Rentnerinnenblues 4/Pensioner’s Blues 4

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Schon wieder ein „Rentnerinnenblues“ ? Das werden sicher Einige euch denken, vor allem diejenigen, die noch in Arbeit und Brot stehen. Stimmt schon, aber mein letztes Klagelied stammt aus dem Oktober 2020. Also einmal im Jahr darf ich doch, oder ?

Wie schon erwähnt (z.B. hier), habe ich mir mein Rentnerinnendasein anders vorgestellt. Mein Traum war, solange es gesundheitlich geht in der ganzen Welt umher zu reisen. Obwohl ich schon vorher bei jeder Gelegenheit unterwegs gewesen war, enthielt (und enthält) meine Wunschliste noch zahlreiche Reiseziele auf allen Kontinenten. Nur den Sommer wollte ich zu Hause in München verbringen. Diese Jahreszeit ist bei uns einfach wunderschön.

Das Reisen liebe ich sehr. In wunderbaren Reiseerinnerungen schwelgen, gefällt mir ungemein. Aber das alleine reicht mir nicht. Irgendwann brauche ich frische Eindrücke und Erlebnisse ….

Ich fotografiere sehr gerne, besonders seit ich blogge und meine schönsten Bilder posten kann, aber nur zu Hause auf Fototour zu gehen, ist nicht reizvoll für mich. Mir fehlt oft die Geduld und wahrscheinlich auch die Achtsamkeit. Andererseits habe ich durch die Bloggerei und das Anschauen eurer Beiträge viele Anregungen und Tipps bekommen, so dass ich doch viele neue Fotomotive in meiner näheren Umgebung entdecken konnte. Vielen Dank dafür !

Wandern ist ein Hobby, das ich nicht nur auf Reisen ausübe. Ich liebe es, mich durch eine schöne Landschaft zu bewegen. Kürzere oder längere Strecken zu gehen, hat mir über die harten Lockdowns geholfen als alles geschlossen war. Wenn ich mich richtig anstrenge, vergesse ich sogar Corona, jedenfalls für kurze Zeit.

Allerdings muss ich damit rechnen, dass ich dieses Hobby mit zunehmendem Alter immer weniger ausüben kann. Seit einigen Jahren habe ich Schwierigkeiten bergab zu gehen, muss gut aufpassen, damit ich nicht stürze. Bei und nach meinen Wanderungen auf dem Schweizer Jakobsweg im Sommer und Herbst 2021 bekam ich erstmals Knieprobleme. Es ist nichts Ernstes, nur eine Überlastung. Mein Orthopäde riet mir, das Knie zu schonen und möglichst nicht bergab zu gehen …

Der Vorteil der erzwungenen Fernreisepause ist, dass man sich Nahzielen zuwenden kann, für die nie genug Zeit vorhanden war. Das Fichtelgebirge, die Fränkische Schweiz und Innsbruck hatte ich schon sehr lange besuchen wollen, hätte mir das aber wahrscheinlich frühestens erst nach dem siebzigsten Geburtstag vorgenommen. Und was soll ich sagen ? Diese überhaupt nicht exotischen Ziele waren wirklich eine Reise wert.

Bis vor Kurzem habe ich mir sehr gerne Filme im Kino, vor allem auf Filmfestivals, angeschaut. Auf dem Münchner Filmfest im Sommer 2021 hatte mir das zunächst wieder sehr viel Spaß gemacht, aber nach einigen Tagen Filme schauen mit Maske konnte ich nicht mehr. Danach streamte ich wieder, doch nicht sehr häufig. Es ist einfach nicht das Gleiche wie das gemeinsame Erlebnis im Kinosaal! Kürzlich habe ich die Hofer Filmtage besucht. Der Zugang war mit 3G plus geregelt. Dafür durfte man die Maske am Platz absetzen. Empfohlen wurde aber den Mund-Nasen-Schutz weiter zu tragen. Daran habe ich mich gehalten, was mir nicht mehr so schwer fiel wie im Sommer. Allerdings erschwert mir mein gesundheitliches Problem auch das Filmegucken im Kino.

Die Ausstellungen in München habe ich schon während des Lockdowns mit Terminbuchung besucht. Wieder im Museum zu sein war wunderschön! Seit Herbstbeginn gibt es ein neues Ausstellungsprogramm, aber es ist verständlicherweise längst nicht so vielfältig wie in „normalen“ Zeiten. Vor kurzem besuchte ich eine noch länger laufende Ausstellung, weil ich mir dachte, wer weiß wie lange es noch geht. Diese Idee hatten offensichtlich noch Andere. Sehr viele Besucher drängten sich in den zum Teil engen Räumen. Ein konzentriertes Betrachten der Gemälde war nicht möglich, weil mir immer wieder jemand zu nah kam.

Als Rentnerin wollte ich auch mal spontan zu einer Ausstellung in eine andere Stadt zu fahren. Momentan würden mir die Bahnfahrten und der Museumsbesuch weniger Spaß machen. Ich halte das Maskentragen für unbedingt notwendig, aber es erinnert mich ständig an Corona, so dass ich Kulturerlebnisse nicht unbeschwert genießen kann. Dasselbe gilt für Stadtbesichtigungen.

Gelesen habe ich immer sehr viel, hauptsächlich Belletristik. Im ersten Lockdown habe ich stapelweise Romane, auch fremdsprachige, und alle liegengebliebenen Ausstellungskataloge geschafft. Nun lese ich gelegentlich einen Roman zum Zeitvertreib. Das Interesse hat etwas nachgelassen. Möglicherweise habe ich das Lesen als Lockdownaktivität gespeichert und und es reizt mich wieder mehr, wenn es „freiwillig“ wird.

Wahrscheinlich brauche ich wieder eine Aufgabe. Allerdings bedeutet das, das man sich zu etwas verpflichten muss. Nach den vielen Jahren im Beruf bin ich dazu noch nicht bereit.

Den Entwurf für diesen Text habe ich vor einigen Wochen verfasst, als die Coronazahlen noch nicht exponentiell gestiegen waren. Inzwischen muss man schon wieder fürchten, dass die Lage dramatisch eskaliert und meine Klagen erscheinen wie bloße Befindlichkeiten. Denn: Es geht uns gut. Die ganze Familie ist geimpft. Bei mir steht demnächst die Auffrischung an und es sieht derzeit so aus, als ob es klappen wird. Corona belastet uns stark, wird uns aber nicht klein kriegen !

Wie geht es euch ? Wenn ihr gerne reist, wie geht ihr mit der Situation um ? Welche Hobbies sind bei euch durch Corona schwieriger geworden ?

Das Wichtigste zum Schluss: Passt auf euch und andere auf und bleibt gesund !

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Rentnerinnenblues 3 Pensioner’s Blues 3

Noch ein „Renterinnenblues“ ! „Was will denn die schon wieder ?“, werden manche denken, nachdem ich mich zu dem Thema hier und dort schon ausgelassen habe .

Persönlich sehe ich zwei Anlässe. Zum Einen wäre jetzt mein regulärer Renteneintritt gewesen. Wie berichtet war ich früher in Rente gegangen, um auf längere Reisen gehen zu können. Zum Anderen herrscht inzwischen eine Pandemie, die unser Leben gravierend verändert hat.

Vor diesem Hintergrund mag eine Beschäftigung mit persönlichen Befindlichkeiten egozentrisch erscheinen. Das Virus hat bisher zu Erkrankungen von fast 40 Millionen Menschen geführt und über 1,1 Millionen sind gestorben. Vor Jahren habe ich „La Peste“ von Camus gelesen und fand das Schicksal der eingeschlossenen Stadtbewohner entsetzlich. Nicht im Traum hätte ich gedacht, dass etwas Vergleichbares auf globaler Ebene geschehen könnte !

Trotzdem glaube ich, dass es nachvollziehbar ist, dass man in einer solchen Lage auch die eigene Situation betrachtet. Zunächst einmal bin ich heilfroh, dass ich mein Berufsleben Ende März 2019 abgeschlossen habe. Im letzten Halbjahr hätte ich im Dauerkrisenmodus arbeiten müssen und nur wenig Konstruktives schaffen können. Sämtliche berufliche Veranstaltungen, z.B. der Besuch von Filmfestivals und meine Abschiedsfeier, wären ausgefallen. Davon abgesehen wäre es frustrierend gewesen, nach den vielen Jahren von Bord gehen zu müssen, wenn sich das Schiff gerade in Seenot befindet.

Aber dann natürlich das Reisen … Reisen ist meine Leidenschaft ! Im Frühjahr 2019 konnte ich noch ein dreimonatige Reise nach Japan, Südkorea und Taiwan unternehmen . Wie berichtet (s. oben) bremste mich mein Gesundheitszustand bald danach aus. Inzwischen geht es mir etwas besser, mal mehr mal weniger. Kleinere Reisen in Deutschland und Österreich konnte ich unternehmen. Vor allem bei meinem geliebten Wandern hatte ich nur wenige Probleme. Bei guter medizinischer Versorgung würde ich mir auch eine Reise in ein Land zutrauen, das drei bis vier Flugstunden entfernt liegt. Fernreisen gingen eher nicht.

Nun können wir alle (fast) nicht mehr reisen. Gerade schließt sich das Fenster der Reisemöglichkeiten aufgrund der steigenden Coronazahlen wieder. Noch nicht einmal innerhalb Deutschlands, von Bundesland zu Bundesland, ist problemloses Reisen möglich. Als wir vor kurzem im Hotel übernachtet haben (ja, ich habe mich getraut! ) lag an der Rezeption eine lange Liste mit deutschen Postleitzahlen. Für die Bewohner der entsprechenden Orte galt das, inzwischen ausgelaufene, bayerische Beherbergungsverbot.

Allerdings handelt es sich doch eher um ein Luxusproblem. Wichtiger als das Verreisen ist, dass die Familie und man selbst sich nicht mit dem Corona Virus ansteckt und dass man Rücksicht auf andere nimmt. Bis es einen Impfstoff gibt und wir Zugang dazu haben, werden wir auf sehr Vieles verzichten müssen. Momentan ist das aufgrund explodierender Coronazahlen wieder besonders wichtig. Gehen wir es gemeinsam an !