Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #12

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Von Merligen nach Thun/Dürrenast

Am nächsten Tag hatte ich eine kürzere Etappe geplant, die mich nur bis kurz hinter Thun führen sollte. Am Vortag hatte ich mich nicht sehr fit gefühlt (siehe hier) und außerdem wollte ich mir am Nachmittag noch die Stadt Thun anschauen.

Morgens ging es zunächst einen knappen Kilometer zurück zum Frühstücken in ein Café, weil dieses in meiner Unterkunft nicht angeboten wurde. Bei der Gelegenheit schaute ich mir auch die örtliche Kirche an und stempelte meinen Pilgerpass.

Das Wetter hatte sich leider wie angekündigt verschlechtert. Dicke Wolken hingen fest über den Bergen und feiner Nieselregen sollte mich während der Wanderung häufiger begleiten.

Beim Start musste ich mich entscheiden, ob ich bis zum nächsten Ort Gunten dem Jakobsweg folgen und einen steilen bergauf- und bergabführenden Waldweg nehmen wollte oder auf dem Gehweg an der Seestraße bleiben wollte. Ich wollte mich schonen und blieb daher am Seeufer, was ich nicht bereute. Es herrschte zwar schon Verkehr auf der Uferstraße, dieser hielt sich allerdings am späteren Montagmorgen in Grenzen. Obwohl es ziemlich neblig war, konnte ich laufend über den Thuner See blicken und genoss die gedämpfte und mit einem Mal herbstliche Stimmung. Den pyramidenförmigen Berg Niesen konnte ich alllerdings nur erahnen und die Bergwelt des Berner Oberlands versteckte sich in den Wolken. Viele grandiose Bergblicke hatte ich in den letzten Tagen auf dem Schweizer Jakobsweg aber schon genießen dürfen. Außerdem regnete es zwar ein bisschen, war aber nicht kalt. Daher war ich nicht unzufrieden. Zum Fotografieren eignete sich das Wetter aber nur bedingt!

Dann traf ich wieder auf den Camino und es folgten mehrere kleine Auf- und Abstiege teils auf schmalen Pfaden durch den Wald aber auch über kleine Straßen durch Wohngebiete. Schön war es, dem Blätterrauschen im Wald bei Regen und Wind zu lauschen.

Gegen Mittag kehrte ich in Oberhofen in einer gemütlichen holzvertäfelten Wirtshausstube ein. Nach dem Verspeisen eines riesigen frischgebackenen Stücks Schoko-Nuss-Kuchen zum Cappuccino fühlte ich mich gut gerüstet zur Fortsetzung der Wanderung.

Weiter ging es ein Stück zur Kirche in Hilterfingen, die etwas oberhalb des Thuner Sees liegt. Danach führte der Camino zum Schloss Hünegg, einer von einem Berliner Architekten um 1860 erbauten Villa, und durch den ruhigen Hüneggpark mit wunderschönen alten Bäumen.

Bald war ich hinunter zur Seepromenade gegangen, der ich bis nach Thun folgte. Schon von weitem sah ich die Kirche Scherzlingen am anderen Seeufer.

Diese Kirche ist die älteste Gotteshaus in der Thunerseeregion. Der karolingische Turm stammt aus dem 9. , das romanische Schiff aus dem 10. Jahrhundert. Die Malereien wurden zwischen 1200 und 1600 gefertigt.
Quelle: Rother Pilgerführer, Schweizer Jakobswege

Allerdings war die Fähre, die mich direkt dorthin gebracht hätte, nicht in Betrieb, so dass ich dem Ufer bis zum Seeende folgen musste. Über eine alte Holzbrücke ging es dann zum Bahnhof und stadtauswärts am anderen Ufer entlang zur Kirche Scherzlingen.

Nach dem Kirchenbesuch hatte ich es nicht mehr weit zum Hotel, wo ich zunächst eine ausgedehnte Ruhepause einlegte.

Fazit:
15 km, 270 m Auf- und 200 m Abstieg, 4,5 Stunden reine Gehzeit.
Leichte Halbtagesetappe, sehr abwechselungsreich, bietet bei klarem Wetter sicher schöne Ausblicke über den See mit Bergpanoramen, sehr interessante Kirche Scherzlingen.

Am Nachmittag stieg ich direkt vor dem Hotel in den Bus und fuhr in die Stadt, wo ich durch die Altstadtgassen bummelte, etwas Proviant einkaufte und schließlich zum Abendessen beim Italiener ging.

Die Surfer an der Holzbrücke hatten sich offensichtlich nicht vom schlechten Wetter abhalten lassen. So wollte ich es auch halten, wenn ich den Jakobsweg am nächsten Tag fortsetzte. Nach einer Wetterbesserung sah es nämlich nicht aus.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #11

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Von Oberried (Ringgenberg) nach Merligen

In Oberried am Brienzer See verbrachte ich zwei Nächte. Bevor es auf dem Jakobsweg weiterging, legte ich einen wohlverdienten Ruhetag ein. Am späten Vormittag spazierte ich zum Bahnhof in Oberried und nahm den Zug, der mich in acht Minuten nach Interlaken-Ost brachte. Schon wieder herrschte schönes Sonnenwetter bei angenehmen Temperaturen!

In Interlaken erledigte ich einige Besorgungen. Die Stadt gefiel mir nicht so gut wie andere Schweizer Orte, die ich besucht hatte. Es gab viele Luxusläden mit Designermode, Schweizer Uhren etc., protzige Hotelpaläste und nur eine kleine Altstadt. Aber die Lage ist einfach traumhaft. Durch den Ort fließt die türkisfarbene Aare und mitten in der Stadt eröffnet sich ein wunderbarer Ausblick auf die schneebedeckten Viertausender Eiger, Mönch und Jungfrau.

Nach dem Mittagessen fuhr ich mit der Zahnradbahn auf den Hader Kulm, den Hausberg von Interlaken. Dort oben war es sehr voll, was verständlich war, weil das Landschaftspanorama, das vor allem die schon erwähnten Berge zeigt aber auch den Brienzer und den Thuner See, fantastisch aussieht. Nicht ganz wohl war mir in der vollgestopften Zahnradbahn, allerdings betrug die Fahrtzeit nur acht Minuten.

In Oberried ließ ich den Tag entspannt ausklingen. Beim Vespern in einer einfachen Wirtschaft mit Wurstsalat und Bier unterhielt ich mich mit meinem Zimmernachbarn aus dem B&B.

Panoramafoto bitte anklicken.

Am nächsten Morgen begab ich mich wieder auf den Camino. Mein gesundheitliches Problem hatte sich in den letzten Tagen zunnehmend bemerkbar gemacht. Nach einer durchwachten Nacht nahm ich am Morgen die erste Tablette der vorsorglich mitgenommenen Antibiotika.

Als ich losging, sah ich dass der angekündigte Wetterumschwung eingetreten war. Es war stark bewölkt, aber immerhin regnete es nicht.

Im Pilgerführer hatte ich gelesen, dass zwischen Oberried und Niederried ein langer Auf- und Abstieg anstand. Es handelte sich wohl wieder um einen Panoramaweg wie auf der Strecke von Brienz nach Oberried. Ausblicke auf den Brienzer See hatte ich schon reichlich genossen, also entschied ich mich spontan, mit dem Zug nach Ringgenberg zu fahren. Das verkürzte die mit 23 km angegebene Strecke nach Merligen um gut 5 km und die Wanderung um fast zwei Stunden.

In Ringgenberg besuchte die Kirche neben der Burgruine, wo ich mir wieder einmal einen Pilgerstempel holte und einen der letzten Blicke auf den Brienzer See warf.

Bald hatte ich Interlaken erreicht. Der Jakobsweg führte mich noch einmal an der Aare entlang. Dort brachen ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Eine zauberhafte Lichtstimmung!

Ich durchquerte die Stadt und ging in Richtung Thuner See. Die Berge Eiger, Jungfrau und Mönch waren nun fast von den Wolken verhüllt. Bei meinem Ausflug nach Interlaken am Vortag hatte ich unglaubliches Glück mit dem Wetter gehabt !

Weiter ging es am Aare entlang. Dann ging ich durch ein Naturschutzgebiet und erreichte bald den Thuner See. In Neuhaus legte ich eine Pause in einem Biergarten ein, es wurde mir aber bald zu kalt. Der Weg führte weiter am Seeufer bis zur Schiffsanlegestelle nach Sundlauenen, wo der Aufstieg zu den St. Beatus Höhlen begann. Über einen langen „imposanten Stufenweg musste ich nun kräftig an Höhe gewinnen“ (Beschreibung aus dem Pilgerführer).

Während der letzten Stunden war ich auf einer fast ebenen Strecke gelaufen, aber nun merkte ich, dass ich mich überhaupt nicht fit fühlte. Immer wieder blieb ich stehen, ließ mich auf fast jede Bank fallen und konnte den trotz des trüben Wetters noch schönen Ausblick nicht genießen .

An den Beatus-Höhlen herrschte am Sonntag ziemlich viel Betrieb. Die Höhlen, in denen der Heilige Beatus lebte, sind seit dem 13. Jahrhundert Wallfahrtsort und können besichtigt werden. Ich ging bis zum Eingang, verzichtete dann aber doch auf einen Besuch.

Hinter den Beatus Höhlen hatte ich einen angenehmen Weg hinunter nach Merligen erwartet. Allerdings galt es zunächst, einen riesigen Steinbruch durch einen weit aufwärts führenden Aufstieg zu umgehen. Danach folgte ein längerer aber leichter Abstieg durch einen dichten Laubwald nach Merligen. Ziemlich erledigt erreichte ich den Ort und bezog mein Quartier. Zu meiner großen Freude war ich in einem Gästehaus über dem Hotel untergebracht, das über eine steile Treppe zu erreichen war !

Fazit:
18 Km, 400 m Auf- und Abstieg, 6 Stunden (ab Oberried 23 Km, 520 m Auf- und Abstieg, 7-8 Stunden)

Lange, aber abwechselungsreiche Strecke, schöner Übergang vom Brienzer zum Thuner See. Anstrengender Aufstieg zu den Beatus-Höhlen, danach noch ca. 1,5 – 2 Stunden nach Merligen,

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #10

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Von Lungern nach Oberried

Früh morgens, als ich die Kirche von Lungern besuche, war es kalt und schattig. Die imposante neugotische Herz-Jesu Kirche soll der Basilika in Lourdes ähneln. Erstere wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf einem Hügel erbaut, nachdem der Vorgängerbau durch ein starkes Gewitter mit Felssturz zerstört wurde. In der Kirche war es so düster, dass ich den Pilgerstempel regelrecht ertasten musste. Aber der Ausblick vom Kirchenvorplatz war wunderschön. Während der See noch im tiefen Schatten lag, leuchteten die Bergspitzen schon in der Morgensonne. Das wurde schon wieder ein schöner Tag. Ich konnte mein Wetterglück kaum fassen!

Aber nun wurde es Zeit aufzubrechen. Schnell ging ich zurück zum Gästehaus, packte meinen Rucksack und begann mit der Wanderung. Die bevorstehende Etappe sollte über den Brünigpass (1008 m) an den Brienzer See zu meinem Tagesziel Oberried führen, wo ich einen Ruhetag einlegen wollte.

Vor dem Aufstieg auf den Pass fürchtete ich mich nicht. Meine Pilgerwanderungen auf das Hörnli und das Haggenegg hatten mir gezeigt, dass ich selbst längere Anstiege schaffen konnte, wenn ich langsam ging. Und von Lungern auf den Brünigpass musste ich nur noch ca. 300 Höhenmeter zurücklegen. Sorge bereitete mir aber die Strecke vom Pass mit einem Abstieg von ebenfalls 300 Hm nach Brienzwiler, die der Pilgerführer als teilweise steil beschrieb. Mein Orthopäde hatte mir geraten, längeres Bergabgehen zu vermeiden und daran wollte ich mich halten. Auf starke Knieschmerzen wie nach dem Camino im August konnte ich verzichten.

Natürlich hatte ich schon nach Möglickeiten gesucht, die Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Es gab sogar eine Bahnstation in der Nähe der Passhöhe (einfach toll diese Schweiz!). Allerdings bog der Zug nach Meiringen ab, das nicht in meiner Richtung lag. Konnte ich dort umsteigen oder musste ich zehn zusätzliche Kilometer laufen, um zurück zum Jakobsweg zu gelangen ? Ich beschloss, die Entscheidung zu vertagen, bis ich auf dem Brünigpass angekommen war.

Hinter einer Fabrik ging es hinauf in den Wald. Auf dem steinigen Pfad war ich alleine unterwegs. Der alte Brünig-Saumweg weist eine Steintreppe und eine teilweise erhaltene Hohlwegstruktur mit alten Pflastersteine auf. Angeblich sollen dort schon die alten Römer unterwegs gewesen sein, auf jeden Fall diente der Weg, nicht nur den Jakobspilgern, seit Jahrhunderten als Übergang zwischen dem Kanton Obwalden und dem Berner Oberland.

Im Schatten lief es sich recht angenehm. Allerdings musste man gut aufpassen, dass man auf den vom Morgentau feuchten Steinen nicht ausrutschte. Neben der Strecke befand sich auch ein Kreuzweg. Einmal als ich zu schnell gegangen war, blieb ich schwer atmend stehen. Fühlte mich dem Hergott (allerdings nur in körperlicher Hinsicht) nahe, konnte aber nach einer kurzen Trinkpause weitergehen.

Schließlich kam ich in ein schönes Hochtal. Endlich Sonne ! Dem Pilgerführer habe ich es zu verdanken, dass ich dort die Abzweigung nach rechts über die Wiesen nicht verpasste. Das Schild war ziemlich zugewachsen und leicht geblendet vom Gegenlicht hätte ich es fast übersehen.

Am Ende der Wiese, bevor es wieder in den schattigen Wald ging, legte ich eine Erholungs- und Snackpause ein.

Nach der kurzen Passage durch den Wald mündete der Camino direkt auf die Brünigpassstraße. Ein deutlich markierter breiter Fußgängerweg verlief neben dem stetig fließenden Verkehr. Normalerweise hätte ich diese kurze Strecke so schnell wie möglich zurückgelegt, aber ausgerechnet an dieser Stelle überholte mich ein Mann, der mich fragte, ob ich auf dem Jakobsweg pilgerte.

Wir rückten soweit wie möglich an den Straßenrand, während er mir von seiner Pilgerwanderung von seinem Heimatort Giswil nach Santiago erzählte, die er mit Mitte 40 zurückgelegt hatte. Er wollte sich das Rauchen abgewöhnen und war einfach losgelaufen. Dem Camino war er erst ab Genf gefolgt. Am Anfang hatte er alles falsch gemacht, war z.B. mit einem viel zu schweren Rucksack gewandert (an dieser Stelle warf er einen kritischen Blick auf mein Gepäck), aber im Laufe der Zeit brauchte er immer weniger. Er wurde fitter und konnte längere Strecken laufen. Zum Schluss in Spanien sei er „geflogen“, bis zu 80 km pro Tag (??). Sein Gottvertrauen habe stetig zugenommen. Für alle Probleme fand sich eine Lösung, z.B. immer eine Übernachtungsmöglichkeit, obwohl er nie etwas vorgebucht hatte.

Der Expilger trank noch einen Kaffee mit mir, als ich zum Suppenessen im Gasthaus hinter der Passhöhe einkehrte. Ich erzählte ihm, dass ich den Abstieg nach Brienzwiler meiden wollte. Er hielt die Bahnfahrt nach Meiringen auch nicht für sinnvoll, beratschlagte sich mit der Kellnerin und riet mir dann, den Bus nach Brienzwiler zu nehmen, der am Bahnhof Brünig abfuhr. Ich bedankte mich herzlich für den guten Tipp, als wir uns verabschiedeten.

Nach dem Essen mit Blick auf das schöne Bergpanorama, das ich mir allerdings großartiger vorgestellt hatte, ging ich zum nahegelegenen Bahnhof zurück und fuhr nach wenigen Minuten mit dem Bus nach Brienzwiler. Wunderbar, ich hatte mir einen anstrengenden Abstieg und eine Wanderung von 1,5 Stunden gespart. Da hatte ich mir eine Menge Caminotalk angehört, der auf mich nicht zutraf, weil ich viel älter als Vierzig war. Aber das mit dem Gottvertrauen, oder in meinem Fall eher Urvertrauen, würde ich mir merken. Den Jakobsweg zu planen ist wichtig, aber Probleme lösen sich oft vor Ort. „Camino provides!“

Vorbei an schönen Holzhäusern setzte ich den Weg nach Brienz fort. Die Strecke verlief eben oder angenehm bergab und immer wieder zeigten sich herrliche Landschaftseindrücke. Schon von weitem konnte ich die grün-blaue Wasserfläche des Brienzer Sees sehen.

Panoramafoto bitte anklicken !

In Brienz ging es an der herrlichen Seepromenade mit wunderschönen Ausblicken entlang. Schöne alte Holzhäuser gab es und viele Cafes, von denen ich natürlich eines aufsuchte.

Wenn ich den Pilgerführer richtig studiert hätte, wäre mir aufgegangen, dass mir noch eine mehrstündige Wanderung mit Höhenunterschieden von mehr als 250 Metern bevorstand. Der Weg nach Oberried verlief nämlich nicht am Ufer, sondern eigentlich schöner und ruhiger auf dem Panoramaweg in der Höhe. Prächtige Panoramen gab es in der Tat einige zu sehen, auch wenn im dichten Wald mancher Ausblick zugewachsen war, aber es ging stetig bergauf. Auch wenn die Steigung nicht dramatisch war, zog sie sich endlos lange. Nach einer Hängebrücke, die den Unterweidligraben quert und die bei jedem Schritt laut quieschte, sollte der Camino sanft bergab nach Oberried führen. Möglicherweise hatte ich die falsche Abzweigung genommen. Auf einem sehr steilen und schotterigen Stück, das glücklicherweise nicht lang war, musste ich zu guter Letzt noch meine Wanderstöcke auspacken.

Schließlich kam ich, wie immer ziemlich geschafft, aber voller wunderschöner Landschaftseindrücke in Oberried an, wo ich zwei Nächte bleiben würde. Über den Ausflug nach Interlaken an meinem Ruhetag werde ich im nächsten Beitrag über die folgende Etappe nach Merligen berichten.

Fazit:
18 km, 660 m Aufstieg, 550 m Abstieg, 5,45 Stunden reine Wanderzeit.

Sehr schöne, mittelschwere Etappe. Zunächst auf dem stimmungsvollen Brünig Saumpfad, langer aber gut machbarer Aufstieg durch den Wald, ab Brienzwiler traumhaft schöne Landschaftspanoramen, besonders am Brienzer See. Die letzte Strecke über den Panoramaweg nach Oberried ist nicht schwierig aber länger als gedacht. Zur Belohnung gibt es mehrere sehr schöne Ausblicke über den türkisfarbenen See und in die Berge.
Wenn man die gesamte Strecke geht, ist die mit 7 Stunden angesetzte Wanderung als schwer einzustufen. Am von mir ausgelassenen Aussichtspunkt Tschuggen (auf 1043 Meter) dürfte es einen fantastistischen Ausblick in die Bergwelt geben.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr!

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #9

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Von Flüeli Ranft nach Lungern

Am Vortag hatte ich den Abstieg in die Ranftschlucht, in welcher der Heilige Bruder Klaus im 15. Jahrhundert als Eremit 20 Jahre lang gelebt und gefastet hatte, nicht geschafft (s. hier). Das holte ich nach, bevor ich den Innerschweizer Jakobsweg am nächsten Morgen fortsetzte.

Nach dem Ausschecken in Flüeli-Ranft begab ich mich zunächst ohne meinen schweren Rucksack in die Schlucht. Am frühen Morgen war ich fast alleine auf dem Weg. Der Hotelier hatte mir verraten, dass in Vor-Corona-Zeiten reger Pilgerbetrieb in dem bekannten Wallfahrtsort herrschte. Sogar chinesische Reisegruppen hätten bei ihm übernachtet. Deswegen hingen im Hotel an mehreren Stellen Schilder mit chinesischen Schriftzeichen.

Der Abstieg auf dem gut ausgebauten Weg dauerte nur zehn Minuten. Für den Aufstieg brauchte ich etwas länger. Trotzdem war ich froh, dass ich den Besuch der Schlucht verschoben hatte. Am Ende der langen Wanderung am vorhergehenden Tag hätte ich dieses letzte Stück sehr anstrengend gefunden und nun konnte ich mich ganz auf die beiden Ranft Kapellen, die einfache Klause in der der Heilige gelebt hatte und die friedliche und andächtige Atmosphäre im Ranft konzentrieren.

Im Ort besichtigte ich noch das Wohnhaus von Bruder Klaus und hörte mir einen kurzen Vortrag über sein Leben als Ehemann und Vater sowie als Eremit an (nähere Information siehe hier ). Noch einmal erfuhr ich, dass der Eremit 20 Jahre lang nichts zu sich genommen habe, nicht einmal die Hostie im Gottesdienst in der Kapelle, den er von seiner Klause verfolgen konnte. Dies sei von einem Bischof, der ihn besucht habe, überprüft und bestätigt worden. Ich weiß nicht so recht. Eine inspirierende und einflussreiche Persönlichkeit war und ist der Heilige aber auf jeden Fall.

Gegen 10 Uhr brach ich zu meiner nächsten Etappe nach Lungern auf. Der Jakobsweg führte nun mit dem Visionenweg hinunter nach Sachseln am Sarner See. Die Visionen von Bruder Klaus und seiner Ehefrau Dorothee werden dort durch Metallplastiken des Obwaldner Künstlers André Bucher dargestellt (Näheres siehe hier). Es ging nun steil bergab, zum Teil über feuchte Wiesen. Man musste schon aufpassen, aber der Pfad war gut beschildert und verlief an den steilsten Stellen über Stufen. Wieder und wieder boten sich schöne Aussichten auf Sachseln und den Sarner See. Die Wolken waren gerade dabei aufzusteigen. Immer mehr Hügel und Bergspitzen tauchten aus dem Nebel auf. Das Wetter wurde immer schöner.

In Sachseln brauchte ich erst einmal eine kleine Stärkung mit Cappuccino und Nußhörnli auf einer sonnigen Caféterrasse. Dann besuchte ich die Wallfahrtskirche, in der Bruder Klaus 1487 begraben wurde. Es handelt sich um einen Neubau aus dem 17. Jahrhundert, da die Vorgängerkirche wegen des gewachsenen Zustroms von Pilgern und Wallfahrern zu klein geworden war.

In der Folge führte der Camino in Richtung Giswil direkt am Ostufer des Sarner Sees entlang. Immer wieder gab es schöne Picknickplätze und Bänke direkt am See. So angenehm, wie ich mir das Gehen auf der weitgehend ebenen Strecke vorgestellt hatte, war es dann doch nicht. Ich lief unmittelbar an den Bahngleisen, auf denen häufig Züge verkehrten. Gleich daneben lag eine Zufahrts- und darüber eine Schnellstraße, die aber glücklicherweise vor Giswil in einem Tunnel verschwand. Wegen der zunehmenden Hitze legte ich immer wieder kleine Trinkpausen ein.

Panoramafoto bitten anklicken !

Hinter Giswil setzte ich mich neben einer Weide mit reizenden Kälbchen auf eine schattige Bank und verzehrte meine mitgebrachte Brotzeit, um mich für den bevorstehenden kräftigen Anstieg nach Kaiserstuhl zu stärken.

Es begann gleich richtig steil und ich merkte, dass mir die lange Pilgerwanderung vom Tag zuvor noch in den Knochen steckte. Das Gehen auf dem steinigen und oft in der prallen Sonne liegenden Pfad fiel mir sehr schwer. Einmal setzte ich mich japsend auf den Weg. Eine Bank fand sich auf dieser Strecke natürlich nicht.

Kurz danach kam ein junger Mann flotten Schrittes von unten. Der erste Jakobspilger, den ich seit Brunnen traf! Er erzählte, dass er in seiner Heimat in Tschechien gestartet und über Regensburg, Augsburg und Lindau schon mehr als 900 km gelaufen war. Abends fragte er Hauseigentümer, ob er sein Zelt auf einer Wiese aufschlagen durfte. In der Schweiz seien die Leute in der Regel einverstanden, in Deutschland zum Teil nicht (!). Mir war auch schon aufgefallen, dass die Schweizer, die ich getroffen hatte, gegenüber Jakobspilgern sehr freundlich gestimmt waren. Viele waren schon gepilgert auf dem Weg, oft bis Santiago, oder hatten es sich vorgenommen.

Wir Pilger liefen eine Weile nebeneinander. Es war schön, sich mit jemanden über den Camino zu unterhalten. Fast mühelos schaffte ich den restlichen, leichteren Anstieg. Am Bahnhof in Kaiserstuhl trennten wir uns. Der Tscheche wollte noch seine tägliche Strecke von 40 km absolvieren und ich ging zum Bahnhof um nachzuschauen, wann der nächste Zug nach Lungern fuhr. Die nächste Verbindung bestand aber erst in 45 Minuten.

Kurz hinter dem Bahnhof sah ich zum ersten Mal das intensiv türkisblaue Wasser des Lungerner See und gleich darauf eine Caféterrasse direkt am See, wo ich mir einen Cappuccino und eine Zwetschgenwähe bestellte. Das riesengroße, saftig süße Tortenstück verspeiste ich ohne Probleme.

Der Weg am Westufer des Lungener Sees stellte sich paradiesch schön und ruhig heraus. Keine Straße oder Bahnstrecke störte die Wanderung am idyllischen Seeufer und immer wieder bot sich ein wunderbares Bergpanorama. Der Pfad war weitgehend eben, nur manchmal kamen kleinere Auf- und Abstiege. Auch verlief der Weg nun im Schatten, so dass das Wandern sich recht angenehm gestaltete. Obwohl ich schon müde war, vergingen die letzten eineinhalb Stunden wie im Flug.

In meiner Unterkunft in Lungern traf ich am frühen Abend matt aber ziemlich glücklich ein.

Fazit:
20 Km, 6 Stunden ohne Pausen, je 300 m Auf- und Abstieg
Landschaftlich sehr schöne Strecke am Sarner und Lungener See, mittelschwere Etappe, gut mit einem Besuch der Ranftschlucht und der Bruder-Klaus-Stätten in Flüeli kombinierbar. Nicht überzeugt hat mich die Streckenführung am Sarner See, viel zu viel Verkehr und nicht zwingend, da keine Pilgerkirchen am Weg liegen. Es gibt ein ruhigeres Westufer (evtl. keine geeigneten Wege für den Jakobsweg ?). Unbedingt laufen sollte man auf dem Weg am Westufer des Lungener Sees. Einmalig schön!

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Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #8

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Von Buochs nach Flüeli-Ranft

Als ich morgens aus dem Fenster sah, regnete es. Na super ! Bis zu meinem Aufbruch um 9 Uhr hatte es zwar aufgehört, es war aber noch stark bewölkt. Eigentlich das gleiche Wetter wie am Vortag auf meiner Etappe nach Buochs, trüb aber trocken.

Mir stand eine längere Strecke bevor, aber ich dachte, dass ich alle Zeit der Welt hätte. Kurz nach meinem Aufbruch stand ich vor der Sebastianskapelle, dann ein kleines Stück weiter gelangte ich zur Kirche St. Martin, nur einige Hundert Meter weiter folgte schon die Obgasskapelle. Alle Kirchen suchte ich auf, fotografierte und schaute nach dem Pilgerstempel. Im Nu war eine Stunde vergangen und ich befand mich noch am Ortsrand von Buochs.

Es klarte nun zunehmend auf, und erste Bergspitzen waren zu sehen. Nach einem kurzen Aufstieg schaute ich noch einmal zurück auf den Ort und den Vierwaldstätter See. Unter der Autobahn führte der Weg hindurch, dann entfernte ich mich immer weiter von der Hauptverkehrstraße.

Es ging nun recht steil bergan auf einem kleinen Sträßchen. Bald gelangte ich zur Loretto Kapelle in Ennerberg, die mir sehr gut gefiel. Nach einer kurzen Besichtigung setzte ich mich auf die Bank unter dem mächtigen Kastanienbaum, trank etwas Wasser und schaute mir die Gegend an.

Die nächste Kapelle am Wegesrand ließ ich aus. Gleich danach führte der Jakobsweg über eine kurze Strecke steil abwärts ins Tal. Sehr dankbar war ich, dass eine überwiegend asphaltierte Spur gab. Ansonsten wäre der Weg über die feuchte Wiese recht rutschig gewesen. Auf der Brücke über einen Bach trug ich Sonnenschutz auf und sprühte mich mit Insektenspray ein. Beides hatte ich morgens nicht für nötig gehalten, aber nun lief ich bei sonnigem Wetter und es wurde bald ziemlich warm.

Weiter ging es auf kleinen, kaum befahrenen Straßen in Richtung Stans. Wenig später lag die St.-Heinrichs-Kapelle am Weg.

Inzwischen sehnte ich mich nach Wald- und Wiesenpfaden. Auf den langen Asphaltstrecken begannen meine Fusssohlen zu brennen. Ich versuchte, am Rand durch die Wiesen zu gehen.

In Stans angekommen, stellte ich erstaunt fest, dass es schon fast Mittags war. Dabei hatte ich noch nicht einmal Drittel der Etappe geschafft. Eigentlich wollte ich in diesem Ort noch nicht Pause machen, aber als ich durch die malerische historische Ortsmitte schlenderte, überlegte ich es mir anders. Und dann kam Eines zum Andern. Ich fotografierte, besuchte die Stadtkirche, legte eine Suppenpause mit alkoholfreiem Weizenbier ein und weil ich so schön auf einer windgeschützten Caféterrasse in der Sonne saß, bestellte ich mir noch einen Kaffee. Dann kam ich ins Gespräch mit einer portugiesisch stämmigen Schweizerin am Nebentisch. Sie interessierte sich sehr für den Jakobsweg und stellte eine Menge Fragen. Als ich ihr erzählte, dass ich bis Fribourg laufen wollte, begann sie von der Stadt zu schwärmen und gab mir allerleiTipps. Ich wollte nicht unhöflich sein, daher blieb ich noch eine Weile sitzen, obwohl ich schon längst bezahlt hatte. Als ich schließlich aufbrach, hatte ich eine fast eineinhalb Stunden lange Pause eingelegt .

Gleich hinter der Kirche führte der Jakobsweg, wieder auf einer kleinen Straße, steil bergauf. Bald kam ich an der Kapelle Maria im Schnee vorbei. Ich nahm ein Foto auf und warf einen kurzen Blick ins Innere der kleinen Kirche.

Einen richtigen Schrecken bekam ich, als ich auf dem Wegweiser las, dass die Gehzeit nach Flüeli noch 4:45 h betragen würden. Erfahrungsgemäß brauchte ich mindestens ein Drittel länger und eine Pause würde ich sicher auch machen müssen.

Nach einem letzten Aufstieg auf der Straße, vorbei an einem schönen Bildstöckchen, zweigte endlich ein Wiesenpfad ab, der weiter bergauf führte und sehr schöne Aussichten eröffnete.

Panoramafoto bitte anklicken.

Nun befand ich mich auf dem Bruderklausenweg, der bis Flüeli weitgehend auf dem Jakobsweg verläuft.

Nikolaus von Flüe oder Bruder Klaus war ein einflussreicher Schweizer Bergbauer, Soldat, Einsiedler, Asket und Mystiker. Er gilt als Schutzpatron der Schweiz und wird 1947 heilig gesprochen.
Quelle: Wikipedia

Niklaus von Flüe lebt mit seiner Frau und 10 Kindern bis zum Alter von 50 Jahren in Flüeli, begibt sich dann mit dem Einverständnis seiner Frau Dorothee Wyss und der ältesten Söhne auf eine Pilgerwanderung. Noch in der Schweiz kehrt er um. Er lässt sich als Einsiedler im Ranft nieder, einer Schlucht in unmittelbarer Nähe von Flüeli. Dort lebt er 20 Jahre, betet, fastet und denkt nach.

Mehr und mehr reisen ratsuchende Menschen aus nah und fern kommen und lassen sich von Bruder Klaus, wie er nun genannt wird, beraten und stärken. Als Friedensheiliger wird er heute weltweit verehrt.

Am 21. März 1487 stirbt Bruder Klaus. Er wird in der Pfarrkirche Sachseln beigesetzt.

Quelle: https://bruderklaus.com/niklaus-von-fluee-dorothee-wyss/

Der Bruderklausenweg zwischen Stans und dem Ranft bei Flüeli wurde 1981 zum 500. Gedenken an das «Stanser Verkommnis» von 1481 eröffnet. Er folgt den Spuren des Stanser Pfarrers Heimo Amgrund, der diesen Weg in der Nacht vom 21./22. Dezember 1481 ritt, um sich im Ranft mit Bruder Klaus zu beraten. Eilends überbrachte Pfarrer Amgrund den zerstrittenen Eidgenossen in Stans den (geheimen) Rat des Eremiten und erreichte damit die Einigung.

Entlang des Weges laden mehrere Tafeln zur Besinnung und zum Nachdenken über die Bedeutung von Bruder Klaus in der heutigen Zeit ein.

Quelle: https://bruderklaus.com/orte-informationen/pilgerwege/bruderklausenweg-2/

Leider konnte ich an diesem Nachmittag nicht recht zur Besinnung gelangen. Ich rechnete mir aus, wie lange ich noch unterwegs sein würde, bis ich Flüeli erreichte. Und fragte mich, ob ich das noch vor Sonnenuntergang um 19 Uhr schaffen würde. Nicht sicher war ich mir, ob es in der tiefer gelegenen, schattigen Ranftschlucht, durch die ich kurz vor meinem Ziel laufen musste, nicht schon früher dunkel wäre. Auch die schönen Wald- und Wiesenpfade, über die ich nun durchgehend lief, konnte ich nicht richtig genießen.

Kurz vor dem Ort St. Jakob zweigte der Camino rechts ab und kurz danach stand ich vor einer Fabrik. Verlaufen wollte ich mich auf keinen Fall, deswegen ging ich ein paar Hundert Meter zurück, bis zu dem Wegweiser bei dem ich abgebogen war. Dieser zeigte eindeutig nach rechts unten. Eine Frau, die vor einem Haus mit Gartenarbeit beschäftigt war, fragte ich nach dem Weg. Sie bestätigte, dass der Jakobsweg ins Dorf hinunterführte, riet mir aber sehr nachdrücklich, gerade aus oben entlang zu gehen. Das wäre der direkte Weg, der wieder auf den Jakobsweg führte. Nach St. Jakob sollte ich nur gehen, wenn ich unbedingt die Kirche besuchen wollte. Nun ja, weitere Kirchen brauchte ich nicht unbedingt und so folgte ich dem Rat. Meine Hoffnung, dass die Strecke eben verlaufen würde, wurde aber nicht erfüllt, vielmehr ging es zunächst eine ganze Weile bergauf und dann leicht bergab. St. Jakob sah ich nur von weitem.

Nachdem ich den Camino wieder gefunden hatte, brauchte ich dringend eine Pause. Seit rund 2,5 Stunden war ich quasi ohne Unterbrechung mäßig steil aber stetig bergauf und bergab gelaufen. Bei einer weiteren Bruder-Klaus-Station ließ ich mich auf eine Bank fallen, genoss die Stille in dem Hochtal, warf Traubenzucker und Müsliriegel ein und trank eine ordentliche Menge Wasser. Die Inschrift der beiden Bänke hatte wohl etwas mit den Besinnungsthemen des Bruderklausenwegs zu tun, aber verstehen konnte ich die schweizerdeutschen Worte nicht. Auch Google half nicht weiter. Könnt ihr das übersetzen ?

Frisch gestärkt ging ich weiter. Nun durfte ich mir keine Pause mehr leisten. Nur kurz schaute ich in den nächsten beiden Kapellen, dem Maichäppeli und dem St.-Antoni-Kirchlein vorbei. Ich lief weit oberhalb der Straße auf einem Bergrücken. Zwischendurch überlegte ich vom darunter liegenden Ort Kerns mit dem Bus nach Flüeli zu fahren. Die Zeit zur Bushaltestelle war mit 20 Minuten ausgeschildert. Den letzten Bus hätte ich nicht mehr erreicht.

Inzwischen tauchte die tiefer stehende Sonne, die zwischen den Wolken hervorbrach, die Landschaft in ein zauberhaftes, gerade zu göttliches Licht. Zeit hatte ich zwar nicht, aber ich musste einfach fotografieren.

Der Rest ist schnell erzählt. Einmal verlief ich mich noch, fand aber durch die Hilfe eines netten älteren Ehepaars bald zurück. Im Ort St. Nikolausen, kurz vor dem Einstieg in die Ranftschlucht, sprach ich zwei junge Leute an, die gerade mit dem Auto losfuhren, ob sie in Richtung Flüeli unterwegs seien. Waren sie nicht, fuhren mich aber reizenderweise trotzdem dort hin. Gespart hatte mir etwa eineinhalb bis zwei Kilometer aber vor allem einen weiteren Ab- und Aufstieg. Um 18:30 Uhr erreichte ich schließlich angemessen erschöpft meine Unterkunft.

Die Ranftschlucht, in der Bruder Klaus als Eremit lebte, und die beiden Ranftkapellen wollte ich mir am nächsten Morgen in Ruhe anschauen, bevor ich weiterging.

Fazit:
22 Km (mein Fitnesstracker zeigte 27 km an, die genaue Entfernung liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen), 670 m Aufstieg, 380 m Abstieg (mit Ranftschlucht), 7 Stunden (ohne Pausen)

Sehr abwechselungsreicher Weg mit schönen Aussichten, aber wegen des dauernden Auf- und Ab auch eine sehr anstrengende Etappe. Unbedingt Zeit einkalkulieren für die vielen Kirchen und die Altstadt von Stans. Evtl. erst von Stans laufen, wie es zum Teil vorgeschlagen wird. Dadurch verlängert sich die Etappe von Brunen nach Buochs um ca. sechs Kilometer, aber abends kann man in Ruhe durch die schöne Altstadt von Stans gehen und am nächsten Tag den sehr schönen und naturnahen Weg nach Flüeli genießen.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.


Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #7

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Wie schon berichtet, setzte ich meine Pilgerwanderung auf dem Schweizer Jakobsweg Ende September fort. Ich wollte von Brunnen am Vierwaldstätter See möglichst bis Fribourg laufen, war mir aber nicht sicher, ob ich es schaffen oder nur bis Interlaken kommen würde. Nach der letzten Sechs-Tage-Tour auf dem Schweizer Camino hatte ich Schmerzen im linken Knie bekommen. Der Orthopäde hatte mir zur Schonung des Knies geraten und dann zum vorsichtigen Wiederbeginn mit Spaziergängen in der Ebene. Das hatte ich befolgt und trug dann während der gesamten Pilgerwanderung einen orthopädischen Knieschützer. Bei steilen Abstiegen war ich sehr vorsichtig, bzw. legte sie mit dem Bus zurück. Ob das alles geholfen hat, werde ich euch im Laufe meines Berichts verraten …

Nachdem ich den Camino zunächst auf der Variante „Luzerner Weg“ fortsetzen wollte, hatte ich mich doch für den „Innerschweizer Weg“ von Brunnen nach Rüeggisberg entschieden, der am Vierwaldstätter, dem Sarner, dem Brienzer und dem Thuner See entlang führt . Diese Variante ist nur unwesentlich länger, bietet aber wesentlich schönere Landschaftseindrücke.

Von Brunnen nach Buochs

Am Vortag war ich nach Luzern per Bahn und dann mit dem Schiff auf dem Vierwaldstätter See nach Brunnen gereist (Fotos von dieser wunderschönen Fahrt und dem Abendspaziergang am See in Brunnen – s. hier). Am nächsten Morgen begab ich mich mit dem Schiff schon um kurz nach 8 Uhr als eine von drei Passagieren auf die kurze Fahrt nach Treib, das gegenüber von Brunnen liegt. Dort hatte ich einen sofortigen Anschluss mit der Zahnradbahn nach Seelisberg. Erst beim Ausstieg sah ich, dass die auf einer sehr steilen Strecke verkehrende Bahn schon über 100 Jahre alt war. Aber wahrscheinlich wurde sie in der Zwischenzeit mehrmals erneuert …

Für den Einstieg hatte ich eine leichtere Variante des Jakobswegs bis zum Ort Emmetten gewählt, die ausgeschildert sein sollte. Davon konnte allerdings nicht die Rede sein. Mit Hilfe des Pilgerführers und der sehr guten Beschilderung der Wanderwege fand ich mich aber zurecht.

Sonnige Abschnitte während der Schifffahrt und der schöne Sonnenuntergang hatten mich auf gutes Wetter hoffen lassen. Es blieb aber den ganzen Tag sehr stark bewölkt, wenn auch trocken.

Zunächst ging ich an der leider geschlossenen Kirche in Seelisberg vobei und dann an einer kleinen Straße entlang eine Weile bergauf. Immer wieder boten sich wunderbare Aussichten auf den nun tief unten liegenden Vierwaldstätter See und seine Umgebung.

Panoramafoto bitte anklicken.

Bald zweigte der Weg von der Straße ab und führte den Hang hinauf. Durch einen dichten Wald lief ich weitgehend alleine weiter Richtung Emmetten. Nachdem ich die höchste Stelle erreicht hatte, ging es angenehm bergab. Eine Aussicht gab es allerdings nicht, alles lag in einem trüben Nebel, der in der Höhe ein bisschen feucht war.

So angenehm es war, auf der Variante zu gehen , freute ich mich doch, als ich kurz vor Emmetten wieder auf den Jakobsweg traf. Ich war zurück auf dem Camino! Die Freude währte nicht allzu lange. Zwar kam ich bald an der ersten Kirche, der Heiligkreuzkapelle, vorbei, aber der Jakobsweg verlief, wie so oft, durch landwirtschaftlich genutzte Flächen sowie auf Asphalt und teilweise auf dem Sträßchen.

In Emmetten legte ich eine kleine Mittagspause in einem Café mit Suppe und alkoholfreiem Weißbier ein. Dort bekam ich auch den ersten Pilgerstempel meines neuen Wegabschnitts.

Nach der Mittagspause ging es richtig bergab: im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Zunächst wollte ich einem Tipp folgen, wie der steile Abstieg nach Beckenried vermieden werden konnte. Nachdem ich im Ort auf eine länger bergaufführende Straße abgebogen war, kamen mir Zweifel, dass ich auf dem richtigen Weg war und ich kehrte um.

Zurück auf dem Jakobsweg übersah ich nach kurzer Zeit eine Abzweigung und kam danach zu einer schönen Kapelle, hinter der ein Weg weiterführte, der in die falsche Richtung ging.

Zurück auf dem richtigen Pfad musste ich sehr gut aufpassen und die Stöcke benutzen, denn ging es auf feuchtem Untergrund sehr steil nach unten. Ich landete auf einem Querweg, der nach rechts wieder in die falsche Richtung führte und nach links an einer Straßenkehre endete. Das Jakobswegzeichen war nirgendwo zu sehen. Wahrscheinlich hatte ich eine weitere Abzweigung beim konzentrierten Bergablaufen übersehen. Zurückgehen kam für mich nicht in Frage. Schließlich war ich froh, es soweit nach unten geschafft zu haben. Ich lief dann auf der stark befahrenen Straße und hoffte, dass bald ein Wanderweg abgehen würde, was aber nicht der Fall war. Wenigstens brauchte ich mich nicht mehr den steilen Abhang hinunter tasten, sondern konnte vorsichtig soweit wie möglich am Straßenrand gehen.

Die Straße führte mich unter der Autobahn hindurch nach Beckenried. Die Autobahn sollte mich auch dann noch begleiten, als ich den Jakobsweg wiedergefunden hatte. Der Camino folgt weitgehend den historischen Pilgerpfaden, aber er verläuft durch die Schweiz der Gegenwart. Das bedeutet, dass in den engen Tälern, gerade dort sich die schönsten Seen befinden, die Bahn, die Autobahn und weitere Straßen neben dem Jakobsweg verlaufen können. Eine Alternative wäre, über Bergpfade auszuweichen, was teilweise geschieht, aber nicht überall für Pilger taugt, die auf einer Streckenwanderung unterwegs sind. Außerdem muss der Camino an den von den Pilgern seit Jahrhunderten besuchten Gotteshäusern vorbei führen, die oft unweit der modernen Verkehrswege liegen.

In Beckenried folgte ich zuerst dem Skulpturenweg am Seeufer, dann erholte ich mich von den Strapazen bei einem Cappuccino und einer Cremeschnitte in einem gemütlichen Café.

In der Schweiz gelten seit September schärfere Corona Maßnahmen. Genau wie in Deutschland wird die 3 G- Regel angewendet. Nur wer genesen, getestet oder geimpft ist, darf z.B. in die Innenräume der Gastronomie. Während es hierzulande reicht, das Handy mit dem Zertifikat zu zeigen, wird es in der Schweiz eingescannt und ich musste immer einen Ausweis vorlegen, um meine Identität zu beweisen. Das war zwar manchmal etwas umständlich, wenn ich mit dem Rucksack ankam und nicht alles griffbereit hatte, ich fand es aber wirkungsvoller und besser. Im Lokal durfte man sich dann ohne Maske frei bewegen. Beim Gang auf die Toilette habe ich den Mund-Nasen-Schutz freiwillig getragen, so ganz geheuer war es mir nicht.

Gut gestärkt setzte ich den Weg fort, der nun oberhalb des Seeufers entlang führte. Ausnehmend gut gefiel mir die spätbarocke Ridli Kapelle (auch sie direkt unterhalb der Autobahn stand).


Der Jakobsweg führte noch ein Stück an der Autobahn entlang und zweigte dann unter einer Brücke nach rechts ab. Bevor ich schließlich Buochs erreichte, ging ich noch ein Stück am Seeufer entlang.

Fazit:
16 km (19km mit Verlaufen), 5,5 Stunden (ohne Pausen und Verlaufen), 460 Hm jeweils im Auf- und Abstieg.
Diese Etappe hatte ich mir weniger anstrengend vorgestellt. Bei schönerem Wetter hätte es sicher noch mehr Ausblicke gegeben. Bei Nässe ist der Abstieg von Emmetten nach Beckenried mit Vorsicht anzugehen (Ausweichroute prüfen ! ). Zwar abwechselungsreich aber im unteren Teil mit viel Verkehrslärm.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Thursday Doors – Ridli Kapelle

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At the Ridli Chapel in Beckenried, Switzerland, I especially liked the door of the baroque church, built in the 18th century. The pilgrimage chapel is situated on the Swiss Way of St. James to Santiago and has been visited by pilgrims for over 300 years. I passed the beautiful building on my way from Brunnen to Buochs at Lake Lucerne. There will be further postings about my pilgrimage in Switzerland.

Posted for Dan Antion’s Thursday Doors.

Always looking forward to your feedback.

Geschafft! Done !

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Auf dem Schweizer Jakobsweg von Brunnen nach Fribourg

Heute Nachmittag, nach neun Pilgertagen auf dem Schweizer Jakobsweg, bin ich in Fribourg angekommen. Soweit wollte ich es dieses Mal schaffen. Geschafft bin ich selber auch !

Trotzdem: es war ein wunderbares Erlebnis.

Näheres werde ich im Blog berichten.

Nachfolgend einige allererste Impressionen.

Panoramafoto bitte anklicken!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #6

Von Einsiedeln nach Brunnen

Mein vorerst letzter Tag auf dem Schweizer Jakobsweg und die Sonne lachte, als hätte sie etwas gutzumachen. Nach dem schlimmen Regenwetter vom Vortag traf das auch durchaus zu.

Um 8:30 Uhr stapfte ich frohgemut los. Allerdings stand mir die Königsetappe mit steilen Auf- und Abstiegen bevor. Vom höchsten Punkt der Schweizer Jakobswege, dem Haggenegg auf 1414 Meter, geht es hinunter nach Schwyz, das auf 404 m liegt. Außerdem würde diese Etappe mehr als 25 km lang sein.

Vor dem langen und steilen Abstieg hatte ich mich gefürchtet, aber wie beim Hörnli hatte ich beschlossen, auf diesem Stück nicht dem Jakobsweg sondern einem Bergsträßchen zu folgen, auch wenn das bedeutete, dass die Strecke sich noch einmal verlängerte.

Ein bisschen beunruhigt war ich aber doch. Mitten in der Nacht war ich mit einem stechenden Schmerz im linken Fuß aufgewacht. Meine Füße waren rundherum vertapt, aber als ich an an der schmerzenden Stelle das Band abzog, entdeckte ich sie. Eine Blase am Zeh und darunter eine offene Wunde ! Dieses Problem kannte ich beim Wandern überhaupt nicht, hatte nicht einmal Blasenpflaster eingepackt. Ich verpackte den Zeh so dick wie möglich und war doch froh, dass mir das erst am Ende meiner Pilgerwanderung passierte.

Sehr gemütlich ging die Wanderung los. Zwei Stunden lang folgte ich dem Flüsschen Alp auf ebener Strecke immer mit Blick auf den Großen und den Kleinen Mythen. Am Kloster Au ging ich vorbei, weil mir noch ein sehr langer Pilgertag bevorstand, aber die Kirche St. Appolonia in Alpthal besuchte ich und stempelte meinen Pilgerpass.

An der Bushaltestelle von Malosen begann der Aufstieg zum Haggenegg. Der breite Schotterweg stieg sehr stark an. Er führte direkt an einem Wasserlauf entlang, der in Stufen gefasst war und senkrecht nach unten fiel. Mehrmals musste ich stehen bleiben, um nach Luft zu schnappen. Dann endete der Weg plötzlich neben dem Bach. Ein Wegschild sah ich nicht. Die sonst so sorgfältige Ausschilderung des Schweizer Jakobswegs fehlte ausgerechnet an dieser Stelle. Normalerweise gehe ich in solchen Situationen zurück und schaue, ob ich ein Schild übersehen habe. Das kam dort überhaupt nicht in Frage. Auf diesem extrem steilen und schotterigen Weg würde ich nicht umkehren. Im Pilgerführer las ich dann zu meiner großen Erleichterung, dass ein Bach zu queren war. Wegen der vorangegangenen Regenfälle stand das Wasser ziemlich hoch, aber über Trittsteine war es kein Problem auf die andere Seite zu kommen, wo der Weg hinter der Böschung weiter führte. Mit zitternden Knien blieb ich stehen, um mich von dem Schock zu erholen.

In diesem Moment überholte mich ein junger Mann mit einem kleinen Rucksack. Erst dachte ich, dass er auf einer Tageswanderung war, aber dann entdeckte ich die Pilgermuschel. Ein Jakobspilger, der Erste den ich in der Schweiz traf! Wir unterhielten uns noch kurz, bevor er weiter stürmte. Ich erfuhr, dass viele Pilger erst von Einsiedeln starten.

Der zweite Aufstieg verlief durch einen Wald und war längst nicht so steil wie der erste. Auch ein, wenn auch ziemlich verblasstes, Wegzeichen entdeckte ich an einem Baum. Danach war der Jakobsweg wieder mustergültig ausgeschildert Als ich aus dem Wald trat, musste ich mich erst einmal ausruhen. Da traf es sich gut, dass sich nun erste wunderbare Ausblicke boten.

Panoramafoto bitte anklicken !

Weiter ging es mäßig ansteigend über Almwiesen. Bei einer Alm musste ich eine große Wiese mit vielen Kühen queren. Ganz wohl war mir nicht, aber ich ging ruhig an den friedlich grasenden Tieren vorbei.

Kurz danach erreichte ich die Alpenkäserei Gummen. Auf einem Schild wurden Getränke angeboten. Ich entschied mich für eine Mangomolke, die ausgezeichnet schmeckte. Der Kaffee den mir der Senn brachte, war mit frischem Rahm zubereitet, schmeckte aber leider etwas dünn. Während ich vor der Molkerei an einem Tisch in der Sonne saß, sah ich wieder die Frau mit dem riesigen Rucksack, die schon eine ganze Zeit hinter mir gewandert war. Ich winkte ihr zu und sie setzte sich zu mir an den Tisch. Sie erzählte mir, dass sie als Schweizerin mit ihren fünf Kindern am Bodensee lebte und gerade in Einsiedeln losgelaufen war. Dann packte die Pilgerin ein (schweres) Glas nach dem anderen aus und begann ihre mitgebrachten veganen Speisen zu essen. Auch ein Zelt hatte sie dabei und wollte in Schwyz auf dem Campingplatz zelten. Die Frau wirkte ziemlich sportlich, aber ich fragte mich, wie weit sie mit diesem monströsen Gepäck kommen würde.

Ich verabschiedete mich und ging weiter. Nach fünf Minuten erreichte ich das Berggasthaus Haggenegg, von dem ich gelesen hatte, dass es Ruhetag hatte. Wenn ich gewusst hätte, dass es geöffnet war, hätte ich meinen Kaffee dort getrunken. Kurz danach erreichte ich die Haggeneggkapelle. Rundherum standen Bänke, auf denen sich schon mehrere Wanderer niedergelassen hatten, um die Traumaussicht auf den Vierwaldstättersee und das Bergpanorama im Vordergrund mit dem Kleinen Mythen zu genießen oder einfach nur in der Sonne zu liegen. Ich suchte mir eine schöne Bank , verspeiste Brot, Birne und würzigen Greyerzer Käse und schaute mir die Landschaft an.

Dann begann der lange Abstieg nach Schwyz. Auf der kaum befahrenen Straße hatte ich zwar kein Problem, aber die 1000 Meter nach unten zogen sich schon gewaltig trotz des durchgehend hinreißenden Ausblicks. Je näher ich dem Tal kam, desto schöner wurde das Wetter. Allerdings wurde es auch ziemlich warm, weil es fast keinen Schatten gab. Unterwegs sah ich ein paar Mal den Jakobsweg, der stark aufgeweicht und sehr steil den Hang hinabfiel. War ich froh, dass ich mich anders entschieden hatte!

Als ich mich Schwyz näherte, sah ich aus der Einmündung des Jakobswegs einen älteren Mann mit Rucksack kommen, den ich später ansprach. Das war nun schon der dritte Pilger, den ich an einem Tag traf. Mein absoluter Rekord seit ich in München meine Pilgerwanderung begonnen hatte! Der Mann berichtete, dass er den Abstieg auf dem Jakobsweg sehr schwierig und rutschig erlebt hatte. Ich dachte an die Frau mit dem riesigen Rucksack und hoffte, dass sie es geschafft hatte. Der Schweizer wollte auf dem Innerschweizer Jakobsweg weitergehen, der von Brunnen nach Flüeli-Ranft und über den Brünigpass führt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Fortsetzung über den Luzerner Weg nach Bern geplant. Inzwischen habe ich mir das anders überlegt.

Langsam aber stetig schleppte ich mich nach Schwyz. Unterwegs sah ich ein imposantes Gebäude. Es handelte sich nicht um ein Kloster, sondern um die „Kantonsschule Kollegium Schwyz“, eine öffentliche Mittelstufenschule. Im Ort holte ich mir schnell den Pilgerstempel in der Kirche St. Martin und suchte dann schnurstracks die nächstliegende Caféterrasse am Hauptplatz auf. Nach einem großen Cappuccino und einem Mineralwasser kehrten meine Lebensgeister wenigstens teilweise zurück.

Die letzten fünf Kilometer nach Brunnen kann ich persönlich nur als Tortur bezeichnen. Erst ging es ziemlich lange durch Schwyz und den nächsten Ort Ibach. Dann folgte ein recht schöner Weg mit Rückblicken auf die Mythen und mehreren Kapellen, von den ich nicht eine einzige besuchte.

Als der Weg dann noch das Tal verlies und leicht anstieg, war ich schon sehr erschöpft. Über lange Treppe mit kleinen Trittstufen ging es wieder hinunter nach Brunnen am Vierwaldstätter See. Eigentlich hatte ich geplant, mit dem Schiff nach Luzern zu fahren. Aber nun stand mir nicht mehr der Sinn nach einer gut zweistündigen Schifffahrt und vom Bahnhof zur Anlegestelle wären es noch einmal 1,5 Km gewesen. Also fuhr ich mit dem Zug nach Luzern. Der erste Halt nach wenigen Minuten war übrigens in Schwyz!

Fazit:
29 km auf der Straße ab Haggenegg (bei Nässe empfehlenswert), auf dem Jakobsweg 24,1 Km, 540 m Auf- und 1010 m Abstieg, , 7,5 Stunden ohne Pausen
Sehr fordernde Jakobswegetappe, wunderschönes Landschaftserlebnis, ein echtes Highlight auf dem Schweizer Jakobsweg, evtl. im Gasthaus Haggenegg übernachten oder nur bis Schwyz gehen.

In Luzern verbrachte ich einen weiteren Tag. Über meinen Aufenthalt in dieser Traumstadt werde ich gesondert berichten.

Zum Schluss möchte ich euch noch etwas verraten: es hat mir auf dem Schweizer Jakobsweg so gut gefallen, dass ich ihn fortsetzen werde und zwar in den nächsten Tagen. Nach meiner Rückkehr im August bekam ich leider Schmerzen im linken Knie, die mich schließlich zum Orthopäden führten. Es war nichts Schlimmes, nur eine Überlastung. Ich hätte wohl doch einmal meine orthopädischen Knieschützer anziehen sollen, vor allem bei dem langen Abstieg nach Schwyz! Nachdem ich mich ausgiebig geschont habe, wie vom Orthopäden empfohlen, traue ich mich nun wieder auf den Camino. Starke Gefälle werde ich sehr vorsichtig angehen oder meiden. Auch Ruhepausen bzw. -tage sind eingeplant. Und Blasenpflaster werde ich auch einpacken!

Wenn es nicht mehr geht oder keinen Spaß macht, fahre ich einfach nach Hause. Mal sehen, wie weit ich komme …

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #5

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Von Rapperswil nach Einsiedeln

Nachdem ich am Vortag mit dem Zug von Rapperswil nach Einsiedeln gefahren war, kehrte ich nun dorthin zurück, um meine Pilgerwanderung auf dem Schweizer Jakobsweg fortzusetzen. Da ich in Einsiedeln noch ein zweites Mal übernachten würde, freute ich mich auf die Tageswanderung mit leichtem Rucksack. Ganz so gemütlich sollte es aber doch nicht werden …

Am Bahnhof Rapperswil fand ich gleich den Einstieg in den Camino. Unmittelbar danach überquerte ich den Zürichsee über die längste Fußgängerholzbrücke der Schweiz , die fast auf Seehöhe verläuft und als Pilgersteg auf dem Schwabenweg dient. Sehr schöne Aussichten eröffneten sich, nur leider war das Wetter sehr trüb. Bei Sonnenschein würde ich den Gang über den 840 m langen Steg gerne wiederholen, nicht ohne mich auf eine der Bänke zu setzen und die Aussicht zu bewundern.

Während ich den See überquerte, hörte ich die Ansagen des am zweiten Tag laufenden „Ironman“ und das war so lange der Fall, wie ich mich in Seenähe aufhielt.

Im Laufe des Tages sollte es leicht regnen, aber das hatte mich nicht von meiner Wanderung abgehalten. Als ich mich nach einer Stunde Pfäffikon näherte, fing es an zu nieseln. „Kein Problem“, dachte ich, „habe doch meinen Wanderschirm dabei !“

Wie im Pilgerführer beschrieben, begann am Ortsende von Pfäffikon der steile Aufstieg, der bis zum Etzelpass führen würde. Hinter dem Lützelhof mit einem großen Hofladen und der Möglichkeit, im Stroh zu übernachten, ging es über die Autobahnbrücke der A 3. Der Verkehrslärm begleitete mich noch eine Weile, weil der Weg danach an einem Hang über der Autobahn entlang führte.

Während ich auf einer Bank am Hang eine Trinkpause einlegte, sah ich die Massen von unten ankommen. Sehr viele Wanderer waren, oft in Gruppen, an diesem Sonntag trotz des mäßigen Wetters unterwegs. Es ging weiter zum laut Pilgerführer „ausichtsreich gelegenen“ Gasthof Lugeten, der eine Vogelperspektive auf den Camino seit Rapperswil bieten sollte. Davon konnte jedoch nicht die Rede sein. Der Zürichsee war komplett in den Wolken verschwunden. Kurze Zeit später begann es stark zu schütten. Ich hatte den Regenschutz noch nicht über meinen Rucksack gezogen und konnte es kaum erwarten, in den Wald zu gelangen. Dort tropfte es allerdings immer noch gewaltig.

Der Camino hatte sich in einen bergauf gehenden wurzeligen und matschigen Pfad verwandelt. Zwischen hohen Stufen und glitschigen Wurzeln stand zum Teil schon das Wasser, so dass man gut aufpassen musste, wo man hin trat. Nun freute ich mich, dass so viele Mitwanderer unterwegs waren, weil ich sozusagen in deren Fußstapfen treten konnte. Manchmal war auch der Verlauf des ziemlich breitgetretenen und schlammigen Weges nicht ganz klar. Dann konnte ich mich gut an den Anderen orientieren. Ich lief mehr oder minder mit einer Gruppe von fünf Schweizerinnen in meinem Alter mit, von denen einige recht flott den Berg hinauf stürmten, aber auch immer wieder auf ihre lansameren Freundinnen warteten. Es beruhigte mich, dass ich nicht alleine auf diesem rutschigen Weg wanderte. So konnte ich auf Hilfe zählen, wenn ich ein Problem haben würde. Gerade als ich dachte, dass ich auf keinen Fall umkehren und den Weg wieder nach unten gehen konnte, kamen drei junge Mountainbiker herangeschossen, die sich fast ungebremst nach unten stürzten !

Zum Fotografieren fehlte mir die Energie. Es war mir zu nass, auch zu anstrengend und ich wollte nur noch so schnell wie möglich auf dem Etzelpass ankommen. Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, lichtete ich aber wenigstens eine moosbedeckte Panzerabwehrsperre ab, die quer durch den Wald verlief. Wikipedia schreibt dazu, dass es sich um den Teil eines Verteidigungssystems der Schweizer Armee aus den 1940er Jahren handelt.

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Den in 950 Meter Höhe gelegenen Etzelpass erreichte ich nach etwas mehr als drei Stunden. So nah an den Zeitangaben des Pilgerbuchs hatte ich mich noch nie bewegt! Zunächst begab ich mich in die Kapelle St. Meinrad, wo ich mir den hart verdienten Stempel für den Pilgerpass holte. Dabei kam ich mit einer Wanderin aus Ulm ins Gespräch, die mir erzählte dass sie vor einigen Jahren von zu Hause (!) nach Santiago gepilgert war und mir „Buen Camino“ wünschte. Nun war es höchste Zeit für eine Mittagspause im Trockenen, so dass ich direkt zum Gasthaus neben der Kirche ging.

Das Gasthaus erwies sich als Feinschmeckerlokal mit Landhausambiente. Als ich mich umsah, entdeckte ich keinen freien Tisch und die nicht übermäßig freundlichen Bedienung sagte mir, dass die Gäste überwiegend noch bei der Vorspeise seien, so dass so schnell nichts frei werden würde. Ich brauchte diese Pause sehr dringend, also fragte ich ein Paar, das alleine an einem großen Tisch saß, ob ich mich als Geimpfte dazu gesellen durfte. Die Beiden hatten damit kein Problem (und glücklicherweise auch nicht die Servierkraft). Ich bestellte mir eine warme Suppe (die mir längst nicht so gut schmeckte, wie die Gerstensuppe einige Tage zuvor im Berggasthaus Hörnli) und ein alkoholfreies Weißbier. Mit meinen Schweizer Tischgenossen plauderte ich sehr angenehm. Unter anderem berichteten sie mir, dass sie in diesem Gasthaus eingekehrt waren, weil das Lokal vor Kurzem in einer Kochsendung empfohlen worden war. Das erklärte, warum dort so viele Menschen mehrere Gänge tafelten !

Als das Ehepaar nach lecker aussehenden aber auch reichlichen Vorspeisen den Hauptgang serviert bekam, verabschiedete ich mich. Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen, aber die Wolken hingen immer noch sehr tief. Von dem angeblich herrlichen Berg- und Seepanorama konnte ich kaum etwas erkennen.

Vom Etzelpasss führte mich ein asphaltiertes Sträßchen, auf dem nur wenige Wanderer und Radfahrer unterwegs waren, zur Teufelsbrücke („Tüfelsbrugg“) über die Sihl. Daneben wies ein Gedenkstein darauf hin, dass an diesem Ort im Jahr 1541 Paracelsus, der Schweizer Arzt und Alchemist, geboren wurde.

Laut Pilgerführer beflügelte das herrliche Bergpanorama auf dieser Strecke den Schritt. Nun ja, … Es ging dann meistens angenehm bergab aber auch wieder leicht in die Höhe. Zwischendurch regnete es mehrmals, aber glücklicherweise nur leicht. Nun stimmte der Wetterbericht !

Schon von weitem war das Kloster Einsiedeln zu sehen. Ich hatte das Ziel nun vor Augen, es dauerte aber noch mehr als eine Stunde bis ich dort ankam. Vorbei ging es am Sihlsee, wo man nach einer Infotafel einige Berggipfel sehen sollte. Diese Berge waren leider komplett wolkenverhangen und der See zeigte sich in trübem Grau.

Panoramafoto bitte anklicken.

Fazit:
17 Km, 660 Hm Auf- und 160 Hm Abstieg, 5 Stunden und 20 Minuten ohne Pausen.
Sehr abwechselungsreiche aber recht lange Strecke. Steiler und zum Teil sehr wurzeliger Anstieg zum Etzelpass, würde ich bei Nässe nicht in umgekehrter Richtung empfehlen, danach auf angenehmen, hauptsächlich leicht bergab gehenden, Wegen und Sträßchen durch eine liebliche grüne Voralpenlandschaft. Gefehlt haben mir allerdings die als herrlich beschriebenen Aussichten. Diese würde ich gerne bei besserem Wetter sehen. Am Liebsten nach einer Fahrt auf den Etzelpass …

In Einsiedeln war am Sonntagnachmittag Einiges los. Besonders in der Klosterkirche bewegten sich die Massen. Ich klingelte an der Klosterpforte und bekam dort meinen Pilgerstempel vom zuständigen Mönch, der auch in meinem Pass signierte und mich zum Vespergottesdienst der Mönche in einer Stunde einlud. Dazu hatte ich keine Zeit, was ich dem freundlichen Herren aber nicht verriet. Im Hotel zog ich mich schnell um und besuchte danach ein nahegelegenes Café. Das Zuger Kirschtörtchen schmeckte, als wäre es in eine Schüssel mit Kirschwasser gefallen, mundete mir aber zusammen mit dem Cappuccino mit Schokoladensauce ganz köstlich, obwohl ich normalerweise Schokolade auf dem Milchschaum überhaupt nicht mag. Das war übrigens erst mein zweites Kaffeetrinken an diesem Tag, falls mal wieder jemand meint, ich wäre in der Schweiz zum „Kaffeepilgern“ gewesen.

Nach dem Abendessen spazierte ich noch kurz durch Einsiedeln und knipste einige Abschiedsfotos.

Am nächsten Tag legte ich meine vorerst letzte Etappe auf dem Schweizer Jakobsweg von Einsiedeln nach Brunnen zurück. Was ich dabei erlebt habe, werde ich noch berichten. Verraten sei aber schon, dass an diesem Tag strahlend schönes Wetter herrschte!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.