Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #16

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Einführung

Im letzten Sommer und Herbst pilgerte ich 280 km mit dem Rucksack auf dem Schweizer Jakobsweg von Konstanz/Kreuzlingen bis nach Fribourg (s. meine Posts, beginnend mit Auf dem Schweizer Jakobsweg/On the Swiss Camino #1). Unterwegs durfte ich traumhafte Landschaftsbilder sehen, aber das Wandern strengte mich auch an. Obwohl ich mein linkes Knie soweit wie möglich schonte, kam ich humpelnd in Fribourg an.
Zu Hause ging es mir bald wieder gut. Mein Orthopäde meinte, dass beide Menikusseiten angerissen seien und ich bei Fernwanderungen wieder mit Schmerzen rechnen müsse, vor allem solle ich das Bergabgehen vermeiden.

Das Pilgern auf der Via Jacobi, dem Schweizer Camino, wollte ich aber gerne beenden. Der Jakobsweg, der von Fribourg nach Genf und dann noch ein kurzes Stück zur französischen Grenze führt, ist zwar noch rund 150 km lang, überwindet aber keine großen Höhenunterschiede mehr. Hinter Fribourg hatte ich mir eine flachere Variante ausgesucht und kurz danach verläuft der Weg weitgehend eben am Genfer See entlang.

Anreise

Am 18. April 2022, dem Ostermontag, nahm ich den Zug um 6:48 Uhr von München nach Zürich. Meine Umsteigezeit in Zürich betrug nur fünf Minuten und ich war gespannt, ob SBB, die Schweizer Bahn, das hinbekommen würde. Als Alternative hatte ich mir eine Bahn ausgesucht, die eine Stunde später nach Fribourg fuhr. Ab der Schweizer Grenze war die Maskenpflicht im Zug, wie alle Schweizer Coronamaßnahmen aufgehoben, aber die meisten Reisenden, wohl hauptsächlich Touristen, schützten sich weiterhin.

In Zürich kamen wir zehn Minuten später an und die nächste Verbindung war gestrichen worden. Ich entschied mich für den gerade abfahrenden Zug nach Bern, das ging wenigstens in die richtige Richtung. Die freundliche und fixe Schaffnerin riet mir, mit der S-Bahn nach Fribourg zu fahren und wies mich darauf hin, dass ich mich beeilen und auf dem Gleis bis ganz nach vorne gehen musste. Alles klappte und ich kam gegen 13 Uhr, nur eine Stunde später als vorgesehen, am Zielort an.

Von St. Antoni nach Fribourg

Als ich ausstieg und durch den Bahnhof nach draußen ging, fiel mir auf, dass ich als eine der Wenigen eine Maske trug. Fribourg empfing mich mit sonnigem Frühlingswetter und kaltem Wind. Nichtsdestotrotz saßen die Leute, oft in Sommerkleidung, auf den Caféterrassen. Nach dem Einchecken im Hotel zog ich gleich meine Wanderschuhe an und packte Wasser und Snacks in meine leichte Umhängetasche. Im letzten Herbst hatte ich es nämlich nicht bis Fribourg geschafft, sondern in St. Antoni den Bus genommen (Auf dem Schweizer Jakobsweg/On the Swiss Camino #15). Die ausgelassene Strecke wollte ich nun nachholen.

Mit dem Bus fuhr ich in 20 Minuten bis St. Antoni Dorf. Schon von weitem sah ich die reformierte Kirche, an der ich den Camino im Oktober beendet hatte.

An der katholischen Kirche setzte ich den Weg fort. Wieder auf dem Camino zu pilgern, war ein unglaubliches Gefühl. In der Kirche holte ich mir den ersten Pilgerstempel und setzte mich einen Moment lang auf eine Bank. Den Hl. Jakob bat ich darum, mich zu beschützen und mir zu helfen, dass ich den Weg wie geplant gehen konnte. Als Beten würde ich das nicht bezeichnen oder war es das etwa doch?

Der Weg führte dann angenehm bergab in ein Tal , an der kleinen Sebastianskapelle vorbei und weiter über eine Wiese zu einer Marien-Andachtsstätte, wo ich eine kurze Trinkpause einlegte. Im Windschatten fand ich es ziemlich heiß und hatte auch noch, wohl doch etwas müde, Sonnenhut und -creme vergessen.

An der Straße entlang erreichte ich Tafers. Neben der Kirche befindet sich die Jakobskapelle aus dem 18. Jahrhundert und auf der Fassade ist die Legende vom Hühner- und Galgenwunder dargestellt. Auch das Innere der Kapelle gefiel mir sehr.

Die weitere Strecke bot, von einem Ausblick auf die schneebedeckten Berge abgesehen, nicht viel Sehenswertes.

Über Feld- und Wiesenwege näherte ich mich Fribourg und befand mich schließlich in der Vorstadt. An einem großen Kreisel am Ortseingang fand ich die Wegbeschilderung nicht und folgte dann der Strecke, die ich mit dem Bus zurückgelegt hatte. So verpasste ich die Ankunft durch die historische Unterstadt, was ich sehr schade fand. Als ich auf der Brücke stand und auf die Gegend hinabschaute, reichte meine Energie jedoch nicht um zurück zu gehen. Die Ecke kannte ich außerdem schon von meinem Aufenthalt in der Stadt (Nach dem Schweizer Jakobsweg/After the Swiss Camino Fribourg). So freute ich mich über das schöne Nachmittagslicht und lichtete den wunderbaren Ausblick mehrmals ab.

Abschließend schlappte ich, nun schon etwas erschöpft, zur Kathedrale St. Nicolas in der Oberstadt. Im Inneren hielten sich viele Besucher auf, so dass ich lieber Maske trug, was ich direkt nach der Wanderung aber sehr heiß fand. Schnell holte ich mir noch einen neuen Pilgerstempel und ging dann zu meiner Unterkunft in der Fußgängerzone.

Fazit:
10 km, kaum Aufstieg und ca. 130 m Abstieg, 3 Stunden
Die Kapelle in Tafers ist sehr sehenswert, ansonsten begeisterte mich diese Etappe nicht. Wenn man die längere Strecke von Schwarzenburg nach Fribourg geht, wie ich es im Oktober geplant hatte, ist die Wanderung insgesamt abwechselungsreicher. Für mich lohnte sich dieser Abschnitt vor allem als kurzer Wiedereinstieg in den Camino ohne Rucksack.

Nach dem Abendessen unternahm ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt und freute mich über das Stadtpanorama im Abendlicht.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Bald geht es wieder los !/ Soon I will be on my Way again!

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Im letzten Sommer und Herbst pilgerte ich etwa 280 km mit dem Rucksack auf dem Schweizer Jakobsweg, der Via Jacobi, von Konstanz/Kreuzlingen bis nach Fribourg. Unterwegs erlebte ich traumhafte Landschaften, aber das Pilgern war auch recht anstrengend. Obwohl ich mein linkes Knie soweit wie möglich schonte, z.B. bei langen Abstiegen den Bus nahm, kam ich im Herbst humpelnd in Fribourg an.

Zu Hause war ich bald wieder beschwerdefrei. Mein Orthopäde meinte aber, dass beide Menikusseiten angerissen sind und ich bei Fernwanderungen wieder mit Schmerzen rechnen muss.

So schnell gebe ich aber nicht auf! In der nächsten Woche möchte ich den Camino fortsetzen. Der Jakobsweg von Fribourg nach Genf und dann zur Schweizer Grenze, ist zwar immer noch rund 150 km lang, das Pilgern ist aber nicht mehr mit großen Steigungen verbunden. Gleich zum Beginn werde ich eine flachere Variante wählen. Der Weg führt danach lange fast eben am Ufer des Genfer Sees entlang.

Nun probiere ich es einfach. Und wenn es nicht geht, nehme ich den Zug nach Hause. Operieren lassen kann ich mich später immer noch.

Ich traue mich kaum, mich auf die Pilgerwanderung zu freuen. In der jetzigen Situation kann doch so Vieles dazwischen kommen. Die Coronainzidenz in der Schweiz sinkt stetig, ist viel niedriger als zu Hause. Allerdings sind auch die Coronamaßnahmen aufgehoben, was ich ein bisschen gruselig finde. Maske werde ich sicher oft freiwillig tragen.

Das Wetter soll mich jedenfalls nicht schrecken. Die Schweiz ist so gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, dass ich einzelne Strecken zur Not auch fahren kann. Und meine Ruhetage in Lausanne und Genf werde ich auch bei schlechtem Wetter genießen.

Wenn ich in der nächsten Woche in Fribourg ankomme, möchte ich zunächst mit dem Bus ein Stück zurückfahren nach San Antoni, wo ich im Oktober aufgegeben habe, um dann die zehn Kilometer nach Fribourg nachzuholen. Der Weg führt über die historische Stadtbefestigung durch die Altstadt zur Kathedrale, wo ich mir nach dem letzten im vorigen Jahr nun noch einmal den ersten Pilgerstempel holen möchte.

In den nächsten Tagen werde ich beginnen, meinen Rucksack zu packen. Eigentlich kann ich ziemlich viel tragen, ohne dass es meinen Rücken überanstrengt. Aber wegen des Knies, das durch jedes zusätzliche Gramm stärker belastet wird, werde ich mir bei jedem Teil überlegen, ob ich es wirklich brauche und mein Gepäck mit Hilfe der Küchenwaage reduzieren.

Bin wirklich gespannt, ob alles klappt. Berichten werde ich auf jeden Fall.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Corona Reisejahr 2021 / Corona Travel Year 2021 #2

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In der ersten Jahreshälfte 2021 hatte ich einige Ausflüge unternommen, ging zum Wandern, hatte Schlossparks, Museen und Münchner Stadtviertel besucht (Corona Reisejahr 2021 #1) , aber Verreisen war „dank Corona“ erst im zweiten Halbjahr möglich.

Rucksackreise in Bayern

Endlich vollständig geimpft traute ich mich Ende Juni wieder Öffentliche Verkehrsmittel in größerem Umfang zu benutzen und im Hotel zu übernachten. Mit dem Rucksack wanderte ich vier Tage im Bayerischen Voralpenland von Bernried am Starnberger See über Kochel nach Mittenwald, benutzte für einzelne Strecken aber auch Bus und Bahn.

Am ersten Tag, auf der Strecke am Starnberger See und an den Osterseen bis nach Kochel, sah das Wetter bedrohlich aus, glücklicherweise regnete es nicht (Wieder auf Reisen 1).

Starnberger See Seeshaupt Bayern

Das Highlight war meine Wanderung am folgenden Tag von der Kesselberg Paßhöhe auf den Herzogstand bei sehr schönem Wetter mit traumhaften Aussichten. Nur auf dem Gipfel bewölkte es sich vorübergehend (Wieder auf Reisen 2).

Auf dem Buckelwiesenweg von Wallgau nach Mittenwald genoss ich wunderschöne Landschaftseindrücke. Auf dem schattenlosen Weg setzte mir allerdings die Sommerhitze zu.

Am letzten Tag wanderte ich auf den Mittenwalder Hausberg, den Kranzberg, mit fantastischen Ausblicken in Bergwelt.

Wandern in der Fränkischen Schweiz

Ende Juli hatte H. ebenfalls den vollständigen Impfschutz erreicht. Das nutzten wir für eine Woche Wanderurlaub in der Fränkischen Schweiz, die sich in Bayerns Norden befindet (s. ab hier: Ferien in der Fränkischen Schweiz 1).

Wir unternahmen kürzere und längere Tageswanderungen, schauten uns eine Wallfahrtskirche, Burgen, eine Höhle, sowie Fachwerkhäuser an und bewunderten die typischen Felsformationen. Danach erholten wir uns in unserer gemütlichen Pension beim köstlichen und sehr vielfältigen Kuchenangebot und beobachten die Ziegenherde an einem steilen Felsen direkt gegenüber .

Schweizer Camino von Konstanz nach Brunnen

Anfang August war die Zeit reif für die Fortsetzung des Jakobswegs in der Schweiz. Trotz bescheidener Wetteraussichten machte ich mich auf den Weg. In der Schweiz stiegen die Coronazahlen stetig. Anfang August betrug die 7-Tage-Inzidenz August schon über 70, was damals als hoch galt. Ich wollte aber die Pilgerwanderung in der Schweiz nicht schon wieder verschieben wie im Jahr 2020.

Zwar gab es dann Tage mit viel Regen und mancher schöne Ausblick entging mir, aber das Pilgern durch die wunderbare Schweiz mit ihren liebvoll restaurierten Häusern, den vielen Kapellen, dem Weg, der über historische Pilgerpfade führte, war möglich und gefiel mir sehr. Auch blieb es an einigen Tagen trocken, wurde sogar richtig schön (Näheres: Auf dem Schweizer Jakobsweg #1 bis #6 ). Zum Abschluss gönnte ich mir einen Tag in der Traumstadt Luzern.

Leipzig, Quedlinburg und Eisenach

In Ostdeutschland waren die Inzidenzen Ende August relativ niedrig, in Leipzig lag sie z.B. unter 30. Daher begab ich mich auf die schon seit längerer Zeit geplante Städtereise. Der Sommer war wirklich verregnet im letzten Jahr. Zwei Tage verbrachte in jeder Stadt und an einem schüttete es jeweils! Trotzdem war ich sehr beeindruckt vom reichen kulturellen Erbe der besuchten Orte.

In Leipzig sah ich die Schauplätze der Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 und bewunderte den Mut der Bevölkerung, der zum Ende des DDR Regimes führte (s. Street Art Mural). Auch die vielen sorgfältig restaurierten historischen Gebäude begeisterten mich.

In der Welterbestadt Quedlinburg konnte ich Stiftskirche mit dem Quedlinburger Domschatz, die Altstadt mit Kirchen, Stadtmauer und über 1300 Fachwerkhäusern aus mehreren Jahrhunderten besuchen.

Ganz oben auf meiner Liste hatte die Welterbestätte Wartburg in Eisenach gestanden. 1521/22 hielt sich der Reformator Martin Luther als „Junker Jörg“ hier versteckt und übersetzte während dieser Zeit das Neue Testament der Bibel ins Deutsche. Im Lutherhaus in Eisenach wurde die Bibelübersetzung anschaulich und interaktiv vermittelt. Man konnte sogar einzelne Passagen an den Bildschirmen mitübersetzen (natürlich nur mit Einmalhandschuhen). Im 16. Jahrhundert exitierte keine einheitliche, hochdeutsche Sprache nur viele verschiedene Dialekte. Durch Luthers Bibelübersetzung wurde die Heilige Schrift nicht nur zugänglicher für die breite Bevölkerung sondern Luther legte die Grundlage für die deutsche Standardsprache (Wartburg und Luther).

Schweizer Jakobsweg von Brunnen nach Fribourg

Das Pilgern auf dem Schweizer Jakobsweg im August hatte mir so gut gefallen, dass ich den Weg in Brunnen am Vierwaldstätter See Anfang Oktober fortsetzte. Zunächst zögerte ich noch, weil sich die Corona Infektionen in der Schweiz wieder auf relativ hohem Niveau bewegten, aber als sie im Oktober leicht gesunken waren und ich las, dass genau auf die Maskenpflicht geachtet wurde und in jeder Unterkunft und allen Restaurants 3G galt, was streng kontrolliert wurde, zögerte ich nicht mehr.

In neun Tagen lief ich auf dem Camino bis nach Fribourg. Einen Ruhetag verbrachte ich am Brienzer See und einen weiteren nach dem Jakobsweg humpelnd in Fribourg. Über meine Erlebnisse, die vielen Höhen und wenige Tiefpunkte habe ich ausführlich berichtet (beginnend: Auf dem Schweizer Jakobsweg #7). Auf dem Schweizer Jakobsweg möchte ich in diesem Jahr über Lausanne und Genf bis zur Schweizer Grenze weiter ilgern, am liebsten im Frühjahr, wenn es Corona zulässt.

Im November stiegen die Inzidenzzahlen in Bayern immer weiter. Einzelne Gebiete, welche die Schwelle von 1000 erreicht hatten, mussten in den Lockdown gehen, und in München lag die Zahl bei 720, mit steigender Tendenz. Dazu kam, dass für alle Freizeitangebote, also auch für Museen und Kinos, 2 G plus (Zugang nur für Geimpfte oder Genesene mit aktuellem Test) galt. Ich beschloss, Corona ein Stück weit auszuweichen und unternahm eine Kurzreise nach Lübeck und Travemünde in Norddeutschland, wo die Inzidenzwerte mit unter 200 vergleichsweise moderat waren.

Was ich dort erlebte, werde ich noch berichten. Nur soviel: ich verliebte mich in die Backsteingotik der Welterbe Stadt Lübeck, besuchte sehr interessante Museen und naschte vom berühmten Lübecker Marzipan. In Travemünde konnte ich nach zwei Jahren endlich wieder am Meer spazieren gehen, ein auch bei trübem Herbstwetter wunderschönes und berührendes Erlebnis.

Fazit:
2021 war ein besonderes aber trotzdem sehr ereignisreiches und schönes Reisejahr für mich. Die meisten Ziele suchte ich dann auf, wenn es coronabedingt günstig war. Der vollständige Impfschutz und mein Rentnerinnenstatus ermöglichten mir das. Weil ich mich viel an der frischen Luft aufhielt und mich eher etwas strenger als erforderlich an die Coronamaßnahmen hielt, fühlte ich mich auch sicher.

Alle Orte hatte ich schon länger aufsuchen wollen und es gefielt mir ausnahmslos sehr gut. Obwohl es stimmt, dass es in Deutschland und in den Nachbarländern unendlich viel Wunderbares zu sehen und zu erleben gibt, hoffe ich doch sehr, dass bald wieder Auslandsreisen in weiter entfernte Länder möglich werden. Europäische Länder würden mir schon reichen …

Abschließend danke ich euch, meinen treuen Lesern und Followern, für euer stetiges Interesse an meinen Reiseberichten und das immer sehr nette Feedback. So macht das Schreiben von Blogposts richtig Spaß!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Nach dem Schweizer Jakobsweg/ After the Swiss Camino: Fribourg

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Nach neun Tagen Pilgerwanderung auf der Via Jacobi im Oktober 2021 verbrachte ich noch einen Tag in Fribourg, bevor ich nach Hause fuhr.

Morgens frühstückte ich recht gemütlich. Zuerst aß ich meinen restlichen Wanderproviant und trank dazu einen köstlichen Nespresso aus der Maschine im Hotelzimmer. Dann ging ich zum nahen Bahnhof, um mein Ticket für die Heimatfahrt zu kaufen. Online hatte ich es auch versucht, der Bezahlvorgang stellte sich aber als kompliziert heraus, so dass ich den Spaziergang durch die Fußgängerzone vorzog.

Danach gönnte ich mir ein kleines 2. Frühstück in einem Kaufhaus. Es gab frischen Orangensaft, ein Mini Bircher Müsli und ein kleines Croissant zum Cappuccino. Das mundete ganz köstlich und war für Schweizer Verhältnisse nicht einmal teuer

Und dann schlappte ich durch Fribourg. Mein Knie war nicht besser geworden und jeder Schritt über eine kleine Stufe war schmerzhaft. Und davon gab es reichlich in der hügeligen Altstadt! Ich hatte einen Wanderstock mitgenommen, um mich darauf zu stützen und fühlte mich mindestens zehn Jahre älter. Das trübte meine Stimmung und das graue kalte Wetter tat ein Übriges.

Meine Unterkunft befand sich im Burgquartier von Fribourg, das im Jahr 1157 durch Herzog Berthold von Zähringen an strategischer Lage auf einem Felsvorsprung über der Saane gegründet wurde. Als Nächstes wollte ich die Unterstadt besuchen, das historische Neustadtquartier, das im 13. Jahrhundert ebenfalls durch den Herzog geschaffen wurde. Im 18. Jahrhundert lebte die Oberschicht der Stadt rund um die Kathedrale und in der Reichengasse (Grand-Rue), während sich die Unterschicht in der Unterstadt, insbesondere in der Neustadt, ansiedelte. Der Bau der Standseilbahn “ Funiculaire“ im Jahr 1899 erleichterte den Zugang zum kommerziellen und industriellen Stadtgebiet, dem Burgquartier.
Quellen: Fribourg Tourisme und Wikipedia

Zunächst irrte ich auf der Suche nach dem Zugang zur Neustadt umher. Das Viertel sah ich schließlich von einer hohen Brücke über den Fluss Saane. Es lag tief unten und sehr viele Stufen führten direkt dort hin. Das kam für mich aber nicht in Frage.

Also suchte ich die Funiculaire, um damit bequem nach unten zu fahren. Einen Passanten sprach ich an und fragte nach der Station. Seiner Beschreibung folgend humpelte ich immer weiter eine steile Straße mit zahlreichen Treppen hinunter. Dabei wurde ich immer wieder von Gruppen junger Leute überholt, die mit Zetteln in der Hand nach unten rannten. Offensichtlich handelte es sich um eine Art Schulprojekt, bei dem sie eine bestimmte Route so schnell wie möglich zurücklegen mussten. Es schien aber so, als ob alle Oberstufenschüler der Stadt daran beteiligt waren. Schließlich musste ich feststellen, dass ich von der Oberstadt zur Talstation in der Unterstadt geschickt worden war. Vielleicht lag es an meinem etwas eingerosteten Französisch. Eigentlich verstand ich die französichsprechenden Schweizer sehr gut, weil sie nicht so schnell sprachen wie z.B. die Pariser. Aber das musste ja nicht auf Gegenseitigkeit beruhen!

In der Unterstadt stolperte ich ein bisschen auf den zentralen Plätzen Planche-Supérieure (Obere Matte) bis zur Planche-Inférieure (Untere Matte) umher, die sich wohl wegen des kalten Wetters und dem auf Corona zurückführenden Touristenmangel als gänzlich verlassen präsentierten. Ich überlegte, ob ich ins Hotel zurück gehen sollte, um mich auszuruhen.

Beim Zurückgehen durch die Unterstadt entdeckte ich in ein gut besuchtes Restaurant und beschloss spontan, auch einmal Mittagessen zu gehen. Im gemütlichen Innenraum des Alstadtgebäudes bestellte ich ein Menue mit einem gemischten Salat und einer Wirsingroulade, die mit einer Schweinefleischfarce gefüllt war. Dazu gab es Pilavreis. Das leckere Essen weckte meine Lebensgeister wieder.

Danach stromerte ich noch durch das ebenfalls in der Unterstadt gelegene Auviertel, spazierte über mehrere Brücken und an der Saane entlang. Nun schien sogar ein bisschen die Sonne und gleich sah alles viel schöner aus. Die idyllischen Uferpromenade mit Ausblick auf die imposanten Kalksteinfelsen gefiel mir sehr gut. Allerdings war es für mich unmöglich, den steilen Hügel zu erklimmen. Auch der Rundgang auf der historischen Stadtmauer mit den Türmen hätte ich mich interessiert. Möglicherweise kann ich alles nachholen, wenn ich den Schweizer Jakobsweg im nächsten Frühjahr in Fribourg fortsetze. Wenn alles gut geht …

Dann überquerte ich die Saane auf einer gedeckten Holzbrücke und spazierte noch etwas am anderen Flussufer entlang. Bald danach stand ich vor einer sehr hohen Brücke mit unendlich vielen Stufen, dem Zugang zur Oberstadt.

Mit dem Bus fuhr ich zunächst auf der Route zurück, die ich in der Unterstadt zu Fuß zurück gelegt hatte. Verrückterweise entdeckte ich die in der Schweiz lebende Portugiesin, mit der ich mich in Stans unterhalten hatte, am Straßenrand im Auviertel. Als ich ihr erzählte hatte, dass ich bis Fribourg laufen wollte, hatte sie sehr von der Stadt geschwärmt und mir den Besuch wärmstens empfohlen. Sie wohnte nicht dort, besuchte Fribourg nur von Zeit zu Zeit, daher wunderte ich mich doch sehr. Ich klopfte an die Scheibe und winkte, aber sie bemerkte es nicht.

Nach einer ausgiebigen Ruhepause im Hotel ging es zunächst zum Kafeetrinken in der Nähe der Kathedrale. Im Café bestellte ich einen großen Cappuccino und ein schmackhaftes Apfel-Zimt-Törtchen. Ich plauderte noch ein bisschen mit der Besitzerin, die sogar Deutsch mit mir sprach, besuchte Kirchen in der Nähe und spazierte in der Abendsonne durch den Park des Kunstmuseums und dann zurück ins Hotel.

Am nächsten Morgen ging ich zum Frühstücken ins Café und dann zum Abschied noch einmal in die St. Nikolauskathedrale, die im stimmungsvollen Halbdunkel lag und in der ich zunächst ganz alleine saß.

Noch einmal dachte ich an meine Pilgerwanderung zurück. Von Konstanz nach Fribourg hatte ich im August und nun im Oktober insgesamt fast 280 km an 15 Tagen zurückgelegt. Großartige Landschaftspanoramen hatte ich genießen dürfen, ohne Bergtouren unternehmen zu müssen. Andererseits hatte mich das häufige Auf und Ab auf der Via Jacobi, dem Schweizer Jakobsweg, oft sehr angestrengt, meiner Meinung nach viel mehr als vor zwei Jahren auf dem Münchner Jakobsweg nach Lindau. Von den Kniebeschwerden mal ganz abgesehen …

Sehr gut hatten mir auch die wunderschönen historischen Kapellen, die sorgfältig restaurierten Fachwerkhäuser am Wegesrand und die hübschen Gassen in den Altstädten gefallen. Andere Pilger hatte ich in der Schweiz nur ab und zu getroffen. Einerseits freute ich mich immer über den kurzen Austausch über Erfahrungen auf dem Camino, aber andererseits wandere ich sehr gerne alleine. Abends hätte ich manchmal gerne ein Gespräch unter Pilgern geführt. Aus persönlichen Gründen kann ich nicht in den Mehrbettzimmern von Pilgerherbergen übernachten, so dass sich dazu leider keine Gelegenheit ergeben hatte.

Sehr wohltuend war, dass ich mich den ganzen Tag an der frischen Luft bewegen konnte, ohne Corona Regeln beachten zu müssen. In sämtlichen Innenräumen wurde dagegen genau auf die Maskenpflicht geachtet und in jeder Unterkunft und allen Restaurants galt damals 3G, was genau kontrolliert wurde. Mein Impfnachweis wurde jedes Mal eingescannt und ich musste den Ausweis vorzeigen. Das machte mir nichts aus, im Gegenteil dadurch fühlte ich mich sicherer.

Insgesamt war das Pilgern auf dem Schweizer Camino ein außergewöhnlich schönes Erlebnis. Ich hoffe daher, dass ich den Weg im nächsten Frühjahr über Lausanne und Genf bis zur französichen Grenze fortsetzen kann. Und danach: mal sehen …

Nach einer Zugfahrt von sechs Stunden kam ich pünktlich und einigermaßen wohlbehalten wieder in München an.

Meine Erlebnisse auf der Via Jacobi könnt ihr, wenn ihr mögt, in 15 Posts nachlesen (von hier bis dort).

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #15

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Von Schwarzenburg nach St. Antoni (Fribourg)

Mein vorerst letzter Pilgertag auf dem Schweizer Jakobsweg stand an, vielleicht der letzte überhaupt, wenn es mit meinen körperlichen „Gebrechen“ so weiter ging. Aber es gibt auch Gutes zu berichten. Das Wetter hatte sich deutlich verbessert. Es blieb den ganzen Tag sonnig und leicht bewölkt. Besonders warm war es nicht, die Temperaturen bewegten sich wieder im einstelligen Bereich, aber zum Wandern war das genau richtig.

Von Schwarzenburg verlief der Weg leicht ansteigend über Wiesen und Felder zum Gehöft Wart. Vor dem schönen Holzhaus stand eine Hinweistafel mit der Entfernung nach Santiago. Nun lief ich schon mehr als 30 Tage auf dem Camino und es war immer noch schrecklich weit! Einmal mehr beschloss ich, den Jakobsweg durch Frankreich auszulassen. So würde ich mir ca. 900 km sparen. Schließlich wollte ich noch zu Lebzeiten am Ziel ankommen.

Der Camino führte erst leicht bergab und ging dann in einen historischen, in den Felsen gehauenen Hohlweg über. Tritt- und Wagenspuren waren zu erkennen. Der Weg durch den Torenöligraben ist seit 1385 belegt und verlor erst durch den Bau der Straße im Jahr 1867 an Bedeutung.
Quelle: Rother Wanderführer, Jakobswege Schweiz

Kulturgeschichtlich war dieser Pfad ohne Zweifel sehr interessant, aber die unregelmäßigen und nassen Pflastersteine waren mir beim Hinuntergehen nicht geheuer. Festhalten konnte man sich an den glatten Felswänden auch nicht. Ich schlich hinunter.

Unten angelangt folgte ein idyllisches Wegstück durch ein Naturschutzgebiet am Flüsschen Sense entlang. Über eine Holzbrücke (habe ich nicht fotografiert, schwächelte wohl schon etwas was das Fotografieren betraf) ging es auf die andere Seite und dann sogleich in den Wald auf einem weiteren Hohlweg, der nun angenehm bergauf führte.

Über freies Gelände, an einem hübschen Jakobus-Bildstock und freundlichen Kühen vorbei, erreichte ich Heitenried.

In Heitenried wich ich zum ersten Mal von der Jakobswegbeschilderung ab, um die Kirche zu besuchen. Die Stufen, die ich hinauf und wieder heruntersteigen musste, waren eine Qual wegen meines schmerzenden Knies. Kirchenbesuche in der Gegend mussten für Schwerbehinderte schwierig sein! Aber wahrscheinlich gab es spezielle Zugänge, die ich übersehen hatte.

Danach wollte mich der Camino am Ort vorbei führen, aber damit war ich überhaupt nicht einverstanden. Ich brauchte dringend eine kleine Stärkung und natürlich Kaffee. Eine Passantin zeigte mir ein am Ortsrand gelegenes großes, graues Gebäude. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Gartenmarkt mit Café handelte, dem eine kleine Pilgerherberge mit fünf Betten angeschlossen war. Mit der Ladeninhaberin und Hospitalera plauderte ich sehr nett über das Pilgern auf dem Jakobsweg und verspeiste einen köstlich saftigen Karottenkuchen zum Cappuccino. Nach dieser sehr erholsamen Pause brach ich wieder auf und siehe da, das Caminoschild stand direkt auf der anderen Straßenseite.

Die Via Jacobi gab noch eine schöne Abschiedsvorstellung für mich. Nach einer hübschen Sicht auf Heitenried führte mich der Weg durch eine liebliche Voralpenlandschaft mit Wiesen und Wäldern. An einem Hof kurz vor St. Antoni verlief ich mich noch einmal. Das musste wohl zum Schluss noch einmal sein. Dieses Mal merkte ich es aber schon nach gut hundert Metern und kehrte zur Abzweigung zurück.

In der Kirche von St. Antoni, das ich etwa nach einer Stunde erreichte, traf ich eine Schweizer Pilgerin. Sie ging auf der Via Jacobi in Etappen, wanderte immer eine Strecke, mal tageweise aber auch länger, und kehrte dann nach Hause zurück, um den Weg später fortzusetzen. Morgens war sie in Mamishaus gestartet und würde in Fribourg übernachten. Am Wochenende wollte sie bis Lausanne gehen. Sie erzählte mir, dass sie bald mit dem Bus ein Stück Richtung Fribourg fahren wollte, um die Strecke abzukürzen. Ich hatte mir schon überlegt, dass ich mit meinen Knieschmerzen nicht die gesamte Strecke bis Fribourg, also 20 Km, laufen sollte. Eigentlich wollte ich mindestens bis zum nächsten Ort Tafers pilgern und dort noch die interessante Jakobskapelle besuchen. Kurzentschlossen schloss ich mich der Schweizerin an. Wir stürmten hinunter ins Dorf. Also eigentlich stürmte nur meine Begleiterin, während ich ihr hinkend folgte.

Wir fuhren ein Stück gemeinsam im Bus. Vor Fribourg stieg die Schweizerin aus, um die letzten Kilometer zu laufen. Ich stieg am Bahnhof in der Stadt aus und ging in Richtung meiner Unterkunft. Bald sah ich die St. Nikolaus Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt und das Ziel meiner Pilgerreise in diesem Jahr.

Fazit:
10 km, jeweils 100 m Auf- und Abstieg, drei Stunden ohne Pausen.
Historisch interessante Route mit naturnahen Wegstücken, für den fitten Pilger zu kurz, bis nach Fribourg sollte es möglichst schon gehen.

Beim Aussteigen aus dem Bus beschloss ich, die mit dem Bus zurück gelegte Strecke beim nächsten Mal auf dem Jakobsweg nachzuholen. Nach St. Antoni konnte ich in knapp 20 Minuten zurückfahren und dann ca. 10 Km nach Fribourg laufen. Das wäre eine schöne erste Etappe oder, nach einer Übernachtung am Anreisetag, auch der Teil einer längeren Etappe auf der Fortsetzung des Pilgerwegs nach Lausanne und Genf.

Zum Einchecken war es noch etwas früh, daher kehrte ich noch in einem Café in der Altstadt ein. Der Gastraum befand sich im ersten Stock. Dorthin führte eine steile Treppe. Diese schleppte ich mich hinauf. Das Knie tat weh! Als ich oben war, stellte ich fest, dass man den Kuchen an der Theke im Erdgeschoss holen musste. Netterweise erledigte das die Kellnerin, nachdem ich ihr mein Problem geschildert hatte. Beim Cappuccino mit einem sehr leckeren Moccaéclair erholte ich mich von den Mühen.

Nachdem ich mich im Hotel etwas ausgeruht hatte, besuchte ich die gotische Kathedrale, die zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert erbaut wurde. Dort holte mir den letzten Pilgerstempel und ließ meine Reise auf der Via Jacobi und die vielen traumhaft schönen Landschaftsimpressionen Revue passieren. Auch war ich stolz darauf, dass ich es tatsächlich bis nach Fribourg geschafft hatte. Aber meine Kniebeschwerden bedeuteten einen großen Wermutstropfen. Wie sollte ich es in Spanien bis nach Santiago schaffen, wenn ich nur sechs bis sieben Tage beschwerdefrei laufen konnte ?

Ich erinnerte mich auch an meine Ankunft in Lindau vor zwei Jahren. Damals hatte ich wegen tagelangen Dauerregens die letzten Kilometer auf dem Jakobsweg mit dem Bus zurückgelegen müssen.

In Fribourg verbrachte ich einen weiteren Tag, bevor ich nach Hause reiste. Wie ich durch diese schöne, aber überaus hügelige Stadt mit zahlreichen Treppen humpelte, werde ich in einem abschließenden Beitrag beschreiben (siehe hier).

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Doors of Fribourg (Switzerland)

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This year in October I finished the Swiss Camino at Fribourg. Next spring I will continue my pilgrimage on the Camino, if possible. In Fribourg I spent another day, before I went home. Strolling through the Old Town I saw some magnificient doors.

Chapelle dans la Basse-Ville Fribourg
Service archéologique Planche Supérieure Fribourg
Cathédrale Saint-Nicolas Fribourg

This is for Dan Antion’s Thursday Door Challenge. Thank you, Dan for hosting this fun challenge.

If you would like to know more about my pilgrimage on the Way of St. James in Switzerland you should look into my posts (f. ex. here: On the Swiss Camino #10).

Always looking forward to your feedback.

Geschafft! Done !

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Auf dem Schweizer Jakobsweg von Brunnen nach Fribourg

Heute Nachmittag, nach neun Pilgertagen auf dem Schweizer Jakobsweg, bin ich in Fribourg angekommen. Soweit wollte ich es dieses Mal schaffen. Geschafft bin ich selber auch !

Trotzdem: es war ein wunderbares Erlebnis.

Näheres werde ich im Blog berichten.

Nachfolgend einige allererste Impressionen.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.