Tophighlight in Patagonia/Patagonien: Laguna Torre (El Chaltén)

El  Chaltén, ein kleines Örtchen und das Wandermekka Patagoniens, erreicht man mit dem Bus von El Calafate in drei Stunden, wobei schon  die Anfahrt entlang des Lago Argentino  ein wunderschönes Landschaftserlebnis bietet. Die Wanderungen beginnen direkt in El Chaltén und führen durch die traumhafte  Berglandschaft des Parque Nacional de los Glaciares. Die Attraktionen bilden die Berge Cerro Torre ( 3128 m) und Fizroy (3406 m). Beide Gipfel hüllen sich gerne in Wolken. Als ich im Januar 2017 im Ort ankam, war ich gespannt, ob ich die Berge während meines dreitägigen Aufenthalts zu Gesicht bekäme. Immerhin wollte ich drei Tage im Nationalpark verbringen und da würde es doch bestimmt einmal schönes Wetter geben, selbst in Patagonien, oder ?

Am ersten Tag unternahm ich eine relativ leichte Wanderung ohne größere Steigerungen zur Laguna Torre. Leider begann es gleich am Anfang leicht zu regnen. Mit meiner Regenhose und -jacke war das eigentlich kein Problem, zumal, für patagonische Wetterverhältnisse untypisch, kaum Wind wehte. Der Weg führte sehr idyllisch durch einen südlichen Buchenwald und  an einem steinigen Bachbett entlang. Aber es zeigte sich schon am ersten Aussichtspunkt, dem Mirador Torre,  der Cerro Torre nicht, sondern blieb hinter dichten Wolken verborgen. Auch am Endpunkt, der Laguna Torre, dem Gletschersee des Cerro Torre, herrschte kein besseres Wetter. Eine Weile wartete ich noch, ob der Berg sich wenigstens kurz präsentieren würde. Es klarte sogar kurz leicht auf, aber das bekannte Fotomotiv der Spiegelung des Berges in der Lagune war nie zu sehen. (Tatsächlich sieht man auf den bearbeiteten Fotos mehr als in Wirklichkeit.) An der Lagune, die mitten in einer wilden Felslandschaft liegt, gefiel es mir trotzdem. Das schlechte Wetter verstärkte den dramatischen Landschafteindruck noch. Schließlich schlenderte ich gemütlich nach El Chaltén zurück und erholte mich bei Kaffee und Kuchen.

18 km, 200 hm, 5 Stunden mit Pausen

El Chaltén, a small village and the hiking mecca of Patagonia, can be reached by bus from El Calafate in three hours, whereby the journey along the Lago Argentino already offers a wonderful landscape experience. The hiking tours start right in El Chaltén and lead through the fantastic mountain landscape of the Parque Nacional de los Glaciares. The attractions are the mountains Cerro Torre (3128 m) and Fizroy (3406 m). Both peaks like to wrap themselves in clouds. When I arrived in the village in January 2017, I was curious whether I would see the mountains during my three-day stay. After all, I wanted to spend three days in the national park and there would be some nice weather, even in Patagonia, wouldn’t it?
On the first day I did a relatively easy hike without much elevation gain to Laguna Torre. Unfortunately, a light rain started right at the beginning. With my rain trousers and jacket that was actually no problem, especially since, for Patagonian weather conditions untypical, there was hardly any wind. The path led very idyllically through a southern beech forest and along a stony creek bed, but already at the first viewpoint, the Mirador Torre, the Cerro Torre did not show up, but remained hidden behind thick clouds. Also at the end point, the Laguna Torre, the glacial lake of the Cerro Torre, there was no better weather. For a while I waited if the mountain would at least show up for a short time. It even cleared up a little bit, but the well-known photo motive of the reflection of the mountain in the lagoon was never visible. (In fact, you can see more on the edited fotos than in reality.) At the lagoon, which is located in the middle of a wild rock landscape, I liked it anyway. The bad weather added to the dramatic landscape impression. Finally,  I strolled back to El Chaltén and relaxed with coffee and cake.

18 km, 200 m elevation gain, 5 hours including breaks

Chalten (4)Chalten (8)Chalten (17)Chalten (18)Chalten (32)Chalten (33)Chalten (20)Chalten (21)Chalten (27)Chalten (19)Chalten (30)Chalten (23)Chalten (34)Chalten (35)

Über  meine  traumhaft schöne Tour zur Laguna de los Tres mit Aussicht auf den Monte Fitzroy am nächsten Tag berichte ich hier

Ihr wart sicher auch schon einmal bei mäßigem Wetter wandern. Und was habt ihr dabei erlebt ?

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Upcoming: report about my wonderful tour to the Laguna de los Tres with a view to Monte Fitzroy which I took on the next day . Look here 

Certainly you have already been hiking in rather bad weather. What did you experience ?

Looking forward to  your feedback.

 

 

 

 

Highlight: Wandern in den spanischen Pyrenäen (1) Highlight: Hiking in the Spanish Pyrenees (1)

Spanien entwickelte sich für mich gerade zu einem Reiseland,  in dem ich noch viele Ziele besuchen wollte. Im letzten Jahr besuchte ich auch einen Spanisch-Intensivkurs auf Lanzarote.

Nun,  mit dem Reisen in der sehr schwer von Covid 19 betroffene Land wird es wohl in diesem Jahr nichts werden. Zwischenzeitlich  bleibt die Erinnerung an wunderbare vergangene Reisen. In diesem Sinne veröffentliche ich noch einmal meine Beiträge über unseren  Wanderurlaub in den spanischen Pyrenäen (mit unverändertem Text plus englischer Übersetzung). Damals war ich sehr angenehm überrascht von der spektakulären Landschaft mit zahlreichen Zeugnissen mittelalterlicher Kultur, den Kapellen von Eremiten und romanischen Kirchen.
Wir verlebten einen ganz besonderen Wanderurlaub in einer bei uns weitgehend unbekannten Region.
Fotos zum Vergrößern bitte anklicken.

Einführung

Nach einem  Aufenthalt in der wunderbaren aber auch unverschämt teuren Stadt Barcelona fuhren wir mit dem Mietwagen in die Pyrenäen.

Wir hatten im idyllischen Dörfchen Laspuña bei Ainsa über einen Reiseveranstalter eine Unterkunft und das Programm „Wandern auf eigene Faust“ gebucht. Gegen die ebenfalls angebotene Wanderreise in einer Gruppe hatten wir uns bewusst entschieden. Von Laspuña aus unternahmen wir täglich Wanderungen und folgten dabei meistens den Wandervorschlägen des Reisebüros (oder versuchten es zumindest !).

Die Benutzung eines Fahrzeugs war notwendig, um zu den Ausgangspunkten der Wanderungen zu kommen. Angebote öffentlichen Nahverkehrs sind in der Gegend praktisch nicht vorhanden.

Übrigens: ich beschreibe unsere zu 100 % selbst finanzierte Reise …

Viel Spass beim Lesen wünscht eure Inga und ich denke dabei besonders an Pilgerin Belana Hermine, deren tägliche Reiseberichte von ihrer Pyrenäenwanderung vom Atlantik zum Mittelmeer meine Vorfreude auf unseren Pyrenäenurlaub sehr gesteigert hatten.

 10.9.2018 bis 13.09.2018

Wir begeben uns auf eine Höllenfahrt, besuchen Einsiedeleien, begegnen gefährlichen Raubvögeln, finden den Ausstieg aus dem kleinen Grand Canyon nicht und haben dabei rauschende Erlebnisse. Nach einem Aufstieg in einen Zirkus, wringen wir uns in einer Hütte aus und gönnen uns dann Schleckereien in einer Tankstelle.

An unserem ersten Tag in den Pyrenäen wollten wir es ruhig angehen lassen. Wir wählten daher eine kombinierte Tour  zu  den Dörfchen Tella und  Revilla mit kurzen Wanderungen bzw. Spaziergängen. Angegeben war die Fahrstrecke mit 24 km hin und zurück.

Zunächst fuhren wir von Laspuña abwärts  zur Hauptstraße, die entlang des Rio Cinca verläuft. Dort sind alle paar Kilometer schöne Picknickplätze am Fluss ausgewiesen, die wir aber nie besuchten. Die Straße führt über Bielsa nach Frankreich und ist sehr gut ausgebaut.  Dann bogen wir Richtung Tella ab, das mit 1360 m ca. 700 m höher liegt und prompt war „Schluss mit lustig“. Wir bekamen einen ersten Eindruck von den in unserem Fall stets asphaltierten aber sehr kurvigen  und engen Sträßchen, die oft auch noch zahlreiche Schlaglöcher aufwiesen und an steilen Abhängen, zum Teil ohne Vegetation oder Leitplanken, verlaufen.

Gleichzeitig fuhren wir durch sehr schöne Landschaft, die Ausblicke waren bereits atemberaubend. Allerdings konnte H. sie nicht betrachten, weil er sich auf die Straße konzentrieren musste, während ich die berühmten „tausend Tode“ starb. Da die Orte an der Straße kaum bewohnt sind und wir in der Nebensaison unterwegs waren, kamen uns nur wenige Fahrzeuge entgegen. Dabei fuhr jeder vorsichtig und mit ein bisschen Vor- und Zurückrangieren  klappte es immer mit dem Vorbeifahren.

Tella, ein winziges Örtchen, liegt am Eingang des Nationalparks „Monte Perdido & Ordesa“ (Eintritt kostenlos). Von hier aus legten wir eine kurze Rundwanderung zu drei Eremitagen aus dem 10. bis 16.Jahrhundert („Ruta de los Ermitos“)  mit weiten und faszinierenden Ausblicken  zurück.

Spain had just developed into a travel destination for me, where I still wanted to visit many destinations. Last year I also took an intensive Spanish course in Lanzarote.

Well, travelling in the country, which is heavily affected by Covid 19,  will probably not happen this year. In the meantime the memory of wonderful past journeys remains. With this in mind, I am publishing once again my posts about our hiking holidays in the Spanish Pyrenees (text unchanged, plus English translation). At that time I was pleasantly surprised by the spectacular scenery with numerous testimonies of medieval culture, the chapels of hermits and Romanesque churches.
We spent a very special hiking holiday in a region largely unknown in our country.

Introduction

After a stay in the wonderful but also outrageously expensive city of Barcelona we drove with the rental car to the Pyrenees.

We had booked accommodation and the program „hiking on your own“ in the idyllic village Laspuña near Ainsa through a tour operator. We had consciously decided against the  offered hiking tour in a group. From Laspuña we went on daily hikes and mostly followed (or at least we tried!) the hiking suggestions of the travel agency.

The use of a vehicle was necessary to get to the starting points of the hikes. There is practically no public transport in the area.

By the way: I am writing about our 100% self-financed trip …

I hope you enjoy reading it and I am thinking especially of Belana Hermine, whose daily posts of her Pyrenees hike from the Atlantic Ocean to the Mediterranean Sea had greatly increased my anticipation of our Pyrenees holiday.

Please click on the photos to enlarge.

9/10/2018 to 9/13/2018

We go on a highway to hell, visit hermitages, meet dangerous birds of prey, cannot find the exit from the small Grand Canyon and have rushing experiences. After an ascent to a circus, we have a dripping wet break in a hut and then treat ourselves to some delicacies at a gas station.

On our first day in the Pyrenees we wanted to take it easy. So we chose a combined tour to the villages of Tella and Revilla with short hikes or walks. The route was indicated as 24 km roundtrip.

First we drove down from Laspuña to the main road, which runs along the Rio Cinca. Every few kilometers there were nice picnic stops at the river, which we never visited. The road leads via Bielsa to France and is very well developed. Then we turned towards Tella, which is with 1360 m about 700 m higher and promptly it turned into „end of fun“. We got a first impression of the always asphalted but very curvy and narrow little roads, which often also had numerous potholes and run on steep slopes, partly without vegetation or crash barriers.

At the same time we drove through very beautiful landscape, the views were already breathtaking. However, H. could not look at them, because he had to concentrate on the road, while I was dying the famous „thousand deaths“. Since the villages along the road were hardly inhabited and we were  in the off-season, we met only a few vehicles. Everybody drove carefully and with a little back and forth we always managed to pass safely.

Tella, a tiny village, is located at the entrance of the national park „Monte Perdido & Ordesa“ (free entrance). From here we made a short round trip to three hermitages from the 10th to 16th century („Ruta de los Ermitos“) with wide and fascinating views.

„Wow !“ rief ich zum ersten Mal in diesem Wanderurlaub. Die Landschaften in den Pyrenäen sind auf eine sehr besondere Weise beeindruckend und überhaupt nicht überlaufen. So manches Mal erinnerten sie mich an die Nationalparks im Südwesten der USA. Nur dass es in den Pyrenäen mit den Eremitagen und den romanischen Kirchen mehr historische Gebäude zu sehen gab, von den kleinen Orten mit ihren alten Steinhäusern ganz abgesehen.
Auf dem Rückweg durch das verlassene Tella begegneten uns nur einzelne Katzen, die uns eher skeptisch musterten.

„Wow !“ I cried out for the first time on this hiking trip. The landscapes in the Pyrenees are impressive in a very special way and not overcrowded at all. Many times I was reminded of the national parks in the southwest of the USA. But that there were more historical buildings to see in the Pyrenees with the hermitages and the Romanesque churches, not to mention the small villages with their old stone houses.
On the way back through the abandoned Tella we only met some cats that looked at us rather sceptically.

Wir „erholten“ uns auf der Terrasse der erst kürzlich eröffneten Bar mit großartigem Ausblick (einzige Einkehrmöglichkeit in Tella) und besuchten dann das Museum über die riesigen Höhlenbären, die vor ca. 30.000 Jahren in der Gegend lebten.

Die Abzweigung nach Revilla hatten wir schon auf der Hinfahrt gesehen und die Straße wurde nicht besser!  Wir liefen dann vom Wanderparkplatz relativ gemütlich eine halbe Stunde  zu zwei nebeneinanderliegenden Miradores mit Blick in die dramatische Escuain-Schlucht.

We „relaxed“ on the terrace of the recently opened bar with a great view (the only place to snack in Tella) and then visited the museum showing the huge cave bears that lived in the area about 30,000 years ago.

We had already seen the turnoff to Revilla on our way to Tella and the road did not get any better now! From the hiking car park a relaxing walk of half an hour took us to two adjacent Miradores with views into the dramatic Escuain Gorge.

Schon während ich die ersten Fotos schoss, flog in einem Abstand von ca. 10 Metern der erste Geier vorbei. Es war einer der seltenen Lammgeier, die vom Aussterben bedroht sind und von denen es im Sobrarbe Landkreis, zu dem auch Laspuña gehört, aber wieder ca. 30 Paare geben soll. In der Gegend hat man angeblich die weltweit besten Möglichkeiten, Raubvögel und speziell Geier zu beobachten.

Mit dem Fokussieren der Vögel, die nun fast im Minutenabstand elegant vorbei segelten, hatte ich aber ein Problem und erwischte nur die, wenn auch sehr malerischen, Felswände. Erst später erfuhren wir, dass in der Nähe der Miradores die Geier zusätzlich gefüttert werden. Hätte ich gewusst, dass dies meine beste Begegnung mit den Geiern bleiben würde, wäre ich länger geblieben, um zu fotografieren! Stattdessen dachte ich irrtümlich  „Na ja, erster Tag, da kommt noch viel Besseres!“
15 km, zwei Spaziergänge von ca. 1,5 Stunden.

Already while I was taking the first photos, the first vulture flew past at a distance of about 10 meters. It was one of the rare lamb vultures threatened with extinction and of which there are said to be about 30 pairs again in Sobrarbe County, to which Laspuña also belongs. The area is said to have the best opportunities in the world to observe birds of prey and especially vultures.

But I had a problem with the focusing of the birds, which now elegantly sailed past almost every minute, I only caught the, albeit very picturesque, rock faces. Only later we learned that near the Miradores the vultures are additionally fed. Had I known that this would remain my best encounter with the vultures, I would have stayed longer to take pictures! Instead, I mistakenly thought „Well, first day, there will come something better!“
15 km, two walks of about 1.5 hours.


Pyrenäen (25)

Am nächsten Tag fuhren wir zum Cañon im Valle de Anisclo. Die Zu- und Abfahrt verläuft normalerweise im Einbahnstraßenverkehr auf zwei verschiedenen  Straßen. Allerdings ist eine der beiden Straßen seit 2017 wegen eines Tunneleinbruchs gesperrt, so dass wir das Vergnügen hatten, auf der engeren und schlechteren Straße über Buerba hin und zurück zu fahren. Für die insgesamt 40 km brauchten wir mehr als eineinhalb nervenaufreibende Stunden.

Schon auf dem  ersten Mirador-Parkplatz mit Blick in die Schlucht brach ich aber schon wieder in einen entzückten „Wow“ Ruf aus.

The next day we drove to the canyon in Valle de Anisclo. The entrance and exit is normally one-way traffic on two different roads. But one of the two roads is closed since 2017 due to a tunnel break-down, so that we had the pleasure to drive there and back on the narrower and worse road via Buerba. For the total of 40 km we needed more than one and a half nerve-racking hours.

But already at the first Mirador parking lot with a view into the gorge I broke out into a delighted „Wow“.

Vom nächsten Mirador, wo wir das Auto parkten (wir wussten nicht, dass man noch weiter unten an der gesperrten Straße halten konnte), stiegen wir hinunter in den Canyon.
From the next mirador, where we parked the car (we were unaware that it was possible to stop further down the closed road), we hiked down into the canyon.

Wir liefen im Cañon de Anisclo unter steil aufragenden ockerfarbenen Felswänden, am türkisfarbenen Wasser des Rio Bellos entlang und an zahlreichen Wasserfällen. Natürlich kamen wir auch wieder an einer Eremitage vorbei, die unter einer hervorkragenden Felswand errichtet worden war. Der Weg verlief dann durch einen verwunschenen bemosten Märchenwald mit idyllischen Rastplätzen am Flußufer. Unterwegs gab es sogar eine der vielen Trinkwasserquellen in der Gegend („Fuente“).

Eigentlich waren wir überaus glücklich, hätte da nicht in der Wanderbeschreibung gestanden, dass wir einen „Buchsbaumpfad weiter hoch nach Mondoto“ nehmen sollten. Ziemlich am Anfang des Weges hatte es eine Abzweigung gegeben, die aber mit anderen Zielen beschildert war, und danach  ging es nur noch weiter in die Schlucht hinein. Wir beschlossen schließlich, noch eine Weile dem wunderschönen Flußpfad zu folgen, legten eine Mittagspause an einem rauschenden Wasserfall ein und spazierten zurück, wobei wir zum Schluss noch einen kleinen Rundweg (Circuito San Urbez) gingen.

Auf dem Rückweg zum Auto fluchten wir ein bisschen, weil wir schon etwas müde waren, an der kaum befahrenen Straße entlang hinaufsteigen mussten. Allerdings sahen wir dabei die Landschaft im goldfarbenen Nachmittagslicht.

We walked in the Cañon de Anisclo under steeply rising ochre coloured rock walls, alongside the turquoise water of the Rio Bellos and numerous waterfalls. Of course, we also passed again a hermitage that had been built under a protruding rock wall. The path then ran through an enchanted mossy fairy tale forest with idyllic resting places on the river bank. On the way there was even one of the many drinking water springs in the area („Fuente“).
Actually we were very happy, had it not been written in the description of the hike that we should take a „box tree path further up to Mondoto“. At the beginning of the trail there was a turn-off, but it was signposted with other destinations, and after that we only continued into the gorge. We finally decided to follow the beautiful river path for a while, stopped for lunch at a gushing waterfall and walked back, finishing with a short circuit (Circuito San Urbez).
On the way back to the car we cursed a bit because we were already a rather tired, but we had to climb up the road with little traffic . But then we admired the landscape in the golden afternoon light.

Vor der anstrengenden Rückfahrt erholten wir uns in einer der beiden Bars im Dorf  Buerba. Wer in den Pyrenäen zum Wandern geht, muss wissen, dass es dort nur sehr selten Einkehrmöglichkeiten während des Wanderns gibt. Die Brotzeit muss man sich mitnehmen und kann dann vor oder nach dem Wandern in einer Bar im Ort einkehren, die es aber nicht in jedem Dorf vorhanden ist. Viele abgelegene Orte wurden schon von ihren Einwohnern verlassen.
20 Km,  ca. 5 Stunden plus Pausen.

Before the exhausting return trip we relaxed in one of the two bars in the village of Buerba. Hikers in the Pyrenees should know that possibilities to visit a restaurant during the hiking are rare. One has to bring a  snack  and then can have a break before or after the hiking in a bar in the village, but this is not available in every village. Many remote villages have already been abandoned by their inhabitants.

20 km, about 5 hours plus breaks.

Der Verlauf des dritten Tages bewahrte uns vor einem Overkill an schönen Landschaftserlebnissen. Ausgesucht hatte ich die Tour, weil sie keine abenteuerliche Anfahrt erforderte, sondern der Wanderparkplatz zum „Circo de Barrosa“ direkt an der Strasse über Bielsa nach Frankreich in der Nähe von Parzan lag. Auf dem Hinweg tankten wir und kehrten, einem Tipp unseres Veranstalters folgend, in der Bar an der Tankstelle ein. Tatsächlich war dort um 10 Uhr morgens schon einiges los : eine fröhliche Runde von Fernfahrern frühstückte dort deftig mit Tortilla,Wein und Kaffee mit Schnapps. Beim Cafe con Leche entdeckte ich, dass es frischen Kuchen gab. Bis dahin hatte ich das in den Pyrenäen noch nicht bekommen und merkte es mir für den Rückweg vor.

Beim Einkauf im  angrenzenden Supermarkt fiel uns auf, dass es ein sehr breites Spirituosenangebot gab und zwar hauptsächlich in XXL-Flaschen. Hinterher fiel uns ein, dass dies auf die vielen französischen Touristen zielte, die hier über die nahe Grenze kamen.

Nachdem wir das Auto geparkt hatten, liefen wir auf einem angenehm ansteigenden Weg an den Ruinen einer Blei- und Silbermine entlang in den imposanten Talkessel des Circo de Barroso, dem wir bis zum Ende folgen sollten.

The course of the third day saved us from an overkill of beautiful landscape experiences. I had chosen the tour because it did not require strenous driving. The hiking parking lot to the „Circo de Barrosa“ was located directly at the road via Bielsa to France near Parzan. On our way , we filled up with petrol and, following a tip from our travel agent, stopped at the bar of the petrol station. In fact, there was already a lot going on there at 10 a.m.: a merry group of truck drivers had a hearty breakfast with tortilla, wine and coffee with schnapps. Sipping a cafe con leche I discovered that there was freshly baked cake. Until then, I had not yet seen it in the bars in the Pyrenees and I made a note for the way back.

While shopping in the adjacent supermarket we noticed that there was a very wide range of spirits, mainly in XXL bottles. Afterwards we supposed that this was offered for the many French tourists who came here over the nearby border.

After we parked the car, we walked on a pleasantly ascending path alongside the ruins of a lead and silver mine into the imposing basin of the Circo de Barroso, which we were supposed to follow until the end.

Nun bewölkte es sich zunehmend, was wir aber nicht weiter beachteten. Dem Rio Barrosa waren wir stetig gefolgt und überquerten ihn an der ausgeschilderten Stelle mühelos, von Stein zu Stein gehend. Danach stiegen wir zu einer Schutzhütte (Refugio) auf 1740 m Höhe auf, die unser erstes Ziel bildete. Als wir dort ankamen, fielen ein paar Regentropfen. Wir verzogen uns ins Innere, wo einfache Stockbetten, ein Tisch mit Stühlen und sogar ein Ofen standen. Diesen sollte man allerdings nicht benutzen, weil der Abzug nicht funktionierte. Nachdem wir unsere Brotzeit  relativ komfortabel eingenommen hatten, hörte es auf zu regnen. Ich fühlte mich noch nicht ausgelastet und schlug vor, dass wir zur zweiten Schutzhütte gehen, die in unserer Wanderbeschreibung mit 1880 m Höhe angegeben war. Unterwegs regnete es immer mal wieder ein bisschen, aber nicht schlimm. Wir zogen unsere Regenjacken an und stiegen in Serpentinen immer weiter auf. Irgendwann kam uns das Ganze „spanisch“ vor: wir mussten schon auf etwa 2000 m Höhe sein. Wir kehrten um und in diesem Moment fing es  richtig stark zu schütten an. So schnell wir konnten, liefen wir den Berg hinunter und entdeckten dabei unser „Ziel“ , das zweite Refugio unweit der ersten Schutzhütte, eine zwischen hohen Felsen versteckte Ruine (!) .

Now it became increasingly cloudy, but we did not pay attention. We followed the Rio Barrosa steadily and crossed it effortlessly at the signposted place, walking from stone to stone. Then we ascended to a refuge (Refugio) at 1740 m height, which was our first destination. When we arrived there, a few raindrops fell. We moved inside, where there were simple bunk beds, a table with chairs and even an oven. But it was not supposed to be heated, because the exhaust pipe was out of order. After we had taken our snack in relative comfort, it stopped raining. I was still feeling fit  and suggested that we go to the second refuge hut that was mentioned in our hiking description at  a height of 1880 m. On the way it rained a little bit every now and then, but not badly. We put on our rain jackets and climbed up in serpentines higher and higher. At some time, that seemed odd to us: we already had to be at a height of approximately 2000 m. We turned back and in this moment it started to pour really hard. As fast as we could, we ran down the mountain and discovered our „destination“ the second refugio not far from the first refugio, a ruin hidden between high rocks (!) .

Als wir in das Refugio zurückgekehrten, wo wir unsere Mittagspause verbracht hatten, waren wir bis auf die Haut nass. Wir zogen einige Sachen aus und hängten sie an die Haken in der Hütte. Meine Jacke konnte man auswringen. Wir warteten eine halbe Stunde und schauten auf die Pfütze am Eingang der Schutzhütte.  Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, traten wir den Rückweg an. Interessant war, dass die nassen Klamotten sich auf der Haut zunächst ekelhaft klamm anfühlten und dann beim Wandern Körpertemperatur annahmen.

Der Rio Barroso hatte sich inzwischen in einen reissenden Fluss verwandelt, die Furt am Wanderweg gab es nicht mehr. Wir fanden schließlich eine Stelle, wo wir einigermaßen queren konnten. Allerdings  kam dabei Wasser in meine Schuhe. Meine Füße waren bis dahin meine  letzten trockenen Stellen gewesen. In einer guten Stunde, sehr viel schneller als auf dem Hinweg, waren wir zurück am Auto, das einsam auf dem Parkplatz stand. Die anderen Wanderer waren anscheinend vernünftiger gewesen und früher umgekehrt.

In der Bar an der Tankstelle gab es dann Kaffee und leckeren Kuchen. Allerdings blieben wir nicht lange, weil wir uns in den nassen Klamotten nicht wohlfühlten.

Insgesamt war das ein sehr denkwürdiger Tag, der uns zeigte, wie unvorsichtig wir gewesen waren. Allerdings ärgerten wir uns auch über die Beschreibung des Wanderwegs, die nicht aktuell war.

15 Km, ca. 5 Stunden

Wart Ihr auch schon in den Pyrenäen wandern und was habt ihr erlebt ?

When we returned to the Refugio where we had spent our lunch break, we were wet to the skin. We took off some clothes and hung them on the hooks in the hut. My jacket could be wrung out. We waited half an hour and looked at the puddle at the entrance of the hut. After the rain had eased off a little, we started our way back. It was interesting that the wet clothes felt disgustingly clammy on the skin at first and then took on body temperature while hiking.

Meanwhile, the Rio Barroso had turned into a raging river, the ford at the hiking trail did not exist anymore. We finally found a place where we could cross to some extent. However, water got into my shoes. My feet had been my last dry spots until then. In a good hour, much faster than on the way there, we were back at the car, which stood lonely on the parking lot. The other hikers had apparently been more reasonable and had turned back earlier.

In the bar at the gas station we had coffee and delicious cake. But we did not stay long, because we did not feel comfortable in the wet clothes.

All in all it was a very memorable day that showed us how careless we had been. But we were also annoyed about the description of the hiking trail, which had not been up to date.
15 km, about 5 hours

Have you also been hiking in the Pyrenees and what did you experience ?

 

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

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Finale auf dem Münchner Jakobsweg

For Translation please use the Google Translate Button!

Wollt ihr wissen, ob und wie ich es zum Ziel des Münchner Jakobswegs in Lindau geschafft habe ? Dann schaut mal hier.

8.10.2019 Scheidegg nach Hergensweiler (Lindau), ca. 12 km

Beim Frühstück fragte mich die Wirtin, ob ich bei diesem Sauwetter tatsächlich wandern wollte. Es schüttete und Dauerregen war angesagt. „Natürlich,“ entgegnete ich, „das ist meine letzte Etappe. Ich will den Jakobsweg bis Lindau schafften.“ Zunächst holte ich mir den Pilgerstempel in der Touristeninformation in Scheidegg. Wieder wurde ich gefragt, ob ich vorhatte,  im Starkregen  zu pilgern. Ziemlich zuversichtlich nickte ich. Die längste Strecke ging es bergab, 800 m hinunter vom Allgäu an den Bodensee. Auch würde es unterwegs Einkehrmöglichkeiten geben, wo ich  mich ausruhen und die Kleidung trocknen konnte.

Zunächst lief ich bergauf bis zur Gallus-Magnus-Kapelle, die neben einem schönen holzverkleideten Bauerhof lag. Die Kirche war geöffnet und ich stellte mich kurz unter.
Jakobsweg3 (179)Jakobsweg3 (180)An den Scheidegger Wasserfällen kam ich vorbei, aber der Zugang war wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Im strömenden Regen stieg ich weiter hinauf und erreichte die Wendelinskapelle.
Jakobsweg3 (182)
Von nun an ging es bergab, im übertragenen und im tatsächlichen Sinn. Der Camino führte fast nur über steile Schotterwege, die mir, da das Regenwasser den Berg hinablief und die Steine zum Teil unterspült hatte, nicht geheuer waren. Bei jedem Schritt musste ich aufpassen. Vor einem Sturz in der verlassenen Gegend fürchtete ich mich.  Es gab so viele Waldwege wie nie zuvor auf dem Münchner Jakobsweg. Nun freute ich mich über jedes asphaltierte Stück.
Jakobsweg3 (189)Das Gasthaus in Niederstaufen, war zu meinem Entsetzen geschlossen und eine weitere Einkehrmöglichkeit sah ich nicht. Wegen des schlechten Wetters waren auch keine Passanten unterwegs, die ich hätte fragen können. Natürlich hatte ich gehofft, im Trockenen relaxen zu können.

Hinter Niederstaufen folgte ich dem Flüsschen Leiblach, das ich  überquerte wie im Pilgerführer beschrieben. Als ich auf der Brücke stand, sah ich, dass sich die Leiblach nach  tagelangem Regen in ein reißendes Gewässer verwandelt hatte.

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Der Pilgerführer erläuterte den Weg nach der Brücke folgendermaßen: „… Diesem Weg folgen Sie, bis er Sie wieder zurück zu einer Brücke über einen Bach bringt …“  Am anderen Ufer stand ein Muschelzeichen, dem ich folgte. Kurz danach hatte sich der Weg in eine Schlammwüste verwandelt. Ich versuchte, über heruntergefallene Äste zu balancieren, rutschte aber vom nassen Holz herunter und blieb bei jedem Schritt im zähen Matsch stecken. Der Weg endete schließlich am Flussufer.  Ungläubig starrte ich in die trüben Fluten. Der Jakobsweg war an dieser Stelle wohl überschwemmt worden. „Es reicht !“ rief ich in den menschenleeren Wald. “ St. Jakobus, was soll das ?“ Beim Zurückgehen nahm ich einem abzweigenden Pfad, der mich aber nicht auf den richtigen Weg führte. Dazu kam, dass es im Wald keinerlei Unterstellmöglichkeiten gab. Vor dem Starkregen schützte das Blätterdach nicht. Schließlich folgte ich einem Asphaltsträßchen in Richtung Hergensweiler, wo ich den Radweg nach Sigmarszell nehmen und dort  auf den Jakobsweg zurückkehren wollte.
Beim ersten Bauernhof sah ich einen überdachten Grillplatz. Ich klingelte, um zu fragen, ob mich dort unterstellen durfte. Ein Fenster im Erdgeschoss war gekippt, aber es öffnete niemand. Nach kurzem Warten stellte ich meinen Rucksack auf dem überdachten Platz ab, setzte mich auf ein Mäuerchen und legte eine kleine Brotzeit ein.

In Hergensweiler waren einige Frauen unterwegs, die gerade ihre Kinder abgeholt hatten. Endlich Leute, die man nach dem Weg fragen konnte ! Hinter dem geschlossenen Gasthaus entdeckte ich den Radweg nach Sigmarszell. Auf dem Camino betrug die Entfernung von Niederstaufen nach Sigmarszell fünf Kilometer, von Hergensweiler waren es für Radfahrer noch mehr als zehn. Die Entfernung von Sigmarszell nach Lindau betrug weitere zehn Kilometer. Inzwischen war ich völlig durchnässt und wäre noch länger als drei Stunden unterwegs gewesen. Die Bushaltestelle fand ich ohne Probleme. Als ich sah, dass in wenigen Minuten ein Bus nach Lindau ging, entschied ich mich schweren Herzens für die Busfahrt.Jakobsweg3 (197)Den Bodensee sah ich zum ersten Mal an einer roten Ampel in  Lindau-Rehlein. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich war ziemlich enttäuscht.

Der Bus fuhr nicht zur Insel Lindau, auf der die Altstadt liegt, sondern zum Berliner Platz. Der Platz mit seinem riesigen Kreisverkehr bildet einen Verkehrsknotenpunkt. Im  Jahr 2017 hatte mich der Flixbus dort abgesetzt. Beim Aussteigen hatte ich das Hotel, das direkt am Platz lag,  gesehen und gedacht. „Was für eine schreckliche Lage!“ Nun war mir alles recht, um die nassen Klamotten loszuwerden. Ich bekam sogar ein Zimmer zum Hof, das für eine Nacht ausreichend konfortabel und ruhig war. Dort breitete ich meine Kleidung zum Trocknen aus und zog mich um. Im Einkaufszentrum gegenüber regenerierte ich mich bei Kaffee und Kuchen. Danach holte ich mir auf der Insel die letzten Pilgerstempel, in der Touristeninformation und im Münster Unserer lieben Frau, wo ich mich in die Marienkapelle setzte, um über meine Pilgerwanderung nachzudenken. Obwohl ich traurig war, dass ich den Weg nicht bis zum Ende zu Fuß zurücklegen konnte, war ich doch ein bisschen stolz , dass ich es trotz des schlechten Wetters so weit geschafft hatte. Viele der wunderbaren Landschaftspanoramen und auch die anstrengenden Erlebnisse würde ich nicht so schnell vergessen. Beim Gehen hatte ich sehr intensive Eindrücke gewonnen. Ich hatte erlebt, was Goethe meinte: „Nur wo zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.“
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Lindau hatte ich bisher nur im Sommer besucht, als es von Besuchern nur so wimmelte. Nun wirkte die Altstadt wie ausgestorben. Die Cafés waren aber geöffnet. Dorthin waren die Touristen vor dem Regen geflüchtet. Eine wunderbare Pause verbrachte ich im urigen Buchcafé, wo ich nicht zum Lesen kam, weil ich mich sehr nett mit einem älteren englischen Ehepaar unterhielt.
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Danach spazierte ich am Bodenseeufer entlang zurück zu meiner Unterkunft. Es hatte endlich aufgehört zu regnen und zwischendurch schien sogar die Sonne.
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10.10.2019 Rückfahrt nach München

Mit dem Rucksack lief ich am nächsten Morgen zum Lindauer Hafen und  beendete dort (fast regulär) meine Pilgerreise auf dem Münchner Jakobsweg.
Jakobsweg3 (220)Dann nahm ich den nächsten Zug nach München. Von den 290 km des Münchner Jakobswegs hatte ich 260 km zu Fuß zurückgelegt. Die ausgelassene Strecke von 20 km am Westufer des Ammersees werde ich in einer Tageswanderung nachholen. Auf dem  Camino hatte ich 15 Tage verbracht, die Bahn brauchte für die ähnlich verlaufende Strecke gerade einmal drei Stunden.

Unterwegs sah ich das Wegstück, auf dem ich drei Tage vorher nach Stiefenhofen gelaufen war
https://wanderlustig2019.wordpress.com/2019/12/29/auf-dem-muenchner-jakobsweg-10/  .
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Fazit:
Der Münchner Jakobsweg verläuft zu einem großen Teil auf Asphalt oder Schotterwegen. Lange Strecken führen durch landwirtschaftlich geprägte Gegenden mit schönen Bauernhöfen und Begegnungen mit putzigen neugierigen Kälbchen. Unterwegs gibt es immer wieder prächtige Barockkirchen und liebvoll ausgestattete Kapellen zu bestaunen. Bei klarem Wetter kann der Pilger traumhafte Bergpanoramen genießen.
Für mich war die Strecke mit Gepäck anstrengend genug. Vor allem im Allgäu ging es ständig auf und ab. Wer fitter ist, kann die Etappen verlängern und den Weg in kürzerer Zeit zurücklegen.
Nicht gefallen hat mir, dass ich nur am 1. und 2. Tag eine  Pilgergruppe getroffen habe. Den Caminospirit, der im  Austausch mit anderen Pilgern entsteht, habe ich leider nicht erlebt.
Es würde mich reizen, den Weg in Lindau fortzusetzen. Von Lindau fährt ein Schiff nach Rorschach, wo einer der  Schweizer Jakobswege beginnt. Gehört habe ich aber, dass auch auf diesem Camino nur wenige Pilger unterwegs sind. Vielleicht gehe ich dann doch auf dem Camino portugues oder frances weiter. Schaun‘ mer mal  …

Wart ihr schon auf einem Fernwanderweg unterwegs, den ihr nicht wie vorgesehen geschafft habt ? Und hat es euch trotzdem gefallen ?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

 

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (10)

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7.10.2019  Von Weitnau nach Stiefenhofen, ca. 20 Km

„Nein, nicht schon wieder ! “ rufe ich laut in den menschenleeren Wald hinein. Der Pilgerführer hat mir prophezeit, dass es heute immer nach Erreichen einer „Ansteigung“ sofort wieder bergab geht. Leider allzu wahr ! Obwohl ca. 800 Höhenmeter zu bewältigen sind, liegen der Start und das Ziel der heutigen Etappe auf gleicher Höhe. Gestern  habe ich mich noch beklagt, dass der Wegverlauf und das Wetter eintönig  waren. Das ist heute überhaupt nicht der Fall! Auch das Wetter bietet mir viel Abwechslung. Vom Platzregen, über Nebel und Sonne ist alles dabei. „ Camino provides“? Aber dabei geht es doch um nur Positives, oder ? Heute handelt es sich eher um eine wilde Mischung.

Als ich morgens in Weitnau startete, sah ich einige Löcher in der Wolkendecke und freute mich auf besseres Wetter. Nach knapp 20 Minuten fing es an zu nieseln. Auf einer Bank auf einer Lichtung  zog ich mein Regenzeug an. Währenddessen begann es richtig zu schütten und ich wurde beim Umziehen ziemlich nass. Nach einer kurzen Strecke durch den Wald stellte ich mich bei einer großen Schutzhütte unter. Also doch, „Camino provides“ !

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Dort fror ich ziemlich schnell. Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, ging ich schnell weiter. Nun begann der im Pilgerbuch angekündigte Wechsel zwischen Bergauf- und Bergablaufen. Dann musste ich auch noch einen steilen Matschweg hinunterschlittern. Als ich mich gerade bitterlich beklagen wollte, weil ich das überhaupt nicht schätze, schien plötzlich wieder die Sonne. Nebelfetzen, die in den Baumkronen hingen, stiegen sehr fotogen nach oben.
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Vom nächsten Ort Williams erhoffte ich mir eine gemütliche Einkehr. Zwar wusste ich schon, dass das beste Restaurant Ruhetag hatte, aber da würde es bestimmt noch eine andere Möglichkeit geben. An einigen Skiliften kam ich vorbei und sah dort auch Restaurants. Wie die Lifte waren die Gaststätten leider außerhalb der Saison geschlossen. Auch meine Nachfrage bei Einheimischen brachte nichts. In einem anderen Ortsteil, der kilometerweit entfernt war, gab es wohl etwas aber in Williams nicht.
Eine freundliche Bäurin konnte mir auch nicht helfen, aber sie zeigte mir, wo der Jakobsweg wieder aus dem Dorf hinausführte. Leider war auch die Kapelle von Williams geschlossen, so dass ich keinen Pilgerstempel bekam.
Hinter dem Ort ging es zunächst bergab und dann ca. 1 km steil bergauf nach Aigis. Auch hier gab es keine Einkehrmöglichkeit und der Ort war wie ausgestorben. Vor einem Aussiedlerhof befand sich ein idyllischer Picknickplatz mit Holztisch und Bänken. Dort ließ ich mich nieder und packte meine Brotzeit aus. Neben der Bank lag ein kleiner Gedenkstein für ein verstorbenes Ehepaar mit der Aufschrift „Zu Hause waren sie in ihren geliebten Bergen“ . Als ich den Stein betrachtete und mir überlegte, ob es sich wohl um langjährige Feriengäste gehandelt hatte, sah ich die darauf fallenden Regentropfen. Fluchend legte ich mein Raingear wieder an. Meine Brotzeit nahm ich auf die Hand und flüchtete in den Wald. Der Camino machte mir mal wieder keinen Spaß !

Im Wald war niemand unterwegs und das sollte stundenlang so bleiben. Einige Male fehlte die Beschilderung an den Abzweigungen. Mir grauste davor, dass ich mich verirren könnte. Das Handynetz hatte sich passenderweise auch gerade wieder verabschiedet.Wer würde mich finden, wenn ich mich verletzte ?  Dem Rat des Pilgerbuchs folgend, dass man sich auf dieser Strecke an Weggabelungen immer links halten solle, fand ich den Weg. Bis Geratsried ging es wieder munter, teilweise steil, bergauf und gleich wieder bergab . Dort stand ich erneut vor einer geschlossenen Kapelle.
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Hinter dem Ort musste ich noch einmal steil bergauf gehen. Japsend erreichte ich einen großen Bauernhof. Wieder war keine Menschenseele zu sehen. Dann kam ich an eine Weide mit Kälbern. Die Tiere kamen sofort angallopiert und folgten mir soweit die Wiese am Weg entlang führte.
P1040376Diese nette Begegnung baute mich auf . Dann kam auch noch die Sonne heraus. Schließlich entdeckte ich eine sonnige Bank auf einer Anhöhe mit einer wunderbaren Aussicht auf leuchtend grüne Allgäuweiden. Dort setzte ich meine Brotzeit fort und  die Welt war wieder in Ordnung.
P1040380Obwohl es von nun an bergab ging, entschied ich mich für die Abkürzung nach Stiefenhofen, wo ich meine Unterkunft gebucht hatte. Dabei ließ ich die gotische Kapelle in Zell aus.  Schon wieder kein Stempel ! Aber nach meinen Erfahrungen im Allgäu war ich mir nicht sicher, ob die Kirche geöffnet sein würde. Auf dem Allgäu Radweg lief ich bis Stiefenhofen, das fast drei Kilometer vom Jakobsweg entfernt liegt. Der Weg folgte der Bahnstrecke von Lindau nach München und einmal fuhr ein Zug vorbei. Ansonsten handelte es sich um eine sehr schöne Strecke am Bach, die ich bei schönstem Sonnenschein zurücklegte.
Nur der letzte Kilometer nach Stiefenhofen verlangte mir Einiges ab. Es ging noch einmal richtig steil nach oben.
Als ich ziemlich erledigt im Hotel ankam, fragte mich der Gastwirt, wie weit ich gegangen war und wie lange ich gebraucht hatte (sechs Stunden plus Pausen) und meinte dann, soo lange würde er nicht brauchen (!).
Bei einem sehr schmackhaften Abendessen in der gemütlichen und gut besuchten Gastwirtschaft erholte ich mich von den Strapazen. An meinem Tisch unterhielt ich mich mit zwei Frauen. Die eine besuchte ihre Freundin, die in der Nähe wohnte, und sie wollte am nächsten Tag zunächst Richtung Lindau pilgern und dann über den Jakobsweg zurück in den heimatlichen Schwarzwald. Schade, dass ich die nette Frau auf dem Weg nicht wieder getroffen habe.

Wart ihr schon einmal alleine auf einem Fernwanderweg unterwegs und wie ging es euch ?
Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich immer sehr.

Unso ging es weiter :

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2020/01/19/auf-dem-muenchner-jakobsweg-11/

 

 

 

 

Auf dem Münchner Jakobsweg (8)

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Regen, Regen, Regen …

„Schönwetterwandern ist anders!“ Durch das Fenster im Wirtshaus bei der Kapelle Mariaberg  schaue ich dem auf die Tische prasselnden Regen zu. Aber schließlich geht es beim Pilgern nicht um den Komfort. Es soll auch mühsam sein. Natürlich möchte ich mich auf dem Münchner Jakobsweg anstrengen und meine Grenzen austesten. Wie weit kann ich mit dem schweren Rucksack gehen? Kann ich die Tagesetappen steigern ? Das waren die Gedanken, mit denen ich den Weg begonnen hatte.
Jetzt regnet es pausenlos, schon seit 24 Stunden. Meine Zimmerwirtin hat mich heute morgen mit „ Das Wetter soll heute besser werden! „verabschiedet. Das erinnert mich an den Mutmacherspruch der Taxifahrerin auf Malta : „It is brrightening upp!“ Reisepech: Das Wetter !
Das stimmte seinerzeit nicht und ich fürchte inzwischen, dass das heute auch wieder nicht der Fall ist. Nun sitze ich etwas trübselig im Gasthaus. Es gibt keine weiteren Gäste. Der Kellner, der auf seinem Handy daddelt, wäre wahrscheinlich heilfroh, wenn ich bald aufbrechen würde. Vorhin habe ich mir auf der Toilette die Regenbekleidung aber auch das nasse Shirt ausgezogen und alles über einem Stuhl ausgehängt. Hier sitze ich nun bei Apfelküchlein und Tee und hoffe, dass die Klamotten ein bißchen trockener werden. Ärgerlicherweise habe ich mich auf meine Regenjacke verlassen und mein Regencape  wieder ausgepackt, um Gewicht zu sparen.  Eben habe ich zu meinem Schrecken festgestellt, dass die Jacke zwar einem Niesel-  aber keinem Starkregen standhält. Meine heutige Strecke ist zwar relativ kurz. Aber ewig im Restaurant auf besseres Wetter zu  warten, bringt es auch nicht. Außerdem wird es mir in den feuchten Sachen, die ich noch trage, langsam kalt. Nach einer knappen Stunde bezahle ich.

Zunächst besuche ich die direkt gegenüberliegende Kapelle und hole  mir den Pilgerstempel. Soll ich  die Wanderung abbrechen ? Zurück in Kempten wäre ich in einer Stunde. Von dort könnte ich gemütlich mit dem Zug nach Hause fahren. Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage ! Wenn ich auf dem Camino in Spanien unterwegs wäre, könnte ich auch nicht ohne weiteres aufgeben. Das Pilgern bei Wind und Wetter gehört auch zum Jakobswegerlebnis. Auf geht’s ! Davon dass mir die Erfahrung des Regenpilgerns auf dem Münchner Jakobsweg schließlich intensiv gegönnt wurde, werde ich noch berichten …

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Von Kempten nach Buchenberg und Eschach, ca. 10 Km

Morgens lieh ich mir einen Schirm von meiner Vermieterin und unternahm eine kleine Besichtigung von  Kempten bei  strömenden Regen. Zunächst schlenderte ich über den großen Wochenmarkt am Residenzplatz. Bei schönerem Wetter hätte man das vielfältige Sortiment sicher besser bewundern können. Dann ging ich noch zum historischen Rathaus und zur nicht weit entfernten evangelischen Kirche St. Mang. Am Samstagmorgen und bei regnerischem Wetter wirkte die Altstadt verlassen. Die Gassen und Plätze mit schön restaurierten Häusern und zahlreichen Caféterrassen würde ich gerne noch einmal bei Sonnenschein besuchen. In der Kirche St. Mang war es ziemlich dunkel,  aber den Pilgerstempel fand ich schließlich. Auf dem Rückweg besuchte ich die katholische Kirche St. Lorenz, die verschwenderischer ausgestattet war. Auch begann gerade eine Messe.  Der Innenraum war hell erleuchtet und  viele Bänke waren besetzt.
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Ich hatte mir Zeit gelassen. Meine Etappe sollte nur 14 km betragen. Auch wartete ich  noch auf besseres Wetter. Gegen 10 Uhr brach ich schließlich in voller Regenmontur auf.  Der Jakobsweg führte über einen steilen Anstieg aus der Stadt. Danach ging es gleich wieder hinunter zu einem schon etwas angeschwollenen Flüsschen und dann durch einen Mischwald. Im Wald spürte man den Regen nicht so stark und ich freute mich über schönen Trampelpfad und die schon buntgefärbten Laubbäume. Leider war meine Freude von kurzer Dauer.
Nach einem kurzen steilen Aufstieg am Ufer des Bachs gelangte ich auf die Mariaberger Straße. Der Jakobsweg verlief  von da an entlang der wenig befahrenen Straße sicher auf einem aspaltierten Gehsteig . Allerdings war ich nun dem Regen ausgesetzt. Es gab keinen Schutz durch Bäume oder Ähnliches. Zunächst hatte das sanfte Rauschen des Regens, das alle Geräusche dämpfte, fast etwas Meditatives. Bald merkte ich aber, dass Feuchtigkeit durch meine Regenjacke drang und mich am Oberkörper, vorne wo der Rucksack mich nicht schützte, durchnässte. Erleichtert stellte ich fest, dass wenigstens die von H. geborgte Regenhose „dichthielt“. Ich wollte schnell ins Trockene und ging den Anstieg von insgesamt 300 m etwas schneller als gewöhnlich an. Schnaufend kam ich in Mariaberg an und flüchtete mich zunächst ins Wirtshaus (s.o.).
Danach führte der Jakobsweg steil auf einen Wiesengrat mit Bänken, von denen man laut Pilgerführer eine wunderbare Aussicht auf Kempten und die Berge haben sollte …
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Nach kurzer Zeit ging es wieder hinunter zur Straße, die ich in Mariaberg verlassen hatte. Dieser Umweg diente einzig dem Zweck, dem Wanderer einen schönen Blick zu bieten. Nun ja !

Im Pilgerführer hatte ich gelesen, dass der folgende Abstieg zum Herrenhauser Weiher auf einem steilen Schotterweg verlief. Das Höhenprofil zeigte eine stark abfallende Linie an. Da ich keine Freundin des Bergabgehens bin und mich dabei schon verletzt habe, fürchte ich mich ein bißchen vor diesem Wegstück. Auf dem Weg zum Weiher hatte ich insgesamt zwei Wanderer gesehen, die aber in eine andere Richtung abgebogen waren. Wer würde mir helfen, wenn ich ein Problem bekäme ?
Zunächst folgte ich dem fast ebenen Weg,  auf dem sich schon große Pfützen gebildet hatten.

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Richtig steil wurde es dann nur an zwei Stellen, die ich mit meinen Wanderstöcken sehr vorsichtig, aber gut bewältigen konnte.
Am Herrenwieser Weiher (s. Beitragsbild) herrschte „total tote Hose“. Kein Wunder, das Wetter lud nicht wirklich  zum Spazierengehen ein. Nun gab es zwei Varianten des Jakobsweges. Eigentlich hatte ich die Etappe über Ermengest nach Buchenberg gehen wollen. Durchnässt wie ich war, entschied ich mich nun für die steilere Strecke über Ahegg, die vier km kürzer war.
Kurz vor Buchenberg, als ich gerade wieder ohne Unterstellmöglichkeit über ein Wiesenstück querte, setzte ein regelrechter Wolkenbruch ein. In kürzester Zeit war ich bis auf die Haut durchnässt. Das war das erste Mal, dass ich laut fluchte. „Was soll das jetzt noch, Petrus ? Es reichte doch schon !“ Es war niemand in der Nähe und mir tat das Rufen gut.
In Buchenberg musste ich den Besuch der Kirche St. Mang verschieben. Vor der Kirchentüre standen festlich gekleidete Hochzeitsgäste, die meine patschnasse Erscheinung entgeistet anstarrten. Stattdessen flüchtete ich ins gegenüberliegende Café, wo ich mich einigermaßen zivilisiert herrichtete und mit meinem koffeinhaltigen Lieblingsgetränk und einer Semmel stärkte. Danach ging ich noch in Kirche und holte mir den wohlverdienten Stempel.
Ich hatte eine pilgerfreundliche Unterkunft auf einem Bauerhof gebucht, der allerdings in Eschach, vier  Kilometer entfernt vom Jakobsweg  lag. Meine Bereitschaft, noch weiter durch den Regen zu stapfen, war sehr überschaubar. Daher telefonierte ich mit dem Bauern, der mich netterweise mit dem Auto abholte. Auf dem Hof wurde ich sehr herzlich von der Bäuerin empfangen, die mir auch noch selbstgebacken Apfelkuchen gab. Meine nassen Sachen  drapierte ich über der Heizung und sämtlichen Möbelstücken. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich sehr erholsam  in meinem gemütlichen Zimmer, einer holzgetäfelten Bauernstube. Schade war nur, dass es während meines Aufenthalts neblig blieb. Auf dem Foto in der Gemeinschaftsküche war der traumhafte Panoramablick zu sehen, den man bei besserem Wetter gesehen hätte.

Was haltet ihr vom Pilgern im Regen ? Seid ihr schon einmal richtig nass geworden ?

Über eure Likes und Kommentare freue ich mich immer sehr.

Und so ging es weiter .