Finale auf dem Münchner Jakobsweg

Wollt ihr wissen, ob und wie ich es zum Ziel des Münchner Jakobswegs in Lindau geschafft habe ? Dann schaut mal hier.

8.10.2019 Scheidegg nach Hergensweiler (Lindau), ca. 12 km

Beim Frühstück fragte mich die Wirtin, ob ich bei diesem Sauwetter tatsächlich wandern wollte. Es schüttete und Dauerregen war angesagt. „Natürlich,“ entgegnete ich, „das ist meine letzte Etappe. Ich will den Jakobsweg bis Lindau schafften.“ Zunächst holte ich mir den Pilgerstempel in der Touristeninformation in Scheidegg. Wieder wurde ich gefragt, ob ich vorhatte,  im Starkregen  zu pilgern. Ziemlich zuversichtlich nickte ich. Die längste Strecke ging es bergab, 800 m hinunter vom Allgäu an den Bodensee. Auch würde es unterwegs Einkehrmöglichkeiten geben, wo ich  mich ausruhen und die Kleidung trocknen konnte.

Zunächst lief ich bergauf bis zur Gallus-Magnus-Kapelle, die neben einem schönen holzverkleideten Bauerhof lag. Die Kirche war geöffnet und ich stellte mich kurz unter.
Jakobsweg3 (179)Jakobsweg3 (180)An den Scheidegger Wasserfällen kam ich vorbei, aber der Zugang war wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Im strömenden Regen stieg ich weiter hinauf und erreichte die Wendelinskapelle.
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Von nun an ging es bergab, im übertragenen und im tatsächlichen Sinn. Der Camino führte fast nur über steile Schotterwege, die mir, da das Regenwasser den Berg hinablief und die Steine zum Teil unterspült hatte, nicht geheuer waren. Bei jedem Schritt musste ich aufpassen. Vor einem Sturz in der verlassenen Gegend fürchtete ich mich.  Es gab so viele Waldwege wie nie zuvor auf dem Münchner Jakobsweg. Nun freute ich mich über jedes asphaltierte Stück.
Jakobsweg3 (189)Das Gasthaus in Niederstaufen, war zu meinem Entsetzen geschlossen und eine weitere Einkehrmöglichkeit sah ich nicht. Wegen des schlechten Wetters waren auch keine Passanten unterwegs, die ich hätte fragen können. Natürlich hatte ich gehofft, im Trockenen relaxen zu können.

Hinter Niederstaufen folgte ich dem Flüsschen Leiblach, das ich  überquerte wie im Pilgerführer beschrieben. Als ich auf der Brücke stand, sah ich, dass sich die Leiblach nach  tagelangem Regen in ein reißendes Gewässer verwandelt hatte.

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Der Pilgerführer erläuterte den Weg nach der Brücke folgendermaßen: „… Diesem Weg folgen Sie, bis er Sie wieder zurück zu einer Brücke über einen Bach bringt …“  Am anderen Ufer stand ein Muschelzeichen, dem ich folgte. Kurz danach hatte sich der Weg in eine Schlammwüste verwandelt. Ich versuchte, über heruntergefallene Äste zu balancieren, rutschte aber vom nassen Holz herunter und blieb bei jedem Schritt im zähen Matsch stecken. Der Weg endete schließlich am Flussufer.  Ungläubig starrte ich in die trüben Fluten. Der Jakobsweg war an dieser Stelle wohl überschwemmt worden. „Es reicht !“ rief ich in den menschenleeren Wald. “ St. Jakobus, was soll das ?“ Beim Zurückgehen nahm ich einem abzweigenden Pfad, der mich aber nicht auf den richtigen Weg führte. Dazu kam, dass es im Wald keinerlei Unterstellmöglichkeiten gab. Vor dem Starkregen schützte das Blätterdach nicht. Schließlich folgte ich einem Asphaltsträßchen in Richtung Hergensweiler, wo ich den Radweg nach Sigmarszell nehmen und dort  auf den Jakobsweg zurückkehren wollte.
Beim ersten Bauernhof sah ich einen überdachten Grillplatz. Ich klingelte, um zu fragen, ob mich dort unterstellen durfte. Ein Fenster im Erdgeschoss war gekippt, aber es öffnete niemand. Nach kurzem Warten stellte ich meinen Rucksack auf dem überdachten Platz ab, setzte mich auf ein Mäuerchen und legte eine kleine Brotzeit ein.

In Hergensweiler waren einige Frauen unterwegs, die gerade ihre Kinder abgeholt hatten. Endlich Leute, die man nach dem Weg fragen konnte ! Hinter dem geschlossenen Gasthaus entdeckte ich den Radweg nach Sigmarszell. Auf dem Camino betrug die Entfernung von Niederstaufen nach Sigmarszell fünf Kilometer, von Hergensweiler waren es für Radfahrer noch mehr als zehn. Die Entfernung von Sigmarszell nach Lindau betrug weitere zehn Kilometer. Inzwischen war ich völlig durchnässt und wäre noch länger als drei Stunden unterwegs gewesen. Die Bushaltestelle fand ich ohne Probleme. Als ich sah, dass in wenigen Minuten ein Bus nach Lindau ging, entschied ich mich schweren Herzens für die Busfahrt.Jakobsweg3 (197)Den Bodensee sah ich zum ersten Mal an einer roten Ampel in  Lindau-Rehlein. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich war ziemlich enttäuscht.

Der Bus fuhr nicht zur Insel Lindau, auf der die Altstadt liegt, sondern zum Berliner Platz. Der Platz mit seinem riesigen Kreisverkehr bildet einen Verkehrsknotenpunkt. Im  Jahr 2017 hatte mich der Flixbus dort abgesetzt. Beim Aussteigen hatte ich das Hotel, das direkt am Platz lag,  gesehen und gedacht. „Was für eine schreckliche Lage!“ Nun war mir alles recht, um die nassen Klamotten loszuwerden. Ich bekam sogar ein Zimmer zum Hof, das für eine Nacht ausreichend konfortabel und ruhig war. Dort breitete ich meine Kleidung zum Trocknen aus und zog mich um. Im Einkaufszentrum gegenüber regenerierte ich mich bei Kaffee und Kuchen. Danach holte ich mir auf der Insel die letzten Pilgerstempel, in der Touristeninformation und im Münster Unserer lieben Frau, wo ich mich in die Marienkapelle setzte, um über meine Pilgerwanderung nachzudenken. Obwohl ich traurig war, dass ich den Weg nicht bis zum Ende zu Fuß zurücklegen konnte, war ich doch ein bisschen stolz , dass ich es trotz des schlechten Wetters so weit geschafft hatte. Viele der wunderbaren Landschaftspanoramen und auch die anstrengenden Erlebnisse würde ich nicht so schnell vergessen. Beim Gehen hatte ich sehr intensive Eindrücke gewonnen. Ich hatte erlebt, was Goethe meinte: „Nur wo zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.“
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Lindau hatte ich bisher nur im Sommer besucht, als es von Besuchern nur so wimmelte. Nun wirkte die Altstadt wie ausgestorben. Die Cafés waren aber geöffnet. Dorthin waren die Touristen vor dem Regen geflüchtet. Eine wunderbare Pause verbrachte ich im urigen Buchcafé, wo ich nicht zum Lesen kam, weil ich mich sehr nett mit einem älteren englischen Ehepaar unterhielt.
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Danach spazierte ich am Bodenseeufer entlang zurück zu meiner Unterkunft. Es hatte endlich aufgehört zu regnen und zwischendurch schien sogar die Sonne.
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10.10.2019 Rückfahrt nach München

Mit dem Rucksack lief ich am nächsten Morgen zum Lindauer Hafen und  beendete dort (fast regulär) meine Pilgerreise auf dem Münchner Jakobsweg.
Jakobsweg3 (220)Dann nahm ich den nächsten Zug nach München. Von den 290 km des Münchner Jakobswegs hatte ich 260 km zu Fuß zurückgelegt. Die ausgelassene Strecke von 20 km am Westufer des Ammersees werde ich in einer Tageswanderung nachholen. Auf dem  Camino hatte ich 15 Tage verbracht, die Bahn brauchte für die ähnlich verlaufende Strecke gerade einmal drei Stunden.

Unterwegs sah ich das Wegstück, auf dem ich drei Tage vorher nach Stiefenhofen gelaufen war
https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/12/29/auf-dem-muenchner-jakobsweg-10/  .
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Fazit:
Der Münchner Jakobsweg verläuft zu einem großen Teil auf Asphalt oder Schotterwegen. Lange Strecken führen durch landwirtschaftlich geprägte Gegenden mit schönen Bauernhöfen und Begegnungen mit putzigen neugierigen Kälbchen. Unterwegs gibt es immer wieder prächtige Barockkirchen und liebvoll ausgestattete Kapellen zu bestaunen. Bei klarem Wetter kann der Pilger traumhafte Bergpanoramen genießen.
Für mich war die Strecke mit Gepäck anstrengend genug. Vor allem im Allgäu ging es ständig auf und ab. Wer fitter ist, kann die Etappen verlängern und den Weg in kürzerer Zeit zurücklegen.
Nicht gefallen hat mir, dass ich nur am 1. und 2. Tag eine  Pilgergruppe getroffen habe. Den Caminospirit, der im  Austausch mit anderen Pilgern entsteht, habe ich leider nicht erlebt.
Es würde mich reizen, den Weg in Lindau fortzusetzen. Von Lindau fährt ein Schiff nach Rorschach, wo einer der  Schweizer Jakobswege beginnt. Gehört habe ich aber, dass auch auf diesem Camino nur wenige Pilger unterwegs sind. Vielleicht gehe ich dann doch auf dem Camino portugues oder frances weiter. Schaun‘ mer mal  …

Wart ihr schon auf einem Fernwanderweg unterwegs, den ihr nicht wie vorgesehen geschafft habt ? Und hat es euch trotzdem gefallen ?

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Auf dem Münchner Jakobsweg (11)

8.10.2019 – Von Stiefenhofen  nach Scheidegg, ca. 20 km

Nun lässt es der Camino richtig krachen! Auf dem Münchner Jakobsweg  bin ich im Oktober mehrmals völlig  durchnässt worden.  Die Einkehrmöglichkeiten waren ein Trauerspiel: an mehreren Tagen gab es überhaupt nichts. Aber heute ist es nur stark bewölkt, dazwischen gibt es etwas Sonne, ab und zu fallen ein paar Tropfen, die kein Regenzeug erfordern, und in den Wolken entdecke ich einen zarten Regenbogen.
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Und das ist die Krönung: Ich sitze in Börser-Scheidegg in einem Café bei Latte Macchiato und einer köstlichen herb-süßen Biskuitrolle mit Schwarzer-Johannisbeer-Sahne. Die Gaststube ist im Stil der 60er Jahre eingerichtet. Am Nebentisch spielen drei ältere Damen Doppelkopf und fluchen dabei lautstark im Dialekt wie Pferdekutscher. Die freundliche Wirtin spricht mich tatsächlich an und und fragt, ob ich auf dem Jakobsweg pilgere und wie weit ich schon gelaufen bin. Toll, dass sich mal jemand interessiert! Ich erzähle ihr, dass ich schon sehr lange keine Jakobspilger mehr getroffen habe. Doch es gäbe sie schon, sie sehe einige pro Tag, aber nur wenige in dieser Jahreszeit.  „Wie weit ist es noch nach Scheidegg ?“ frage ich. Sie entgegnet, dass sie „auf Scheidegg“ bis zur Schule in 30 Minuten läuft.  Gut regeneriert breche ich auf, mein heutiges Ziel habe ich fast erreicht.
Jakobsweg3 (169)Morgens in Stiefenhofen hatte ich meinen inneren Schweinehund besiegt, indem ich keine Abkürzung wählte, sondern direkt zum Jakobsweg zurückging. Am Vortag hatte ich mir die spätgotische Kapelle in Zell gespart, um schneller zu meiner Unterkunft in Stiefenhofen zu kommen Auf dem Münchner Jakobsweg (10)
Nun fühlte ich mich gut ausgeruht und wollte ich nicht auch noch auf die Kirche St. Stephan in Genhofen bei Oberstaufen verzichten, wo es interessante Wandmalereien aus dem 16./17.Jahrhundert zu bewundern geben sollte. Das Sträßchen nach Genhofen führte durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend und war überhaupt nicht befahren. Auch die Bewohner waren nirgends zu sehen. Allerdings begleiteten mich ihre guten Wünsche.
Jakobsweg3 (127)Jakobsweg3 (130)Von weitem sah ich mit Bestürzung, dass die Kapelle von Genhofen vollkommen eingerüstet war. Beim Näherkommen entdeckte ich, dass die Kirchentüre offen stand.  Vorsichtig trat ich ins Kircheninnere. Die Handwerker, die an der Außenfassade arbeiteten,  hinderten mich nicht daran, womit ich eigentlich gerechnet hatte. Der Innenraum des Gotteshauses  schien völlig ausgeräumt zu sein. Durch eine Tür in einer Stoffabdeckung gelangte ich in die Apsis, wo ich den wunderschönen Hauptaltar aus dem 16. Jahrhundert mit Figuren der Muttergottes und von Heiligen bewunderte.  Im Pilgerführer stand, dass sich der Pilgerstempel hinter dem Altar im Beichtstuhl befände. Dieser stand tatsächlich noch dort, aber einen Stempel fand ich nicht. Aber die interessanten spätgotischen Fresken mit Wappen, Jagdszenen, Sonnenkreuzen und  vorchristliche Kultzeichen und Symbolen konnte ich bewundern.

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Draußen sah ich kein Wegzeichen. Es befand sich wahrscheinlich hinter dem Gerüst. Daher fragte ich die Arbeiter, die freundlich antworteten und die es nicht zu kümmern schien, dass ich in der Baustelle herum lief.
Der Weg führte durch ein Sägewerk, das verlassen schien. Dann kam ich zu einem Bauernhof. Davor stand ein Bauersfrau, die, bevor ich gefragt hatte, die Richtung zeigte und  „Da lang!“ rief.
Im nächsten Ort Hopfen setzte sich das fort. Als ich vor der  Kapelle St. Martin stand, kam sofort der Anwohner mit dem Schlüssel angelaufen. Auch einen Stempel gab es.
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Im Käselädele von Hopfen wurde eine aromatisch duftende Käseauswahl angeboten. Leider konnte ich nicht richtig zuschlagen, weil ich mit dem Rucksack unterwegs war. Also kaufte ich nur ein kleines Stück Allgäuer Emmentaler für meine nächste Brotzeit. Eine Einkehrmöglichkeit gab es nicht im Lädele. Ich bestellte frische Buttermilch, das einzige angebotene Getränk,  und setzte mich damit auf die Bank vor dem Geschäft. Die Milch war lauwarm und schmeckte anders als die aus dem Supermarkt. Nicht schlecht, aber doch gewöhnungsbedürftig. Nun ja, wenigstens würde mir das Kraft für die Wanderung geben, dachte ich.  Nach kurzer Zeit wurde es mir allerdings schlecht. Es ging aber schnell wieder vorbei.
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In Simmerberg kam ich um die Mittagszeit an. Nach einem kleinen Rundgang legte  ich eine Mittagspause im  Brauereigasthof ein. In der urigen Gaststube konnte man sogar beim Bierbrauen zuschauen. Mittags eine volle Mahlzeit zu essen, war ich nicht mehr gewohnt. Eigentlich wollte ich mir nur einen Snack bestellen, aber das gab die Speisekarte, die österreichisch beeinflußt war, nicht her. Das Backhendl mit Salat und Kürbiskernöl fand ich lecker, aber es gab zu viel paniertes Fleisch für meinen Geschmack.
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Hinter dem Ort folgte der Weg lange kleinen Straßen und führte auch ein kleines Stück an der B 308 entlang. „Na super,“ dachte ich und überlegte, ob ich wieder einmal ein bißchen fluchen sollte. Hinter dem nächsten Ort Hasenried ging es dann sehr steil hinunter, teilweise auf einem rutschig gerölligen Waldpfad. Das war garnicht mein Ding und ich fragte mich, worüber ich mich eigentlich vorher aufgeregt hatte.
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Kurz danach lief es sich sehr lauschig immer am Bach entlang bis nach Weiler. Der Camino bot mir gerade viele neue Eindrücke. Die Einkehrmöglichkeiten in dem  hübschen Ort  ließ ich links liegen, hatte überhaupt keinen Hunger.
Jakobsweg3 (162)Jakobsweg3 (160)Jakobsweg3 (163)Dann lief ich über Ortsteile von Weiler hinauf zur Altenburg. Als es nun zum ersten Mal an diesem Tag richtig bergauf ging, merkte ich, dass ich doch nicht so fit wie gedacht war. Außerdem begann es gerade zu tröpfeln, so dass ich schneller aufstieg und dadurch erst recht zu schnaufen begann. Die Ruine Altenburg fand ich zuerst nicht, obwohl ein kleiner Pfad ausgeschildert war. Viel zu sehen gab es nicht, die Steine der verfallenen Burg waren größtenteils für den Kirchenbau verwendet worden. Im schattigen Wald erzeugten die von der Vegetation fast überwuchterten Steinhaufen eine fast verwunschene Atmosphäre. 
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Weiter ging es, immer schön bergauf, nach Börserscheidegg, wo ich eine sehr angenehme Kaffeepause verbrachte (s.o.). Als ich aus dem Lokal trat, schien die Sonne. Es gab schöne Alpenblicke und mit ein bisschen Phantasie konnte man den nähergerückten Bodensee ahnen.Jakobsweg3 (166)Jakobsweg3 (170)

Das Höhenprofil im Pilgerführer hätte mich warnen sollen …   Auf den letzten fünf Kilometern  musste ich immer wieder aufsteigen, auch noch innerhalb von Scheidegg und zwar bis zu der von der Wirtin in Börserscheidegg erwähnten Schule. Für die Strecke brauchte ich viel länger als eine halbe Stunde. Um das zu schaffen, darf man nicht mit Rucksack gehen und eine stundenlange Wanderung sollte man auch nicht hinter sich haben. Oder man läuft wie die Einheimischen schon ein ganzes Leben lang auf solchen bergigen Wegen.
In Scheidegg schaute ich mir die Kirche an und ging dann zu meiner Unterkunft, die dankenswerterweise direkt gegenüberlag.
Was für ein abwechselungsreicher vorletzter Tag auf dem Münchner Jakobsweg !

Wie geht es euch beim Wandern auf Fernwegen, lauft ihr lieber bergauf oder bergab ?

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Wollt ihr wissen, ob ich es bis Lindau geschafft hebe, dann schaut mal hier nach :

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2020/02/03/finale-auf-dem-muenchner-jakobsweg/

Auf dem Münchner Jakobsweg (10)

7.10.2019  Von Weitnau nach Stiefenhofen, ca. 20 Km

„Nein, nicht schon wieder ! “ rufe ich laut in den menschenleeren Wald hinein. Der Pilgerführer hat mir prophezeit, dass es heute immer nach Erreichen einer „Ansteigung“ sofort wieder bergab geht. Leider allzu wahr ! Obwohl ca. 800 Höhenmeter zu bewältigen sind, liegen der Start und das Ziel der heutigen Etappe auf gleicher Höhe. Gestern  habe ich mich noch beklagt, dass der Wegverlauf und das Wetter eintönig  waren. Das ist heute überhaupt nicht der Fall! Auch das Wetter bietet mir viel Abwechslung. Vom Platzregen, über Nebel und Sonne ist alles dabei. „ Camino provides“? Aber dabei geht es doch um nur Positives, oder ? Heute handelt es sich eher um eine wilde Mischung.

Als ich morgens in Weitnau startete, sah ich einige Löcher in der Wolkendecke und freute mich auf besseres Wetter. Nach knapp 20 Minuten fing es an zu nieseln. Auf einer Bank auf einer Lichtung  zog ich mein Regenzeug an. Währenddessen begann es richtig zu schütten und ich wurde beim Umziehen ziemlich nass. Nach einer kurzen Strecke durch den Wald stellte ich mich bei einer großen Schutzhütte unter. Also doch, „Camino provides“ !

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Dort fror ich ziemlich schnell. Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, ging ich schnell weiter. Nun begann der im Pilgerbuch angekündigte Wechsel zwischen Bergauf- und Bergablaufen. Dann musste ich auch noch einen steilen Matschweg hinunterschlittern. Als ich mich gerade bitterlich beklagen wollte, weil ich das überhaupt nicht schätze, schien plötzlich wieder die Sonne. Nebelfetzen, die in den Baumkronen hingen, stiegen sehr fotogen nach oben.
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Vom nächsten Ort Williams erhoffte ich mir eine gemütliche Einkehr. Zwar wusste ich schon, dass das beste Restaurant Ruhetag hatte, aber da würde es bestimmt noch eine andere Möglichkeit geben. An einigen Skiliften kam ich vorbei und sah dort auch Restaurants. Wie die Lifte waren die Gaststätten leider außerhalb der Saison geschlossen. Auch meine Nachfrage bei Einheimischen brachte nichts. In einem anderen Ortsteil, der kilometerweit entfernt war, gab es wohl etwas aber in Williams nicht.
Eine freundliche Bäurin konnte mir auch nicht helfen, aber sie zeigte mir, wo der Jakobsweg wieder aus dem Dorf hinausführte. Leider war auch die Kapelle von Williams geschlossen, so dass ich keinen Pilgerstempel bekam.
Hinter dem Ort ging es zunächst bergab und dann ca. 1 km steil bergauf nach Aigis. Auch hier gab es keine Einkehrmöglichkeit und der Ort war wie ausgestorben. Vor einem Aussiedlerhof befand sich ein idyllischer Picknickplatz mit Holztisch und Bänken. Dort ließ ich mich nieder und packte meine Brotzeit aus. Neben der Bank lag ein kleiner Gedenkstein für ein verstorbenes Ehepaar mit der Aufschrift „Zu Hause waren sie in ihren geliebten Bergen“ . Als ich den Stein betrachtete und mir überlegte, ob es sich wohl um langjährige Feriengäste gehandelt hatte, sah ich die darauf fallenden Regentropfen. Fluchend legte ich mein Raingear wieder an. Meine Brotzeit nahm ich auf die Hand und flüchtete in den Wald. Der Camino machte mir mal wieder keinen Spaß !

Im Wald war niemand unterwegs und das sollte stundenlang so bleiben. Einige Male fehlte die Beschilderung an den Abzweigungen. Mir grauste davor, dass ich mich verirren könnte. Das Handynetz hatte sich passenderweise auch gerade wieder verabschiedet.Wer würde mich finden, wenn ich mich verletzte ?  Dem Rat des Pilgerbuchs folgend, dass man sich auf dieser Strecke an Weggabelungen immer links halten solle, fand ich den Weg. Bis Geratsried ging es wieder munter, teilweise steil, bergauf und gleich wieder bergab . Dort stand ich erneut vor einer geschlossenen Kapelle.
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Hinter dem Ort musste ich noch einmal steil bergauf gehen. Japsend erreichte ich einen großen Bauernhof. Wieder war keine Menschenseele zu sehen. Dann kam ich an eine Weide mit Kälbern. Die Tiere kamen sofort angallopiert und folgten mir soweit die Wiese am Weg entlang führte.
P1040376Diese nette Begegnung baute mich auf . Dann kam auch noch die Sonne heraus. Schließlich entdeckte ich eine sonnige Bank auf einer Anhöhe mit einer wunderbaren Aussicht auf leuchtend grüne Allgäuweiden. Dort setzte ich meine Brotzeit fort und  die Welt war wieder in Ordnung.
P1040380Obwohl es von nun an bergab ging, entschied ich mich für die Abkürzung nach Stiefenhofen, wo ich meine Unterkunft gebucht hatte. Dabei ließ ich die gotische Kapelle in Zell aus.  Schon wieder kein Stempel ! Aber nach meinen Erfahrungen im Allgäu war ich mir nicht sicher, ob die Kirche geöffnet sein würde. Auf dem Allgäu Radweg lief ich bis Stiefenhofen, das fast drei Kilometer vom Jakobsweg entfernt liegt. Der Weg folgte der Bahnstrecke von Lindau nach München und einmal fuhr ein Zug vorbei. Ansonsten handelte es sich um eine sehr schöne Strecke am Bach, die ich bei schönstem Sonnenschein zurücklegte.
Nur der letzte Kilometer nach Stiefenhofen verlangte mir Einiges ab. Es ging noch einmal richtig steil nach oben.
Als ich ziemlich erledigt im Hotel ankam, fragte mich der Gastwirt, wie weit ich gegangen war und wie lange ich gebraucht hatte (sechs Stunden plus Pausen) und meinte dann, soo lange würde er nicht brauchen (!).
Bei einem sehr schmackhaften Abendessen in der gemütlichen und gut besuchten Gastwirtschaft erholte ich mich von den Strapazen. An meinem Tisch unterhielt ich mich mit zwei Frauen. Die eine besuchte ihre Freundin, die in der Nähe wohnte, und sie wollte am nächsten Tag zunächst Richtung Lindau pilgern und dann über den Jakobsweg zurück in den heimatlichen Schwarzwald. Schade, dass ich die nette Frau auf dem Weg nicht wieder getroffen habe.

Wart ihr schon einmal alleine auf einem Fernwanderweg unterwegs und wie ging es euch ?
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Unso ging es weiter :

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2020/01/19/auf-dem-muenchner-jakobsweg-11/

 

 

 

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (9)

 Von Eschach und Buchenberg nach Weitnau, ca 20 km

Als ich morgens aus dem Fenster meiner Bauerstube schaute, war alles in dichten Nebel gehüllt. Der grandiose Panoramablick war mir nicht gegönnt.
Die Bäuerin hatte mir das Frühstück bereit gestellt, das ich ohne großen Appetit aß, eher pflichtschuldig, weil ich die Energie brauchen würde. Auch ein Brot für unterwegs schmierte ich, weil es wieder keinerlei Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke geben würde.  Es stand nicht fest, wie lange das Wetter halten würde. Immerhin regnete es gerade nicht, das musste ich ausnutzen. So brach ich ziemlich früh auf. Die anderen Gäste standen gerade erst auf. Ob sich dabei um Pilger oder um „normale“ Feriengäste handelte, würde ich nicht mehr erfahren. Meine Hoffnung in Pilgerunterkünften andere Pelegrinos zu treffen, hatte sich nicht erfüllt.

Zunächst musste ich zurück nach Buchenberg laufen. Die nette Bäuerin bot mir an, mich zu fahren, was ich dankend ablehnte. Sie kam gerade aus dem Stall und hatte noch nicht gefrühstückt. Der Bauer wollte mich auf eine Abkürzung schicken, die mich nicht zurück nach Buchenberg geführt hätte. Nachdem ich entdeckt hatte, dass es sich um ein Stück des Augsburger Jakobswegs handelte, lehnte ich ab. Das Verlassen „meines“ Caminos kam nicht in Frage. Nun ging ich auf dem Radweg an der Straße entlang recht angenehm leicht bergab. Der Nebel hing in Fetzen tief in den Bäumen. Am frühen Sonntagmorgen herrschte eine friedlich verwunschene Stimmung. An einer Weide vorbeigehend wollte ich eigentlich nicht schon stehenbleiben. Dann kam eine Horde neugieriger Kälbchen herangestürmt. Die Tiere tollten ganz herzallerliebst herum.  Auch als sie schon am Zaun standen, sprangen einige noch übermütig in die Luft. Wie froh war ich, dass ich das Angebot der  Bäuerin nicht angenommen hatte! So sorgte ich für Abwechselung im Rinderalltag und durfte mich über die Kleinen freuen. Mein auf dem ersten Teil des Jakobsweges gefasster Vorsatz (bis heute eingehalten), kein Kalbfleisch mehr zu essen, wurde noch einmal gefestigt.
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Von Buchenberg führte ein Schotterweg ziemlich gerade und eben fünf Kilometer durch einen schönen Mischwald. Auf dieser Strecke begegnete mir nur ein Paar, das seinen Hund ausführte.
P1040323Schließlich kam ich an die Kreuzung, an der ich mich entscheiden musste. Eine Wegvariante führte steil hinauf über Rechtis auf den Sonneckgrat. Dort entlang wandernd sollte man fünf Kilometer lang  sehr schöne Aussichten genießen können. Sodann ging es laut Pilgerbuch „steil bergab in den hübschen Ort (Weitnau)“. Die andere Variante führte über den Radweg nach Weitnau weitgehend eben aber 11 km lang geradeaus auf einem Schotterweg. Das würde sich ziehen. Andererseits war es immer noch sehr diesig. Die Aussicht fiel ohnehin flach. Außerdem riet das Buch, bei schlechtem Wetter, nicht über das Sonneck zu gehen. Trüb wie es war, konnte es jederzeit  zu regnen beginnen. Auf Rutschpartien beim Bergabgehen hatte ich überhaupt keine Lust, also beschloss ich, den Radweg zu nehmen.
Der Weg verlief zunächst durch die Hochmoore Breitenmoos und Schönleitenmoos. Auf einer Bank machte ich es mir kurz bequem und stärkte mich.
P1040328P1040330Kurz danach gab es sogar etwas zu entdecken, die Wasserscheide. Ohne das Schild, das schon bessere Tage gesehen hatte, hätte ich allerdings nicht erkennen können, dass es sich dort entscheidet, ob ein Wassertropfen Richtung Rhein oder Donau fließt.
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Nun näherte ich mich der B 12. Nach der langen Ruhe im Wald kam mir der stetig brausende Autoverkehr extrem laut vor.  Der Weg führte an der Bundesstraße nur kurz entlang, dann ging es durch eine Unterführung  auf die andere Seite. Schließlich befand ich mich so weit entfernt, dass ich die Straße zwar manchmal sah aber nicht mehr hörte.

P1040333Den Sonneckgrat konnte ich auf der anderen Seite der B 12 gerade noch erkennen. Dichte Nebelschwaden hingen dort fest. Eine Aussicht hätte ich da oben nicht gehabt und wäre vermutlich recht ungemütlich unterwegs gewesen. Von meinem Radweg konnte ich immerhin die nächsten Hügel auf der andere Talseite erkennen. Eigentlich verlief die Strecke durch eine schöne Berg- und Weidenlandschaft, aber dass es überhaupt kein Lokal gab, auch nicht in einem der Dörfer, die nicht weit vom Weg entfernt lagen, fand ich seltsam. Wenn es nicht gerade schüttet, habe ich kein Problem damit, mein mitgebrachtes Essen draußen zu verspeisen. Dumm ist aber, dass ich ohne Einkehrmöglichkeiten auf einer Wanderung kiloweise Wasser mitschleppen muss. Das machte mir nun zu schaffen. Das Gewicht des Rucksacks zerrte schwer an meinen Nackenmuskeln. Ich versuchte alles Mögliche, verstellte Hüft- und Schultergurte  und legte Trinkpausen mit Lockerungsübungen ein, auch um das Gewicht zu reduzieren. Nichts half wirklich, auch nicht, dass ich mir sagte, dass sei doch ein Luxusproblem. Immerhin hatte ich auf dem Weg noch keinerlei Rückenprobleme gehabt. Auch mit Blasen an den Füßen hatte ich überhaupt nicht zu kämpfen.
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Nach ungefähr zwei Stunden auf der schnurgeraden Strecke kamen mir immer mehr Radler und Spaziergänger entgegen. Nun konnte es nicht mehr weit bis zum Ziel sein. Das war gut so, denn kurz vor Weitnau begann es zu nieseln. Gottlob blieb es dabei und ich beendete die Etappe im Unterschied zum Vortrag  Auf dem Münchner Jakobsweg (8) ziemlich trocken.
In Weitnau holte ich mir den Pilgerstempel in der neugotischen Kirche St. Pelagius und ging dann zu meiner Unterkunft. Endlich wieder im Hotel !
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Seid Ihr schon eine längere Strecke auf einem eher langweiligen Weg gewandert ? Und wie habt ihr es erlebt ?

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Und so ging es weiter:

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/12/29/auf-dem-muenchner-jakobsweg-10/

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (8)

Regen, Regen …

„Schönwetterwandern ist anders!“ Durch das Fenster im Wirtshaus bei der Kapelle Mariaberg  schaue ich dem auf die Tische prasselnden Regen zu. Aber schließlich geht es beim Pilgern nicht um den Komfort. Es soll auch mühsam sein. Natürlich möchte ich mich auf dem Münchner Jakobsweg anstrengen und meine Grenzen austesten. Wie weit kann ich mit dem schweren Rucksack gehen? Kann ich die Tagesetappen steigern ? Das waren die Gedanken, mit denen ich den Weg begonnen hatte.
Jetzt regnet es pausenlos, schon seit 24 Stunden. Meine Zimmerwirtin hat mich heute morgen mit „ Das Wetter soll heute besser werden! „verabschiedet. Das erinnert mich an den Mutmacherspruch der Taxifahrerin auf Malta : „It is brrightening upp!“ Reisepech: Das Wetter !
Das stimmte seinerzeit nicht und ich fürchte inzwischen, dass das heute auch wieder nicht der Fall ist. Nun sitze ich etwas trübselig im Gasthaus. Es gibt keine weiteren Gäste. Der Kellner, der auf seinem Handy daddelt, wäre wahrscheinlich heilfroh, wenn ich bald aufbrechen würde. Vorhin habe ich mir auf der Toilette die Regenbekleidung aber auch das nasse Shirt ausgezogen und alles über einem Stuhl ausgehängt. Hier sitze ich nun bei Apfelküchlein und Tee und hoffe, dass die Klamotten ein bißchen trockener werden. Ärgerlicherweise habe ich mich auf meine Regenjacke verlassen und mein Regencape  wieder ausgepackt, um Gewicht zu sparen.  Eben habe ich zu meinem Schrecken festgestellt, dass die Jacke zwar einem Niesel-  aber keinem Starkregen standhält. Meine heutige Strecke ist zwar relativ kurz. Aber ewig im Restaurant auf besseres Wetter zu  warten, bringt es auch nicht. Außerdem wird es mir in den feuchten Sachen, die ich noch trage, langsam kalt. Nach einer knappen Stunde bezahle ich.
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Zunächst besuche ich die direkt gegenüberliegende Kapelle und hole  mir den Pilgerstempel. Soll ich  die Wanderung abbrechen ? Zurück in Kempten wäre ich in einer Stunde. Von dort könnte ich gemütlich mit dem Zug nach Hause fahren. Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage ! Wenn ich auf dem Camino in Spanien unterwegs wäre, könnte ich auch nicht ohne weiteres aufgeben. Das Pilgern bei Wind und Wetter gehört auch zum Jakobswegerlebnis. Auf geht’s ! Davon dass mir die Erfahrung des Regenpilgerns auf dem Münchner Jakobsweg schließlich intensiv gegönnt wurde, werde ich noch berichten …

Von Kempten nach Buchenberg und Eschach, ca. 10 Km

Morgens lieh ich mir einen Schirm von meiner Vermieterin und unternahm eine kleine Besichtigung von  Kempten bei  strömenden Regen. Zunächst schlenderte ich über den großen Wochenmarkt am Residenzplatz. Bei schönerem Wetter hätte man das vielfältige Sortiment sicher besser bewundern können. Dann ging ich noch zum historischen Rathaus und zur nicht weit entfernten evangelischen Kirche St. Mang. Am Samstagmorgen und bei regnerischem Wetter wirkte die Altstadt verlassen. Die Gassen und Plätze mit schön restaurierten Häusern und zahlreichen Caféterrassen würde ich gerne noch einmal bei Sonnenschein besuchen. In der Kirche St. Mang war es ziemlich dunkel,  aber den Stempel fand ich schließlich. Auf dem Rückweg besuchte ich die katholische Kirche St. Lorenz, die verschwenderischer ausgestattet war. Auch begann gerade eine Messe.  Der Innenraum war hell erleuchtet und  viele Bänke waren besetzt.
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Ich hatte mir Zeit gelassen. Meine Etappe sollte nur 14 km betragen. Auch wartete ich  noch auf besseres Wetter. Gegen 10 Uhr brach ich schließlich in voller Regenmontur auf.  Der Jakobsweg führte über einen steilen Anstieg aus der Stadt. Danach ging es gleich wieder hinunter zu einem schon etwas angeschwollenen Flüsschen und dann durch einen Mischwald. Im Wald spürte man den Regen nicht so stark und ich freute mich über schönen Trampelpfad und die schon buntgefärbten Laubbäume. Leider war meine Freude von kurzer Dauer.
Nach einem kurzen steilen Aufstieg am Ufer des Bachs gelangte ich auf die Mariaberger Straße. Der Jakobsweg verlief  von da an entlang der wenig befahrenen Straße sicher auf einem aspaltierten Gehsteig . Allerdings war ich nun dem Regen ausgesetzt. Es gab keinen Schutz durch Bäume oder Ähnliches. Zunächst hatte das sanfte Rauschen des Regens, das alle Geräusche dämpfte, fast etwas Meditatives. Bald merkte ich aber, dass Feuchtigkeit durch meine Regenjacke drang und mich am Oberkörper, vorne wo der Rucksack mich nicht schützte, durchnässte. Erleichtert stellte ich fest, dass wenigstens die von H. geborgte Regenhose „dichthielt“. Ich wollte schnell ins Trockene und ging den Anstieg von insgesamt 300 m etwas schneller als gewöhnlich an. Schnaufend kam ich in Mariaberg an und flüchtete mich zunächst ins Wirtshaus (s.o.).
Danach führte der Jakobsweg steil auf einen Wiesengrat mit Bänken, von denen man laut Pilgerführer eine wunderbare Aussicht auf Kempten und die Berge haben sollte …
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Nach kurzer Zeit ging es wieder hinunter zur Straße, die ich in Mariaberg verlassen hatte. Dieser Umweg diente einzig dem Zweck, dem Wanderer einen schönen Blick zu bieten. Nun ja !

Im Pilgerführer hatte ich gelesen, dass der folgende Abstieg zum Herrenhauser Weiher auf einem steilen Schotterweg verlief. Das Höhenprofil zeigte eine stark abfallende Linie an. Da ich keine Freundin des Bergabgehens bin und mich dabei schon verletzt habe, fürchte ich mich ein bißchen vor diesem Wegstück. Auf dem Weg zum Weiher hatte ich insgesamt zwei Wanderer gesehen, die aber in eine andere Richtung abgebogen waren. Wer würde mir helfen, wenn ich ein Problem bekäme ?
Zunächst folgte ich dem fast ebenen Weg,  auf dem sich schon große Pfützen gebildet hatten.

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Richtig steil wurde es dann nur an zwei Stellen, die ich mit meinen Wanderstöcken sehr vorsichtig, aber gut bewältigen konnte.
Am Herrenwieser Weiher (s. Beitragsbild) herrschte „total tote Hose“. Kein Wunder, das Wetter lud nicht wirklich  zum Spazierengehen ein. Nun gab es zwei Varianten des Jakobsweges. Eigentlich hatte ich die Etappe über Ermengest nach Buchenberg gehen wollen. Durchnässt wie ich war, entschied ich mich nun für die steilere Strecke über Ahegg, die vier km kürzer war.
Kurz vor Buchenberg, als ich gerade wieder ohne Unterstellmöglichkeit über ein Wiesenstück querte, setzte ein regelrechter Wolkenbruch ein. In kürzester Zeit war ich bis auf die Haut durchnässt. Das war das erste Mal, dass ich laut fluchte. „Was soll das jetzt noch, Petrus ? Es reichte doch schon !“ Es war niemand in der Nähe und mir tat das Rufen gut.
In Buchenberg musste ich den Besuch der Kirche St. Mang verschieben. Vor der Kirchentüre standen festlich gekleidete Hochzeitsgäste, die meine patschnasse Erscheinung entgeistet anstarrten. Stattdessen flüchtete ich ins gegenüberliegende Café, wo ich mich einigermaßen zivilisiert herrichtete und mit meinem koffeinhaltigen Lieblingsgetränk und einer Semmel stärkte. Danach ging ich noch in Kirche und holte mir den wohlverdienten Stempel.
Ich hatte eine pilgerfreundliche Unterkunft auf einem Bauerhof gebucht, der allerdings in Eschach, vier  Kilometer entfernt vom Jakobsweg  lag. Meine Bereitschaft, noch weiter durch den Regen zu stapfen, war sehr überschaubar. Daher telefonierte ich mit dem Bauern, der mich netterweise mit dem Auto abholte. Auf dem Hof wurde ich sehr herzlich von der Bäuerin empfangen, die mir auch noch selbstgebacken Apfelkuchen gab. Meine nassen Sachen  drapierte ich über der Heizung und sämtlichen Möbelstücken. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich sehr erholsam  in meinem gemütlichen Zimmer, einer holzgetäfelten Bauernstube. Schade war nur, dass es während meines Aufenthalts neblig blieb. Auf dem Foto in der Gemeinschaftsküche war der traumhafte Panoramablick zu sehen, den man bei besserem Wetter gesehen hätte.

Was haltet ihr vom Pilgern im Regen ? Seid ihr schon einmal richtig nass geworden ?

Über eure Likes und Kommentare freue ich mich immer sehr.

Und so ging es weiter https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/11/13/auf-dem-muenchner-jakobsweg-9/

Auf dem Münchner Jakobsweg (7)

Fortsetzung des Münchner Jakobswegs im Oktober 2019

2. Etappe von Geisenried nach Kempten, ca. 25 km

Eben habe ich mich noch über ein herrliches Alpenpanorama gefreut und nun, nur eine knappe Stunde später, stehe ich am Rand des Kemptner Waldes, buchstäblich alleine auf weiter Flur und ratlos. Von meinem Weg zweigt ein anderer ab, aber eine Beschilderung finde ich nicht. Wenn es kein Schild gibt, bleibe ich normalerweise auf dem Weg .

Aus den Aktualisierungen zum Pilgerbuch habe ich mir eine Beschreibung von zwei kritischen Punkten ausgedruckt. Ich zitiere “ (Seite) 126, nach Oberthingau: Hier ist an einem Dreiweg mitten im Kempter Wald kein Schild angebracht. Der falsche Weg verliert sich nach einigen hundert Metern in einem Moos. Hier bräuchte es an folgenden zwei Stellen dringend ein Schild bzw. einen Hinweis im Buch. Die beiden neuralgischen Punkte befinden sich an folgender Stelle: (es folgen GPS Koordinaten)Unklar war mir, wie man sich an den beiden „neuralgischen „Punkten verhalten sollte. Nachdem ich zu Hause meinen ausgedruckten GPS-Track gecheckt habe, meine ich, dass ich zweimal rechts abbiegen muss. An der ersten Stelle bin ich wohl schon vorbei. Dort war der Weg,  wenn auch etwas versteckt, ausgeschildert. Sicher bin ich mir nicht, ob ich mich nun am zweiten Ort befinde. Ich schaue bei Google Maps nach und nach dem GPX Track von outdooractive. Fehlanzeige: kein GPS und kein Telefonnetz !

Durch den Kemptner Wald verläuft der Jakobsweg  18 km lang ohne Orte und ohne Einkehrmöglichkeiten. Im Pilgerführer steht,  dass es im Wald lange, immer gerade Strecken gäbe, die psychische Widerstandskraft erforderten, da man das Gefühl haben könne, nicht vorwärts zu kommen. Auch könne es wochentags recht einsam werden. Tatsächlich bin ich heute, seit ich Oberthingau verlassen habe, noch keinem Menschen begegnet. Nur ein paar Kühe von der nahen Weide schauten mir leise schnaubend und interessiert zu,  wie ich mit dem Buch, der Karte und dem Smartphone hantiere. Daher kann nicht darauf hoffen, dass gleich jemand vorbei kommt, den ich nach dem Weg fragen kann.

Immerhin muss ich heute die längste Etappe bewältigen und will mich auf keinen Fall verlaufen, wie es einigen Pilgern hier wohl schon passiert ist. Das darf einfach nicht geschehen. Ich atme mehrmals tief ein und aus. Die frische Waldluft tut mir gut und beruhigt die Nerven. Der Weg, der gerade aus führt, scheint im Bogen in die Richtung zu gehen, aus der ich gerade gekommen war. Derjenige der nach rechts abzweigt, führt in einiger Entfernung über einen schmalen Bach. Ich sehe einen dünnen blauen Strich auf der Karte.  Es kann sich doch um den richtigen Weg handeln. Nun nehme ich die Abzweigung und was sehe ich, als ich den Bach überquere ? Ein neues Jakobswegzeichen, die sog. Schwabenmuschel, nur ganz schwach zu erkennen (Das Foto habe ich so bearbeitet, dass ihr das Muschelzeichen sehen könnt. So deutlich war es in der Realität nicht zu erkennen.) Kurz danach ist der Jakobsweg wieder deutlich ausgeschildert. Uff, geschafft !

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Um 8:30 Uhr war ich mit Proviant und vollen Wasserflaschen von Geisenried aufgebrochen. Gespannt war ich auf diese lange Tour und auch ein bisschen besorgt. Was sollte ich tun, wenn mich auf der langen Waldstrecke die Kräfte verließen oder ich mich verletzte ?

Nachmittags war Regen angesagt. Als ich aufbrach, war es zwar kalt, aber angenehm zum Laufen und einen (letzten) wunderschönen Alpenblick gab es auch. Bei schönem Sommerwetter war die Sicht auf die Berge nicht so schön gewesen, sondern eher diesig.P1040265Ich passierte zwei Dörfer, Osterberg und Oberthingau, und wollte eigentlich noch einmal einkehren, bevor ich in den Kemptner Wald ging. Aber am frühen Vormittag hatte noch kein Gasthaus geöffnet. In Oberthingau füllte mir eine sehr nette Frau noch meine Wasserflaschen, so dass ich gut ausgestattet weiterziehen konnte. Im Wald legte ich dann eine Brotzeit in einer Schutzhütte ein, die direkt an einer Kuhweide stand. An dem abgelegenen Ort am Waldrand wäre es eigentlich sehr ruhig gewesen. Allerdings läuteten die Kuhglocken fast schon ohrenbetäubend.

Nachdem ich mein oben beschriebenes Orientierungsproblem gelöst hatte, begab ich mich in den „gefürchteten“ Kemptner Wald. Stimmt, es war dort oft ziemlich monoton. Kilometerlange schnurgerade Wege, die durch Nadelholzmonokulturen führten und auch noch stetig anstiegen, herrschten vor. Auch lief man ständig über nicht endenwollende Schotterwege. Aber ich war vorbereitet und fand es nicht so DSC_3907Nachdem ich  fast vier Stunden gewandert war, erreichte ich die Kemptner Waldkapelle. Die letzten hundert Meter legte ich im Laufschritt zurück. Der Regen hatte begonnen, so dass ich mich regelrecht in die Kirche flüchtete. Dort zog ich den Regenschutz über den Rucksack und meine Regenhose an.
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Es regnete nur leicht, als ich weiter zum Dengelstein ging, hörte allerdings während der Wanderung auch nicht mehr auf. Nach der Kapelle musste ich noch etwas aufsteigen, dann war der höchste Punkt mit ca. 950 Meter erreicht.
Der Dengelstein gehört mit einer Höhe von über acht Metern zu den größten noch erhaltenen Findlingen des Kemptner Waldes. Während der Eiszeit wurde er vor etwa 18.000 Jahren durch den Illergletscher bis zu seinem jetzigen Standort transportiert. Es wird vermutet, dass er sowohl als heidnische Kultstätte als auch als Gerichtsstätte diente. So groß und mächtig hatte ich mir den Findling nicht vorgestellt. Auch fand ich den Ort  bei dem trüben Regenwetter geradezu unheimlich.
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Weiter ging es bei stetig rauschendem Regen bergab Richtung Kempten. Am Bachtelweiher in der Nähe der Stadt  konnte ich endlich einkehren. Nachdem ich mein nasses Zeug im Vorraum deponiert hatte, ließ ich es mir bei Latte Macchiato und Kuchen gut gehen. Köstlich, wie der Kaffee duftete ! Zum Frühstück hatte ich so etwas Gutes nicht bekommen und natürlich auch nicht unterwegs.

Der Weg durch die Kemptner Vorstadt wollte dann doch kein Ende nehmen. Nachdem ich die St. Mang Brücke zur Altstadt überquert hatte, galt es mein Privatquartier zu finden. Ziemlich bald verabschiedete sich Google Maps. Ratlos stand ich am Kemptner Residenzplatz für dessen Schönheit ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Blick hatte. Nachdem ich meine Vermieterin zweimal angerufen und um eine Wegbeschreibung gebeten hatte, gelang es mir das Haus zu finden, wo ich nach fast neun Stunden Wanderzeit erschöpft eintrudelte.
H. hatte  mir schon ein Whats App geschickt „Lebst du noch ?“, das ich mit  „Ja, so gerade noch…“ beantwortete.

Abends musste ich dann noch einmal hinaus in den Regen, hatte es aber nicht weit zur Altstadt und konnte dort gemütlich essen gehen. Ein bisschen stolz war ich schon, dass ich die lange Strecke geschafft hatte. Die nächste Etappe würde viel kürzer sein, allerdings war wieder Regenwetter angesagt.

Wart Ihr schon im Dauerregen wandern und wie fandet ihr es ?

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Wollt ihr wissen, wie es mir auf der Wanderung am Vortag erging, dann schaut doch mal hier  Auf dem Münchner Jakobsweg (6)

und so ging es weiter

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/11/04/auf-dem-muenchner-jakobsweg-8/

 

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (6)

Meine Fortsetzung des Münchner Jakobswegs im Oktober 2019

Nach einem ziemlichen Sommertheater mit großer Hitze war ich sehr gespannt, was mir der Weg im Herbst bescheren würde. Meine Hoffnung war, dass ich im sog. Goldenen Oktober einen ideales Wanderklima vorfinden würde. Nun ja, die  Wettervorhersage war durchwachsen. Aber ein bisschen Regen würde mich nicht umbringen. Ich hatte keine Ahnung …

1. Etappe von Stötten nach Geisenried,  ca. 17 km

Wie schon angekündigt wollte ich den Weg in Stötten am Auerberg fortsetzen.  Dort hatte ich die Wanderung beendet, ein bisschen früher als beabsichtigt Auf dem Münchner Jakobsweg (5)

H. brachte mich morgens am 3.10. zum Gasthaus in Stötten. Ich merkte gleich, dass eine andere Stimmung herrschte. Der Gastgarten war geschlossen und auf der Straße gab es keine Passanten. Ich sah ein junges Paar mit Rucksäcken, das in Richtung des Jakobswegs ging. Diese Leute hätte ich gleich ansprechen sollen. Wahrscheinlich waren es Jakobspilger und die sollte in den nächsten Tagen nicht mehr treffen. Aber zunächst ging ich noch einen Cappuccino trinken und die Kirche musste ich vor der Fortsetzung meiner Pilgerreise auch noch besuchen.

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Dann ging ich zügig los. Hinter mir, am Auerberg, ballten sich schon gewaltige dunkele Wolken zusammen. Ein kalter Wind pfiff, aber das Wetter hielt an diesem Nachmittag. Ich hatte fast den Eindruck, dass ich den Regenwolken davon laufen konnte.

Das Gehen bei kälteren Temperaturen fand ich wesentlich angenehmer. Allerdings wog mein Rucksack mindestens ein Kilo mehr als im Sommer. Auch mehrmaliges Ein- und Auspacken hatte daran nichts geändert. Zwar hatte ich jedes Teil auf die Küchenwaage gelegt und Einiges aussortiert, aber das hatte nicht viel geholfen. Ich traute mich z.B. nicht auf meine orthopädischen Knieschützer zu verzichten, die ich bei steilen Abstiegen brauche. Und es gibt so Einiges, von dem ich früher nie gedacht hätte, dass ich einmal mitschleppen muss. Daher machte mir das Rucksacktragen etwas zu schaffen, aber sonst war alles gut.

P1040237P1040240P1040238Auffällig war, dass am Feiertag nur wenige Leute unterwegs waren. Im Wald traf ich einen einsamen Jogger und einen Radler. Bei einer Trinkpause  freute ich mich über die Gesellschaft einer neugierigen Muh.P1040241DSC_3900Auf der wunderschönen Kurfürstenallee mit 200 Jahre alten Lindenbäumen bei Marktoberdorf traf ich dann auf einige Spaziergänger.P1040253Gut  war, dass ich in Marktoberdorf eine Pause mit alkoholfreiem Weißbier und Flammkuchen einlegte.

P1040254Danach musste ich zwar nur noch knapp 5 km zu meinem Tagesziel Geisenried laufen, aber die hatten es in sich. Von Marktoberdorf nach Kempten verläuft der Jakobsweg in zwei Varianten. Die eine über Görrisried  ist 41 km lang und die andere über Oberthingau, die ich gewählt hatte, nur 31 km. Außerdem würde ich nun bereits bis Geisenried gehen, so dass ich am nächsten Tag „nur“ 26 km zurückzulegen hatte. Die alternative Strecke sollte landschaftlich schöner sein, der Pilgerführer riet aber zu einer Übernachtung in der Mitte. Dort hatte ich kein Quartier gefunden.

Wie im Wanderbuch beschrieben ging es nun an der vielbefahrenen B 472 entlang. Es gab zwar einen sicheren Rad- und Fußweg aber diesem musste man über Kilometer durch mehrere Gewerbegebiete folgen. Erst kurz vor Geisenried kam die Abzweigung auf die kleine Ortsstraße, die neben wohltuender Ruhe auch eine schöne Aussicht auf die Berge im Abendlicht bot. Kurz danach erreichte ich den Gasthof, in dem ich meine Übernachtung gebucht hatte. Mit meinem ersten Wandertag war ich ganz zufrieden. Die Strecke war fast eben und mir zum Einlaufen mit dem Rucksack auch nicht zu lang gewesen.

Wie würde meine Wanderung nach Kempten verlaufen ? Meine längste Etappe auf dem Münchner Jakobsweg stand bevor. Es gab erst kurz vor Kempten eine Einkehrmöglichkeit und davor würde ich recht einsam durch den ausgedehnten Kemptner Wald gehen. Ein bisschen grauste es mir vor dem nächsten Tag.

Wie geht es euch bei Fernwanderungen ? Und wie plant ihr eure Etappen ?

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Und so ging es weiter Auf dem Münchner Jakobsweg (7)

Auf dem Münchner Jakobsweg (5)

Wieder einmal war ich auf dem Münchner Jakobsweg unterwegs. An fünf Tagen wollte ich von Dießen am Ammersee nach Marktoberdorf laufen. Bis Lechbruck hatte alles recht gut geklappt, wie schon berichtet.

Am letzten Tag wollte ich eine Strecke von 26 km zurücklegen. Es sollte meine „Königsetappe“ werden.  Wahrscheinlich wollte ich mir beweisen, dass ich so weit mit Gepäck laufen kann. Wie dem auch sei, es hat nicht ganz funktioniert.

Von Lechbruck nach Stötten am Auerberg , 15 km

Morgens brach ich in Lechbruck auf und lief vorbei an der Kirche, eine der wenigen am Weg, die geschlossen waren. Den Pilgerstempel hatte ich aber schon im Hotel bekommen.
Am Vortag hatte ich geflucht, dass ich zum Hotel noch bergauf durch den Ort gehen musste.  Das kam mir jetzt zugute. Sehr schnell erreichte ich den Jakobsweg, der als Panoramaweg wunderbare Ausichten über den Ort, den Lechstausee und die Berge  bot.

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Auf dem weiteren Weg gab es kilometerweit keinen Schatten. Als ich durch die pralle Sonne lief, merkte ich schon, dass ich mich nicht fit fühlte. Ich durchquerte Gegend mit schön bemalten Bauernhäusern und wunderte mich, dass ich, obwohl es Samstag und damit kein Tag für Pendler war, nur wenige Einheimische sah. War es ihnen etwa zu heiß ?

P1020524 - KopieP1020526P1020529P1020544Nach einem sanften Anstieg musste ich mich schon erholen. Auf einer Bank im Schatten vor einer Kapelle legte ich eine Trinkpause ein.P1020534

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In Bernbeuren schaute ich in der Kirche vorbei und stärkte mich für den bevorstehenden Aufstieg zum Auerberg mit einem starken schwarzen Kaffee. Ein Café gab es nicht, aber einen Laden und gemütliche Bänke.

P1020542Zunächst verlief der Wanderweg  durch die romantische Feuerschlucht mit geringen Steigungen. Das sanfte Plätschern des Baches war sehr wohltuend.

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Aber dann ging es richtig zur Sache.  Der Anstieg um 300 m auf den 1055 m hohen Auerberg verlief sehr steil. Der Jägersteig ging am Waldrand entlang und war größtenteils schattig . Es gab auch immer wieder schöne Aussichten. Ich schleppte mich aber mühsam auf den Berg.

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Auf dem Auerberg angekommen legte ich eine Mittagsrast ein. Ich war ausgepowert, hatte auch sehr viel Wasser getrunken, so dass ich kaum Hunger hatte. Eine Rinderbrühe mit Brätstrudel und ein Kaffee weckten meine Lebensgeister wieder. Danach war ich fit genug um über die enge Holztreppe auf den Turm der St. Georgs-Kirche zu klettern und die Aussicht zu bewundern.

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Nun folgte ein angenehmer Waldweg, der ohne starkes Gefälle nach Stötten führte. Trotzdem kam ich ziemlich geschafft dort an. Als ich bei Cappuccino und Apfelstrudel saß, konsultierte ich den Wanderführer. Der Weg nach Marktoberdorf schaute recht eben aus, aber ich hätte noch fast 12 km laufen müssen. Die Kellnerin bestätigte mir, dass es über Wiesen ging und dass die Strecke nur sehr wenig Schatten bot. Nun musste ich leider zugeben, dass ich mein Ziel nicht erreichen würde. Ein letztes Kirchenfoto knipste ich noch mit dem Handy. Das Innere der Kirche besichtige ich, wenn ich den Weg, wahrscheinlich im Oktober, an dieser Stelle fortsetze.
DSC_1377 - KopieNachdem ich festgestellt hatte, dass der nächste Bus erst mehrere Stunden später fuhr, bestellte ich mir ein Taxi. Es brachte mich zum Bahnhof Markoberndorf, wo ich nach kurzer Wartezeit  in den Zug nach München stieg.

Fazit:

Den Münchner Jakobsweg bin ich bis Kilometer 159 gegangen. Die 25 km, die ich am Ammersee ausgelassen habe Auf dem Münchner Jakobsweg (3), werde ich auf einer Tageswanderung nachholen.

Während meiner 134 km habe ich einige Tageswanderer gesehen, aber fast keine Pilger getroffen. Gleich zu Beginn des Weges in den Münchner Isarauen unterhielt ich mich mit einer Pilgergruppe vom Bodensee, die von München zurück nach Hause unterwegs waren. Weitere Wanderer mit Rucksack, insgesamt vielleicht fünf, habe ich nicht angesprochen, um sie zu fragen, ob sie den Weg gehen wollten. Am Münchner Jakobsweg gibt es keine Pilgerherbergen. Künftig möchte ich häufiger in pilgerfreundlichen Unterkünften übernachten und hoffe, dort andere zu treffen mit denen ich mich über Pilgererlebnisse austauschen kann.

Auf dem Weg konnte ich bei schönstem (wenn auch heißem) Sonnenschein schon sehr oft herrliche Landschaftsbilder und prächtige Rokokokirchen zu bewundern. Nicht so gut gefallen hat mir der hohe Asphalt-  bzw. Schotteranteil. Das wird hoffentlich besser, wenn ich den Weg im Herbst bis Lindau weiter gehe. Und vielleicht gelingt mir dann ein Tagesdurchschnitt von 20 km.

Eine Frage beschäftigt mich: wie weit muss ich eigentlich pilgern, bis mir die innere Einkehr gelingt ? Ich habe den Verdacht, dass dieses Erlebnis bei mir etwas länger dauern könnte. Nun ja, bis Lindau habe ich noch 131 km und dann bis Santiago …

Wie ging es euch, wenn ihr gepilgert seid ?

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Wollt ihr wissen, wie es mir im Oktober erging, als ich den Weg fortgesetzt habe. Meine Bericht beginnen hier:

Weiter geht’s auf dem Münchner Jakobsweg .

 

 

 

 

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (4)

Wer zum ersten Mal eine Fernwanderung mit Rucksack unternimmt, erwartet wundgelaufene Füße und schmerzende Knochen. Wunderbarerweise war das bei mir nicht der Fall. Allerdings bekam ich ein anderes Problem …

Von Rottenbuch nach Lechbruck, 20,5 km, 282 m nach oben und 278 nach unten

Wie schon berichtet war ich am 3. Abend nicht sicher, ob ich die Wanderung mit meiner Blasenentzündung fortsetzen konnte. Auf dem Weg durch die Ammerschlucht war ich doch ziemlich eingeschränkt gewesen Auf dem Münchner Jakobsweg (3) .
Am nächsten Tag ging es mir nicht besser. Beim opulenten und sehr leckeren Frühstück mit selbstgekochten Marmeladen (von dem ich kaum etwas essen konnte) erzählte ich meiner Wirtin von meinen Malaisen und fragte sie nach der Busverbindung nach Marktoberdorf. Die reizende Frau telefonierte sofort mit der einzigen Ärztin im Dorf und organisierte mir einen Termin um 8.30  Uhr, noch vor dem Sprechstundenbeginn. Die Ärztin berichtete, dass die Jakobswegpilger in der Regel mit schlimmen Blasen oder Kniebeschwerden zu ihr kämen. Die nette Frau Doktor verschrieb mir Antibiotika gegen den Harnwegsinfekt und Schmerzmittel.  Sie hatte keine Bedenken, dass ich den Weg fortsetzte, wenn ich mich gut genug fühlte.
Gegen 10 Uhr konnte ich doch noch in Rottenbuch aufbrechen. Nun begannen wieder die üblichen schattenlosen Kies- und Asphaltwege. Zwischendurch sah ich aber immer wieder schöne Bergpanoramen und war einfach glücklich, dass ich weiterlaufen durfte.P1020466 - KopieBis Wildsteig ging es immer wieder leicht bergauf. Im Ort sah ich die Kirche auf einem Hügel. Ich konnte gerade noch ein Foto schießen, mich aber nicht dazu überwinden,  auf den Kirchenhügel zu steigen. Mir fehlte die Energie und vielleicht machte sich auch eine  beginnnende Übersättigung mit Rokokokirchen bemerkbar.

Auf dem Weg zur Wieskirche kam ich an dem kleinen Weiler Holz vorbei. Vor der Dreifaltigkeitskappelle wurde auf die Entfernung bis Santiago hingewiesen. Ganz schön weit! Ich bewundere Pilger, die vom Wohnort starten und dann die gesamte Strecke zum Grab des Apostels laufen. Irgendwann möchte ich auch nach Santiago pilgern, aber doch lieber in Portugal oder in Frankreich starten.P1020472 - KopieP1020475 - KopieDie  Wies-Kirche (Wallfahrtskirche zum gegeißelten Heiland) konnte ich schon von Weitem sehen. Die weltberühmte Kirche gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und wurde im 18. Jahrhundert von den Gebrüdern Zimmermann erbaut bzw. mit Stuckaturen ausgestattet.
P1020484 - KopieZahlreiche Reisebusse mit, oft asiatischen, Touristen waren eingetroffen. Große Besuchermassen strömten in die Kirche.  Der Andrang hatte den Vorteil, dass es im Wirtshaus eine gute Essensauswahl gab. Ich legte erst einmal eine ausgedehnte Mittagspause ein. Auch eine Kopfbedeckung konnte ich an einem der vielen Souvenirstände kaufen, sogar ohne Aufdruck von der Wieskirche, nachdem ich meinen Hut in der Ammerschlucht bei der Buschtoilette verloren hatte.
DSC_1374 - KopieNach dem Mittagessen besuchte ich die Wieskirche. Das Kircheninnere, das  von einzigartiger Schönheit sein soll, ließ mich seltsamerweise kalt. Auf dem Münchner Jakobsweg hatte ich schon sehr viele Rokokokirchen besucht und nach kurzer Zeit hatten sie mir gefallen. Von außen wirkten die Kirchen ziemlich schlicht.  Wenn ich als erschöpfte Pilgerin ins helle, verschwenderisch ausgestattete Kircheninnere trat und  unter anderem die wunderbaren Deckenfresken mit ihren Pastellfarben bewunderte,  war das ein ziemlich erhebendes Gefühl. Auch meine ich, dass die Bayern und Barock gut zusammenpassen. Auf die Wieskirche trifft alles Genannte zu,  aber die Ausstattung aus dem Spätrokoko war mir doch zu überladen. An vielen Statuen hingen oft mehrere Putten, um die noch zusätzlich farbenfrohe, oft goldene, Girlanden aus Stuck drapiert waren.
Den  Pilgerstempel gab es hinter der Kirche in einem Kasten. Mit dem Gotteshaus und den Besuchermassen im Rücken konnte ich die Landschaft bei der Wieskirche ungestört bewundern, den fantastischen Blick über Wiesen, Wälder und ins Gebirge. Die Wallfahrtskirche, die  auf einem kleinen Hügel liegt, wirkt wie auf einem Präsentierteller, lenkt aber auch den Blick auf die Schönheit der Natur.

Der Jakobsweg führte weiter über Brettersteige durch ein kleines Hochmoor, das Wiesfilz, das zum Teil mit krüppeligen Kiefern bewachsen war. Erstaunlicherweise gab es trotz wochenlanger Hitze  noch viel Morast. Ich war jedenfalls froh, dass die Holzbohlen trocken und nicht rutschig waren.
P1020498 - KopieP1020500 - KopieEs folgte eine sehr angenehme Strecke. Der Weg verlief mäßig bergab durch den schattigen Wald. Mir kamen die fünf Kilometer überhaupt nicht lang vor.
Das Welfenkloster in Steingaden war leider wegen Renovierung geschlossen.
P1020501 - KopieBevor ich Steingaden verlies, musste ich mich noch mit einem sehr schmackhaften Stück Joghurt-Beeren-Torte und Cappuccino für die letzten sechs Kilometer nach Lechbruck stärken.
In der Gluthitze des Nachmittags stieg ich zunächst auf die kleine Anhöhe „Auf der Egg“. Für die Mühen des kurzen, steilen Anstiegs in der Sonne wurde ich wieder mit einer schönen Aussicht belohnt.
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P1020509 - KopieDanach folgte ich dem Radwanderweg nach Lechbruck, einer schattenlosen Schotterstrecke. Es war wirklich heiß und ich war dankbar, dass die Strecke nahezu eben verlief.
Zwar gelangte ich flott bis zur Lechbrücke, fand es aber mäßig lustig, dass ich bis ans andere Ende des Ortes und stetig bergauf laufen musste, um das Hotel zu erreichen.
P1020512 - KopieP1020510 - KopieFühlte mich abends ziemlich geschafft. Immerhin hatte ich die bisher längste Strecke meiner fünftägigen Wanderung besser bewältigt, als ich es am Morgen erwartet hatte.

Wie findet Ihr das Wandern bei großer Hitze und wie geht ihr damit um ?

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Wollt ihr wissen, wie es weiterging ? Dann schaut doch einmal hier Auf dem Münchner Jakobsweg (5)

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (3)

Weitere fünf Tage würde ich auf dem Münchner Jakobsweg mit dem Rucksack pilgern. Ich war sehr gespannt, ob ich das durchhalten würde, oder ob mir bald sämtliche Knochen wehtun würden. Es kam, wie so oft, ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte …

Von Riederau nach Wessobrunn, 18 km, ca. 100 Höhenmeter

Mit meinem neuen Wanderrucksack, der das Gewicht über den Hüftgurt wesentlich besser verteilte als der Day Pack, mit dem ich bisher unterwegs gewesesen war  Auf dem Münchner Jakobsweg , brach ich im Juli bei tollem Sonnenwetter aber auch bei großer Hitze auf. Die S-Bahn brachte mich nach Herrsching am Ammersee, wo ich meine letzte Etappe beendet hatte Auf dem Münchner Jakobsweg (2) .
Der Münchner Jakobsweg verläuft von dort über Breitbrunn, Schondorf und Utting bis nach Dießen, immer am westlichen Seeufer entlang. Ich fuhr mit dem Schiff von Herrsching nach Riederau und nahm die Wanderung dort erst wieder auf. In der Sommerhitze zusätzliche 25 km am See entlang zu gehen, war mir schlicht zu mühsam. Außerdem hatte ich versucht, am See Unterkünfte zu buchen und festgestellt, dass dies in der Ferienzeit kaum noch möglich war. Den Weg am See würde ich als Tagestour bei kühlerem Wetter nachholen.
So begann ich die Tour sehr entspannt mit einer Bootsfahrt von 50 Minuten, auf der man schöne Ausblicke genießen konnte.

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Leider verlor ich  gleich zu Beginn der Tour das Meßteil meines Fitnessarmbandes, hatte es wahrscheinlich beim Auf- und Absetzen des Rucksacks abgestreift. Die Uhrzeit nur auf dem Smartphone nachschauen zu können, fand ich nicht schlimm, aber die Schrittzählerfunktion hätte ich auf der Wanderung sehr gerne genutzt. Meine Suche auf dem Boot und ein Anruf beim Fundbüro blieben leider erfolglos. Das fing gut an !

Von Riederau ging es gemütlich eine Stunde lang, immer dem Seeufer folgend,  nach Dießen, vorbei am idyllisch am Ufer gelegenen Kirchlein St. Alban.

P1020301In Dießen fand ich die Beschilderung des Wegs nicht und irrte ich etwas umher, aber das auf dem Berg gelegene Marienmünster war trotzdem nicht schwer zu finden. Bei der Besichtigung der im Rokoko Stil ausgestatteten Kirche aus dem 18. Jahrhundert holte ich mir meinen ersten Pilgerstempel. Außerdem begegnete ich dem Hl. Jakobus gleich zweimal.
P1020310P1020313P1020317P1020312Die Kirchturmuhr schlug Zwölf, als ich das Münster verließ. Nun legte ich im Kiosk nebenan eine schöne Rast im Schatten mit leckeren gebratenen Wollwürsten mit Kartoffel-Gurkensalat und alkoholfreiem Weißbier ein.

Den Abzweig des Weges nach Wessobrunn zu finden, war etwas mühsam. Die Beschilderung war lückenhaft. Der Wanderführer beschrieb es so: “ …  Dem Fußweg folgen Sie bis zu einer Lindenallee, in die sie rechts abbiegen …“. Später lief ich dann tatsächlich auf einer Allee  (mit Linden ?) , aber in diesem Moment sah ich keine. In der Nähe des Münsters waren aber viele Leute unterwegs, so dass man sich durchfragen konnte.
P1020319Im Wanderführer ging es in diesem Stil weiter. An einer Stelle (wo genau ?) sollte man nicht dem Schild „Wessobrunn, 8 km “ folgen sondern der Muschel. Das tat ich. Verwirrend war, dass es kurz darauf noch ein Schild mit der gleichen Aufschrift gab aber ohne Muschelzeichen. Nachdem ich dem Schild gefolgt war, kam dann nach einiger Zeit auch wieder das Camino Zeichen.
Dann befand ich mich auf einer schnurgeraden Schotterpiste, die leicht bergauf durch den Wald führte, aber kaum Schatten bot (Das Foto habe ich an einer schattigeren Stelle aufgenommen).
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Ich war nun ganz alleine unterwegs. Nur einmal, nach einer guten Stunde, überholten mich zwei Radfahrer. Auch Bänke oder Baumstämme zum Sitzen gab es nicht. Irgendwann musste ich etwas trinken und setzte mich kurz in der prallen Sonne auf den Weg. Auf der kilometerlangen Strecke gab es keinerlei Aussicht. Wenn es einmal etwas schattiger wurde,  überfielen mich sofort Mücken, die völlig unbeeindruckt davon schienen, dass ich mich eingesprüht hatte.

Die 14,5 km von Dießen nach Wessobrunn  zogen sich fürchterlich. Als ich dann endlich eine Bank fand, ließ ich mich erschöpft fallen. Es gab danach ein sehr schönes Alpenpanorama zu sehen, für das ich mich nur noch auf einer weiteren Bank sitzend begeistern konnte.

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Das Kloster Wessobrunn konnte ich erst sehen, als ich schon fast davor stand. Die Gebäude befinden sich seit einigen Jahren im Besitz einer Firma; die Klosterkirche kann man aber besuchen. Nachdem ich mir den wohlverdienten Pilgerstempel geholt hatte, ging ich zum Hotel, das glücklicherweise direkt oberhalb des Klosters lag.
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Auf der Terrasse erholte ich mich bei Kaffee und Kuchen und nach dem guten Abendessen gab es zur Belohnung sogar noch eine partielle Mondfinsternis, die man  von der Terrasse gut beobachten konnt. Ich schaute aber nur am Anfang zu. War doch müde und brauchte meinen Schlaf vor dem nächsten Wandertag.

Von Wessobrunn nach Hohenpeißenberg, 15 km, 734 Meter nach oben und 496 Meter nach unten

Am nächsten Tag sollte es wieder sehr heiß werden, also brach ich gegen 8:30 Uhr auf. Mir tat nichts weh, hatte keinen Muskelkater und die Füße waren gut vertapt. Auch der Rücken hatte das Tragen des Rucksacks gut überstanden.
Zunächst ging es durch eine kleine Schlucht im Wald aber dann nach kurzer Zeit wieder ohne Schatten durch eine Wiesenlandschaft mit Bauernhöfen auf einem Asphaltsträßchen ohne Verkehr. Einheimische sah man nicht, aber die Kühe kamen neugierig näher, wenn jemand vorbeilief.
P1020372P1020373Schon nach kurzer Zeit konnte ich den Hohenpeißenberg sehen, der mit 988 m wahrlich den Höhepunkt meines Wandertages darstellen würde.
P1020383In St. Leonhard bewunderte ich die prächtig ausgestattete Rokokokirche. Meine Hoffnung auf ein kühles Getränk erfüllte sich aber nicht. Die Gasthäuser im Ort waren nicht mehr im Betrieb.
P1020384P1020387Hinter St. Leonhard traf ich R., einen jungen Schweden, den ich abends schon im Hotel gesehen hatte. Wir kamen ins Gespräch. Er hatte eine mehrtägige Wanderung auf dem König-Ludwig-Weg von Bernried nach Füssen gebucht und erst vor kurzem erfahren, dass die Route von Dießen bis Wildsteig zugleich mit dem Münchner Jakobsweg verläuft. Den Camino Frances war er  in den letzten beiden Jahren in zwei Etappen gegangen. Im nächsten Jahr wollte er auf dem Camino  Portugues pilgern. Was ich eigentlich auch vorhabe …  Zum ersten Mal konnte ich mit jemand zusammen laufen und mich austauschen. R. hatte das Pilgern sehr gefallen und ich hatte viele Fragen. Bei mir kam ein erstes Camino-Gefühl auf.  Schließlich gingen wir wieder eine schattenlose Schotterstrecke im Wald, die der vom Vortag ähnelte, die ich aber, weil ich durch das Gespräch abgelenkt war, nicht so belastend fand. R. hatte die Strecke bis Wessobrunn ebenfalls als sehr anstrengend empfunden und auf den selben Bänken wie ich Pausen eingelegt.

Wir gingen dann wieder auf einer kleinen Asphaltstraße und kamen in ein ausgestorben wirkendes Dorf. Eine Wirtschaft gab es nicht, nicht einmal eine Sitzbank. An einer schattigen Stelle setzten wir uns auf den Boden. Uns stand der steile Aufstieg auf den Hohenpeißenberg bevor. Daher legten wir eine Trink- und Snackpause ein. R. würde sicher schneller am Berg sein als ich, zumal er keinen großen  Rucksack trug, weil er einen Gepäcktransport gebucht hatte. Deswegen brach ich zuerst auf und ging die bergige Strecke an. Es handelte sich zwar nur um einen Anstieg von ca. 200 m, der aber auf einem Kilometer bewältigt werden musste. Es war die erste Steigung, auf der ich den schweren Rucksack trug. Der Weg führte richtig  steil hinauf und ich schnaufte mächtig.
Nach zehn Minuten musste ich mich sogar an einer Kapelle kurz setzen, um Luft zu holen. Nach einer guten halben Stunde hatte ich es dann geschafft und besaß noch genug Kraft für die Besichtigung der wunderschönen Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt.
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P1020343P1020409Beim Mittagessen im Klostergasthof bewunderte ich die grandiose Aussicht auf die Alpenkette, wegen der der Hohenpeißenberg auch der bayerische Rigi genannt wird, nach dem Aussichtsberg in der Schweiz. Obwohl es dunstig war, konnte man bis zur Zugspitze schauen.
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Nach dem Essen traf ich R. wieder, der nach mir angekommen war. Beim Kaffee plauderten wir noch ein bißchen. Da er an diesem Tag bis Peiting ging, während ich in Hohenpeißenberg bleiben wollte, würden wir uns  nicht wieder treffen.
Vor dem Abstieg auf dem Wanderweg nach Hohenpeißenberg, den mein Wanderführer mit einer steil abfallenden Kurve anzeigte, fürchtete ich mich. Etwas unentschlossen folgte ich zunächst der Fahrstraße. Schließlich stieß ich auf eine Abzweigung ins Dorf mit der Bezeichnung „Seniorensteig“. „Na, das passt wohl“, dachte ich. Der Weg führte zum Teil recht steil aber auch immer wieder auch in Serpentinen allmählicher nach unten. Am Nachmittag kam ich im gebuchten Gästehaus an. Der Aufstieg war zwar sehr anstrengend gewesen, aber ansonsten hatte ich die Strecke gut gehen können. Von nun an würde ich meine Fitness bestimmt an  jedem  Wandertag zunehmen.

Von Hohenpeißenberg nach Rottenbuch durch die Ammerschlucht, 13 km, 482 m nach oben und 434 m nach unten

An diesem Tag war eigentlich Genußwandern angesagt. Es handelte sich um eine kurze Strecke, die durch die Ammerschlucht, ein landschaftliches Highlight, führte. Aber es sollte anders kommen …
Zunächst folgte ich einem eintönigen Asphaltsträßchen an der Bahnstrecke, das  zwischen Wald- und Wiesenstücken wechselte. Immerhin hatte ich eine schöne Sicht auf den Hohenpeißenberg, von der ich dachte, dass es die letzte sei. Tatsächlich konnte ich den Berg noch einmal kurz vor Rottenbuch sehen.
P1020421Bald merkte ich, dass ich mir eine schmerzhafte Blasenentzündung zugezogen hatte. Das führte dazu, dass mich oft schnell in die Büsche schlagen musste, zum Teil ohne vorher den Rucksack absetzen zu können.

Eine ganze Weile ging ich alleine durch den Wald. Einmal war der Weg so zugewachsen, dass er kaum  zu erkennen war,  und eine Muschel gab es an dieser Stelle auch nicht. Nach der bewährten Regel  “ Wo nichts ausgeschildert ist, geht es weiter gerade aus“  fand ich schließlich den Weg, der steil hinunter zur Ammer führte. Vorsichtshalber zog ich meine orthopädischen Knieschützer an, um mich vor Verletzungen zu schützen. Unten ging es auf einem schön bewachsenen Weg am Ufer entlang.
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Am Kalkofensteg, einer schönen Holzbrücke,  zweigte der Weg zur Ammerschlucht ab. Zunächst führte der Weg bergauf und dann verlief er am Hochufer der Ammer.
P1020433Es folgten mehrere Schilder, auf denen vor dem Begehen bei Nässe gewarnt wurde, da die Holzstege, auf denen der Wanderweg zum großen Teil verlief, bei Nässe rutschig werden.
P1020434Der Weg führte tatsächlich über zahlreiche Stege und Brücken ohne Geländer, war aber sehr gut instand gehalten. Bei trockenem Wetter und mit festen Schuhen stellte er kein Problem da. Allerdings muss sich der Wanderer konzentrieren und sollte unbedingt schwindelfrei und trittsicher sein.
In die Ammerschlucht konnte man an keiner Stelle von oben hinabschauen. Es war alles zugewachsen. „Wildromantisch“, wie im Wanderführer beschrieben, war es meiner Meinung nach nur am Flussufer, zu dem man schließlich hinabstieg. Eine genauso schöne und  leichter zugängliche Landschaft hatte ich aber schon  auf meiner ersten Wanderetappe im Isartal  Auf dem Münchner Jakobsweg gesehen. Vielleicht konnte ich die Landschaft nicht richtig genießen, weil mir meine Blasenentzündung zu schaffen machte.
P1020436P1020437P1020440Am Ende der Schlucht musste ich ein kurzes Stück sehr steil bergauf gehen und dann folgte ein schattenloser Weg, der über ca. 3 km nach Rottenbuch führte und  schöne Ausblicke bot. Auch den Hohenpeißenberg konnte ich noch einmal sehen.
Die Stiftskirche in Rottenbuch suchte ich auf,  um mir den Stempel zu holen und ging dann so schnell wie möglich ins Gästehaus.
Antibiotika für den Notfall hatte ich nicht dabei. So nahm ich das pflanzliche Medikament ein, das ich in der Apotheke rezeptfrei  bekommen hatte und eine Schmerztablette. Nachdem ich mich hingelegt und ausgeruht hatte, ging es mir so gut, dass ich die Stifkirche noch einmal richtig besuchen konnte. Im 18. Jahrhundert wurde sie im Rokokostil umgestaltet und beherbergt u.a. Arbeiten der Wessobrunner Stuckateure.

P1020450P1020456Während der Wanderung hatte es keine Einkehrmöglichkeit gegeben. Umso mehr freute ich mich darüber, dass ich im Garten eines schönen Cafés köstlichen Kuchen und den dringend notwendigen Kaffee bekam. Später ging ich noch einmal zurück, um Abend zu essen.
Vor dem Schlafengehen trank ich viel Wasser und nahm eine weitere Ibuprofen. Hoffentlich würde es mir am folgenden Tag besser gehen. Wenn nicht, musste ich meine Wanderung wahrscheinlich abbrechen. Das wollte ich aber nicht !

Wie es weiter ging und ob ich die Wanderung auf dem Münchner Jakobsweg fortgesetzt habe, erfahrt ihr in meinem nächsten Bericht.

Seid ihr schon einmal in einem Wanderurlaub krank geworden ? Und musstet ihr die Wanderung dann beenden ?

Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich immer sehr.

Und so ging es weiter Auf dem Münchner Jakobsweg (4)