Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #15

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Von Schwarzenburg nach St. Antoni (Fribourg)

Mein vorerst letzter Pilgertag auf dem Schweizer Jakobsweg stand an, vielleicht der letzte überhaupt, wenn es mit meinen körperlichen „Gebrechen“ so weiter ging. Aber es gibt auch Gutes zu berichten. Das Wetter hatte sich deutlich verbessert. Es blieb den ganzen Tag sonnig und leicht bewölkt. Besonders warm war es nicht, die Temperaturen bewegten sich wieder im einstelligen Bereich, aber zum Wandern war das genau richtig.

Von Schwarzenburg verlief der Weg leicht ansteigend über Wiesen und Felder zum Gehöft Wart. Vor dem schönen Holzhaus stand eine Hinweistafel mit der Entfernung nach Santiago. Nun lief ich schon mehr als 30 Tage auf dem Camino und es war immer noch schrecklich weit! Einmal mehr beschloss ich, den Jakobsweg durch Frankreich auszulassen. So würde ich mir ca. 900 km sparen. Schließlich wollte ich noch zu Lebzeiten am Ziel ankommen.

Der Camino führte erst leicht bergab und ging dann in einen historischen, in den Felsen gehauenen Hohlweg über. Tritt- und Wagenspuren waren zu erkennen. Der Weg durch den Torenöligraben ist seit 1385 belegt und verlor erst durch den Bau der Straße im Jahr 1867 an Bedeutung.
Quelle: Rother Wanderführer, Jakobswege Schweiz

Kulturgeschichtlich war dieser Pfad ohne Zweifel sehr interessant, aber die unregelmäßigen und nassen Pflastersteine waren mir beim Hinuntergehen nicht geheuer. Festhalten konnte man sich an den glatten Felswänden auch nicht. Ich schlich hinunter.

Unten angelangt folgte ein idyllisches Wegstück durch ein Naturschutzgebiet am Flüsschen Sense entlang. Über eine Holzbrücke (habe ich nicht fotografiert, schwächelte wohl schon etwas was das Fotografieren betraf) ging es auf die andere Seite und dann sogleich in den Wald auf einem weiteren Hohlweg, der nun angenehm bergauf führte.

Über freies Gelände, an einem hübschen Jakobus-Bildstock und freundlichen Kühen vorbei, erreichte ich Heitenried.

In Heitenried wich ich zum ersten Mal von der Jakobswegbeschilderung ab, um die Kirche zu besuchen. Die Stufen, die ich hinauf und wieder heruntersteigen musste, waren eine Qual wegen meines schmerzenden Knies. Kirchenbesuche in der Gegend mussten für Schwerbehinderte schwierig sein! Aber wahrscheinlich gab es spezielle Zugänge, die ich übersehen hatte.

Danach wollte mich der Camino am Ort vorbei führen, aber damit war ich überhaupt nicht einverstanden. Ich brauchte dringend eine kleine Stärkung und natürlich Kaffee. Eine Passantin zeigte mir ein am Ortsrand gelegenes großes, graues Gebäude. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Gartenmarkt mit Café handelte, dem eine kleine Pilgerherberge mit fünf Betten angeschlossen war. Mit der Ladeninhaberin und Hospitalera plauderte ich sehr nett über das Pilgern auf dem Jakobsweg und verspeiste einen köstlich saftigen Karottenkuchen zum Cappuccino. Nach dieser sehr erholsamen Pause brach ich wieder auf und siehe da, das Caminoschild stand direkt auf der anderen Straßenseite.

Die Via Jacobi gab noch eine schöne Abschiedsvorstellung für mich. Nach einer hübschen Sicht auf Heitenried führte mich der Weg durch eine liebliche Voralpenlandschaft mit Wiesen und Wäldern. An einem Hof kurz vor St. Antoni verlief ich mich noch einmal. Das musste wohl zum Schluss noch einmal sein. Dieses Mal merkte ich es aber schon nach gut hundert Metern und kehrte zur Abzweigung zurück.

In der Kirche von St. Antoni, das ich etwa nach einer Stunde erreichte, traf ich eine Schweizer Pilgerin. Sie ging auf der Via Jacobi in Etappen, wanderte immer eine Strecke, mal tageweise aber auch länger, und kehrte dann nach Hause zurück, um den Weg später fortzusetzen. Morgens war sie in Mamishaus gestartet und würde in Fribourg übernachten. Am Wochenende wollte sie bis Lausanne gehen. Sie erzählte mir, dass sie bald mit dem Bus ein Stück Richtung Fribourg fahren wollte, um die Strecke abzukürzen. Ich hatte mir schon überlegt, dass ich mit meinen Knieschmerzen nicht die gesamte Strecke bis Fribourg, also 20 Km, laufen sollte. Eigentlich wollte ich mindestens bis zum nächsten Ort Tafers pilgern und dort noch die interessante Jakobskapelle besuchen. Kurzentschlossen schloss ich mich der Schweizerin an. Wir stürmten hinunter ins Dorf. Also eigentlich stürmte nur meine Begleiterin, während ich ihr hinkend folgte.

Wir fuhren ein Stück gemeinsam im Bus. Vor Fribourg stieg die Schweizerin aus, um die letzten Kilometer zu laufen. Ich stieg am Bahnhof in der Stadt aus und ging in Richtung meiner Unterkunft. Bald sah ich die St. Nikolaus Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt und das Ziel meiner Pilgerreise in diesem Jahr.

Fazit:
10 km, jeweils 100 m Auf- und Abstieg, drei Stunden ohne Pausen.
Historisch interessante Route mit naturnahen Wegstücken, für den fitten Pilger zu kurz, bis nach Fribourg sollte es möglichst schon gehen.

Beim Aussteigen aus dem Bus beschloss ich, die mit dem Bus zurück gelegte Strecke beim nächsten Mal auf dem Jakobsweg nachzuholen. Nach St. Antoni konnte ich in knapp 20 Minuten zurückfahren und dann ca. 10 Km nach Fribourg laufen. Das wäre eine schöne erste Etappe oder, nach einer Übernachtung am Anreisetag, auch der Teil einer längeren Etappe auf der Fortsetzung des Pilgerwegs nach Lausanne und Genf.

Zum Einchecken war es noch etwas früh, daher kehrte ich noch in einem Café in der Altstadt ein. Der Gastraum befand sich im ersten Stock. Dorthin führte eine steile Treppe. Diese schleppte ich mich hinauf. Das Knie tat weh! Als ich oben war, stellte ich fest, dass man den Kuchen an der Theke im Erdgeschoss holen musste. Netterweise erledigte das die Kellnerin, nachdem ich ihr mein Problem geschildert hatte. Beim Cappuccino mit einem sehr leckeren Moccaéclair erholte ich mich von den Mühen.

Nachdem ich mich im Hotel etwas ausgeruht hatte, besuchte ich die gotische Kathedrale, die zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert erbaut wurde. Dort holte mir den letzten Pilgerstempel und ließ meine Reise auf der Via Jacobi und die vielen traumhaft schönen Landschaftsimpressionen Revue passieren. Auch war ich stolz darauf, dass ich es tatsächlich bis nach Fribourg geschafft hatte. Aber meine Kniebeschwerden bedeuteten einen großen Wermutstropfen. Wie sollte ich es in Spanien bis nach Santiago schaffen, wenn ich nur sechs bis sieben Tage beschwerdefrei laufen konnte ?

Ich erinnerte mich auch an meine Ankunft in Lindau vor zwei Jahren. Damals hatte ich wegen tagelangen Dauerregens die letzten Kilometer auf dem Jakobsweg mit dem Bus zurückgelegen müssen.

In Fribourg verbrachte ich einen weiteren Tag, bevor ich nach Hause reiste. Wie ich durch diese schöne, aber überaus hügelige Stadt mit zahlreichen Treppen humpelte, werde ich in einem abschließenden Beitrag beschreiben (siehe hier).

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.