Auf dem Französischen Jakobsweg #10

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Von Le Grand-Lemps nach La Côte-St-André am 4.8.2022

Die letzte Etappe auf der Via Gebennensis

Nach dem Frühstück im lauschig kühlen Garten verließ ich meine wunderbare Pilgerunterkunft (AJ). Nach dem obligaten Fototermin verabschiedeten wir uns und Madame wünschte mir Gottes Segen („Que le Seigneur te bénisse“) für den restlichen Pilgerweg und mein weiteres Leben.

Mein letzter Tag auf der Via Gebenennsis war der heißeste. Obwohl ich schon gegen 8 Uhr aufbrach, herrschten bald um die 35 °C .

Bevor ich den Camino erreichte, sah ich in Le Grand-Lemps noch ein mit sehr schöner Trompe-l’œil Malerei verziertes Gebäude. Kurz danach blieb ich bei einem Camino Schild mit Streckenangaben stehen. Diese Wegweiser fotografierte ich jeden Morgen zu Beginn der Wanderung. Das würde nun zum vorerst zum letzten Mal der Fall sein.

In der Folge lag der Weg wieder fast durchgehend in der Sonne. Er führte durch verlassen wirkende Bauerndörfer, die landwirtschaftlich geprägte Landschaft wurde zunehmend flacher und ich fand sie öde, zum ersten Mal seit ich auf der Via Gebennensis pilgerte.

Mir reichte es mit der Pilgerei. Ich wollte nur noch an meinem Ziel ankommen. In St-Hilaire-de-la-Côte gab es eine Pilgerraststätte, sogar mit Toilette, aber so richtig begeistern, konnte ich mich für die in die Jahre gekommene Sitzbank mit Tisch nicht. Interessant war aber ein Schild mit Kilometerangaben auf dem Jakobsweg. Nach La Côte waren es noch etwa fünf Kilometer, also würde ich bis dahin 177 Kilometer auf der Via Gebennensis gewandert sein, d.h. knapp die Hälfte der Strecke nach Le Puy. Immerhin!

Bei Gillonay schaffte ich es, mich zum Abschluss noch einmal kurz zu verirren, obwohl dort, wie stets, die Via Gebennensis gut ausgeschildert war. Auch gelang es mir nicht, die dort besuchte Kirche ordentlich zu fotografieren. Als ich endlich in La Côte angekommen war, hatte ich keine Geduld mehr mit dem Jakobsweg, sondern zweigte bei der ersten Gelegenheit in die Innenstadt ab. Eine unterhalb der Straße gelegene Kirche ließ ich buchstäblich links liegen.

Natürlich herrschte im Ort die bekannte Mittagspausenödnis. Der Weg zog sich noch einmal sehr. Gegen Mittag erreichte ich schließlich das Hotel, das fast am Ende der langen Hauptstraße lag.

Fazit:
14 km, keine nennenswerten Höhenunterschiede, ca. 4 Stunden
Kurze bis mittellange Strecke, wenig Schatten, daher bei Hitze anstrengend, Gegend etwas langweilig, unterwegs keine Infrastruktur.

Suche nach Verbindungen mit Öffentlichen Verkehrsmitteln

In meinem Zimmer (sehr einfach, aber sauber) herrschten erträgliche Temperaturen. Ich spürte sogar einen leichten, sehr angenehmen Durchzug. Nachdem ich mich eine ganze Weile ausgeruht hatte, wollte ich mein Nachmittagsprogramm angehen. Es ging um meine Weiterfahrt nach Lyon. Das Touristenbüro in Charavines hatte mir zwei Busfahrpläne gegeben. Für den Bus, in den ich unterwegs umsteigen musste, hatten sie nur den Winterfahrplan gefunden. Daher hatte man mir geraten, in der Information in La Côte nachzufragen.

Vor dem Aufbruch schaute ich die Öffnungszeiten nach und stellte ich zu meinem Schrecken fest, dass das Maison du Tourisme am Donnerstagnachmittag geschlossen hatte. Noch einmal versuchte ich die Verbindung online zu finden, aber da kamen nur Vorschläge wie, dass man ein Taxi für eine Strecke von 20 km (Kosten 50 €) nehmen sollte, um dann mit dem Zug nach Lyon zu fahren. Eine Alternative lautete wie folgt: zurück mit dem Bus nach Le Grand-Lemps, eine Stunde Aufenthalt am Bahnhof, weiter mit dem Zug nach Grenoble und unterwegs in einen weiteren Zug umsteigen (4,5 Stunden für eine Strecke von etwa 65 km).

Ich verbrachte einen guten Teil des Nachmittags damit, meine Weiterfahrt zu organisieren. Die Einzelheiten erspare ich euch. An der Bushaltestelle las ich schließlich, dass mein erster Bus tatsächlich gegen Mittag fuhr (und man sich nicht etwa in die Sommerpause begeben hatte!). Dann zeigte mir das Internet, als ich das Zwischenziel St. Jean de Barre eingab, tatsächlich eine Verbindung nach Lyon mit kurzer Umsteigepause an. Das bedeutete eine vergleichsweise kurze Fahrtdauer von 2,5 Stunden. Das war noch einmal gut gegangen, aber wieder einmal erlebte ich Mühsames auf der Via Gebennensis, bis ganz zum Schluss!

Abschiednehmen auf dem Camino

Nachdem ich mich von dem Schrecken erholt hatte, besuchte ich die Altstadtkirche Saint-André, wo es keinen letzten Pilgerstempel für mich gab. Ich wollte am nächsten Morgen in der Touristeninformation nachfragen, vergaß es dann aber. Danach stieg ich zum Château hinauf, womit ich mich wieder auf dem Jakobsweg befand, wenn auch zunächst in umgekehrter Richtung. Das Schloss sah imposant aus, war aber nicht öffentlich zugänglich.

Der Weg führte nun zu einer Aussichtsterrasse. Dort hatte ich einen guten Blick über die Dächer der Stadt und die Landschaft, konnte aber auch sehen, dass ich auf der Via Gebennensis noch eine Weile durch eine ebene, wahrscheinlich ausgetrocknete Gegend gelaufen wäre.

Weiter auf dem Camino?

Auf dem Rückweg durch die Altstadt fotografierte ich ein handgemaltes Caminozeichen. Es tat mir in diesem Moment sehr leid, dass ich aufgeben musste. Sicherheitshalber fotografierte ich noch die Hausecke in der Nähe der Kirche, an der die weitere Strecke auf der Via Gebennensis abzweigte. Das würde mir helfen, wenn ich den Weg fortsetzte.

Ich fragte mich, nicht zum ersten Mal, warum ich höchstens zehn Tage am Stück pilgern kann, während es viele Leute gab, durchaus auch Ältere, die 30 bis 40 Tage lang gehen. Wahrscheinlich bin ich nicht für das Fernwandern mit Rucksack geschaffen. Auf der Via Jacobi hatte ich Knieschmerzen erlebt. Die Knie hatte ich eifrig gedehnt und beim Bergabgehen geschont, daher waren die Probleme ausgeblieben. Nun hatte ich Rückenschmerzen, die sobald die Wirkung der Tablette nachließ, zuverlässig zurückkehrten. Und meine Achillessehnenreizung sorgte dafür, dass ich wie eine Greisin humpelte.

An diesem Nachmittag überlegte ich mir, ob ich die Via Gebennensis in Le Puy forsetzen sollte. Pilgern auf Französisch hatte mir viel Spaß gemacht, die fehlende Infrastruktur allerdings weniger. Aber das sollte ab Le Puy, da der Camino dort viel stärker frequentiert ist, besser sein.

Ein Fazit meiner Pilgerwanderung in Frankreich werde ich zu einem späteren Zeitpunkt ziehen. Heute sei angemerkt, dass ich auch zwei Monate nach meiner Rückkehr noch an den Folgen meiner Pilgerei laboriere. Gehen ist aber fast normal und am Rücken zieht es nur noch ein bisschen.

Nach alledem habe ich mein Caminoprojekt nach drei Jahren beendet. Vielleicht pilgere ich irgendwann einmal auf den letzten 100 km nach Santiago mit Rucksacktransport, wer weiß …

In Lyon habe ich noch zwei wunderschöne Tage verbracht. Darüber werde ich noch berichten (Lyon #1, Lyon #2, Lyon #3, Lyon #4 und Lyon #5).

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Französischen Camino #10 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #8

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Von Saint-Ondras nach Charavines am 2.8.2022

Nach einem opulenten Frühstück, u.a. mit frisch gespresstem Orangensaft, brach ich morgens auf, aber erst nachdem ich mich von den reizenden Eseln verabschiedet hatte.

Schon vor 9 Uhr war es wieder sehr heiß. Die Temperatur sollte 38 °C im Schatten erreichen, aber meine Etappe war relativ kurz und würde am Lac Paladru enden. Auf den Nachmittag am See freute ich mich sehr.

Zu Beginn ging es kräftig bergauf. Auf einer Bank an der ich schwer atmend ankam, saß ein holländisches Pilgerpaar. Fünf Tage lang waren mir keine Pilger begegnet. Wahrscheinlich war es den Leuten einfach zu heiß. Sie folgten der Via Gebennensis lieber im Frühjahr oder im Herbst. Sehr vernünftig!

Wir unterhielten uns kurz. Die Beiden waren einen Tag später als ich in Genf losgegangen, hatten aber keinen Ruhetag eingelegt. Sie wollten in Le Pin auf einem Campingplatz übernachten und hatten vor, bis Le Puy zu gepilgern. Nachdem sie aufgebrochen waren, ruhte ich mich noch einige Minuten auf der Bank aus. Ich habe die Holländer nicht wieder gesehen, was wohl auch damit zu tun hatte, dass ich nicht mehr lange auf dem Camino unterwegs war.

Der Jakobsweg führte nun stetig aber angenehm bergauf über kleine Straßen und Feldwege. Auf den Wiesen grasten cremefarbene Charolais Rinder. Immer wieder genoss ich weite Ausblicke. Allerdings waren diese längst nicht so spektakulär wie zu Beginn der Via Gebennensis. Ich befand mich nun in einer hügeligen, landwirtschaftlich geprägten Gegend und die Berge lagen weit entfernt am Horizont.

Kurz vor Valencogne kam mir ein jüngerer Mann namens Alexis mit Rucksack entgegen. Zuerst dachte ich, er gehöre zu den wenigen Pilgern, die, nach dem sie Santiago erreicht hatten, auch noch zurück nach Hause gingen. Dann stellte sich heraus, das er in Katalonien gestartet war und nun zunächst den Jakobsweg rückwärts lief. Innerhalb von fünf Monaten wollte er soweit wie möglich in Richtung Jerusalem wandern. Er rechnete damit, dass er spätestens in Griechenland ein Flugzeug zum Ziel nehmen würde. Nun war er schon einen Monat gelaufen und es strengte ihn immer weniger an. Der Körper passe sich an, meinte er. Das war nicht meine persönliche Erfahrung, aber ich war auch viel älter.

Wir tauschten uns eine gute halbe Stunde über die Übernachtungsmöglichkeiten auf der Via Gebennensis aus. Er war in einem anderen Preissegment als ich unterwegs, aber er nannte mir einige Bleiben auf dem Weg nach Le Puy, die für mich in Frage kamen. Ich holte mein gelbes Buch heraus und notierte mir ein paar Tipps. Als wir uns verabschiedeten, war ich sehr enthusiastisch und überzeugt, dass ich weitere Unterkünfte finden würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die zwei folgenden Nächte gebucht.

In Valencogne besuchte ich die Kirche und bewunderte die Statue des Hl. Jakobus, die den Pilgern den Weg weist.

Auf einer Hochfläche ging es weiter, mal durch den Wald, dann wieder mit weiten Landschaftspanoramen an Wiesen und Feldern entlang. Es war verhältnismäßig angenehm zu gehen, aber ich war doch froh, als ich zum ersten Mal den tiefblauen See erblickte. Nach Le Pin ging es recht steil hinunter und ich irrte auch etwas durch die Gegend. Die Richtung war aber klar, so dass ich schließlich im Ort ankam. In einer Bar an der Kirche stärkte ich mich mit der üblichen Kombination von Sirop de Menthe und Café. Nachdem ich das Gotteshaus besucht hatte, bog ich vom Camino ab, um nach Charavines am Lac Paladru zu meiner Unterkunft zu gehen.

Panoramafoto zum Anklicken!

Nun stellte ich fest, dass ich noch mehr als drei Kilometer nach Charavines zurücklegen musste und zwar auf einer gut befahrenen Straße, die leicht abwärts führte. Ich konnte aber auf einem sicheren Seitenstreifen gehen. Der See sah wunderbar türkis-blau aus, allerdings herrschte auch reger Betrieb.

Meine Unterkunft lag ganz am Ende des Lac Paladru. Das Zimmer ging zur Straße hinaus und lag direkt über dem Gartenrestaurant. Das entsprach nicht meinem bei der Buchung geäußerten Wunsch nach einem ruhigen Zimmer, aber ich hatte ohnehin keine andere Wahl und es war nur für eine Nacht.

Fazit:
16 km, 5 Stunden, ca 400 m Aufstieg und 320 Abstieg (bis Le Pin).
Leichte, knapp mittellange Etappe, abwechslungsreich, ohne spektakuläre Landschaftseindrücke, herrlicher Lac Paladru mit Bademöglichkeit, allerdings stark frequentiert, Infrastruktur in Le Pin und Charavines.

Nachmittags ging ich weiter in den Ort. Zunächst suchte ich die Touristeninformation auf, um mich nach der Busverbindung von La-Côte-Saint-André nach Lyon zu erkundigen. Wenn ich keine weiteren Unterkünfte finden würde, wollte ich dort den Camino vorerst beenden. Im Netz hatte ich keine Fahrt mit Öffentlichen Verkehrsmitteln gefunden. Auch die nette Dame im Fremdenverkehrsbüro brauchte eine Weile, um eine Verbindung aufzustöbern. Sie rief mehrere Stellen an. Schließlich druckte sie mir zwei einschlägige Fahrpläne aus. Der zweite war allerdings vom letzten Winter und ich sollte in La-Côte noch einmal nachfragen.

Zur Belohnung für die Mühen des Tages kehrte ich im Strandbadcafé ein, wo ich einen großen Pfirsich Melba Eisbecher verspeiste.

Panoramafoto bitte anklicken.

Nach dem Abendessen im Hotelrestaurant ging ich noch ein bisschen am See spazieren. Die Achillessehne meines rechten Fusses schmerzte bei jedem Schritt. Leichte Beschwerden hatte ich schon vorher bemerkt, und zwar immer wenn ich mich eine Weile nach den Wanderungen ausgeruht hatte. Nun war der Schmerz stärker. Ich ging an diesem Abend nicht weit, schaute mir nur das Abendrot über dem Lac Paladru an und kehrte dann um.

Beim Zubettgehen schmerzte mein Rücken sehr. Wie geplant hatte ich morgens keine Tablette genommen, was ich nun tat. Es dauerte eine ganze Weile, bis das Medikament wirkte. Bis dahin lag ich auf dem Rücken wie ein umgefallener Käfer. Es tat ziemlich weh, wenn ich mich aufrichten wollte, egal wie ich mich drehte und wendete. Ob ich mir doch eine Rippe gebrochen hatte, obwohl die Ärztin in Yenne es ausgeschlossen hatte?

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr. Auf dem Französischen Jakobsweg #8 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #7

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Von Saint-Genix-sur-Guiers nach Saint-Ondras am 1.8.2022

Morgens durfte ich eine halbe Stunde früher frühstücken, so dass ich das Schlösschen, in dem ich übernachtet hatte, schon um kurz nach 8 Uhr verließ.

Dann begann ich zu trödeln. Zunächst ging ich ein kleines Stück zurück, um die Kapelle Notre-Dame de Pigneux zu besuchen, die ich am Vortag ausgelassen hatte, um schnell zu meiner Unterkunft zu kommen. Die Wallfahrtskirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts am Standort einer sehr alten Kirche erbaut.

In einer Apotheke in Saint-Genix wollte ich Tape zum Verkleben der Füße kaufen. Nach dem Vorzeigen meines fast aufgebrauchten Röllchens erhielt ich ein ähnliches Band. Habe ich bis heute nicht ausprobiert, weil ich immer weniger Tape brauchte und dann auch nicht mehr lange auf dem Camino pilgerte. Mit dem Apotheker unterhielt ich mich sehr nett und ließ mich ausgiebig für mein gutes Französisch loben. Das ging mir runter wie Butter, auch wenn es nicht zutrifft. Wegen der mageren Französischkenntnisse der meisten Deutschen passt auf mich wohl eher „Unter den Blinden ist der Einäugige König.“ Danach spazierte ich noch kurz durch die Altstadt des Ortes, wo am Montag morgen fast alles geschlossen hatte, besuchte die Kirche und trank ein eiskaltes Mineralwasser in einer Bar.

Als ich schließlich den Jakobsweg fortsetzte war es schon nach 10 Uhr. Eine Brücke führte mich über den Fluss Guiers und in das Department Isère. Ein gar reizendes Schild wies auf die Abzweigung der Via Gebennensis hin (s. links unten). Eine Weile folgte ich dem schattigen Flussufer. In der ausgetrockneten Landschaft fand ich das Gehen am Wasser besonders angenehm. Dann verlief der Weg leider schattenlos und wenig idyllisch zwischen einer Stromtrasse und einem umzäunten Badesee. Nach einem staubtrockenen Acker folgte die Autobahn.

Über kleine Straßen und durch ebensolche Orte ging ich weiter. Am Pilgerrastplatz neben dem Croix-Bénie, der noch etwas Schatten bot, legte ich eine Pause ein und aß ein paar Snacks aus dem Rucksack, um neue Energie zu gewinnen.

Kurz nach dem Croix Bénie winkte mir eine ältere Frau zu (wahrscheinlich in meinem Alter!), die an einem Gartenzaun stand. Sie fragte mich, ob ich auf dem Jakobsweg pilgerte, was ich bejahte, und teilte mir dann unvermittelt mit, dass sie vor über 30 Jahren Aubagne bei Marseille in die Region gezogen sei und dass es ihr überhaupt nicht gefiel. Das konnte ich nachvollziehen. Genauso lange lebe ich in München und liebe es aber immer noch. Ich verabschiedete mich dann bald, weil mir Zeit und Lust für eine längere Unterhaltung über das Thema fehlten.

Der Weg nach Les Abrets bot keine weiteren Höhepunkte. Es ging maßvoll bergauf und wenig bergab. Bei La Bruyère wählte ich eine kleine Abkürzung. Das Sträßchen führte dann allerdings durch die glutheiße Sonne, so dass ich froh war, als ich auf die Via Gebennensis zurückkehrte.

Nach der Abzweigung an einem Klärwerk ging es glücklicherweise schattig kurz steil hinauf zu den Bahngleisen. Bald darauf hat ich Les Abrets erreicht. Meine Gastgeberin hatte mir mitgeteilt, dass es kein Restaurant in der Nähe des B&B gab und dass sie kein Abendessen kochen würde. Ich wollte möglichst mittags etwas Warmes essen. Meine Vorräte aus dem Rucksack waren aufgebraucht, daher musste ich auch Einkaufen.

In Frankreich sind die Läden am Sonntag morgen geöffnet. Zum Ausgleich sind sie am Montag geschlossen und die Gastronomie legt einen Ruhetag ein. Gut ist, dass man sich darauf verlassen kann, während man in Deutschland an verschiedenen Tagen vor verschlossenen Türen stehen kann, seit Corona wegen Personalmangel oft an mehreren. In einem kleinen Ort in Bayern habe ich übrigens schon erlebt, dass die beiden einzigen Restaurants am gleichen Tag pausierten!

Um so mehr freute ich mich nun, als ich in Les Abrets ein offenes Restaurant sah. Auf der Terrasse saßen Leute beim Mittagessen, meistens aber schon beim Dessert. Kaum hatte ich mich hingesetzt, da kam der Chef und erklärte mir, dass nun, pünktlich um 13.30 Uhr, geschlossen sei. Als ich fragte, ob noch ein kaltes Getränk möglich wäre, entgegnete er, dass er das Personal nicht länger beschäftigen könne. Nun ja, wenn ich gleich nach dem Servieren bezahlt hätte, wäre das keine große Aktion gewesen, zumal noch andere Gäste dort waren. Erst auf eindringliches Nachfragen nach einer anderen Essensmöglichkeit riet mir der Herr, bei Mc Donalds zu speisen. Gegenüber gäbe es auch einen großen Supermarkt.

Leicht frustriert ging ich weiter. Bis zum Mc Donalds war es noch einmal ein gutes Stück aus dem Ort hinaus. Bei der Bestellung am Automaten im Schnellrestaurant musste man sich durch zahlreiche Alternativen klicken. Netterweise half mir ein junges Paar, das in meiner Nähe stand. Das Essen war ziemlich teuer und schlecht sowie der Raum extrem herunter gekühlt. Fand ich zunächst erfrischend, fror dann aber in meinen verschwitzten Klamotten, so dass ich bald wieder aufbrach. Essen bei Mc Donalds in Frankreich: ein Sakrileg!

Nach dem Einkauf im Riesensupermarkt, wo es alles gab, aber schwierig war, kleine Portionen für Rucksackreisende zu bekommen, kehrte ich noch einmal in den Ort zurück, um die Kirche zu besuchen. Diese war natürlich geschlossen. Mein Aufenthalt in Les Abrets stand wirklich unter keinem guten Stern! Immerhin entdeckte ich eine kleine Bar in der Nähe, in der ich mich vor der Fortsetzung der Wanderung mit einem Kaffee und einem Sirop de Menthe stärken konnte.

Ich hatte gut zwei Stunden in Les Abrets verbracht und musste nun die restlichen 4 Kilometer nach Saint-Ondras in der größten Nachmittagshitze zurücklegen. Das Laufen über mehrere Sträßchen mit leichten Steigungen aber ohne Schatten empfand ich nur noch als quälend. Gut geschafft kam ich in meiner Unterkunft an, wo mich die Dame des Hauses mit einem frisch gepressten Orangensaft empfing. Wunderbar!

Fazit:
21 km, rd. 400 m Aufstieg, 180 m Abstieg, 6 Stunden.
Leichte mittellange Etappe, hügelige Landschaft, die nicht die gewohnte Abwechselung bot, wenig Schatten, Infrastruktur in Saint-Genix und Les Abrets (eingeschränkt am Montag!), nicht meine Lieblingsstrecke auf der Via Gebennenis, lag vielleicht an der Kombination von Hitze, Trockenheit und Montagsschließungen.

Mein Zimmer erwies sich als riesig groß und verfügte über eine Klimaanlage. Gut erholt setzte ich mich zum Abendessen in den Garten an einen Tisch mit Sitzbank. Dort aß ich die frisch gekauften Lebensmittel. Es gab Enten-Leber-Pâté, Käse, Baguette und einen goldgelben Pfirsich zu einem gut gekühlten Bier. Gar nicht schlecht!

Zum Abschluss besuchte ich noch das Eselspaar mit der schwangerer Eselin, das zum Haus „gehörte“. Die Tiere trabten gleich zu mir an den Zaun. Sie waren so schön, dass ich sie sogar vorsichtig an den Ohren streichelte, obwohl ich normalerweise keine Tiere anfasse.

Im Großen und Ganzen war ich zufrieden mit mir. Ich konnte selbst bei Temperaturen um 35 ° C, über den Tag verteilt und mit Pausen, etwa 20 Km schaffen. Auch mein Rücken meldete sich nur gelegentlich. Das Medikament, das mir die Ärztin in Yenne verschrieben hatte, sollte ich nur fünf Tage lang einnehmen. Am nächsten Tag wollte ich versuchen, statt zwei Tabletten nur noch eine am Abend zu schlucken, um so die Einnahme zu strecken. Auf die Wirkung war ich gespannt.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Französischen Jakobsweg #7 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #6

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Von Yenne nach Saint-Genix-sur-Guiers am 31.07.2022

Als ich morgens um kurz nach acht Uhr aufbrach, stand mir eine sehr lange Tour bevor. Um mich zu schonen, wählte ich am Anfang die östliche Variante des Jakobswegs, was weniger spektakuläre Aussichten bedeutete, aber auch eine zwei Kilometer kürzere und weniger bergige Strecke. Nachdem ich die verordnete Tablette genommen hatte, war der Schmerz im Rücken schnell verschwunden, aber ich musste vorsichtig sein.

Die Route verlief auf kleinen Strässchen, Wegen und Pfaden. Bei der Hitze, die bereits um 9 Uhr wieder intensiv war, half es sehr, dass viele Strecken im Schatten verliefen.

Um 500 Höhenmeter Steigung zurückzulegen, musste man stetig aber nicht steil bergauf gehen . Ich passierte ein Schlösschen, ging durch mehrere Weiler und über einen Wiesenpfad mit Viehgattern (aber ohne Viecher). Im angenehm kühlen Schatten legte ich dann eine Trinkpause ein. In Charosse erwartete mich ein blumengeschmücktes Wegkreuz und bald folgte ein schöner Ausblick, der letzte zum markanten Bergrücken Dent du Chat/Katzenzahn.

Bis dahin war mir nur ein Mann begegnet, der mit seinem Hund Gassi ging, aber als ich die Nähe des Mont Tournier kam, traf ich einige Mountainbiker. Sie waren auf dem gleichen sehr wurzeligen Waldpfad wie ich unterwegs. Mit einer Radlerin unterhielt ich mich kurz. Sie kam aus Yenne und wollte auf den Gipfel radeln. Bald mündete der schöne Waldweg in eine kleine verkehrsarme Straße, die durch den Wald führte.

Ziemlich angetan war ich von den schwarzen Mustern auf dem Asphalt. Für mich sah das sehr nach abstrakter Kunst aus, aber es handelte sich wohl nur um Reparaturen der Straßendecke mit Teer.

Auf der Straße, die stetig bergauf führte, kam mir die Radlerin entgegen, mit der ich mich unterhalten hatte. Sie war auf dem Rückweg und schwärmte von der Aussicht auf dem Mont Tournier. Mir war klar, dass ich diesen Blick nicht genießen würde, es sei denn, ich ginge auf der anderen Variante des Camino ein Stück zurück. Auf diesen bergigen Umweg hatte ich aber nicht die geringste Lust.

Als ich den Col du Mont Tournier, die Passhöhe der Straße und höchste Stelle meiner Tageswanderung, erreicht hatte, war ich doch etwas enttäuscht. Ich befand mich im dichten Wald und konnte nach mehreren Stunden Wanderung nicht den Hauch einer Aussicht erkennen. Meine Mittagspause verschob ich auf den Wegweiser La Dronière, wo die beiden Strecken des Jakobswegs wieder aufeinander treffen. Aus unerfindlichen Gründen ging ich an der Abzweigung vorbei, die 0,5 km nach der Passhöhe folgen sollte. Das fiel mir nach gut zwei Kilometern auf. Zurück gehen wollte ich nicht, sah aber auf dem GPX-Track, dass ich den Camino im nächsten Dorf wieder finden konnte.

Nun brauchte ich dringend eine Mittagspause. Bald hatte ich ein schattiges Plätzchen mit einem wunderbaren Weitblick entdeckt, wo ich mit den Vorräten aus dem Rucksack vesperte. So richtig gemütlich war es dann doch nicht. Entweder hatte ich mich auf eine Ameisenstraße gesetzt oder die Tiere hatten geschwind eine solche gebildet. Trotzdem schmeckten mir die Melonenstücke mit Käse, Saucisson und Baguette sehr gut.

Nachdem ich in Le Bornet auf den Camino zurückgekehrt war, erreichte ich im Wald das Croix de Rives und setzte mich auf die Bank gegenüber. Hatte zwar erst vor einer halben Stunde eine Pause eingelegt, aber bei den wenigen Bänken, welche die Via Gebennensis bietet, muss man nehmen, was man angeboten bekommt. Sehr oft liegen die Rastplätze in der prallen Sonne, aber hier war wunderbar schattig und friedlich. Ich lauschte dem Blätterrascheln, freute mich über das Zwitschern der Vögel und brach nach kurzer Pause gut erholt auf.

Nach Saint-Maurice-de Rotherns führte eine asphaltierte, weitgehend schattenlose Strecke. Unterwegs kam ich an einem Haus mit bemerkenswerten Giebeln vorbei. Im Ort zweigte ich zur Kirche ab. Dort erwartete mich eine schöne Überraschung. Neben dem Gotteshaus liegt das Radio-Musée Galetti, welches dem Ingenieur und Wegbereiter der drahtlosen Übertragung gewidmet ist. Zum Museum gehört ein Bistro mit Terrasse. Scheinbar war nicht so viel los und die Damen vom Museum schienen richtig froh, jemanden zum Quatschen gefunden zu haben. Mir ging es genauso und so plauderten wir eine Weile, während ich auf der Terrasse saß und einen Kaffee sowie einen Sirop de Menthe (giftgrüner Pfefferminz Sirup, der mit Wasser aufgegossen wird) trank. Das war mein erster Pfefferminzsaft. Er schmeckt wie flüssiges After Eight, nur ohne Schokolade, aber sehr erfrischend.

Und dann hatte auch noch die Kirche geöffnet, die laut Pilgerführer meistens geschlossen sein sollte („Stimmt nicht!“ sagten meine Gesprächspartnerinnen). Wirklich eine wunderbare Pause!

Nun ging es hinunter nach Grésin mit tollen Landschaftspanoramen, aber auch bei starker Hitze und mit wenig Schatten. Nachdem ich die Kirche im Ort besucht hatte, zog sich der Camino ziemlich.

Glücklicherweise führte der Weg dann in den Wald, was viel angenehmer zum Gehen war. Am Wegweiser Pas de l’An wurde nach links aufwärts gewiesen. Nun sollte laut Führer ein letzter Anstieg zur Kapelle Nôtre-Dame de Pigneux gefolgt von einem Abstieg nach Saint-Genix zu bewältigen sein. Ich schaute auf Google Maps nach und entdeckte erfreut, dass das Château de Saint-Genix, in dem ich ein Zimmer gebucht hatte, direkt am Weg etwas oberhalb des Ortes lag, so dass ich mir die Abzweigung sparen konnte. So würde ich zwar die Kapelle verpassen, aber das war mir nach der stundenlangen Rucksackwanderung herzlich egal.

Bald erreichte ich das Château, wohl eher ein Schlösschen, in dem ich einen ruhigen und erholsame Nacht verbrachte.

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Fazit:
22 km, 770 m bergauf, 760 m bergab (mit Abzweigung zur Chapelle de Pigneux und hinunter nach Saint-Genix), 7 Stunden.

Längere, sehr abwechslungsreiche Etappe, durch schattige Wege ist der Aufstieg problemlos möglich, die Variante über den Mont Tournier bietet bessere Aussichten und sollte für fitte Wanderer ohne Weiteres machbar sein, während des Abstiegs weniger Schatten und mehr Asphalt aber bessere Weitblicke, Bistro im Musée Galletti (Öffnungszeiten?).

Im Schloss hatte ich die letzte von zu Hause vorgebuchte Unterkunft reserviert. Ein Zimmer zu finden, stellte sich als extrem schwierig heraus. Das hatte ich erwartet , weil ich in der Haupturlaubszeit unterwegs war und in den kleinen Orten an der Via Gebennenis nur wenige Unterkünfe vorhanden sind. Aber so kompliziert, hatte ich es mir doch nicht vorgestellt.

Noch in Yenne hatte ich per Mail versucht, für die nächsten Nächte zu buchen, und entweder keine oder abschlägige Antworten bekommen. Nachdem ich erneut Buchungsportale durchforstet hatte, hängte ich mich schließlich ans Telefon und fragte bei den im Führer der Association Rhône-Alpes des Amis de Saint-Jacques (ähnlich wie Miam Miam Dodo) angegebenen Adressen nach. Ich erklärte, dass ich auf dem Jakobsweg pilgerte und dringend eine Unterkunft für die nächste Nacht brauchte. Es war nichts frei und ein Herr erklärte mir sogar, dass er keine Unterkunft mehr anbiete. Das war wohl gelogen. Später entdeckte ich auf Booking, dass dort ein Zimmer an einem anderen Tag frei war. Unangenehm war auch, dass einige Gesprächsteilnehmer auflegten, sobald ich nach französischen (!) Worten suchen musste.

Sehr erleichtert war ich, als ich schließlich im Netz eine Unterkunft in Saint-Ondras buchen konnte. Es gelang mir dann noch, am folgenden Abend in einem Hotel am Lac de Paladru telefonisch zu reservieren. Das lag zwar etwas abseits des Wegs, aber auf den See freute ich mich nach dem Pilgern durch die ausgedörrte Landschaft.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Französischen Jakobsweg erschien zuerst auf Wanderlustig.