Auf dem Münchner Jakobsweg (10)

7.10.2019  Von Weitnau nach Stiefenhofen, ca. 20 Km

„Nein, nicht schon wieder ! “ rufe ich laut in den menschenleeren Wald hinein. Der Pilgerführer hat mir prophezeit, dass es heute immer nach Erreichen einer „Ansteigung“ sofort wieder bergab geht. Leider allzu wahr ! Obwohl ca. 800 Höhenmeter zu bewältigen sind, liegen der Start und das Ziel der heutigen Etappe auf gleicher Höhe. Gestern  habe ich mich noch beklagt, dass der Wegverlauf und das Wetter eintönig  waren. Das ist heute überhaupt nicht der Fall! Auch das Wetter bietet mir viel Abwechslung. Vom Platzregen, über Nebel und Sonne ist alles dabei. „ Camino provides“? Aber dabei geht es doch um nur Positives, oder ? Heute handelt es sich eher um eine wilde Mischung.

Als ich morgens in Weitnau startete, sah ich einige Löcher in der Wolkendecke und freute mich auf besseres Wetter. Nach knapp 20 Minuten fing es an zu nieseln. Auf einer Bank auf einer Lichtung  zog ich mein Regenzeug an. Währenddessen begann es richtig zu schütten und ich wurde beim Umziehen ziemlich nass. Nach einer kurzen Strecke durch den Wald stellte ich mich bei einer großen Schutzhütte unter. Also doch, „Camino provides“ !

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Dort fror ich ziemlich schnell. Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, ging ich schnell weiter. Nun begann der im Pilgerbuch angekündigte Wechsel zwischen Bergauf- und Bergablaufen. Dann musste ich auch noch einen steilen Matschweg hinunterschlittern. Als ich mich gerade bitterlich beklagen wollte, weil ich das überhaupt nicht schätze, schien plötzlich wieder die Sonne. Nebelfetzen, die in den Baumkronen hingen, stiegen sehr fotogen nach oben.
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Vom nächsten Ort Williams erhoffte ich mir eine gemütliche Einkehr. Zwar wusste ich schon, dass das beste Restaurant Ruhetag hatte, aber da würde es bestimmt noch eine andere Möglichkeit geben. An einigen Skiliften kam ich vorbei und sah dort auch Restaurants. Wie die Lifte waren die Gaststätten leider außerhalb der Saison geschlossen. Auch meine Nachfrage bei Einheimischen brachte nichts. In einem anderen Ortsteil, der kilometerweit entfernt war, gab es wohl etwas aber in Williams nicht.
Eine freundliche Bäurin konnte mir auch nicht helfen, aber sie zeigte mir, wo der Jakobsweg wieder aus dem Dorf hinausführte. Leider war auch die Kapelle von Williams geschlossen, so dass ich keinen Pilgerstempel bekam.
Hinter dem Ort ging es zunächst bergab und dann ca. 1 km steil bergauf nach Aigis. Auch hier gab es keine Einkehrmöglichkeit und der Ort war wie ausgestorben. Vor einem Aussiedlerhof befand sich ein idyllischer Picknickplatz mit Holztisch und Bänken. Dort ließ ich mich nieder und packte meine Brotzeit aus. Neben der Bank lag ein kleiner Gedenkstein für ein verstorbenes Ehepaar mit der Aufschrift „Zu Hause waren sie in ihren geliebten Bergen“ . Als ich den Stein betrachtete und mir überlegte, ob es sich wohl um langjährige Feriengäste gehandelt hatte, sah ich die darauf fallenden Regentropfen. Fluchend legte ich mein Raingear wieder an. Meine Brotzeit nahm ich auf die Hand und flüchtete in den Wald. Der Camino machte mir mal wieder keinen Spaß !

Im Wald war niemand unterwegs und das sollte stundenlang so bleiben. Einige Male fehlte die Beschilderung an den Abzweigungen. Mir grauste davor, dass ich mich verirren könnte. Das Handynetz hatte sich passenderweise auch gerade wieder verabschiedet.Wer würde mich finden, wenn ich mich verletzte ?  Dem Rat des Pilgerbuchs folgend, dass man sich auf dieser Strecke an Weggabelungen immer links halten solle, fand ich den Weg. Bis Geratsried ging es wieder munter, teilweise steil, bergauf und gleich wieder bergab . Dort stand ich erneut vor einer geschlossenen Kapelle.
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Hinter dem Ort musste ich noch einmal steil bergauf gehen. Japsend erreichte ich einen großen Bauernhof. Wieder war keine Menschenseele zu sehen. Dann kam ich an eine Weide mit Kälbern. Die Tiere kamen sofort angallopiert und folgten mir soweit die Wiese am Weg entlang führte.
P1040376Diese nette Begegnung baute mich auf . Dann kam auch noch die Sonne heraus. Schließlich entdeckte ich eine sonnige Bank auf einer Anhöhe mit einer wunderbaren Aussicht auf leuchtend grüne Allgäuweiden. Dort setzte ich meine Brotzeit fort und  die Welt war wieder in Ordnung.
P1040380Obwohl es von nun an bergab ging, entschied ich mich für die Abkürzung nach Stiefenhofen, wo ich meine Unterkunft gebucht hatte. Dabei ließ ich die gotische Kapelle in Zell aus.  Schon wieder kein Stempel ! Aber nach meinen Erfahrungen im Allgäu war ich mir nicht sicher, ob die Kirche geöffnet sein würde. Auf dem Allgäu Radweg lief ich bis Stiefenhofen, das fast drei Kilometer vom Jakobsweg entfernt liegt. Der Weg folgte der Bahnstrecke von Lindau nach München und einmal fuhr ein Zug vorbei. Ansonsten handelte es sich um eine sehr schöne Strecke am Bach, die ich bei schönstem Sonnenschein zurücklegte.
Nur der letzte Kilometer nach Stiefenhofen verlangte mir Einiges ab. Es ging noch einmal richtig steil nach oben.
Als ich ziemlich erledigt im Hotel ankam, fragte mich der Gastwirt, wie weit ich gegangen war und wie lange ich gebraucht hatte (sechs Stunden plus Pausen) und meinte dann, soo lange würde er nicht brauchen (!).
Bei einem sehr schmackhaften Abendessen in der gemütlichen und gut besuchten Gastwirtschaft erholte ich mich von den Strapazen. An meinem Tisch unterhielt ich mich mit zwei Frauen. Die eine besuchte ihre Freundin, die in der Nähe wohnte, und sie wollte am nächsten Tag zunächst Richtung Lindau pilgern und dann über den Jakobsweg zurück in den heimatlichen Schwarzwald. Schade, dass ich die nette Frau auf dem Weg nicht wieder getroffen habe.

Wart ihr schon einmal alleine auf einem Fernwanderweg unterwegs und wie ging es euch ?
Über eure Kommentare und eure Likes freue ich mich immer sehr.

Unso ging es weiter :

https://wanderlustig2019.wordpress.com/2020/01/19/auf-dem-muenchner-jakobsweg-11/

 

 

 

 

Marvellous hikes in Lanzarote

On the first advent weekend I was finally able to hike through the volcanic landscape in Lanzarote. The sun was shining and I enjoyed nice hiking weather at around 23 degrees. Hiking in Lanzarote takes you through unique scenery.

Two Volcano Hike

The easy hike starts near the wine-growing region „La Geria“. It remains mainly flat and on a broad path with some information boards about volcanic activity set out by the national park administration. The trail is known as one of the most beautiful hiking opportunities in Lanzarote.

Circular walk Montaña del Cuervo

On Saturday morning I parked in the designated lot near the Montana del Cuervo. The striking mountain was only created by the eruptions in the years 1730 to 1736 ( see more details Unterwegs auf Lanzarote (2) ). The side flank was torn open by the explosions, so that the caldera can be walked on without having to climb over the crater rim. The circumnavigation takes about an hour. If you go counterclockwise, you will be able to visit the caldera after a short time.
I descended into the volcanic crater. For the very short and only slightly steep descent, I didn’t even have to use my hiking poles. In the caldera, I admired the torn rock faces  and marveled at the diversity of the lava formations. I was thrilled. When do you have the chance to walk into the interior of a volcano as easily and safely?
Many tourists went back after visiting the caldera. As I was not in a hurry I did not miss out the walk  around the mountain. I was rewarded with wonderful views of the vast lava deserts that surround the volcanic area and of the fire mountains in the Timanfaya National Park (see Unterwegs auf Lanzarote (2)  ).

DSC04655DSC04664DSC04658DSC04663DSC04659In „La Geria“ I spent my lunch break in an overcrowded bodega. The place offers wine tasting and is the destination of countless coaches.

The two-volcano hike can easily be done in one go. The hiking trail at the Caldera Colorada starts just one kilometer from the Montana del Cuervo. Only because of the lack of refreshment stops and toilets near the trails,  I had decided to have a break in between.

Circular walk Caldera Colorada

On the short hike (approx. 1 hour from the parking lot at the Caldera Colorada) you can circle the mountain, but you may not walk into the crater.
In contrast to my morning hike, I was walking alone. It was even nicer. A breathtaking view of the shimmering red rock walls opened up around every corner. Several volcanic bombs, huge round boulders that had been thrown out of the mountain during the eruptions lay there, looking like the toys of giants.

I was also fascinated by the interplay of colors in the scenery: rust-red rock walls, yellowish lichen, which forms the basis for the coming vegetation, small green bushes on the slopes exposed to the trade winds, and brown-black picon (lava pebbles). And all of it set against a blue sky full of delicate clouds …

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Having enjoyed hiking in Lanzarote so much, I decided to go for another walk on Sunday.

Circular walk at Famara Bay (walking time approx. 2.5 hours)

The bay of Famara lies in front of the steep Famara rock massif. Surounded by a great arid landscape Famara Beach is the longest dune beach in Lanzarote. Due to constant north winds, the surf is usually wild, making the area a mecca for surfers.

After I had enjoyed  a second breakfast in the quaint town of Caleta de Famara, the hike took me up a bit on the slope, and then I followed the trail under the ridge.
On my way I constantly had wonderful views of the offshore islands and the inlet El Rio. La Graciosa, the main island, has only 600 permanent residents and is mainly natural. You can take a day trip there with a supposedly rather rocky boat and then hike through an enchanting area. On my next stay in Lanzarote (which is already on my bucket list!) I plan to go on hiking tours in La Graciosa
Finally,  I went down to the fantastic beach and then walked back. There are small stacked stone walls in the dunes, where you can relax sheltered from the wind. In one of these I ate my snack and admired the wild surf. The waves were apparently not high enough for surfers. On my way back to the car I saw only a few.

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Before going on this hike I had wondered whether it was going to be boring. It turned out to be nothing like that. The views of the islands La Graciosa and Montana in the changing light conditions also made up for the fact that during my trip to the Mirador del Rio I had not enjoyed the view of the archipelago due to thick fog Unterwegs auf Lanzarote (1)
The steep rock massif impressed me even more from up close and even the steppe was not as arid as it seemed at first
look. Plants adapted to semi arid conditions could be discovered.

Have you been hiking on the Canary Islands and how did you like it ?
Looking forward to your comments and likes.

 

Hiking the spectacular Elbe Sandstone Mountains

In September 2019 we hiked for five days along the Malerweg at the Elbe Sandstone Mountains. We left in Bad Schandau and returned there again.

The self-guided hiking trip which we had booked with a travel agency,  followed primarily  the Malerweg, led to its main attractions, but left out walking from Bad Schandau to Pirna, which suited us. The stages of our itinerary first seemed to me very short. They were planned between 10 and 17 km per day. Altogether, we walked (without additional sightseeing, like f.ex. the Feste Königstein) only 63 km. We had also booked the  transport of our bags between  accommodations . „Well,“ I thought, „that will be quite comfortable. This is going to be  pleasure hiking! “

Actually, we enjoyed the hike very much,  had breathtaking scenic experiences: the dramatic rock towers, the magnificent mixed forests with huge beech and birch, the moss-covered boulders, the spectacular views over the Elbe Sandstone Mountains and the course of the river. Such magnificient and varied nature, even beyond the well-known photo spots, we had not expected.  And we could often stop off at quaint and cozy inns with tasty food and delicious cakes, such as dishes with Saxon dumplings and Dresdner Eierschecke.

One has to climb a lot in the Saxon Switzerland National Park. It is always uphill and then often immediately downhill and so on, but everything is very well secured. At each steep spot there are steps, often with railings, and as soon as one starts the climb of the sandstone cliffs, the ladders begin. These often run between the towering stones and sometimes it is so tight that you have to squeeze through. I was so glad I only carried my day pack on the back. Once,  we even climbed up a ladder at 90 degrees! With a heavy backpack I might have had problems.

As a reward for strenuous climbing (in total we went up 2317 m and  down 2139 m) we always got fantastic panorama views. But the National Park Administration, which maintains the whole area  perfectly, sometimes meant too well with the visitor in this regard. Often, when several rocks lay side by side, the path did not only take us to a viewpoint and then down again. No, once on the ridge we were allowed, e.g. at the Bärensteine on the way to Königstein, to go a stil higher and then climb up and down each of the numerous rocks.

In short, we hiked through a unique landscape. Despite the short stages, we were physically challenged. For all that continuous climbing over steps of any size and height, as well as ladders without end, walking was never dangerous. The hiker though  should be sure-footed and free from vertigo. We  mostly had dry weather. In the rain, you have to be extra careful.

Below I like to share a few impressions of our hiking holiday on the Malerweg.

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Bad Schandau
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Wooden steps
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Metal stairs
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Panoramic view Brand Baude

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Gautsch Grotto
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Gautsch Grotto
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Hohnstein Castle

 

 

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Amselsee in the rain
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View of the Elbe,  ascent from Rathen to Bastei
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Rock Castle Neurathen
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Panoramic view Neurathen
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Bastei Bridge
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Look out from Bastei
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Fairytale forest, descent to Wehlen
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Ferry at Wehlen
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Stadt Wehlen
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Climbing the Bärensteine
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Feste Königstein
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Panoramic view Feste Königstein
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Panoramic view Feste Königstein

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Near Diebskeller cave
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Rock needle Barberine
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Pfaffenstein with Barberine
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Near Kurort Gohrisch
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Forest with birch and rock boulder
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Panoramic view from Gohrisch mountain, Papststein
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On top of Papststein, Feste Königstein in the background
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Look out from Papststein
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Climbing near Papststein
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Walking to Krippen
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Near Kleinhennersdorf

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Schrammsteine
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Postelwitz with view of Schrammsteine
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Ferry from Krippen to Postelwitz
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Trail to Schrammsteinaussicht
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Ascent Schrammsteine
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Ascent Schrammsteine
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Look out Schrammsteine
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Look out Schrammsteine
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Schrammstein panoramic view,  Elbe valley
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On top of the Schrammsteine
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Path to Beuthenfall, view Affensteine
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Return with the historic tram through Kirnitsch Valley

Conclusion:

We were privileged to spend our hiking holiday in the  fantastic scenery of Saxon Switzerland. There you can also walk many trails of various lenghts , which are not situated along the Malerweg. As the distances in the Elbe Sandstone Mountains are not far, the area is also very suitable for day hikes, e.g. from Bad Schandau. From Dresden you can even take a surburban train. It is also supposed to be very idyllic in the Bielatal. In any case, I would like to hike in the area again, maybe see the scenery in the fall with colorful foliage. It’s just so beautiful there!

Have you ever been hiking the Malerweg ? And how did you like it?

Looking forward to your comments and likes.

Wandern im wildromantischen Elbsandsteingebirge

Im September 2019 waren wir fünf Tage lang auf dem Malerweg im Elbsandsteingebirge unterwegs. Wir sind in Bad Schandau losgelaufen und dorthin auch wieder zurückgekehrt.

Die Tour, die wir bei einem Veranstalter gebucht hatten, folgte größtenteils dem Malerweg, führte zu dessen Hauptattraktionen, ließ aber den weiteren Weg von Bad Schandau nach Pirna aus, was uns entgegenkam. Unsere Etappen auf dem Reiseplan kamen mir zuerst sehr kurz vor. Sie bewegten sich zwischen 10 und 17 Tageskilometern. Insgesamt sind wir (ohne zusätzliche Besichtigungen, z.B. der Feste Königstein) nur 63 km gelaufen. Außerdem hatten wir einen Gepäcktransport zwischen den Unterkünften gebucht. „Na“, dachte ich, „das wird doch recht gemütlich. Genusswandern ist angesagt!“

Tatsächlich haben wir die Wanderung sehr genossen, hatten immer wieder ein atemberaubendes  Landschaftserlebnis: die dramatischen Felsentürme, die herrlichen Mischwälder mit riesigen Buchen und Birken, die moosüberzogenen Felsbrocken, die spektakulären Aussichten über das Elbsandsteingebirge und den Verlauf der Elbe.  Eine derart prächtige und abwechselungsreiche Natur, auch jenseits der bekannten Fotomotive, hatten wir nicht erwartet. Außerdem gab es häufig urige und gemütliche Gasthäuser zum Einkehren mit gutem Essen und leckerem Kuchen, etwa Gerichte mit sächsischen Klößen und Dresdner Eierschecke.

Im Nationalpark Sächsische Schweiz muss man sehr viel klettern. Es geht ständig bergauf und oft sofort wieder bergab usw. usw. , aber alles ist sehr gut gesichert. An jeder steilen Stelle befinden sich Stufen, oft mit Geländer, und sobald es an das Besteigen der Sandsteinfelsen geht, beginnen die Leitern. Diese verlaufen oft zwischen den turmhohen Steinen und zwar zum Teil so eng, dass man sich hindurchzwängen muss. Da war ich heilfroh, dass ich nur meinen Day Pack auf dem Rücken trug. Einmal sind wir sogar eine Leiter hinaufgestiegen, die im 90 Grad Winkel stand ! Mit einem schweren Sack auf dem Rücken hätte ich da vielleicht Probleme bekommen.

Zur Belohnung für die Kletterei (insgesamt sind wir 2317 m hinauf und 2139 m hinunter gelaufen) bekamen wir immer traumhafte Panoramen geboten. Die Nationalparkverwaltung, die das Ganze mustergültig in Schuss hält, meinte es in dieser Hinsicht manchmal zu gut mit dem Wanderer. Sie führte uns oft, wenn mehrere Felsen nebeneinander lagen, nicht auf einen Aussichtspunkt und dann wieder hinunter. Nein, wir durften z.B. bei den Bärensteinen auf dem Weg nach Königstein, einmal auf dem Grat angelangt, noch etwas höher gehen und jeden der zahlreichen Felsen hinauf- und wieder hinuntersteigen.

Kurzum, wir wanderten durch eine traumhaft schöne Landschaft. Trotz kurzer Etappen waren wir körperlich durchaus ausgelastet. Bei aller Kletterei über Stufen jeder Größe und Höhe sowie auf Leitern ohne Ende, war das Wandern nie gefährlich. Der Wanderer sollte allerdings trittsicher und schwindelfrei sein. Wir hatten hauptsächlich trockenes Wetter. Bei Regen muss man sicher sehr gut aufpassen.

Nachfolgend findet ihr einige Impressionen unseres Wanderurlaubs auf dem Malerweg.

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Fazit:

Unseren Wanderurlaub durften wir in einer  fantastischen Landschaft verbringen. Dort gibt es auch viele verschieden lange Wandertouren, die nicht vom Malerweg erschlossen werden. Da die Entfernungen im Elbsandsteingebirge nicht groß sind, eignet sich das Gebiet auch sehr gut für Tagestouren, z.B. von Bad Schandau aus. Von Dresden aus kann man sogar die SBahn nutzen. Sehr idyllisch soll es auch im Bielatal sein. Auf jeden Fall möchte ich in der Gegend noch einmal wandern, vielleicht im Herbst bei buntgefärbtem Laub. Es ist einfach wunderschön dort !

Wart ihr schon einmal auf dem Malerweg unterwegs ? Und wie fandet ihr es ?

Über eure Kommentare und Likes freue ich mich immer sehr.

Tophighlight : Wandern in Patagonien

Wetterbedingungen in Patagonien

Das Wetter in Patagonien ist zu Recht berüchtigt: es ist unberechenbar, selbst im Sommer muss mit empfindlichen Kälteeinbrüchen gerechnet werden, peitschende Regengüsse sind an der Tagesordnung, Windgeschwindigkeiten erreichen Orkanstärke.

Jahrelang hatte ich mich, da häufig vom Wetterpech verfolgt Reisepech: Das Wetter ! nicht getraut,  in diese Gegend mit ihren spektakuläre Landschaften zu reisen. Im Januar 2017 wagte ich es schließlich, gut ausgestattet mit wind- und wasserfestem Equipment, und das Wetter war tatsächlich extrem wechselhaft und wies alle genannten Phänomene auf.  Aber immer wieder, besonders an den spektakulärsten Punkten, erlebte ich plötzlich ausgesprochen traumhaftes Wetter !

Parque Nacional Torres del Paine Chile

Im Torres del Paine National Park hielt ich mich drei Tage lang auf. Weitere Informationen über den Nationalpark gibt es auf  https://torresdelpaine.com/en/

Das allerschönste Erlebnis war meine Wanderung zur Base de las Torres. Ich hatte mir eine Hotelunterkunft am  Eingang des Nationalparks am Rio Serrano mit Blick auf die Cuernos gegönnt, die wie alle anderen recht teuer war. Außerdem hatte ich  mich nur für diesen Teil meiner Reise für einen Mietwagen entschieden. Ansonsten war ich in Patagonien mit den sehr guten Bussen  unterwegs. Regelrechten Horror hatte ich vor dem Befahren der Straßen im Nationalpark mit dem Mietwagen gehabt, da es dort nur mehr oder minder üble Schotterpisten gibt. Im Großen und Ganzen stellt sich das als aufregend aber nie als gefährlich dar. Es gab immer genug Platz zum Ausweichen. Um zu den Ausgangspunkten der Wanderungen zu kommen, hätte ich ohne ein eigenes Fahrzeug auch Transfers im Hotel buchen können. Von den hohen Preisen einmal abgesehen, wollte ich aber lieber unabhängig sein, meine Touren je nach Wetter kurzfristig planen.  Im Torres del Paine gibt es auch Mehrtageswanderungen. Die meisten Wanderer gehen den W-Treck in vier bis fünf Tagen und übernachten in Campamentos oder Refugios (einfache Campingplätze und Berghütten). Ich hatte mich für Tagestouren entschieden.

Traumwanderung zur Base de las Torres

Zur Base de las Torres, dem Highlight im Nationalpark,  wollte ich bei möglichst schönem Wetter wandern. Beim Blick aus dem Fenster am frühen Morgen entdeckte ich riesige Pfützen und dunkle Wolken zogen gerade heran. Am Vortag hatte sich ein plötzlicher Wettersturz ereignet und ich hatte nicht schnell genug meine Regenkleidung überziehen können, so dass ich völlig durchnässt und ordentlich durchgepustet worden war. Ich beschloss, wieder schlafen zu gehen und später je nach Wetter eine kleinere Wanderung zu unternehmen.  Als ich gegen 7 Uhr wieder hinaus schaute,  hatte es sich schon beträchtlich aufgehellt. Schnell prüfte ich den Wetterbericht, wonach es bald schöner werden sollte und sogar sonnig. Ich überlegte kurz. Die Wanderung würde mindestens 8 Stunden dauern, der Startpunkt der Wanderung lag am anderen Ende des Nationalparks, würde ich das überhaupt schaffen ? Das Gute am Sommer in Patagonien ist aber, dass es Tageslicht bis ca. 22 Uhr gibt.  Kurzentschlossen packte ich alles ein, auch mein Regenzeug, frühstückte schnell und fuhr gegen 8 Uhr los. Ich konnte es nicht glauben, auf der Fahrt wurde das Wetter laufend schöner. Wie beim Fahren am Vortag schwankte meine Stimmung beim Autofahren ständig zwischen: „Es kann doch nicht wahr sein, dass diese Piste immer noch enger und steiler wird und die Schottersteine wieder größer, wow diese Landschaft ist überwältigend, aber diese großen Schlaglöcher sind neu, die sind durch den Regen heute Nacht entstanden. Wahnsinn, diese Farben des Himmels und der Lagos,  Grün und Blau in allen Schattierungen und das kontrastierende  Gelbbraun der Vegetation, einfach wunderschön ! … “

Fotografieren konnte ich leider nicht, mit dem Autofahren war ich ziemlich beschäftigt. Aber ein Guanako am Straßenrand im Gegenlicht hatte ich doch  erwischt.

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Nach der Abzweigung zum Wanderparkplatz musste ich noch einmal tief durchatmen,  als es über eine nur mit Holzplanken lose (?) belegte enge Brücke ging, aber natürlich stellte das kein Problem dar. Für die ca. 50 km lange Fahrstrecke hatte ich fast zwei Stunden gebraucht. Mit der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/ h war ich aber auch nie gefahren. Vom Parkplatz bis zum Hotel Las Torres  war es noch fast eine halbe Stunde zu laufen, bis die Wanderung begann. Ich ahnte nun schon, dass ich an diesem Tag keinesfalls alleine unterwegs sein würde. Heerscharen von Wanderern bewegten sich in Richtung meines Ziels. Vor meiner Reise hatten mich viele gefragt, ob mir das nicht zu gefährlich sei, alleine wandern zu gehen. Während meiner Wanderungen in Patagonien war das überhaupt kein Problem. Die Sommersaison in Patagonien ist kurz und der Tourismus konzentriert sich auf wenige Ziele. Einsam in Not geraten konnte ich da wirklich nicht !

Zu Beginn ging es langsam aber stetig bergauf. Bis zum Refugio Chileno konnte man mit dem Pferd reiten. In den ersten Minuten lief ich direkt hinter einem Pferdehinterteil, dann verliefen der Wander- und der Reitweg gottlob getrennt.

Die Aussicht ins Tal über die unberührte Landschaft war wunderschön. Allerdings wurde es in der Sonne nun auch immer heißer und ich war nicht die Einzige, die eine  Auszieh- und Eincremepause einlegte.

Hinter dem Refugio Chileno begann der Weg anzusteigen, um kurz darauf wieder bergab zu verlaufen. Dies wiederholte sich mehrere Male, so dass ich kaum an Höhe gewann. In der Wanderbeschreibung hatte ich gelesen, dass der finale Aufstieg von 300 Höhenmetern erst auf dem letzten Kilometer der 9 km langen Strecke zu bewältigen war. Nach einer letzten Trink- und Snackpause (mit warmem Cola, köstlich ! Wirkt aber bei mir wie ein sehr guter Kaffeeersatz ) am Campamento Torres wurde der Weg sehr steil und felsig. Das letzte Stück führte mitten durch ein riesiges Geröllfeld aus groben Felsbrocken und nahm einfach kein Ende.  Dort waren auch zahlreiche Wandergruppen unterwegs, die entgegenkamen oder überholen wollten, so dass man oft ausweichen musste. Auf allen Vieren und mit letzter Kraft zog ich mich an den Felsen hoch. Meine bewährte Strategie beim Wandern, mit kleinen Schritten auch im steilen Terrain langsam immer weiter zu gehen, versagte und ich musste mehrmals schwer atmend stehen bleiben. Zwischendurch konnte ich immer mal wieder die Spitzen der Torres sehen und das motivierte. Nach knapp vier Stunden erreichte ich schließlich das Ziel.

Und dann als ich an der Lagune mit Blick auf die Torres angekommen war, war die ganze Plage vergessen. Es war einfach wunderschön, die Torres wirkten unglaublich majestätisch in der großartigen Gebirgslandschaft und jeder Schritt dorthin hatte sich gelohnt. Darin  war ich mir mit meinen zahlreichen Wandernachbarn einig. Es machte mir auch nichts aus, dass es dort oben so voll war, dass man sich am „Kodak Point“ für das berühmte Foto vor der Lagune mit den Bergspitzen anstellen musste, um alleine auf das Bild zu kommen.

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Trotz strahlendem Sonnenschein konnte man sich an der Base de las Torres nicht sehr lange aufhalten. Durchgeschwitzt wie ich war, begann ich bald zu frieren. Und mir stand auch noch der lange Rückweg bevor. Den steilen Abstieg über das Geröllfeld bewältigte ich sehr vorsichtig. Dann ging es natürlich wieder stetig bergab und bergauf und das blieb so bis fast ganz zum Schluss der Strecke. Obwohl sich nun im Nachmittagslicht immer wunderschöne Ausblicke eröffneten, zog sich der Rückweg gewaltig. Im Refugio Chileno bekam ich den dringend notwendigen Koffeinschub und dann ging es zurück ins Tal.

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torres del paine (137)Auf dem letzten Kilometer war ich so fertig, dass ich es nicht schaffte, meinen offenen Schnürsenkel  zu binden. Als ich am Parkplatz ankam, war es schon 18:30 Uhr und ich fragte mich, wie ich die fast zweistündige Rückfahrt über die Schotterpiste bewälltigen sollte. Aber dann passierte ein weiteres Wunder. Ein warmes Abendlicht verzauberte die Landschaft noch zusätzlich. Aufgrund der späten Stunde herrschte auch nur wenig Verkehr. Das Beste waren die zahlreichen Guanakos. Zwei Tieren jagten leichtfüssig an einem abschüssigen Hang entlang, Staubfahnen im Gegenlicht hinter sich herziehend. Ein magisches Bild!

Fazit: Die Wanderung zur Base de las Torres war trotz aller Anstrengung und der langen Anfahrt ein berauschendes Naturerlebnis. Obwohl es dort in der Hochsaison sehr voll werden kann, unbedingt empfehlenswert !

Kurze Wanderungen im Nationalpark Torres del Paine

Im Torres del Paine habe ich die folgenden kürzeren Wanderungen unternommen.

Vom Parkplatz zum Mirador Cóndor (einfache Strecke 40 Minuten, toller Ausblick, aber sehr stürmisch auf dem Mirador)

Vom Parkplatz zum Wasserfall Salto Grande und weiter zum Mirador Cuernos mit Ausblick zum Lago Nordernsköld (einfache Strecke 1 Stunde, leicht, Guanakoherden gesehen)

Am Lago Grey entlang zum Mirador Grey  (einfache Strecke ca. 1 Stunde, toller Ausblick auf den Gletscher und die auf dem See treibenden Eisberge)

Vom Lago Grey zum Mirador Ferrier (knackige 700 Höhenmeter, je 2 Stunden für Auf- und Abstieg, wegen schlechten Wetters nur bis zur Hälfte gegangen, wunderbarer Blick aber auch schon von dort).

Bewertung Torres del Paine Nationalpark

Im Torres del Paine Nationalpark habe ich atemberaubende Landschaften gesehen. Der Zugang zu den Wanderwegen war oft stressig. Das konnte ich aber beim Anblick der Berge, Gletscher, Seen, die in ständig wechselndes Licht getaucht wurden und immer wieder neu bestaunt werden konnten, schnell vergessen. Der Aufenthalt dort gehört unbedingt zu einer Patagonienreise.

Um so mehr kann man danach das Wandern in El Chaltén genießen. Den Ort erreicht man mit dem Bus von El Calafate in drei Stunden, wobei die Fahrt ein weiteres schönes Landschaftserlebnis bietet. Die Treks beginnen im Ort und  bieten reichtlich Gelegenheit zum Schauen in die wunderschöne Gegend. Dazu möchte ich einen weiteren Bericht schreiben.

Was waren eure schönsten Landschaftserlebnisse beim Wandern ? Welche Treks sollte man nicht verpassen?

Über eure Kommentare und eure Like freue ich mich sehr.

Reisepech: Das Wetter !

Auf Reisen habe ich so viel Wunderbares gesehen und erlebt, dass ich immer wieder losziehen will. Zu meinen schönsten Reiseerlebnissen gehörte  Traum Reiseerlebnis: Gorillatracking in Uganda . Aber auf der Uganda-Reise haben wir auch sehr viel Stress erfahren. In lockerer Folge möchte ich euch von nun an auch von Reiseerlebnissen der besonderen Art  berichten. Nach unserem extrem schneereichen Urlaub in Österreich  Winterwandern im Ausseer Land    ist mir als erstes Thema „Schlechtes Wetter“ eingefallen.

Bei unseren Reisen hatten wir oft nicht gerade „Kaiserwetter“. Vielleicht sollte ich mich in Dürregebieten als Regenmacherin anbieten. Wenn ich in einem Land eintreffe, wo normalerweise um diese Jahreszeit schönstes Reisewetter herrscht,  besteht eine reele Chance, dass es anhaltend schüttet.

Als wir mit dem Baby  zum ersten Mal im Süden von Südtirol in der besten Törgelen Saison unterwegs waren, regnete es tagelang fast pausenlos. Mit unserer Tochter im Tragetuch unternahmen wir ein paar Spaziergänge mit dem Regenschirm. Unverdrossen trat H. jeden Morgen auf die Hotelterrasse, die bei schönem Wetter einen weiten Ausblick hätte bieten können, und rief : „Es reißt auf!“.

Diesen Ausruf benutzen wir scherzhaft in weiteren Urlauben mit einem stabilen Tiefdruckgebiet. Er wurde ersetzt durch “ It’s brrightening upp!“,  den Mutmacherspruch einer Taxifahrerin, die uns im strömenden Regen auf Malta beförderte.

In Hammamet/Tunesien verbrachten wir eine Woche im Februar. Mit Badewetter hatten wir nicht gerechnet, aber auch nicht mit eisiger Kälte und Regen. Auf unserer Bustour nach Karthago schneite es sogar. Gelernt habe ich bei dieser Gelegenheit, dass der stilbewusste Italiener sein edles Schuhwerk nicht durch Besichtigungen auf nassem Untergrund ruiniert. Kein Mitglied der großen italienischen Gruppe aus unserem Bus stieg zum Besuch der weltberühmten Sehenswürdigkeit aus.

Während unseres Aufenthalts im März auf Puerto de la Cruz /Teneriffa war uns nicht ein einziges Mal der Blick auf den Teide vergönnt. Der Berg war durch Wolken verhüllt und, und wie wir auf dem Hinflug gesehen hatten, meterhoch mit Schnee bedeckt. Bei kühlem Wetter mit gelegentlichen Regengüssen gingen wir in der herrlichen Umgebung von Puerto de la Cruz wandern.  Wir wunderten uns aber sehr über die zahlreichen Engländer, die uns dünner Sommerkleidung begegneten, während es uns im T-Shirt zu kalt war.
Vom Besuch des wunderschönen, aber nicht beheizten Meerwasserschwimmbades ließen wir uns aber nicht abhalten. Wir hatten natürlich  freie Auswahl unter den Liegestühlen.  Dann badeten wir sogar. Gemütliches Schwimmen im eisigen Atlantikwasser war nicht möglich, aber sich vom Meerwasser ein Stück weit tragen zu lassen und dabei die schöne Gestaltung des Bades mit Vulkangestein zu bewundern, stellte wirklich ein besonderes Erlebnis dar. Dick eingepackt bewunderten wir hinterher die Gischt, die laut krachend  in den Badebereich hereinbrach.

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Machu Picchu  besuchte ich im Januar und damit in der Regenzeit. Aber dass der Himmel genau in dem Moment seine Schleusen öffnen musste, als wir aus dem Zug stiegen, wäre nicht nötig gewesen. Von geschäftstüchtigen Verkäufern kauften wir Plastikregencapes. Vor dem Eintritt in das riesige Ausgrabungsgelände warnte uns die Reiseleiterin: „Drinnen kann man nichts zu essen oder zu trinken kaufen. Es gibt keine Toiletten! Wollen Sie noch einmal gehen?“  Mein leichtes Grummeln im Bauch ignorierte ich. Wir wollten alle schnell das Highlight der Peru-Reise besuchen und deswegen meldete sich wohl niemand. Als ich dann hinter meinen Reisegenossen in ihren bunten Capes stand und auf die im Nebel verborgenen Ruinen schaute, musste ich plötzlich sehr dringend auf die Toilette. Der Reisevirus hatte mich erwischt. Nur wohin ? Mein Idee, mich hinter einem abgelegenen Mäuerchen zu verstecken, scheiterte daran, dass überall Wächter mit Trillerpfeifen postiert waren und aufpassten, dass man nicht vom Weg abwich. Zum Ausgang würde ich es nicht schaffen. Bereits ziemlich verzweifelt schlug ich mich in ein Feld mit hohen Maispflanzen, das aber direkt an der Besichtigungsroute lag. Von weitem sah ich schon eine Touristengruppe kommen. Wie gut, dass ich das Regencape hatte ! Ich warf es so über die Pflanzen, dass die Sicht versperrt war.

Meine Gruppe fand ich an einem weiteren Aussichtspunkt wieder. Der Nebel war gerade dabei sich zu lichten und die daraus auftauchenden Ruinen wurden in ein zauberhaftes Licht getaucht.
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Fazit:
Schlechtes Wetter kann so manche Reise verderben. Jenseits von Postkartenidyllen kann es aber zu ganz besonderen Eindrücken beitragen, die man nie vergisst.

Wie habt ihr schlechtes Wetter auf Reisen erlebt ? Eure Erfahrungen würden mich interessieren.

Über Eure Kommentare und Likes freue ich mich sehr.

 

 

 

 

 

Jordanien Rundreise im November 2018 (2) Wadi Dana

Kreuzritterburg Karak und Wandern im Dana Nature Reserve

Als ich heute durch den Nebel im spätherbstlichen Wald schlenderte, dachte ich zurück an meine wunderbare, zuweilen abenteuerliche Tour durch das kleine Land Jordanien, das es schafft, umgeben von problematischen und keineswegs friedlichen Nachbarländern, relativen Frieden und Toleranz zu wahren. Außerdem beherbergt Jordanien bei knapp zehn Millionen Einwohnern ca. eine Mio. syrische Flüchtlinge …

Gegenüber Touristen haben die Jordanier eine regelrechte „Willkommenskultur“ entwickelt. Sie sind (außer in Petra)  zurückhaltend, sprechen dich nicht an, aber wenn man auf sie zugeht, eine Auskunft haben möchte, reagieren sie freundlich, mit einem „Where are you from ?“ „Germany“ und dann antworten sie mit Lächeln und begrüßen dich mit „Welcome“. Erst danach kann man sie fragen, wo die nächste Toilette ist o.Ä. Oft ist der englische Wortschatz mit der Begrüßung erschöpft, aber es handelt sich um reine Freundlichkeit, ohne die folgende Aufforderung etwas zu kaufen (nicht so in Petra).

 

02.11.2018 –  Fahrt nach Karak und Dana

Am frühen Morgen ging ich zum Frühstück und da traf ich sie zum ersten und keineswegs zum letzten Mal : die REISEGRUPPE. Wenn ich zum ersten Mal vor dem Frühstücksbuffet in einem Hotel stehe, dann ist es ganz natürlich, dass ich nicht alles auf Anhieb finde, mich zum Beispiel frage, wo die Butter liegt und das Besteck. Auch wünsche ich mir z.B., dass es frisches Obst und Müsli gibt, kann es aber nicht entdecken. Wenn eine Gruppe am Buffet eintrifft, dann werden diese Fragen laut gestellt und im Extremfall werden sie quer durch den Raum geschrien. Auch trägt es nicht gerade zu meiner guten Laune bei, wenn ich vor dem ersten Kaffee am Buffet anstehen muss und es länger dauert, weil manche Touristen die Speisen nicht kennen und dann erst miteinander besprechen müssen, was sie sich auf den Teller laden.

Schon um acht Uhr morgens begab ich mich auf die Weiterreise. Mein erstes Ziel, einen schönen Ausblick auf das Wadi Mujib, ein Naturschutzgebiet, das ich mir nur von oben anschauen wollte, hatte ich bald erreicht. Ein junger Beduine, der mich mit seinem Piratentuch und den mit Kajal geschminkten Augen an Jack Sparrow erinnerte, bot köstlich starken Schwarztee mit frischer Minze an. Bei  diesem Heißgetränk genoss ich den Blick das wunderschöne Wadi Mujib, das wie eine Miniaturausgabe des Grand Canyon wirkte.
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Beim Genießen des Ausblicks hatte ich nicht erwartet, dass ich in das Tal hinunter und auf der anderen Seite den Berg wieder herauf fahren würde, aber genauso kam es. Trotz wunderbarer Ausblicke und der durchweg gut ausgebauten Straße forderten die zahlreichen Serpentinen meine volle Konzentration. Um so erleichterter war ich, als ich kurz vor Mittag in Karak ankam. Die Kreuzritterburg fand ich ohne Probleme und begann mit der Besichtigung der riesigen Festungsruine aus dem  12.Jahrhundert. Gut erhalten waren vor allem ausgedehnte unterirdische Gallerien, darunter eine „Einkaufsstraße“, zwei Gefängnisse, aber auch ein Palast der islamischen Eroberer nebst Moschee aus dem 14. Jahrhundert. Wie im Reiseführer empfohlen hatte ich eine Taschenlampe griffbereit, brauchte sie aber nicht, weil inzwischen Bewegungsmelder eingebaut wurden, die das Licht anschalten, sobald man den Raum betrat.

Nach der Besichtigung fuhr ich relativ bald weiter Richtung Dana, was gut war, weil sich die weitere Fahrt von ca. 90 km noch mehr als zwei Stunden hinziehen sollte. Zahlreiche Ortsdurchfahrten und einige Umleitungen sorgten dafür, dass ich nur langsam vorankam. Zeitweise schien auch Google Maps die Orientierung zu verlieren und schickte mich auf völlig verlassene enge Sträßchen, die aber stets asphaltiert waren. Zwischendurch durchquerte ich auch wieder einige Täler und absolvierte Berg- und Talfahrten. Ziemlich erleichtert war ich, als ich wieder auf dem King’s Highway ankam, einer einigermaßen gut ausgebauten Überlandstraße.

Dann bemerkte ich, dass mein Handy nur noch eine Akkuladung von unter 10 % anzeigte. Würde ich die Abzweigung nach Dana Village ohne Navigation finden? Kurz darauf fuhr mein Smartphone herunter. Ich hatte es mit einem speziellen Kabel zum Aufladen an den Zigarettenanzünder des Mietwagens angeschlossen. Bei früheren Urlauben hatte das funktioniert und ich verstand die Welt nicht mehr. Kurz zeigte ein Schild zur Dana Nature Reserve und ich fuhr ab. Die nicht asphaltierte Straße kam mir seltsam vor. In diesem Moment kam mir ein riesiger  LKW entgegen. Nachdem ich dem Fahrer zugewinkt hatte, hielt er an und ich kurbelte meine Scheibe herunter und schrie meine Frage nach  dem Ort Dana nach oben. Mit Handzeichen machte mir der Fahrer klar, dass die Abfahrt noch kommen würde. Fast wäre ich zum Rummana Campground im Naturschutzgebiet heruntergefahren.

Inzwischen musste ich sehr dringend auf die Toilette. Am nächsten Parkplatz mit Aussichtspunkt hielt ich daher an. Hier standen mehrere Busse und am Rand des Parkplatzes gab es eifrig fotografierende Touristen. Für den spektakulären Blick ins Wadi Dana interessierte ich mich gerade nicht, sondern verkrümelte mich in ein Gebüsch am anderen Ende des Parkplatzes, nachdem ich kein WC entdeckt hatte.

Als ich zurück kam, entdeckte ich eine deutsche Reisegruppe und fragte ihren Reiseleiter nach der Abzweigung nach Dana. Der nette Mann erklärte mir, dass es nach einigen Kilometern rechts ab gehe, konnte aber nicht versehen, wieso mein Handy nicht aufgeladen wurde und ging mit mir zum Auto. Hier entdeckten wir, dass in dem Neuwagen einen speziellen USB-Anschluss unter dem Handschuhfach gab, an den ich das Smartphone hätte anschließen sollen. Ich bedankte mich herzlich und hoffte im Stillen, dass dies mein letztes Technikdisaster gewesen war.

In Dana Village angekommen bezog ich mein einfaches Kämmerchen im Dana Tower Hotel und ging anschließend im Abendlicht durch das Dorf spazieren. Dana Village war vor einiger Zeit schon fast verlassen. Etliche Ruinen sind immer noch zu sehen, aber an vielen Stellen werden die Gebäude für Touristen, die im Nature Reserve wandern wollen, instand gesetzt.
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Ich spazierte danach zum Rand des Canyons, in den ich am folgenden Tag hinabsteigen wollte. Es ging ziemlich steil und rutschig hinunter, was nicht so sehr mein Fall ist. Beim Betrachten des Sonnenuntergangs über dem überlegte ich, ob ich statt die volle Tour zur Feynan Ecolodge von 16 km zu unternehmen, nur ein Stück ins Wadi hinab gehen und dann wieder zurück wandern sollte. So würde ich mir auch die teure und lange Taxifahrt zurück nach Dana sparen.
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03.11.2018 –  Wanderung im Dana Nature Reserve

Schon um acht Uhr morgens stand ich gut eingepackt, mit Knieschützern und Wanderstöcken ausgerüstet, am Rand des Canyons. Am Vorabend hatte es angefangen zu stürmen, und immer noch fegten heftige Böen über Dana hinweg. Ab und zu bekam ich auch eine Ladung Sand ab. Ich hatte gezögert, ob ich überhaupt wandern gehen sollte, aber -zutreffend- damit gerechnet, dass der Wind beim Hinuntersteigen nachlassen würde. Noch einmal schaute ich in das wunderschöne aber menschenleere Tal hinab, bevor ich sehr langsam und vorsichtig mit dem Abstieg begann. In steilen Serpentinen führte der Weg nach unten. Es gab fast nur lose Steine, so dass ich sehr aufpassen musste, um nicht weg zu rutschen. Bei meinen Wanderungen habe ich mich in den letzten Jahren manchmal verletzt, bis hin zu einem Wadenbeinbruch in Patagonien, daher bin ich sehr vorsichtig geworden.

Nach einer Viertelstunde überholte mich ein Guide, der zwei Französinnen durch das Wadi führte. Wir kamen ins Gespräch und er riet mir, auf keinen Fall nach der Hälfte wieder zurückzulaufen. Zum einen sei der Weg bis zum Ende sehr schön abwechslungsreich, durchlaufe unterschiedliche Landschaften und zum anderen sei der Aufstieg sehr steil und anstrengend. Ich erklärte ihm, dass ich keinen Rücktransport organisiert hatte. Er versprach mir, mir an der Feynan Eco Lodge einen der dort angestellten Taxifahrer zu vermitteln.

Ich bedankte mich und die drei zogen mit flottem Tempo vorbei. Ich hatte damit gerechnet, dass mich noch weitere Wanderer überholen würden, was aber während der gesamten Wanderung nicht der Fall war. Lediglich kurz vor Feynan traf ich einige Menschen, die in der Gegenrichtung unterwegs waren.

Während meiner vierstündigen Landschaft bemühte ich mich, den Anschluss an die dreiköpfige Wandergruppe nicht zu verlieren. Ich war immer erleichtert, wenn ich sie in der Ferne wieder entdeckte. Verlaufen konnte man sich nicht, solange man in der Nähe des ausgetrockneten Bachbetts bewegte, aber manchmal verlief der Trail auch am Hang darüber  und wenn ich die Gruppe sah, half mir das auch bei der Orientierung. Steinhäufchen gab es ab und zu, aber nie einen Wegweiser. Einmal sah ich, als ich am Hang auf der Suche nach dem Trail hinaufschaute, einen Beduinen, der hoch über mir auf einen Esel ritt. Er hielt etwas in der Hand. Ich befand mich gerade im Bachbett, war allein an dieser nicht von weitem nicht einsehbaren Stelle unterwegs und schaute vorsichtshalber genauer hin, ob der Mann eine Waffe trug. Erleichtert stellte ich fest, dass der Beduine sein Handy anguckte!

Sobald man den Talboden erreicht hatte, verlief der Weg recht angenehm, aber wegen des steinigen und gerölligen Untergrundes musste ich mich doch sehr konzentrieren. Inzwischen war es recht warm geworden und ich trank wegen der sehr geringen Luftfeuchtigkeit oft aus meiner Wasser- und der Colaflasche.  Eine Wanderung bei Sommerhitze konnte ich mir in diesem Tal nicht vorstellen. Aber bei alledem: die wunderschöne und abwechslungsreiche Felsenlandschaft begeisterte mich zusammen mit der überraschend reichen Vegetation immer wieder. Welch magischer Ort ! Ich wäre gerne länger geblieben, um Vögel zu beobachten oder um das Licht zu bestaunen, das die Wolken auf die Felsen warfen. Kurz vor der Lodge durchquerte ich einige Beduinenzeltlager. Die Angebote, einen Tee zu trinken, schlug ich aus, weil ich den Guide mit den Französinnen nicht verlieren wollte. Außerdem wollte ich mich in der Lodge frisch machen und dann einen guten Kaffee genießen.
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Nach vier Stunden und quasi ohne Pause kam ich Feynan an, wo ich es schaffte, dass man mir, obwohl ich nicht in der Lodge gebucht hatte, den dringend notwendigen Kaffee servierte. Dann bekam ich Dank der Hilfe des Guides, der sich mir als Mohammed vorgestellt hatte, auch noch ein Jeeptaxi für die Rückfahrt.

Ein sehr netter junger Beduine namens Jassir fuhr mich zurück nach Dana. Zwischendurch lieferte er noch ein paar Sachen im Haus seiner Familie ab. Nachdem ich seine Frage, ob ich es eilig hätte, verneint hatte, durfte ich dann auch noch mit seiner Frau und den beiden Kleinkindern auf der Terrasse Tee trinken. Die Strecke war auf der Straße sehr lang, fast 120 km. Wieder ging es durch wunderschöne Landschaften, zuerst durch das Wadi Araba, eine Wüste, die zum Teil für den Gemüseanbau bewässert wird und dann wieder durch eine wilde Berglandschaft. Obwohl Jassir einen sehr flotten Reifen fuhr, brauchten wir über zwei Stunden nach Dana. Allerdings wurde mir die Zeit wegen der tollen Ausblicke und des netten Gesprächs mit dem Fahrer überhaupt nicht lang.

Etwas erschöpft aber glücklich traf ich am späten Nachmittag wieder in Dana ein. Weiterlesen „Jordanien Rundreise im November 2018 (2) Wadi Dana“