegs bis zum Ort Emmetten gewählt, die ausgeschildert sein sollte. Davon konnte allerdings nicht die Rede sein. Mit Hilfe des Pilgerführers und der sehr guten Beschilderung der Wanderwege fand ich mich aber zurecht.

Sonnige Abschnitte während der Schifffahrt und der schöne Sonnenuntergang hatten mich auf gutes Wetter hoffen lassen. Es blieb aber den ganzen Tag sehr stark bewölkt, wenn auch trocken.

Zunächst ging ich an der leider geschlossenen Kirche in Seelisberg vobei und dann an einer kleinen Straße entlang eine Weile bergauf. Immer wieder boten sich wunderbare Aussichten auf den nun tief unten liegenden Vierwaldstätter See und seine Umgebung.

Panoramafoto bitte anklicken.

Bald zweigte der Weg von der Straße ab und führte den Hang hinauf. Durch einen dichten Wald lief ich weitgehend alleine weiter Richtung Emmetten. Nachdem ich die höchste Stelle erreicht hatte, ging es angenehm bergab. Eine Aussicht gab es allerdings nicht, alles lag in einem trüben Nebel, der in der Höhe ein bisschen feucht war.

So angenehm es war, auf der Variante zu gehen , freute ich mich doch, als ich kurz vor Emmetten wieder auf den Jakobsweg traf. Ich war zurück auf dem Camino! Die Freude währte nicht allzu lange. Zwar kam ich bald an der ersten Kirche, der Heiligkreuzkapelle, vorbei, aber der Jakobsweg verlief, wie so oft, durch landwirtschaftlich genutzte Flächen sowie auf Asphalt und teilweise auf dem Sträßchen.

In Emmetten legte ich eine kleine Mittagspause in einem Café mit Suppe und alkoholfreiem Weißbier ein. Dort bekam ich auch den ersten Pilgerstempel meines neuen Wegabschnitts.

Nach der Mittagspause ging es richtig bergab: im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Zunächst wollte ich einem Tipp folgen, wie der steile Abstieg nach Beckenried vermieden werden konnte. Nachdem ich im Ort auf eine länger bergaufführende Straße abgebogen war, kamen mir Zweifel, dass ich auf dem richtigen Weg war und ich kehrte um.

Zurück auf dem Jakobsweg übersah ich nach kurzer Zeit eine Abzweigung und kam danach zu einer schönen Kapelle, hinter der ein Weg weiterführte, der in die falsche Richtung ging.

Zurück auf dem richtigen Pfad musste ich sehr gut aufpassen und die Stöcke benutzen, denn ging es auf feuchtem Untergrund sehr steil nach unten. Ich landete auf einem Querweg, der nach rechts wieder in die falsche Richtung führte und nach links an einer Straßenkehre endete. Das Jakobswegzeichen war nirgendwo zu sehen. Wahrscheinlich hatte ich eine weitere Abzweigung beim konzentrierten Bergablaufen übersehen. Zurückgehen kam für mich nicht in Frage. Schließlich war ich froh, es soweit nach unten geschafft zu haben. Ich lief dann auf der stark befahrenen Straße und hoffte, dass bald ein Wanderweg abgehen würde, was aber nicht der Fall war. Wenigstens brauchte ich mich nicht mehr den steilen Abhang hinunter tasten, sondern konnte vorsichtig soweit wie möglich am Straßenrand gehen.

Die Straße führte mich unter der Autobahn hindurch nach Beckenried. Die Autobahn sollte mich auch dann noch begleiten, als ich den Jakobsweg wiedergefunden hatte. Der Camino folgt weitgehend den historischen Pilgerpfaden, aber er verläuft durch die Schweiz der Gegenwart. Das bedeutet, dass in den engen Tälern, gerade dort sich die schönsten Seen befinden, die Bahn, die Autobahn und weitere Straßen neben dem Jakobsweg verlaufen können. Eine Alternative wäre, über Bergpfade auszuweichen, was teilweise geschieht, aber nicht überall für Pilger taugt, die auf einer Streckenwanderung unterwegs sind. Außerdem muss der Camino an den von den Pilgern seit Jahrhunderten besuchten Gotteshäusern vorbei führen, die oft unweit der modernen Verkehrswege liegen.

In Beckenried folgte ich zuerst dem Skulpturenweg am Seeufer, dann erholte ich mich von den Strapazen bei einem Cappuccino und einer Cremeschnitte in einem gemütlichen Café.

In der Schweiz gelten seit September schärfere Corona Maßnahmen. Genau wie in Deutschland wird die 3 G- Regel angewendet. Nur wer genesen, getestet oder geimpft ist, darf z.B. in die Innenräume der Gastronomie. Während es hierzulande reicht, das Handy mit dem Zertifikat zu zeigen, wird es in der Schweiz eingescannt und ich musste immer einen Ausweis vorlegen, um meine Identität zu beweisen. Das war zwar manchmal etwas umständlich, wenn ich mit dem Rucksack ankam und nicht alles griffbereit hatte, ich fand es aber wirkungsvoller und besser. Im Lokal durfte man sich dann ohne Maske frei bewegen. Beim Gang auf die Toilette habe ich den Mund-Nasen-Schutz freiwillig getragen, so ganz geheuer war es mir nicht.

Gut gestärkt setzte ich den Weg fort, der nun oberhalb des Seeufers entlang führte. Ausnehmend gut gefiel mir die spätbarocke Ridli Kapelle (auch sie direkt unterhalb der Autobahn stand).


Der Jakobsweg führte noch ein Stück an der Autobahn entlang und zweigte dann unter einer Brücke nach rechts ab. Bevor ich schließlich Buochs erreichte, ging ich noch ein Stück am Seeufer entlang.

Fazit:
16 km (19km mit Verlaufen), 5,5 Stunden (ohne Pausen und Verlaufen), 460 Hm jeweils im Auf- und Abstieg.
Diese Etappe hatte ich mir weniger anstrengend vorgestellt. Bei schönerem Wetter hätte es sicher noch mehr Ausblicke gegeben. Bei Nässe ist der Abstieg von Emmetten nach Beckenried mit Vorsicht anzugehen (Ausweichroute prüfen ! ). Zwar abwechselungsreich aber im unteren Teil mit viel Verkehrslärm.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Thursday Doors – Ridli Kapelle

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At the Ridli Chapel in Beckenried, Switzerland, I especially liked the door of the baroque church, built in the 18th century. The pilgrimage chapel is situated on the Swiss Way of St. James to Santiago and has been visited by pilgrims for over 300 years. I passed the beautiful building on my way from Brunnen to Buochs at Lake Lucerne. There will be further postings about my pilgrimage in Switzerland.

Posted for Dan Antion’s Thursday Doors.

Always looking forward to your feedback.

Geschafft! Done !

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Auf dem Schweizer Jakobsweg von Brunnen nach Fribourg

Heute Nachmittag, nach neun Pilgertagen auf dem Schweizer Jakobsweg, bin ich in Fribourg angekommen. Soweit wollte ich es dieses Mal schaffen. Geschafft bin ich selber auch !

Trotzdem: es war ein wunderbares Erlebnis.

Näheres werde ich im Blog berichten.

Nachfolgend einige allererste Impressionen.

Panoramafoto bitte anklicken!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #6

Von Einsiedeln nach Brunnen

Mein vorerst letzter Tag auf dem Schweizer Jakobsweg und die Sonne lachte, als hätte sie etwas gutzumachen. Nach dem schlimmen Regenwetter vom Vortag traf das auch durchaus zu.

Um 8:30 Uhr stapfte ich frohgemut los. Allerdings stand mir die Königsetappe mit steilen Auf- und Abstiegen bevor. Vom höchsten Punkt der Schweizer Jakobswege, dem Haggenegg auf 1414 Meter, geht es hinunter nach Schwyz, das auf 404 m liegt. Außerdem würde diese Etappe mehr als 25 km lang sein.

Vor dem langen und steilen Abstieg hatte ich mich gefürchtet, aber wie beim Hörnli hatte ich beschlossen, auf diesem Stück nicht dem Jakobsweg sondern einem Bergsträßchen zu folgen, auch wenn das bedeutete, dass die Strecke sich noch einmal verlängerte.

Ein bisschen beunruhigt war ich aber doch. Mitten in der Nacht war ich mit einem stechenden Schmerz im linken Fuß aufgewacht. Meine Füße waren rundherum vertapt, aber als ich an an der schmerzenden Stelle das Band abzog, entdeckte ich sie. Eine Blase am Zeh und darunter eine offene Wunde ! Dieses Problem kannte ich beim Wandern überhaupt nicht, hatte nicht einmal Blasenpflaster eingepackt. Ich verpackte den Zeh so dick wie möglich und war doch froh, dass mir das erst am Ende meiner Pilgerwanderung passierte.

Sehr gemütlich ging die Wanderung los. Zwei Stunden lang folgte ich dem Flüsschen Alp auf ebener Strecke immer mit Blick auf den Großen und den Kleinen Mythen. Am Kloster Au ging ich vorbei, weil mir noch ein sehr langer Pilgertag bevorstand, aber die Kirche St. Appolonia in Alpthal besuchte ich und stempelte meinen Pilgerpass.

An der Bushaltestelle von Malosen begann der Aufstieg zum Haggenegg. Der breite Schotterweg stieg sehr stark an. Er führte direkt an einem Wasserlauf entlang, der in Stufen gefasst war und senkrecht nach unten fiel. Mehrmals musste ich stehen bleiben, um nach Luft zu schnappen. Dann endete der Weg plötzlich neben dem Bach. Ein Wegschild sah ich nicht. Die sonst so sorgfältige Ausschilderung des Schweizer Jakobswegs fehlte ausgerechnet an dieser Stelle. Normalerweise gehe ich in solchen Situationen zurück und schaue, ob ich ein Schild übersehen habe. Das kam dort überhaupt nicht in Frage. Auf diesem extrem steilen und schotterigen Weg würde ich nicht umkehren. Im Pilgerführer las ich dann zu meiner großen Erleichterung, dass ein Bach zu queren war. Wegen der vorangegangenen Regenfälle stand das Wasser ziemlich hoch, aber über Trittsteine war es kein Problem auf die andere Seite zu kommen, wo der Weg hinter der Böschung weiter führte. Mit zitternden Knien blieb ich stehen, um mich von dem Schock zu erholen.

In diesem Moment überholte mich ein junger Mann mit einem kleinen Rucksack. Erst dachte ich, dass er auf einer Tageswanderung war, aber dann entdeckte ich die Pilgermuschel. Ein Jakobspilger, der Erste den ich in der Schweiz traf! Wir unterhielten uns noch kurz, bevor er weiter stürmte. Ich erfuhr, dass viele Pilger erst von Einsiedeln starten.

Der zweite Aufstieg verlief durch einen Wald und war längst nicht so steil wie der erste. Auch ein, wenn auch ziemlich verblasstes, Wegzeichen entdeckte ich an einem Baum. Danach war der Jakobsweg wieder mustergültig ausgeschildert Als ich aus dem Wald trat, musste ich mich erst einmal ausruhen. Da traf es sich gut, dass sich nun erste wunderbare Ausblicke boten.

Panoramafoto bitte anklicken !

Weiter ging es mäßig ansteigend über Almwiesen. Bei einer Alm musste ich eine große Wiese mit vielen Kühen queren. Ganz wohl war mir nicht, aber ich ging ruhig an den friedlich grasenden Tieren vorbei.

Kurz danach erreichte ich die Alpenkäserei Gummen. Auf einem Schild wurden Getränke angeboten. Ich entschied mich für eine Mangomolke, die ausgezeichnet schmeckte. Der Kaffee den mir der Senn brachte, war mit frischem Rahm zubereitet, schmeckte aber leider etwas dünn. Während ich vor der Molkerei an einem Tisch in der Sonne saß, sah ich wieder die Frau mit dem riesigen Rucksack, die schon eine ganze Zeit hinter mir gewandert war. Ich winkte ihr zu und sie setzte sich zu mir an den Tisch. Sie erzählte mir, dass sie als Schweizerin mit ihren fünf Kindern am Bodensee lebte und gerade in Einsiedeln losgelaufen war. Dann packte die Pilgerin ein (schweres) Glas nach dem anderen aus und begann ihre mitgebrachten veganen Speisen zu essen. Auch ein Zelt hatte sie dabei und wollte in Schwyz auf dem Campingplatz zelten. Die Frau wirkte ziemlich sportlich, aber ich fragte mich, wie weit sie mit diesem monströsen Gepäck kommen würde.

Ich verabschiedete mich und ging weiter. Nach fünf Minuten erreichte ich das Berggasthaus Haggenegg, von dem ich gelesen hatte, dass es Ruhetag hatte. Wenn ich gewusst hätte, dass es geöffnet war, hätte ich meinen Kaffee dort getrunken. Kurz danach erreichte ich die Haggeneggkapelle. Rundherum standen Bänke, auf denen sich schon mehrere Wanderer niedergelassen hatten, um die Traumaussicht auf den Vierwaldstättersee und das Bergpanorama im Vordergrund mit dem Kleinen Mythen zu genießen oder einfach nur in der Sonne zu liegen. Ich suchte mir eine schöne Bank , verspeiste Brot, Birne und würzigen Greyerzer Käse und schaute mir die Landschaft an.

Dann begann der lange Abstieg nach Schwyz. Auf der kaum befahrenen Straße hatte ich zwar kein Problem, aber die 1000 Meter nach unten zogen sich schon gewaltig trotz des durchgehend hinreißenden Ausblicks. Je näher ich dem Tal kam, desto schöner wurde das Wetter. Allerdings wurde es auch ziemlich warm, weil es fast keinen Schatten gab. Unterwegs sah ich ein paar Mal den Jakobsweg, der stark aufgeweicht und sehr steil den Hang hinabfiel. War ich froh, dass ich mich anders entschieden hatte!

Als ich mich Schwyz näherte, sah ich aus der Einmündung des Jakobswegs einen älteren Mann mit Rucksack kommen, den ich später ansprach. Das war nun schon der dritte Pilger, den ich an einem Tag traf. Mein absoluter Rekord seit ich in München meine Pilgerwanderung begonnen hatte! Der Mann berichtete, dass er den Abstieg auf dem Jakobsweg sehr schwierig und rutschig erlebt hatte. Ich dachte an die Frau mit dem riesigen Rucksack und hoffte, dass sie es geschafft hatte. Der Schweizer wollte auf dem Innerschweizer Jakobsweg weitergehen, der von Brunnen nach Flüeli-Ranft und über den Brünigpass führt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Fortsetzung über den Luzerner Weg nach Bern geplant. Inzwischen habe ich mir das anders überlegt.

Langsam aber stetig schleppte ich mich nach Schwyz. Unterwegs sah ich ein imposantes Gebäude. Es handelte sich nicht um ein Kloster, sondern um die „Kantonsschule Kollegium Schwyz“, eine öffentliche Mittelstufenschule. Im Ort holte ich mir schnell den Pilgerstempel in der Kirche St. Martin und suchte dann schnurstracks die nächstliegende Caféterrasse am Hauptplatz auf. Nach einem großen Cappuccino und einem Mineralwasser kehrten meine Lebensgeister wenigstens teilweise zurück.

Die letzten fünf Kilometer nach Brunnen kann ich persönlich nur als Tortur bezeichnen. Erst ging es ziemlich lange durch Schwyz und den nächsten Ort Ibach. Dann folgte ein recht schöner Weg mit Rückblicken auf die Mythen und mehreren Kapellen, von den ich nicht eine einzige besuchte.

Als der Weg dann noch das Tal verlies und leicht anstieg, war ich schon sehr erschöpft. Über lange Treppe mit kleinen Trittstufen ging es wieder hinunter nach Brunnen am Vierwaldstätter See. Eigentlich hatte ich geplant, mit dem Schiff nach Luzern zu fahren. Aber nun stand mir nicht mehr der Sinn nach einer gut zweistündigen Schifffahrt und vom Bahnhof zur Anlegestelle wären es noch einmal 1,5 Km gewesen. Also fuhr ich mit dem Zug nach Luzern. Der erste Halt nach wenigen Minuten war übrigens in Schwyz!

Fazit:
29 km auf der Straße ab Haggenegg (bei Nässe empfehlenswert), auf dem Jakobsweg 24,1 Km, 540 m Auf- und 1010 m Abstieg, , 7,5 Stunden ohne Pausen
Sehr fordernde Jakobswegetappe, wunderschönes Landschaftserlebnis, ein echtes Highlight auf dem Schweizer Jakobsweg, evtl. im Gasthaus Haggenegg übernachten oder nur bis Schwyz gehen.

In Luzern verbrachte ich einen weiteren Tag. Über meinen Aufenthalt in dieser Traumstadt werde ich gesondert berichten.

Zum Schluss möchte ich euch noch etwas verraten: es hat mir auf dem Schweizer Jakobsweg so gut gefallen, dass ich ihn fortsetzen werde und zwar in den nächsten Tagen. Nach meiner Rückkehr im August bekam ich leider Schmerzen im linken Knie, die mich schließlich zum Orthopäden führten. Es war nichts Schlimmes, nur eine Überlastung. Ich hätte wohl doch einmal meine orthopädischen Knieschützer anziehen sollen, vor allem bei dem langen Abstieg nach Schwyz! Nachdem ich mich ausgiebig geschont habe, wie vom Orthopäden empfohlen, traue ich mich nun wieder auf den Camino. Starke Gefälle werde ich sehr vorsichtig angehen oder meiden. Auch Ruhepausen bzw. -tage sind eingeplant. Und Blasenpflaster werde ich auch einpacken!

Wenn es nicht mehr geht oder keinen Spaß macht, fahre ich einfach nach Hause. Mal sehen, wie weit ich komme …

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #4

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Von Gibswil nach Rapperswil

Weiter ging es auf dem Schwabenweg, einem Teil des Schweizer Jakobswegs, der von Konstanz nach Einsiedeln führt. Ich war nun drei Tage gepilgert und fühlte mich immer noch gut, auch wenn ich nicht so fit war, wie ich es mir gewünscht hätte.

Die 4. Etappe war bei geringen Höhenunterschieden sicher gemütlicher als die Strecke vom Vortag mit dem Auf- und Abstieg auf das Hörnli (s. hier) . Eigentlich hatte ich in Rapperswil übernachten wollen, aber wegen des an diesem Wochenende stattfindenden „Ironman 2021“ hatte ich kein Quartier bekommen. Daher hatte ich beschlossen, nach der Wanderung mit dem Zug nach Einsiedeln zu fahren, um dort zweimal zu übernachten. Am nächsten Tag würde ich nach Rapperswil zurückkehren und von dort die Etappe nach Einsiedeln angehen.

Morgens brach ich von Gibswil auf. Es war stark bewölkt. Um 16 Uhr war Starkregen vorausgesagt, so dass ich bis ich mich etwas beeilen wollte. Auch Rapperswil wollte ich mir möglichst noch im Trockenen anschauen.

Kurz nach Beginn meiner Wanderung riss es auf und der beste Bergblick des Tages ergab sich.

Ich befand mich nun auf der historischen Route des Jakobswegs. Seit fast 1000 Jahren ziehen hier Pilger entlang. Nach einem kleinen Aufstieg sah ich in Ried die 18. Jahrhundert erbaute Pilgerherberge “Zum weißen Kreuz”. Und oberhalb des Örtchens Wald ging der Pilgerweg an der ehemaligen Herberge “Dändler” vorbei.

Der Jakobsweg führte dann leicht an- und absteigend auf einem kaum befahrenen Sträßchen weiter. Dieses war vor kurzem frisch geteert worden, so dass es leider ziemlich stank. Ich durchquerte eine Wiesenlandschaft mit einigen kleineren Waldstücken. Immer wieder hatte ich traumhafte Weitblicke, wie sonst nur auf einem Panoramahöhenweg. Schöner wäre es allerdings bei klarer Sicht gewesen!

Panoramabild bitte anklicken!

Durch mehrere Dörfchen mit wunderbar restaurierten alten Bauernhäusern zog ich weiter. So schön die Gegend auch war, es gab über weite Strecken keinerlei Sitzgelegenheit, keine Bank, nicht einmal einen Holzstoß. Meine Trink- und Stretchingpausen verbrachte ich stehend.

Der Weg führte schließlich steil abwärts hinab zum Fluß Jona, aber über Stufen und mit einem Geländer gesichert. Hinter der Brücke musste ich natürlich wieder hinauf steigen und fühlte mich nach zweieinhalb Stunden Wandern mit dem Rucksack schon ziemlich matt. Hinter dem Ort Weier führte der Weg in den Wald. Und dann sah ich sie, eine schöne große Bank! Aber dort hatte es sich schon eine Wandergruppe bequem gemacht. Wegen Corona traute ich mich nicht, die Leute zu fragen, ob sie ein bisschen zusammenrücken können.

In diesem Moment überholte mich eine junge Frau mit einem Tagesrucksack. „Das war die einzige Bank in zehn Kilometern!“ sprach ich sie an. Wir kamen ins Gespräch und liefen ein Stück gemeinsam durch den Wald. Sie hatte einige Jahre in der Schweiz gearbeitet und wohnte nun in München. Zur Zeit war sie in der Alpenrepublik zu Besuch. Von ihren Wanderausflügen kannte sie schon einige Teile der Via Jacobi und war, wie ich auch, schon über den Münchner Jakobsweg nach Lindau gepilgert. Ich wandere sehr gerne alleine, hänge meinen Gedanken nach, fluche laut wenn mir danach ist, und möchte in meinem eigenen, eher langsamen, Tempo, laufen. Aber ein Stück mit einer Begleitung zu pilgern, mit der ich mich über Caminoerlebnisse austauschen kann, habe sehr genossen.

Wie ihr wahrscheinlich schon wisst, trinke ich sehr gerne Kaffee. Gerade hatte ich mich bei meiner Gesprächspartnerin darüber beklagt, dass es in den Schweizer Dörfern am Jakobsweg nur selten Cafés gibt (was auch auf Münchner Jakobsweg zutrifft!) und schon standen wir vor dem „Pilgerstübli“, einem kleinen Hofladen am Wegesrand. Auf einer handgeschriebenen Tafel wurden u.a. Kaffee und Most angeboten. Danke, Heiliger Jakob ! Meine Begleiterin ging weiter, während ich mich an den Tisch auf der gemütlichen kleinen Terrasse setzte. Bei der Bauersfrau bestellte ich Kaffee und frischen Apfelmost. Beides war sehr gut und ein Stück selbstgebackenen Schokoladenkuchen gab mir die nette Frau gratis dazu.

Kurz danach kam der Bauer. Er setzte sich zu mir und wir unterhielten uns sehr nett. Vor Jahren war er auf dem Jakobsweg bis Fribourg gepilgert. Außerdem erzählte er mir, dass manche Pilger in einer Etappe von Fischingen nach Rapperswil wanderten, eine Strecke von 32 km. Bei 30 Grad im Hochsommer kämen sie oft sehr erschöpft im „Pilgerstübli“ an und pausierten dort, um sich für die letzten fünf Kilometer zu stärken. Zwischendurch traf noch eine Nachbarin ein, die frische Milch kaufte. Von dem kurzen Gespräch auf Schweizerdeutsch habe ich allerdings nur wenig mitbekommen. Gut erholt und gestärkt verabschiedete ich mich schließlich.

Die restliche Strecke nach Rapperswil verlief durch den Stadtwald und alle paar hundert Meter gab es Bänke und Rastplätze ! Durch das Stadtgebiet ging es ziemlich lange, aber immer gut ausgeschildert weiter. Schließlich erreichte ich die auf einer Halbinsel im Zürichsee gelegene Altstadt .

Fazit:
16,3 km, 5 Stunden ohne Pausen, 120 Hm bergauf und 460 Hm bergab.
Leichte, mittellange Etappe. Der einzige steile Absteig ist durch Treppen und Geländer gesichert. Wunderbare Fernblicke in die Alpen (wenn das Wetter es erlaubt!). Ein Großteil des Weges verläuft über verkehrsarme Sträßchen. Einige Waldstücke, aber bei sonnigem Wetter bietet die Strecke nur wenig Schatten.

Den historischen Ortskern von Rapperswil schaute ich mir kurz an. In der Kirche St. Johann aus der Mitte des 13. Jahrhunderts (nach einem Brand im 19. Jahrhundert neugotisch ausgestattet) holte ich mir den Pilgerstempel und auf dem Schlosshügel besichtigte ich die Liebfrauenkapelle (ursprünglich ein Beinhaus, das um 1250 n. Chr erbaut wurde). Am meisten bewunderte ich die wunderschöne Aussicht auf den Zürichsee und das Umland. Aber schon zogen ganz dunkle Wolken heran …

Panoramafoto bitte anklicken!

Eine Treppe führte direkt hinunter zum Hauptplatz mit dem Rathaus aus dem 15. Jahrhundert.

Von dort eilte ich zum Bahnhof. Der Himmel hatte sich tiefdunkel verfärbt und ein kalter Wind wehte. Als mein Zug nach Einsiedeln Rapperswil verließ, kam der angekündigte Starkregen. Den Zürich See konnte ich kaum erkennen, als wir ihn überquerten. Während der kurzen Fahrt von rund 20 Km überwand der Zug knapp 500 Höhenmeter. Nun schwante mir, dass die nächste Etappe von Rapperswil nach Einsiedeln kein Spaziergang werden würde …

Als ich durch den Regen zu meiner Unterkunft in der Nähe des Klosters Einsiedeln ging, entdeckte ich mehrere Cafés. Ratet mal, was ich bald nach dem Einchecken in Einsiedeln unternommen habe.

Wenn ihr wissen wollte, was ich an diesem Abend noch erlebt habe, dann schaut doch mal hier.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr..

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #3

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Von Fischingen nach Gibswil

Am dritten Tag meiner Wanderung auf dem Schweizer Jakobsweg stand die erste Bergetappe auf dem Weg von Fischingen nach Gibswil an. Den Anstieg von rund 500 Höhenmetern auf das Hörnli würde ich sicher schaffen, zur Not halt sehr langsam gehend. Allerdings fürchtete mich vor dem Abstieg nach Steg, der im Pilgerführer als teilweise steil abwärts führend beschrieben war.

Bevor ich das Kloster Fischingen verließ, holte ich mir in der prächtigen Idda-Kapelle noch einen Pilgerstempel. Dann streckte ich meine Füsse in das Loch unter dem Grabstein der Hl. Idda, was den Pilger angeblich von Fußschmerzen befreien soll. Zwar hatte ich keine Probleme mit den Füßen, dachte aber, es könne nicht schaden. Dazu später mehr …

Als ich morgens aufbrach, war es stark bewölkt, aber immerhin regnete es nicht. Gleich zu Beginn führte der Weg mal durch den Wald und dann wieder auf einer Nebenstraße und immer steil in die Höhe. Einen letzten Blick auf das schöne Kloster Fischingen werfend ging ich weiter.

Kurz vor dem Weiler Au verlief der Schwabenweg etwas angenehmer begauf. Am Wegesrand lag auch ein hübsches St.Idda-Bildstöckchen.

Aber gleich hinter dem nächsten Dörfchen war wieder meine Kondition gefragt. Die Krönung war eine lange steile Himmelstreppe, die wie im Pilgerbuch beschrieben, „den Kreislauf in Schwung bringt“.

Weiter bergauf führte nun ein aufgeweichter wurzeliger und rutschiger Waldweg. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich, wie ich dessen Pendant beim Abstieg bewältigen würde.

Den Gasthof zum Kreutz konnte ich bald sehen und erreichte ihn schließlich angemessen außer Puste. Da traf es sich gut, dass es den ersten Weitblick zu bewundern gab. Auch das örtliche Federvieh schaute ich mir an und fotografierte es. Die armen Truthähne würden sicher bald als „Trutenfleisch“ enden.

Das Wetter klarte nun weiter auf und ich brauchte mich nicht mehr zu sorgen, dass es auf dem Hörnli keine Aussicht geben würde.

Nach einem weiteren knackigen Anstieg von 150 Höhenmetern hatte ich das Hörnli erreicht. Zunächst suchte ich das Berggasthaus auf, das nur wenige Meter unterhalb des Gipfels lag.

Ein kühler Wind trieb mich in die urige holzvertäfelte Gaststube. Dort trocknete ich meine verschwitzen Klamotten so gut wie möglich und erholte mich bei einer köstlichen vegetarischen Gerstensuppe. Bei einer Tasse Kaffee studierte ich die Karte in meinem Pilgerführer noch einmal etwas genauer. Zu meiner großen Begeisterung entdeckte ich, dass sich ein Sträßchen dicht am Jakobsweg entlang schlängelte. Zur Sicherheit fragte ich den Wirt, der mir bestätigte, dass ich diesen Weg nach Stegen nehmen könne, allerdings wäre es etwas weiter. Mein Entschluss stand schnell fest. Ich folgte zwar dem Jakobsweg, aber wenn es galt, eine für mich unangehme Strecke zu vermeiden, würde ich nicht päpstlicher als der Papst sein. Und auf ein paar Kilometer mehr kam es mir nicht an .

Aber zunächst suchte ich den nur wenige Meter höher gelegenen Hörnli Gipfel auf. Dort war es ziemlich belebt. Das 360 Grad Panorama war schon grandios aber die Sicht doch ziemlich getrübt. Bei klarerem Wetter hätte man sicher eine bessere Fernsicht mit weiteren Bergspitzen genießen können.

Panoramafoto bitte anklicken!

Danach folgte ich der kleinen Bergstraße, von der schon bald der Jakobsweg steil bergab führend abzweigte. Da der Weg nach dem tagelangem Regen schlammig und rutschig aussah, blieb ich weiterhin auf dem Teerweg und folgte damit dem Beispiel der großen Mehrzahl der Wanderer. Während ich genüsslich hinunter schlenderte und dabei die Aussicht genoss, erschien mir die nicht durchgehend asphaltierte Strecke nicht zu lang. Erst im unteren Teil kamen einige Fahrzeuge vorbei.

Panoramaphoto bitte anklicken.

Kurz vor dem Talort Steg traute ich schließlich mich zweimal, ein Stück abzukürzen, indem ich auf den Jakobsweg zurückkehrte. Der Pfad war etwas glitschig, verlief aber über flache Stufen und ich konnte meine Wanderstöcke einsetzen. In Stegen angekommen entdeckte ich bald einen Wirtshausgarten, wo ich mich bei einem großen Milchkaffee erholte.

Die letzten fünf Kilometer durch das Tösstal kamen mir danach etwas lang vor. Zum Einen brannte inzwischen die Sonne und zum anderen verlief der Weg zwar weitgehend eben führte aber oft ziemlich dicht an den Bahngleisen entlang. Allerdings folgten immer wieder idyllische Abschnitte am Wasser. Da hatte sich jemand viel Mühe gegeben, die Wanderstrecke so angenehm wie möglich anzulegen.

Als kurz vor Gibswil noch ein kürzerer Aufstieg anstand, fanden das meine müden Beine überhaupt nicht lustig. Aber schließlich erreichte ich meine Unterkunft in Gibswil. Auf der Caféterrasse fand ich mich bald darauf ein und freute mich bei Cappuccino und Hörnli-Gebäck über den gelungenen Pilgertag. Und ein bisschen stolz war ich auch …

Fazit:
Knapp 19 Km (15,3 km auf dem Jakobsweg), 600 Aufstieg, 450 m Abstieg, 5,5 Stunden ohne Pausen.
Sehr schöner und panoramenreicher Weg. Anstieg auf das Hörnli zum Teil steil, geht aber, wenn man sich Zeit lässt. Wenn der Camino wegen Nässe rutschig ist, empfiehlt es sich beim Abstieg, die kleine kaum befahrene Bergstraße mit den tollen Weitblicken zu nehmen. Das gilt nicht für Pilger, die noch die nächste Etappe von Gibswil nach Rapperswil anhängen wollen, weil ihre Strecke ohnehin schon über 30 km beträgt.
Der Weg von Steg nach Gibswil ist eigentlich ein Spaziergang kann aber am Ende der Etappe ermüdend sein.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Drei/Three

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Mit seiner 26. (!) wöchentlichen Fotochallenge hat Roland in seinem Blog „Royusch -Unterwegs“ das Thema „Drei“ aufgerufen. Gepostet werden darf wie immer nur ein Foto.

Wieder beteilige ich mich gerne und danke Roland für die neue Challenge.

Diesen Wegweiser der drei Ziele angibt, habe ich kürzlich auf dem Jakobsweg in der Schweiz fotografiert, während ich in Richtung Rapperswil und Santiago ging. Ich befand mich schon in der Nähe von Rapperswil, aber nach Santiago waren es noch mehr als 2000 Kilometer ! Bin gespannt, ob ich es dahin noch schaffe …

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #2

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Von Märstetten nach Fischingen

Wenn es auf meiner Pilgerwanderung in der Schweiz eine Chaos-Etappe gab, dann handelte es sich um diejenige am zweiten Tag. Nachdem ich am Vortag mit pausenlosem Regen (siehe hier) zu kämpfen hatte, sollte ich nun Schwierigkeiten anderer Art begegnen.

Zunächst servierte die Bäuerin in meiner Unterkunft ein opulentes Frühstück. Dazu durfte ich mir beliebig viel Kaffee in einer Kapselmaschine zubereiten. Dementsprechend gut gestärkt begab ich mich schon um 8:30 Uhr auf die lange Etappe nach Fischingen. Ein bisschen fürchtete ich mich vor dieser Strecke, die bei maßvollen Höhendifferenzen immerhin fast 27 km betragen würde. Notfalls wollte ich, was in der Schweiz praktisch überall möglich ist, die restliche Strecke mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen.

Als Erstes galt es, zurück zum Jakobsweg zu finden, den ich am Vortag verlassen hatte, um in Märstetten zu übernachten. In der Kirche hoffte ich einen weiteren Pilgerstempel zu erhalten. Das Gotteshaus hatte aber leider geschlossen. Ich spazierte durch den Ort, fotografierte noch ein historisches Fachwerkhaus und verpasste so die Abzweigung zum Bahnhof, den mir meine Gastgeberin beschrieben hatte. Möglicherweise hatte ich auch die Schweizerdeutsch sprechende Bauersfrau nicht richtig verstanden. So kam es, dass ich einen ersten Umweg rund um den Ort von ca. einem Kilometer zurücklegte.

Kurz vor dem Bahnhof sprach mich ein Mann an, der meine Jakobsmuschel am Rucksack gesehen hatte und mir erzählte, dass er schon lange auf den Camino gehen wollte. Er kam aus Sachsen, arbeitete aber schon viele Jahre als Küchenbauer in der Schweiz. Wir unterhielten uns ein bisschen über den Camino, aber dann wollte er recht genau wissen, wo ich wann hingehe und ob ich alleine wandere. Vorsichtig wie ich bin, verabschiedete ich mich schnell und ging weiter.

Danach hatte ich kein Problem, den Jakobsweg wieder zu entdecken, der allerdings als asphaltierter Fuß- und Radweg an der Straße entlang bis zum nächsten Ort Amlikon führte. Das recht trübe Wetter hellte sich nun zunehmend auf, erste Wolkenlöcher waren zu sehen. Am Nachmittag sollte es aber wieder regnen, so dass ich mich möglichst beeilen wollte.

Am Ortseingang von Amlikon bog der Jakobsweg nach Hünikon ab. Es ging durch ein idyllisches kleines Tal mit schönen Bauernhöfen auf einer kaum befahrenen Straße.

Nach Hünikon folgten weitere kleine Weiler und Gehöfte mit sehr schönen Fachwerkhäusern. Der Camino führte nun auf Feldwegen durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend mit Feldern und Rinderherden.

Unterwegs sah ich viele Raubvögel, die zum Teil auf Bäumen saßen und aufflogen, wenn ich mich näherte. Die Vögel hatten einen Gabelschwanz und ich meine, dass es sich um Milane handelte. Leider schaffte ich es nicht, die Tiere abzulichten. Entweder reichte das Telezoom meiner kleinen Kamera nicht oder die Lichtverhältnisse waren schwierig. Oder beides …

In Maltbach zweigte der Camino wieder ab. Als Fußweg führte er an der stark befahrenen Hauptstraße Nr. 16 entlang, allerdings nur ein kurzes Stück bis zum nächsten Ort. Leider lag die Kapelle in Kaltenbrunnen, die vom Pilgerführer als „beachtenswertes und hübsches Kleinod“ bezeichnet wurde, direkt an dieser Straße und sie war wegen Corona geschlossen. Meine Pause, die ich dort geplant hatte, legte ich trotzdem auf einer Bank an der Kirchenmauer ein. Ich war seit mehr als zwei Stunden unterwegs und musste meinen Rucksack absetzen, um die Schultern zu entspannen. Der Verkehr an der Hauptstraße bestand aber auch aus Schwerlastern, die direkt an mir vorbei donnerten, so dass ich nach einer kurzen Trinkpause wieder aufbrach.

Kurt danach befand ich mich wieder alleine in einer Wald- und Wiesenlandschaft und erreichte dann Affeltrangen. Am Ortseingang erblickte ich eine AGIP-Tankstelle, was mich auf einen Shop mit Espressoangebot hoffen ließ. Es handelte sich aber um eine Dieseltankstelle, wo es nur Kraftstoffe und Autozubehör zu kaufen gab.

Am Ausgang des Ortes sah ich schön gestaltete Jakobswegsteine und folgte dann den Wegweisern nach Tobel. Das ging ja wie am Schnürchen ! Tatsächlich bewegte ich mich fast in dem Zeitrahmen, den das Pilgerbuch für die Strecke vorsah. Nun lief ich auf Feldwegen durch eine liebliche Bauernlandschaft, die von grünen Hügeln umrahmte wurde. Zwischen den Wolken lachte die Sonne. Auf der schattenlosen Strecke wurde mir langsam heiß.

Die Markierung der Jakobswege in der Schweiz ist ausgesprochen gut. An den wichtigsten Abzweigungen stehen große Schilder, welche die nächsten Ziele mit Wegzeiten anzeigen. Außerdem gab es auf meiner Strecke die weiße Vier auf grünem Grund mit blauer Umrandung und gelber Jakobsmuschel. Zusätzlich ist der Schwabenweg bis zum Hörnli (s. nächster Bericht) mit markanten weißen Pfosten ausgezeichnet. Dazwischen stehen an jeder Abzweigung kleine leuchtend gelbe Hinweisschilder mit stilisierten Wanderern. Manchmal sind auch separate blau-gelbe Muschelmarkierungen angebracht. Diese sind allerdings gelegentlich mit Vorsicht zu genießen. Das Camino-Wegzeichen, die strahlende Sonne, bedeutet, dass Santiago in Richtung der runden Sonnenscheibe liegt und nicht dass man nicht den Strahlen folgen soll. Es kommt vor, dass die stilisierte Sonne in die falsche Richtung zeigt. Das lässt sich allerdings leicht durchschauen. Wenn man richtig abgebogen ist, sieht man als Bestätigung bald ein gelbes Rautenzeichen, das für die Schweizer Wanderwege steht. Zu dieser sorgfältigen und gerade zu liebevollen Ausschilderung kann man den Schweizern nur gratulieren!

Auf dem Jakobsweg nach Fischingen gelang es mir trotzdem, mich zu verlaufen. Hinter Affeltrangen sah ich schon den nächsten Ort auf einer Anhöhe. „Prima, das ist schon Tobel,“ dachte ich, „bald habe ich die halbe Strecke geschafft“. Zu meinem großen Erstaunen wies ein Wanderweg-Schild (das mit dem Wanderer, ohne weitere Angaben) kurz darauf scharf nach rechts. Zweifelnd folgte ich der Beschilderung. Der Weg führte nun immer weiter weg von „Tobel“ und als an der nächsten Kreuzung kein Schild stand, beherzigte ich nicht die oberste Wanderregel: „Wo kein Schild steht, geht es weiter geradeaus.“, sondern bog nach links in die meiner Meinung nach richtige Richtung ab. Gerne hätte ich mich bei Google Maps rückversichert, aber wie berichtet, funktionierte meine Schweizer SimCard leider nicht.

Danach kamen lange Zeit keine Schilder und mir schwante, dass ich mich verlaufen hatte. Auf einem Hof fragte ich einen Mann, der im Garten mit seinem Hund spielte, wo ich mich befand. Es stellte sich heraus, dass es nicht weit von Lommis war. Im Pilgerbuch war zwar ein Abstecher zur Jakobskirche nach Lommis beschrieben, den hatte ich allerdings nicht gehen wollen, die 27-Km- Etappe waren mir schon lang genug.

Nach Lommis ging es dann ziemlich bergauf. Kaum war die Sonne hinter einer dunkelen Wolke verschwunden, da begann es auch schon stark zu schütten. Fluchend holte ich meinen Schirm heraus und zog die Regenhülle über den Rucksack. So plötzlich wie der Regen gekommen, hörte er nach wenigen Minuten auf. Durch die dampfend schwüle Hitze ging ich weiter. Als ich in Lommis ankam, war die gesamte Gastronomie des kleinen Ortes geschlossen und die Straßen schienen menschenleer.

Nachdem ich die Kirche angeschaut hatte, wo es wenigstens einen schönen Pilgerstempel gab, folgte ich einem Hinweisschild auf dem „Grillshop“ stand. Leider stellte sich heraus, dass es sich um einen Shop für Grillzubehör ohne Bewirtung handelte. Inzwischen hatte ich beschlossen, nicht nach Tobel zurückzukehren, sondern auf einer kleinen Straße zu laufen, die direkt zum Ort St. Margarethen führte, wo ich wieder auf den Jakobsweg treffen würde. Vor dem Grillshop standen Einheimische, die ich mir nach meiner Nachfrage die nicht beschilderte Abzweigung zu der Nebenstraße beschrieben.

Nach einer Erholungs- und Snackpause auf einer Bank vor der geschlossenen Touristeninformation ging ich weiter. Die Straße führte zunächst steil bergauf aber dann angenehm hinunter durch einen schattigen Wald und vorbei an Weihnachtsbaumplantagen. Den häufig vorbeifahrenden Autos konnte ich gut auf dem Seitenstreifen ausweichen. St. Margarethen erreichte ich nach einer guten Stunde. Kurz hinter dem Ortsschild hörte ich es donnern und der Regen setzte wieder ein. Ich war nun soweit , dass ich vom Nachbarort Münchwilen mit Zug und Bus nach Fischingen fahren wollte.

An der Hauptstraße fragte ich eine Frau nach dem Bahnhof und nach einem Café. Gleich um die Ecke lag ein Restaurant. Ich betrat die kleine Außenterrasse, auf der schon eine fröhliche Männerunde vor den Gläsern saß. Die Bedienung, die bei den Gästen hockte, erhob sich seufzend, als ich eintrat. Normalerweise wäre ich sofort umgekehrt, aber ich brauchte sehr dringend eine Kaffeepause.

Als ich die Terrasse betrat, entschuldigte ich mich dafür, das ich vergessen hatte, meine Maske aufzusetzen und legte eine Strecke von vielleicht eineinhalb Metern zurück, bevor ich meinen Rucksack absetzte und mich auf einen freien Stuhl fallen ließ. „Macht nichts !“ antwortete ein älterer Mann, der eine extrem stinkende Zigarre qualmte, „In der Schweiz ist das mit der Maske nur in den feineren Restaurants ein Ding! Wir sitzen ja auch draußen.“

Auf der überdachten Terrasse vor meinem köstlich dampfenden Kaffee sitzend entdeckte ich Jakobswegschilder und die spätgotische Kapelle St. Margarethen. Während ich darauf wartete, dass es aufhörte zu regnen und meinen Kaffee genoss, plauderte ich mit den anderen Gästen, die sich als nette und hilfsbereite Menschen erwiesen und sich für meine Pilgerwanderung interessierten. Ein Mann versuchte sogar, meine SIM-Karte zu aktivieren, was leider nicht gelang. Wenn ich nicht vollständig geimpft gewesen wäre, hätte ich mich vielleicht nicht wohl gefühlt, aber so verbrachte ich eine schöne Pause. Es stellte sich heraus, dass der Weg nach Fischingen noch mehr als zwei Stunden betrug. Der Zigarrenraucher riet mir, auf dem Jakobsweg eine halbe Stunde weiter zu laufen und dann nach Sirnach abzubiegen, um mit dem Bus direkt zum Kloster Fischingen zu fahren.

Nachdem ich mich verabschiedet hatte, besuchte ich die Kapelle, fand sie ausgesprochen schön, war aber so fertig, dass ich den Pilgerstempel vergaß.

Dann lief ich weiter auf dem Jakobsweg, der nun sehr idyllisch am rauschenden Flüsschen Murg entlang und durch eine Parklandschaft führte. Trotz des immer wieder einsetzenden Regens empfand ich dieses Stück als sehr erholsam.

Nach einigem Suchen fand ich die richtige Bushaltestelle in Sirnach und kam nach kurzer Zeit in Fischingen an. Im Kloster Fischingen checkte ich um 17:30 Uhr ein, neun Stunden nachdem ich aufgebrochen war.

Fazit:
21 km, ca. 7,5 Stunden ohne Pausen, auf meiner Route geringe Höhenunterschiede, auf dem „normalen“ Jakobsweg bis Fischingen 380 m im Aufstieg und 230 m im Abstieg, Weg oft schattenlos.

Der auf der von mir gegangenen Strecke nicht besonders abwechselungsreiche Weg war mir persönlich mit 27 km zu lang, evtl. verkürzen und die Strecke der nächsten Etappe hinzufügen.

Nach dem Abendessen im Kloster Fischingen schaute ich mir die prächtige Klosterkirche im Barock- und Rokokostil mit der Iddakappelle an. Den Abend ließ ich mit einem würzigen Klosterbier ausklingen und hoffte, dass der nächste Pilgertag weniger chaotisch verlaufen würde.

Heute war mein Bericht etwas länger als sonst, ich hoffe, er hat euch trotzdem gefallen. Über euer Feedback freue ich immer sehr.