Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #22

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Von Bossey nach Genf (Versoix) am 26.4.2022

Nach dem Frühstück unternahm ich einen Abschiedsspaziergang im Schlosspark Bossey. Es war so schön dort, am liebsten wäre ich noch einen Tag geblieben, hatte aber schon eine Übernachtung in Genf gebucht.

Um 10 Uhr brach ich dann auf, etwas später als geplant, u.a. musste ich mehrmals meinen Rucksack ein- und auspacken. Wieder einmal hatte ich das zweite Paar Schuhe vergessen, das zuerst nach unten gepackt werden muss. An diesem Morgen packte ich zum letzten Mal meinen Rucksack auf dem Schweizer Jakobsweg und hatte es immer noch nicht automatisiert!

Durch den frühlingsfrischen Laubwald gelangte ich auf eine kleine Straße, die über Tannay nach Commugny führte. Dort las ich neben den Jakobswegschildern (noch 4,5 Stunden bis Genf!), wie weit es noch zu verschiedenen Orten am Camino war. Wieder einmal erschrak ich über die unglaubliche Entfernung nach Santiago de Compostella.

Damals dachte ich, dass ich nicht durch Frankreich pilgern, sondern den Weg in Spanien oder Portugal fortsetzen würde, um mir ca. 1000 Km zu sparen sparen. Inzwischen sehe ich das anders, aber das ist eine Geschichte, die ich in einem separaten Post erzählen möchte.

In der Kirche St. Christophe holte ich mir einen Pilgerstempel und schaute mir das Kirchenfenster mit der Darstellung der Weihnachtsgeschichte an.

Im nächsten Ort Tannay trank ich einen Cappuccino im Restaurant am schönen Dorfplatz mit dem zu Ostern geschmückten Brunnen. Auf der Fortsetzung des Weges sah ich ein in den Fels gehauenes historisches Wegzeichen der Via Jacobi, eine Muschel die Pilgern schon vor langer Zeit nach Santiago wies.

Schließlich erreichte und durchquerte ich den Ort Mies, der zwar nicht seinem Namen gerecht wurde, aber sich als langweilige Vorstadt von Genf erwies. Außerdem folgte der Jakobsweg eine ganze Weile der Hauptstraße. In der Nähe von Versoix hatte man sich mehr Mühe mit der Streckenführung gegeben. Der Fußweg in einem Wäldchen hinter den Häusern verlief neben einem kleinen Bach. Ich setzte mich auf eine Bank und verspeiste den restlichen Proviant, den ich zum Teil seit Fribourg mit mir herumgeschleppt hatte. Diese Notration brauchte ich nun nicht mehr. Der High Protein Riegel schmeckte richtig eklig und klebte an den Zähnen. Auch die Nüsse und die Datteln waren nicht mehr lecker. Mit viel Wasser spülte ich das Ganze hinunter und ging weiter nach Versoix.

Inzwischen befand ich mich in der Einflugschneise des Genfer Flughafens. Im Minutenabstand donnerten Flugzeuge über mich hinweg. Als ich am Bahnhof angekommen war, begann es wieder einmal zu regnen. Eigentlich hatte ich geplant, mit dem Schiff von Versoix nach Genf zu fahren. Das nächste Boot ging in einer knappen Stunde und ich wusste nicht, wie lange ich zur Anlegestelle brauchen würde. Wahrscheinlich hätte ich es geschafft, aber dann wurde am Bahnsteig der Regionalzug nach Genf angezeigt und das gab den Ausschlag.

Wenig später traf ich auf dem Genfer Hauptbahnhof ein. Zu Fuß wäre ich noch drei Stunden in weiteren Vorstädten unterwegs gewesen. Die Ankunft in Genf auf der Seepromenade hatte ich mir zwar sehr schön vorgestellt, aber für den bekannten Blick auf den Mont Blanc war es ohnehin zu stark bewölkt. Diesen Wegabschnitt ging ich dann am nächsten Tag von Genf aus (Bericht folgt).

Fazit:
10 km, 3 Stunden ohne Pausen, geringe Höhenunterschiede.

Leichte Wanderung durch die Vorstädte von Genf an verkehrsarmen Straßen, aber wenig naturnahe Strecken, bei schönerem Wetter Aussicht auf den Mont Blanc gegeben. Den Weg mit einer Schifffahrt nach Genf abzuschließen ist wohl empfehlenswert, während meines Aufenthaltes gab es nur wenige Verbindungen, weil der Winterfahrplan galt.

Am Nachmittag schlenderte ich durch Genf (Fotoimpressionen siehe: Nach Genf Geschafft), wollte eigentlich nur einen Kaffee trinken gehen, landete dann aber doch in der Kathedrale St. Pierre. Es handelt sich nicht um irgendeine reformierte Kirche, sondern um das Gotteshaus, in dem schon Calvin predigte. Das Kirchenschiff empfand ich als unglaublich karg und grau. Wahrscheinlich liegt das an meiner frühkindlichen katholischen Prägung und daran, dass ich überladene bayerische Barockkirchen gewohnt bin. Dass es keinen Altar in den protestantischen Kirchen gibt, war mir bekannt, aber dass im Chorraum nur ein mehrstufiges graues Holzpodest steht, wunderte mich. Ich fragte einen Kirchenmitarbeiter, verstand aber seine französische Erklärung leider nicht. Wisst ihr, warum die Genfer Kathedrale so ausgestattet ist ?

Ganz anders sieht es in der Chapelle des Macabées aus . Die zu Beginn des 15. Jahrhunderts im Stil der Flamboyantgotik ausgestattete Kapelle wurde Ende des 19. Jahrhunderts neugotisch sehr farbenprächtig restauriert.

Insgesamt fiel es mir schwer, mich in der sehr nüchternen Atmosphäre der Kathedrale auf meine zurückliegende Pilgerwanderung auf der Via Jacobi zu besinnen. Das holte ich dann später in der letzten Schweizer Kirche vor der Französischen Grenze in Compesières nach.

Ich holte mir den Pilgerstempel und ging ins Hotel zurück, wobei mir das Nachmittagslicht über dem Genfer See sehr gefiel.


Panoramafoto bitte anklicken

Bevor ich den Camino an der Grenze zu Frankreich beendete, verbrachte ich einen wunderbaren „Ruhetag“ in Genf, worüber ich als Nächstes berichten werde.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

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Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #21

Noch einmal …😉

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Von Gland zum Château de Bossey am 25.4.2022

Nun, an diesen Toblerone Stücken würde ich mir bestimmt die Zähne ausbeißen! Obwohl mich der Schweizer Jakobsweg nicht zu der bekannten Schokoladenspezialität geführt hat, bin ich restlos begeistert. Die Via Jacobi verläuft bei Gland ein Stück weit auf dem Toblerone Weg („Sentiers de Toblerones“).

Der Toblerone Weg verdankt seinen Namen den Panzersperren, die während der Schweizer Mobilmachung 1939–45 erstellt wurden. Die Form der Höckerelemente erinnert an die Schokolade der Marke Toblerone.
Quelle: Wikipedia, dort auch weitere Informationen zum Nachlesen.

Ich laufe an dem sehr interessanten Bauwerk vorbei und kann kaum aufhören, die efeuumrankten und moosbedeckten Betonblöcke zu fotografieren, obwohl im Wald bei dem trüben Wetter nur düsteres Tageslicht vorhanden ist. Trotzdem ein tolles Fotomotiv! Eine ähnliche, aber viel verstecktere und wohl kleinere Anlage hatte ich schon einmal in der Schweiz gesehen und zwar während meines Aufstiegs zum Etzelpass auf dem Weg nach Einsiedeln im Oktober 2021. Damals hatte ich das Bauwerk als historisch interessant eingeordnet aber auch als Relikt des Kalten Krieges. Inzwischen haben solche Abwehrmaßnahmen leider wieder an Aktualität gewonnen.

Toblerone Schokolade habe ich während meines Aufenthaltes in der Schweiz übrigens nicht ein einziges Mal gegessen.

Morgens startete ich eher widerwillig in Gland. Um 10:15 Uhr raffte ich mich auf, den Komfort des Hotels zu verlassen und setzte meine Pilgerwanderung im Nieselregen fort.
Nach dem Durchqueren eines Industriegebiets am Ortsrand folgte ich eine Weile dem Toblerone Weg (s.o.).

Danach verlief ich mich kurz, fand aber mit Hilfe der GPS-Navigation zurück zur Via Jacobi. Am Strand von Prangins donnerten die Wellen. Dass der Genfer See zu einem solchen Wellengang fähig ist, überraschte mich. In der Ferne sah ich schon den Yachthafen von Nyon, musste aber zunächst zum Schloss Prangins hinaufsteigen.

Ich besuchte dann die Pfarrkirche von Prangins, die wie fast alle Kirchen der Region am Genfer See geöffnet war. Das war zwar sehr angenehm, gerade wenn man den Pilgerstempel bekommen möchte, aber zu Beginn wunderte mich das schon. Erst nach einer Weile ging mir auf, dass in den protestantisch reformierten Gotteshäusern nur wenig Diebstahlsgut vorhanden ist. In den äußerst schlicht ausgestatteten Kirchen befinden sich nur Sitzbänke, ein Kommunionstisch und ein Lesepult. Protestantische Messen werden nicht an einem Altar gefeiert und Kunstwerke, z.B. Gemälde und Heiligenfiguren, gibt es im Kircheninneren nicht.

Der Jakobsweg entfernte sich weiter vom Genfer See und führte zum Bahnhof von Nyon. Die Via Jacobi führte oberhalb des Ortes vorbei. Ich war schon eine Weile unterwegs, daher beschloss ich, hinunter zu gehen um eine Kaffeepause einzulegen. Vom Schloss Nyon hatte ich trotz des schlechten Wetters einen sehr schönen Ausblick, aber in der Altstadt waren am Montag alle Cafés geschlossen.

Nur zwei Brasserien am Seeufer hatten geöffnet. Beide sahen sehr vornehm aus und waren proppenvoll, aber ich hatte wirklich Lust auf einen Kaffee, daher betrat ich schließlich eines der Lokale. Zunächst bekam ich den letzten Platz an einem hohen Tisch, was für mich nicht ideal war, weil ich meine Beine entspannen wollte. Schließlich brachte mich der Kellner an einen Tisch an einer bequemen Sitzbank. Dort schaute ich mir die Karte an und stellte fest, dass es keinen Kuchen gab sondern nur (sehr teure) Desserts. Schlimmer als die Preise fand ich aber die gehobene Clientele, die im Designeranzug bzw. -kleid/kostüm beim Essen saß. In meinen „wilden“ und zum Teil nassen Wanderklamotten und beim Abstellen des Rucksacks kam ich mir vor, als ob ich eine Party gecrasht hätte. Ich verspeiste die ausgezeichnete Crème, trank einen Espresso und war froh, als ich das Restaurant wieder verlassen hatte.

Am Seeufer wehte ein eisiger Wind, so dass ich mich schnell an den Aufstieg zurück zum Jakobsweg machte. Der Weg führte nun immer weiter nach oben und entfernte sich zunehmend vom See, an den ich erst am nächsten Tag bei meiner Ankunft in Genf zurück kehren sollte.

In Crans-près-Celigny legte ich einen sehr kurzen Abstecher zur Kirche ein, die auf einer Anhöhe lag. Der Himmel hatte sich etwas aufgehellt. Ich setzte mich auf die Bank hinter der Kirche und freute mich über den wunderschönen Ausblick.

Schließlich erreichte ich Céligny und nach einem weiteren Kilometer rechtschaffen müde meine Unterkunft im Château de Bossey.

Fazit:
15 Km, 4,75 Stunden ohne Pausen, Auf- und Abstieg jeweils 100 m, Abstecher nach Nyon nicht berücksichtigt.

Leichte und schöne Wanderung, vor allem bei besserer Sicht auf den See und die Berge, das absolute Highlight ist der Toblerone Weg, evtl. noch ein Stück weitergehen, ist insgesamt 17 Km lang, sehenswert ist sicher die Villa Rosa bei Gland, eine als Villa getarnte Festung, hinter Prangins entfernt sich der Jakobsweg leider vom Seeufer.

Das Schloss von Bossey ist eine ökomenische Ausbildungsstätte, bietet aber auch Tagungsräume und Unterkünfte in privaten und in Mehrbettzimmern. Das Château liegt naturnah und traumhaft schön über dem See. Abends kann man ein köstliches Drei-Gänge-Menue von einer Selbstbedienungstheke zu moderaten Preisen dazu buchen. Sehr empfehlenswert!

Zum Abschluss zeige ich Impressionen von meinem Abendspaziergang auf dem Gelände.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

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Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #21

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Von Gland zum Château de Bossey am 25.4.2022

Nun, an diesen Toblerone Stücken würde ich mir bestimmt die Zähne ausbeißen! Obwohl mich der Schweizer Jakobsweg nicht zu der bekannten Schokoladenspezialität geführt hat, bin ich restlos begeistert. Die Via Jacobi verläuft bei Gland ein Stück weit auf dem Toblerone Weg („Sentiers de Toblerones“).

Der Toblerone Weg verdankt seinen Namen den Panzersperren, die während der Schweizer Mobilmachung 1939–45 erstellt wurden. Die Form der Höckerelemente erinnert an die Schokolade der Marke Toblerone.
Quelle: Wikipedia, dort auch weitere Informationen zum Nachlesen.

Ich laufe an dem sehr interessanten Bauwerk vorbei und kann kaum aufhören, die efeuumrankten und moosbedeckten Betonblöcke zu fotografieren, obwohl im Wald bei dem trüben Wetter nur düsteres Tageslicht vorhanden ist. Trotzdem ein tolles Fotomotiv! Eine ähnliche, aber viel verstecktere und wohl kleinere Anlage hatte ich schon einmal in der Schweiz gesehen und zwar während meines Aufstiegs zum Etzelpass auf dem Weg nach Einsiedeln im Oktober 2021. Damals hatte ich das Bauwerk als historisch interessant eingeordnet aber auch als Relikt des Kalten Krieges. Inzwischen haben solche Abwehrmaßnahmen leider wieder an Aktualität gewonnen.

Toblerone Schokolade habe ich während meines Aufenthaltes in der Schweiz übrigens nicht ein einziges Mal gegessen.

Morgens startete ich eher widerwillig in Gland. Um 10:15 Uhr raffte ich mich auf, den Komfort des Hotels zu verlassen und setzte meine Pilgerwanderung im Nieselregen fort.
Nach dem Durchqueren eines Industriegebiets am Ortsrand folgte ich eine Weile dem Toblerone Weg (s.o.).

Danach verlief ich mich kurz, fand aber mit Hilfe der GPS-Navigation zurück zur Via Jacobi. Am Strand von Prangins donnerten die Wellen. Dass der Genfer See zu einem solchen Wellengang fähig ist, überraschte mich. In der Ferne sah ich schon den Yachthafen von Nyon, musste aber zunächst zum Schloss Prangins hinaufsteigen.

Ich besuchte dann die Pfarrkirche von Prangins, die wie fast alle Kirchen der Region am Genfer See geöffnet war. Das war zwar sehr angenehm, gerade wenn man den Pilgerstempel bekommen möchte, aber zu Beginn wunderte mich das schon. Erst nach einer Weile ging mir auf, dass in den protestantisch reformierten Gotteshäusern nur wenig Diebstahlsgut vorhanden ist. In den äußerst schlicht ausgestatteten Kirchen befinden sich nur Sitzbänke, ein Kommunionstisch und ein Lesepult. Protestantische Messen werden nicht an einem Altar gefeiert und Kunstwerke, z.B. Gemälde und Heiligenfiguren, gibt es im Kircheninneren nicht.

Der Jakobsweg entfernte sich weiter vom Genfer See und führte zum Bahnhof von Nyon. Die Via Jacobi führte oberhalb des Ortes vorbei. Ich war schon eine Weile unterwegs, daher beschloss ich, hinunter zu gehen um eine Kaffeepause einzulegen. Vom Schloss Nyon hatte ich trotz des schlechten Wetters einen sehr schönen Ausblick, aber in der Altstadt waren am Montag alle Cafés geschlossen.

Nur zwei Brasserien am Seeufer hatten geöffnet. Beide sahen sehr vornehm aus und waren proppenvoll, aber ich hatte wirklich Lust auf einen Kaffee, daher betrat ich schließlich eines der Lokale. Zunächst bekam ich den letzten Platz an einem hohen Tisch, was für mich nicht ideal war, weil ich meine Beine entspannen wollte. Schließlich brachte mich der Kellner an einen Tisch an einer bequemen Sitzbank. Dort schaute ich mir die Karte an und stellte fest, dass es keinen Kuchen gab sondern nur (sehr teure) Desserts. Schlimmer als die Preise fand ich aber die gehobene Clientele, die im Designeranzug bzw. -kleid/kostüm beim Essen saß. In meinen „wilden“ und zum Teil nassen Wanderklamotten und beim Abstellen des Rucksacks kam ich mir vor, als ob ich eine Party gecrasht hätte. Ich verspeiste die ausgezeichnete Crème, trank einen Espresso und war froh, als ich das Restaurant wieder verlassen hatte.

Am Seeufer wehte ein eisiger Wind, so dass ich mich schnell an den Aufstieg zurück zum Jakobsweg machte. Der Weg führte nun immer weiter nach oben und entfernte sich zunehmend vom See, an den ich erst am nächsten Tag bei meiner Ankunft in Genf zurück kehren sollte.

In Crans-près-Celigny legte ich einen sehr kurzen Abstecher zur Kirche ein, die auf einer Anhöhe lag. Der Himmel hatte sich etwas aufgehellt. Ich setzte mich auf die Bank hinter der Kirche und freute mich über den wunderschönen Ausblick.

Schließlich erreichte ich Céligny und nach einem weiteren Kilometer rechtschaffen müde meine Unterkunft im Château de Bossey.

Fazit:
15 Km, 4,75 Stunden ohne Pausen, Auf- und Abstieg jeweils 100 m, Abstecher nach Nyon nicht berücksichtigt.

Leichte und schöne Wanderung, vor allem bei besserer Sicht auf den See und die Berge, das absolute Highlight ist der Toblerone Weg, evtl. noch ein Stück weitergehen, ist insgesamt 17 Km lang, sehenswert ist sicher die Villa Rosa bei Gland, eine als Villa getarnte Festung, hinter Prangins entfernt sich der Jakobsweg leider vom Seeufer.

Das Schloss von Bossey ist eine ökomenische Ausbildungsstätte, bietet aber auch Tagungsräume und Unterkünfte in privaten und in Mehrbettzimmern. Das Château liegt naturnah und traumhaft schön über dem See. Abends kann man ein köstliches Drei-Gänge-Menue von einer Selbstbedienungstheke zu moderaten Preisen dazu buchen. Sehr empfehlenswert!

Zum Abschluss zeige ich Impressionen von meinem Abendspaziergang auf dem Gelände.

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Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #20

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Von Allamand nach Gland am 24.4.2022

Meine Privatunterkunft in Allamand verließ ich noch vor 9 Uhr. Bei einem Blick über den See sah ich sogar ein kleines bisschen Sonnenschein. Mittags war aber wieder Regen angekündigt, daher startete ich früh. Obwohl mein Gastgeber schon meinen Pilgerpass gestempelt hatte, ging ich noch ein paar Schritte zur Kirche, die zwar noch geschlossen war, aber der Pilgerstempel hing draußen neben der Tür. Eigentlich handelte es sich nicht um eine Kirche sondern um einen Tempel („temple“) wie die protestantisch reformierten Gotteshäuser in der Schweiz genannt werden.

Bei dem kleinen Ort La Pêcherie traf der Weg wieder auf den See. Das Strandbad und der Kiosk hatten bei dem schlechten Wetter natürlich geschlossen. Bald ging es bergauf nach Perroy mit einem schönen Ausblick zum See über die noch kahlen Rebstöcke. Dahinter sollte man bei schönem Wetter den Mont Blanc sehen, aber es dazu war es zu bewölkt.

Panoramabild bitte anklicken.

Perroy erwies sich als reizendes Weinbauerndorf, aber für eine Pause war es noch zu früh. Ich besuchte die Kirche und setzte den Weg fort. Hinter dem Ort ging es durch weitere Weinberge hinunter nach Rolle. Zunächst ging ich am Schloss vorbei, dann bog ich in den Ort ab und gönnte mir in einer sehr netten Konditorei ein Erdbeerblätterteigtörtchen zum Cappuccino.

Hinter Rolle war es vorbei mit der Ufernähe. Der Jakobsweg führte bergauf zunächst über eine kleine Straße dann durch ein Waldstück. Durch den Regen war der Boden aufgeweicht, aber neben dem Weg lag ein wunderbares Blütenmeer. Schließlich ging es durch Obstplantagen und Felder parallel zu Autobahn A 1, die ich zwar nicht sah aber deutlich hörte.

Die Weinbauerndörfer Bursinell und Dully, die ich danach durchquerte, präsentierten sich als sonntäglich verlassen. Meine Hoffnung auf eine Pause in einem Restaurant erfüllte sich nicht. Die Via Jacobi führte mich am Schloss Dully vorbei und dann an einigen Villen der Superreichen mit riesigen Seegrundstücken. Sodann verlief die Via Jacobi in einem frühlingsgrün leuchtenden Laubwald. Das war wunderschön. Ich war aber schon fünf Stunden (mit Pausen) unterwegs und meine Erkältung machte mir noch zu schaffen, daher hoffte ich, dass ich mein Tagesziel Gland bald erreichen würde.

Die Via Jacobi Wegbeschilderung war spärlicher als bisher, so dass ich manchmal auf meinen GPS-Track schaute. Einmal sprach mich F. an und fragte mich, ob ich auf dem Jakobsweg pilgerte und ob sie ein Stück mit mir gehen könne. Beides bejahte ich und so unterhielten wir uns eine Weile. Sie arbeitete in einer nahegelegenen Klinik und lud mich in ihre Dienstwohnung zu einem grünen Tee ein. Bei besserem Wetter hätte ich aus ihrem Wohnzimmer einen Blick auf den Mont Blanc werfen können, aber auch so gefiel mir die nahe am See gelegene Wohnung sehr gut.

Wir sprachen sehr nett über den Jakobsweg und sie hatte alle möglichen Fragen, u.a. wie ich es mit dem Wäschewaschen halte.
„Ganz einfach,“ entgegnete ich. „Ich habe sehr wenig zum Anziehen dabei, also wasche ich jeden Tag einige Stücke.“
„Und das trocknet rechtzeitig?“
„Ja, wenn ich es direkt nach meiner Ankunft in der Unterkunft wasche.“

Leider stellte sich dann heraus, dass sie sich aus Gründen der persönlichen Freiheit nicht hatte impfen lassen. Sie sagte das sehr ruhig und ohne recht haben zu wollen nach dem Motto „Das muss jeder selbst entscheiden.“ Sie habe Corona gehabt, das sei überhaupt nicht schlimm gewesen. Nicht ganz verstehen konnte ich allerdings, wie man im Gesundheitsbereich arbeiten und so rücksichtslos sein kann. Nicht jeder Patient, den sie infizieren könnte, steckt Corona womöglich so gut weg! Diskutieren wollte ich das nicht, schon gar nicht auf Französisch.

Nach dem Teetrinken bot mir F. netterweise an, mich in die Nähe meines Hotel am Bahnhof zu fahren. Das nahm ich gerne an, denn inzwischen regnete es. Den Nachmittag und Abend verbrachte ich sehr ruhig. In Gland herrschte Sonntagsruhe. Das Hotelrestaurant war geschlossen und das galt auch für alle in Frage kommenden Gaststätten. Nach einem längeren Fußmarsch hätte ich Kebab essen können, wozu ich aber keine Lust hatte. Ich ruhte mich gut aus und ging zum Kaffeetrinken und zum Abendessen (Panini mit Corona Bier!) ins Bistro im Supermarkt am Bahnhof.

Fazit:
15 Km, 4,5 Stunden reine Wanderzeit, 150 Höhenmeter jeweils bergauf und bergab.

Abwechselungsreiche und leichte Etappe, bei schönem Wetter sehr aussichtsreich, Verkehrslärm in der Nähe der Autobahn, Gland ist kein idealer Ort zum Übernachten, evtl. die Etappen anders wählen bis Prangins oder Nyon gehen, wo wieder Seenähe gegeben ist.

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Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #19

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Von Moudon-Syens nach Epalinges-Croisettes (Lausanne-Bessieres) am 21.04.2022

Das Pilgerbuch schlug eine Etappe von Moudon nach Epalinges kurz vor Lausanne vor. Ich war durch meine Unterkunft in Syens schon ein paar Kilometer näher an Lausanne und hatte daher beschlossen, bis dort zu gehen. In der Stadt hatte ich ohnehin einen Ruhetag eingeplant und so konnte ich zweimal übernachten. Nötigenfalls würde ich die restlichen Kilometer mit der einzigen U-bahn in der Schweiz ab Epalinges-Croisette zurücklegen. Meine Fahrt verlief dann sehr speziell, aber dazu später …

Um 9 Uhr verließ ich meine schöne Unterkunft mit Gartenterrasse. Zunächst ging es etwas bergauf zu einem Bauerhof mit Putenzucht. Als ich am Zaun stehenblieb, kamen die Tiere sofort angelaufen. Entweder waren sie so neugierig wie Kälber, oder es war gerade Fütterungszeit und sie hatten mich verwechselt. Weiter ging es an gepflügten noch nicht bepflanzten Feldern vorbei. Wurde dort der im Waadtland verbreitete Tabakanbau betrieben? Auf einem schönen Weg gelangte ich an den Waldrand, wo ich wieder ein fantastisches Bergpanorama sah. Leider war es ziemlich diesig, so dass es mit dem Fotografieren nicht so gut klappte.

Kurz darauf überholte mich eine französisch sprechende Pilgerin aus der Nähe von Fribourg. Ich fragte sie, ob wir den Mont Blanc sahen. Das wusste sie nicht genau, glaubte es aber schon. Sie wollte bis Lausanne laufen und dann nach Hause zurückkehren, um später bis Genf zu pilgern. Die junge Frau hatte im Bahnhofshotel in Moudon übernachtet und berichtete, dass sie dort zwei Pilgerinnen aus München getroffen habe. Diese wollten noch die Kirche besuchen und dann nachkommen. Wir verabschiedeten uns und ich folgte ihr eine Weile. Nach der Kirche in Vucherens verlief der Camino zwischen Feldern auf einer Hochebene, die wieder sehr schöne (im starkem Dunst liegende) Aussichten bot. An einem Punkt bog die Schweizerin plötzlich vom Weg ab. Ob das mit Absicht geschah, weiß ich nicht. Wieder getroffen habe ich sie nicht.

Im nächsten Ort Ussières verlief ich mich. Statt den Wegweiser am Ortsrand richtig zu deuten, bog ich ins Dorf ab. Kaffee gab es dort keinen, selbst der Shop in der Käserei war an diesem Vormittag geschlossen. Dann hielt zu meiner großen Verwunderung auf dem Gehweg direkt neben mir ein Auto. Ein älteres Ehepaar stieg aus. Sie hatten meine Jakobsmuschel am Rucksack gesehen und erklärten mir, dass sie vor Jahren an dieser Stelle auf dem Camino gepilgert waren und sich erinnerten, dass man die Straße überqueren musste, anstatt nach Ussières abzubiegen. Ein Blick auf meinen GPS-Track bestätigte mir, dass die hilfsbereiten Schweizer recht hatten. Wir tauschten uns dann noch über Camino Erlebnisse aus. Nach diesem sehr netten Gespräch kehrte ich ohne weitere Probleme auf die Via Jacobi zurück.

An diesem Tag fand ich das Wandern zunächst sehr angenehm. Es war immer noch sehr sonnig und auf der Strecke gab es kaum Schatten, aber es wehte eine kühle Brise. Um die Mittagszeit bekam ich aber gewaltigen Hunger und legte auf einem Baumstamm im Wald eine Brotzeitpause ein.

Kaum hatte ich mich gesetzt, da kamen die beiden schon angekündigten Pilgerinnen. Es waren die Frauen, die ich am Vortrag auf dem Bahnhofsplatz in Moudon gesehen hatte. Sie kamen nicht aus München, sondern aus einem ungefähr 150 km entfernten Ort in der Oberpfalz. Wie ich hatten sie die Pilgerwanderung auf dem Münchner Jakobsweg nach Lindau begonnen. Nach coronabedingten Pausen in den Jahren 2020 und 2021 wollten sie nun bis Genf pilgern. Im Hotel in Moudon hatten sie Verständigungsprobleme gehabt, weil sie kein Französich konnten und das Hotelpersonal kein Englisch oder Deutsch. Glücklicherweise hatte die junge Schweizer Pilgerin für sie gedolmetscht. Im nächsten Urlaub planten die Beiden, in Frankreich bis Le Puy weiter zu wandern. Sie meinten, evtl. sei es gut, vorher noch ein bisschen Französisch zu lernen …. Die Pilgerinnen gingen weiter, während ich mich noch etwas ausruhte.

Nach dem Überqueren des Bächleins Bressone gelangte ich bald auf leicht ansteigendem Weg nach Montpreveyres mit der Pilgerherberge und der Kirche aus dem 18. Jahrhundert, wo ich auch den ersten Pilgerstempel des Tages erhielt.

In dem kleinen Ort fragte ich einen Busfahrer, der gerade Pause machte, nach einem Café. Er wies mich auf die einzige Möglichkeit hin: in einem nahen Lebensmittelladen gab es Coffee to go aus einer Nespressomaschine. Mit dem Kaffee und einem Karottentörtchen setzte ich mich an den Picknicktisch im Hof hinter dem Laden.

Dann kam die im Pilgerbuch beschriebene kurze Strecke an der sehr stark befahrenen Kantonsstraße nach Lausanne. Es handelte sich um weniger als 400 Meter und man konnte gut neben der Fahrbahn in der Wiese laufen. Außerdem war das Landschaftsbild schön anzusehen.

Der Jakobsweg zweigte dann ab und ging hinunter in ein kleines Tal, um dann im Wald gleich wieder anzusteigen. Das wiederholte sich einige Male und ich merkte, dass meine Kräfte nachließen. Es ging zwar durch einen dichten Wald, aber der Verkehrslärm der nahen Hauptverkehrsstraße war fast durchgängig zu hören. Wieder auf einem Baumstamm sitzend erholte ich mich kurz, trank Mangosaft und warf Traubenzucker ein. Über ein Strässchen führte der Weg durch ein kleines Wohngebiet und danach zu einem Campingplatz, wo ich einen Cappuccino trank und ein eiskaltes Sprudelwasser. Der Bus nach Epalinges hielt gerade direkt vor dem Campingplatz, aber dieses Mal widerstand ich der Versuchung. Schließlich war ich nicht auf der Via Jacobi, um ständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Dem Weg folgte ich weiter durch einen schönen Stadtwald, wo ich viele Jogger und Hundebesitzer mit ihren Tieren sah.

Dann folgten kleinere Siedlungen. Danach ging es wieder ins Grüne und immer wieder kurz, aber zum Teil steil, bergauf und bergab. Bei Epalinges stieg ich kurz zur Kapelle des Croisette mit einem sehr schönen Ausblick bis zum Genfer See (rechts oberhalb der Mitte im Foto) auf. Außerdem gab es einen weiteren Stempel für meinen Pilgerpass.

In Epalinges-Croisette reichte es mir. Ich stieg in die Metro und freute mich auf eine gemütliche Fahrt von 15 Minuten in das Zentrum von Lausanne. Die Bahn war voll besetzt. Viele Passagiere standen. In meiner Nähe trug außer mir nur eine weitere Person eine Schutzmaske. Nach vier Stationen bremste die führerlose Metro plötzlich auf der Strecke und zwar sehr scharf. Dabei stürzte sogar ein junger Mann über mich, was aber nicht weiter schlimm war. In einer Durchsage wurden wir informiert, dass technisches Personal angefordert wurde, um die Störung zu beheben. Das Licht ging sehr kurz aus, aber die Notbeleuchtung schaltete sich gleich an. Die Lüftung war leider ausgefallen und die Fenster konnten nicht geöffnet werden. Es wurde sehr warm und ich bemühte mich, nicht in „Corona-Panik“ zu verfallen, was mir auch gelang. Nach einer knappen halben Stunde fuhr die Metro mit quietschenden Bremsen immer wieder ein paar Meter weiter, um dann erneut ruckartig stehen zu bleiben. Im Schneckentempo erreichten wir schließlich die nächste Station. Glücklicherweise hatte in dem vollbesetzten Wagon niemand die Geduld verloren oder war in Panik verfallen. Hut ab vor den Schweizern!

Als ich in Lausanne-Bessières an der Metrostation stand und Google Maps konsultierte, um den nun etwas längeren Fußweg zu meinem Hotel zu finden, kam ein junger Mann mit seiner kleinen Tochter im Kinderwagen vorbei und bot mir seine Hilfe an. Er hatte fast den gleichen Weg und begleite mich bis in die Nähe meiner Unterkunft. Von dort waren es nur noch einige hundert Meter.
Was für ein Tag!

Fazit:
Etwa 20 km, Aufstieg 470 Hm, Abstieg 180 Hm ( zusätzlich ca. 250 Hm bis Lausanne), ca. 7 Stunden
Sehr abwechslungsreiche Etappe mit wunderbaren Ausblicken, naturnahe Pfade, aber auch Strecken in der Nähe der verkehrsreichen Hauptstraße nach Lausanne. Zum Schluss durch stetiges An- und Absteigen für mich persönlich ziemlich fordernd.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #18

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Von Payerne nach Syens bei Moudon am 20.4.2022

Morgens ging ich noch einmal auf das Gelände der Payerner Abtei. Am Vorabend waren die Kirchen schon geschlossen gewesen und ich wollte mir noch einen Pilgerstempel holen. Die Abteikirche konnte, wie das Kloster, erst nachmittags (gegen Eintritt) besichtigt werden.

Ich besuchte die Gemeindekirche. Das Innere des romanischen Baus, das im zauberhaften Morgenlicht lag, gefiel mir sehr gut, aber den Stempel suchte ich ausgiebig und vergeblich. Später las ich, dass die Touristeninformation im Ort einen schönen Stempel anbietet.

Kurz nachdem ich aufgebrochen war, erreichte ich das Ufer des Flüsschens Broye, dem ich den ganzen Tag lang folgen würde. Davor lag die katholische Kirche. Vielleicht würde es dort einen Stempel geben. Zuerst sah es nicht danach aus, aber nach einigem Suchen entdeckte ich im Halbdunkel eine Notiz, dass Pilger im Pfarrbüro nebenan nachfragen sollten. Dort erhielt ich ohne Weiteres meinen „tampon de pélérinagne“, den ersten seit zwei Tagen.

Nun begann die Flussetappe, die im Pilgerbuch als immer am Ufer entlang führend und gleichförmig beschrieben worden war. Da man nicht ständig auf die Wegbeschilderung achten musste, sollte die Strecke eine Chance zum meditativen Gehen bieten. Zu Beginn fand ich das sanfte Landschaftsbild mit der grünen Frühlingsvegetation recht hübsch und marschierte munter auf dem ebenen Weg.

Nach zwei Stunden zweigte ich in den ersten Ort Granges-Près-Marnand ab, um mir eine Kaffeepause zu gönnen. Leider fand ich wieder einmal kein geöffnetes Café. Im Supermarkt erkundigte ich mich , verstand aber die französische Erklärung nicht und hatte nicht genügend Energie um nachzufragen. Stattdessen kaufte ich ein großes Eis am Stiel, das ich Gehen aß, als ich auf die Via Jacobi zurückgekehrt war. Inzwischen war es heiß geworden auf dem schattenlosen Weg und ich fühlte einen klitzekleinen Überdruss. Der meditative Flow wollte sich nicht einstellen. Wahrscheinlich bin ich einfach nicht der Typ für solche Erfahrungen.

Dann kam mir ein älterer Mann mit seinen beiden Enkeln entgegen. Er fragte mich, ob ich auf dem Jakobsweg unterwegs sei und erzählte, dass er mit 27 (vor 40 Jahren ?) mit dem Fahrrad von seinem Wohnort in der Nähe mit dem Fahrrad nach Santiago gepilgert war. Er hatte es, obwohl er damals sehr fit gewesen war, anstrengend gefunden aber auch sehr bewegend.

Nach dieser netten Unterhaltung, bei der es auch mit meinem Französich recht gut klappte, spendierte mir der Camino noch Etwas. Am Flussufer gab es häufiger Bänke, aber diese war etwas Besonderes. Sie ging um die Ecke. Ich ließ mich nieder, konnte mich anlehnen und dabei die Füße hochlegen. Und über mir rauschten die Birkenblätter in der leichten Brise. Herrlich !

Als ich dort saß, kamen tatsächlich zwei französischsprachige Pilgerinnen vorbei, die Ersten seit ich in Fribourg gestartet war. Sie hatten auf Via Jacobi in der Nähe von Biel begonnen und wollten dieses Mal bis Genf pilgern. Genau wie ich hatten sie in Moudon keine Unterkunft gefunden und würden in Billens, etwas abseits des Jakobswegs, privat übernachten. Ihren nächsten Urlaub im Mai wollten sie wieder auf dem Camino verbringen und in 14 Tagen bis Le Puy pilgern. Als sie weitergingen, verabschiedeten wir uns mit „Bonne route!“. Die Beiden habe ich nicht wieder getroffen, hoffe aber, dass sie gut in Genf angekommen sind.

Nach meiner Entspannungspause auf der Bank ging ich erfrischt weiter und es dauerte nicht lange, bis ich Lucens erreicht hatte.

Am Ortseingang überquerte ich eine Brücke und dann verlief ich mich wahrscheinlich, obwohl das doch auf der Strecke nicht möglich sein sollte. Ich wanderte an der Straße entlang durch ein fieses, stinkendes Industriegebiet. Einen Gehweg gab es nicht, so dass ich mich mehrmals vor dem Schwerlastverkehr in Sicherheit bringen musste.

Als ich am Rande der Innenstadt ankam, zeigte ein Caminoschild zuerst in die Richtung, aus der ich gekommen war. Zurückgehen kam für mich nicht in Frage. Ich ging weiter und entdeckte die Abzweigung nach Curtilles, dem nächsten Ort auf dem Schweizer Jakobsweg. Bis dahin sollte der Weg laut Pilgerbuch leicht bergauf und dann wieder an der Broye entlang nach Moudon führen. Ich beschloss zunächst den dringend benötigten Kaffee trinken zu gehen und bog nach Lucens ab. Bald stand ich am Bahnhof und sah ich, dass das Restaurant, das mir der nette Mann unterwegs empfohlen hatte, geschlossen war.

In früheren Zeiten sind den Pilgern fernab der Heimat auf ihrer langen und oft einzigen Reise ihres Lebens sicher viele Versuchungen begegnet. Auf der Via Jacobi ist es heutzutage vor allem die Schweizer Bahn SBB. Der Weg verläuft meistens nicht weit entfernt von der Bahnstrecke. Die Bahnverbindungen sind dicht getaktet und die Züge pünktlich. Es bedarf oft moralischen Standvermögens, um eine beschwerliche noch Stunden dauernde Wanderung fortzusetzen, wenn die Zugfahrt nur einige Minuten beträgt.

Am Bahnhof war der nächste Zug nach Moudon schon angezeigt. Er ging in wenigen Minuten. Blitzschnell rechnete ich mir aus, dass ich für die 6-7 km bis Moudon, die zudem wieder an der Broye filgten, noch etwa zwei Stunden brauchen würde, klickte mich durch die Optionen im Fahrkartenautomaten, kaufte ein Ticket und schaffte es in letzter Minute, zum richtigen Gleis zu eilen.

In wenigen Minuten hatte ich Moudon erreicht. Inzwischen machte ich mir Sorgen, weil A. meine Gastgeberin, bei der ich eine kleine Ferienwohnung in Syens hinter Moudon gemietet hatte, auf meine letzte Mail mit einer Bitte um eine genaue Wegbeschreibung nicht reagiert hatte. Als ich vor dem Bahnhof stand, sah ich das nächste Wegschild, auf dem die Gehzeit bis Syens mit 1,5 Stunden angegeben war. Das war mehr, als ich erwartet hatte, und ich wollte auf jeden Fall eine Rückmeldung von A. abwarten, bevor ich weiter ging. Außerdem musste ich nun endlich einen Kaffee trinken. Nun war es schon 14:30 Uhr. Zuletzt hatte ich mein koffeinhaltiges Lieblingsgetränk zum sehr frühen Frühstück getrunken. Das war für eine Kaffeeaficionada wie mich viel zu lange her. Rund um den Bahnhof waren sämtliche Gaststätten geschlossen, aber zwei sehr nette Frauen führten mich zu einem etwas versteckt liegenden Bäckereicafé.

Als ich bei Cappuccino und Schokoladenéclair saß, meldete sich A. Wir telefonierten und sie bot mir an, mich vom Bahnhof abzuholen. Dazu konnte ich natürlich nicht nein sagen.

Nach dem Kaffeetrinken musste ich noch die Kirche besuchen. Nach Moudon würde ich nicht zurückkehren, weil Syens auf der Fortsetzung der Via Jacobi lag. Die gotische Kirche Saint- Etienne gefiel mir sehr gut. Ohne meine Mitfahrgelegenheit wäre ich dort sicher etwas länger geblieben.

Bevor ich mich mit A. traf, ging ich noch einkaufen, um mir abends Spaghetti mit Tomatensoße zu kochen. Und ein leckeres Quöllfrisch, Appenzeller Bier, besorgte ich auch, obwohl ich dazu noch ein weiteres Geschäft aufsuchen musste, weil der erste Laden einer bekannten Schweizer Supermarktkette, keinen Alkohol mehr führt.

Während ich auf dem Bahnhofsparkplatz auf A. wartete, gingen zwei Frauen mit Rucksäcken vorbei. Ihre außergewöhnlich kleinen Jakobspilgermuscheln entdeckte ich erst, als sie schon weitergegangen waren und ich sie nicht mehr ansprechen mochte.

Meine Unterkunft entpuppte sich als wunderschön im Grünen und am Flüsschen Le Brits gelegen. Von meiner Ferienwohnung ging es direkt auf eine schöne Gartenterrasse, wo ich erst einmal ausgiebig von blühenden Pflanzen umgeben in der Sonne sitzend relaxte. Abends kochte ich und freute mich sehr, einmal nicht essen gehen zu müssen.

Fazit:
16 Km bis Lucens (26 km bis Syens), 4 Stunden, keine Höhenunterschiede
Leichte Wanderung , die mittellange Strecke erfordert aber wegen der fehlenden Abwechselung Durchhaltevermögen, eine der ganz wenigen Etappen, die ich gerne in Begleitung eines Gesprächspartners gegangen wäre. Im Sommer bei Sonnenschein mangels Schatten nicht zu empfehlen. Übernachtung in Moudon rechtzeitig buchen, weil die Möglichkeiten sehr begrenzt sind.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #17

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Von Fribourg nach Payerne am 19.04.2022

Obwohl ich früh aufgewacht war, zog ich erst um 9:30 Uhr los. Trotz des sonnigen Frühlingswetters herrschten morgens nur knapp 6 ° C. Nachdem ich durch eine Unterführung am Bahnhof gelaufen war, ging es bergauf durch ein Wohnviertel und schon bald wurde mir warm. In den nächsten eineinhalb Stunden führte mich der Jakobsweg immer in die Nähe von Orten und Hauptverkehrsstraßen über asphaltierte und Betonplattenwege.

Ich hatte mich für die Variante nach Moudon über Payerne entschieden. Bis Payerne war der Weg im Pilgerführer als abwechselungsreich beschrieben. Für die Fortsetzung, die sehr lange und eher eintönig immer am Flussufer der Broye entlang führte, sollte Durchhaltevermögen gefragt sein. Ich wollte mich schonen und hatte mir diese Strecke ausgesucht, weil sie weitgehend eben verlief. Auf diese Etappe war ich sehr gespannt.

Nachdem ich ein großes Pilgerkreuz aus dem 18. Jahrhundert passiert hatte, fand ich den Abzweig nach Payerne. Kurz danach überquerte ich die Autobahn A 12, die für mich die Krönung der verkehrsreichen Wegführung an diesem Tag darstellte.

Aber danach lief ich lange auf weichem Untergrund durch den Wald. Unzählige Frühlingsblüten, vor allem Buschwindröschen und Schlüsselblumen, sah ich auf dem Waldboden. Weil die meisten Bäume noch kein Laub gebildet hatten, fiel helles Licht in den Wald. Andererseits gab es kaum Schatten, so dass es mir im Laufe der Zeit ziemlich warm wurde. Bald konnte ich mich über die erste Aussicht auf die schneebedeckten Berge freuen, wobei ich bis heute nicht weiß, um welches Gebiet es sich handelt (die Schweizer Berge bei Crans-Montana ?).

Leicht abfallend führte mich die Via Jacobi danach zu einem Bächlein. Auch dort bedeckten wunderschöne Blüten den Waldboden. Kurz nachdem ich begeistert blühende Zweige an einem Baum vor dem strahlend blauen Himmel fotografiert hatte, begann ein kurzer, aber äußerst steiler Aufstieg. An einem Punkt hatte ich sogar Angst, mit dem Rucksack nach hinten zu kippen. Danach befand ich mich auf einem schräg abschüssigen Pfad wieder und war sehr froh, dass der Untergrund trocken war. Quer über dem Weg lag ein umgestürzter Baum, wobei ich den Fortgang der Strecke nur daran erkannte, dass dahinter Stufen den Hang hinauf führten. Schwer atmend und mit zitternden Beinen erreichte ich schließlich die Höhe. Nun rief ich St. Jakob an und bat ihn um eine Bank. Und was kam bald darauf ? Einer von diesen opulent ausgestatteten Schweizer Rastplätzen im Wald mit Schutzhütte und Grillstelle. In der Tat: Camino provides !

Dort ließ ich mich nieder. Nach fast drei Stunden Rucksackwanderung war ich reif für eine Pause und eine ausgedehnte Brotzeit. Ich schälte das aus dem Hotel mitgenommene Osterei, aß die Reste meiner Verpflegung von der Zugfahrt und mein letztes Schokoladenei musste daran glauben. Dazu trank ich eine Menge Wasser. Alles war perfekt, nur der Kaffee fehlte!

Frisch gestärkt brach ich wieder auf. Zum nächsten Ort Noréaz ging es angenehm bergab durch den frischen grünen Wald und bald sah ich wieder ein herrliches Bergpanorama.

Der Ort präsentierte sich leider ohne Restaurants oder Cafés, aber am Ortsausgang kam ich an einem Haus mit einem großen Schild vorbei, auf dem Getränke und Kuchen angeboten wurden. Es sah nicht nach einem geöffneten Lokal aus, aber ich war kaffeedurstig genug, um an der Haustür zu klingeln.

Die Dame des Hause öffnete und antwortete mir, dass es keinen Kaffee gäbe, aber meine Wasserflasche, die ich in der Hand hielt, wollte sie mir füllen. Ich nahm dankend an und fragte, ob sich in der Nähe ein geöffnetes Café befinde. Das war nicht der Fall und so kochte mir Madame schließlich einen aromatisch starken Kaffee und wollte nicht einmal Geld annehmen. Wir unterhielten uns ein bisschen und sie berichtete, dass sie schon häufiger vorbeiziehende Pilger mit Kaffee verpflegt hatte. Richtig nett!

Vorbei an schönen Gärten mit frühlingshaften Blüten, ging es danach kurz steil hinab nach Moulin de Prez. Unten überquerte ich den Bach L’Arbogne, dem ich eine Weile folgte. Auf einem Felsen sah ich den Turm der Burgruine Montagny.

Ab Les Arbognes, einem Ort mit einem Sägewerk, wenigen Häusern und einem (wegen Ruhetag geschlossenen) Restaurant, lief ich auf der wenig befahrenen Straße. Der Verkehr nahm in Cousset zu, aber gleich am Ortseingang war eine Abzweigung auf dem Jakobsweg ausgeschildert. So zeigte es auch mein GPX-Track an. Ich wollte lieber dem Pilgerführer glauben und lief auf dem Bürgersteig durch den Ort. Auch hatte ich auf eine Einkehrmöglichkeit gehofft, aber da gab es wieder nichts. Das Bahnhofshotel hatte geöffnet, aber die Gaststätte war geschlossen. Am Ortsausgang führte die Umgehung zurück auf meine Strecke. Bald darauf sah ich schon den Turm der Wallfahrtskirche Notre-Dame de Tours. Nun schon etwas müde schleppte ich mich über die Stufen hinauf zu dem Gotteshaus. In der Kirche war es angenehm kühl, aber ein Pilgerstempel wurde nicht angeboten.

Über einen Wiesenpfad erreichte ich Corcelles, wo ich es wieder besser wusste und der stark befahrenen Hauptstraße folgte. Der Verkehr störte mich schließlich so sehr, so dass ich mit Hilfe des GPX-Tracks abzweigte und nach einer kleinen Steigung auf dem über einen Wiesenpfad verlaufenden Jakobsweg landete. Die letzten Kilometer zogen sich fürchterlich, aber schließlich kam ich doch in meiner Unterkunft am Bahnhof von Payerne an.

Fazit:
22 Km, 180 m Aufstieg, 320 Abstieg, 6,5 Stunden ohne Pausen
Sehr abwechselungsreiche Etappe, nachdem man Fribourg und Umgebung passiert hat, weitgehend naturnah, die Frühlingsvegetation im Wald gefiel mir ausgesprochen gut. Wenige Einkehrmöglichkeiten, daher besser Proviant und Wasser mitnehmen. Für mich persönlich eine lange Strecke, bei durchschnittlicher Fitness unproblematisch.

Auf dem Weg zum Abendessen spazierte ich zu den beiden Kirchen auf dem Gelände der Abtei von Payerne. Das Kloster gehörte im Jahr 962 zu den ersten Tochterklöstern von Cluny. Schließlich mussten die Mönche das Kloster im Jahr 1536 während der Reformation verlassen. Teile des Konventsgebäudes wurden abgerissen oder umgewidmet. 1926 wurde der Komplex sorgfältig restauriert.
Quelle: Rother Pilgerführer, Jakobswege Schweiz

Einen wunderschönen Blick auf die Kirchen hatte ich vom Fenster meines Hotelzimmers. Allerdings schlugen die Kirchturmuhren die ganze Nacht lang jeweils zur vollen Stunde, erst die eine und dann die andere!

Auf euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #16

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Einführung

Im letzten Sommer und Herbst pilgerte ich 280 km mit dem Rucksack auf dem Schweizer Jakobsweg von Konstanz/Kreuzlingen bis nach Fribourg (s. meine Posts, beginnend mit Auf dem Schweizer Jakobsweg/On the Swiss Camino #1). Unterwegs durfte ich traumhafte Landschaftsbilder sehen, aber das Wandern strengte mich auch an. Obwohl ich mein linkes Knie soweit wie möglich schonte, kam ich humpelnd in Fribourg an.
Zu Hause ging es mir bald wieder gut. Mein Orthopäde meinte, dass beide Menikusseiten angerissen seien und ich bei Fernwanderungen wieder mit Schmerzen rechnen müsse, vor allem solle ich das Bergabgehen vermeiden.

Das Pilgern auf der Via Jacobi, dem Schweizer Camino, wollte ich aber gerne beenden. Der Jakobsweg, der von Fribourg nach Genf und dann noch ein kurzes Stück zur französischen Grenze führt, ist zwar noch rund 150 km lang, überwindet aber keine großen Höhenunterschiede mehr. Hinter Fribourg hatte ich mir eine flachere Variante ausgesucht und kurz danach verläuft der Weg weitgehend eben am Genfer See entlang.

Anreise

Am 18. April 2022, dem Ostermontag, nahm ich den Zug um 6:48 Uhr von München nach Zürich. Meine Umsteigezeit in Zürich betrug nur fünf Minuten und ich war gespannt, ob SBB, die Schweizer Bahn, das hinbekommen würde. Als Alternative hatte ich mir eine Bahn ausgesucht, die eine Stunde später nach Fribourg fuhr. Ab der Schweizer Grenze war die Maskenpflicht im Zug, wie alle Schweizer Coronamaßnahmen aufgehoben, aber die meisten Reisenden, wohl hauptsächlich Touristen, schützten sich weiterhin.

In Zürich kamen wir zehn Minuten später an und die nächste Verbindung war gestrichen worden. Ich entschied mich für den gerade abfahrenden Zug nach Bern, das ging wenigstens in die richtige Richtung. Die freundliche und fixe Schaffnerin riet mir, mit der S-Bahn nach Fribourg zu fahren und wies mich darauf hin, dass ich mich beeilen und auf dem Gleis bis ganz nach vorne gehen musste. Alles klappte und ich kam gegen 13 Uhr, nur eine Stunde später als vorgesehen, am Zielort an.

Von St. Antoni nach Fribourg

Als ich ausstieg und durch den Bahnhof nach draußen ging, fiel mir auf, dass ich als eine der Wenigen eine Maske trug. Fribourg empfing mich mit sonnigem Frühlingswetter und kaltem Wind. Nichtsdestotrotz saßen die Leute, oft in Sommerkleidung, auf den Caféterrassen. Nach dem Einchecken im Hotel zog ich gleich meine Wanderschuhe an und packte Wasser und Snacks in meine leichte Umhängetasche. Im letzten Herbst hatte ich es nämlich nicht bis Fribourg geschafft, sondern in St. Antoni den Bus genommen (Auf dem Schweizer Jakobsweg/On the Swiss Camino #15). Die ausgelassene Strecke wollte ich nun nachholen.

Mit dem Bus fuhr ich in 20 Minuten bis St. Antoni Dorf. Schon von weitem sah ich die reformierte Kirche, an der ich den Camino im Oktober beendet hatte.

An der katholischen Kirche setzte ich den Weg fort. Wieder auf dem Camino zu pilgern, war ein unglaubliches Gefühl. In der Kirche holte ich mir den ersten Pilgerstempel und setzte mich einen Moment lang auf eine Bank. Den Hl. Jakob bat ich darum, mich zu beschützen und mir zu helfen, dass ich den Weg wie geplant gehen konnte. Als Beten würde ich das nicht bezeichnen oder war es das etwa doch?

Der Weg führte dann angenehm bergab in ein Tal , an der kleinen Sebastianskapelle vorbei und weiter über eine Wiese zu einer Marien-Andachtsstätte, wo ich eine kurze Trinkpause einlegte. Im Windschatten fand ich es ziemlich heiß und hatte auch noch, wohl doch etwas müde, Sonnenhut und -creme vergessen.

An der Straße entlang erreichte ich Tafers. Neben der Kirche befindet sich die Jakobskapelle aus dem 18. Jahrhundert und auf der Fassade ist die Legende vom Hühner- und Galgenwunder dargestellt. Auch das Innere der Kapelle gefiel mir sehr.

Die weitere Strecke bot, von einem Ausblick auf die schneebedeckten Berge abgesehen, nicht viel Sehenswertes.

Über Feld- und Wiesenwege näherte ich mich Fribourg und befand mich schließlich in der Vorstadt. An einem großen Kreisel am Ortseingang fand ich die Wegbeschilderung nicht und folgte dann der Strecke, die ich mit dem Bus zurückgelegt hatte. So verpasste ich die Ankunft durch die historische Unterstadt, was ich sehr schade fand. Als ich auf der Brücke stand und auf die Gegend hinabschaute, reichte meine Energie jedoch nicht um zurück zu gehen. Die Ecke kannte ich außerdem schon von meinem Aufenthalt in der Stadt (Nach dem Schweizer Jakobsweg/After the Swiss Camino Fribourg). So freute ich mich über das schöne Nachmittagslicht und lichtete den wunderbaren Ausblick mehrmals ab.

Abschließend schlappte ich, nun schon etwas erschöpft, zur Kathedrale St. Nicolas in der Oberstadt. Im Inneren hielten sich viele Besucher auf, so dass ich lieber Maske trug, was ich direkt nach der Wanderung aber sehr heiß fand. Schnell holte ich mir noch einen neuen Pilgerstempel und ging dann zu meiner Unterkunft in der Fußgängerzone.

Fazit:
10 km, kaum Aufstieg und ca. 130 m Abstieg, 3 Stunden
Die Kapelle in Tafers ist sehr sehenswert, ansonsten begeisterte mich diese Etappe nicht. Wenn man die längere Strecke von Schwarzenburg nach Fribourg geht, wie ich es im Oktober geplant hatte, ist die Wanderung insgesamt abwechselungsreicher. Für mich lohnte sich dieser Abschnitt vor allem als kurzer Wiedereinstieg in den Camino ohne Rucksack.

Nach dem Abendessen unternahm ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt und freute mich über das Stadtpanorama im Abendlicht.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #15

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Von Schwarzenburg nach St. Antoni (Fribourg)

Mein vorerst letzter Pilgertag auf dem Schweizer Jakobsweg stand an, vielleicht der letzte überhaupt, wenn es mit meinen körperlichen „Gebrechen“ so weiter ging. Aber es gibt auch Gutes zu berichten. Das Wetter hatte sich deutlich verbessert. Es blieb den ganzen Tag sonnig und leicht bewölkt. Besonders warm war es nicht, die Temperaturen bewegten sich wieder im einstelligen Bereich, aber zum Wandern war das genau richtig.

Von Schwarzenburg verlief der Weg leicht ansteigend über Wiesen und Felder zum Gehöft Wart. Vor dem schönen Holzhaus stand eine Hinweistafel mit der Entfernung nach Santiago. Nun lief ich schon mehr als 30 Tage auf dem Camino und es war immer noch schrecklich weit! Einmal mehr beschloss ich, den Jakobsweg durch Frankreich auszulassen. So würde ich mir ca. 900 km sparen. Schließlich wollte ich noch zu Lebzeiten am Ziel ankommen.

Der Camino führte erst leicht bergab und ging dann in einen historischen, in den Felsen gehauenen Hohlweg über. Tritt- und Wagenspuren waren zu erkennen. Der Weg durch den Torenöligraben ist seit 1385 belegt und verlor erst durch den Bau der Straße im Jahr 1867 an Bedeutung.
Quelle: Rother Wanderführer, Jakobswege Schweiz

Kulturgeschichtlich war dieser Pfad ohne Zweifel sehr interessant, aber die unregelmäßigen und nassen Pflastersteine waren mir beim Hinuntergehen nicht geheuer. Festhalten konnte man sich an den glatten Felswänden auch nicht. Ich schlich hinunter.

Unten angelangt folgte ein idyllisches Wegstück durch ein Naturschutzgebiet am Flüsschen Sense entlang. Über eine Holzbrücke (habe ich nicht fotografiert, schwächelte wohl schon etwas was das Fotografieren betraf) ging es auf die andere Seite und dann sogleich in den Wald auf einem weiteren Hohlweg, der nun angenehm bergauf führte.

Über freies Gelände, an einem hübschen Jakobus-Bildstock und freundlichen Kühen vorbei, erreichte ich Heitenried.

In Heitenried wich ich zum ersten Mal von der Jakobswegbeschilderung ab, um die Kirche zu besuchen. Die Stufen, die ich hinauf und wieder heruntersteigen musste, waren eine Qual wegen meines schmerzenden Knies. Kirchenbesuche in der Gegend mussten für Schwerbehinderte schwierig sein! Aber wahrscheinlich gab es spezielle Zugänge, die ich übersehen hatte.

Danach wollte mich der Camino am Ort vorbei führen, aber damit war ich überhaupt nicht einverstanden. Ich brauchte dringend eine kleine Stärkung und natürlich Kaffee. Eine Passantin zeigte mir ein am Ortsrand gelegenes großes, graues Gebäude. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Gartenmarkt mit Café handelte, dem eine kleine Pilgerherberge mit fünf Betten angeschlossen war. Mit der Ladeninhaberin und Hospitalera plauderte ich sehr nett über das Pilgern auf dem Jakobsweg und verspeiste einen köstlich saftigen Karottenkuchen zum Cappuccino. Nach dieser sehr erholsamen Pause brach ich wieder auf und siehe da, das Caminoschild stand direkt auf der anderen Straßenseite.

Die Via Jacobi gab noch eine schöne Abschiedsvorstellung für mich. Nach einer hübschen Sicht auf Heitenried führte mich der Weg durch eine liebliche Voralpenlandschaft mit Wiesen und Wäldern. An einem Hof kurz vor St. Antoni verlief ich mich noch einmal. Das musste wohl zum Schluss noch einmal sein. Dieses Mal merkte ich es aber schon nach gut hundert Metern und kehrte zur Abzweigung zurück.

In der Kirche von St. Antoni, das ich etwa nach einer Stunde erreichte, traf ich eine Schweizer Pilgerin. Sie ging auf der Via Jacobi in Etappen, wanderte immer eine Strecke, mal tageweise aber auch länger, und kehrte dann nach Hause zurück, um den Weg später fortzusetzen. Morgens war sie in Mamishaus gestartet und würde in Fribourg übernachten. Am Wochenende wollte sie bis Lausanne gehen. Sie erzählte mir, dass sie bald mit dem Bus ein Stück Richtung Fribourg fahren wollte, um die Strecke abzukürzen. Ich hatte mir schon überlegt, dass ich mit meinen Knieschmerzen nicht die gesamte Strecke bis Fribourg, also 20 Km, laufen sollte. Eigentlich wollte ich mindestens bis zum nächsten Ort Tafers pilgern und dort noch die interessante Jakobskapelle besuchen. Kurzentschlossen schloss ich mich der Schweizerin an. Wir stürmten hinunter ins Dorf. Also eigentlich stürmte nur meine Begleiterin, während ich ihr hinkend folgte.

Wir fuhren ein Stück gemeinsam im Bus. Vor Fribourg stieg die Schweizerin aus, um die letzten Kilometer zu laufen. Ich stieg am Bahnhof in der Stadt aus und ging in Richtung meiner Unterkunft. Bald sah ich die St. Nikolaus Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt und das Ziel meiner Pilgerreise in diesem Jahr.

Fazit:
10 km, jeweils 100 m Auf- und Abstieg, drei Stunden ohne Pausen.
Historisch interessante Route mit naturnahen Wegstücken, für den fitten Pilger zu kurz, bis nach Fribourg sollte es möglichst schon gehen.

Beim Aussteigen aus dem Bus beschloss ich, die mit dem Bus zurück gelegte Strecke beim nächsten Mal auf dem Jakobsweg nachzuholen. Nach St. Antoni konnte ich in knapp 20 Minuten zurückfahren und dann ca. 10 Km nach Fribourg laufen. Das wäre eine schöne erste Etappe oder, nach einer Übernachtung am Anreisetag, auch der Teil einer längeren Etappe auf der Fortsetzung des Pilgerwegs nach Lausanne und Genf.

Zum Einchecken war es noch etwas früh, daher kehrte ich noch in einem Café in der Altstadt ein. Der Gastraum befand sich im ersten Stock. Dorthin führte eine steile Treppe. Diese schleppte ich mich hinauf. Das Knie tat weh! Als ich oben war, stellte ich fest, dass man den Kuchen an der Theke im Erdgeschoss holen musste. Netterweise erledigte das die Kellnerin, nachdem ich ihr mein Problem geschildert hatte. Beim Cappuccino mit einem sehr leckeren Moccaéclair erholte ich mich von den Mühen.

Nachdem ich mich im Hotel etwas ausgeruht hatte, besuchte ich die gotische Kathedrale, die zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert erbaut wurde. Dort holte mir den letzten Pilgerstempel und ließ meine Reise auf der Via Jacobi und die vielen traumhaft schönen Landschaftsimpressionen Revue passieren. Auch war ich stolz darauf, dass ich es tatsächlich bis nach Fribourg geschafft hatte. Aber meine Kniebeschwerden bedeuteten einen großen Wermutstropfen. Wie sollte ich es in Spanien bis nach Santiago schaffen, wenn ich nur sechs bis sieben Tage beschwerdefrei laufen konnte ?

Ich erinnerte mich auch an meine Ankunft in Lindau vor zwei Jahren. Damals hatte ich wegen tagelangen Dauerregens die letzten Kilometer auf dem Jakobsweg mit dem Bus zurückgelegen müssen.

In Fribourg verbrachte ich einen weiteren Tag, bevor ich nach Hause reiste. Wie ich durch diese schöne, aber überaus hügelige Stadt mit zahlreichen Treppen humpelte, werde ich in einem abschließenden Beitrag beschreiben (siehe hier).

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Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #14

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Von Riggisberg nach Schwarzenburg

An meinem vorletzten Tag auf dem Schweizer Jakobsweg stärkte ich mich zunächst mit einem sehr guten und reichhaltigen Frühstück in meiner Unterkunft im Schloss Riggisberg. Als ich mit einem Blick zurück auf das Schlossgebäude startete, hörte es auf zu regnen und die Sonne brach durch die Wolken. Als ich kurz danach die vielen Stufen zur Kirche von Riggisberg hinaufstieg, gefiel das meinem Knie überhaupt nicht. Oben angelangt eröffnete sich ein wunderschönes Landschaftspanorama mit Ausblicken auf die Berge. Nun wurde ich für die Wanderung am Vortag entschädigt, als das schlechte Wetter nur sehr kurze Fernblicke erlaubt hatte.

Danach ging es kurz knackig bergauf aber dann entspannter über den Weiler Mättiwill nach Rüeggisberg. Inzwischen war die Sonne hinter dunklen Wolken verschwunden. Im Dorf war nicht viel los. Ein offenes Gasthaus fand ich nicht. Schließlich kehrte ich im Dorfladen ein, wo man auch einen Imbiss einnehmen konnte. Ich entschied mich wieder für Cappuccino und Nussgipfeli. Dieses Gebäck ist zwar oft etwas trocken, schmeckt mir aber sehr gut und es gibt viel Kraft zum Wandern.

Nicht weit von der Kirche befinden sich die eindrucksvollen Mauerreste des ehemaligen Cluniazenserklosters aus dem 11. Jahrhundert. Als ich den Klosterhof betrat, begann es zu schütten. Und das Wetter sollte den ganzen Tag lang sehr wechselhaft bleiben. Mitgezählt habe ich nicht, aber ich schätze, dass es mindestens fünfmal Regen und genauso oft Sonnenschein gab.

Nach einem längeren aber nicht unangenehmen Abstieg an Viehweiden vorbei, erreichte ich das Naturschutzgebiet Schwarzwasser, wo ein ziemlich matschiger Weg am rauschenden Flüsschen entlang führte und mehrmals vor Erdrutschgefahr gewarnt wurde. Tatsächlich war an einigen Stellen der Hang von den darüberliegenden Steilwänden abgestürzt. Trotzdem gefiel es mir, dem schönen Uferweg ein Stück zu folgen.

Nach dieser idyllischen Stecke kam es wie es kommen musste, es ging wieder einmal aufwärts. Auch waren immer wieder Viehgatter zu öffnen. Einmal wurstelte ich mich mit dem Wanderstock in den feuchten Händen so ungeschickt durch das Tor, dass ich, obwohl ich einen Plastikgriff in der Hand hielt, einen leichten elektrischen Schlag bekam. Ich muss gestehen, dass dieses undramatische Ereignis dazu führte, dass es mir reichte mit dem Jakobsweg. Jeder kleine Aufstieg war mir zu viel, vom Bergabgehen ganz zu schweigen. Mein Knie schmerzte auch schon wieder. Was tat ich auf dem Camino? Für eine längere Pilgerwanderung war ich doch längst zu alt! Seufzend ging ich weiter, mitten im Nirgendwo im Regen und Nebel konnte ich nicht stehen bleiben. Aber ich würde mir gut überlegen, ob ich im nächsten Jahr noch einmal auf den Jakobsweg gehen würde. (Spoiler: Inzwischen sehe ich das anders …)

Danach führte der Weg über eine Hochebene an Feldern und kleinen Gehöften vorbei. Einmal setzte ich mich auf eine Bank an einem Hofladen, um mich auszuruhen. Es regnete zwar gerade nicht, aber es ging ein sehr kalter Wind, der mich bald wieder aufstehen ließ. Die Temperatur war inzwischen deutlich gefallen, in den einstelligen Bereich.

An der Bushaltestelle in Mamishaus zweigte der Camino von der Straße nach links aufwärts ab. Auf einen weiteren Anstieg legte ich gerade keinen Wert. In der Schweiz bleiben die Straßennamen gleich, wenn eine Straße in den nächsten Ort führt. Also musste mein Hotel an der Straße liegen, wo ich mich gerade befand. Es waren knapp zwei Kilometer und an der leicht abfallenden Straße mit breitem Randstreifen konnte ich gefahrlos entlang gehen. Nach kurzer Zeit erreichte ich Schwarzenburg, wo ich auf dem Bürgersteig gehend zu meiner Unterkunft gelangte. Für die Mühen des Tages entschädigte ich mich mit einem leckeren lauwarmen Schokoladenkuchen zum Cappuccino.

Fazit:
15 km,170 m Aufstieg, 150 m Abstieg, 4 Stunden reine Gehzeit
Eine mittellange an für sich unschwierige Etappe, kurzweilig und abwechselungsreich, sehenswert sind vor allem die Kirche aus dem 14. Jahrhundert in Riggisberg (toller Panoramablick vom Kirchenplateau) und die Klosterruine in Riggisberg. Trotzdem mein persönlicher Tiefpunkt auf dem Jakobsweg!

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