Corona Reisejahr 2021 / Corona Travel Year 2021 #2

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In der ersten Jahreshälfte 2021 hatte ich einige Ausflüge unternommen, ging zum Wandern, hatte Schlossparks, Museen und Münchner Stadtviertel besucht (Corona Reisejahr 2021 #1) , aber Verreisen war „dank Corona“ erst im zweiten Halbjahr möglich.

Rucksackreise in Bayern

Endlich vollständig geimpft traute ich mich Ende Juni wieder Öffentliche Verkehrsmittel in größerem Umfang zu benutzen und im Hotel zu übernachten. Mit dem Rucksack wanderte ich vier Tage im Bayerischen Voralpenland von Bernried am Starnberger See über Kochel nach Mittenwald, benutzte für einzelne Strecken aber auch Bus und Bahn.

Am ersten Tag, auf der Strecke am Starnberger See und an den Osterseen bis nach Kochel, sah das Wetter bedrohlich aus, glücklicherweise regnete es nicht (Wieder auf Reisen 1).

Starnberger See Seeshaupt Bayern

Das Highlight war meine Wanderung am folgenden Tag von der Kesselberg Paßhöhe auf den Herzogstand bei sehr schönem Wetter mit traumhaften Aussichten. Nur auf dem Gipfel bewölkte es sich vorübergehend (Wieder auf Reisen 2).

Auf dem Buckelwiesenweg von Wallgau nach Mittenwald genoss ich wunderschöne Landschaftseindrücke. Auf dem schattenlosen Weg setzte mir allerdings die Sommerhitze zu.

Am letzten Tag wanderte ich auf den Mittenwalder Hausberg, den Kranzberg, mit fantastischen Ausblicken in Bergwelt.

Wandern in der Fränkischen Schweiz

Ende Juli hatte H. ebenfalls den vollständigen Impfschutz erreicht. Das nutzten wir für eine Woche Wanderurlaub in der Fränkischen Schweiz, die sich in Bayerns Norden befindet (s. ab hier: Ferien in der Fränkischen Schweiz 1).

Wir unternahmen kürzere und längere Tageswanderungen, schauten uns eine Wallfahrtskirche, Burgen, eine Höhle, sowie Fachwerkhäuser an und bewunderten die typischen Felsformationen. Danach erholten wir uns in unserer gemütlichen Pension beim köstlichen und sehr vielfältigen Kuchenangebot und beobachten die Ziegenherde an einem steilen Felsen direkt gegenüber .

Schweizer Camino von Konstanz nach Brunnen

Anfang August war die Zeit reif für die Fortsetzung des Jakobswegs in der Schweiz. Trotz bescheidener Wetteraussichten machte ich mich auf den Weg. In der Schweiz stiegen die Coronazahlen stetig. Anfang August betrug die 7-Tage-Inzidenz August schon über 70, was damals als hoch galt. Ich wollte aber die Pilgerwanderung in der Schweiz nicht schon wieder verschieben wie im Jahr 2020.

Zwar gab es dann Tage mit viel Regen und mancher schöne Ausblick entging mir, aber das Pilgern durch die wunderbare Schweiz mit ihren liebvoll restaurierten Häusern, den vielen Kapellen, dem Weg, der über historische Pilgerpfade führte, war möglich und gefiel mir sehr. Auch blieb es an einigen Tagen trocken, wurde sogar richtig schön (Näheres: Auf dem Schweizer Jakobsweg #1 bis #6 ). Zum Abschluss gönnte ich mir einen Tag in der Traumstadt Luzern.

Leipzig, Quedlinburg und Eisenach

In Ostdeutschland waren die Inzidenzen Ende August relativ niedrig, in Leipzig lag sie z.B. unter 30. Daher begab ich mich auf die schon seit längerer Zeit geplante Städtereise. Der Sommer war wirklich verregnet im letzten Jahr. Zwei Tage verbrachte in jeder Stadt und an einem schüttete es jeweils! Trotzdem war ich sehr beeindruckt vom reichen kulturellen Erbe der besuchten Orte.

In Leipzig sah ich die Schauplätze der Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 und bewunderte den Mut der Bevölkerung, der zum Ende des DDR Regimes führte (s. Street Art Mural). Auch die vielen sorgfältig restaurierten historischen Gebäude begeisterten mich.

In der Welterbestadt Quedlinburg konnte ich Stiftskirche mit dem Quedlinburger Domschatz, die Altstadt mit Kirchen, Stadtmauer und über 1300 Fachwerkhäusern aus mehreren Jahrhunderten besuchen.

Ganz oben auf meiner Liste hatte die Welterbestätte Wartburg in Eisenach gestanden. 1521/22 hielt sich der Reformator Martin Luther als „Junker Jörg“ hier versteckt und übersetzte während dieser Zeit das Neue Testament der Bibel ins Deutsche. Im Lutherhaus in Eisenach wurde die Bibelübersetzung anschaulich und interaktiv vermittelt. Man konnte sogar einzelne Passagen an den Bildschirmen mitübersetzen (natürlich nur mit Einmalhandschuhen). Im 16. Jahrhundert exitierte keine einheitliche, hochdeutsche Sprache nur viele verschiedene Dialekte. Durch Luthers Bibelübersetzung wurde die Heilige Schrift nicht nur zugänglicher für die breite Bevölkerung sondern Luther legte die Grundlage für die deutsche Standardsprache (Wartburg und Luther).

Schweizer Jakobsweg von Brunnen nach Fribourg

Das Pilgern auf dem Schweizer Jakobsweg im August hatte mir so gut gefallen, dass ich den Weg in Brunnen am Vierwaldstätter See Anfang Oktober fortsetzte. Zunächst zögerte ich noch, weil sich die Corona Infektionen in der Schweiz wieder auf relativ hohem Niveau bewegten, aber als sie im Oktober leicht gesunken waren und ich las, dass genau auf die Maskenpflicht geachtet wurde und in jeder Unterkunft und allen Restaurants 3G galt, was streng kontrolliert wurde, zögerte ich nicht mehr.

In neun Tagen lief ich auf dem Camino bis nach Fribourg. Einen Ruhetag verbrachte ich am Brienzer See und einen weiteren nach dem Jakobsweg humpelnd in Fribourg. Über meine Erlebnisse, die vielen Höhen und wenige Tiefpunkte habe ich ausführlich berichtet (beginnend: Auf dem Schweizer Jakobsweg #7). Auf dem Schweizer Jakobsweg möchte ich in diesem Jahr über Lausanne und Genf bis zur Schweizer Grenze weiter ilgern, am liebsten im Frühjahr, wenn es Corona zulässt.

Im November stiegen die Inzidenzzahlen in Bayern immer weiter. Einzelne Gebiete, welche die Schwelle von 1000 erreicht hatten, mussten in den Lockdown gehen, und in München lag die Zahl bei 720, mit steigender Tendenz. Dazu kam, dass für alle Freizeitangebote, also auch für Museen und Kinos, 2 G plus (Zugang nur für Geimpfte oder Genesene mit aktuellem Test) galt. Ich beschloss, Corona ein Stück weit auszuweichen und unternahm eine Kurzreise nach Lübeck und Travemünde in Norddeutschland, wo die Inzidenzwerte mit unter 200 vergleichsweise moderat waren.

Was ich dort erlebte, werde ich noch berichten. Nur soviel: ich verliebte mich in die Backsteingotik der Welterbe Stadt Lübeck, besuchte sehr interessante Museen und naschte vom berühmten Lübecker Marzipan. In Travemünde konnte ich nach zwei Jahren endlich wieder am Meer spazieren gehen, ein auch bei trübem Herbstwetter wunderschönes und berührendes Erlebnis.

Fazit:
2021 war ein besonderes aber trotzdem sehr ereignisreiches und schönes Reisejahr für mich. Die meisten Ziele suchte ich dann auf, wenn es coronabedingt günstig war. Der vollständige Impfschutz und mein Rentnerinnenstatus ermöglichten mir das. Weil ich mich viel an der frischen Luft aufhielt und mich eher etwas strenger als erforderlich an die Coronamaßnahmen hielt, fühlte ich mich auch sicher.

Alle Orte hatte ich schon länger aufsuchen wollen und es gefielt mir ausnahmslos sehr gut. Obwohl es stimmt, dass es in Deutschland und in den Nachbarländern unendlich viel Wunderbares zu sehen und zu erleben gibt, hoffe ich doch sehr, dass bald wieder Auslandsreisen in weiter entfernte Länder möglich werden. Europäische Länder würden mir schon reichen …

Abschließend danke ich euch, meinen treuen Lesern und Followern, für euer stetiges Interesse an meinen Reiseberichten und das immer sehr nette Feedback. So macht das Schreiben von Blogposts richtig Spaß!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Wieder auf Reisen: Wandern in Bayern/ Traveling again: Hiking in Bavaria (2)

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Am nächsten Morgen setzte ich meine Wanderung mit dem Rucksack fort. Von Kochel ( s. hier meine Wanderung am Vortag) fuhr ich auf die Kesselberghöhe, wo der Wanderweg zum Herzogstand abzweigte. Obwohl es noch nicht einmal 8 Uhr morgens war, waren die Parkplätze an der Straße schon weit unterhalb der Passhöhe belegt, meistens von Fahrzeugen mit Münchner Kennzeichen. Ich hatte Glück, beim Frühstück im Hotel hatte sich eine Mitfahrgelegenheit ergeben, so dass ich nur ein kleines Stück zum Beginn des Weges laufen musste. Aber der stündlich von Kochel fahrende Bus befördert den nicht motorisierten Wanderer ebenfalls zum Startpunkt der Tour.

Dem als einfach eingestuften Weg wollte ich von der Passhöhe (859 m) aufwärts folgen. Ich hoffte, dass ich es bis zum Berggasthaus Herzogstand auf 1575 m Höhe schaffen würde. Nach einer ausgiebigen Pause würde sich zeigen, ob ich noch auf den Herzogstandgipfel (1731 m) steigen konnte und wollte.

Es herrschte das angekündigte strahlende Sonnenwetter. Der Weg bestand aus einer breiten Piste, die aber bald recht steil verlief. Relativ schnell war ich außer Atem. Da traf es sich gut, dass es bereits herrliche Ausblicke auf den Walchensee und die im Süden gelegene Bergkette zu bewundern gab. Nach kurzen Trink- und Fotografierpausen mit der Zuführung von etwas Traubenzucker war ich wieder fit und lief dann sehr langsam aber kontinuierlich bergauf. Einige Wanderer überholten mich unterwegs, aber überlaufen war es auf diesem Wegstück nicht.

Der Weg führte dann in langen Kehren, die etwas angenehmer zu gehen waren, weiter bergauf . Dabei zeigten sich immer wieder Traumausblicke, mal auf den Kochelsee und dann wieder in die Bergwelt und die Wiesen, die sich im frischen Grün besonders attraktiv präsentierten. Mit dem Rucksack wurde mir das Gehen schon beschwerlich, aber ich empfand die Anstrengung längst nicht so stark wie einige Wochen zuvor bei meiner Wanderung auf den Hirschberg. Allerdings verlief die Strecke dieses Mal auf durchweg guten Wegen.

Vor der Tour hatte ich mich gefragt, ob es sich lohnte, zu Fuß auf den Berg zu steigen, wenn man vom Walchensee mühelos mit der Seilbahn hinauffahren konnte. Nun erlebte ich, dass das Landschaftserlebnis beim Wandern wegen der vielen Ausblicke und der wechselnden Perspektiven ungleich intensiver war !

Als ich zum ersten Mal das Berggasthaus auf der Höhe sah, legte ich eine Erholungspause auf einer Bergwiese ein. Bei einem Snack und einem großen Schluck Wasser bewunderte ich die wunderschöne Gegend. Die meisten Wanderer betraten diese Wiese ebenfalls, aber nur um schnell ein Foto, in der Mehrzahl der Fälle ein Selfie, zu schießen und schon ging es weiter bergauf.

Panoramafotos bitte anklicken !

Die letzten Höhenmeter bis zur Hütte bewältigte ich noch einigermaßen gut, war aber doch sehr froh, als ich mich auf der Terrasse des Herzogstand-Gasthauses gemütlich niederlassen konnte. Mit der Platzzuweisung durch die Servierkraft war ich nicht glücklich und durfte mich schließlich an einen schönen Tisch setzen, der direkt am Terrassenrand stand. Im Halbschatten ließ ich es mir gut gehen und genoss die Aussicht über den türkisfarbenen Walchensee und die zum Teil noch schneebedeckten Berge. Auch mein heutiges Ziel der Ort Wallgau und Krün, wo ich vor Wochen an der Isar spaziert war, konnte ich gut erkennen.

Zwei Herren waren mit ihrer Platzierung ebenfalls unglücklich, so dass ich sie heranwinkte. Nachdem ich meinen vollständigen Impfstatus enthüllt hatte, setzten sie sich gerne zu mir. Sie waren früh morgens in München gestartet und schon vom Walchensee hinaufgelaufen. Wir plauschten eine Weile und tauschten einige Wandertipps aus.

Panoramafoto bitte anklicken !

Schließlich fühlte ich mich fit genug, um die letzten 150 Höhenmeter zu bewältigen. Der Weg führte in zum Teil steilen Serpentinen auf den Berg. Schon von weitem konnte ich sehen, wie es geschäftig es dort zuging. Nun waren die Leute dazu gekommen, die mit der Seilbahn etwas unterhalb des Gasthauses angekommen waren. Am Samstag und zu Coronazeiten herrschte natürlich besonders viel Betrieb. Ständig musste ich Entgegenkommenden ausweichen, aber nach der zweiten Spritze störte mich das nicht mehr. Außerdem verhielten sich alle Wanderer sehr rücksichtsvoll und so dass ich etwas angestrengt aber doch ohne weitere Probleme mit meinem Rucksack am Gipfelkreuz ankam. Unterwegs entdeckte ich, dass der eigentliche Gipfel des Herzogstands noch etwas höher lag, dort wo der Aussichtspavillion steht.

Während meines Aufstiegs war ein dichter Nebelschleier aufgezogen. Ausgerechnet! So kam es, dass ich mit vielen anderen Menschen am Gipfelkreuz stand und erst einmal nicht viel sah. Das änderte sich dann aber glücklicherweise nach kurzer Zeit und so konnten wir den – in meinem Fall hart erarbeiteten Ausblick – doch noch genießen. Es herrschte große Einigkeit, die Leute fanden es traumhaft schön. Ich natürlich auch !

Als auch der Gipfelpavillion wieder aus dem Nebel auftachte, überlegte ich kurz, ob ich noch hinaufsteigen sollte, entschied mich aber dagegen. Schließlich konnte ich froh sein, dass ich es so weit geschafft hatte. Vielleicht ein andermal, nach einer Fahrt mit der Seilbahn und ohne Rucksack …

Vorsichtig stieg ich wieder nach unten. Mein Plan, noch einmal im Gasthaus einzukehren, ging leider nicht auf. Dort hatte sich eine lange Warteschlange gebildet und es wurde durchgesagt, dass alle Plätze belegt seien und dass die Dauer der Wartezeit nicht feststehe. Es empfiehlt sich also, möglichst früh in der Hütte einzukehren. Mit einem Eis und einem Kaffee aus dem Kiosk spazierte ich in ca. 10 Minuten zur Bergstation der Seilbahn. Auf dem Weg lag noch eine schöne Aussichtsterrasse.

Panoramafoto bitte anklicken!

Fazit:
Sehr aussichtsreiche, leichte Bergwanderung in traumhaft schönen Landschaft auf durchweg guten Wegen, durchschnittliche Kondition erforderlich, 7 Km, 880 Hm, ohne Verschnauf- und sonstige Pausen 2 Stunden bis zum Herzogstandhaus, weitere halbe Stunde zum Gipfel, danach etwa 0,5 Stunden hinunter bis zur Bergbahn (Einzelfahrt 8,5 Euro, ermäßigt 8 Euro).

Die Strecke bietet nicht sehr viel Schatten. Während meiner Wanderung wehte ein kühles Lüftchen, so dass dies kein Problem darstellte.

Wer nach der Wanderung mit der Bergbahn ins Tal fahren will, sollte klären, ob das Ticket oben verkauft wird. Auf der Homepage der Herzogstandbahn steht, dass wegen Corona alle Fahrten unten am Walchensee zu kaufen sind . Man hatte mir telefonisch versichert, dass ich eine Talfahrt im Einzelfall auch oben bezahlen könne und so war es. Bitte vorher erkundigen !

Mit der voll besetzten Bergbahn schwebte ich (natürlich mit Mund-Nasen-Schutz) in ein wenigen Minuten hinunter zum Walchensee, wo ich eine ausgiebige Pause in einem lauschigen Cafégarten direkt am Seeufer einlegte. Eine gute Stunde später fuhr ich mit dem Bus in das 12 km entfernte Wallgau, wo ich ein Hotel gebucht hatte.

Nach einer langen Erholungsphase und einem Abendessen mit reichlich Schweinsbraten und einem Weizenbier fühlte ich mich in der Lage, einen kleinen Spaziergang durch den hübschen Ort Wallgau mit zauberhaft bemalten Hausfassaden zu unternehmen.

Ein bisschen stolz war ich schon, dass ich es geschafft hatte, den Herzogstand zu erreichen und dann verabschiedete sich der Tag auch noch mit einem Alpenglühen vom Feinsten!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Wieder auf Reisen: Wandern in Bayern/ Traveling again: Hiking in Bavaria (1)

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Ein bisschen aufgeregt war ich schon, als ich am letzten Freitag zu meiner ersten Reise seit vielen Monaten aufbrach. Dieses Mal ging es nicht in die Ferne, nicht einmal in ein anderes Bundesland. Eigentlich wollte ich nur meinen frischen, vollständigen Impfschutz genießen und hatte mir vorgenommen, wohnortnah zu wandern, endlich wieder Öffentliche Verkehrsmittel in größerem Umfang zu benutzen und im Hotel zu übernachten.

Nach einiger Recherche, die für mich ungewohnt geworden war, aber doch wieder viel Spaß machte, kam mir die Idee, mit dem Rucksack von Bernried am Starnberger See nach Mittenwald zu wandern. Eigentlich hatte ich fast die gesamte Strecke an drei Tagen zu Fuß zurücklegen wollen, aber dann spielte das Wetter nicht mit. Häufige Regenschauer herrschten vor und es kühlte stark ab. Letzteres war mir beim Wandern recht, aber wieder ständig nass zu werden wie auf dem Jakobsweg im Herbst 2019, dazu hatte ich keine Lust. Zwei Übernachtungen hatte ich allerdings schon verbindlich gebucht, so dass eine Verschiebung nur bedingt in Frage kam.

Am Donnerstag war das Wetter regnerisch, also verschob ich meine Wanderung um einen Tag. Für den Freitag war wechselhaftes Wetter angekündigt, am Starnberger See wurden aber erst nachmittags leichte Regenschauer erwartet. Ich beschloss daher, bis zum frühen Nachmittag nach Iffeldorf an den Osterseen zu wandern und von dort den Zug nach Kochel zu nehmen. So sparte ich eine Tageswanderung ein und kam noch rechtzeitig zum Hotel am Kochelsee. Von der Kesselbergpasshöhe bei Kochel wollte ich am nächsten Tag auf den Herzogstand wandern, dann mit der Seilbahn hinunter zum Walchensee fahren und dort den Bus nach Wallgau benutzen. Nach einer Übernachtung sollte es zu Fuß nach Mittenwald gehen.

Der Wetterbericht für das folgende Wochenende war positiv, daher hoffte ich, dass ich mein Schlechtwetterprogramm nicht brauchen würde. Zur Not würde ich aber Museen besuchen, mit dem Schiff fahren, Kurzwanderungen in der Ebene und Stadtbesichtigungen unternehmen.

Kurz vor 10 Uhr stieg ich am Freitag in Bernried aus dem Zug. Zunächst folgte ich den Wegweisern zum Kloster Bernried. Nach einem kleinen Umweg zu einem netten Café, wo ich mich mit Cappuccino und Rosinensemmel für die bevorstehende Wanderung stärkte, durchquerte ich den Klosterhof. Die Kirche am Beginn meiner Tour zu besuchen, hätte mir gefallen, allerdings war diese, wohl wegen Bauarbeiten, nicht zugänglich.

Der Weg nach Seeshaupt, am Südende des Starnberger Sees, führte am Seeufer entlang. Zunächst durchquerte ich den Bernrieder Park, der ab dem 11. Jahrhundert bis zur Säkularisation dem Bernrieder Kloster gehörte hatte. Der direkt am See gelegene Park wurde im 19. Jahrhundert in einen sehr schönen Englischen Landschaftspark umgewandelt. Ich freute mich über die wunderbaren Aussichten auf die Seelandschaft und die Berge. Außer mir waren hauptsächlich Radfahrer unterwegs, von denen sich viele auf den idyllisch gelegenen Bänken am Seeufer niedergelassen hatten. Die Temperatur betrug ca. 16 Grad ℃, was angenehm zum Wandern war. Auch die Sicht auf die Berge war gegeben, obwohl es teilweise bewölkt war. Zufrieden schritt ich auf dem ebenen Uferweg dahin. Bald erreichte ich die Methusalem Eiche, ein jahrhundertealtes Naturdenkmal.

Dann kam die Sonne heraus und es wurde sofort recht warm. Ich zog meine Jacke aus, was in der Sumpflandschaft am See dazu führte, dass mich die Mücken überfielen. Außerdem färbten sich meine winterblassen Arme schon rosa. Auf einer Bank legte ich eine Trinkpause ein und cremte bzw. sprühte mich ein. Aber nun, ich konnte es kaum glauben, begannen dicke Regentropfen zu fallen. Eilig holte ich meine Regenjacke aus dem Rucksack und flüchtete. Der Weg führte anschließend durch den Wald. Als ich den Forst kurz darauf wieder verließ, hingen immer noch dunkele Wolken über dem See, aber der Regen hatte wieder aufgehört.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist rucksackwandern-bernrieder-park-11-2.jpg.

Die St. Jakobus Kapelle in Seeleiten, in welcher der Heilige als Pilgerwanderer zu sehen ist, war leider geschlossen. Zu gerne hätte ich eine stumme Zwiesprache mit dem Hl. Jakobus gehalten, weil ich immer noch eine Fortsetzung des Jakobswegs plane.

Nach knapp sechs Kilometern erreichte ich Seeshaupt, wo ich eine Mittagspause auf einer Bäckereiterrasse einlegte.

Die Beschilderung führte mich zu meinem nächsten Ziel, den Osterseen. Bald passierte ich die nördlichen Seen. Auf den Schildern war der Ort Iffeldorf aber nicht angegeben. Die Richtung des Weges stimmte zwar, aber zur Sicherheit fragte ich bei einem älteren Mann nach, der mir entgegenkam. Von ihm erhielt ich eine genaue Wegbeschreibung. Nicht lange danach war Iffeldorf ausgeschildert.

Nachdem ich eine Weile an Eisenbahnschienen entlang marschiert war, erreichte ich den Großen Ostersee, wo ich mich über das „Große Osterseepanorama“ freute, das einen fantastischen Ausblick über den See bis in die Berge bietet. Zuletzt stand ich dort im März 2020, kurz vor dem ersten Lockdown. Noch sehr gut erinnere ich mich, wie bevölkert diese Stelle damals war. Die Leute wussten schon, dass die Ausgangssperre drohte und wollten noch einmal „raus“. Nun war kaum etwas los. Unterwegs traf ich nur wenige Wanderer und Radfahrer.

Kurz nach dem Panoramablick, nahm ich den Weg, der zum Bahnhof Iffeldorf abzweigte. Ich lief nun durch den Wald und entfernte mich von den Osterseen. Zwar kannte ich die Strecke am Wasser schon, aber es tat mir doch leid, dass ich die schönen Ausblicke auf die Seen und die Berge nicht länger genießen konnte. Immerhin erreichte ich bald den Bahnhof, wo ich nur eine gute Viertelstunde auf den Zug warten musste, der mich in 20 Minuten nach Kochel brachte.

ca. 16 Km, 50 Hm, 4 Stunden ohne Pausen und Fotostopps

Fazit:
Genusswanderung mit wunderbaren See- und Bergpanoramen, bietet viel Abwechselung, so dass die Länge der Strecke nicht auffällt. Den Rucksack zu tragen, fiel mir bei dem kühleren Wetter und den geringen Höhenunterschieden nicht schwer.

In Kochel verwöhnte ich mich am Nachmittag in einer italienischen Eisdiele. Das hatte ich mir verdient!

Ein Spaziergang durch den Ort rundete meinen Wandertag auf das Schönste ab. Allerdings fehlte mir die Energie, um noch die 15 Minuten zum Kochelsee zu laufen, den ich aber schon mehrere Male besucht hatte.

Nachdem der Wetterbericht für den folgenden Tag viel Sonnenschein versprach, wollte ich wie geplant auf den Herzogstand gehen. Ich freute mich sehr auf diese Bergwanderung durch eine außerordentlich schöne Landschaft. Allerdings fragte ich mich, ob ich 900 Hm mit dem Rucksack schaffen würde. Die Wanderstrecke war als einfach eingestuft, aber das musste nicht viel bedeuten. Wie ich von meiner Wanderung auf den Hirschberg wusste, war ich überhaupt nicht fit. Aber wenigstens versuchen wollte ich es …

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.