Walking the Munich Way of St. James

If you’ve been following my blog for some time, you might know that I have been on the Camino several times in three years. I started in 2019 with the Munich Way of St. James. Almost from home I walked about 280 kilometres from Munich to Lindau on Lake Constance.

Finally, I had to give up my wonderful Camino project near Lyon/France. I am not going on pilgrimage to Santiago de Compostella anymore. As a souvenir, I am now posting three square photos of the Munich Way of St. James.

I will continue with Walking Squares on the Swiss Camino, the Via Jacobi.

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River Isar near Munich
Dießen am Ammersee
Going up Hohenpeißenberg.

This is for Becky’s wonderful Walking Squares Challenge. Thank you Becky.

Walking the Munich Way of St. James was first published on Wanderlustig.

Nach dem Französischen Jakobsweg : Lyon # 5

Wie ich den Nachmittag des 2. Tages in Lyon verbrachte:

Nach der Mittagspause setzte ich meinen Aufstieg auf den Hügel Croix-Rousse fort. Ich begann, nach den im Stadtplan eingezeichneten Traboules Ausschau zu halten. Wie schon erwähnt sind die Traboules von Lyon besondere Sehenswürdigkeiten. Es handelt sich um versteckte Gänge und Passagen, die es erlauben, lange Strecken abseits der Straße zurückzulegen. Dabei spaziert man durch Hausflure, durch Innenhöfe und Treppenhäuser, die miteinander verbunden sind. Die Widerstandskämpfer der Résistance legten so während der deutschen Besatzung große Strecken versteckt vor der Gestapo zurück.
Quelle: https://lyon.sehenswuerdigkeiten-online.de/sehenswuerdigkeiten/traboules.html

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Nun hatte ich mehr Glück mit dem Besuch der Innenhöfe als in Vieux Lyon am Vortag. Im Croix-Rousse Viertel sind die Traboule mit Symbolen am Hofeingang gekennzeichnet und daher gut zu finden. Eine Traboule beeindruckte mich besonders. Es ging mehrere Treppen nach oben, wieder hinunter, um die Ecke und durch mehrere miteinander verbundene Innenhöfe. Wirklich verwirrend und ich konnte mir gut vorstellen, dass Ortsfremde sich darin verlaufen konnten. Als ich wieder auf die Straße trat, musste ich mich neu orientieren, bevor ich den Weg fortsetzte.

Über eine lange steile Treppe, die durch einen Park führte, kam ich schließlich schnaufend auf den Pentes de la Croix-Rousse an, dem höchsten Teil des Stadtviertels. Oben genoss ich die wunderbare Aussicht über Lyon und den Fourvière Hügel mit der Wallfahrtskirche Notre-Dame, die ich am Vortag besucht hatte.

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging ich weiter zu den Murs de Canuts, der Wandmalerei in Lyon. Unterwegs entdeckte ich eine hohe Tafel mit Street Art.

Das 1987 errichtete und 1997 überarbeitete Murs des Canuts, ein Trompe-l’œil Gemälde, das bei der Sanierung des Croix-Rousse Quartiers entstand (früher das Viertel der Seidenarbeiter, zur Geschichte der Seidenherstellung in Lyon), ist mit 1200 qm das größte Fresko Europas. Eine riesige Mauer, die durch Perspektiven und hohe Treppen geöffnet wird. Auf beiden Seiten findet das tägliche Leben der authentischen Bewohner des Viertels statt, die das Erbe der Canuts ( Seidenweber) und der Seidenindustrie bewahren.
Quelle : https://www.lyon.fr/lieu/contemporaine-19eme-20eme/mur-des-canuts, übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator.

Die Murs de Canuts konnte man nicht verfehlen, dorthin waren schon einige Touristen unterwegs. Ich war angemessen beeindruckt von der detaillierten Malerei und den lebendigen Szenen aus dem Alltagsleben der Bewohner von Croix-Rousse, die dort täuschend echt wiedergegeben sind. Eine ursprünglich riesige dunkelgraue Häuserwand auf der Rückseite mehrerer Gebäude mit vereinzelten lukenartigen Fenstern (Mur de Canuts historisch) wurde in ein wunderschönes Kunstwerk verwandelt.

Nun war ich reif für eine Ruhepause im Hotel. An der Place de la Croix-Rousse nahm ich die Metro zur Place Bellecour. Der in die Jahre gekommene Zug kam unendlich langsam angefahren und setzte die Fahrt genau so fort. Es ratterte und knatterte und ich befürchtete schon, dass ich gleich in der U-Bahn festsitzen würde. An der nächsten Haltestelle fiel mir auf, dass ich auf einem schräg nach unten geneigten Platz saß. Da wurde mir klar, dass ich mit der zur Metro von Lyon gehörenden unterirdischen Zahnradbahn fuhr, die den steilen Hang ab dem Hôtel de Ville nach Croix-Rousse hinauf – und hinunterfährt.

In meinem Hotelzimmer entspannte ich kurz und zog dann wieder los. Als letzte Sehenswürdigkeit stand das Musée Lumière auf meinem Plan. Mit zwei U-bahnen gelangte ich in kurzer Zeit ins Viertel Monplaisir. Vor dem Museumsbesuch stand das Kaffeetrinken an. Im Museumscafé bekam ich ein Stück umgedrehten Apfelkuchen („Tartine“) mit fester sehr kalter Crème frâiche (lecker!) zum Kaffee.

Das Museum befindet sich in der Villa Lumière, dem Wohnhaus der Brüder Auguste und Louis Lumière, die 1895 den ersten Kinématographen erfanden, der sowohl Kamera als auch Vorführergerät des Films war. Ausgestellt waren auch Vorläufer der Projektion z.B. die Laterna Magica. Auch die weiteren Erfindungen der Lumières, wie die Fotoplatte, das Photorama, aber auch die mechanische Hand, die Louis entwickelte, um den Amputierten nach dem 1.Weltkrieg zu helfen. Produziert wurden die Geräte, und später auch Filme und Fotopapiere, in den Lumière Werken in der Nähe.

Im ersten Stock der Gründerzeitvilla mit wunderbaren Jugendstildekorationen besuchte ich den Projektionsraum, in dem die ersten (restaurierten) Filme der Gebrüder Lumière zu sehen sind. Da ging mir, wie wohl jedem Cinephilen, das Herz auf. Der allererste Film (Arbeiter, die die Lumière Fabrik verlassen) wurde in drei verschiedenen Fassungen gezeigt. Gut zu erkennen waren erste Regieansätze. Es lief u.a. die erste Komödie (Der begossene Gärtner) und natürlich der berühmte Film Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat. Die ersten Zuschauer sollen den Saal fluchtartig verlassen haben, weil sie glaubten, der Zug rase auf sie zu. Heutige Sehgewohnheiten sind wohl gänzlich anders. Auf mich wirkte die Einfahrt des Zuges sehr gemächlich.

Zur ersten Filmvorführung in einem Café in Paris vor geladenem Publikum im Jahr 1895 waren nur 30 Personen gekommen, aber die Vorführung des Kinematographen vor zahlendem Publikum wurde schnell zu einer großen Attraktion. Den Besuch des Musée Lumière fand ich hochinteressant und den Geburtsort des Kinos zu sehen, war zugleich sehr rührend.

Das letzte Abendessen nahm ich mit weiteren hunderten Gästen in der riesigen Brasserie Georges in der Nähe meines Hotels ein. Es war ein Erlebnis, die perfekte Organisation im Lokal zu beobachten. Unzählige Kellner wuselten durch das Restaurant und brachten die Speisen flott zu den Kunden. Auch gab es große Portionen, gegessen hatte ich aber während meines Frankreich Aufenthalts schon wesentlich besser.

Rückfahrt nach München am 8.8.2022

Für die Rückfahrt hatte ich mir notgedrungen eine Verbindung mit zwei äußerst knappen Umsteigezeiten ausgesucht. In Genf hatte ich sieben Minuten Zeit. Unterwegs erfuhr ich dann noch, dass ich dort durch die Passkontrolle und den Zoll gehen musste. Mit weiteren Reisenden rannte bzw. humpelte ich wegen meiner Achillessehnenreizung vom Französischen zum Schweizer Bahnsteig. Die Schweizer Grenzbeamten hatten ein Einsehen und kontrollierten uns nicht. Den Zug nach Zürich fuhr pünktlich ab, aber ich erreichte ihn ohne Probleme.

Noch knapper war das Umsteigen innerhalb von fünf Minuten in Zürich. Laufen musste ich dort nicht, weil der Zug nach München am Nachbargleis stand. Nach 8,5 Stunden Zugfahrt kam ich pünktlich an. Die beteiligten Bahngesellschaften SCNF und SBB hatten es wirklich gut hinbekommen.

H. holte mich am Bahnhof ab und dann endlich: Home Sweet Home!

Fazit

Nach jeder Wanderung ziehe ich normalerweise ein Fazit. Nach meiner Pilgerreise auf der Via Gebennensis fällt es mir schwer. Nur wenige Tage nach meiner Rückkehr stellte sich heraus, dass ich mich ernster verletzt hatte als gedacht. Das führte dazu, dass ich mehr als drei Monate lang ziemlich eingeschränkt war. Für mich folgt daraus, das mein wunderbares Caminoprojekt nun gestorben ist. Mir tut es nach insgesamt 900 km und unglaublich schönen Erlebnissen auf dem Jakobsweg sehr leid, aber ich muss es akzeptieren.

Wenn möglich möchte ich mehr Reisen in die Ferne unternehmen und dabei auch wandern, aber nicht tagelang und mit Gepäck. Erste Pläne gibt es schon. Ich lasse von mir hören …

Zum Abschluss noch ein Bild von meiner Zugfahrt mit einer Sicht auf den traumhaft schönen Genfer See. Ganz in der Nähe war ich auf dem Schweizer Jakobsweg gepilgert, allerdings bei viel schlechterem Wetter.

Nach dem Französischen Jakobsweg : Lyon # 5 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Walking the Camino

Wonderful, that Becky is back with #Walking Squares in November!

This my first contribution. I took this photo when I walked on the Munich Way of St. James to Lindau near Ammersee (Lake Ammer) in Bavaria.

Looking forward to many Squares from other bloggers.

Walking the Camino was first published on Wanderlustig.

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Auf dem Französischen Jakobsweg #10

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Von Le Grand-Lemps nach La Côte-St-André am 4.8.2022

Die letzte Etappe auf der Via Gebennensis

Nach dem Frühstück im lauschig kühlen Garten verließ ich meine wunderbare Pilgerunterkunft (AJ). Nach dem obligaten Fototermin verabschiedeten wir uns und Madame wünschte mir Gottes Segen („Que le Seigneur te bénisse“) für den restlichen Pilgerweg und mein weiteres Leben.

Mein letzter Tag auf der Via Gebenennsis war der heißeste. Obwohl ich schon gegen 8 Uhr aufbrach, herrschten bald um die 35 °C .

Bevor ich den Camino erreichte, sah ich in Le Grand-Lemps noch ein mit sehr schöner Trompe-l’œil Malerei verziertes Gebäude. Kurz danach blieb ich bei einem Camino Schild mit Streckenangaben stehen. Diese Wegweiser fotografierte ich jeden Morgen zu Beginn der Wanderung. Das würde nun zum vorerst zum letzten Mal der Fall sein.

In der Folge lag der Weg wieder fast durchgehend in der Sonne. Er führte durch verlassen wirkende Bauerndörfer, die landwirtschaftlich geprägte Landschaft wurde zunehmend flacher und ich fand sie öde, zum ersten Mal seit ich auf der Via Gebennensis pilgerte.

Mir reichte es mit der Pilgerei. Ich wollte nur noch an meinem Ziel ankommen. In St-Hilaire-de-la-Côte gab es eine Pilgerraststätte, sogar mit Toilette, aber so richtig begeistern, konnte ich mich für die in die Jahre gekommene Sitzbank mit Tisch nicht. Interessant war aber ein Schild mit Kilometerangaben auf dem Jakobsweg. Nach La Côte waren es noch etwa fünf Kilometer, also würde ich bis dahin 177 Kilometer auf der Via Gebennensis gewandert sein, d.h. knapp die Hälfte der Strecke nach Le Puy. Immerhin!

Bei Gillonay schaffte ich es, mich zum Abschluss noch einmal kurz zu verirren, obwohl dort, wie stets, die Via Gebennensis gut ausgeschildert war. Auch gelang es mir nicht, die dort besuchte Kirche ordentlich zu fotografieren. Als ich endlich in La Côte angekommen war, hatte ich keine Geduld mehr mit dem Jakobsweg, sondern zweigte bei der ersten Gelegenheit in die Innenstadt ab. Eine unterhalb der Straße gelegene Kirche ließ ich buchstäblich links liegen.

Natürlich herrschte im Ort die bekannte Mittagspausenödnis. Der Weg zog sich noch einmal sehr. Gegen Mittag erreichte ich schließlich das Hotel, das fast am Ende der langen Hauptstraße lag.

Fazit:
14 km, keine nennenswerten Höhenunterschiede, ca. 4 Stunden
Kurze bis mittellange Strecke, wenig Schatten, daher bei Hitze anstrengend, Gegend etwas langweilig, unterwegs keine Infrastruktur.

Suche nach Verbindungen mit Öffentlichen Verkehrsmitteln

In meinem Zimmer (sehr einfach, aber sauber) herrschten erträgliche Temperaturen. Ich spürte sogar einen leichten, sehr angenehmen Durchzug. Nachdem ich mich eine ganze Weile ausgeruht hatte, wollte ich mein Nachmittagsprogramm angehen. Es ging um meine Weiterfahrt nach Lyon. Das Touristenbüro in Charavines hatte mir zwei Busfahrpläne gegeben. Für den Bus, in den ich unterwegs umsteigen musste, hatten sie nur den Winterfahrplan gefunden. Daher hatte man mir geraten, in der Information in La Côte nachzufragen.

Vor dem Aufbruch schaute ich die Öffnungszeiten nach und stellte ich zu meinem Schrecken fest, dass das Maison du Tourisme am Donnerstagnachmittag geschlossen hatte. Noch einmal versuchte ich die Verbindung online zu finden, aber da kamen nur Vorschläge wie, dass man ein Taxi für eine Strecke von 20 km (Kosten 50 €) nehmen sollte, um dann mit dem Zug nach Lyon zu fahren. Eine Alternative lautete wie folgt: zurück mit dem Bus nach Le Grand-Lemps, eine Stunde Aufenthalt am Bahnhof, weiter mit dem Zug nach Grenoble und unterwegs in einen weiteren Zug umsteigen (4,5 Stunden für eine Strecke von etwa 65 km).

Ich verbrachte einen guten Teil des Nachmittags damit, meine Weiterfahrt zu organisieren. Die Einzelheiten erspare ich euch. An der Bushaltestelle las ich schließlich, dass mein erster Bus tatsächlich gegen Mittag fuhr (und man sich nicht etwa in die Sommerpause begeben hatte!). Dann zeigte mir das Internet, als ich das Zwischenziel St. Jean de Barre eingab, tatsächlich eine Verbindung nach Lyon mit kurzer Umsteigepause an. Das bedeutete eine vergleichsweise kurze Fahrtdauer von 2,5 Stunden. Das war noch einmal gut gegangen, aber wieder einmal erlebte ich Mühsames auf der Via Gebennensis, bis ganz zum Schluss!

Abschiednehmen auf dem Camino

Nachdem ich mich von dem Schrecken erholt hatte, besuchte ich die Altstadtkirche Saint-André, wo es keinen letzten Pilgerstempel für mich gab. Ich wollte am nächsten Morgen in der Touristeninformation nachfragen, vergaß es dann aber. Danach stieg ich zum Château hinauf, womit ich mich wieder auf dem Jakobsweg befand, wenn auch zunächst in umgekehrter Richtung. Das Schloss sah imposant aus, war aber nicht öffentlich zugänglich.

Der Weg führte nun zu einer Aussichtsterrasse. Dort hatte ich einen guten Blick über die Dächer der Stadt und die Landschaft, konnte aber auch sehen, dass ich auf der Via Gebennensis noch eine Weile durch eine ebene, wahrscheinlich ausgetrocknete Gegend gelaufen wäre.

Weiter auf dem Camino?

Auf dem Rückweg durch die Altstadt fotografierte ich ein handgemaltes Caminozeichen. Es tat mir in diesem Moment sehr leid, dass ich aufgeben musste. Sicherheitshalber fotografierte ich noch die Hausecke in der Nähe der Kirche, an der die weitere Strecke auf der Via Gebennensis abzweigte. Das würde mir helfen, wenn ich den Weg fortsetzte.

Ich fragte mich, nicht zum ersten Mal, warum ich höchstens zehn Tage am Stück pilgern kann, während es viele Leute gab, durchaus auch Ältere, die 30 bis 40 Tage lang gehen. Wahrscheinlich bin ich nicht für das Fernwandern mit Rucksack geschaffen. Auf der Via Jacobi hatte ich Knieschmerzen erlebt. Die Knie hatte ich eifrig gedehnt und beim Bergabgehen geschont, daher waren die Probleme ausgeblieben. Nun hatte ich Rückenschmerzen, die sobald die Wirkung der Tablette nachließ, zuverlässig zurückkehrten. Und meine Achillessehnenreizung sorgte dafür, dass ich wie eine Greisin humpelte.

An diesem Nachmittag überlegte ich mir, ob ich die Via Gebennensis in Le Puy forsetzen sollte. Pilgern auf Französisch hatte mir viel Spaß gemacht, die fehlende Infrastruktur allerdings weniger. Aber das sollte ab Le Puy, da der Camino dort viel stärker frequentiert ist, besser sein.

Ein Fazit meiner Pilgerwanderung in Frankreich werde ich zu einem späteren Zeitpunkt ziehen. Heute sei angemerkt, dass ich auch zwei Monate nach meiner Rückkehr noch an den Folgen meiner Pilgerei laboriere. Gehen ist aber fast normal und am Rücken zieht es nur noch ein bisschen.

Nach alledem habe ich mein Caminoprojekt nach drei Jahren beendet. Vielleicht pilgere ich irgendwann einmal auf den letzten 100 km nach Santiago mit Rucksacktransport, wer weiß …

In Lyon habe ich noch zwei wunderschöne Tage verbracht. Darüber werde ich noch berichten (Lyon #1, Lyon #2, Lyon #3, Lyon #4 und Lyon #5).

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Französischen Camino #10 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #9

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Von Charavines nach Le Grands-Lemps am 3.8.2022

Das war definitiv nicht mein Tag auf der Via Gebennensis. Im Hotel wurde erst um 8:30 Uhr Frühstück serviert. Obwohl ich vorher alles gepackt hatte, konnte ich so erst um kurz nach 9 Uhr mit der Wanderung beginnen. Ich wollte an diesem Tag bis La Côte-St-André laufen, wo ich eine Unterkunft gebucht hatte. Die Strecke betrug 25 km. Langsam laufend und mit vielen Pausen konnte ich das wie bisher schaffen. Ich dachte allerdings, dass ich durch meine Übernachtung am Lac Paladru einige Kilometer eingespart hatte. Dass das nicht zutraf, sollte ich bald merken.

Am Vortag hatte ich den Camino in Le Pin verlassen, weil ich dort keine Unterkunft gefunden hatte. Die Dame in der Touristeninformation in Charavines hatte mir empfohlen, ein Stück auf der Straße nach Le Pin zurück zugehen und dann auf einen Wanderweg abzuzweigen, um auf den Camino zurückzukehren. Mir geht es grundsätzlich gegen den Strich, zurückzulaufen, um auf den Jakobsweg zu kommen, also suchte ich mir eine Alternative heraus. Ich folgte der Straße nach Oyeu, von der ich abbiegen wollte, um in Blaune wieder auf den Pilgerweg zu treffen. Die kleine Straße stellte sich als relativ stark befahren heraus. Es ging bergauf und das Laufen auf dem Asphalt, der meistens in der prallen Sonne lag, strengte mich sehr an. Es kam dazu, dass ich wegen meiner Rückenschmerzen schlecht geschlafen hatte und meine Achillessehne während der ersten beiden Kilometer bei jedem Schritt schmerzte.

Kurz bevor ich die Via Gebennensis wieder erreichte, bot mir ein älteres Ehepaar (etwa so alt wie ich, aber ein altes Ehepaar sagt man nicht, das hört sich nach einer sehr langen Ehe an), das gerade in seinem schattigen Hof kehrte, Wasser und Kaffee an. Ich muss wohl schon ziemlich erschöpft gewirkt haben. Bei angenehmerer Temperatur saß ich mit ihnen im Hof und plauderte. Er war ein ehemaliger Musikprofessor und sehr stolz auf seinen Hund, einen kleinen süßen Scotch Terrier. Ich bedankte mich für die nette Erfrischung und zog frisch gestärkt los.

Bei Cuétan unterquerte ich die Autobahn und dann begann ein recht steiler Anstieg. Schon zu Beginn musste ich mich auf eine Bank setzen. Nachdem ich viel getrunken und einen kleinen Snack gegessen hatte, brach ich wieder auf.

Laut Pilgerbuch sollte ich nun „auf dem holprigen Feldweg deutlich an Höhe gewinnen“. Tatsächlich handelte es sich nur um eine Steigung von ca. 100 m. Bei über 30° C ging ich sehr langsam in der prallen Sonne, aber plötzlich nach der Hälfte des Anstiegs konnte ich nicht mehr. Ich setzte mich auf den Weg und versuchte, mit Traubenzucker und Wasser wieder fit zu werden. Nun erkannte ich, dass ich es nicht nach La Côte-St-André schaffen würde. Die 25 Km waren einfach zu viel für mich bei dieser Hitze. Ich beschloss, nach der Hälfte der Strecke in Le Grand-Lemps einen Bus oder ein Taxi zu nehmen.

Bis zum Höhenweg an der Ferme de Futeau schleppte ich mich weiter hinauf. Das weite Panorama, das sich dort zeigte, konnte ich aber nicht genießen.

Danach ging es sogleich auf einem Feldweg mit losen großen Steinen bergab. Auf dem Zahnfleisch gehend erreichte ich Le Grands-Lemps.

Fazit:
13,5 km, 4 Stunden, Auf- und Abstieg ca. 150 m,

Mittellange, an für sich leichte Strecke, die im Hochsommer mangels Schatten nicht zu empfehlen ist, nicht sehr abwechslungsreich, aber schöner Panoramablick von der Ferme du Futeau, unterwegs keine Infrastruktur.

In Le Grand-Lemps waren in der Mittagszeit die Bürgersteige hochgeklappt. Mir war nur noch heiß. Auf dem Hauptplatz hatte eine Bar geöffnet. Dort fragte ich nach einer Busverbindung nach La Côte („in drei Stunden“) . Ein Taxi mochte man mir nicht rufen. Selber telefonieren wollte ich nicht so gerne, weil ich die Erfahrung gemacht hatte, dass Anrufe mit einer ausländischen Nummer nicht angenommen wurden. Der junge Kellner empfahl mir dann ein Accueil Jacquaire (AJ) bei einer Familie im Ort.

Die AJ sind Übernachtungen mit Halbpension bei ehrenamtlich tätigen Privatleuten, die Pilger mit Pilgerpass unterstützen. Diese Leistung ist prinzipiell kostenlos, aber eine Spende wird angenommen. Bisher hatte ich diese Unterkünfte nicht genutzt, weil ich gerne unabhängig bin und befürchtete, dass mir der Familienanschluss nicht angenehm wäre.

Ich ließ mich erst einmal mit einer eiskalten Cola auf dem Hauptplatz im Schatten nieder, wo Stühle der Bar standen. Dann rief ich bei der Familie an. Madame bot mir wunderbarerweise an, mich sofort aufzunehmen, als ich ihr erklärte, dass ich pilgerte und nicht mehr weiter laufen könne. Eigentlich soll man bei den AJ spätestens einen Tag vorher anrufen. Danach telefonierte ich mit dem Hotel in La Côte, schilderte mein Problem und konnte meine Übernachtung um einen Tag verschieben.

Die Familie wohnte am Ortsrand. Sogleich wurde ich in den Garten gebeten, wo ich ein großes Glas Wasser bekam und mich zu den Gästen setzen konnte, die gerade ein größeres Essen beendet hatten. Ich wurde nach dem Camino befragt und dann brachte mich Madame auf mein Zimmer. Dieser Raum und das Nachbarzimmer waren mit mehreren Etagenbetten eingerichtet. Erleichtert stellte ich fest, dass ich die gesamte Etage inklusive Bad und Toilette für mich hatte.

Nachdem ich mich etwas ausgeruht hatte, wurde es mir in dem Zimmer unter dem Dach doch zu warm, so dass ich zu einem Spaziergang in den Ort aufbrach. Meine Achillessehnenreizung machte sich wieder bemerkbar. Ich schlich langsam humpelnd zur Kirche. Dann ging ich wieder zu der Bar am zentralen Platz, wo ich ein köstliche Himbeertörtchen zum Kaffee verspeiste. Mit einem Sirop de Menthe sorgte ich für die notwendige Erfrischung.

Danach kaufte ich noch etwas Wanderproviant ein und schlenderte an der historischen Markthalle vorbei zurück zu meiner Unterkunft.

Bei der Familie angekommen fragte ich, ob ich im Garten sitzen durfte, was bejaht wurde, ich solle mich wie zu Hause fühlen. Das ältere Ehepaar (beide um die 70) war nun alleine. Sie empfingen seit über 20 Jahren Pilger. Ich bedankte mich noch einmal dafür, dass sie mich so kurzfristig aufgenommen hatten. Madame antwortete, dass man noch nie einen Pilger in Not im Stich gelassen hatte, und sprach mit mir über die AJ, nachdem ich erwähnt hatte, dass es mein erstes Mal in einer solchen Pilgerunterkunft war. Sie sagte auch, dass man durchaus etwas geben durfte, je nach Finanzsituation und wie es gefallen hatte. Das beruhigte mich, nun fühlte ich mich nicht mehr wie eine Almosenempfängerin.

Im Garten zu sitzen war angenehm kühl und sehr idyllisch. Meine Gastgeber stellten sich als reizende Leute heraus, sehr freundlich, höflich und nicht aufdringlich.

Zum Abendessen gab es einen köstlichen Salat mit Thunfisch, Avocado und selbst angebauten Tomaten, eine vegetarische Quiche mit Zucchini und Fleischgerichte, die vom Mittagessen übrig geblieben waren. Alles war sehr gut, aber die absolute Krönung stellte der Himbeerkuchen zum Dessert dar, den ich schon mittags auf dem Tisch beäugt hatte. Nach diesem tollen Essen entschuldigte sich Madame noch dafür, dass sie wegen des großen Mittagsessens mit Gästen nur Kleinigkeiten gekocht habe (!)

Ich hatte mich dazu durchgerungen, die Via Gebennensis in La Côte zu beenden und danach nach Lyon zu fahren, wo ich übernachten und dann nach Hause reisen wollte. Neben den beschriebenen gesundheitlichen Problemen und der nicht nachlassenden Hitze war es mir nicht gelungen, weitere Unterkünfte für die Fortsetzung des Weges zu buchen.

Madame wollte mich dazu überreden, noch einige Tage zu pilgern. Sie erwähnte eine Zugverbindung, die von Chavannay gut zu erreichen war und fragte mich, wo ich hinter La Côte als Nächstes übernachten würde. Vorsichtig geworden nannte ich einen Ort in 14 km Entfernung. Sofort telefonierte die reizende Dame des Hauses mit dem dortigen AJ und fragte, ob man mich aufnehmen könne. Ich merkte gleich, dass der Herr zögerte. Madame machte noch ein bisschen Werbung für mich (“ ist sehr nett, spricht gut Französisch“ etc.). Der Gastgeber wollte sich dann noch einmal melden, was er dann am späteren Abend tat, als er per SMS absagte, da er private Gäste habe. Damit stand meine Entscheidung fest.

Ich hatte befürchtet, dass mich ein Abend mit französischer Konversation sehr anstrengen würde, aber es hatte richtig Spaß gemacht, mich mit den außergewöhnlich netten Menschen zu unterhalten. Allerdings fühlte ich mich körperlich und geistig etwas ausgepowert, als ich zu Bett ging.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Französischen Jakobsweg #9 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #8

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Von Saint-Ondras nach Charavines am 2.8.2022

Nach einem opulenten Frühstück, u.a. mit frisch gespresstem Orangensaft, brach ich morgens auf, aber erst nachdem ich mich von den reizenden Eseln verabschiedet hatte.

Schon vor 9 Uhr war es wieder sehr heiß. Die Temperatur sollte 38 °C im Schatten erreichen, aber meine Etappe war relativ kurz und würde am Lac Paladru enden. Auf den Nachmittag am See freute ich mich sehr.

Zu Beginn ging es kräftig bergauf. Auf einer Bank an der ich schwer atmend ankam, saß ein holländisches Pilgerpaar. Fünf Tage lang waren mir keine Pilger begegnet. Wahrscheinlich war es den Leuten einfach zu heiß. Sie folgten der Via Gebennensis lieber im Frühjahr oder im Herbst. Sehr vernünftig!

Wir unterhielten uns kurz. Die Beiden waren einen Tag später als ich in Genf losgegangen, hatten aber keinen Ruhetag eingelegt. Sie wollten in Le Pin auf einem Campingplatz übernachten und hatten vor, bis Le Puy zu gepilgern. Nachdem sie aufgebrochen waren, ruhte ich mich noch einige Minuten auf der Bank aus. Ich habe die Holländer nicht wieder gesehen, was wohl auch damit zu tun hatte, dass ich nicht mehr lange auf dem Camino unterwegs war.

Der Jakobsweg führte nun stetig aber angenehm bergauf über kleine Straßen und Feldwege. Auf den Wiesen grasten cremefarbene Charolais Rinder. Immer wieder genoss ich weite Ausblicke. Allerdings waren diese längst nicht so spektakulär wie zu Beginn der Via Gebennensis. Ich befand mich nun in einer hügeligen, landwirtschaftlich geprägten Gegend und die Berge lagen weit entfernt am Horizont.

Kurz vor Valencogne kam mir ein jüngerer Mann namens Alexis mit Rucksack entgegen. Zuerst dachte ich, er gehöre zu den wenigen Pilgern, die, nach dem sie Santiago erreicht hatten, auch noch zurück nach Hause gingen. Dann stellte sich heraus, das er in Katalonien gestartet war und nun zunächst den Jakobsweg rückwärts lief. Innerhalb von fünf Monaten wollte er soweit wie möglich in Richtung Jerusalem wandern. Er rechnete damit, dass er spätestens in Griechenland ein Flugzeug zum Ziel nehmen würde. Nun war er schon einen Monat gelaufen und es strengte ihn immer weniger an. Der Körper passe sich an, meinte er. Das war nicht meine persönliche Erfahrung, aber ich war auch viel älter.

Wir tauschten uns eine gute halbe Stunde über die Übernachtungsmöglichkeiten auf der Via Gebennensis aus. Er war in einem anderen Preissegment als ich unterwegs, aber er nannte mir einige Bleiben auf dem Weg nach Le Puy, die für mich in Frage kamen. Ich holte mein gelbes Buch heraus und notierte mir ein paar Tipps. Als wir uns verabschiedeten, war ich sehr enthusiastisch und überzeugt, dass ich weitere Unterkünfte finden würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die zwei folgenden Nächte gebucht.

In Valencogne besuchte ich die Kirche und bewunderte die Statue des Hl. Jakobus, die den Pilgern den Weg weist.

Auf einer Hochfläche ging es weiter, mal durch den Wald, dann wieder mit weiten Landschaftspanoramen an Wiesen und Feldern entlang. Es war verhältnismäßig angenehm zu gehen, aber ich war doch froh, als ich zum ersten Mal den tiefblauen See erblickte. Nach Le Pin ging es recht steil hinunter und ich irrte auch etwas durch die Gegend. Die Richtung war aber klar, so dass ich schließlich im Ort ankam. In einer Bar an der Kirche stärkte ich mich mit der üblichen Kombination von Sirop de Menthe und Café. Nachdem ich das Gotteshaus besucht hatte, bog ich vom Camino ab, um nach Charavines am Lac Paladru zu meiner Unterkunft zu gehen.

Panoramafoto zum Anklicken!

Nun stellte ich fest, dass ich noch mehr als drei Kilometer nach Charavines zurücklegen musste und zwar auf einer gut befahrenen Straße, die leicht abwärts führte. Ich konnte aber auf einem sicheren Seitenstreifen gehen. Der See sah wunderbar türkis-blau aus, allerdings herrschte auch reger Betrieb.

Meine Unterkunft lag ganz am Ende des Lac Paladru. Das Zimmer ging zur Straße hinaus und lag direkt über dem Gartenrestaurant. Das entsprach nicht meinem bei der Buchung geäußerten Wunsch nach einem ruhigen Zimmer, aber ich hatte ohnehin keine andere Wahl und es war nur für eine Nacht.

Fazit:
16 km, 5 Stunden, ca 400 m Aufstieg und 320 Abstieg (bis Le Pin).
Leichte, knapp mittellange Etappe, abwechslungsreich, ohne spektakuläre Landschaftseindrücke, herrlicher Lac Paladru mit Bademöglichkeit, allerdings stark frequentiert, Infrastruktur in Le Pin und Charavines.

Nachmittags ging ich weiter in den Ort. Zunächst suchte ich die Touristeninformation auf, um mich nach der Busverbindung von La-Côte-Saint-André nach Lyon zu erkundigen. Wenn ich keine weiteren Unterkünfte finden würde, wollte ich dort den Camino vorerst beenden. Im Netz hatte ich keine Fahrt mit Öffentlichen Verkehrsmitteln gefunden. Auch die nette Dame im Fremdenverkehrsbüro brauchte eine Weile, um eine Verbindung aufzustöbern. Sie rief mehrere Stellen an. Schließlich druckte sie mir zwei einschlägige Fahrpläne aus. Der zweite war allerdings vom letzten Winter und ich sollte in La-Côte noch einmal nachfragen.

Zur Belohnung für die Mühen des Tages kehrte ich im Strandbadcafé ein, wo ich einen großen Pfirsich Melba Eisbecher verspeiste.

Panoramafoto bitte anklicken.

Nach dem Abendessen im Hotelrestaurant ging ich noch ein bisschen am See spazieren. Die Achillessehne meines rechten Fusses schmerzte bei jedem Schritt. Leichte Beschwerden hatte ich schon vorher bemerkt, und zwar immer wenn ich mich eine Weile nach den Wanderungen ausgeruht hatte. Nun war der Schmerz stärker. Ich ging an diesem Abend nicht weit, schaute mir nur das Abendrot über dem Lac Paladru an und kehrte dann um.

Beim Zubettgehen schmerzte mein Rücken sehr. Wie geplant hatte ich morgens keine Tablette genommen, was ich nun tat. Es dauerte eine ganze Weile, bis das Medikament wirkte. Bis dahin lag ich auf dem Rücken wie ein umgefallener Käfer. Es tat ziemlich weh, wenn ich mich aufrichten wollte, egal wie ich mich drehte und wendete. Ob ich mir doch eine Rippe gebrochen hatte, obwohl die Ärztin in Yenne es ausgeschlossen hatte?

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr. Auf dem Französischen Jakobsweg #8 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #7

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Von Saint-Genix-sur-Guiers nach Saint-Ondras am 1.8.2022

Morgens durfte ich eine halbe Stunde früher frühstücken, so dass ich das Schlösschen, in dem ich übernachtet hatte, schon um kurz nach 8 Uhr verließ.

Dann begann ich zu trödeln. Zunächst ging ich ein kleines Stück zurück, um die Kapelle Notre-Dame de Pigneux zu besuchen, die ich am Vortag ausgelassen hatte, um schnell zu meiner Unterkunft zu kommen. Die Wallfahrtskirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts am Standort einer sehr alten Kirche erbaut.

In einer Apotheke in Saint-Genix wollte ich Tape zum Verkleben der Füße kaufen. Nach dem Vorzeigen meines fast aufgebrauchten Röllchens erhielt ich ein ähnliches Band. Habe ich bis heute nicht ausprobiert, weil ich immer weniger Tape brauchte und dann auch nicht mehr lange auf dem Camino pilgerte. Mit dem Apotheker unterhielt ich mich sehr nett und ließ mich ausgiebig für mein gutes Französisch loben. Das ging mir runter wie Butter, auch wenn es nicht zutrifft. Wegen der mageren Französischkenntnisse der meisten Deutschen passt auf mich wohl eher „Unter den Blinden ist der Einäugige König.“ Danach spazierte ich noch kurz durch die Altstadt des Ortes, wo am Montag morgen fast alles geschlossen hatte, besuchte die Kirche und trank ein eiskaltes Mineralwasser in einer Bar.

Als ich schließlich den Jakobsweg fortsetzte war es schon nach 10 Uhr. Eine Brücke führte mich über den Fluss Guiers und in das Department Isère. Ein gar reizendes Schild wies auf die Abzweigung der Via Gebennensis hin (s. links unten). Eine Weile folgte ich dem schattigen Flussufer. In der ausgetrockneten Landschaft fand ich das Gehen am Wasser besonders angenehm. Dann verlief der Weg leider schattenlos und wenig idyllisch zwischen einer Stromtrasse und einem umzäunten Badesee. Nach einem staubtrockenen Acker folgte die Autobahn.

Über kleine Straßen und durch ebensolche Orte ging ich weiter. Am Pilgerrastplatz neben dem Croix-Bénie, der noch etwas Schatten bot, legte ich eine Pause ein und aß ein paar Snacks aus dem Rucksack, um neue Energie zu gewinnen.

Kurz nach dem Croix Bénie winkte mir eine ältere Frau zu (wahrscheinlich in meinem Alter!), die an einem Gartenzaun stand. Sie fragte mich, ob ich auf dem Jakobsweg pilgerte, was ich bejahte, und teilte mir dann unvermittelt mit, dass sie vor über 30 Jahren Aubagne bei Marseille in die Region gezogen sei und dass es ihr überhaupt nicht gefiel. Das konnte ich nachvollziehen. Genauso lange lebe ich in München und liebe es aber immer noch. Ich verabschiedete mich dann bald, weil mir Zeit und Lust für eine längere Unterhaltung über das Thema fehlten.

Der Weg nach Les Abrets bot keine weiteren Höhepunkte. Es ging maßvoll bergauf und wenig bergab. Bei La Bruyère wählte ich eine kleine Abkürzung. Das Sträßchen führte dann allerdings durch die glutheiße Sonne, so dass ich froh war, als ich auf die Via Gebennensis zurückkehrte.

Nach der Abzweigung an einem Klärwerk ging es glücklicherweise schattig kurz steil hinauf zu den Bahngleisen. Bald darauf hat ich Les Abrets erreicht. Meine Gastgeberin hatte mir mitgeteilt, dass es kein Restaurant in der Nähe des B&B gab und dass sie kein Abendessen kochen würde. Ich wollte möglichst mittags etwas Warmes essen. Meine Vorräte aus dem Rucksack waren aufgebraucht, daher musste ich auch Einkaufen.

In Frankreich sind die Läden am Sonntag morgen geöffnet. Zum Ausgleich sind sie am Montag geschlossen und die Gastronomie legt einen Ruhetag ein. Gut ist, dass man sich darauf verlassen kann, während man in Deutschland an verschiedenen Tagen vor verschlossenen Türen stehen kann, seit Corona wegen Personalmangel oft an mehreren. In einem kleinen Ort in Bayern habe ich übrigens schon erlebt, dass die beiden einzigen Restaurants am gleichen Tag pausierten!

Um so mehr freute ich mich nun, als ich in Les Abrets ein offenes Restaurant sah. Auf der Terrasse saßen Leute beim Mittagessen, meistens aber schon beim Dessert. Kaum hatte ich mich hingesetzt, da kam der Chef und erklärte mir, dass nun, pünktlich um 13.30 Uhr, geschlossen sei. Als ich fragte, ob noch ein kaltes Getränk möglich wäre, entgegnete er, dass er das Personal nicht länger beschäftigen könne. Nun ja, wenn ich gleich nach dem Servieren bezahlt hätte, wäre das keine große Aktion gewesen, zumal noch andere Gäste dort waren. Erst auf eindringliches Nachfragen nach einer anderen Essensmöglichkeit riet mir der Herr, bei Mc Donalds zu speisen. Gegenüber gäbe es auch einen großen Supermarkt.

Leicht frustriert ging ich weiter. Bis zum Mc Donalds war es noch einmal ein gutes Stück aus dem Ort hinaus. Bei der Bestellung am Automaten im Schnellrestaurant musste man sich durch zahlreiche Alternativen klicken. Netterweise half mir ein junges Paar, das in meiner Nähe stand. Das Essen war ziemlich teuer und schlecht sowie der Raum extrem herunter gekühlt. Fand ich zunächst erfrischend, fror dann aber in meinen verschwitzten Klamotten, so dass ich bald wieder aufbrach. Essen bei Mc Donalds in Frankreich: ein Sakrileg!

Nach dem Einkauf im Riesensupermarkt, wo es alles gab, aber schwierig war, kleine Portionen für Rucksackreisende zu bekommen, kehrte ich noch einmal in den Ort zurück, um die Kirche zu besuchen. Diese war natürlich geschlossen. Mein Aufenthalt in Les Abrets stand wirklich unter keinem guten Stern! Immerhin entdeckte ich eine kleine Bar in der Nähe, in der ich mich vor der Fortsetzung der Wanderung mit einem Kaffee und einem Sirop de Menthe stärken konnte.

Ich hatte gut zwei Stunden in Les Abrets verbracht und musste nun die restlichen 4 Kilometer nach Saint-Ondras in der größten Nachmittagshitze zurücklegen. Das Laufen über mehrere Sträßchen mit leichten Steigungen aber ohne Schatten empfand ich nur noch als quälend. Gut geschafft kam ich in meiner Unterkunft an, wo mich die Dame des Hauses mit einem frisch gepressten Orangensaft empfing. Wunderbar!

Fazit:
21 km, rd. 400 m Aufstieg, 180 m Abstieg, 6 Stunden.
Leichte mittellange Etappe, hügelige Landschaft, die nicht die gewohnte Abwechselung bot, wenig Schatten, Infrastruktur in Saint-Genix und Les Abrets (eingeschränkt am Montag!), nicht meine Lieblingsstrecke auf der Via Gebennenis, lag vielleicht an der Kombination von Hitze, Trockenheit und Montagsschließungen.

Mein Zimmer erwies sich als riesig groß und verfügte über eine Klimaanlage. Gut erholt setzte ich mich zum Abendessen in den Garten an einen Tisch mit Sitzbank. Dort aß ich die frisch gekauften Lebensmittel. Es gab Enten-Leber-Pâté, Käse, Baguette und einen goldgelben Pfirsich zu einem gut gekühlten Bier. Gar nicht schlecht!

Zum Abschluss besuchte ich noch das Eselspaar mit der schwangerer Eselin, das zum Haus „gehörte“. Die Tiere trabten gleich zu mir an den Zaun. Sie waren so schön, dass ich sie sogar vorsichtig an den Ohren streichelte, obwohl ich normalerweise keine Tiere anfasse.

Im Großen und Ganzen war ich zufrieden mit mir. Ich konnte selbst bei Temperaturen um 35 ° C, über den Tag verteilt und mit Pausen, etwa 20 Km schaffen. Auch mein Rücken meldete sich nur gelegentlich. Das Medikament, das mir die Ärztin in Yenne verschrieben hatte, sollte ich nur fünf Tage lang einnehmen. Am nächsten Tag wollte ich versuchen, statt zwei Tabletten nur noch eine am Abend zu schlucken, um so die Einnahme zu strecken. Auf die Wirkung war ich gespannt.

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Auf dem Französischen Jakobsweg #7 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Auf dem Französischen Jakobsweg #6

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Von Yenne nach Saint-Genix-sur-Guiers am 31.07.2022

Als ich morgens um kurz nach acht Uhr aufbrach, stand mir eine sehr lange Tour bevor. Um mich zu schonen, wählte ich am Anfang die östliche Variante des Jakobswegs, was weniger spektakuläre Aussichten bedeutete, aber auch eine zwei Kilometer kürzere und weniger bergige Strecke. Nachdem ich die verordnete Tablette genommen hatte, war der Schmerz im Rücken schnell verschwunden, aber ich musste vorsichtig sein.

Die Route verlief auf kleinen Strässchen, Wegen und Pfaden. Bei der Hitze, die bereits um 9 Uhr wieder intensiv war, half es sehr, dass viele Strecken im Schatten verliefen.

Um 500 Höhenmeter Steigung zurückzulegen, musste man stetig aber nicht steil bergauf gehen . Ich passierte ein Schlösschen, ging durch mehrere Weiler und über einen Wiesenpfad mit Viehgattern (aber ohne Viecher). Im angenehm kühlen Schatten legte ich dann eine Trinkpause ein. In Charosse erwartete mich ein blumengeschmücktes Wegkreuz und bald folgte ein schöner Ausblick, der letzte zum markanten Bergrücken Dent du Chat/Katzenzahn.

Bis dahin war mir nur ein Mann begegnet, der mit seinem Hund Gassi ging, aber als ich die Nähe des Mont Tournier kam, traf ich einige Mountainbiker. Sie waren auf dem gleichen sehr wurzeligen Waldpfad wie ich unterwegs. Mit einer Radlerin unterhielt ich mich kurz. Sie kam aus Yenne und wollte auf den Gipfel radeln. Bald mündete der schöne Waldweg in eine kleine verkehrsarme Straße, die durch den Wald führte.

Ziemlich angetan war ich von den schwarzen Mustern auf dem Asphalt. Für mich sah das sehr nach abstrakter Kunst aus, aber es handelte sich wohl nur um Reparaturen der Straßendecke mit Teer.

Auf der Straße, die stetig bergauf führte, kam mir die Radlerin entgegen, mit der ich mich unterhalten hatte. Sie war auf dem Rückweg und schwärmte von der Aussicht auf dem Mont Tournier. Mir war klar, dass ich diesen Blick nicht genießen würde, es sei denn, ich ginge auf der anderen Variante des Camino ein Stück zurück. Auf diesen bergigen Umweg hatte ich aber nicht die geringste Lust.

Als ich den Col du Mont Tournier, die Passhöhe der Straße und höchste Stelle meiner Tageswanderung, erreicht hatte, war ich doch etwas enttäuscht. Ich befand mich im dichten Wald und konnte nach mehreren Stunden Wanderung nicht den Hauch einer Aussicht erkennen. Meine Mittagspause verschob ich auf den Wegweiser La Dronière, wo die beiden Strecken des Jakobswegs wieder aufeinander treffen. Aus unerfindlichen Gründen ging ich an der Abzweigung vorbei, die 0,5 km nach der Passhöhe folgen sollte. Das fiel mir nach gut zwei Kilometern auf. Zurück gehen wollte ich nicht, sah aber auf dem GPX-Track, dass ich den Camino im nächsten Dorf wieder finden konnte.

Nun brauchte ich dringend eine Mittagspause. Bald hatte ich ein schattiges Plätzchen mit einem wunderbaren Weitblick entdeckt, wo ich mit den Vorräten aus dem Rucksack vesperte. So richtig gemütlich war es dann doch nicht. Entweder hatte ich mich auf eine Ameisenstraße gesetzt oder die Tiere hatten geschwind eine solche gebildet. Trotzdem schmeckten mir die Melonenstücke mit Käse, Saucisson und Baguette sehr gut.

Nachdem ich in Le Bornet auf den Camino zurückgekehrt war, erreichte ich im Wald das Croix de Rives und setzte mich auf die Bank gegenüber. Hatte zwar erst vor einer halben Stunde eine Pause eingelegt, aber bei den wenigen Bänken, welche die Via Gebennensis bietet, muss man nehmen, was man angeboten bekommt. Sehr oft liegen die Rastplätze in der prallen Sonne, aber hier war wunderbar schattig und friedlich. Ich lauschte dem Blätterrascheln, freute mich über das Zwitschern der Vögel und brach nach kurzer Pause gut erholt auf.

Nach Saint-Maurice-de Rotherns führte eine asphaltierte, weitgehend schattenlose Strecke. Unterwegs kam ich an einem Haus mit bemerkenswerten Giebeln vorbei. Im Ort zweigte ich zur Kirche ab. Dort erwartete mich eine schöne Überraschung. Neben dem Gotteshaus liegt das Radio-Musée Galetti, welches dem Ingenieur und Wegbereiter der drahtlosen Übertragung gewidmet ist. Zum Museum gehört ein Bistro mit Terrasse. Scheinbar war nicht so viel los und die Damen vom Museum schienen richtig froh, jemanden zum Quatschen gefunden zu haben. Mir ging es genauso und so plauderten wir eine Weile, während ich auf der Terrasse saß und einen Kaffee sowie einen Sirop de Menthe (giftgrüner Pfefferminz Sirup, der mit Wasser aufgegossen wird) trank. Das war mein erster Pfefferminzsaft. Er schmeckt wie flüssiges After Eight, nur ohne Schokolade, aber sehr erfrischend.

Und dann hatte auch noch die Kirche geöffnet, die laut Pilgerführer meistens geschlossen sein sollte („Stimmt nicht!“ sagten meine Gesprächspartnerinnen). Wirklich eine wunderbare Pause!

Nun ging es hinunter nach Grésin mit tollen Landschaftspanoramen, aber auch bei starker Hitze und mit wenig Schatten. Nachdem ich die Kirche im Ort besucht hatte, zog sich der Camino ziemlich.

Glücklicherweise führte der Weg dann in den Wald, was viel angenehmer zum Gehen war. Am Wegweiser Pas de l’An wurde nach links aufwärts gewiesen. Nun sollte laut Führer ein letzter Anstieg zur Kapelle Nôtre-Dame de Pigneux gefolgt von einem Abstieg nach Saint-Genix zu bewältigen sein. Ich schaute auf Google Maps nach und entdeckte erfreut, dass das Château de Saint-Genix, in dem ich ein Zimmer gebucht hatte, direkt am Weg etwas oberhalb des Ortes lag, so dass ich mir die Abzweigung sparen konnte. So würde ich zwar die Kapelle verpassen, aber das war mir nach der stundenlangen Rucksackwanderung herzlich egal.

Bald erreichte ich das Château, wohl eher ein Schlösschen, in dem ich einen ruhigen und erholsame Nacht verbrachte.

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Fazit:
22 km, 770 m bergauf, 760 m bergab (mit Abzweigung zur Chapelle de Pigneux und hinunter nach Saint-Genix), 7 Stunden.

Längere, sehr abwechslungsreiche Etappe, durch schattige Wege ist der Aufstieg problemlos möglich, die Variante über den Mont Tournier bietet bessere Aussichten und sollte für fitte Wanderer ohne Weiteres machbar sein, während des Abstiegs weniger Schatten und mehr Asphalt aber bessere Weitblicke, Bistro im Musée Galletti (Öffnungszeiten?).

Im Schloss hatte ich die letzte von zu Hause vorgebuchte Unterkunft reserviert. Ein Zimmer zu finden, stellte sich als extrem schwierig heraus. Das hatte ich erwartet , weil ich in der Haupturlaubszeit unterwegs war und in den kleinen Orten an der Via Gebennenis nur wenige Unterkünfe vorhanden sind. Aber so kompliziert, hatte ich es mir doch nicht vorgestellt.

Noch in Yenne hatte ich per Mail versucht, für die nächsten Nächte zu buchen, und entweder keine oder abschlägige Antworten bekommen. Nachdem ich erneut Buchungsportale durchforstet hatte, hängte ich mich schließlich ans Telefon und fragte bei den im Führer der Association Rhône-Alpes des Amis de Saint-Jacques (ähnlich wie Miam Miam Dodo) angegebenen Adressen nach. Ich erklärte, dass ich auf dem Jakobsweg pilgerte und dringend eine Unterkunft für die nächste Nacht brauchte. Es war nichts frei und ein Herr erklärte mir sogar, dass er keine Unterkunft mehr anbiete. Das war wohl gelogen. Später entdeckte ich auf Booking, dass dort ein Zimmer an einem anderen Tag frei war. Unangenehm war auch, dass einige Gesprächsteilnehmer auflegten, sobald ich nach französischen (!) Worten suchen musste.

Sehr erleichtert war ich, als ich schließlich im Netz eine Unterkunft in Saint-Ondras buchen konnte. Es gelang mir dann noch, am folgenden Abend in einem Hotel am Lac de Paladru telefonisch zu reservieren. Das lag zwar etwas abseits des Wegs, aber auf den See freute ich mich nach dem Pilgern durch die ausgedörrte Landschaft.

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Auf dem Französischen Jakobsweg: Yenne

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Ruhetag in Yenne am 30.07.2022

Mein Ruhetag begann damit, dass ich zum Arzt ging. Morgens war ich wieder mit dem Bewegungsschmerz im Rücken aufgewacht. Manchmal tat es schon weh, wenn ich einen etwas größeren Schritt machte. Ich fragte mich, ob ich auf dem Camino weitergehen konnte und vor allem, ob ich den Rucksack tragen konnte. Auf jeden Fall wollte ich das medizinisch abklären lassen.

Direkt neben dem Hotel lag eine Artzpraxis, die natürlich geschlossen hatte, weil Samstag war. Auf der Straße sprach ich einen Passanten mit Baguette unter dem Arm an. Der Mann nannte mir eine Bereitschaftspraxis und beschrieb mir den kurzen Weg dorthin. Wenn man bedachte wie bescheiden die Infrastruktur auf der Via Gebennensis im Allgemeinen war, hatte ich mit Yenne den idealen Ort für alle möglichen Eventualitäten ausgewählt.

Die Anmeldung in der Praxis war nicht besetzt. Man setzte sich einfach in das Wartezimmer. In dem kleinen Raum saßen schon acht Leute mit Op-Masken aber auch Kinder ohne Mund- und Nasenschutz. Solange wie möglich blieb ich draußen vor der Türe sitzen. Es ging nur sehr, sehr langsam weiter. Ungefähr alle 20 Minuten kam die Ärztin, die offensichtlich alleine Dienst hatte, und holte den nächsten Patienten ab. Im Wartezimmer war es sehr ruhig, die Leute saßen scheinbar geduldig da und sagten kein Wort. Auch von den kranken Kindern, die sich manchmal enger an die Eltern kuschelten, kam kein Ton. Nach mehr als 1,5 Stunden begann ein Mädel mit seinem Vater zu flüstern, worauf dieser mit ihr in den Garten ging.

Schließlich holte mich die junge Frau Doktor. Sie stellte mir zunächst Fragen zu meiner Person und dann zur Gesundheit und zu Medikamenten. Nachdem ich erzählt hatte, dass ich mit dem Rucksack auf dem Jakobsweg pilgerte, keinen Unfall aber seit dem Vorabend plötzlich Rückenprobleme hatte, tastete sie Bauch und Rücken ab.

Die Ärztin meinte, dass die schmerzende Stelle ein verspannter Muskel oder eine geprellte Rippe sein könnte. Sie verschrieb mir ein entzündungshemmendes Medikament, das ich fünf Tage lang zweimal täglich zum Essen einnehmen sollte. Wenn es dann nicht besser war, sollte ich wieder zum Arzt gehen und mich röntgen lassen. Sie hatte keine Bedenken, dass ich den Camino fortsetze.

Außerdem gab sie mir einen kurzen Arztbericht mit, den ich ggf. dem nächsten Doktor zeigen sollte. Habe ich dann auch getan, als ich wieder zu Hause war, aber mehr als einen flüchtigen Blick warfen die Ärzte darauf nicht. Wahrscheinlich hörten sie auf zu lesen, als sie bemerkten, dass der Bericht auf Französisch verfasst war …

Als ich die Praxis verließ, war ich um eine kulturelle Erfahrung reicher. Warten auf den Arzt gestaltete sich in Frankreich offensichtlich viel ruhiger als in Deutschland. Ob das etwas mit der größeren Ehrfurcht vor den Medizinern zu tun hatte ?

Der ganze Spaß kostete mich außerdem nur knapp 30 Euro: 25 € für die Ärztin und 20 Tabletten für unter 5 €.

In der Touristeninformation holte ich mir den Pilgerstempel und fragte etwas, das mich als große Kaffee- und Kuchenliebhaberin schon ein paar Tage lang beschäftigte. In den kleineren französischen Orten gibt es oft Bars, die Getränke und salzige Snacks anbieten aber keinen Kuchen. So war es auch in Yenne. Ich erfuhr, dass ich ohne weiteres ein Stück Gebäck in der Patisserie kaufen konnte, um es zu einem Getränk in der Bar zu verspeisen. „Prima,“ dachte ich und setze mich gleich mit einem köstlichen Törtchen in die Bar im Ortszentrum, wo ich mir einen Kaffee dazu bestellte. Natürlich war ich die Einzige, weil die Franzosen Kuchen hauptsächlich zum Dessert verspeisen.

Zum Kaffee nahm ich die erste Tablette. Beim Lesen des Beipackzettels wurde es mir etwas blümerant, aber der Schmerz beruhigte sich sofort.

Nun war ich erst einmal erledigt und ruhte mich eine Weile im Hotel aus.

Am Nachmittag stromerte ich durch das Städtchen, schaute mir weitere historische Gebäude an und kaufte Wanderproviant. Auch ein großes Eis war wieder fällig. Und die Kirche musste noch einmal besucht werden.

Recht müde, obwohl ich nicht gelaufen war, ging ich früh schlafen. Mir stand eine lange Etappe bevor und ich hoffte, dass alles gut verlaufen würde.

PS: Inzwischen weiß ich natürlich, woher die Rückenschmerzen kamen, aber das werde ich es erst am Ende meines Berichts über die Via Gebennensis verraten, weil ich es erst hinterher erfuhr.

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Auf dem Französischen Jakobsweg #5

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Von Chanaz nach Yenne am 29.07.2022

Netterweise durfte ich im Hotel schon um 6:30 Uhr frühstücken, eine halbe Stunde vor der offiziellen Zeit. Schon um kurz vor 8 Uhr befand ich mich wieder auf der Via Gebennensis. Es war bewölkt, kühler und viel angenehmer zum Wandern. Schnell hatte ich den Kanal in Chanaz erreicht und befand mich auf der Strecke, die aus dem Ort hinaus führte. Nun ging es kräftig bergauf, an einer restaurierten Ölmühle aus dem 19. Jahrhundert vorbei und dann etwas sanfter bis zur Kapelle Orgeval, wo sich ein Rastplatz befand, den ich für eine kurze Trinkpause nutzte.

Bei der Fortsetzung des Weges freute ich mich über eine schöne Sicht auf die umliegenden Berge. Gut zu sehen war bereits der Höhenzug „Mont du Chat“ mit dem markanten Gipfel „Dent du Chat“ („Katzenzahn“). Auf dem ebenen Weg ging es sich nun sehr gut und flott. Schon wollte ich frohlocken, als es sich blitzschnell zuzog. Zunächst verschwand der „Dent du Chat“ in den Wolken, dann begann es zu regnen und zwar so heftig, dass ich die Regensachen und den Regenschutz für den Rucksack herausholte. Als alles angelegt war, hörte es auf zu schütten, aber ein leichter Sprühregen begleitete mich weiterhin.

Durch mehrere kleine Weiler ging ich weiter und schließlich durch einen Weinberg . Selbst bei dem regnerischen Wetters fand ich diesen Wegabschnitt sehr eindrucksvoll. Sogar die Wolke, die langsam an einer Bergflanke hinauf stieg, bewunderte ich. Aber deswegen musste es wirklich nicht wieder stärker regnen!

Am Château de Mar musste ich mich entscheiden. Auf der Via Gebennensis folgt ein Anstieg zur Kapelle Saint-Romain, die auf einem steilen Felsen liegt. Auf dem Rastplatz bei der Kapelle sollen sich laut Pilgerführer zwar faszinierende Weitblicke eröffnen, aber danach sollte ein sehr steiler Abstieg zur Rhône kommen. Die Variante des Camino umgeht den Auf- und Abstieg und trifft am Fluss wieder auf die Route. Bei kleineren Abstiegen hatte ich schon bemerkt, dass die steinigen Pfade rutschig geworden waren und die Aussicht auf dem Felsen würde bei diesem Wetter nicht berauschend sein. Daher war schnell klar, dass ich im Tal bleiben würde.

Leider gab es im Schloss zwar ein Hotel mit Swimmingpool aber keine Einkehrmöglichkeit für hungrige und durstige Pilger, daher verzog ich mich etwas später in ein Buswartehäuschen und vesperte dort mit den Vorräten aus dem Rucksack. Es regnete weiterhin, so dass ich schnell zur Rhône hinunter ging. Bald befand ich mich am Flussufer, dem ich bis Yenne lange folgen würde. Es ging abwechselnd durch den Wald und am Rand riesiger Maisfelder entlang. Eigentlich recht schön, aber bei dem Regenwetter und der schlechten Sicht auf die Dauer recht eintönig.

Einmal stolperte ich und wäre fast nach vorne in den Matsch gefallen, wenn ich mich nicht mit den Händen abgefangen hätte. Komischerweise kann mich daran nur schemenhaft erinnern, habe es auch nicht in meinem Tagebuch vermerkt. Jedenfalls achtete ich danach besser auf den Weg und kam schließlich durch ein Naturschutzgebiet am Flussufer ohne weitere Vorkommnisse in Yenne an.

Kaum hatte ich im Hotel die nassen und schlammigen Klamotten aufgehängt, da hörte es auch schon auf zu regnen und die Sonne kehrt mit der gewohnten Kraft und zusätzlicher Schwüle zurück.

Fazit:
17,5 km, ca. 440 m Auf- und Abstieg, ca. 150 m weniger auf der Variante, 5,5 Stunden.
Mittellange Etappe, führt durch eine Weinbaugegend und am Flussufer entlang, bietet wunderbare Aussichten (vor allem bei schönem Wetter). Unterwegs keine Einkehrmöglichkeiten oder Geschäfte.

In Yenne hatte ich einen Ruhetag geplant, worauf ich mich sehr freute. Nach einer Ruhepause im Hotel spazierte ich am Nachmittag durch das charmante Städtchen mit viel französischem Flair und zahlreichen historischen Gebäuden. Die Kirche Notre Dame, die im 12. und 14. Jahrhundert gebaut wurde, musste natürlich auch besucht werden. Einen Pilgerstempel fand ich trotz intensiver Suche nicht, wollte mir diesen aber am folgenden Tag in der Touristeninformation besorgen. Auf einer Caféterrasse am hübschen Bachlauf in der Altstadt ließ ich mich nieder, vertilgte ein großes Eis, trank Cappuccino und ließ es mir gut gehen.

Abends wurde im Hotel ein sehr schmackhaftes Menue für Hausgäste serviert. Als ich dann im Bett lag, tat mir am linken Rücken jede Bewegung und ganz besonders das Aufrichten weh. Ich nahm an, dass ich mir beim Rucksackschleppen einen Muskel gezerrt hatte, besorgte mir bei der Gastwirtin eine kalte Kompresse und hoffte, dass sich das Problem bis zum nächsten Tag geben würde. In dieser Hinsicht sollte ich mich leider irren.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

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