Meine Reise durch Ostasien im Frühjahr 2019

Einführung

Von Mitte März bis Ende Mai war ich in Japan, Südkorea und Taiwan unterwegs. Meine Erlebnisse könnt ihr in 16 Beiträgen nachlesen. Meistens habe ich am Ende des Berichts ein Fazit gezogen.

Wie sehe ich das nun, wenn ich die gesamte Reise betrachte ?

Meine Tour dauerte neun Wochen. Drei Wochen verbrachte ich in jedem Land. Mir war von vornherein klar gewesen, dass ich nicht viel Zeit in Japan hatte, wo es unendlich viel zu erleben und zu sehen gibt. In Südkorea und Taiwan hielt mich dagegen länger auf als die meisten Reisenden. Ziel war ein entspannteres Reisen.

Beeindruckendes

Die Länge der Reise bot mir eine außergewöhnliche Chance viel zu besichtigten und zumindest ansatzweise etwas über die Kultur des Reiselandes zu erfahren. Zusammenzufassen, was mich in den Ländern besonders beeindruckt hat, ist fast unmöglich.

In Japan fand ich alle besuchten Orte und deren Sehenswürdigkeiten so toll, dass ich nicht sagen kann, was mir am besten gefallen hat.
Es war mir vergönnt, die zauberhafte Kirschblüte (Sakura) mit den entzückten Einheimischen, auch beim Hanami Picknick, zu sehen Kirschblüte in Hiroshima und Fukuoka im März 2019 Japanreise im April 2019

Bei meinem Aufenthalt an den Fuji Seen hatte ich unglaubliches Glück mit dem Wetter. Der Fuji hüllt sich oft in Wolken. Die majestästische Schönheit des Berges durfte ich drei Tage lang bewundern. Auch Ansichten jenseits der Postkartenidylle konnten meine Faszination nicht trüben.

Darüber hinaus habe ich die Freundlichkeit und höfliche Rücksichtnahme der Japaner sehr geschätzt und das überaus ästhetische Design in vielerlei Hinsicht, z.B. in den Tempelgärten, beim Geschirr und der Anrichtung von Speisen.
Unglaublich durchdacht, ja geradezu liebevoll, ist auch die Organisation für die Reisenden, die genauen Beschilderungen auf den Bahnhöfen (auf dem Boden sind die Waggonnummern der Züge aufgemalt und diese halten, auf die Minute pünktlich, genau dort) und im Zug (an jedem Sitz ist die Lage der nächsten Toilette, des Mülleimers etc. verzeichnet), das immer gegenwärtige Servicepersonal, das z.B. auf dem Weg nach Koyasan an der Bergstation der Zahnradbahn steht und jeden Touristen anspricht, um ihm die passende Bushaltestelle zu zeigen. Es ist kaum möglich, sich zu verlaufen und wenn es doch einmal passiert, dann gibt es immer jemanden der bereitwillig hilft. Als ich vom Flughafen Narita nach Seoul fliegen wollte, war die Metroverbindung wegen einer technischen Störung unterbrochen. Mehrere Einheimische,  alle ohne Englischkenntnisse, halfen mir den alternativen Weg zu finden, der ein mehrfaches Umsteigen mit Richtungsänderungen erforderte, indem sie mich nacheinander ein Stück begleiteten.

Nach Japan möchte ich auf jeden Fall noch einmal reisen, am liebsten während der Laubfärbung im Herbst.

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Korea beeindruckte mich mit wunderbaren Landschaften und prächtigen Tempeln. Auf den sorgfältig angelegten Wanderwegen, wo es sogar mit Jute verkleidete Felsen gab, konnte ich oft beides zusammen genießen. Die Wege führten häufig an idyllisch gelegenen Tempeln vorbei. Beim Wandern habe ich sehr sportliche und oft ältere Koreaner getroffen, die mir außerdem sehr freundlich begegneten, mir Süßigkeiten und Energydrinks schenkten Wandern in Südkorea. Zu entdecken gab es auch die spannende Silla Kultur, die ich vor meiner Reise nicht kannte, mit Zeugnissen vom 1. bis zum 7.  Jahrhundert in der ehemaligen Hauptstadt Gyeongju Gyeongju: ein „Museum ohne Mauern“ in Südkorea

Wenn ich noch einmal nach Südkorea komme, würde ich mich gerne näher mit der innovativen und kreativen modernen Architektur und Kunst befassen. Auch das Nebeneinander von Tradition und Moderne könnte durchaus spannend sein.

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Im Gamcheon Cultural Village Busan

Taiwan hat mir wegen der traumhaften Landschaften, u.a. in der Tarokoschlucht und im Kenting Nationalpark sehr gut gefallen. Bei besserem Wetter hätte ich außerdem in den Alishan Forest Recreation fahren können, was wegen einer Straßensperrung nicht möglich war Taiwan, die Zweite.
Dort muss es magisch schön sein. Sollte ich noch einmal in die Gegend kommen, hole ich den Besuch nach.
Ganz wunderbar fand ich die reizenden Taiwaner, die mir z.T. schon zu Hilfe eilten, wenn ich noch nicht einmal darum gebeten hatte.
Auch für die farbenfrohen Tempel in Taiwan konnte ich mich noch einmal begeistern, obwohl ich in Japan und Korea schon so viele besucht hatte.

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Nachdenkliches

Allerdings wurde es mir oft zu viel. Es waren einfach zu viele Eindrücke zu verarbeiten. Zwischen den Besichtigungen hatten ich vor allem in Korea längere Wanderungen geplant, was so nicht möglich war Meine andere Südkoreareise
In Taiwan verhinderte oft die Regenzeit mit  sturzbachartigen Niederschlägen längere Aufhalte in der Natur Taiwan, die Zweite

So lange war ich seit vielen Jahren nicht mehr unterwegs gewesen. Als Reisepartnerin bin ich ziemlich ungeeignet, weil ich oft spontan meine Pläne ändere, noch einen Umweg gehe, etwas anderes weglasse oder verschiebe. Viele Reisen hatte ich daher schon alleine zurückgelegt und das auch meistens sehr genossen.
In Ostasien gab es wenig Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme. Viele Asiaten bleiben gerne unter sich und sind in Gruppen unterwegs. Auch traf ich sehr selten auf alleinereisende Frauen. Vor allem in Korea aber auch in Taiwan gab es auch nur wenige westliche Touristen.
In den zweieinhalb Wochen zwischen dem Besuch des Bulguksa Tempels in Korea und der Taroko Schlucht in Taiwan begegnete ich keinem einzigen Deutschen. Ich begann meine Landsleute regelrecht  zu vermissen …  Im Taroko Nationalpark quatschte ich deutschsprachige Reisende an, um mich wieder einmal in meiner Muttersprache über Reiseeindrücke austauschen zu können.
Oft habe ich in Hotels übernachtet, aber auch in Hostels und in Guesthouses war die Atmosphäre nicht kommunikativer. Gemeinsame Aufenthaltsräume wurden nicht  genutzt.
Kurzum, ich fühlte mich oft ziemlich einsam. Gut, dass es WhatsApp gibt und die Möglichkeit kostenlos nach Hause zu telefonieren!
Was das für künftige Reisen bedeutet, überlege ich noch. Zu Beginn einer Süd- oder Mittelamerikareise könnte ich einen Sprachkurs buchen (endlich richtig Spanisch lernen!) und mich erst einmal im Land akklimatisieren. Gruppenreisen mag ich nicht, aber zwischendurch einen Reisebaustein zu buchen, wäre eine Option .

Fazit:

Eine faszinierende Reise mit sehr vielfältigen Eindrücken, viel gelernt über die durchaus unterschiedlichen Kulturen in Ostasien, verlief zum Teil anders als erwartet, habe mich selber noch besser kennenlernt, viel Stoff zum Nachdenken und nachhaltiges Interesse an den besuchten Ländern gewonnen.

Wart ihr schon in Ostasien unterwegs und wie hat es euch gefallen ? Wie waren eure Erfahrungen mit dem Alleinreisen ?

Über eure Likes und Kommentare freue ich mich immer sehr.

 

 

 

 

 

 

Gyeongju: ein „Museum ohne Mauern“ in Südkorea

Einführung

Gyeongju ist eine Stadt im Südosten Südkoreas. Es war die Hauptstadt des Vereinigten Sillareichs, das fast ganz Korea umfasste. Das Königreich entstand zum Beginn des 1. Jahrhunderts und beherrschte den größten Teil der Koreanischen Halbinsel vom 7.  bis zum 9. Jahrhundert. Heute kann man noch ist eine große Anzahl historischer Stätten aus dieser Zeit zu besichtigen. In vielen Reiseführern wird Gyeongju daher als „Museum ohne Mauern“ bezeichnet.

Gyeongju habe ich Ostern 2019 besucht. Obwohl fast 30 % der Koreaner christlichen Glaubens sind, gab es keine Hinweise auf die Feiertage, keine Osterdekorationen, Verkauf von Schokoladenprodukten etc. Gut, dass ich einen  Schokoladenhasen von zu Hause mitgebracht hatte!  Das arme Tier fiel mir allerdings am Ostersonntag zum Opfer Osterhase in Korea .

Tumuli und ein Obbservatorium

Im Stadtgebiet von Gyeongju, zum Teil ganz in der Nähe des Busbahnhofs,  befinden sich mehere Tumuli Zonen. Es handelt sich um Gruppen von Königsgräbern aus der Silla Periode in grasbewachsenen Hügeln, die bis zu 15 m hoch sind. Die größte Gruppe Daereungwon enthält 23 Gräber. Das Grab Cheonmachong kann man sogar von Innen besichtigen und neben den prächtigen Fundstücken (Repliken) sieht man wie über den Gräbern erst Steinhügel und dann Erdmassen aufgeschichtet wurden. Während Daereungwon innerhalb einer Mauer liegt und einen geringen Eintritt (ca. 2,5 Euro) kostet, befinden sich im Stadtbereich von Gyeongju weitere öffentlich zugängliche Gruppen von Hügelgräbern, die zum Teil sehr pittoresk vor der herrlichen Berglandschaft in der Umgebung liegen.

Sehr interessant fand ich auch die Cheomseongdae Sternwarte, das älteste erhaltene Observatorium in Ostasien, das während der Silla Zeit im 7.Jahrhundert erbaut wurde. Es soll der Beobachtung der Sterne gedient haben und zu Wettervorhersagen. Zum Teil wird angenommen, dass der nur von außen über eine Leiter zugängliche Turm eher rituellen oder astrologischen Zwecken gedient haben könnte.

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Auf dem Weg zum Nationalmuseum von Gyeongju  spazierte ich über die prächtige  Woljeonggyo Brücke (Vorgängerbau aus dem 8.Jahrhundert).

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Im  ohne Eintritt zugänglichen Nationalmuseum in Gyeongju bestaunte ich die zahlreichen wunderbaren Fundstücken aus der Silla Zeit. Bei einzelnen Stücken  handelte es sich wohl um Repliken, da ich diese schon im Koreanischen Nationalmuseum in Seoul bewundert hatte.
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Bulguksa Tempel, Seokguram und Golgulsa Tempel

Am Ostersonntag fuhr ich mit dem Bus in ca. 40 Minuten zum Bulguksa Tempel. Es handelt sich um einen rekonstruierten Tempel aus der Silla Zeit (8. Jahrhundert) , der auf mehreren Steinterrassen errichtet wurde. Diese sind zum Teil im Original erhalten. Die Tempelanlage mit über 20 Gebäuden ist wunderschön in die Landschaft eingebettet und liegt in einem dichten Wald.

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Am Bulguksa war buchstäblich die Hölle los. Viele Besucher waren gekommen, um vor den vielen Altären zu beten. Mit Ostern konnte das in einem buddhistischen Tempel wohl nichts zu tun haben … Alle Zufahrten waren, kurz nachdem ich angekommen war, mit PKWs verstopft.

Nach der Besichtigung des Tempels fuhr ich mit dem Bus zur Seokguram Grotte, die auf einem Berg auf 740 m Höhe über dem Bulguksa in einer herrlichen Berglandschaft liegt (Fußweg ca. 45 Minuten). Vom Parkplatz bis zur Grotte ging es noch einmal bergauf. Trotzdem war es ein herrlicher Spaziergang durch den frühlingshaften Laubwald. Von oben genoß ich die  großartige Sicht über die Landschaft, die an klaren Tagen bis zum Japanischen Meer reichen soll.
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Die Seokguram Grotte war einer der Gründe gewesen, warum es mich nach Gyeongju verschlagen hatte. Es handelt sich um eine künstliche angelegte Felsenhöhle aus dem 8. Jahrhundert, in dem sich eine fein ausgearbeitete Buddhastatue aus Granit befindet. Sie ist 3,2 m hoch und sitzt im Lotussitz auf einem  steinernen Podest. Im koreanischen Nationalmuseum in Seoul hatte ich in einer  Animation gesehen, wie die einzelnen Steinblöcke kuppelartig über der Statue aufgeschichtet wurden. Diesen Ort musste ich sehen ! Leider befindet sich aus konservatorischen Gründen inzwischen eine Holzkonstruktion mit raumhohen Glaswänden vor der Rotunde, so dass man die wunderschöne Statue nicht richtig sehen kann. Außerdem gilt ein allgemeines Fotografierverbot in der Grotte. So konnte ich leider nur den Eingang zur Grotte ablichten.

Um zu meinem letzten Ziel, dem Golgulsa Felsentempel, zu kommen, musste ich mit dem Bus fahren und zwei Mal umsteigen, was normalerweise kein Problem gewesen wäre. Allerdings standen wir in der Nähe des Bulguksa Tempels sehr lange mit dem vollbesetzten Bus im Stau. Zum Golgulsa wollte ich hauptsächlich,  um die Summodo Kampfkunstvorführungen der Mönche um 15 Uhr zu erleben. Leider schaffte ich es nicht rechtzeitig. Die Vorführung, die ca. eine Stunde dauert, war gerade zu Ende, als ich dort ankam. Interessant war, dass unter den mir entgegenkommenden Besuchergruppen sehr viele  Leute deutsch sprachen. Sie trugen eine Art Judobekleidung und unterhielten sich angeregt. Als ich eine Gruppe ansprach, erzählten sie mir,  dass sie sich auf einem Temple Stay im Golgulsa Tempel befanden und dass sie  gerade Taekwondo hatten vorführen dürfen, bevor die Mönche Summodo präsentierten. Schade, dass ich die berühmte und gut besuchte Vorführung verpasst hatte!

Wenigstens stieg  ich, schon leicht erschöpft , die steilen Treppen zum Felsenbuddha hinauf. Das überlebensgroße Buddharelief auf der Spitzr einer steilen Klippe wurde im 9. Jahrhundert errichtet.

Als ich zum Ausgang ging, konnte ich noch einige interessante Statuen bestaunen, daunter auch einen Summodo Kämpfer.

 

Fazit:

In Gyeongju befindet man sich inmitten zahlreicher historischer Sehenswürdigkeiten. Die koreanische Geschichte der frühen Neuzeit wird lebendig. Ich war 2,5 Tage dort. Wenn man individuell und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, sollte man drei oder vier Tage bleiben, da die Sehenswürdigkeiten zum Teil weit auseinander liegen. Auch wäre ich gerne noch gewandert. Der Weg auf den Namsan soll großartig sein. Wenn man nicht viel Zeit hat, sollte man sich evtl. einer organisierten Tour anschließen.

Mein Aufenthalt in Gyeongju gehörte zu den schönsten Erlebnissen meiner Südkorea Reise.

Wart Ihr schon einmal in der Region ? Und wo hat es euch am besten gefallen?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

 

Essen in Südkorea oder wie esse ich mit glatten Metallstäbchen Nudelsuppe?

Einführung

Koreanische Gerichte habe ich als Einzelreisende nach dem Trial and Error Prinzip gegessen. Oft wusste ich nicht genau, was ich bestellte. Das unterschied mich von Reisenden, die z.B. mit einer Gruppe essen gehen und sich bei der Bestellung beraten lassen können.

Erster Eindruck der koreanischen Küche

Auf dem Flug von Tokio nach Seoul bekam ich meine erste koreanische Mahlzeit. Auf dem zweistündigen Flug mit Korean Air gab es tatsächlich ein warmes Mittagessen! Ich bestellte Rind und erhielt ein appetitlich aussehendes Ragout. Aber dann: nach den ersten Bissen konnte ich nicht weiteressen. Während Flugzeugessen normalerweise  schwach gewürzt serviert wird, war dieses Gericht brennend scharf. Neugierig schaute ich mich um, aber die asiatischen Mitreisenden aßen völlig ungerührt weiter.

Die südkoreanische Küche weist einen hohen Anteil von rohen Speisen auf: Fisch, Fleisch und sogar Meeresfrüchte. Am Eingang der Restaurants stehen oft Aquarien, die dicht an dicht bevölkert sind und in denen man sich ein Tier aussuchen kann, das frisch zubereitet wird. Gehört habe ich, dass es in Südkorea besonders geschätzt wird, wenn die Tentakel des rohen Oktopus beim Servieren noch zucken. Gesehen habe ich eine solches Gericht nie, aber um die Restaurants mit den Aquarien habe ich auch einen Bogen gemacht.

Essen im Restaurant

Wenn die koreanische Küche beschrieben wird, ist immer von Kimchi die Rede, dem fermentierten mit Knoblauch und Chili gewürzten Weißkohl. Richtig ist, dass es Kimchi, der in jedem Restaurant anders schmeckt, zu jedem Essen gibt, aber meistens als eine der Beilagen, die zu den Gerichten serviert werden. Auf dem Foto sieht man Kimchi hinten in der Mitte.DSC_1055

In Südkorea besitzt Essen und Essen gehen einen sehr hohen Stellenwert. Wie in Japan gibt es zahlreiche Viertel mit vielen nebeneinander liegenden Restaurants, die sehr gut besucht sind.
Am Eingang befindet sich eine Theke, an der man bestellt. Da ich kein Hangeul lesen kann und in der Regel keine englischen Speisekarten aushingen, fragte ich dort, was es gab. Zum Teil wurden dann englische „Menus“ herausgezogen oder es gab Fotos, auf denen mehr oder minder viel zu erkennen war. Nach kurzem Aufenthalt im Land hatte ich festgestellt, dass koreanisches Essen äußerst scharf gewürzt sein kann. Auch wollte ich keinen rohen Fisch oder Fleisch essen. Wenn ich mir ein Gericht ausgesucht hatte, fragte ich daher immer noch „not spicy ?“ und „not raw ?“. Ersteres wurde entweder verstanden oder ich konnte es durch Zeichensprache vermitteln.  Letzteres war schwieriger, aber letztendlich bekam ich nie rohes Fleisch oder ungekochten Fisch serviert. Einmal kam tatsächlich eine Pfanne mit rohen Zutaten, mehreren Gemüsesorten, Tintenfisch und Shrimps. Es handelte sich aber um eines der vielen Restaurants, in denen am Tisch gekocht wird. In die Tischplatte war eine Kochstelle eingelassen und eine Kellnerin kam mehrmals zum Umrühren vorbei. Nie habe ich frischeren Oktopus gegessen und die Shrimps waren butterzart: ein sehr leckeres Essen, wäre da nicht die höllisch scharfe Chilisauce gewesen, in der das Gericht gekocht worden war.

Nach der Bestellung an der Theke wird man zu einem Tisch gebracht und erhält kostenloses gefiltertes Wasser, Mineralwasser oder Tee.  Das Essen wird meist recht schnell serviert. Zum Zahlen geht man wieder an die Theke. Zahlen mit Kreditkarten ist weit verbreitet. Trinkgelder sind nicht üblich.

Suppe essen

In Busan lernte ich Pork Rice Soup kennen. In Downtown gibt es sogar eine „Pork Soup Alley“ mit Restaurants, die diese Spezialität anbieten. Serviert wird eine kräftige Brühe mit leckeren, sehr saftigen Bauchfleischstücken, die ähnlich kräftigend wirkt wie eine japanische Ramen. Zur nur schwach gewürzten Suppe gibt es Reis, weitere Beilagen (z.B. Kimchi ) und Würzmittel, die man nach Gusto in die Suppe geben kann. Sehr lecker ! Die servierten Knoblauchzehen und Chilischoten habe ich aber übrig gelassen.
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Häufiger aß ich auch Nudelsuppe mit Fleisch oder Meeresfrüchten. In koreanischen Restaurants gibt es in jedem Tisch Schubladen, aus denen der Gast Stäbchen und Servietten nimmt. Mit Stäbchen war ich bis dahin in allen bereisten asiatischen Ländern gut zurecht gekommen. Die koreanische Variante besteht aus extrem langen und glatten Metallstäbchen. Später erzählte mir ein Chinese, dass sogar er Schwierigkeiten habe, mit diesem Besteck zu essen.
dsc_1075-kopie.jpgNudelsuppen zu essen, bedeutete eine besondere Herausforderung für mich . Zur Suppe gab es meistens einen kleinen Löffel, z. T. aus Plastik. Mit diesem schöpfte ich zunächst etwas Flüssigkeit ab. Aber dann glitten mir die Nudeln oft wieder von den Stäbchen und platschten in die Brühe. Sehr viel Kleidung hatte ich nicht dabei, daher musste ich entweder rasant zurückweichen oder mit dem Kopf dicht über der Suppenschale die Nudeln sehr schnell schlürfen, was Koreaner perfekt beherrschen.
Als ich einmal, schon in Taiwan, meinen Kaffee verschüttete, lief dieser nicht über meine Kleidung sondern über die Bank, auf der ich gesessen hatte. Mein Training in Korea hatte sich gelohnt. Ich konnte immer noch blitzschnell ausweichen !
Nach meinem sehr anstrengenden Wandertag im Hallasan National Park   Wandern in Südkorea bestellte ich mir eine Gabel und rollte die Nudeln über dem Suppenlöffel wie Spaghetti auf.

Auf Jeju Island gibt es eine spezielle Schweinerasse namens „Black Pork“. In der Inselhauptstadt Jeju-Si besuchte ich die „Black Pork Alley “ (Auf die „Raw Fish Street“ verzichtete ich.) In einem Grillrestaurant durfte ich als Einzelne essen, während die anderen Tische von koreanischen Gruppen belegt waren, die das leckere leicht marmorierte Fleisch genossen und dazu reichlich Soju tranken. Der milde Kartoffel- und Reisschnapps schmeckte mir auch, aber bei einem Alkoholgehalt von 20 % wollte ich nicht die Viertelliterflasche leeren, die in den Restaurants serviert wird.  Das Fleisch wird mit den Beilagen auf Elektoplatten am Tisch gegrillt. Statt eines Messers verwendet man in Korea eine Schere, mit der man Oktopus, Fleisch und Teigtaschen u.s.w. in mundgerechte Stücke schneidet. Das Zerteilen von Knochen o.Ä. hörte sich für mich oft gewöhnungsbedürftig an. Das Gegrillte wird schließlich mit Würzsaucen in ein Salbeiblatt gerollt, was sehr schmackhaft ist.

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Auf Jeju wächst auch die unglaublich süße und saftige Hallabong, eine nur dort vorkommende Tangerinenart.
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Nach einem äußerst pikanten Esssen gönnte ich mir in Korea manchmal einen besonderen Nachtisch aus der Heimat.
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Fazit:

Die Küche Südkoreas ist äußerst vielfältig. Sehr frische Zutaten werden verarbeitet. Obwohl ich gerne etwas scharf esse, überforderte mich der Schärfegrad vieler Gerichte. Außer Suppen habe ich aber Gerichte gefunden, die meistens milder gewürzt wurden, z.B. Bulgogi  (Ragout aus mariniertem Rindfleisch) oder Bibimbap Eintopf mit Rindfleisch, Gemüse und rohem Spiegelei. Einen sehr gastfreundlichen Eindruck machten auf mich die zahlreichen Beilagen, die zusammen mit dem bestellten Essen oft den ganzen Tisch bedeckten. Auch die kostenlosen Getränke (Wasser und Tee), die zu jedem Essen gehörten, haben mir gefallen.

PS: Es gab überhaupt kein Problem mit meinem koffeinhaltigen Lieblingsgetränk in Südkorea. In den Städten fand ich viele Shops von Kaffeeketten, die Cappuccino, Latte Macchiato und Drip Coffee, frisch aufgebrühten Filterkaffee, anboten. Nur am Kuchenangebot könnten die Koreaner noch etwas arbeiten …

Wie hat euch das Essen auf Reisen geschmeckt und wo besonders gut ?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

 

 

Gyeongju: ein „Museum ohne Mauern“ in Südkorea

Einführung

Gyeongju ist eine Stadt im Südosten Südkoreas. Es war die Hauptstadt des Vereinigten Sillareichs, das fast ganz Korea umfasste. Das Königreich entstand zum Beginn des 1. Jahrhunderts und beherrschte den größten Teil der Koreanischen Halbinsel vom 7.  bis zum 9. Jahrhundert. Heute kann man noch ist eine große Anzahl historischer Stätten aus dieser Zeit zu besichtigen. In vielen Reiseführern wird Gyeongju daher als „Museum ohne Mauern“ bezeichnet.

Gyeongju habe ich Ostern 2019 besucht. Obwohl fast 30 % der Koreaner christlichen Glaubens sind, gab es keine Hinweise auf die Feiertage, keine Osterdekorationen, Verksuf von Schokoladenproduktne etc. Gut, dass ich einen  Schokoladenhasen von zu Hause mitgebracht hatte!  Das arme Tier fiel mir allerdings am Ostersonntag zum Opfer Osterhase in Korea .

Tumuli und ein Obbservatorium

Im Stadtgebiet von Gyeongju, zum Teil ganz in der Nähe des Busbahnhofs,  befinden sich mehere Tumuli Zonen. Es handelt sich um Gruppen von Königsgräbern aus der Silla Periode in grasbewachsenen Hügeln, die bis zu 15 m hoch sind. Die größte Gruppe Daereungwon enthält 23 Gräber. Das Grab Cheonmachong kann man sogar von Innen besichtigen und neben den prächtigen Fundstücken (Repliken) sieht man wie über den Gräbern erst Steinhügel und dann Erdmassen aufgeschichtet wurden. Während Daereungwon innerhalb einer Mauer liegt und einen geringen Eintritt (ca. 2,5 Euro) kostet, befinden sich im Stadtbereich von Gyeongju weitere öffentlich zugängliche Gruppen von Hügelgräbern, die zum Teil sehr pittoresk vor der herrlichen Berglandschaft in der Umgebung liegen.

Sehr interessant fand ich auch die Cheomseongdae Sternwarte, das älteste erhaltene Observatorium in Ostasien, das während der Silla Zeit im 7.Jahrhundert erbaut wurde. Es soll der Beobachtung der Sterne gedient haben und zu Wettervorhersagen. Zum Teil wird angenommen, dass der nur von außen über eine Leiter zugängliche Turm eher rituellen oder astrologischen Zwecken gedient haben könnte.

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Auf dem Weg zum Nationalmuseum von Gyeongju  spazierte ich über die prächtige  Woljeonggyo Brücke (Vorgängerbau aus dem 8.Jahrhundert).

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Im  ohne Eintritt zugänglichen Nationalmuseum in Gyeongju bestaunte ich die zahlreichen wunderbaren Fundstücken aus der Silla Zeit. Bei einzelnen Stücken  handelte es sich wohl um Repliken, da ich diese schon im Koreanischen Nationalmuseum in Seoul bewundert hatte.

 

Bulguksa Tempel, Seokguram und Golgulsa Tempel

Am Ostersonntag fuhr ich mit dem Bus ca. 40 Minuten lang zum Bulguksa Tempel. Es handelt sich um einen rekonstruierten Tempel aus der Silla Zeit (8. Jahrhundert) , der auf mehreren Steinterrassen errichtet wurde. Diese sind zum Teil im Original erhalten. Die Tempelanlage mit über 20 Gebäuden ist wunderschön in die Landschaft eingebettet und liegt in einem dichten Wald.

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Am Bulguksa war buchstäblich die Hölle los. Viele Besucher waren gekommen, um vor den Altären zu beten. Mit Ostern konnte das in einem buddhistischen Tempel wohl nichts zu tun haben … Alle Zufahrten waren, kurz nachdem ich angekommen war, mit PKWs verstopft.

Nach der Besichtigung des Tempels fuhr ich mit dem Bus zur Seokguram Grotte, die auf einem Berg auf 740 m Höhe über dem Bulguksa in einer herrlichen Berglandschaft liegt (Fußweg ca. 45 Minuten). Vom Parkplatz bis zur Grotte ging es noch einmal bergauf. Trotzdem war es ein herrlicher Spaziergang durch den frühlingshaften Laubwald. Von oben genoss ich die  großartige Sicht über die Landschaft, die an klaren Tagen bis zum Japanischen Meer reichen soll.
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Die Seokguram Grotte war einer der Gründe gewesen, warum es mich nach Gyeongju verschlagen hatte. Es handelt sich um eine künstliche angelegte Felsenhöhle aus dem 8. Jahrhundert, in dem sich eine fein ausgearbeitete Buddhastatue aus Granit befindet. Sie ist 3,2 m hoch und sitzt im Lotussitz auf einem  steinernen Podest. Im koreanischen Nationalmuseum in Seoul hatte ich in einer  Animation gesehen, wie die einzelnen Steinblöcke kuppelartig über der Statue aufgeschichtet wurden. Diesen Ort musste ich sehen ! Leider befindet sich aus konservatorischen Gründen inzwischen eine Holzkonstruktion mit raumhohen Glaswänden vor der Rotunde, so dass man die wunderschöne Statue nicht richtig sehen kann. Außerdem gilt ein allgemeines Fotografierverbot in der Grotte. So konnte ich leider nur den Eingang zur Grotte ablichten.

Um zu meinem letzten Ziel, dem Golgulsa Felsentempel, zu kommen, musste ich mit dem Bus fahren und zwei Mal umsteigen, was normalerweise kein Prolem gewesen wäre. Allerdings standen wir in der Nähe des Bulguksa Tempels sehr lange mit dem vollbesetzten Bus im Stau. Zum Golgulsa wollte ich hauptsächlich,  um die Summodo Kampfkunstvorführungen der Mönche um 15 Uhr zu erleben. Leider schaffte ich es nicht rechtzeitig. Die Vorführung, die ca. eine Stunde dauert, war gerade zu Ende, als ich dort ankam. Interessant war, dass unter den mir entgegenkommenden Besuchergruppen sehr viele  Leute deutsch sprachen. Sie trugen eine Art Judobekleidung und unterhielten sich angeregt. Als ich eine Gruppe ansprach, erzählten sie mir,  dass sie sich auf einem Temple Stay im Golgulsa Tempel befanden und dass sie  gerade Taekwondo hatten vorführen dürfen, bevor die Mönche Summodo präsentierten. Schade, dass ich die berühmte und stets gut besuchte Vorführung verpasst hatte!

Wenigstens stieg  ich, schon leicht erschöpft , die steilen Treppen zum Felsenbuddha hinauf. Das überlebensgroße Buddharelief auf der Spitze einer steilen Klippe wurde im 9. Jahrhundert errichtet.

Als ich zum Ausgang ging, konnte ich noch einige interessante Statuen bestaunen, darunter auch einen Summodo Kämpfer.

 

Fazit:

In Gyeongju befindet man sich inmitten zahlreicher historischer Sehenswürdigkeiten. Die koreanische Geschichte der frühen Neuzeit wird lebendig. Ich war 2,5 Tage dort. Wenn man individuell und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, sollte man drei oder vier Tage bleiben, da die Sehenswürdigkeiten zum Teil weit auseinander liegen. Auch wäre ich gerne noch gewandert. Der Weg auf den Namsan soll großartig sein. Wenn man nicht viel Zeit hat, sollte man sich evtl. einer organisierten Tour anschließen.

Mein Aufenthalt in Gyeongju gehörte zu den schönsten Erlebnissen meiner Südkorea Reise.

Wart Ihr schon einmal in der Region ? Und wo hat es euch am besten gefallen?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

 

Begegnungen in Südkorea

Reiseerfahrungen in Südkorea

Im April 2019  reiste ich drei Wochen lang durch Südkorea. Hierzu habe ich schon mehrfach berichtet Meine andere Südkoreareise Kurioses und Geniales aus Südkorea  und  Wandern in Südkorea .

Neben schönen und sehr interessanten Erlebnissen beschäftigen mich bis heute meine Begegnungen mit den Einheimischen und wie sich diese auf meine Reise auswirkten.

Nachfolgend gebe ich meine persönlichen Reiseerlebnisse wider. Allgemeine Aussagen über „die Koreaner“ sind nicht beabsichtigt.

Den Weg finden

Von Tokyo kommend reiste ich über den Flughafen Gimpo ein. In Japan war es ein guter Plan gewesen, bei der Ankunft an einem neuen Ort die Touristeninformation aufzusuchen und dort einen Stadtplan zu holen sowie weitere Informationen z.B. zum Subwaynetz. Im International Airport Gimpo gab es keinen Plan im Tourist Information Center.

Tragisch war das nicht, weil ich ohnehin mit dem Taxi ins Guesthouse in Seoul fahren wollte. Dort traf ich den sehr netten Inhaber, der mir in den kommenden Tagen immer wieder helfen, z.B. die beste Anfahrt zum Bukhansan Nationalpark erklären würde, aber einen Stadtplan hatte er auch nicht. An der Wand hing ein Metroplan, den ich mit dem Handy fotografierte. Am nächsten Tag ergatterte ich doch noch einen Innenstadtplan, aber in den übrigen Orten in Südkorea war es schwierig. In Gangneung, Gyeongju und in der Inselhauptstadt Jeju- si  gab es nur eine grobe Übersicht. Auf einem Tagesausflug an die Südküste von Jeju nach Seogwipu bekam ich einen richtigen Plan mit Straßennamen in lateinischer Schrift und fühlte mich fast wie bei einem Sechser im Lotto.

An meinem ersten Tag in Seoul besichtigte ich die bekannten Paläste, zunächst  Gyeongbokgung, der ganz in der Nähe meines Guesthouses lag und ging dann weiter zum Changdeokgung. Den Weg hatte mir der Inhaber des Guesthouses beschrieben und ich konnte ihn auf dem inzwischen ergatterten Stadtplan weiterverfolgen. Leider war auf dem Rückweg eine Straße wegen Bauarbeiten gesperrt und meine Orientierung war dahin. Ich fragte zwei älterere Herren nach dem Weg zum Gyeongbokgung. Sie winkten mir zu und baten mich auf koreanisch, ihnen zu folgen. Wir liefen dann eine gute Viertelstunde nebeneinander und an einer Palastmauer mit einem Tor, das mir bekannt vorkam, verabschiedeten wir uns . Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es sich nicht um Gyeongbokgung handelte. In diesem Moment kamen die beiden schon zurück und wir beratschlagten auf Koreanisch bzw. Englisch, wo wir uns befanden, was die Beiden nicht zu wissen schienen (!). Ein vorbeilaufender amerikanischer Tourist erklärte mir den Weg und empfahl,  die Metro zu nehmen, weil ich mich weit vom Gyeongbokgung entfernt hatte. Nach diesem, wenn auch liebenswerten, Erlebnis kaufte ich mir sofort eine koreanische SIM Card für mein Smartphone.

Dann stellte ich fest, dass Google Maps auch online in Südkorea nicht ausreichend funktioniert. Fußwege werden  nicht angezeigt und Busverbindungen existieren z.T. nicht so wie angezeigt. In Südkorea lässt die Regierung aus Sicherheitsgründen den Online-Kartendienst nur eingeschränkt zu wegen des Konflikts mit Nordkorea. In Seoul konnte ich „City Mapper“ verwenden, sogar auf Deutsch, und damit war mein Navigationsproblem vorerst gelöst.

Mein nächster Stop war Gangneung. Im Hotel hatte ich angefragt, wie ich vom Bahnhof am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin gelangte. Der Rat lautete kurz und bündig „Take a taxi.“ Vor dem Bahnhof stand eine Reihe Taxis. Sie fuhren vor, um die Passagiere aufzunehmen. Der Fahrer öffnete die Kofferraumklappe von innen. Ich hatte alle Mühe, meinen schweren Koffer in den hochgelegenen Kofferraum zu hieven, musste mehrmals ansetzen und das dauerte etwas. Der Fahrer stieg nicht aus, um mir zu helfen, sondern rief aus dem Fenster gelehnt, dass ich mich beeilen sollte. Im Auto zeigte ich ihm die koreanische Schreibweise meiner Hoteladresse. Als ich ihn dann noch fragte, was die Fahrt kosten würde, schrie er mich an, natürlich auf Koreanisch. Ich war erst einmal fassungslos und dann froh, als er mich vor dem richtigen Hotel absetzte.

Dort probierte ich City Mapper aus, um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, da ich auch keinen Stadtplan im Hotel bekommen hatte. (Es gab wirklich keinen, selbst in der ansonsten sehr hilfreichen Touristeninformation am Bahnhof mit einem excellent Englisch sprechenden Mitarbeiter. Von ihm erfuhr ich dann die Basics, Busverbindungen zum Strand, wie heißt die Haltestelle, an der ich aussteigen muss, um zum Hotel zurückzukommen, o.Ä). City Mapper meldete mir, dass ich mich nicht in Seoul befinde, daher funktioniere es nicht. Ich versuchte wieder einmal,  die Naver App herunterzuladen, die in Korea jeder benutzt und die Fußwege und alle Verkehrsverbindungen sogar mit Preisen anzeigt. Das klappte allerdings nur in der koreanischen Variante mit Hangeul Schriftzeichen.

Als ich vom Strand zurückkam, bummelte ich noch durch die Innenstadt und dann wußte ich nicht genau, wo sich mein Hotel befand. Da ich vor einer weiteren Touristeninformation stand, ging ich hinein und fragte nach. Dort sprach man kein Englisch. Kein Problem dachte ich und zeigte die koreanische Adresse meiner Buchung.  Leider verstanden die beiden Damen überhaupt nicht, was ich wollte. Suchte ich ein Hotel zum Übernachten ? Nachdem ich selber ein bisschen mit Google Maps herumprobiert hatte, sah ich das Hotel, den einzigen Wolkenkratzer in der Gangneunger Innenstadt, nicht weit entfernt. Prima, dachte ich, und fotografierte das Gebäude für den Fall, dass ich wieder einmal jemand fragen musste. Zwei Tage später sollte ich feststellen, dass das nichts änderte. Die Passanten, die ich um Auskunft bat, kannten das markante Gebäude  nicht.

Am nächsten Morgen war dringend mein Bargeldproblem zu lösen. Zwar konnte man überall die Kreditkarte benutzen, aber auf die Dauer wollte ich nicht jeden Kaffee damit bezahlen. In Südkorea geht man zu einer Bank , um am Automaten Geld zu holen, im Seven Eleven,  wie in Japan und Taiwan, funktioniert es mit ausländischen Karten nicht. Aber auch die Bankautomaten hatten kein Geld herausgerückt, man braucht einen „Global ATM“. Danach  fragte ich die Dame an der Hotelrezeption, worauf sie erwiderte „Oh, I don’t know“ und keine Anstalten machte, irgendwie zu helfen. Auf meine weitere Frage, wie ich zum Busbahnhof käme, wo ich mich wegen meiner Weiterfahrt erkundigen wollte, entgegnete sie „Why don’t you take a taxi ?“ Nun  ja !

Den Bankautomaten fand ich selber, aber dann stand ich an einer Haltestelle, an der im Minutentakt Busse abfuhren und wußte nicht, welcher zum Busbahnhof fuhr. Sobald man im richtigen Bus saß, war übrigens alles gut, die Haltestellen wurden auch auf Englisch angesagt. An der Haltestelle warteten sehr viele Leute, von denen ich einige nach dem Bus zum Busterminal fragte. Zuerst sprach einen jungen Mann an, weil ich dachte, dass die Jugendlichen in der Schule bestimmt Englisch lernen. Wie dem auch sei, er griff zu seinem Handy. Aber statt über Google Translate  zu helfen, fing er an zu telefonieren. Andere schüttelten  auf meine Frage hin den Kopf und sagten „No English“  oder zuckten mit den Achseln, ohne etwas zu sagen. Schließlich erbarmte sich eine ältere Frau und gab mir ein Zeichen, dass sie auch zum Busbahnhof fuhr.

Ähnliche Erlebnisse hatte ich immer wieder an Bushaltestellen. Schließlich gelang es mir „Naver“ auf Englisch herunter zu laden, so dass fast alle Nachfragen entfielen. Manchmal musste ich aber doch etwas fragen, z.B. zeigte die App oft nicht genau die Straßenseite der Bushaltestelle an. In Jeju City hielt der Bus direkt vor dem Hotel, aber der vielsilbige Name der Haltestelle war für mich nur schwer auszusprechen. Das führte dazu, dass ich keine Antwort bekam, weil ich z.B. eine Silbe falsch betont hatte. Auch das Vorzeigen des in Hangeul geschriebenen Namens half  oft nicht weiter. In Korea war ich froh, wenn ich die U-Bahn benutzen  konnte, da das System sehr einfach zu verstehen ist.

Am Bus Terminal  wollte ich ein Ticket nach Gyeongju für den nächsten Tag kaufen. Ich ahnte nicht, dass dieses Vorhaben zu größeren Unwägbarkeiten führen würde. Die Dame am Schalter verstand mich nicht und schickte mich zur Tourist Information, die sich im gleichen Gebäude befand. Meine Frage nach der Busverbindung konnte dort mangels Fremdsprachenkenntnissen zunächst nicht beantwortet werden. Ich wurde aber mit einer Englisch sprechenden Mitarbeiterin verbunden. Diese erklärte mir, dass ich nur die Fahrt bis nach Pohang buchen könne, von dort aber in kurzen Abständen Busse nach Gyeongju führen. Mit dieser Information ging ich zurück an den Schalter, um ein Billet nach Pohang lösen. An der Anzeigetafel hatte ich gesehen, dass es eine Verbindung um 9:30 Uhr gab. Zu der Dame am Schalter sagte ich, dass ich für folgenden Tag , dem 19.4., den Bus zu dieser Zeit nehmen wollte. Sie fragte „Day?“ und ich antwortete „19“. Daraufhin sie wieder „Day?“ und ich etwas lauter als vorher „19“. Ich malte die Zahl mit dem Finger auf, einen Stift hatte ich leider nicht dabei. Die Dame wollte mir ihren Stift nicht geben und so führten wir unseren unfreundlicher werdenden Austausch fort. Schließlich wurde ich wieder zur Touristeninformation geschickt. Nachdem ich erneut mit der englischsprechenden Angestellten telefoniert hatte, bat diese eine der beiden Damen in der Info, mit mir das Ticket kaufen zu gehen !

Während der mehrstündigen Fahrt nach Pohang graute es mir vor dem nächsten Ticketkauf. Aber überhaupt kein Problem ! Wie es mir geraten worden war, zeigte ich auf den koreanisch geschriebenen Namen meines Ziels ( koreanische Ortsnamen werden oft anders ausgesprochen als in der lateinischer Umschrift, da kann man bei mündlicher Bestellung leicht woanders landen), erhielt ein Billet für den nächsten Bus und meine Frage nach dem Bahnsteig wurde in perfektem Englisch beantwortet.

Im Nachhinein betrachte ich meinen Aufenthalt in Gangneung als den Tiefpunkt meiner Reise. Ähnliches hatte ich bei mehreren selbstorganisierten Reisen durch Asien noch nicht erlebt. Während meines fast dreitägigen Aufenthalts in der Stadt sah ich aber auch  nur einen westlichen Besucher und zwar in Begleitung einer koreanischen Frau.

„Koreaner sind etwas rauhbeinig“

Es handelt sich um ein Zitat einer Amerikanerin koreanischer Abstammung, die ihre Landsleute als „ A little rough“ bezeichnete.

In Japan begegnet man einer unglaublichen Höflichkeit. Japaner entschuldigen sich ständig, beim nichtigsten Anlaß, z.B. wenn sie dir in einer Menschenmenge entgegenkommen und du einen kleinen Schritt zur Seite gehen musst, um ihnen auszuweichen. Manchmal war mir es fast zu viel. Nach dem Einchecken im Hotel brachte mich eine Angestellte zum Aufzug und verbeugte sich immer wieder lächelnd, bis die Tür geschlossen war. Das fand ich übertrieben und es zuckte mir  in den Fingern, den Knopf zu drücken, um die Aufzugstür schneller zu schließen, aber das wäre sicher sehr unhöflich gewesen.

In Korea sind viele Leute in der Öffentlichkeit unterwegs und man wird sehr oft angerempelt. Zuerst dachte ich, es läge an meinem Day Pack, der mir oft vollgepackt vom Rücken herunterhing, so dass ich mehr Platz einnahm als andere Passanten, was von den Vorbeigehenden nicht bemerkt wurde. Ich gewöhnte mir an, in einer Menschenansammlung den Rucksack eng am Körper oder vorne zu tragen. Aber das änderte nichts. Alt und Jung schrammten an mir vorbei. Einmal filmte ich eine Karatevorführung. Aus dem Augenwinkel sah ich eine ältere Frau, die direkt hinter mir vorbeigehen wollte. Ich legte Wert darauf, dass meine Aufnahme nicht verwackelte und ging vorsichtig einen Schritt nach vorne. Zack, die Gute rannte gegen meinen Rucksack. Ich setzte erneut zum Filmen an, da kam sie zurück und dieses Mal rannte sie mich fast um. Am meisten erstaunte es mich, dass sich bei diesen Gelegenheiten, die ja mal vorkommen können, niemand entschuldigte. Die Einheimischen,  Kinder und Erwachsene,  gingen wortlos weiter. Manchmal schaute ich sie fragend an, wartete auf ein „Sorry“ oder vielmehr ein „Byeonmyeong“ , aber das kam nicht. Es fällt mir schwer, es zu sagen, aber koreanische Passanten, die dich anrempeln, entschuldigen sich nicht. Es scheint nicht zu ihrer Kultur zu gehören.

In Unterkünften habe ich dagegen oft „Sorry !“ gehört. Das bedeutete,  dass ein Service nicht angeboten wurde und damit hatte es sein Bewenden. In meinem Hotel auf Jeju gab es z.B. nur am ersten Tag Frühstück. Dann hing ein Schild im Aufzug, dass es bis auf weiteres kein Frühstück mehr gab und es folgte  „ We’re sorry to give you an inconvience“. Ich übernachtete dort mehrmals  und legte Wert auf die Mahlzeit im Haus, ein Minifrühstück hätte mir gereicht. Aber auf meine Nachfragen entgegnete das Personal stets nur „Sorry !“, ohne mir eine Alternative anzubieten.

Fazit:

Reisen in Korea hatte ich mir anders vorgestellt. Wenn ich jemand ansprach, grüßte ich zuerst freundlich lächelnd („Annyeonghaseyo“ oder „Haseyo“) und bedankte mich mit „Kamsahamnida“.  Zum Teil begegnete ich einer geringen Hilfsbereitschaft, eher selten auf unfreundliche Reaktionen, die mich schlucken ließen. In Seoul und Busan, aber auch in Gyeongju, habe ich dagegen häufig nette Einheimische getroffen, mit denen ich mich gut verständigen konnte, auf Englisch, mit der Unterstützung von Google Translate, altmodisch mit Zeichensprache oder einer Kombination von alledem.

Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, zuerst nach Korea zu reisen und sich danach über die  höflichen und lieben Japaner zu freuen.

In Taiwan, das ich danach bereiste, habe ich die fantastische Hilfsbereitschaft der Einheimischen kennengelernt, Impressionen aus Taiwan,  die  sich über die wenigen westlichen Touristen regelrecht zu freuen schienen und mir ihre Hilfe anboten, bevor ich gefragt hatte.

Wart ihr schon in Südkorea unterwegs und wie habt ihr die Reise  erlebt ?

Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich immer sehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wandern in Südkorea

Wandern, ein bißchen was geht immer

Wie schon berichtet  Meine andere Südkoreareise
konnte ich in Südkorea nicht so viel in den Nationalparks wandern wie geplant. Während meiner Reise nutzte ich aber jede Gelegenheit zu kurzen Wanderungen und Spaziergängen. Auf Jeju Island unternahm ich sogar eine Bergwanderung im Gebiet des 1950 m hohen Hallasan, dem höchsten Berg des Landes.

Wanderparadies Busan

In der Nähe der zweitgrößten südkoreanischen Stadt Busan mit 3,5 Mio. Einwohnern, gibt es gute Wandermöglichkeiten, die mit der Metro und dem Bus gut zu erreichen sind. Das habe ich genutzt, soweit es das leider ziemlich bescheidene Wetter während meines Aufenthalts zuließ.

Zunächst ging ich den Igidae Cliff Walk, einen ca. 5 km langen Weg der an den Klippen entlang führt. Dort ergaben sich bei leider nicht idealem, aber immerhin gerade noch trockenen, Wetter wunderbare Ausblicke auf die Felsenküste und die Skyline von Busan.

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Außerdem lernte ich meine erste Lektion über koreanische Wanderwege. Sie sind über weite Strecken aufwändig, geradezu liebevoll und sehr sicher angelegt. In Korea führt man außerdem Wanderwege nicht in Serpentinen auf- und abwärts, sondern es geht in der Regel steil in die Höhe bzw. in die Tiefe. Das ist lediglich anstrengend, wenn es einen Treppenweg gibt und teilweise haarig beim Bergabgehen. Zu Beginn sind die felsigen Abschnitte aber mit Matten verkleidet.

Der Cliff Walk verlief entlang der Klippen, war aber an keiner Stelle gefährlich. Nur ging es jedesmal, wenn man Stufen hinaufgekraxelt war, sofort wieder bergab und immer so weiter …. Trotz der kurzen Strecke fühlte ich mich am Ende durchaus ausgelastet.

An einem Tag, als es sehr trüb aussah und Regen angesagt war, besuchte ich den Beomosa Tempel, der als der schönste Tempel von Busan gilt und etwas außerhalb der Stadt in einer schönen grünen Umgebung liegt. Für den Fall, dass das Wetter halten würde, zog ich Wanderschuhe an. Es blieb zwar recht diesig, aber es regnete nicht, so dass ich oberhalb des Tempels wandern konnte.DSC01796 - Kopie

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So richtig Lust zum Wandern hatte ich nicht, hoffte fast, dass es doch noch regnen würde, aber die Wächterfiguren am Eingang des Tempfels schauten mich so streng an, dass ich doch noch loszog.
Nun lernte ich eine weitere Variante des koreanischen Wanderwegs kennen. Ihr fragt euch sicher, wo auf den folgenden Fotos der Wanderweg verläuft oder ob ich in einem trockenen Bachbett fotografiert habe. Ja, genau so ging es mir auch !

Eine Stunde lang ging es mäßig steil bergauf bis zur Mauer der Geumjeongsan Fortress. Von der Festung ist nichts mehr zu sehen, aber an der Mauer entlang verläuft ein Wanderweg. Nachdem ich durch das North Gate (s. Beitragsbild) gegangen war, überlegte ich, ob ich die Abzweigung zum Geumjeongsan Mountain (801m) nehmen sollte. Dann fielen ein paar Tropfen Regen und ich wußte nicht, wie steil es werden würde, daher folgte ich weiterhin der Festungsmauer. Vorgestellt hatte ich mir einen schönen ebenen Weg. Allerdings blieb alles beim bekannten koreanischen Wandermuster. Es ging steil bergauf und direkt wieder bergab im stetigen Wechsel, mit Treppen oder über Felsen. Eine Niederländerin, die mir entgegenkam, erzählte mir, dass der Weg nach Busan, den man entlang der Festmauer weiter gehen konnte, sehr steil sei. Sie hatte nicht gesehen, ob die Seilbahn, mit der ich nach unten fahren wollte,  in Betrieb war. Ich folgte dem Weg bis zum 4. Wachtturm und kehrte dann um.

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Wie so oft, bot der Rückweg auf dem selben Weg veränderte Lichtverhältnisse und andere Perspektiven und gefiel mir sehr gut. Auf dem letzten Stück musste ich mich dann sehr konzentrieren, um nicht auf den glatten Steinen auszurutschen.

Am meinem letzten Tag in Busan herrschte endlich schönes Sonnenwetter. Den Vormittag vor dem Abflug zur Insel Jeju verbrachte ich im Taejondae Park. Dort spaziert man auf einem asphaltierten Weg in einer guten Stunde rund um den Leuchtturm und kann  grandiose Ausblicke  genießen. Vom Weg zum Leuchtturm führen natürlich wieder zahlreiche Stufen hinab und wieder hinauf.

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Wandern auf der Insel Jeju mit langen Anfahrten

Auf Jeju gibt es Busbindungen, die quer über die Insel führen. Außerhalb der Inselhauptstadt Jeju-si fahren die Busse nur stündlich oder noch seltener und die Umsteigeverbindungen passen oft nicht.

Meine Anfahrt zum Start des Jeju Olle Trail Nr. 1 dauerte zwar nur 1,5 Stunden.
Allerdings gab es mit dem Local Bus 75 Haltestellen und auf dem Rückweg waren es sogar knapp 100.

Der Olle Trail geht in 21 Etappen über 425 km rund um die Insel und zwar meistens an der Küste entlang. Ich hatte den Startpunkt des Olle gewählt, weil die Strecke als landschaftlich schön gilt und um im Information Center Karten zu holen. Auch fragte ich mich, wie ich zurückfahren konnte. Meine Navigationsapp (in Südkorea am besten „Naver“) hatte mir verraten, dass am Zielpunkt dem Gwangchigi Beach ein Bus um 15 Uhr fuhr und der nächste erst um 19 Uhr. Die Rückfahrt sollte zwei Stunden dauern. Im Informationscenter gab es keine Karten, keinen Fahrplan mit Busverbindungen und der gute Mann verstand kein einziges Wort Englisch. Auch die Anwendung von Google Translate führte nicht dazu, dass er versuchte, mir zu helfen. Als er mich nach einer guten Viertelstunde fragte, ob ich die Bushaltestelle suchte, und zwar diejenige von der ich gerade kam, verließ ich das Center und fragte mich, warum es dort zu einer der Haupttouristenattraktion der Insel sowenig Information gab.
Frustiert war ich zwar schon,  aber meine neuen Wanderschuhe ließ ich nicht stehen, sondern begann zügig die 15 km lange Wanderung.

dsc01939-kopie.jpgDer Trail begann in Stufen und mit sehr schönen Aussichten über die Vulkaninsel Jeju, auch wenn es sehr diesig war.

Der Weg war sehr gut mit farbigen Bändern markiert, wobei die Markierungen an den Abzweigungen sehr gewöhnungsbedürftig waren. Blau markiert den Weg und Rot steht für den Rückweg. Aber was meint ihr, in welche Richtung zeigt der Pfeil ? Ich dachte dorthin, wo die längere Seite liegt, was nicht richtig war, und verlief mich gleich. Mit zwei netten koreanischen Wanderinnen lief ich mehrmals hin und her, bis wir, uns mit Händen und Füßen verständigend, feststellten, dass sie in der orangen Richtung unterwegs waren und ich in der blauen. Außerdem verstand ich nun das Zeichen und fand die Abzweigung.
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Der Weg verlief noch eine Weile durch die schöne Vulkanlandschaft und ich entdeckte noch einige kleine Oreum (Plural ?), winzige Kegel erloschener Vulkane, die auf Jeju in unterschiedlichen Größen zu sehen sind.

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Nach ca. 6 km  führte der Jeju Olle leider entlang der Küstenstraße. Sie war zwar nicht stark befahren und bot interessante und schöne Ausblicke, aber das Wandererlebnis war auf der Asphaltstraße beeinträchtigt.

Schließlich begann es zu regnen. Eine Weile spazierte ich mit dem Regenschirm. Als der Niederschlag stärker wurde und ich an einer Haltestelle einen Bus sah, mit dem man zurückfahren konnte, brach ich die Wanderung nach ca. 12 km ab, nicht ohne einen letzten Blick auf die Zielregion am Seongsan Ilchulbong Peak zu werfen.
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Bei sehr diesigem Wetter startete ich meine Wanderung im Hallasan National Park. Bis zum Gipfel des 1950 m Berges zu gehen, eine Tour von bis zu 9 Stunden hin- und zurück, traute ich mir nicht zu. Stattdessen wählte ich die landschaftlich sehr schöne Strecke über den Yeonsil Trail, der bis auf 1700 m Höhe ansteigt und dann am Hallasan entlang zum Witse Oreum und wieder zurück verläuft. Der weitere Anstieg zum Gipfel ist seit Jahren zur Schonung der empfindlichen Flora und Fauna gesperrt.
Aber zunächst musste ich fast zwei Stunden mit dem Bus zum Trail Entrance fahren, eine mißverständliche Bezeichnung, weil es von der Bushaltestelle noch 2,7 km bergauf zu gehen galt, bis der Wanderweg beginnt.
Zunächst ließ sich alles recht harmlos und  gepflegt an, auch wenn es wieder einen Hinweise auf Reptilien gab.

Sehr bald ächzte ich mit zahllosen anderen Wanderern nicht endenwollende steile Treppen an einem Grat entlang nach oben. Dieser Teil der Wanderung bot auch wunderbare Ansichten der dramatischen Felslandschaft. Leider befanden wir uns aufgrund der Höhe noch in einer kargen Winterlandschaft.
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DSC09953Nach dieser Kraftprobe spazierten wir durch eine fast ebene Gegend mit kleinen Bergwäldchen, meistens über Holzstege aber zwischendurch war Balancieren über Steine angesagt.


Auf 1700 m Höhe liegt die Raststation. Dort packten die koreanischen Wanderer ihre Picknickvorräte aus. Ich hatte gelesen, dass es Instant Ramen geben sollte. Allerdings war die Hütte geschlossen, so dass ich mit meinem Rice Cake und der warmem Cola vorlieb nehmen musste.

Ich lief dann noch ca. 150 m bergab (und danach wieder bergauf zur Hütte) zum Endpunkt des Weges am Witse Oreum. Das war der schönste Teil, weil man nun eine Stunde lang am Hallasan Gipfel entlang lief. Außerdem klarte es auf und wurde fast sonnig.
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Bei der Hütte erholte ich mich noch kurz und dann begann der lange steile Abstieg. Nach sechs Stunden kam ich wieder am Ausgangspunkt des Trails an. Nachdem ich noch eine gute halbe Stunde zur Bushaltestelle gelaufen war, trat ich geschafft aber glücklich den Heimweg an.

Fazit zum Wandern in Südkorea


Wandern in Korea ist etwas ganz Besonders. Der Wanderer wird einesteils überbehütet, es gibt sogar Durchsagen am Wegesrand (die ich nicht verstanden habe), aber dann geht der übermäßig sichere Weg mit Geländer mit einem Mal in ein Kletterlabyrinth über.
Ich hatte mich darauf verlassen, dass ich vor Ort in den Nationalparks Karten und Informationen zum Charakter der Wege erhalten würde. Das war nicht der Fall, meistens waren die Stellen geschlossen. Habe daher  beschlossen, mich mit den Möglichkeiten von GPS Tracks zu befassen,  um künftig besser vorbereitet zu sein.

Sehr nett waren meine koreanischen Mitwanderer, die immer freundlich grüßten und es auch ohne Englischkenntnisse schafften, mir den Weg zu zeigen, wenn die Beschilderung für mich unverständlich war. Manche steckten mir auch Bonbons und andere kleine Süßigkeiten zu. Beim Wandern habe ich die Einheimischen als entspannt und für Fremde aufgeschlossen erlebt, was ansonsten nicht immer der Fall war.

Obwohl die Vegetation unserer eigenen ähnelt, sieht es durch die relativ steilen Hänge und die dazwischen getreuten Felsen sowie den einen oder anderen Tempel am Wegesrand doch exotisch aus.

Wandern hat mir in Korea am besten gefallen!

Seid ihr schon in Südkorea gewandert und wie waren eure Erfahrungen ?

Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich immer sehr.

 

Kurioses und Geniales aus Südkorea

Subjektives

Nach meiner dreiwöchigen Reise durch Südkorea kann ich keine umfassende Gesellschaftsanalye liefern. An dieser Stelle soll es darum gehen, einige koreanische Besonderheiten  aus der subjektiven Sicht einer Reisenden zu schildern.

Türschlösser

Koreanische Schlösser funktionieren ohne Schlüssel und  batteriebetrieben. Auch im Hotel muss oft ein Zahlencode eingegeben werden und natürlich ein anderer für die Zimmer- und die Eingangstüre. Die PIN muss man sich merken, sonst kommt man, wenn die Rezeption nicht durchgehend besetzt ist, nicht herein. Sobald die Türe geschlossen ist, schließt sie automatisch, läßt sich aber von innen öffnen. Fällt die Türe nicht von alleine ins Schloß oder zögert man auch nur einen Moment, sie zu schließen, ertönt ein durchdringender Warnton. Auf der anderen Seite schließen Fenster mit einem altmodischen Hebel, der oft so angebracht ist, dass es klemmt.

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Selfies

Koreaner lieben es, sich zu fotografieren, am besten in einer Gruppe,  von der nacheinander zahlreiche Einzel- und Gruppenbilder geknippst werden. Es ist wirklich schwer,  an touristisch interessanten Orten als Einzelreisender beim Fotografieren zum Zug zu kommen. Einige Male, z.B. auf einem Wanderweg, wäre ich fast gestolpert, weil jemand plötzlich dicht vor mir stehen blieb, sich in Positur stellte, oft auf einem Bein stehend, um mit ausgestrecktem Arm ein Selfie zu schießen. Einen geschminkten jungen Mann  beobachtete ich, wie er sich in der Ubahn von allen Seiten fotografierte und dann wild auf seinem Smartphone zu tippen begann, wahrscheinlich um das Ganze zu posten.

Kosmetikmarkt und Schönheitskult

In koreanischen Städten gibt es komplette Malls nur mit Kosmetikprodukten. Diese werden in einem aufwändigen mehrstufigen Prozess angewendet. Zur Pflegeroutine einer Koreanerin gehören die Anwendung von Waschgel, Peeling, Toner, Creme,  einer Essenz, sowie eines Serums, das regelmäßig in die Haut einmassiert wird. Ein Hautpflegeprogramm kann aus bis zu zehn Schritten bestehen!
Gelesen habe ich, dass sich sehr viele Koreaner, nicht nur weiblichen Geschlechts, Schönheitsoperationen unterziehen. Gutes Aussehen ist wichtig auf dem Heiratsmarkt und für den beruflichen Erfolg. Sehr verbreitet ist die Korrektur des asiatischen Monolids zu einem doppelten Augenlid, um die Augen größer aussehen zu lassen. Nasenkorrekturen sind ebenfalls beliebt. Einige Koreaner lassen sich auch den Kiefer und die Beine brechen, um das Kinn in eine V-Form zu bringen bzw. eine Verlängerung der Beine zu erreichen. Aufgefallen ist mir jedenfalls, dass es eine Vielzahl von Schönheitschirurgen gibt, in Busan sogar eine Medical Street mit einem breiten Angebot.

Sportliche Koreaner

Gestaunt habe ich über die oft älteren Koreaner, die beim Wandern auf den steilsten Wegen in warmer Funktionskleidung an mir vorbeizogen, ohne angestrengt zu wirken.

Gesehen habe ich öffentliche Tanz- und Kampfsportvorführungen von Jugendlichen, deren akrobatischen Einlagen mich staunen ließen.

In den Parks und in den Wohnanlagen gibt es oft öffentlich zugängliche Fitnessgeräte, die häufig genutzt werden. Baß erstaunt war ich,  als ich diese Geräte auch noch an den durchaus steilen Wanderwegen sah.

 

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Gigantisches

In Korea liebt man es, groß und hoch zu bauen und zwar in gigantischem Ausmaß. Die Standardappartmentanlage besteht aus vielen hohen Türmen, die dicht hinter- und nebeneinander stehen. Eine Koreanerin versicherte mir, dass es sich hier keineswegs um soziale Brennpunkte handelt, sondern dass diese Wohnanlagen sehr begehrt  und die Immobilienpreise entsprechend hoch sind.

Statt vieler Worte ein Foto aus dem Nationalmuseum in Seoul, das im Übrigen einen ausgezeichneten Überblick über die koreanischen Kulturen vermittelt. Dort wurde ich auf die Silla-Kultur aufmerksam und beschloss, nach Gyeongju zu fahren (Bericht Gyeongju: ein „Museum ohne Mauern“ in Südkorea

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In Busan befindet sich das größte Kaufhaus der Welt, das Shinsegae Centum City. Neben einer riesigen Foodhall und vielen Etagen mit unzähligen Shops der gängigen Nobelmarken aus der ganzen Welt kann man dort gepflegt Eislaufen, in mehreren  Driving Ranges und Putting Greens das Golfhandicap trainieren und verschiedene Restaurants und  Kinos besuchen.

Lotte Corporation

Die Lotte Corporation ist nicht das größte Unternehmen im Lande, das sind Samsung und Hyundai, aber da es sich um einen Mischkonzern handelt, begegnet man den Produkten und Dienstleistungen der Firma laufend.
Die Lotte Corporation ist ein international tätiger Multikonzern, der 1948 zunächst in Tokio von dem Koreaner Shin Kyuk-Ho gegründet und seit den neunzehnhundert siebziger Jahren schwerpunktmäßig nach Südkorea verlagert wurde. Das Unternehmen beschäftigt dort mehr als 50.000 Mitarbeiter.
In Korea habe ich Lotte Lebensmittel, vor allem Süßigkeiten, gesehen und Lotte Immobilien  im Luxusbereich, das Gleiche gilt für Lotte Hotels. Am Flughafen bin ich einmal in der Lotteria eingekehrt, einer Burgerkette. Es gibt die Lotte Department Stores und Malls, den Lotte Mart, einen Discounter, und Lotte Spielbanken. Laut Wikipedia ist Lotte außerdem in vielen weiteren Branchen, u.a. Finanzdienstleistungen, Petrochemie und in der IT- Beratung tätig. In Seoul gibt es die Lotte World, einen großen Freizeitpark, der hauptsächlich in einer großen Halle untergebracht und laut dem Guiness Buch der Rekorde der weltweit größte Indoorfreizeitpark ist. Als wäre das alles noch nicht genug: die Firma baute in der südkoreanischen Hauptstadt noch den Lotte Tower, das mit 555 m höchste Geäude in Asien und das fünfhöchste der Welt. Auf den Lotte Tower bin ich nicht gefahren. Während meines Aufenthalts in Seoul schien zwar häufig die Sonne. Wegen der Luftverschmutzung war die Sicht aber ziemlich diesig.
Der Gründer Shin Kyuk-Ho war übrigens so begeistert von den „Leiden des jungen Werther“ von Goethe, dass er seine Firma nach der weiblichen Hauptperson benannte.

T-Money Card

In Südkorea habe ich mir gleich nach meiner Ankunft die T-Money Card zugelegt, eine Prepaidkarte. Man kauft sie am Automaten in der Metro oder im Convience Store (z.B. Seven Eleven) für einen geringen Betrag von ca. drei Euro, lädt sie am Automaten auf (Menuführung lässt sich auf Englisch umstellen) oder bittet einen Angestellten im Laden darum. Mit der Karte kann man landesweit in fast allen öffentlichen Verkehrsmitteln, zum Teil auch in den Taxis bezahlen, in dem man sie beim Einsteigen  auf einen Scanner legt. Beim Aussteigen scannt man noch einmal, dann wird der fällige Betrag abgebucht und das Restguthaben angezeigt. Man kann auch im Convenience Store mit der Karte einkaufen.  Das Wiederaufladen findet genauso einfach im Laden oder am Automaten statt. Das nächste Mal, wenn ich in einer deutschen Stadt ratlos vor einem unbekannten Fahrkartenautomaten stehe und nicht weiß, welches Ticket ich brauche, werde ich wehmütig an die T-Money Card denken. Prepaid Karten gibt es übrigens auch in Japan (z.B. ICOCA Card) und in Taiwan (Easy Card).

Zwei Themenbereiche sind etwas umfassender, daher werde ich ihnen jeweils ein Special widmen.

Koreanisches Essen und wie esse ich mit den glatten Metallstäbchen Nudelsuppe ?

Essen in Südkorea oder wie esse ich mit glatten Metallstäbchen Nudelsuppe?

und

Koreaner entschuldigen sich nicht.

Begegnungen in Südkorea

Was ist euch auf Reisen besonders aufgefallen ? Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

Wenn es euch interessiert, was ich in Korea ansonsten erlebt habe, dann schaut doch einmal hier

Meine andere Südkoreareise