Auf dem Französischen Jakobsweg #8

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Von Saint-Ondras nach Charavines am 2.8.2022

Nach einem opulenten Frühstück, u.a. mit frisch gespresstem Orangensaft, brach ich morgens auf, aber erst nachdem ich mich von den reizenden Eseln verabschiedet hatte.

Schon vor 9 Uhr war es wieder sehr heiß. Die Temperatur sollte 38 °C im Schatten erreichen, aber meine Etappe war relativ kurz und würde am Lac Paladru enden. Auf den Nachmittag am See freute ich mich sehr.

Zu Beginn ging es kräftig bergauf. Auf einer Bank an der ich schwer atmend ankam, saß ein holländisches Pilgerpaar. Fünf Tage lang waren mir keine Pilger begegnet. Wahrscheinlich war es den Leuten einfach zu heiß. Sie folgten der Via Gebennensis lieber im Frühjahr oder im Herbst. Sehr vernünftig!

Wir unterhielten uns kurz. Die Beiden waren einen Tag später als ich in Genf losgegangen, hatten aber keinen Ruhetag eingelegt. Sie wollten in Le Pin auf einem Campingplatz übernachten und hatten vor, bis Le Puy zu gepilgern. Nachdem sie aufgebrochen waren, ruhte ich mich noch einige Minuten auf der Bank aus. Ich habe die Holländer nicht wieder gesehen, was wohl auch damit zu tun hatte, dass ich nicht mehr lange auf dem Camino unterwegs war.

Der Jakobsweg führte nun stetig aber angenehm bergauf über kleine Straßen und Feldwege. Auf den Wiesen grasten cremefarbene Charolais Rinder. Immer wieder genoss ich weite Ausblicke. Allerdings waren diese längst nicht so spektakulär wie zu Beginn der Via Gebennensis. Ich befand mich nun in einer hügeligen, landwirtschaftlich geprägten Gegend und die Berge lagen weit entfernt am Horizont.

Kurz vor Valencogne kam mir ein jüngerer Mann namens Alexis mit Rucksack entgegen. Zuerst dachte ich, er gehöre zu den wenigen Pilgern, die, nach dem sie Santiago erreicht hatten, auch noch zurück nach Hause gingen. Dann stellte sich heraus, das er in Katalonien gestartet war und nun zunächst den Jakobsweg rückwärts lief. Innerhalb von fünf Monaten wollte er soweit wie möglich in Richtung Jerusalem wandern. Er rechnete damit, dass er spätestens in Griechenland ein Flugzeug zum Ziel nehmen würde. Nun war er schon einen Monat gelaufen und es strengte ihn immer weniger an. Der Körper passe sich an, meinte er. Das war nicht meine persönliche Erfahrung, aber ich war auch viel älter.

Wir tauschten uns eine gute halbe Stunde über die Übernachtungsmöglichkeiten auf der Via Gebennensis aus. Er war in einem anderen Preissegment als ich unterwegs, aber er nannte mir einige Bleiben auf dem Weg nach Le Puy, die für mich in Frage kamen. Ich holte mein gelbes Buch heraus und notierte mir ein paar Tipps. Als wir uns verabschiedeten, war ich sehr enthusiastisch und überzeugt, dass ich weitere Unterkünfte finden würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die zwei folgenden Nächte gebucht.

In Valencogne besuchte ich die Kirche und bewunderte die Statue des Hl. Jakobus, die den Pilgern den Weg weist.

Auf einer Hochfläche ging es weiter, mal durch den Wald, dann wieder mit weiten Landschaftspanoramen an Wiesen und Feldern entlang. Es war verhältnismäßig angenehm zu gehen, aber ich war doch froh, als ich zum ersten Mal den tiefblauen See erblickte. Nach Le Pin ging es recht steil hinunter und ich irrte auch etwas durch die Gegend. Die Richtung war aber klar, so dass ich schließlich im Ort ankam. In einer Bar an der Kirche stärkte ich mich mit der üblichen Kombination von Sirop de Menthe und Café. Nachdem ich das Gotteshaus besucht hatte, bog ich vom Camino ab, um nach Charavines am Lac Paladru zu meiner Unterkunft zu gehen.

Panoramafoto zum Anklicken!

Nun stellte ich fest, dass ich noch mehr als drei Kilometer nach Charavines zurücklegen musste und zwar auf einer gut befahrenen Straße, die leicht abwärts führte. Ich konnte aber auf einem sicheren Seitenstreifen gehen. Der See sah wunderbar türkis-blau aus, allerdings herrschte auch reger Betrieb.

Meine Unterkunft lag ganz am Ende des Lac Paladru. Das Zimmer ging zur Straße hinaus und lag direkt über dem Gartenrestaurant. Das entsprach nicht meinem bei der Buchung geäußerten Wunsch nach einem ruhigen Zimmer, aber ich hatte ohnehin keine andere Wahl und es war nur für eine Nacht.

Fazit:
16 km, 5 Stunden, ca 400 m Aufstieg und 320 Abstieg (bis Le Pin).
Leichte, knapp mittellange Etappe, abwechslungsreich, ohne spektakuläre Landschaftseindrücke, herrlicher Lac Paladru mit Bademöglichkeit, allerdings stark frequentiert, Infrastruktur in Le Pin und Charavines.

Nachmittags ging ich weiter in den Ort. Zunächst suchte ich die Touristeninformation auf, um mich nach der Busverbindung von La-Côte-Saint-André nach Lyon zu erkundigen. Wenn ich keine weiteren Unterkünfte finden würde, wollte ich dort den Camino vorerst beenden. Im Netz hatte ich keine Fahrt mit Öffentlichen Verkehrsmitteln gefunden. Auch die nette Dame im Fremdenverkehrsbüro brauchte eine Weile, um eine Verbindung aufzustöbern. Sie rief mehrere Stellen an. Schließlich druckte sie mir zwei einschlägige Fahrpläne aus. Der zweite war allerdings vom letzten Winter und ich sollte in La-Côte noch einmal nachfragen.

Zur Belohnung für die Mühen des Tages kehrte ich im Strandbadcafé ein, wo ich einen großen Pfirsich Melba Eisbecher verspeiste.

Panoramafoto bitte anklicken.

Nach dem Abendessen im Hotelrestaurant ging ich noch ein bisschen am See spazieren. Die Achillessehne meines rechten Fusses schmerzte bei jedem Schritt. Leichte Beschwerden hatte ich schon vorher bemerkt, und zwar immer wenn ich mich eine Weile nach den Wanderungen ausgeruht hatte. Nun war der Schmerz stärker. Ich ging an diesem Abend nicht weit, schaute mir nur das Abendrot über dem Lac Paladru an und kehrte dann um.

Beim Zubettgehen schmerzte mein Rücken sehr. Wie geplant hatte ich morgens keine Tablette genommen, was ich nun tat. Es dauerte eine ganze Weile, bis das Medikament wirkte. Bis dahin lag ich auf dem Rücken wie ein umgefallener Käfer. Es tat ziemlich weh, wenn ich mich aufrichten wollte, egal wie ich mich drehte und wendete. Ob ich mir doch eine Rippe gebrochen hatte, obwohl die Ärztin in Yenne es ausgeschlossen hatte?

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr. Auf dem Französischen Jakobsweg #8 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #7

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Von Saint-Genix-sur-Guiers nach Saint-Ondras am 1.8.2022

Morgens durfte ich eine halbe Stunde früher frühstücken, so dass ich das Schlösschen, in dem ich übernachtet hatte, schon um kurz nach 8 Uhr verließ.

Dann begann ich zu trödeln. Zunächst ging ich ein kleines Stück zurück, um die Kapelle Notre-Dame de Pigneux zu besuchen, die ich am Vortag ausgelassen hatte, um schnell zu meiner Unterkunft zu kommen. Die Wallfahrtskirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts am Standort einer sehr alten Kirche erbaut.

In einer Apotheke in Saint-Genix wollte ich Tape zum Verkleben der Füße kaufen. Nach dem Vorzeigen meines fast aufgebrauchten Röllchens erhielt ich ein ähnliches Band. Habe ich bis heute nicht ausprobiert, weil ich immer weniger Tape brauchte und dann auch nicht mehr lange auf dem Camino pilgerte. Mit dem Apotheker unterhielt ich mich sehr nett und ließ mich ausgiebig für mein gutes Französisch loben. Das ging mir runter wie Butter, auch wenn es nicht zutrifft. Wegen der mageren Französischkenntnisse der meisten Deutschen passt auf mich wohl eher „Unter den Blinden ist der Einäugige König.“ Danach spazierte ich noch kurz durch die Altstadt des Ortes, wo am Montag morgen fast alles geschlossen hatte, besuchte die Kirche und trank ein eiskaltes Mineralwasser in einer Bar.

Als ich schließlich den Jakobsweg fortsetzte war es schon nach 10 Uhr. Eine Brücke führte mich über den Fluss Guiers und in das Department Isère. Ein gar reizendes Schild wies auf die Abzweigung der Via Gebennensis hin (s. links unten). Eine Weile folgte ich dem schattigen Flussufer. In der ausgetrockneten Landschaft fand ich das Gehen am Wasser besonders angenehm. Dann verlief der Weg leider schattenlos und wenig idyllisch zwischen einer Stromtrasse und einem umzäunten Badesee. Nach einem staubtrockenen Acker folgte die Autobahn.

Über kleine Straßen und durch ebensolche Orte ging ich weiter. Am Pilgerrastplatz neben dem Croix-Bénie, der noch etwas Schatten bot, legte ich eine Pause ein und aß ein paar Snacks aus dem Rucksack, um neue Energie zu gewinnen.

Kurz nach dem Croix Bénie winkte mir eine ältere Frau zu (wahrscheinlich in meinem Alter!), die an einem Gartenzaun stand. Sie fragte mich, ob ich auf dem Jakobsweg pilgerte, was ich bejahte, und teilte mir dann unvermittelt mit, dass sie vor über 30 Jahren Aubagne bei Marseille in die Region gezogen sei und dass es ihr überhaupt nicht gefiel. Das konnte ich nachvollziehen. Genauso lange lebe ich in München und liebe es aber immer noch. Ich verabschiedete mich dann bald, weil mir Zeit und Lust für eine längere Unterhaltung über das Thema fehlten.

Der Weg nach Les Abrets bot keine weiteren Höhepunkte. Es ging maßvoll bergauf und wenig bergab. Bei La Bruyère wählte ich eine kleine Abkürzung. Das Sträßchen führte dann allerdings durch die glutheiße Sonne, so dass ich froh war, als ich auf die Via Gebennensis zurückkehrte.

Nach der Abzweigung an einem Klärwerk ging es glücklicherweise schattig kurz steil hinauf zu den Bahngleisen. Bald darauf hat ich Les Abrets erreicht. Meine Gastgeberin hatte mir mitgeteilt, dass es kein Restaurant in der Nähe des B&B gab und dass sie kein Abendessen kochen würde. Ich wollte möglichst mittags etwas Warmes essen. Meine Vorräte aus dem Rucksack waren aufgebraucht, daher musste ich auch Einkaufen.

In Frankreich sind die Läden am Sonntag morgen geöffnet. Zum Ausgleich sind sie am Montag geschlossen und die Gastronomie legt einen Ruhetag ein. Gut ist, dass man sich darauf verlassen kann, während man in Deutschland an verschiedenen Tagen vor verschlossenen Türen stehen kann, seit Corona wegen Personalmangel oft an mehreren. In einem kleinen Ort in Bayern habe ich übrigens schon erlebt, dass die beiden einzigen Restaurants am gleichen Tag pausierten!

Um so mehr freute ich mich nun, als ich in Les Abrets ein offenes Restaurant sah. Auf der Terrasse saßen Leute beim Mittagessen, meistens aber schon beim Dessert. Kaum hatte ich mich hingesetzt, da kam der Chef und erklärte mir, dass nun, pünktlich um 13.30 Uhr, geschlossen sei. Als ich fragte, ob noch ein kaltes Getränk möglich wäre, entgegnete er, dass er das Personal nicht länger beschäftigen könne. Nun ja, wenn ich gleich nach dem Servieren bezahlt hätte, wäre das keine große Aktion gewesen, zumal noch andere Gäste dort waren. Erst auf eindringliches Nachfragen nach einer anderen Essensmöglichkeit riet mir der Herr, bei Mc Donalds zu speisen. Gegenüber gäbe es auch einen großen Supermarkt.

Leicht frustriert ging ich weiter. Bis zum Mc Donalds war es noch einmal ein gutes Stück aus dem Ort hinaus. Bei der Bestellung am Automaten im Schnellrestaurant musste man sich durch zahlreiche Alternativen klicken. Netterweise half mir ein junges Paar, das in meiner Nähe stand. Das Essen war ziemlich teuer und schlecht sowie der Raum extrem herunter gekühlt. Fand ich zunächst erfrischend, fror dann aber in meinen verschwitzten Klamotten, so dass ich bald wieder aufbrach. Essen bei Mc Donalds in Frankreich: ein Sakrileg!

Nach dem Einkauf im Riesensupermarkt, wo es alles gab, aber schwierig war, kleine Portionen für Rucksackreisende zu bekommen, kehrte ich noch einmal in den Ort zurück, um die Kirche zu besuchen. Diese war natürlich geschlossen. Mein Aufenthalt in Les Abrets stand wirklich unter keinem guten Stern! Immerhin entdeckte ich eine kleine Bar in der Nähe, in der ich mich vor der Fortsetzung der Wanderung mit einem Kaffee und einem Sirop de Menthe stärken konnte.

Ich hatte gut zwei Stunden in Les Abrets verbracht und musste nun die restlichen 4 Kilometer nach Saint-Ondras in der größten Nachmittagshitze zurücklegen. Das Laufen über mehrere Sträßchen mit leichten Steigungen aber ohne Schatten empfand ich nur noch als quälend. Gut geschafft kam ich in meiner Unterkunft an, wo mich die Dame des Hauses mit einem frisch gepressten Orangensaft empfing. Wunderbar!

Fazit:
21 km, rd. 400 m Aufstieg, 180 m Abstieg, 6 Stunden.
Leichte mittellange Etappe, hügelige Landschaft, die nicht die gewohnte Abwechselung bot, wenig Schatten, Infrastruktur in Saint-Genix und Les Abrets (eingeschränkt am Montag!), nicht meine Lieblingsstrecke auf der Via Gebennenis, lag vielleicht an der Kombination von Hitze, Trockenheit und Montagsschließungen.

Mein Zimmer erwies sich als riesig groß und verfügte über eine Klimaanlage. Gut erholt setzte ich mich zum Abendessen in den Garten an einen Tisch mit Sitzbank. Dort aß ich die frisch gekauften Lebensmittel. Es gab Enten-Leber-Pâté, Käse, Baguette und einen goldgelben Pfirsich zu einem gut gekühlten Bier. Gar nicht schlecht!

Zum Abschluss besuchte ich noch das Eselspaar mit der schwangerer Eselin, das zum Haus „gehörte“. Die Tiere trabten gleich zu mir an den Zaun. Sie waren so schön, dass ich sie sogar vorsichtig an den Ohren streichelte, obwohl ich normalerweise keine Tiere anfasse.

Im Großen und Ganzen war ich zufrieden mit mir. Ich konnte selbst bei Temperaturen um 35 ° C, über den Tag verteilt und mit Pausen, etwa 20 Km schaffen. Auch mein Rücken meldete sich nur gelegentlich. Das Medikament, das mir die Ärztin in Yenne verschrieben hatte, sollte ich nur fünf Tage lang einnehmen. Am nächsten Tag wollte ich versuchen, statt zwei Tabletten nur noch eine am Abend zu schlucken, um so die Einnahme zu strecken. Auf die Wirkung war ich gespannt.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Französischen Jakobsweg #7 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #6

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Von Yenne nach Saint-Genix-sur-Guiers am 31.07.2022

Als ich morgens um kurz nach acht Uhr aufbrach, stand mir eine sehr lange Tour bevor. Um mich zu schonen, wählte ich am Anfang die östliche Variante des Jakobswegs, was weniger spektakuläre Aussichten bedeutete, aber auch eine zwei Kilometer kürzere und weniger bergige Strecke. Nachdem ich die verordnete Tablette genommen hatte, war der Schmerz im Rücken schnell verschwunden, aber ich musste vorsichtig sein.

Die Route verlief auf kleinen Strässchen, Wegen und Pfaden. Bei der Hitze, die bereits um 9 Uhr wieder intensiv war, half es sehr, dass viele Strecken im Schatten verliefen.

Um 500 Höhenmeter Steigung zurückzulegen, musste man stetig aber nicht steil bergauf gehen . Ich passierte ein Schlösschen, ging durch mehrere Weiler und über einen Wiesenpfad mit Viehgattern (aber ohne Viecher). Im angenehm kühlen Schatten legte ich dann eine Trinkpause ein. In Charosse erwartete mich ein blumengeschmücktes Wegkreuz und bald folgte ein schöner Ausblick, der letzte zum markanten Bergrücken Dent du Chat/Katzenzahn.

Bis dahin war mir nur ein Mann begegnet, der mit seinem Hund Gassi ging, aber als ich die Nähe des Mont Tournier kam, traf ich einige Mountainbiker. Sie waren auf dem gleichen sehr wurzeligen Waldpfad wie ich unterwegs. Mit einer Radlerin unterhielt ich mich kurz. Sie kam aus Yenne und wollte auf den Gipfel radeln. Bald mündete der schöne Waldweg in eine kleine verkehrsarme Straße, die durch den Wald führte.

Ziemlich angetan war ich von den schwarzen Mustern auf dem Asphalt. Für mich sah das sehr nach abstrakter Kunst aus, aber es handelte sich wohl nur um Reparaturen der Straßendecke mit Teer.

Auf der Straße, die stetig bergauf führte, kam mir die Radlerin entgegen, mit der ich mich unterhalten hatte. Sie war auf dem Rückweg und schwärmte von der Aussicht auf dem Mont Tournier. Mir war klar, dass ich diesen Blick nicht genießen würde, es sei denn, ich ginge auf der anderen Variante des Camino ein Stück zurück. Auf diesen bergigen Umweg hatte ich aber nicht die geringste Lust.

Als ich den Col du Mont Tournier, die Passhöhe der Straße und höchste Stelle meiner Tageswanderung, erreicht hatte, war ich doch etwas enttäuscht. Ich befand mich im dichten Wald und konnte nach mehreren Stunden Wanderung nicht den Hauch einer Aussicht erkennen. Meine Mittagspause verschob ich auf den Wegweiser La Dronière, wo die beiden Strecken des Jakobswegs wieder aufeinander treffen. Aus unerfindlichen Gründen ging ich an der Abzweigung vorbei, die 0,5 km nach der Passhöhe folgen sollte. Das fiel mir nach gut zwei Kilometern auf. Zurück gehen wollte ich nicht, sah aber auf dem GPX-Track, dass ich den Camino im nächsten Dorf wieder finden konnte.

Nun brauchte ich dringend eine Mittagspause. Bald hatte ich ein schattiges Plätzchen mit einem wunderbaren Weitblick entdeckt, wo ich mit den Vorräten aus dem Rucksack vesperte. So richtig gemütlich war es dann doch nicht. Entweder hatte ich mich auf eine Ameisenstraße gesetzt oder die Tiere hatten geschwind eine solche gebildet. Trotzdem schmeckten mir die Melonenstücke mit Käse, Saucisson und Baguette sehr gut.

Nachdem ich in Le Bornet auf den Camino zurückgekehrt war, erreichte ich im Wald das Croix de Rives und setzte mich auf die Bank gegenüber. Hatte zwar erst vor einer halben Stunde eine Pause eingelegt, aber bei den wenigen Bänken, welche die Via Gebennensis bietet, muss man nehmen, was man angeboten bekommt. Sehr oft liegen die Rastplätze in der prallen Sonne, aber hier war wunderbar schattig und friedlich. Ich lauschte dem Blätterrascheln, freute mich über das Zwitschern der Vögel und brach nach kurzer Pause gut erholt auf.

Nach Saint-Maurice-de Rotherns führte eine asphaltierte, weitgehend schattenlose Strecke. Unterwegs kam ich an einem Haus mit bemerkenswerten Giebeln vorbei. Im Ort zweigte ich zur Kirche ab. Dort erwartete mich eine schöne Überraschung. Neben dem Gotteshaus liegt das Radio-Musée Galetti, welches dem Ingenieur und Wegbereiter der drahtlosen Übertragung gewidmet ist. Zum Museum gehört ein Bistro mit Terrasse. Scheinbar war nicht so viel los und die Damen vom Museum schienen richtig froh, jemanden zum Quatschen gefunden zu haben. Mir ging es genauso und so plauderten wir eine Weile, während ich auf der Terrasse saß und einen Kaffee sowie einen Sirop de Menthe (giftgrüner Pfefferminz Sirup, der mit Wasser aufgegossen wird) trank. Das war mein erster Pfefferminzsaft. Er schmeckt wie flüssiges After Eight, nur ohne Schokolade, aber sehr erfrischend.

Und dann hatte auch noch die Kirche geöffnet, die laut Pilgerführer meistens geschlossen sein sollte („Stimmt nicht!“ sagten meine Gesprächspartnerinnen). Wirklich eine wunderbare Pause!

Nun ging es hinunter nach Grésin mit tollen Landschaftspanoramen, aber auch bei starker Hitze und mit wenig Schatten. Nachdem ich die Kirche im Ort besucht hatte, zog sich der Camino ziemlich.

Glücklicherweise führte der Weg dann in den Wald, was viel angenehmer zum Gehen war. Am Wegweiser Pas de l’An wurde nach links aufwärts gewiesen. Nun sollte laut Führer ein letzter Anstieg zur Kapelle Nôtre-Dame de Pigneux gefolgt von einem Abstieg nach Saint-Genix zu bewältigen sein. Ich schaute auf Google Maps nach und entdeckte erfreut, dass das Château de Saint-Genix, in dem ich ein Zimmer gebucht hatte, direkt am Weg etwas oberhalb des Ortes lag, so dass ich mir die Abzweigung sparen konnte. So würde ich zwar die Kapelle verpassen, aber das war mir nach der stundenlangen Rucksackwanderung herzlich egal.

Bald erreichte ich das Château, wohl eher ein Schlösschen, in dem ich einen ruhigen und erholsame Nacht verbrachte.

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Fazit:
22 km, 770 m bergauf, 760 m bergab (mit Abzweigung zur Chapelle de Pigneux und hinunter nach Saint-Genix), 7 Stunden.

Längere, sehr abwechslungsreiche Etappe, durch schattige Wege ist der Aufstieg problemlos möglich, die Variante über den Mont Tournier bietet bessere Aussichten und sollte für fitte Wanderer ohne Weiteres machbar sein, während des Abstiegs weniger Schatten und mehr Asphalt aber bessere Weitblicke, Bistro im Musée Galletti (Öffnungszeiten?).

Im Schloss hatte ich die letzte von zu Hause vorgebuchte Unterkunft reserviert. Ein Zimmer zu finden, stellte sich als extrem schwierig heraus. Das hatte ich erwartet , weil ich in der Haupturlaubszeit unterwegs war und in den kleinen Orten an der Via Gebennenis nur wenige Unterkünfe vorhanden sind. Aber so kompliziert, hatte ich es mir doch nicht vorgestellt.

Noch in Yenne hatte ich per Mail versucht, für die nächsten Nächte zu buchen, und entweder keine oder abschlägige Antworten bekommen. Nachdem ich erneut Buchungsportale durchforstet hatte, hängte ich mich schließlich ans Telefon und fragte bei den im Führer der Association Rhône-Alpes des Amis de Saint-Jacques (ähnlich wie Miam Miam Dodo) angegebenen Adressen nach. Ich erklärte, dass ich auf dem Jakobsweg pilgerte und dringend eine Unterkunft für die nächste Nacht brauchte. Es war nichts frei und ein Herr erklärte mir sogar, dass er keine Unterkunft mehr anbiete. Das war wohl gelogen. Später entdeckte ich auf Booking, dass dort ein Zimmer an einem anderen Tag frei war. Unangenehm war auch, dass einige Gesprächsteilnehmer auflegten, sobald ich nach französischen (!) Worten suchen musste.

Sehr erleichtert war ich, als ich schließlich im Netz eine Unterkunft in Saint-Ondras buchen konnte. Es gelang mir dann noch, am folgenden Abend in einem Hotel am Lac de Paladru telefonisch zu reservieren. Das lag zwar etwas abseits des Wegs, aber auf den See freute ich mich nach dem Pilgern durch die ausgedörrte Landschaft.

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Auf dem Französischen Jakobsweg: Yenne

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Ruhetag in Yenne am 30.07.2022

Mein Ruhetag begann damit, dass ich zum Arzt ging. Morgens war ich wieder mit dem Bewegungsschmerz im Rücken aufgewacht. Manchmal tat es schon weh, wenn ich einen etwas größeren Schritt machte. Ich fragte mich, ob ich auf dem Camino weitergehen konnte und vor allem, ob ich den Rucksack tragen konnte. Auf jeden Fall wollte ich das medizinisch abklären lassen.

Direkt neben dem Hotel lag eine Artzpraxis, die natürlich geschlossen hatte, weil Samstag war. Auf der Straße sprach ich einen Passanten mit Baguette unter dem Arm an. Der Mann nannte mir eine Bereitschaftspraxis und beschrieb mir den kurzen Weg dorthin. Wenn man bedachte wie bescheiden die Infrastruktur auf der Via Gebennensis im Allgemeinen war, hatte ich mit Yenne den idealen Ort für alle möglichen Eventualitäten ausgewählt.

Die Anmeldung in der Praxis war nicht besetzt. Man setzte sich einfach in das Wartezimmer. In dem kleinen Raum saßen schon acht Leute mit Op-Masken aber auch Kinder ohne Mund- und Nasenschutz. Solange wie möglich blieb ich draußen vor der Türe sitzen. Es ging nur sehr, sehr langsam weiter. Ungefähr alle 20 Minuten kam die Ärztin, die offensichtlich alleine Dienst hatte, und holte den nächsten Patienten ab. Im Wartezimmer war es sehr ruhig, die Leute saßen scheinbar geduldig da und sagten kein Wort. Auch von den kranken Kindern, die sich manchmal enger an die Eltern kuschelten, kam kein Ton. Nach mehr als 1,5 Stunden begann ein Mädel mit seinem Vater zu flüstern, worauf dieser mit ihr in den Garten ging.

Schließlich holte mich die junge Frau Doktor. Sie stellte mir zunächst Fragen zu meiner Person und dann zur Gesundheit und zu Medikamenten. Nachdem ich erzählt hatte, dass ich mit dem Rucksack auf dem Jakobsweg pilgerte, keinen Unfall aber seit dem Vorabend plötzlich Rückenprobleme hatte, tastete sie Bauch und Rücken ab.

Die Ärztin meinte, dass die schmerzende Stelle ein verspannter Muskel oder eine geprellte Rippe sein könnte. Sie verschrieb mir ein entzündungshemmendes Medikament, das ich fünf Tage lang zweimal täglich zum Essen einnehmen sollte. Wenn es dann nicht besser war, sollte ich wieder zum Arzt gehen und mich röntgen lassen. Sie hatte keine Bedenken, dass ich den Camino fortsetze.

Außerdem gab sie mir einen kurzen Arztbericht mit, den ich ggf. dem nächsten Doktor zeigen sollte. Habe ich dann auch getan, als ich wieder zu Hause war, aber mehr als einen flüchtigen Blick warfen die Ärzte darauf nicht. Wahrscheinlich hörten sie auf zu lesen, als sie bemerkten, dass der Bericht auf Französisch verfasst war …

Als ich die Praxis verließ, war ich um eine kulturelle Erfahrung reicher. Warten auf den Arzt gestaltete sich in Frankreich offensichtlich viel ruhiger als in Deutschland. Ob das etwas mit der größeren Ehrfurcht vor den Medizinern zu tun hatte ?

Der ganze Spaß kostete mich außerdem nur knapp 30 Euro: 25 € für die Ärztin und 20 Tabletten für unter 5 €.

In der Touristeninformation holte ich mir den Pilgerstempel und fragte etwas, das mich als große Kaffee- und Kuchenliebhaberin schon ein paar Tage lang beschäftigte. In den kleineren französischen Orten gibt es oft Bars, die Getränke und salzige Snacks anbieten aber keinen Kuchen. So war es auch in Yenne. Ich erfuhr, dass ich ohne weiteres ein Stück Gebäck in der Patisserie kaufen konnte, um es zu einem Getränk in der Bar zu verspeisen. „Prima,“ dachte ich und setze mich gleich mit einem köstlichen Törtchen in die Bar im Ortszentrum, wo ich mir einen Kaffee dazu bestellte. Natürlich war ich die Einzige, weil die Franzosen Kuchen hauptsächlich zum Dessert verspeisen.

Zum Kaffee nahm ich die erste Tablette. Beim Lesen des Beipackzettels wurde es mir etwas blümerant, aber der Schmerz beruhigte sich sofort.

Nun war ich erst einmal erledigt und ruhte mich eine Weile im Hotel aus.

Am Nachmittag stromerte ich durch das Städtchen, schaute mir weitere historische Gebäude an und kaufte Wanderproviant. Auch ein großes Eis war wieder fällig. Und die Kirche musste noch einmal besucht werden.

Recht müde, obwohl ich nicht gelaufen war, ging ich früh schlafen. Mir stand eine lange Etappe bevor und ich hoffte, dass alles gut verlaufen würde.

PS: Inzwischen weiß ich natürlich, woher die Rückenschmerzen kamen, aber das werde ich es erst am Ende meines Berichts über die Via Gebennensis verraten, weil ich es erst hinterher erfuhr.

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Auf dem Französischen Jakobsweg #5

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Von Chanaz nach Yenne am 29.07.2022

Netterweise durfte ich im Hotel schon um 6:30 Uhr frühstücken, eine halbe Stunde vor der offiziellen Zeit. Schon um kurz vor 8 Uhr befand ich mich wieder auf der Via Gebennensis. Es war bewölkt, kühler und viel angenehmer zum Wandern. Schnell hatte ich den Kanal in Chanaz erreicht und befand mich auf der Strecke, die aus dem Ort hinaus führte. Nun ging es kräftig bergauf, an einer restaurierten Ölmühle aus dem 19. Jahrhundert vorbei und dann etwas sanfter bis zur Kapelle Orgeval, wo sich ein Rastplatz befand, den ich für eine kurze Trinkpause nutzte.

Bei der Fortsetzung des Weges freute ich mich über eine schöne Sicht auf die umliegenden Berge. Gut zu sehen war bereits der Höhenzug „Mont du Chat“ mit dem markanten Gipfel „Dent du Chat“ („Katzenzahn“). Auf dem ebenen Weg ging es sich nun sehr gut und flott. Schon wollte ich frohlocken, als es sich blitzschnell zuzog. Zunächst verschwand der „Dent du Chat“ in den Wolken, dann begann es zu regnen und zwar so heftig, dass ich die Regensachen und den Regenschutz für den Rucksack herausholte. Als alles angelegt war, hörte es auf zu schütten, aber ein leichter Sprühregen begleitete mich weiterhin.

Durch mehrere kleine Weiler ging ich weiter und schließlich durch einen Weinberg . Selbst bei dem regnerischen Wetters fand ich diesen Wegabschnitt sehr eindrucksvoll. Sogar die Wolke, die langsam an einer Bergflanke hinauf stieg, bewunderte ich. Aber deswegen musste es wirklich nicht wieder stärker regnen!

Am Château de Mar musste ich mich entscheiden. Auf der Via Gebennensis folgt ein Anstieg zur Kapelle Saint-Romain, die auf einem steilen Felsen liegt. Auf dem Rastplatz bei der Kapelle sollen sich laut Pilgerführer zwar faszinierende Weitblicke eröffnen, aber danach sollte ein sehr steiler Abstieg zur Rhône kommen. Die Variante des Camino umgeht den Auf- und Abstieg und trifft am Fluss wieder auf die Route. Bei kleineren Abstiegen hatte ich schon bemerkt, dass die steinigen Pfade rutschig geworden waren und die Aussicht auf dem Felsen würde bei diesem Wetter nicht berauschend sein. Daher war schnell klar, dass ich im Tal bleiben würde.

Leider gab es im Schloss zwar ein Hotel mit Swimmingpool aber keine Einkehrmöglichkeit für hungrige und durstige Pilger, daher verzog ich mich etwas später in ein Buswartehäuschen und vesperte dort mit den Vorräten aus dem Rucksack. Es regnete weiterhin, so dass ich schnell zur Rhône hinunter ging. Bald befand ich mich am Flussufer, dem ich bis Yenne lange folgen würde. Es ging abwechselnd durch den Wald und am Rand riesiger Maisfelder entlang. Eigentlich recht schön, aber bei dem Regenwetter und der schlechten Sicht auf die Dauer recht eintönig.

Einmal stolperte ich und wäre fast nach vorne in den Matsch gefallen, wenn ich mich nicht mit den Händen abgefangen hätte. Komischerweise kann mich daran nur schemenhaft erinnern, habe es auch nicht in meinem Tagebuch vermerkt. Jedenfalls achtete ich danach besser auf den Weg und kam schließlich durch ein Naturschutzgebiet am Flussufer ohne weitere Vorkommnisse in Yenne an.

Kaum hatte ich im Hotel die nassen und schlammigen Klamotten aufgehängt, da hörte es auch schon auf zu regnen und die Sonne kehrt mit der gewohnten Kraft und zusätzlicher Schwüle zurück.

Fazit:
17,5 km, ca. 440 m Auf- und Abstieg, ca. 150 m weniger auf der Variante, 5,5 Stunden.
Mittellange Etappe, führt durch eine Weinbaugegend und am Flussufer entlang, bietet wunderbare Aussichten (vor allem bei schönem Wetter). Unterwegs keine Einkehrmöglichkeiten oder Geschäfte.

In Yenne hatte ich einen Ruhetag geplant, worauf ich mich sehr freute. Nach einer Ruhepause im Hotel spazierte ich am Nachmittag durch das charmante Städtchen mit viel französischem Flair und zahlreichen historischen Gebäuden. Die Kirche Notre Dame, die im 12. und 14. Jahrhundert gebaut wurde, musste natürlich auch besucht werden. Einen Pilgerstempel fand ich trotz intensiver Suche nicht, wollte mir diesen aber am folgenden Tag in der Touristeninformation besorgen. Auf einer Caféterrasse am hübschen Bachlauf in der Altstadt ließ ich mich nieder, vertilgte ein großes Eis, trank Cappuccino und ließ es mir gut gehen.

Abends wurde im Hotel ein sehr schmackhaftes Menue für Hausgäste serviert. Als ich dann im Bett lag, tat mir am linken Rücken jede Bewegung und ganz besonders das Aufrichten weh. Ich nahm an, dass ich mir beim Rucksackschleppen einen Muskel gezerrt hatte, besorgte mir bei der Gastwirtin eine kalte Kompresse und hoffte, dass sich das Problem bis zum nächsten Tag geben würde. In dieser Hinsicht sollte ich mich leider irren.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem französischen Jakobsweg #5 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem französischen Jakobsweg #4

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Von Seysell/Gîte l’Edelweiss nach Chanaz am 28.7.2022

In der Gîte l’Edelweiss wurde schon um 6:30 Uhr Frühstück angeboten, daher konnte ich früh weiter pilgern. Nach wenigen hundert Metern mündete der von der Gîte kommende Weg in die Via Gebennensis ein, die von Seysell kam.

Am Anfang war es sehr schön frisch und mehrere kurze, zum Teil steile Abstiege, die zur Rhône hinunter führten, entpuppten sich als gut zu gehen. Im Dorf Vens en Haut hatte man die urigen alten Häuser schön mit Blumen geschmückt.

Weiter ging es zu einer Brücke über den Fluss Fier, der in die Rhône mündet. Der Wegweiser nach der Überquerung zeigte an, dass ich 60 km von Genf zurückgelegt hatte (erst?) und dass die Entfernung nach Santiago noch 1802 km betrug (Na super!).

Nach dem Durchqueren eines Freizeitgeländes mit Campingplatz näherte ich mich wieder der Rhône. Am Ufer befand sich ein Infostand der Gemeinde Motz, wo man mir freundlicherweise einen Kaffee anbot, den ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht brauchte. Lieber wäre mir ein kaltes Getränk gewesen. Dieses gab es nicht, aber ich nahm gerne das Angebot eines Pilgerstempels an, der an diesem Tag der Einzige bleiben sollte.

Auf der träge dahin fließenden Rhône befindet sich ein Naturschutzgebiet mit Inseln aus Schilf, so dass der Fluss recht schmal wirkte. Hinter dem Stauwehr „Barrage de Motz“ änderte sich das: nun war die gesamte Flussbreite zu sehen und die Fließgeschwindigkeit hatte stark zugenommen. Eine kurze Strecke folgte ich auf einem schattigen Pfad dem Ufer entlang, dann zweigte der Camino ab und es ging kurz steil nach oben, durch einen kleinen Weinberg und danach durch den Wald. Es blieb größtenteils schattig.

Nach ein bisschen auf und ab, auch einmal kurz an der Straße entlang, landete ich in Mathy, wo ich mich für die 1km längere Variante der Via Gebennensis entschied, die durch den Ort Serrières-en-Chautagne führt. Im Ort wollte ich einkaufen und Etwas essen. Dort angekommen stellte ich fest, dass es keinen Supermarkt gab, aber immerhin konnte ich Saucisson (dünne Salamihartwurst, sehr lecker und wandertauglich) beim Metzger und ein halbes Baguette in der Bäckerei kaufen. Vor lauter Shoppen vergaß ich dann tatsächlich nach der Kirche zu schauen!

Am Badesee mit Campingplatz entdeckte ich ein Restaurant mit herrlich schattiger Terrasse. Dass dort niemand saß, erklärte sich damit, dass erst ab 12 Uhr, also eine Stunde später, Essen serviert wurde. Und davor gab es überhaupt nichts zu essen. Ich bestellte mir ein eiskaltes Wasser und einen Cappuccino und durfte dann meine mitgebrachte Brotzeit im Restaurant essen. Die nette Kellnerin brachte mir sogar noch einen Teller und Besteck.

Gut erholt brach ich wieder auf. Es ging in der Ebene weiter aber leider schattenlos. An einer Abzweigung war der Camino gesperrt. Ich lief weiter gerade aus und vertraute darauf, dass eine neue Wegweisung kommen würde. Nach einer guten halben Stunde auf schnurgeradem Weg durch den riesigen zu Trockenlegung eines Moores angepflanzten Pappelwald von Chautagne kam mir das Ganze spanisch vor. Ich sprach eine Radfahrerin an, die mir eine richtig gute Wegbeschreibung gab, mit der ich die Via Gebennensis schnell wieder fand.

Danach ging es lange am Rhôneufer entlang, immer schön durchs Grüne, aber auch voller Mücken, so dass ich mich nicht hinsetzen wollte. Aber immer wieder eröffneten sich idyllische Aussichten über den Fluss.

Nach einer Weile erreichte ich den Etang Bleu, einen kleinen See neben der Rhône und entdeckte dort zu meiner großen Freude ein Lokal am Flussufer. Nach einem Eisbecher mit köstlichem Coulis (Püree) von roten Beeren und einer ganz kalten Cola war ich soweit wiederhergestellt, dass ich die restliche, ebene Strecke bis zu meiner Unterkunft im Nu zurücklegen konnte.

Erfreut stellte ich fest, dass das Hotel noch vor dem Ort Chanaz lag . Eine weitere angenehme Überraschung war, dass es das Zimmer klimatisiert war. Bin normalerweise kein Fan, aber nach mehreren Tagen in überhitzten Unterkünften, in denen es auch nachts nicht abkühlte, himmlisch!

Fazit:
22 km, 340 m Abstieg 120 m Aufstieg, etwa 6,5 Stunden
Mittellange, sehr angenehme Etappe mit vielen Waldstücken, sehr abwechslungsreich, kaum Steigungen, wunderbare Passagen an der Rhône, Verpflegung unterwegs in Serrières, nur wenn man die etwas längere Camino Variantewählt, und Restaurant am Etang Bleu, etwa 3 km vor dem Ziel. Mückenspray nicht vergessen!

Am frühen Abend schaute ich noch im Ort vorbei. Chanaz wird als kleines Venedig Savoyens bezeichnet. Zwar gibt es dort einen Kanal, der von zahlreichen Booten, auch Rundfahrten, frequentiert wird, aber so ganz konnte ich den lebhaften Touristenrummel nicht nachvollziehen.

Nachdem ich herausgefunden hatte, dass die Restaurants erst ab 20 Uhr Abendessen anboten, ging ich zurück ins Hotel und später noch Pizza essen im Lokal nebenan.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem französischen Jakobsweg #4 erschien zuerst auf Wanderlustig.


Ausgebremst #1

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Momentan berichte ich von meiner kürzlichen Pilgerwanderung auf der Via Gebennensis, dem französischen Jakobsweg, der von Genf nach Le Puy führt (z.B. Auf dem französischen Jakobsweg #3). Dort habe ich 175 Km zurückgelegt, also ca. die Hälfte des Weges. Allerdings habe ich neben unvergesslichen Eindrücken und Erinnerungen auch mehrere Probleme mitgebracht. Von einem wird hier die Rede sein.

Während der Fernwanderung begann die Achillessehne meines rechten Beins zu schmerzen. Mir fiel das immer dann auf, wenn ich eine Zeitlang nicht gelaufen war, z.B. morgens beim Beginn der Tour. Aber nach ein bis zwei Kilometern war alles normal und ich konnte unbeschwert gehen. Leider kippte das Ganze irgendwann. Seit meiner Rückkehr vom Camino tut jeder Schritt weh und ich humpele wie eine alte Oma, mit dem Unterschied dass meine eigene Großmutter mit über 90 Jahren noch gut zu Fuß war!

Der Orthopäde gab mir eine Spritze, die nichts half, riet zur Schonung und empfahl Dehnübungen (helfen tatsächlich ein bisschen) und eine Stoßwellentherapie (die ich mir ersparen möchte). Das war vor zwei Wochen und seitdem hat es sich nicht sehr gebessert.

Zwar habe ich kein Problem mich zu Hause zu beschäftigen, aber ich bin eine passionierte Geherin. Wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, wandere ich sehr gerne. Wenn das nicht geht, spaziere oder walke ich mehrmals wöchentlich durch den heimischen Wald. Nun war ich drei Mal auf meiner allerkürzesten Strecke unterwegs, das reine Vergnügen war es keineswegs, aber jeder Gang durch den Wald war ein rauschhaftes Erlebnis. Ich höre so gerne die Blätter rauschen und lausche mit Vergnügen dem Zwitschern der Vögel. Außerdem liebe ich die changierenden Sonnenflecken auf dem Boden und bewundere die unendlich vielen Grüntöne des Waldes.

Auch das unbeschwerte Bummeln durch die Innenstadt würde ich gerne wieder genießen.

Jetzt hoffe ich erst einmal, dass meine Achillessehnenreizung und eine weitere Malaise (dazu später) sich bald wieder geben. Auf eine Fernwanderung werde ich mich aber so schnell nicht mehr begeben, Tageswanderungen können auch ganz wunderbar sein.

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Ausgebremst #1 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #3

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Von Chaumont zur Gîte l’Edelweiss bei Seysell am 27.7.2022

Morgens konnte ich mir das Frühstück selbst zubereiten. Unsere Gastgeberin hatte das Essen abends in der Küche bereit gestellt und Kaffee kochte ich mir mit einer Art Nespresso Maschine. So war ich schon um kurz nach 7 Uhr „auf der Piste“.

Zu Beginn konnte ich noch einmal zurück auf den markanten Berg schauen, an dem ich am Vortag in den Wald hinunter gestiegen war. Danach hatte ich einen längeren steilen Anstieg nach Chaumont bewältigen müssen (Auf dem Französischen Jakobsweg #2) und nun ging es nach dem Motto „What goes up, must come down“ erst einmal eine Stunde lang hinab zum nächsten Ort Frangy. Auf dem geröllig schotterigen Weg musste ich gut aufpassen, aber richtig steil war es nicht.

Auf Frangy freute ich mich schon, weil es dort unterwegs, zum ersten Mal seit ich auf der Via Gebennensis pilgerte, Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie geben würde. Im Ort besuchte ich gleich die Kirche. Die Pfarrangestellte stempelte mir vor der Messe netterweise noch schnell meinen Pilgerpass. Neben dem Ausgang bewunderte ich ein beleuchtetes Glasfenster mit einer großen Jakobsmuschel.

Als ich aus der Kirche trat, zogen zwei Pilger mit großen Rucksäcken im Stechschritt vorbei. Sie gingen stur gerade aus, ohne die Kirche zu beachten und schauten sich nicht um, so dass ich sie nicht grüßen konnte. „Tja,“ dachte ich. „So schafft man 30 Kilometer und mehr am Tag.“ Dieser Eindruck täuschte allerdings, wie sich später herausstellen sollte.

Das nächste Café lag direkt gegenüber der Kirche. Dorthin begab ich mich sogleich. Vielleicht hätte ich noch weiter schauen sollen, denn es gab dort Getränke aber keinerlei Essen. Ich trank nur einen kleinen Kaffee. Auch Cappuccino wurde nicht angeboten. Im Supermarkt besorgte ich noch ein paar Kleinigkeiten zu essen, u.a. den bekannten Schmelzkäse mit der lachenden Kuh, der in abgepackten kleinen Würfeln angeboten wurde. Diese Käsesorte würde ich zu Hause nicht anrühren, sie ist aber beim Wandern in der Hitze sehr praktisch, lässt sich gut in ein Stück Baguette schieben und schon hat man ein belegtes Brot. Andere Käsesorten schmelzen bei hohen Temperaturen ohnehin und sehen dann nicht mehr appetitlich aus. Beim Durchqueren des Ortes auf der Hauptstraße kaufte ich mir außerdem einen Schokoladenéclair, den ich auf die Hand nahm und verspeiste.

Die Route führte durch eine Unterführung und danach gewann ich wieder an Höhe, wie es der Wanderführer freundlich beschreibt.

Auf einer kleinen, nicht befahrenen Straße ging es weiter bergauf und dann zweigte der Weg ab. Ich folgte aber einem Tipp des Pilgerbuchs und folgte dem Sträßchen weiter, das direkter nach Tagny führte, wo es wieder auf den Camino traf. Allerdings war es auf dem Asphalt schon wieder brütend heiß, so dass ich froh war, als hinter dem Ort eine kurze Passage durch den Wald folgte.

Nach Desingny führte die Via Gebennensis oft über geteerte Straßen, aber zum Schluss über einen schönen Wiesenpfad. Im Ort wollte ich eigentlich Pause machen, aber dort stank es bestialisch, nicht nur nach Jauche, sondern auch stark chemisch. Daher besuchte ich nur die Kirche, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde, und zog dann schnell weiter.

Am Rastplatz mit Bänken und Tisch am Ortsausgang von Desingny war ich vorbeigegangen, aber dann kam auf dem folgenden Sträßchen nichts mehr. Der Camino führte an Gehöften entlang, wo ich keinen Menschen traf, aber oft heftig bellende Hunde, die sich glücklicherweise hinter Zäunen befanden oder angeleint waren.

An der Fahrbahn lagen steile Böschungen, auf denen man nicht sitzen konnte. Gegen 12 Uhr reichte es mir. Ich setze mich auf eine Ausbuchtung auf den Boden neben der Straße. Die Erde war trocken und sehr staubig, aber ich hatte inzwischen großen Hunger.

Nach der Pause stieg der Weg, der lange ohne Schatten blieb, noch einmal an, führte wieder hinunter und dann ging es erneut leicht bergauf. Kennzeichnend für meine zunehmende Erschöpfung war, dass ich zwei Stunden lang nur ein Photo aufnahm.

Sehr froh war ich, als es endlich in den Wald ging. Aber auch dort führte der Weg noch einmal leicht bergauf, bis schließlich die Abzweigung zur Gîte L’Edelweiss kam. Kurz danach sah ich in der Tiefe zum ersten Mal die Rhône. Nach einem Abstieg ging es nach links zur Herberge und nach Seysell weiter bergab.

Panoramafoto zum Anklicken.

Fazit:
ca. 16 Km, 420 m Aufstieg und 560 m Abstieg (bis Seysell), knapp 6 Stunden.

Mittellange Strecke, immer wieder schöne Ausblicke, Infrastruktur nur in Frangy, lange asphaltierte Strecken, fand ich mühselig bei Hitze, auch weil der Weg im Wechsel kleinere Steigungen und Gefälle aufwies.

Meine Unterkunft erreichte ich um 13:30 Uhr. Es war alles geschlossen. An der Tür hing ein Zettel, dass der Check-In erst ab 16 Uhr möglich war, aber auch eine Telefonnummer, die man anrufen konnte. Ich erreichte die Herbergsmutter, die in Seysell beim Einkaufen war, und noch nicht wusste, wann sie vorbei kommen konnte, um mir aufzuschließen. Das erinnerte mich an meine lange zurückliegenden Aufenthalte in Jugendherbergen, auch wenn das Einchecken dort strikt zu den angegebenen Zeiten erfolgte.

Im Garten sah ich zu meinem großen Erstaunen die beiden Pilger aus Frangy. Sie lagen im Schatten auf der Wiese und ruhten sich aus. Es handelte sich um Franzosen, einen Vater, der mit seinem Sohn im Teenageralter wanderte. Sie hatten in Frangy übernachtet und sich so Teile des Auf- und Abstiegs nach und von Chaumont gespart. Heute hatten sie eine relativ lange Strecke zurück gelegt, aber am nächsten Tag war nur eine Etappe von 11 km geplant. Der Vater sagte, dass sie wegen der hohen Temperaturen möglichst früh und nur morgens wanderten und sich am Nachmittag ausruhten. Ich erinnere mich gut, dass ich dachte „Und die sahen so sportlich aus!“ Im Nachhinein, nachdem mir die Pilgerei nicht so gut bekommen ist (Bericht folgt), denke ich, dass der Plan der Franzosen vernünftig war.

Nach 40 Minuten erschien die Dame des Hause und schloss uns auf. Gîtes d’Etape sind französische Wanderherbergen mit Schlafsaalunterkünften. Aus persönlichen Gründen übernachte ich während meiner Pilgerwanderungen normalerweise in Privatunterkünften (Chambre d’Hôtes, wie B&B) oder in Hotels. Für die Gîte de L’Edelweiss, die sogar ein Einzelzimmer mit Bad anbot, hatte ich mich entschieden, weil ich hoffte, dort endlich einmal auf mehrere Pilger zu treffen, mit denen ich mich austauschen konnte. Leider übernachteten dort außer mir nur die beiden französischen Pilger, die unter sich bleiben wollten. Die sechs anderen Gäste, sämtlich motorisiert, waren auf der Durchreise.

Die Herberge lag schön im Grünen auf einem Hügel etwas mehr als 200 Höhenmeter oberhalb von Seysell. Am Nachmittag konnte ich mich nicht einfach entspannen, sondern musste unbedingt den Ort an der Rhône besuchen. Die Herbergsmutter meinte, nach unten ginge ich 15 Minuten und hinauf doppelt so lange. Einen direkten Pfad in die Stadt fand ich nicht, so dass ich für den Abstieg eine Dreiviertelstunde auf einer brütend heißen Straße brauchte. In Seysell herrschte wie in allen französischen Städten noch Mittagsruhe und am Mittwochnachmittag waren ohnehin einige Läden geschlossen. Die türkisfarbene Rhône, die träge dahin floss, gefiel mir sehr gut, aber sonst war nicht allzuviel los in dem Städtchen. Ich besuchte die Kirche und spazierte über die Brücke auf die andere Flussseite.

In einem Bäckereicafé traf ich noch einmal das Pilgerpaar aus Chaumont. Sie wohnten in einem Hotel am Flussufer, worum ich sie in diesem Moment sehr beneidete. Bevor ich mich an den Aufstieg machte, stärkte ich mich mit einem äußerst leckeren Brandteigkuchen mit Sahne und frischen Himbeeren sowie (endlich !) einem Cappuccino.

Wieder fand ich keinen kürzeren Weg zur Herberge, so dass ich bald wieder auf der Straße landete, die sich in weiten Serpentinen den Hang hinaufzog. Es war fast unerträglich heiß, so dass ich häufig stehenblieb und meine Wasserflasche ansetzte. Für den Rückweg benötigte ich laut Fitnessuhr eine Stunde und 19 Minuten !

Mit meiner Unterkunft versöhnte mich das traumhaft gute Abendessen zusammen mit den anderen Gästen. Es gab mehrere Gänge, Salate, Fleischgerichte und eine regionale Spezialität, kleine Ravioli mit Käse überbacken. Danach eine Käseplatte mit fünf Sorten aus der Region von mild bis sehr würzig und zum Dessert ein sensationelles selbst gemachtes Aprikosensorbet. Und das Ganze kostete nur 10 € (ohne Getränke)!

Hoch zufrieden ging ich in mein Zimmer. Am nächsten Tag hatte ich wieder ein längere Etappe geplant. Ich würde früh aufbrechen und hoffte, dass ich so der Hitze eine Zeitlang entgehen konnte.

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Auf dem Französischen Jakobsweg #3 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem französischen Jakobsweg # 2

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Von Mont Sion nach Chaumont am 26.7.2022

Gut erholt verließ ich um 8 Uhr das Hotel, nicht ohne noch ein Lunchpaket mitzunehmen, weil es auf dieser Etappe wieder keine Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten geben würde. Der Weg stieg zunächst noch bis zum Mont Sion an. Vom Col de Mont Sion, der Passhöhe auf der das Hotel lag, waren nur noch wenige Höhenmeter zu bewältigen. Nachts hatte es gewittert. Es war immer noch bewölkt und angenehm kühl. Nach dem Gipfel verlief der Camino leicht abwärts über Feldwege und bot wunderbare Fernblicke.

Bald hatte ich Charly erreicht, einen kleinen Ort mit einer sehr sehenswerten spätgotischen Jakobuskapelle. Über dem Eingang befindet sich eine kleine Jakobsfigur und auf den Glasfenstern sind die Apostel Jakobus und Petrus zu sehen.

Weiter ging es mit faszinierenden Fernblicken ein bisschen bergab. Leider setzte sich die Sonne nach und nach durch und auf der schattenlosen Strecke wurde es heißer.

Panoramabild bitte anklicken.

Im Ort La Motte sollte es laut Wanderführer Trinkwassser und Rastmöglichkeiten geben. Zweifelnd stand ich in dem menschenleeren Ort vor einem Brunnen, als eine Frau über mir ein Fenster öffnete und und mir zurief, dass ich noch bis zum Ortsausgang gehen musste, wo es einen Rastplatz gab. Das war ein guter Tipp: ein neuer blitzsauberer Trinkwasserhahn und eine überdachte Tisch-Sitz-Garnitur luden zu einer Pause ein. Ich ließ mich nieder, aß die Hälfte meines nicht allzu großen Lunchpakets und trank reichlich Wasser.

Danach lief ich gemütlich weiter, immer wieder einmal bergauf und bergab, aber angenehm zu gehen. Ich war ziemlich zufrieden mit meinem Tempo. Nur ganz im Hinterkopf hatte ich noch die Beschreibung des Pilgerführers von einem steilen gerölligen Abstieg und einem heftigen Aufstieg in Richtung Chaumont im letzten Abschnitt der Strecke. Kurz bevor ich an einem weiteren Rastplatz im Wald ankam, sprach mich ein Radfahrer an, der meine Jakobsmuschel am Rucksack gesehen hatte und der mir riet, auf keinen Fall dem Camino nach Chaumont zu folgen. Es ginge sehr unangenehm hinunter und fast noch schlimmer hinauf. Obwohl er mir die Alternative entlang einer kleinen Straße auf der Karte meines Führers zeigte, befolgte ich den Rat nicht. Zum Einen hatte ich vergessen, für diese Etappe einen GPS-Track herunterzuladen und befürchtete daher mich zu verlaufen. Außerdem dachte ich, dass ich mit dieser Abkürzung zu früh in Chaumont wäre, um in meine private Unterkunft einzuchecken.

Es ging dann auf einem gerölligen, nur leicht abfallenden Weg durch den Wald. Dort bestaunte ich wieder einmal die geniale Wegbeschilderung in Frankreich. Schon auf der Via Jacobi hatte ich diese bewundert, aber der französische Camino übertraf das Ganze noch. Die Wege waren nicht nur grafisch sehr deutlich und zuverlässig bezeichnet. Zusätzlich wurde mit einem durchgestrichenen Schild auf eine falsche Abzweigung hingewiesen. Trotzdem habe ich es manchmal aus Unachtsamkeit geschafft, mich auf der Via Gebennensis zu verlaufen, aber immer nur sehr kurz, weil ich merkte, dass ich auf dem falschen Weg war, wenn es an der nächsten Kreuzung kein Schild gab. Ganz großes Lob an die Verantwortlichen!

Kurz danach führte der Weg hinauf zu einem Sträßchen. Erstaunlicherweise war diese Strecke recht stark befahren, so viele Fahrzeuge waren den ganzen Tag noch nicht an mir vorbeigefahren. Inzwischen war es richtig heiß geworden, so dass das Gehen auf dem Asphalt in der prallen Sonne ziemlich unangenehm war.

Bei der Lourdes Grotte bei Contamine-Sarzin genoss ich den Fernblick, machte es mir auf einer Pilgerbank bequem und legte eine Snack- und Trinkpause ein. Ich war überzeugt, dass ich fast am Ziel war. Da irrte ich gewaltig!

Der Jakobsweg führte nun weiter durch Felder und vorbei an Obstplantagen und zweigte dann an einem markanten Berg nach rechts in den Wald ab. Dort ging es richtig zur Sache ! Ein langer steiler und felsiger Abstieg mit Geröll folgte. Da musste man schon sehr genau aufpassen, wohin man trat. Glücklicherweise war der Pfad trocken und nicht nass und rutschig. Als ich am tiefsten Punkt ankam, der Brücke Pont du Pissieu, war ich heilfroh. Ich bestaunte den Bach, der einmal nicht ausgetrocknet war, und die eindrucksvolle Schlucht, die dieser in den Fels gegraben hatte. Für den Blick auf den Wasserfall, der von der Straßenbrücke sichtbar war, hätte ich ein kleines Stück neben dem Camino aufsteigen müssen, aber dafür fehlte mir bereits die Energie.

Aber dann stieg der Jakobsweg dermaßen steil an, dass es nicht mehr feierlich war. Als ich es bis zum Ort Le Malpas geschafft hatte, war ich überzeugt, das Meiste bewältigt zu haben, aber dann zweigte zwischen den Häusern ein äußerst steiler Pfad rechts ab. Auf den letzten zwei Kilometern blieb ich immer wieder stehen und schnappte nach Luft. Einmal rief ich laut in den menschenleeren Wald „Ich kann nicht mehr!“.

Um nach Chaumont zu gelangen, musste ich kurz vor dem Ort vom Jakobsweg abzweigen. Bald sah ich die ersten Häuser und dachte wieder einmal, jetzt sei ich angekommen. Das Ortszentrum ist meistens dort, wo die Kirche steht. Ich sah sie nicht und fragte bei einem Passanten nach. Dieser deutete nach oben und nun entdeckte ich das Gotteshaus und die auf einem Felsen noch darüber liegende Burgruine. Es handelte sich nicht um eine lange Strecke, aber mir kam sie doch so vor, nach einer Wanderung, die gegen Ende in die Vollen ging!

Ich hatte eine Privatunterkunft gebucht, die glücklicherweise nicht weit von der Kirche entfernt lag. Nach meinem Klingeln dauerte es eine ganze Weile, bis jemand öffnete. Die Dame des Hauses, die mir erst am Vortag (endlich!) eine Bestätigung per Mail geschickt hatte, schaute mich erstaunt an und sagte, sie habe mit mir heute nicht gerechnet. Das Missverständnis konnte bald geklärt werden und ich bekam ein Dachzimmer, in dem ich mich frisch machte und ausruhte.

Fazit:
Etwa 20 Km, Aufstieg ca. 420 m, Abstieg ca. 600 m, knapp sechs Stunden
Sehr abwechselungsreiche mittellange Strecke mit wunderbaren Panoramablicken, teilweise ohne Schatten, sehr interessante Kapelle im Örtchen Charly, steiler Ab- und Abstieg auf den letzten fünf Kilometern, keine Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten.

Nach der Pause besuchte ich die nahegelegene Kirche und holte mir den wohlverdienten Pilgerstempel. Auf dem Dorfplatz entdeckte ich ein junges Paar, das mir schon im Hotel in Mont Sion aufgefallen war. Die Beiden waren auch auf der Via Gebennensis unterwegs, wollten aber viel schneller als ich bis Le Puy laufen. Außerdem hatten sie bereits alle Unterkünfte vorgebucht (was ein guter Plan war, wie sich herausstellen sollte). Ein Grund war, dass sie kein Französisch konnten und deswegen alles von zu Hause mit Hilfe von Übersetzungsapps o.Ä. organisieren wollten. Ich war noch fit genug für den kurzen aber knackigen Aufstieg zur Burgruine in Chaumont und wurde mit einem einmalig schönen Rundblick belohnt.

Panoramafoto zum Anklicken.

Das Abendessen nahmen wir auf der Terrasse unserer Gastgeber ein, was wieder einen sehr schönen Blick in die Landschaft erlaubte. Das einzige Restaurant in Chaumont hatte an diesem Montag Ruhetag, aber auf dem Dorfplatz hatte ein „Buffet“ geöffnet, wohl eine lokale Initiative, wo zu günstigen Preisen Snacks und Getränke angeboten wurden. Der Laden brummte, aber ich fand noch einen Tisch, wo ich es mir unter den fröhlich parlierenden Einheimischen mit einem Rosé und meinem Tagebuch bequem machte. Ein schöner Tag aber auch anstrengend! Der Wetterbericht sagte höhere Temperaturen voraus, deswegen wollte ich am folgenden Tag so früh wie möglich aufbrechen.

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Auf dem französischen Jakobsweg # 2 erschien zuerst auf Wanderlustig.