Jordanien Rundreise im November 2018 (6)

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English Text below !

9. und 10.11.2018 – Amman und Ende

An meinem letzten Tag in Amman lief ich morgens zur Zitadelle. Am 1st Circle merkte ich, dass ich in die falsche Richtung gelaufen war. Na super ! Ich kehrte um und fand den Weg zur Hussein Moschee im Basar Viertel von Amman ohne Probleme. Am Freitag morgen waren viele Geschäfte geschlossen, aber trotzdem herrschte schon viel Betrieb in der Nähe der Märkte. Nachdem ich mehrere Verkehrspolizisten nach dem Gold-Suq gefragt hatte (Inzwischen hätte ich wissen müssen, dass diese freundlichen Leute in der Regel kein Englisch beherrschen. Warum? Schaut doch mal hier: Jordanien Rundreise im November 2018 (5) Amman ), wurde ein Kollege gerufen, der meine Frage verstand und mir den Weg zeigte.

Der Gold-Suq war leider am Freitag geschlossen.  Als ich auf meiner Karte den Weg zur Zitadelle suchte, kam ein Mann mit seiner Familie vorbei, fragte mich, ob er mir helfen könne und beschrieb mir den Weg („Only five minutes!“). Ich lief dann eine ganze Weile den Berg hinauf, wobei auf der Straße nur noch Autoverkehr unterwegs war. Dann sah ich über mir eine weitere Straße, die auf der Höhe der Zitadelle verlaufen musste und fand schließlich auch eine Treppe, die mich dorthin brachte. An der Festungsmauer angekommen suchte ich mit weiteren Touristen den Eingang. Es stellte sich heraus, das wir auf der Rückseite der langgezogenen Festung waren und zum Eingang fast um den gesamten Komplex herum laufen mussten. Am Eingang war Einiges los. Aus vielen parkenden Bussen strömten die Reisegruppen in die Ausgrabungsstätte. Hinter der Kasse trank ich zunächst einen Kaffee, um mich von dem anstrengenden Anstieg zu erholen, und beobachtete die anderen Besucher. Die Ruinen auf dem Zitadellenhügel waren längst nicht so gut erhalten wie diejenigen in Jerash. Faszinierend fand ich aber, dass die Hauptstadt seit der Bronzezeit, zu biblischen Zeiten, während der Ära der Griechen und Römer bis in die Neuzeit durchgehend besiedelt war. Neben einer byzantinischen Kirche, gab es unter anderem römische Ruinen und Reste der ausgedehnten Umayyaden Stadt aus dem 8. Jahrhundert zu sehen. Im biblischen Zeitalter hieß die Stadt Rabbath-Ammon, die Griechen nannten sie Philadelphia (!), seit der islamischen Eroberung wurde zunehmend der Name Amman gebraucht.

Beim Besuch des römischen Theaters (aus dem 2. Jahrhundert, ca. 6000 Sitzplätze) am Fuß des Zitadellenhügels  verzichtete ich ausnahmsweise darauf, die sehr steilen Stufen bis ganz oben zu erklimmen. Das sprach dafür, dass meine Aufnahmekapazität für neue Eindrücke erreicht war.

Jordanien (415)

Spontan beschloss ich, keine Altertümer mehr anzuschauen. Allerdings gab es auf meinem Weg noch das Odeon (wo ich letztmalig meinen elektronischen Jordan Pass vorzeigte) und das Nymphäum (wurde gerade restauriert). Weitergehen konnte ich dann doch nicht so einfach, schoss aber keine Fotos mehr …

Nach einem Gang durch die Märkte in der Nähe der Hussein Moschee reichte es mir endgültig und ich wollte den Nachmittag gemütlich im Wild Jordan Café beschließen.

Leider funktionierte das GPS gerade wieder nicht und die klassische Kartennavigation half auch nicht weiter. Ich fragte mehrere Passanten nach dem Weg, von denen einige sofort abwinkten und „No Englisch!“ riefen. Andere meinten, das Café sei gleich um die Ecke („Only three minutes“). Schließlich sprach ich zwei junge Frauen an, die in sehr gutem Englisch antworteten und mir auch noch anboten, mich in ihrem Wagen hinzufahren. Das Wild Jordan lag unterhalb der Rainbow Street. Vom Hotel aus hätte ich es ohne Weiteres gefunden. Im Café, das einen sehr schönen Blick auf den Zitadellenhügel bot, bestellte ich mir einen Latte Macchiato und ein Stück Karottenkuchen (himmlisch !). Ich unterhielt mich sehr nett mit zwei jungen Engländerinnen, zu denen ich an den Tisch gesetzt worden war, und sank, nachdem die beiden gegangen waren, tief in die weichen Kissen und bestaunte die Aussicht.
Jordanien (425)

Am Abend nach dem Kofferpacken ging ich ins „Hashem“, das berühmte vegetarische Restaurant in einem überdachten Innenhof, in dem voll verschleierte Frauen mit Familie, sowie Gruppen mit Kopftuch tragenden Frauen und Jordanier mit westlicher Bekleidung aber auch zahlreiche Touristen saßen.

Der Campingtisch erhielt einen frischen Plastiküberzug, sobald ich mich hingesetzt hatte, und dann sollte ich bestellen. Eine Speisekarte gab es nicht. Der Kellner ging mit mir durch das Restaurant und zeigte auf die gerade servierten Gerichte. Ich aß eine scharfe Bohnentunke mit Kichererbsen, eine kleine Portion köstlicher Falafel, einen Tomatensalat mit viel Minze und Fladenbrot. Mit einer Gruppe hätte man noch mehr Schälchen bestellen können. So hatte ich alle Mühe, die Menge zu bewältigen und war froh, dass das bestellte Hummus nicht mehr  kam. Schließlich bekam ich noch einen großen Becher mit kochend heißem Minztee. Ich folgte dem Rat des Kellners und warf die Minzstengel, mit denen der Salat garniert war,  in den Teebecher. Das Ergebnis war ein ziemlich leckerer starker Pfefferminztee.

Während ich aß wurde eine mit einem Hijab verschleierte Frau in die hinterste Ecke geführt, wo sie sich mit Ehemann und Sohn an einen Tisch setzte, der fast ganz hinter einem Pfeiler verborgen lag. Vorsichtig drehte ich mich nach einer Weile um. Ich wollte wissen, wie die Frau mit dem Hijab Essen zu sich nahm. Sie saß mit dem Gesicht zur Wand und hatte den Schleier angehoben.

Für das köstliche Mahl zahlte ich Übrigens nur zwei JOD. An meinem letzten Abend ging ich relativ früh ins  Bett. Royal Jordanien hatte netterweise meinen Flug gestrichen und ihn mit einem früheren zusammengelegt. So hatte ich wieder einmal das Vergnügen, im Dunkeln Auto zu fahren. Gott sei Dank funktionierte Google Maps und so fand ich den Weg zum Flughafen ohne Weiteres.  Dort trank ich ausgiebig Kaffee und freute mich über ein köstliches Croissant. Für die Lieben daheim besorgte ich noch Edel-Baklava von den Zalatimo Brothers und dann verließ ich das wunderbare kleine Land Jordanien, das ich fast ein bisschen lieb gewonnen hatte.

Fazit: Jordanien weist sehr beeindruckende historische Stätten und wunderschöne  wilde Felslandschaften und Wüsten auf. Die Entfernungen sind relativ kurz. Das Land hat gut ausgebaute Straßen. Am besten haben mir aber die wirklich netten, hilfsbereiten und gar nicht aufdringlichen Jordanier gefallen .

Ich hätte Lust wiederzukommen, zum Wandern auf dem Jordan Trail, oder in Kombination mit einem Trip nach Israel noch Akaba und das Rote Meer zu besuchen

Nun endet mein Reisebericht aus Jordanien. Die übrigen Teile könnt ihr unter den folgenden Links lesen.

Jordanien Rundreise im November 2018 (1) Madaba und Totes Meer

Jordanien Rundreise im November 2018 (2) Wadi Dana

Jordanien Rundreise im November 2018 (3) Petra

Jordanien Rundreise im November 2018 (4) Wadi Rum und Jerash

Jordanien Rundreise im November 2018 (5) Amman

Vielleicht wart ihr auch schon einmal in Jordanien und habt Ähnliches erlebt  oder ganz andere Eindrücke gewonnen. Über eure Likes und Kommentare freue ich sehr.

Jordanien Rundreise im November 2018 (5) Amman

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Mein Aufenthalt in Amman verlief  nicht so reibungslos, wie ich es mir gewünscht hatte. Eine Begegnung der besonderen Art hatte ich mit der jordanischen Verkehrspolizei.

8.-11.2018 Amman 

Am Morgen freute ich mich im Olive Branch Hotel bei Jerash über den Ausblick vom Balkon. Nachts hatte ich schon den Blick über das Lichtermeer von Amman bestaunt. Nun gab es tatsächlich Bäume. Eine dermaßen grüne Landschaft hatte ich in Jordanien noch nicht gesehen. Allerdings waren die diversen Fels- und Wüstenlandschaften fantastisch schön, wie ihr meinen Reiseberichten entnehmen könnt.

Jordanien Rundreise im November 2018 (1) Madaba und Totes Meer

Jordanien Rundreise im November 2018 (2) Wadi Dana

Jordanien Rundreise im November 2018 (3) Petra

Jordanien Rundreise im November 2018 (4) Wadi Rum und Jerash

 

Jordanien (375)Zu meiner großen Freude funktionierte das GPS wieder, so dass ich das Sydney Hotel in Amman sicher finden würde. Ich war etwas später losgefahren, um es bisschen gemütlicher anzugehen und weil ich hoffte, dass der Berufsverkehr in Amman nicht mehr so dicht wäre. Zunächst verlief  alles gut, aber als ich in die Innenstadt kam, staute sich der Verkehr. Auf den breiten Straßen gab es immer mehr Spuren, die  munter gewechselt wurden. Man musste höllisch aufpassen. Würde mir das Abbiegen rechtzeitig gelingen? In einer Unterführung geschah es dann. Ich schaute nach einem Schild, das oben an der Brücke hing, achtete einen Sekundenbruchteil nicht auf den Verkehr, konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr auf den dicht vor mir stehenden PKW auf. Dieser wurde auf seinen Vordermann geschoben. Wir stiegen aus und begutachten die Unfallfolgen, allesamt leichte Blechschäden, wobei das Fahrzeug meines Vordermanns rundherum teils ältere Beulen und eine leicht verbogene Haube aufwies. Von der Brücke gestikulierte ein Polizist, wir sollten aus der Unterführung heraus und an den  Straßenrand fahren.

Es war nichts Schlimmes passiert, aber ich war, trotz meiner Vollkaskoversicherung für den Mietwagen, ziemlich geschockt. Mein Unfallgegner rief die Verkehrspolizei und es dauerte  lange, bis diese auftauchte. Ich telefonierte mit meiner Mietwagenfirma am Flughafen. Der Angestellte sagte, das sei kein Problem, ich solle den Unfall bei der Abgabe schildern und unbedingt den Polizeibericht mitbringen.

Die herbeigerufenen Ordnungshüter konnten allerdings kein einziges Wort Englisch. Während der gesamten Befragung dolmetschte mein Unfallgegner! Ein Protokoll wurde aufgenommen und die beiden Polizisten hatten ihre liebe Not mit dem Abschreiben meines Namens im Pass und EU-Führerschein. Einer der beiden überreichte  mir schließlich mehrere Papiere, darunter den Polizeibericht, die allesamt auf Arabisch geschrieben waren. Gott sei Dank musste ich nichts unterschreiben!  Es wurde mir dann noch mitgeteilt, dass ich am Unfall schuld sei, weil ich den vorgeschriebenen Mindestabstand nicht eingehalten hätte (was  im sehr dichten Verkehr illusorisch gewesen war) und ich musste 5 JOD Gebühr an die Polizei zahlen (Das war nicht das Bußgeld, dieses wurde separat über meine Kreditkarte abgebucht.).

Als alles geregelt war, hatten es meine Unfallgegner verständlicherweise eilig, mussten zur Arbeit. Einer fuhr in meine Richtung und brachte mich netterweise bis zum 1st Circle, nicht ohne vorher süffisant zu bemerken, dass ich ihm zwar folgen könne, aber bitte nicht auffahren solle. Danach war es überhaupt kein Problem, das Hotel Sydney zu finden. Ich kam dort ziemlich geschafft an. Einen Parkplatz hatte das Hotel nicht, also stellte ich den Wagen  an  der Straße ab. Dort würde er während meines Aufenthalts in der Stadt bleiben, ich wollte damit nur noch zum Flughafen fahren.

Mein Zimmer war schon fertig, so dass ich mich ein bisschen regenerieren konnte. Etwas später nahm ich mir ein Taxi zum Jordan Museum (gut investierte 3 JOD). Der Taxifahrer fuhr durch schmale Altstadtgässchen, um den Verkehr auf den Hauptstraßen zu umgehen. Aus dem gleichen Grund setzte er mich  auf der Rückseite des Museums ab und ich hatte etwas Mühe, den Eingang zu finden.

Als ich mein Ticket kaufte ( 5 JOD, nicht im Jordan Pass enthalten) stellte ich fest, dass das Museum nicht wie im Reiseführer beschrieben um 14 Uhr schloss, sondern drei Stunden später. Ich hatte es nun überhaupt nicht eilig und merkte, dass mein Koffeinspiegel viel zu niedrig war. Mein Wunsch, das Museum erst etwas später zu besuchen, stieß aber auf Unverständnis beim Museumspersonal . Nach einer längeren Debatte, an der mehrere Angestellte teilnahmen, ging es dann doch.

Als ich aus dem Museum kam, musste ich zunächst die Straße überqueren. Auf den fünf Spuren staute sich nicht und es gab keine Verkehrslücken.  Ich lief zu einer Art Busbahnhof, wo ein Fußgängerüberweg lag, der zwar nicht zum Bremsen der Fahrzeuge führte, aber doch dazu, dass sie etwas langsamer fuhren, weil sie wegen der Busstation mit Fussgängern rechneten. Glücklich auf der anderen Seite angekommen, sah ich einen Schnellimbiss, der aber keinen Kaffee verkaufte. Mit einer Wegbeschreibung bog ich in die nächste Querstraße ein, wo ich bald ein Café entdeckte,  in dem nur ältere arabische Männer saßen. Da konnte ich unmöglich Kaffee trinken! Ein paar Läden weiter rief mir der Besitzer ein freundliches „Welcome“ zu. Auf meine Frage verwies er mich an das besagte Café und meinte, ich könne auch Take Away Coffee trinken. Als ich das Café betrat, verstummten die Gespräche und ich hatte den Eindruck, dass mir viele Blicke  auf  meinem Weg zur  Theke am anderen Ende des Raumes folgten, wo ich mir Kaffee bestellte. Ich bekam einen vollen Pappbecher mit glühendheißem arabischen Kaffee mit Kardamon. Und als ich zahlen wollte, lächelte  der  Cafébetreiber mir zu  und sagte „It‘s on the house.“

Zurück im Museum staunte ich: von frühesten Behausungen, über biblische Orte, Nabatäersiedlungen, griechisch-römische Städte bis zu den Kreuzfahrerburgen, den islamischen Eroberern, den Osmanen, das kleine Land Jordanien hatte sich immer im Schnittpunkt großer Zivilisationen befunden. Entsprechend vielfältig waren die Ausstellungsstücke, die sehr anschaulich präsentiert wurden.

Highlights waren die mit 9500  Jahren bisher ältesten entdeckten menschlichen Statuen  von Ain Ghazal, ein Teil der Schriftrollen vom Toten Meer (Dead Sea Scrolls) und Ausgrabungsstücke aus Petra.

Nahm dann ein Taxi zurück ins Hotel. Lustig fand ich, dass mein Fahrer, ein netter älterer Herr, zunächst noch einen Fahrgast in eine andere Richtung beförderte und unterwegs einen weiteren Passagier aufnahm, der höchstens 500 Meter mitfuhr und mit einer kleinen Münze bezahlte. Am 1st Circle fragte mich der Fahrer, wo er jetzt zum Hotel abbiegen müsse. Das wusste ich allerdings nicht mehr. Kurze Zeit später schlug er mir vor, den Rest zu  laufen. Es sei nicht mehr weit. Das fand ich nicht so toll, weil ich nicht wusste, wo das Hotel lag und mich nicht noch verlaufen wollte. Schließlich ließ ich mich an einer Stelle absetzen, von der man auf das Hotel heruntersehen konnte. Das war mir lieber als noch länger durch schmale Straßen zu kurven oder im Stau zu stehen.

Am Abend besuchte  ich die bekannte Rainbow Street. Amman liegt auf 20 Hügeln. Man läuft  oft  steil bergauf und bergab. Die  Rainbow Street lag zwar in der Nähe des Hotels,  aber ich musste ziemlich nach oben steigen. In der Straße befanden  sich viele Shops mit Klamotten und Souvenirs. Es gab zahlreiche von jungen Jordaniern und Touristen besuchte Cafés, hauptsächlich für Freunde der Shisha (zu denen ich nicht gehöre). Schließlich fand ich ein schönes Restaurant. Im Sufra aß ich leckere Falafel und ein Lammschmorgericht. Dazu hätte ich gerne ein Glas Rotwein getrunken, aber in diesem Restaurant  in der Hauptstadt mit gehobener Küche wurde kein Alkohol serviert, also bestellte ich mir wieder mal ein Bitter Lemon. Immerhin wurde ich  als „Alleinesserin“ an einen guten Platz und nicht am Ausgang oder der Toilette platziert und freundlich und flott bedient.

Den Abend beschloss ich bei einem Lemon-Mint-Drink in der Old View Bar mit Blick über das unendliche Lichtermeer.

Und so ging es weiter: Jordanien Rundreise im November 2018 (6)

 

Jordanien Rundreise im November 2018 (1) Madaba und Totes Meer

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Jordanien ist ein  echtes Traumreiseziel, ein kleines Land mit relativ  geringen Entfernungen, es ist voller beindruckender Sehenswürdigkeiten und weist dramatische Fels- und Wüstenlandschaften auf. Als sehr freundlich und hilfsbereit habe ich die Jordanier erlebt. Und diese Hilfe nahm ich  häufiger in Anspruch. Ich  war nämlich alleine mit dem Mietwagen unterwegs …

Für die Inspiration zu dieser Reise bedanke ich mich bei Edel Seebauer. Ihren wunderbaren Reisebericht mit sehr guten Tipps zum Reisen in Jordanien kann ich nur wärmstens empfehlen  (  https://www.edeltrips.com/reiseberichte/jordanien/ ).

Jordanien ist kein Billigreiseland. Das Preisniveau entspricht in etwa dem deutschen, auch wenn sich bei manchen Ausgaben Geld sparen lässt, z.B. durch Essen in Schnellrestaurants oder an Essensständen. Benzin ist mit 0,8/1,0 JOD (Wechselkurs im November 2018: 1 JOD =1,23 €) nicht so günstig, wie man es im Nahen Osten erwarten würde. Alkohol ist generell sehr teuer und wird vor allem im Süden des Landes in Restaurants nicht ausgeschenkt.

Der Jordan Pass lohnt sich auf jeden Fall, wenn man Petra besuchen möchte. Außerdem ist sind die Visumsgebühr von 40 JOD und zahlreiche weitere Attraktionen z.B. in Jerash, Wadi Rum, Kerak und Amman inklusive.

Meine Reiseroute: Amman Flughafen-Madaba-Kerak-Dana-Petra-Wadi Rum-Jerash-Amman.

Jordanien (1)

 

Ich war insgesamt neun Tage im Land unterwegs. Auf der schnellsten Straßenverbindung von Amman nach Akaba fährt man gerade einmal vier Stunden (allerdings ohne Baustellen, die aktuell sehr häufig anzutreffen sind). Andererseits gibt es sehr viel zu sehen und zu erleben. Die Hauptattraktionen können aber  innerhalb einer Woche angeschaut werden. Ich habe sehr viel unternommen und wäre gerne noch mindestens zwei Tage länger gereist, z.B um nach Akaba zu fahren und am Roten Meer zu entspannen.

31.10.2018  – Ankunft in Jordanien, das fängt gut an !

Nachts gegen 22 Uhr verließ ich den Flughafen  Amman und stieg in meinen Mietwagen, um nach Madaba zu fahren, wo ich die ersten zwei Nächte verbringen wollte. Meine Bedenken, nachts alleine in einem orientalischen Land, einen Mietwagen zu übernehmen, hatte ich damit beruhigt, dass ich ein Navi dazu nehmen würde. Dieses hatte mir der Angestellte der Mietwagenfirma nicht geben wollen, weil die Navigation in Jordanien nicht mehr aktualisiert werde und daher nutzlos sei. Statt dessen bot er mir eine WiFi gestützte Car Navigation an. Das hörte sich für mich teuer und schwierig an (funktionierte auch nicht, wie ich später von anderen Touristen erfuhr). Als ich insistiert hatte, hatte mir der gute Mann den Sack mit dem Gerät auf den Tresen geworfen.

Ich fuhr los und steckte das Gerät an. Wird wohl auch ausgeschildert sein, dachte ich. Nach kurzer Zeit merkte ich, dass das Navi tatsächlich verzichtbar war. Es kannte die vierspurig ausgebaute Schnellstraße vom Flughafen nach Amman nicht und schlug mir dauernd nicht existierende Abfahrten vor. Ich wusste, dass ich bald hinter dem Flughafen links abbiegen musste, nur wann kam jetzt diese Abzweigung ?

Ich fuhr auf den Standstreifen und wählte Google Maps auf meinem Handy. Vor der Reise hatte ich einmal die Navigation mit dem Smartphone im Auto geübt und mir die Offlinekarte von Jordanien heruntergeladen.  Nun fand das Gerät aber meinen Standort nicht. Leicht beunruhigt fuhr ich weiter, an vielen Abfahrtsschildern vorbei mit langen arabischen Bezeichnungen  und  kurze Namen in lateinischer Schrift. Aber nirgendwo stand „Madaba“.

Die Schnellstraße war schon ziemlich leer, die Tankstellen geschlossen. Endlich entdeckte ich einen Verkehrspolizisten, der auf dem Standstreifen den Verkehr beobachtete. Dieser hörte sich freundlich meine Frage an, verstand aber kein Englisch. Immerhin mein ständiges Wiederholen der Wortes „Madaba“ veranlasste ihn dazu, mir gestikulierend zu zeigen, dass ich zu weit in Richtung Amman gefahren war. Er konnte mir auch verständlich machen, dass ich erst abfahren musste,  um  dann durch eine Unterführung hindurch auf die andere Straßenseite zu gelangen.

Nun fuhr ich eine Weile in die andere Richtung. Dann sah ich einen Autofahrer, der Reifen auf der Standspur wechselte und hielt an. Ich fragte den jungen Mann, ob er Hilfe brauchte, was er verneinte. Er sprach gut Englisch und seine Frau, die im Auto saß, zeigte mir auf ihrem Smartphone, dass ich bald rechts abfahren musste.

Die weitere Fahrt nach Madaba gestaltete sich problemlos. Nur musste ich dort noch mein Hotel finden. Das zog eine weitere Fragerunde nach sich. Gut war, dass es auf der Straße auch nach 23 Uhr noch ein bisschen belebt war und dass einige Läden noch geöffnet waren. Die meisten Passanten, alles Männer, verstanden mich nicht, aber sie gaben sich große Mühe, mir zu helfen. Da wurde z.B. ein englischsprechender Freund angerufen. Nur konnte mir dieser nichts raten, weil ich nicht wusste, wo ich mich genau befand. Anscheinend hatten ihm seine Freunde das auch nicht erklärt …

Schließlich landete ich vor einem andern Hotel. Der herbeigeeilte Angestellte, konnte mir den Weg erklären, so dass ich endlich im Mosaic City Hotel herzlich willkommen geheißen wurde. Nach einem Absackerbier (ich war im christlich geprägten Madaba, wo es ohne weiteres Alkohol im Hotel gab, das sollte sich im Laufe der Reise ändern) sank ich recht geschafft in die Federn.

1.11.2018  –  Madaba und Totes Meer

Um 8 Uhr morgens begann ich meine Besichtigung in Madaba bei schönstem Sonnenschein. Im November geht die Sonne in Jordanien gegen 16:30 Uhr unter, entsprechend kurz sind die Sehenswürdigkeiten am Nachmittag geöffnet. Angenehm ist, dass die meisten Hotel ein frühes Frühstück schon um 6 oder 6:30 Uhr anbieten.

Ich konnte ohnehin nicht lange schlafen, weil der Muezzin vom Minarett der nahegelegenen Moschee über leistungsstarke Lautsprecheer zum Morgengebet (fadschr) gerufen hatte. Dieses Gebet findet zwischen Morgendämmerung und Sonnenaufgang statt. Es gab allerdings einen ersten Aufruf gegen 4:30 Uhr, der wohl dazu diente, eine „erste Warnung“ zu geben, dass das Morgengebet naht. Als ich gerade wieder eingedöst war, erfolgte gegen 5:30 Uhr der richtige Gebetsaufruf. Dieser frommen Beschallung entgeht man nur, wenn man außerhalb der Städte ein Hotel bucht.

Zunächst schaute ich mir die griechisch orthodoxe St. Georgskirche mit der berühmten Palästina-Mosaikkarte an. Die Karte aus dem 6.Jahrhundert, die nur in Teilen erhalten ist und ursprünglich aus über 2 Mio. Steinchen bestand, fand ich schon interessant, hatte sie mir aber größer vorgestellt und schön war die Darstellung nicht.

Jordanien (6)

Schon besser gefiel mir der naheliegende Archäologische Park mit sehr schönen Mosaiken in der Hyppolytus-Halle, einer byzantinischen Villa aus dem 6.Jahrhundert,  und ich schaute dann noch beim benachbarten Madaba Institute for Mosaic Art herein, wo Restauratoren und Mosaikkünstler ausgebildet werden.

Danach besichtigte ich die Kirche Johannes der Täufer. Die Hauptattraktion des Gotteshauses aus dem 20.Jahrhundert, die darunterliegende Akropolis, war  geschlossen, so dass ich wenigstens auf den Turm klettern „musste“. Zuletzt ging es über sehr steile Leitern und ich musste mich um Glocken und Glockenzüge herum winden, aber der Ausblick über die Stadt war atemberaubend.

 

Inzwischen war es recht warm geworden und ich empfand die starke Trockenheit der Luft. Mit einem frisch gepressten Granatapfelsaft, der lecker und sogar fast süß schmeckte, und einem Espresso stärkte ich mich in einem Straßencafé. Dann begab ich mich auf die Suche nach der Apostelkirche, die außerhalb der Altstadt liegt. Hier hatte ich zum ersten Mal trotz Stadtplan Orientierungsschwierigkeiten. Nach mehreren Nachfragen (nicht hilfreich war dabei, dass kein Reiseführer den arabischen Namen der Kirche nennt) stand ich schließlich vor der unscheinbaren Kirche, die das schönste Mosaik in Madaba enthalten sollte.

Leider gab es keinen Gang in der Kirche, von dem man alle Mosaiken sehen konnte. Nur an der einen Seite konnte ich schauen, während die interessantesten und schönsten Bilder auf der anderen Seite nicht zu sehen waren. Der Museumswärter bemerkte meine enttäuschte Miene und  knipste netterweise ein paar Fotos mit meinem Smartphone.

Nach einer kleinen Pause im Hotel wagte ich mich wieder mit dem Auto auf die Straße. Zuerst wollte ich zum Berg Nebo fahren, dem biblischen Ort, von dem Moses angeblich das Gelobte Land gesehen hatte  und dann im Alter von 120 Jahren (?) gestorben war, ohne  Israel zu betreten. Der freundliche  Hotelangestellte hatte mir erklärt, dass ich erst auf die Hauptstraße fahren müsste und dann gehe es immer nur gerade aus. Die Hauptstraße fand ich ohne Probleme, aber dann kam ich zu einem Kreisverkehr mit Abfahrten in alle Richtungen. Meiner Wegbeschreibung folgend, nahm ich die zweite Ausfahrt, die gerade aus führte, und landete in einem Neubaugebiet, wo sich die Straße weiter verzweigte.
Außerdem machte ich erste Bekanntschaft mit den vielen Speed Bumps. In Jordanien gibt es keine Umgehungsstraßen. Alle Straßen verlaufen durch die Orte, oder wenn es Schnellstraßen sind, zumindest am Rand vorbei. Es gibt immer Stellen, an denen Passanten die Straße kreuzen. Daher wurden mehr oder minder fiese Erhöhungen errichtet, die den Autofahrer zum starken Abbremsen zwingen sollen. Zum Teil werden die Buckel durch Schilder angekündigt aber oft auch nicht. Nun schaute ich gerade nach dem Weg und schon rumste es gewaltig. Ich kehrte zum Kreisverkehr zurück und war entschlossen, mein Problem zu lösen. Im Hotel hatte man mir geraten, eine jordanische SIM-Karte zu kaufen. Vielleicht klappte es damit besser als mit der Offline-Navigation. Nur spaßeshalber versuchte ich noch einmal Google Maps auf meinem Smartphone. Fassungslos starrte ich auf die Fehlermeldung, die ich nun bekam und die mir vorschlug, meinen Standort freizugeben. Nachdem ich das erledigt und mein Ziel eingegeben hatte, funktionierte die Navigation (zunächst) ohne Probleme !  Nun ja, dachte ich mir, zu den Digital Natives gehöre ja nicht …

Auf dem Berg Nebo in der Moses Memorial Church mit Grundmauern aus dem 4. und 6. Jahrhundert befanden sich die beeindruckendsten Mosaiken von Madaba. Auch der Blick ins Heilige Land und auf das  Tote Meer gefielen mir. Allerdings war es zu diesig, um tatsächlich bis nach Jerusalem zu schauen.

Vom Berg Nebo stürzte die Straße in engen und steilen Serpentinen herab zum Toten Meer auf Minus 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Trotzdem war ich erstaunt, wie gut diese Straße ausgebaut war. Es war an keiner Stelle eng oder gefährlich. Alle Bergstrecken in Jordanien, die ich Laufe des Urlaubs befuhr, waren gut in Schuss. Von der Straßeninfrastruktur in Jordanien war ich positiv überrascht.

Am Toten Meer rauschte ich auf dem Dead Sea Highway zunächst an allen Badestellen, die kostenpflichtig von den Hotels angeboten werden, vorbei. Ich wollte ohnehin zunächst  zum Mittagessen im Dead Sea Panoramic Complex einkehren.  Allerdings ging es dorthin auf einer kurvigen Bergstrecke mehr als 10 km bergauf und ich entdeckte  auch noch, dass die Straße direkt nach Madaba führte. Das Panorama Restaurant bot dann tatsächlich eine gigantische Aussicht auf das Tote Meer. Ich nahm ein gutes Fischessen mit Zitronensauce  ein, das nicht ganz billig war, aber angesichts der Lage und des guten Services im schön designten Restaurant nicht überteuert. Wenn ich schon am Toten Meer war, dann musste ich dort auch baden, daher beschloss ich, noch einmal zurück zu fahren.

Leider hatte ich nun nicht mehr viel Zeit und bog zum nächst gelegenen Strand ab, dem OH Beach. An der Schranke traf ich  den ersten unfreundlichen Jordanier, der grußlos mehrfach „Twenty-five JD“ sagte. Meine Nachfrage, ob es Schließfächer gab, schließlich war ich alleine unterwegs und  wollte  meine Wertsachen nicht am Strand ablegen, konnte ich dort nicht klären und zahlte den teuren Eintritt.

Nach einem längeren Gespräch mit diversen Angestellten bei den Umkleidekabinen erhielt ich dann einen Schlüssel mit der Aufforderung, weitere 3 JOD zu bezahlen. Ich stieg zum Ufer hinab, was gar nicht so einfach war. Es ging über den felsigen Steilhang hinab und der vorgesehene Steg endete hoch über dem Ufer. Erst später erfuhr ich, dass das Tote Meer austrocknet und die Uferlinie sich jährlich um mehrere Meter senkt, so dass die Hotels die Stege verlängern müssen, was am OH Beach offensichtlich nicht geschehen war. Auch der Gang zur Dusche, die man unbedingt nach dem Bad benutzen muss,  war mit einer längeren Kletterei verbunden. Außerdem gab es keine Angestellten am Strand und die bekannten Schlammpackungen wurden nicht angeboten.

Trotzdem : das Bad im Toten Meer ist ein tolles Erlebnis. Du gehst ins Wasser und dann hebt es dich wie von alleine hoch, sogar schon ab Hüfttiefe, und du schwebst auf dem Wasser. Schwimmen ist nicht möglich, dazu müsste man tiefer im Wasser liegen. Also: bei allem Ärger einmalig ! Nach zehn Minuten muss man in der Regel das Bad beenden, weil an irgendeiner Körperstelle ein heftiges Brennen einsetzt. Oft handelt es sich um eine winzige Wunde, die vorher überhaupt nicht aufgefallen ist. Nach dem Duschen schwamm ich noch im Süßwasserpool, der recht groß war, und dann musste ich auch schon wieder los.

Übernachten am Toten Meer ist meiner Meinung nach nicht notwendig, aber einen Tagesausflug von Madaba zu unternehmen und mindestens einen halben Tag zu bleiben, vielleicht in einem der Luxushotels, empfehle ich schon.

Meine Rückfahrt nach Madaba führte über eine gut ausgebaute Bergstraße in  unzähligen Serpentinen stetig bergauf und bergab. Die Felsen glühten in verschiedenen Farbtönen im Abendlicht. Es war einfach wunderschön.

Trotzdem war ich froh, als ich bei Sonnenuntergang, pünktlich zum Ruf des Muezzins zum Abendgebet, wieder in Madaba ankam.

Wollt ihr wissen, wie es weiterging ?

Jordanien Rundreise im November 2018 (2) Wadi Dana

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Jordanien Rundreise im November 2018 (6)