Lübeck-Travemünde lohnt sich/Worthwhile trip to Luebeck-Travemünde #4

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Travemünde ist ein Stadtteil von Lübeck und liegt 20 km entfernt an der Ostsee. Es ist normalerweise durch eine kurze Zugfahrt zu erreichen. Wegen Bauarbeiten auf der Strecke benutzte ich im November 2021 den Bus.

Auf den Aufenthalt am Meer hatte ich mich sehr gefreut. Zuletzt hatte ich mich vor zwei Jahren in Lanzarote an der Küste aufgehalten. Dementsprechend groß war meine Sehnsucht.

Morgens brach ich ziemlich früh auf. Als ich am Busbahnhof ankam, sah ich an der Haltestelle den Bus nach Travemünde stehen. Vorsichtshalber begann ich mit dem Rollenkoffer zu rennen. Der Busfahrer erzählte mir dann aber, dass noch Zeit bis zur Abfahrt blieb.

Und dann geschah es: zuerst wurde mir schwindelig, dann begann mein Herz zu rasen. Ich versuchte, ruhig weiter zu atmen. Nach und nach beruhigte sich der Pulsschlag, aber auf dem Brustkorb blieb ein unangenehmer Druck. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich beunruhigt war! Die Busfahrt zog sich in die Länge. Als ich Travemünde erreichte, ging es mir besser, aber ich war ziemlich erledigt.

Im Hotel konnte ich schon einchecken, aber mein Zimmer natürlich noch nicht beziehen. Nach einer Ruhepause am Kamin und einer Flasche eiskaltem Wassers, die mir der Hotelier spendiert hatte, fühlte ich mich wesentlich besser und begab mich auf die geplante Strandwanderung.

Mein Hotel lag nahe am feinsandigen und sehr breiten Badestrand von Travemünde, der sich etwas außerhalb des Ortszentrums befindet. Dort schaute ich mich zunächst einmal lange um und zog dann sehr gemütlich weiter.

An diesem Morgen war es ziemlich bewölkt und es herrschte praktisch kein Wellengang, aber es gab viel zu sehen, z.B. Möwen und riesige Pötte, die vom Travemünder Skandinavienkai nach Helsinki fuhren. Am anderen Ende des Strands bildete der Wolkenkratzer des Hotels Maritim eine Art fragwürdiges Wahrzeichen. Aber das Meer fand ich zum Weinen schön!

Nun begann es zu regnen, so dass ich noch einmal zum Hotel zurückging, um mir einen Schirm zu holen. Kaum hatte ich das gute Stück aufgespannt, hört es wieder auf.

Nach einer Pause in einer Imbissbude nahm ich die Küstenwanderung von Travemünde nach Norden bis Niendorf in Angriff. Wissen muss man, dass die Höhenunterschiede an der Brodtner Steilküste maximal 20 Meter betragen. Ich hatte mir also nicht zuviel zugemutet. Am Ortsende führte mich der oberhalb der Küste verlaufende Wanderweg zunächst durch einen schönen Laubwald. Es ging leicht bergauf. Vor mir lief ein (viel!) älteres Ehepaar. Ich wollte die Beiden überholen und ging einen Schritt schneller. Und da geschah es wieder: Schwindel, Herzrasen und Schwächegefühl. Sehr langsam bewegte ich mich weiter. Unterwegs setzte ich mich praktisch auf jede Bank. Es ging mir wieder etwas besser, aber mir war klar, dass ich nicht bis zum ca. vier Kilometer entfernten Niendorf laufen konnte.

Als ich den Aussichtspunkt Hermannshöhe erreicht hatte, wollte ich mit Bus oder Taxi zurück zum Hotel fahren und evtl. einen Arzt aufsuchen. Beim Surfen mit dem Smartphone stellte ich allerdings fest, dass die Praxen bis zum späteren Nachmittag geschlossen waren, also spazierte ich langsam zurück. Unterwegs eröffneten sich immer wieder sehr schöne Ausblicke auf die Steilküste. Ich sah außerdem, dass die meisten Leute am naturbelassenen Strand entlang liefen. Auf einem Schild las ich, dass es an Brodtner Steilküste nur in Travemünde und in Nienhagen Verbindungen zwischen dem Steilküstenweg und dem Strandweg gibt. Von andren Auf- und Abstiegen über den Steilhang wurde dringend gewarnt. Ich ärgerte mich ein bisschen, dass ich nicht unten am Ufer geblieben war.

Als ich wieder am Badestrand angekommen war, fühlte ich mich gut und beschloss noch ein Stück am Naturstrand zurück zu gehen. Und es war wunderschön! Eigentlich wollte ich bald umkehren, schaffte es aber erst nach einer ganzen Weile. Zuerst überquerte ich den Hundestrand, dann den FKK-Bereich und folgte danach dem Steilufer. Der Strand war mit Seegras, Steinen, Felsen und Treibgut übersät. Umgestürzte Bäume lagen am Ufer und noch lebendige Buchen klammerten sich am Klippenrand fest. In der Brandung, die dort etwas kräftiger war als im Ort, schaukelten Schwäne und Enten.

Als es gegen 15 Uhr zu dämmern begann, konnte ich mich losreißen und kehrte zurück ins Hotel. Abends ging ich im Ortszentrum essen und gönnte mir nach dem überstandenen Schrecken ein Grünkohlgericht mit Bratkartoffeln und Mettwurst. Und ein erfrischendes Bier gab es natürlich dazu.

Ein denkwürdiger Tag, aber auch ein sehr schöner!

PS: Inzwischen habe ich einen Kardiologen aufgesucht. Es ist nichts Ernstes, aber ich muss jetzt Cholesterinsenker einnehmen. Nun ja, das Alter …

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