Corona Reisejahr 2021 / Corona Travel Year 2021 #2

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In der ersten Jahreshälfte 2021 hatte ich einige Ausflüge unternommen, ging zum Wandern, hatte Schlossparks, Museen und Münchner Stadtviertel besucht (Corona Reisejahr 2021 #1) , aber Verreisen war „dank Corona“ erst im zweiten Halbjahr möglich.

Rucksackreise in Bayern

Endlich vollständig geimpft traute ich mich Ende Juni wieder Öffentliche Verkehrsmittel in größerem Umfang zu benutzen und im Hotel zu übernachten. Mit dem Rucksack wanderte ich vier Tage im Bayerischen Voralpenland von Bernried am Starnberger See über Kochel nach Mittenwald, benutzte für einzelne Strecken aber auch Bus und Bahn.

Am ersten Tag, auf der Strecke am Starnberger See und an den Osterseen bis nach Kochel, sah das Wetter bedrohlich aus, glücklicherweise regnete es nicht (Wieder auf Reisen 1).

Starnberger See Seeshaupt Bayern

Das Highlight war meine Wanderung am folgenden Tag von der Kesselberg Paßhöhe auf den Herzogstand bei sehr schönem Wetter mit traumhaften Aussichten. Nur auf dem Gipfel bewölkte es sich vorübergehend (Wieder auf Reisen 2).

Auf dem Buckelwiesenweg von Wallgau nach Mittenwald genoss ich wunderschöne Landschaftseindrücke. Auf dem schattenlosen Weg setzte mir allerdings die Sommerhitze zu.

Am letzten Tag wanderte ich auf den Mittenwalder Hausberg, den Kranzberg, mit fantastischen Ausblicken in Bergwelt.

Wandern in der Fränkischen Schweiz

Ende Juli hatte H. ebenfalls den vollständigen Impfschutz erreicht. Das nutzten wir für eine Woche Wanderurlaub in der Fränkischen Schweiz, die sich in Bayerns Norden befindet (s. ab hier: Ferien in der Fränkischen Schweiz 1).

Wir unternahmen kürzere und längere Tageswanderungen, schauten uns eine Wallfahrtskirche, Burgen, eine Höhle, sowie Fachwerkhäuser an und bewunderten die typischen Felsformationen. Danach erholten wir uns in unserer gemütlichen Pension beim köstlichen und sehr vielfältigen Kuchenangebot und beobachten die Ziegenherde an einem steilen Felsen direkt gegenüber .

Schweizer Camino von Konstanz nach Brunnen

Anfang August war die Zeit reif für die Fortsetzung des Jakobswegs in der Schweiz. Trotz bescheidener Wetteraussichten machte ich mich auf den Weg. In der Schweiz stiegen die Coronazahlen stetig. Anfang August betrug die 7-Tage-Inzidenz August schon über 70, was damals als hoch galt. Ich wollte aber die Pilgerwanderung in der Schweiz nicht schon wieder verschieben wie im Jahr 2020.

Zwar gab es dann Tage mit viel Regen und mancher schöne Ausblick entging mir, aber das Pilgern durch die wunderbare Schweiz mit ihren liebvoll restaurierten Häusern, den vielen Kapellen, dem Weg, der über historische Pilgerpfade führte, war möglich und gefiel mir sehr. Auch blieb es an einigen Tagen trocken, wurde sogar richtig schön (Näheres: Auf dem Schweizer Jakobsweg #1 bis #6 ). Zum Abschluss gönnte ich mir einen Tag in der Traumstadt Luzern.

Leipzig, Quedlinburg und Eisenach

In Ostdeutschland waren die Inzidenzen Ende August relativ niedrig, in Leipzig lag sie z.B. unter 30. Daher begab ich mich auf die schon seit längerer Zeit geplante Städtereise. Der Sommer war wirklich verregnet im letzten Jahr. Zwei Tage verbrachte in jeder Stadt und an einem schüttete es jeweils! Trotzdem war ich sehr beeindruckt vom reichen kulturellen Erbe der besuchten Orte.

In Leipzig sah ich die Schauplätze der Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 und bewunderte den Mut der Bevölkerung, der zum Ende des DDR Regimes führte (s. Street Art Mural). Auch die vielen sorgfältig restaurierten historischen Gebäude begeisterten mich.

In der Welterbestadt Quedlinburg konnte ich Stiftskirche mit dem Quedlinburger Domschatz, die Altstadt mit Kirchen, Stadtmauer und über 1300 Fachwerkhäusern aus mehreren Jahrhunderten besuchen.

Ganz oben auf meiner Liste hatte die Welterbestätte Wartburg in Eisenach gestanden. 1521/22 hielt sich der Reformator Martin Luther als „Junker Jörg“ hier versteckt und übersetzte während dieser Zeit das Neue Testament der Bibel ins Deutsche. Im Lutherhaus in Eisenach wurde die Bibelübersetzung anschaulich und interaktiv vermittelt. Man konnte sogar einzelne Passagen an den Bildschirmen mitübersetzen (natürlich nur mit Einmalhandschuhen). Im 16. Jahrhundert exitierte keine einheitliche, hochdeutsche Sprache nur viele verschiedene Dialekte. Durch Luthers Bibelübersetzung wurde die Heilige Schrift nicht nur zugänglicher für die breite Bevölkerung sondern Luther legte die Grundlage für die deutsche Standardsprache (Wartburg und Luther).

Schweizer Jakobsweg von Brunnen nach Fribourg

Das Pilgern auf dem Schweizer Jakobsweg im August hatte mir so gut gefallen, dass ich den Weg in Brunnen am Vierwaldstätter See Anfang Oktober fortsetzte. Zunächst zögerte ich noch, weil sich die Corona Infektionen in der Schweiz wieder auf relativ hohem Niveau bewegten, aber als sie im Oktober leicht gesunken waren und ich las, dass genau auf die Maskenpflicht geachtet wurde und in jeder Unterkunft und allen Restaurants 3G galt, was streng kontrolliert wurde, zögerte ich nicht mehr.

In neun Tagen lief ich auf dem Camino bis nach Fribourg. Einen Ruhetag verbrachte ich am Brienzer See und einen weiteren nach dem Jakobsweg humpelnd in Fribourg. Über meine Erlebnisse, die vielen Höhen und wenige Tiefpunkte habe ich ausführlich berichtet (beginnend: Auf dem Schweizer Jakobsweg #7). Auf dem Schweizer Jakobsweg möchte ich in diesem Jahr über Lausanne und Genf bis zur Schweizer Grenze weiter ilgern, am liebsten im Frühjahr, wenn es Corona zulässt.

Im November stiegen die Inzidenzzahlen in Bayern immer weiter. Einzelne Gebiete, welche die Schwelle von 1000 erreicht hatten, mussten in den Lockdown gehen, und in München lag die Zahl bei 720, mit steigender Tendenz. Dazu kam, dass für alle Freizeitangebote, also auch für Museen und Kinos, 2 G plus (Zugang nur für Geimpfte oder Genesene mit aktuellem Test) galt. Ich beschloss, Corona ein Stück weit auszuweichen und unternahm eine Kurzreise nach Lübeck und Travemünde in Norddeutschland, wo die Inzidenzwerte mit unter 200 vergleichsweise moderat waren.

Was ich dort erlebte, werde ich noch berichten. Nur soviel: ich verliebte mich in die Backsteingotik der Welterbe Stadt Lübeck, besuchte sehr interessante Museen und naschte vom berühmten Lübecker Marzipan. In Travemünde konnte ich nach zwei Jahren endlich wieder am Meer spazieren gehen, ein auch bei trübem Herbstwetter wunderschönes und berührendes Erlebnis.

Fazit:
2021 war ein besonderes aber trotzdem sehr ereignisreiches und schönes Reisejahr für mich. Die meisten Ziele suchte ich dann auf, wenn es coronabedingt günstig war. Der vollständige Impfschutz und mein Rentnerinnenstatus ermöglichten mir das. Weil ich mich viel an der frischen Luft aufhielt und mich eher etwas strenger als erforderlich an die Coronamaßnahmen hielt, fühlte ich mich auch sicher.

Alle Orte hatte ich schon länger aufsuchen wollen und es gefielt mir ausnahmslos sehr gut. Obwohl es stimmt, dass es in Deutschland und in den Nachbarländern unendlich viel Wunderbares zu sehen und zu erleben gibt, hoffe ich doch sehr, dass bald wieder Auslandsreisen in weiter entfernte Länder möglich werden. Europäische Länder würden mir schon reichen …

Abschließend danke ich euch, meinen treuen Lesern und Followern, für euer stetiges Interesse an meinen Reiseberichten und das immer sehr nette Feedback. So macht das Schreiben von Blogposts richtig Spaß!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Wieder auf Reisen: Sehr schön war’s! Traveling again: It was very beautiful!

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Das wäre das knappste Resumée, aber dazu nun etwas mehr.

Kurz nach dem Erreichen des vollständigen Impfschutzes trieb es mich hinaus „in die weite Welt“. In Corona Zeiten kann das bedeuten, dass man im eigenen Bundesland bleibt, in meinem Fall also durch Bayern reist. Ich wollte schöne Landschaften erleben, mehrere Tage unterwegs sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen, in Hotels übernachten und ausprobieren, ob das Rucksackwandern noch funktioniert. Vor dem Ausbruch der Pandemie hätte ich die genannten Punkte allerdings nicht als Highlights angesehen sondern es als Selbstverständlichkeiten.

Schon der erste Schritt, die Reiseplanung, war inzwischen gänzlich ungewohnt und überforderte mich fast. Schon oft war ich auf individuell geplanten Reisen unterwegs gewesen, in anderen Kontinenten und häufig auch alleine. Wandern in Bayern, wo ich mich auskenne und keine Verständigungsschwierigkeiten habe, war dagegen doch ein Klacks. Eine Schwierigkeit stellte die durchwachsene Wettervorhersage dar, so ich für jedem Tag ein Schön- und ein Schlechtwetterprogramm planen musste, um dann abends in den festgebuchten Unterkünften anzukommen. Schließlich brauchte ich die Schlechtwettervariante überhaupt nicht und konnte meine Tour sogar von drei auf vier Tage verlängern.

Beim Packen des Rucksacks gab ich mir besonders viel Mühe. Ich wog alle Teile und sparte Gewicht ein, wo es nur ging, auch wenn es sich um ein paar Gramm handelte. Statt Tuben mit Salben und Kosmetika packte ich z.B. kleine Döschen ein. Auch kam mir zu Gute, dass ich nur ein paar Tage wandern wollte, und dass im Sommer weniger Klamotten benötigt werden. Der Rucksack wog dann nur etwas mehr neun Kilo mit Getränken. Gegenüber meiner letzten Wanderung auf dem Münchner Jakobsweg im Herbst 2019 waren das etwa drei Kilo weniger.

Am ersten Tag (Bericht s. hier) stand das Wetter auf der Kippe, aber die immer wieder aufziehenden Wolken brachten glücklicherweise keinen Regen. Ich wanderte 16 km auf weitgehend ebener Strecke und stellte fest, dass mich mein Gepäck kaum belastete.

Am zweiten Tag genoss ich die Landschaft bei meiner Wanderung auf den Herzogstand (Bericht siehe hier), kämpfte zwar wie üblich mit meinem Fitnessdefizit aber im Großen und Ganzen kam ich zurecht, auch mit dem Höhenanstieg von 880 Metern. Der Rucksack erschwerte die Wanderung meiner Meinung nach nicht sehr.

Am dritten Tag stand Genusswandern mit geringem Höhenunterschied auf dem Programm (Bericht siehe hier), aber die schwüle Hitze und das Gehen auf dem schattenlosen Weg machten mir sehr zu schaffen. Nun empfand ich auch das Tragen des Rucksacks als ziemlich belastend.

Am vierten Tag (Bericht siehe hier) wanderte ich mit kleinem Tagesgepäck . Das ging zunächst sehr gut, aber bei dem zum Teil recht steilen Abstieg plagte ich mich wie gewohnt sehr. Bergabgehen ist nicht mein Ding. Seit einigen Jahren stürze ich leicht und verletze mich dabei auch (s. hier).

Nach den Wanderungen schmerzten mir nicht die Knochen, selbst der Rücken nicht. Ich hatte nur schwachen Muskelkater und an meinen stets gut mit Hirschtalg gepflegten und vertapten Füßen gab es keine Druckstellen oder Blasen. Darüber war ich sehr froh.

Vor einer Ansteckung durch dem Virus fürchtete ich mich nicht. Zum Einen war ich vollständig immunisiert und zum Anderen wurden die Hygienevorschriften in den Hotels und Restaurants sehr ernst genommen. In den öffentlichen Verkehrsmitteln, vor allem im voll besetzten Zug und Bus auf der mehr als zweistündigen Rückfahrt, hätte ich mich aber trotz FFP2 Maske sehr unwohl gefühlt, wenn ich nicht geimpft gewesen wäre.

Wanderroute:
Bernried am Starnberger See – Seeshaupt – Iffeldorf an den Osterseen – Zugfahrt nach Kochel- Fahrt zur Kesselberghöhe – Herzogstand – Talfahrt mit der Herzogstandbahn zum Walchensee – Busfahrt nach Wallgau – Mittenwald über Buckelwiesenweg – Rundwanderung Hoher Kranzberg über Lauter- und Ferchensee und zurück.

Gesamt : 49,2 km, 1640 Hm

Traumhaft schöne Landschaft! (Näheres siehe Berichte wie oben angegeben). Ich bin sehr froh, dass ich es gewagt habe, wieder einmal auf Reisen zu gehen. Es war ein wunderbares und befreiendes Erlebnis.

Was habe ich gelernt auf meiner Rucksacktour?

Trotz bescheidener Kondition kann ich viel schaffen, wenn ich es sehr langsam angehe. Das Tragen des Rucksacks war grundsätzlich in Ordnung, allerdings nicht bei heißem Sommerwetter. Weitwandern im Hochsommer sollte ich vermeiden oder nur ganz schattige Wege wählen. Bergabgehen bleibt mein Problem. Den Spaß am Wandern will ich mir nicht verderben und werde daher weiterhin Wanderrouten aussuchen, die einen nicht zu steilen Abstieg aufweisen. Eine Alternative ist die Talfahrt mit der Bergbahn, wo dies möglich ist.

Und nicht zuletzt: Es muss nicht immer Patagonien sein

Trotz Corona kann ich als Geimpfte gut reisen, aber ganz unbeschwert ist es natürlich nicht. Hoffentlich verschärft sich die Lage nicht bald wieder, dann wäre es schon wieder vorbei mit dem Reisen.

Was kommt als Nächstes ?

Demnächst wollen wir in die Fränkische Schweiz reisen, wo wir zahlreiche Wanderungen durch die wunderschöne Landschaft unternehmen werden, wenn es das Wetter zulässt.

Danach möchte ich endlich auf dem Jakobsweg in der Schweiz weiter pilgern. Ich plane eine Fernwanderung auf dem Schwabenweg von Konstanz nach Einsiedeln und dann weiter bis Luzern. Leider steigen in der Schweiz die Corona-Inzidenz -Zahlen gerade stark. Ich hoffe aber sehr, dass mein Vorhaben, wenigstens teilweise, klappt.

Vielleicht mögt ihr mir wieder die Daumen drücken wie zuletzt vor meiner gerade beschriebenen Wanderung. Damals ging es um gutes Wetter, und es hat prima funktioniert!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Wieder auf Reisen: Wandern in Bayern/ Traveling again: Hiking in Bavaria (4)

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Der letzte Tag meiner Rucksackwanderung in den bayerischen Alpen begann mit einem Frühstück um 7 Uhr. Zwar wollte ich nur eine Tageswanderung unternehmen und hätte es eigentlich ruhiger angehen können, aber coronabedingt musste ich mich im Hotel gleich beim Einchecken für einen der beiden Frühstückstermine entscheiden. Ich hatte den früheren gewählt in der Hoffnung, dass es dann weniger voll sein würde. Wieder einmal sollte ich froh über meinen vollständigen Impfstatus sein. Im winzigen Frühstücksraum und am Buffet staute es sich. Aber das Hotelmanagement hatte sich große Mühe gegeben : Schilder mit Hinweisen auf den Mindestabstand, die Maskenpflicht, wenn man vom Platz aufstand und die Plastikhandschuhe, die zu tragen waren, wenn man sich etwas vom Buffet holte.

Der Andrang war hauptsächlich auf eine Wandergruppe zurückzuführen. Wieder einmal war ich glücklich, dass ich alleine unterwegs war. Auf die zwangsläufig mitgehörten Gespräche am Frühstückstisch konnte ich gerne verzichten. Man unterhielt sich über die durch das Wandern eingetretenen Blessuren. Bald wusste ich, wem welche Knochen schmerzten und wieviele Blasen an den Füßen der Gruppenmitglieder aufgetreten waren. Ziemlich unpassend fand ich, dass eine Dame am Nachbartisch zur Demonstration ihren nackten Fuß über dem Tisch hochstreckte. Meinen anhaltend bösen Blick bemerkte nur der neben ihr sitzende Herr, der mir lächelnd zunickte.

Gut gestärkt packte ich dann meinen Rucksack und steckte die notwendigen Wanderutensilien in mein Säckchen zum Umhängen. Die Wanderstöcke musste ich tragen, aber das störte mich nicht. Ich checkte aus und ließ meinen großen Rucksack im Hotel, um ihn vor der Rückfahrt wieder abzuholen.

Wandern wollte ich auf der Großen Kranzberg Runde, die von Mittenwald auf den Hohen Kranzberg, zum Ferchensee und Lautersee und zurück in den Ort führt. Die Wanderbeschreibung gab als Beginn die Talstation des Kranzberg-Sesselliftes an. Andererseits zeigte direkt vor meinem Hotel ein Wegweiser zum Lautersee. An der Rezeption erkundigte ich mich, ob ich die Runde auch umgekehrt gehen könnte und da hatte man keine Bedenken. Hinterher wusste ich, dass es schlauer gewesen wäre, die vorgeschlagene Richtung zu wählen.

Zuerst lief es sich ohne schweres Gepäck sehr angenehm, aber schon bald stieg die Temperatur. Auf dem schattigen Weg durch den Wald konnte ich aber recht gut mäßig steil bergauf gehen. Am Lautersee genoss ich den Blick auf die Wettersteinspitze und das von der Morgensonne angestrahlte Gewässer in verschiedenen Blautönen. Außer einer, wenn auch sehr lauten, Gruppe von E-Bikern traf ich am frühen Morgen nur wenige andere Passanten.

Der Aufstieg zum Ferchensee war schon etwas steiler, verlief aber im Schatten und durch einen dichten Mischwald. Bald kam ich am Südüfer des Sees an, wo ich mir eine erste Pause gönnte. Ein Mann mit Hund und ein Paar nahmen ein, wahrscheinlich recht kühles, Bad. Ich genoss die Ruhe, das Panorama und die Seerosen.

Dann folgte ich dem Westufer des Ferchensees, wo schon mehr Betrieb herrschte. Zahlreiche Wanderer und Radfahrer hielten sich dort auf, aber es war nicht überlaufen. Ziemlich überraschte war ich, als mich auf dem breiten Schotterweg ein Wanderbus überholte. Wenn man eine lange Strecke wandern will, z.B. zum Schachenhaus und zurück, kann man so ein Stück verkürzen. Es gibt natürlich auch diejenigen, nur relaxen und baden aber nicht wandern wollen. Mir hatte die Wanderung durch den Wald zu den beiden Seen gut gefallen, aber ich merkte mir die Busverbindung für zukünftige Touren.

Kurz hinter dem Gasthaus am Nordende des Sees fand ich die Abzweigung zum Großen Kranzberg. Nun ging es zur Sache, in weiten Kehren führte der Wanderweg steil bergauf. Sehr häufig kamen mir nun Wanderer entgegen. Das konnte zwei Gründen haben: der Gipfel war nicht mehr weit und die meisten Ausflügler waren in der Gegenrichtung unterwegs.

Nun musste ich mehrere kurze Trinkpausen einlegen und auch mein bewährter Traubenzucker kam zum Einsatz. Als ich aus dem Wald trat, sah ich den Hohen Kranzberg und die Hütte, das Kranzberghaus. Beides war nicht mehr weit und lag nicht viel höher. Beglückt nahm ich ein Foto dieses verheißungsvollen Anblicks auf.

Den letzten Anstieg auf den Hohen Kranzberg bewältigte ich in ein paar Minuten, aber unterwegs sah ich, dass das Wirtshaus nicht geöffnet hatte. Es hatte keinen Ruhetag, das hatte ich vorher nachgeschaut. Das Haus wirkte eher so, als ob dauerhaft geschlossen wäre.

Auf dem Kranzberggipfel (1391 m) schaute ich zunächst zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war. Neben der Wettersteinwand, die ich schon auf der Wanderung gesehen hatte, entdeckte ich in der Ferne die Zugspitze und rechts daneben die Alpspitze. Auf die Zugspitze, den höchsten deutschen Berg (2962 m), will ich seit geraumer Zeit fahren, habe es aber bisher nicht geschafft. Die Alpspitze (2628 m) erinnerte mich an meinen vor drei Jahren verstorbenen Vater. Er schwärmte noch in hohem Alter von seiner Bergtour, die er Ende der 1930er Jahre mit einem „Kameraden“ von Garmisch (700 m) aus auf die Alpspitze (damals natürlich ohne Seilbahnunterstützung !) unternommen hatte.

Panoramafoto bitte anklicken.

Auf dem Kranzberggipfel steht eine Holzhütte als Unterstand. Ich setze mich auf die umlaufende Bank in den Schatten, wo ich auch vor dem überraschend kräftigen Wind geschützt war. Unter der Holzhütte standen viele bequeme Liegebänke aus Holz. Diese waren leider belegt und lagen außerdem in der prallen Sonne.

Von meinem Sitzplatz konnte ich den größten Teil des sensationellen 360° Bergpanoramas (Ester-, Soiern- und Karwendelgebirge) betrachten. Mein Blick ging zurück nach Wallgau, wo ich übernachtet hatte. Auch den Herzogstand, den ich am zweiten Wandertag bestiegen hatte, konnte ich erkennen. Der Ausblick ließ mich an meine zu Ende gehende Mehrtagestour mit dem Rucksack zurückdenken. Einfach toll, das alles so gut geklappt hatte !

Vom Kranzberggipfel konnte ich mich schließlich loseisen. Von nun an ging es bergab, auch im übertragenen Sinn. Wenn ihr meinem Blog folgt, wisst ihr vielleicht, dass ich mich vor dem Bergabgehen fürchte. Zunächst landete ich auf einem gerölligen Wegstück über dem Kranzberghaus , das sehr steil abwärts führte. Ich wollte gerade umkehren, als mir zugerufen wurde, dass es besser würde. Bis zur Sankt Anton Hütte führte die Strecke mal steiler und dann wieder angenehmer talwärts. Sehr hilfreich war, dass die steilsten Passagen asphaltiert waren und auffällig, dass mir mehrere schwer atmende Passanten entgegen kamen. Das waren wohl diejenigen Spaziergänger, die mit dem Kranzberglift hinauf gefahren waren und nur den letzten, allerdings sehr steilen, Aufstieg von 150 Höhenmetern bewältigen mussten. Aber wahrscheinlich hatte sich der Eine oder Andere das Ganze weniger anstrengend vorgestellt…

In der Sankt Anton Hütte verbrachte ich eine ausgedehnte Mittagspause bei Rindertafelspitz mit Kartoffelsalat und einem alkoholfreien Weizenbier. Beim Kaffee betrachte ich noch einmal die Landschaft und nahm Abschied von den wunderschönen Bergen. Vor allem das Karwendelgebirge hatte es mir angetan.

Panoramabild bitte anklicken.

Nach meinem Aufbruch traf ich ein (viel) älteres Paar, das das Bergpanorama mit dem Wildensee im Vordergrund bewunderte. Auf meine Nachfrage erklärten sie mir, dass sich die Bergstation der Kranzbergbahn nur wenige Meter unterhalb befinde. Ich war mir nicht sicher, ob ich laufen oder fahren sollte. Immerhin handelte es sich noch um 300 Höhenmeter. Daraufhin meinte der mindestens 80 Jahre alte Mann, dass der Weg ins Tal „sehr angenehm“ sei.

Wäre ich nur meinem Bauchgefühl gefolgt ! Aber mir ging eine Talfahrt mit dem Lift am Ende meines Wanderurlaubs gegen den Strich. Daher lief ich weiter talwärts und schwitzte auf den gerölligen Abschnitten Blut und Wasser. Sehr vorsichtig taste ich mich hinunter. Schließlich wollte ich mich nicht auf den letzten Kilometern meiner Wanderreise verletzen. Nun ging mir auch auf, warum die Wanderbeschreibung empfahl, den Aufstieg auf den Kranzberg, notfalls mit Hilfe des Lifts, zuerst anzugehen und dann gemütlich an den Seen entlang ins Tal zu spazieren.

Der Weg folgte der Sessellifttrasse und führte fast senkrecht hinunter. Nur einmal oder zwei Mal ging es in Kehren bergab. Als ich in Mittenwald ankam, zitterten mir die Knie, aber ich war heilfroh, dass alles gut gegangen war.

Fazit:
13 Km, 480 Hm, 3 Stunden ohne Pausen
Empfehle die Wanderung an der Talstation des Kranzbergliftes zu beginnen, den man auch als Aufstiegshilfe benutzen kann. Sehr abwechselungsreiche und leichte Wanderung mit steilen Aufstiegen, wunderschönes 360° Bergpanorama auf dem Hohen Kranzberg (Ester-, Soiern- und Karwendelgebirge), Bademöglichkeiten an den Seen.

Ich schlenderte noch einmal durch die Mittenwalder Altstadt. In einem Eiscafé in der Fußgängerzone erholte ich mich bei Erdbeer-Spaghetti-Eis und Espresso von den Strapazen.

Auf der Rückfahrt mit dem Zug erwartete mich noch eine unangenehme Überraschung. Die Bahnstrecke zwischen Oberau und Eschenlohe war gesperrt. Offensichtlich hatte sich ein Gleiskörper wegen der hohen Temperaturen von über 30 ℃ verformt. Ab Oberau fuhr ein Notfallbus bis Eschenlohe und zwar ausgerechnet über die Superstaustrecke, die Bundesstraße (B 2). Letztendlich lief alles nur auf eine halbe Stunde Verspätung hinaus, auch wenn nicht gerade angenehm war, mit dem vollgestopften Bus zu fahren. Auch die zweistündige Zugfahrt von Eschenlohe nach München war nicht gerade ein Vergnügen. Immerhin bekam ich gerade noch einen Sitzplatz.

Im Zug saßen auch etliche ältere Leute. Ich bemerkte, dass viele die FFP2-Maskenpflicht sehr nachlässig befolgten. Neben dem bekannten Herunterziehen unter die Nasenlöcher, zeigten sich schlampig angelegte OP- und Stoffmasken und ein Herr hielt sich die Maske sogar wie einen Maulkorb mit Abstand vor das Gesicht. Wahrscheinlich waren diese Herrschaften vollständig geimpft, während dies bei den jungen Passagieren in ihrer Nähe überwiegend nicht der Fall war. Wie bekannt ist, können auch Geimpfte das Virus noch übertragen. Selten habe ich mich so sehr fremdgeschämt! Was müssen die Jungen von unserer Generation denken? Sie werden die wirtschaftliche Last der Corona Pandemie in der Zukunft tragen müssen und wir sind nicht einmal bereit, ein bisschen Rücksicht zu nehmen.

Nach meiner wunderbaren Wanderreise kam ich glücklich, dankbar und etwas erschöpft wieder nach Hause. Schön war’s !

Eine Bewertung meiner viertägigen Rucksackwanderung mit vollständigem Impfschutz veröffentliche ich in einem weiteren Beitrag.

Wieder auf Reisen: Wandern in Bayern/ Traveling again: Hiking in Bavaria (3)

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Nach meiner wunderbaren aber auch anstrengenden Bergwanderung wollte ich mir am Sonntag, dem dritten Tag meiner Rucksackwanderung, eine Genusstour gönnen. Zunächst sollte es von Wallgau nach Krün gehen und dann über den Buckelwiesenweg nach Mittenwald, eine gut dreistündige Wanderung mit geringen Höhenunterschieden und Panoramablicken in die Bergwelt.

Eigentlich hatte ich geplant, danach von Mittenwald nach Hause zu fahren. Nach dem Anschauen des Wetterberichts, der für Montag noch gutes Wetter voraussagte, buchte ich spontan eine Übernachtung in Mittenwald, um von dort noch eine Tageswanderung (ohne Rucksack!) unternehmen zu können. Wieder einmal profitierte ich von meinem Rentnerinnenstatus, auch wenn dies bei Weitem nicht so häufig geschah, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber ich will nicht über coronabedingt fehlende Reisemöglichkeiten jammern. Wird schon irgendwann wieder besser werden.

Als ich morgens in Wallgau zu meiner Wanderung startete, fiel mir gleich die stickige Hitze auf. Der Ort liegt immerhin auf fast 900 Meter Höhe, so dass ich damit nicht gerechnet hatte. Bis zum nächsten Ort Krün lief ich auf einer kleinen asphaltierten Straße, die nur von ein paar Traktoren aber auch zahlreichen Radfahrern befahren wurde. Hoffentlich würde es auf dem Buckelwiesenweg einen weicheren Belag geben.

Hinter Krün erreichte ich die idyllisch gelegene Kappelle Maria Rast mit dem Gebirge im Hintergrund.

Der Buckelwiesenweg erwies sich als weiterhin asphaltiert und vor allem als gänzlich ohne Schatten. Da die Sonne brannte, wurde es mir bald sehr heiß. Es kam mir auch so vor, als ob die Anstrengung durch die Bergwanderung zum Herzogstand sich nun auswirkte. Kurzum, ich fühlte mich trotz der weitgehend ebenen Strecke nicht fit. Die Wanderung bot in der Tat beeindruckende Ausblicke in die Wiesen- und Berglandschaft, aber nach der Traumlandschaft die ich über dem Walchensee bewundert hatte, fielen diese doch etwas ab.

Später las ich die Wanderbeschreibungen noch einmal und entdeckte Formulierungen wie „sonniger Panoramaweg“ und „immer die Sonne im Gesicht“. Das war in der Tat zutreffend! Im Frühling oder im Herbst ist dies bestimmt ein Pluspunkt, bei großer Sommerhitze aber nicht.

Panoramafotos bitte anklicken!

Langsam ging ich weiter und nutzte jeden noch so kleinen Schatten zu einer Trinkpause.

Eine wunderbare Ablenkung bildete eine kunstvolle Holzschnitzerei in einem Baumstamm, die zudem sehr attraktiv vor einem Landschaftspanorama platziert war.

Bei der „Goasalm“ ergatterte ich einen schönen Schattenplatz auf der Terrasse und regenerierte mich bei einem alkoholfreien Weizenbier.

Danach verlief die Route leicht bergab in Richtung Mittenwald, was grundsätzlich angenehmer war. Allerdings fuhr immer wieder einmal ein PKW vorbei. Aber die namensgebenden Buckelwiesen waren nun deutlich zu erkennen.

Wikipedia erklärt dazu Folgendes:

„Die Buckelwiesen sind eine geomorphologische Besonderheit des alpinen Raumes. Die größten Restbestände dieser vielfach von Menschenhand eingeebneten Buckelfluren finden sich … in der Region um Mittenwald, Krün und Klais … Die grasbewachsenen Bodenwellen entstanden am Ende der Würmeiszeit, als der vordringende Isargletscher den Schotter der Moränen zu Drumlins, langgezogenen Bodenwellen, zusammenschob …“

Hinter dem Schmalensee ging es endlich in den Wald und auf einen Naturweg.

An dem bergauf abzweigenden Weg zur Gröblalm ging ich vorbei, was vielleicht ein Fehler war, denn nun folgte eine für mich sehr steile schotterige Strecke, die in Serpentinen hinunter nach Mittenwald führte. Dort landete ich auf einer wegen Bauarbeiten gesperrten Straße, von der ich mich durch die brütende Hitze in das historische Ortszentrum schleppte. Zu meiner Unterkunft war es dann glücklicherweise nicht mehr weit. Im Hotel kam ich ziemlich fertig an. Sehr froh war ich, dass ich übernachten konnte und nicht am Nachmittag, wie ich es ursprünglich geplant hatte, mehrere Stunden mit dem Zug nach Hause fahren musste.

Fazit:
13,2 Km , 130 Hm, 3,5 Stunden ohne Pausen
Sehr leichte Wanderung mit abwechselungsreichen Panoramablicken, überwiegend asphaltiert, fast kein Schatten, bei Hitze nicht zu empfehlen. Wird am Wochenende sehr gerne von Radfahrern genutzt.

Frisch geduscht begab ich mich am Nachmittag auf einen Spaziergang durch das Mittenwalder Zentrum und bestaunte die mit der sog. Lüftlmalerei verzierten Fassaden. Vor der Kulisse des steil aufragenden Karwendelgebirges sah das richtig grandios aus und erinnerte mich an meinen Ausflug nach Hall in Tirol im Sommer 2020.

Und natürlich durfte eine ausgedehnte Pause mit Kaffee und Kuchen im Außenbereich eines Cafés nicht fehlen. Dort konnte ich die bemalten Fassaden noch einmal ausgiebig studieren und die Passanten in der Fußgängerzone beobachten. Erstaunt bemerkte ich, dass ich als Rentnerin den Altersdurchschnitt sogar noch ein bisschen senkte …

Abends kam das angekündigte Gewitter. Im sicheren Hotelzimmer staunte ich über das schnelle Aufziehen der Wolken, welche das Gebirge vollständig verhüllten, und den Donner, der mit gewaltigem Getöse von den Bergen widerhallte. Nach einer guten halben Stunde war alles vorbei. Die Temperatur stieg schnell wieder auf angenehme 18 ℃ und die Berge zeigten sich im warmen Abendlicht.

Bald nach dem Abendessen sank ich ermattet in die Federn und schlief in der Nacht so gut wie schon lange nicht mehr.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.