Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #13

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Von Thun/Dürrenast nach Riggisberg

Als ich morgens auf dem Jakobsweg weiter ging, regnete es nur noch leicht, während es in der Nacht geschüttet hatte. Die Sicht war allerdings gleich Null. Bald erkannte ich, dass ich nicht wie gedacht in Gwatt übernachtet hatte, sondern davor im Thuner Vorort Dürrenast. Das fügte drei Kilometer zu meinem Tagespensum hinzu. Durch ein Naturschutzgebiet mit wunderschönen alten Bäumen folgte ich zunächst dem Seeufer, eine bei besserem Wetter sicher sehr schöne Strecke.

In Gwatt entfernte sich der Jakobsweg vom Thuner See und führte steil hinauf zum Gwattegg. Kurz danach kam ein nasser glatter Abstieg, der unter der Autobahn A 6 hindurchführte. Und zur Abwechselung musste ich dann wieder den steilen Hang hinauf zum Gehöft Zwieselberg bewältigen. Erstaunt war ich darüber, dass ich so lange den Verkehrslärm von der Autobahn vernehmen konnte, selbst noch weit oberhalb am Bauernhof, der mitten im Nirgendwo lag.

Etwas gemütlicher lief ich weiter im rauschendem Regen durch Wald und Felder bis nach Amsoldingen, wo ich die romanische Kirche besuchte. Sie ist dem Hl. Mauritius geweiht und die größte ottonische Basilika der Region. Gebaut wurde sie um das Jahr 1000. Ein Vorgängerbau existierte schon im 8. Jahrhundert.
Quelle: Rother Wanderführer Jakobswege Schweiz.

Die andächtig friedliche Atmosphäre im Inneren des Gotteshauses wurde wunderbar verstärkt durch die Gruppe die dort gerade Kirchenlieder probte.

Als ich aus der Kirche trat, kam mir ein Pilger entgegen, den ich kurz begrüßte. Auf dem Weg nach Uebeschi hörte es auf zu regnen. Die Sonne brach für kurze Zeit durch die Wolken und ein zauberhaftes Licht enthüllte einzelne Berge.

Immer wieder wurde auf Schildern vor dem Verlassen der kleinen Straße gewarnt, weil es sich um ein Übungsgebiet der Schweizer Armee handelt. Tatsächlich hörte ich mehrmals Schusssalven !

Nachdem ich eine Bank trocken gewischt hatte, setzte ich mich hin und verspeiste meine Brotzeit. Es gab Roggenbrot, Luzerner Käse, Birne, Salami und zum Dessert Schweizer Schokolade. Nicht schlecht !

Nun kam der Pilger vorbei, den ich auf dem Kirchhof gesehen hatte. Er sprach Französisch, was meinen Beitrag zur Unterhaltung etwas schmälerte. Der junge Mann war im August von Konstanz bis Thun gepilgert. Gerade war er dort wieder gestartet und wollte nun bis Genf gehen. Mit einem „Buen Camino“ verabschiedeten wir uns. Diesen Pilger würde ich nicht wieder treffen. Er war wesentlich schneller unterwegs als ich .

In dem Moment als ich von der Bank aufstand und die wenigen Stufen zum Weg hinunterging, fiel mir erstmals auf, dass mein linkes Knie schmerzte. Exakt nach sechs Tagen Wandern hatte ich es wieder geschafft! Dieses Mal hatte ich während der gesamten Wanderung einen orthopädischen Schutz am linken Knie getragen und den steilsten Abstieg vom Brünigpass mit dem Bus zurückgelegt. Sollte das alles nichts genutzt haben ?

Nach einem weiteren Anstieg erreichte ich Uebeschi und dann auf Pfaden über Wiesen und Wälder Blumenstein. Dann gelangte ich durch ein Naturschutzgebiet nach Wattenwil. Unterwegs bewunderte ich immer wieder schöne Holzhäuser und begegnete reizenden Kuhherden.

In Wattenwil kehrte ich in einem Café ein. Ich war bereits länger als fünf Stunden unterwegs und und brauchte dringend eine Erholungspause. Auch meinen Koffeinspiegel musste ich unbedingt erhöhen. Zum Cappuccino bestellte ich mir ein Vermicelles Törtchen, das ich schon lange probieren wollte. Es handelt sich um ein klassisches Schweizer Dessert, das mit Maronenpüree, Vanillecreme und Mürbteig zubereitet wird. Das Gebäck war mir allerdings viel zu fett, obwohl mich das beim Wandern normalerweise nicht stört. Auch die leicht mehlige Maronenmasse überzeugte mich nicht.

Zur Kirche in Wattenwil ging es in Stufen hinauf. Nun merkte ich, dass mein Knie auch dabei schmerzte (!). Dann zog sich der Jakobsweg wieder einmal den Berg hinauf. Schwer atmend schleppte ich mich hinauf und verpasste bei der Gelegenheit die Abzweigung, was ich aber bald bemerkte und sodann leise fluchend zurückging.

Im Schloss Riggisberg hatte ich ein Pilgerzimmer gebucht. Als ich auf Burgistein zuging, sah ich ein Schloss auf einem Hügel, aber der Jakobsweg führte daran vorbei. Ich fragte bei einem Arbeiter in einer Werkstatt nach. Es handelte sich um das im Privatbesitz befindliche Schloss Burgistein.

Im nächsten Ort Weiher las ich auf dem Wegschild, dass die restliche Strecke noch eine dreiviertel Stunde betragen würde. Gleich daneben lag eine Bushaltestelle und der nächste Bus kam schon in 10 Minuten. Mein Entschluss war schnell gefasst und so fuhr ich in etwa fünf Minuten nach Riggisberg.

Das auf einem Hügel liegende Schloss war in Riggisberg nicht zu verfehlen. Von der Bushaltestelle war es nicht weit, aber mein Knie protestierte heftig, als ich die vielen Stufen hinauf stieg. Das Pilgerzimmer stellte sich als hell und freundlich eingerichtet mit hohen Altbaustuckdecken und Parkettboden heraus. An diesem Abend ging ich nicht mehr zum Essen ins Dorf, sondern aß die Reste meiner Brotzeit und ein paar Nüsse. Dazu gab es Tee und einen Apfel aus der Pensionsküche.

Fazit: 23 km, 7 Stunden (ohne Pausen) 380 m bergauf, 190 m bergab.
Die Seenlandschaft in der Innerschweiz lag hinter mir, aber nichts destotrotz führte der Jakobsweg immer noch durch eine herrliche Voralpenlandschaft. Leider war die Sicht nicht gut, daher entgingen mir manche Ausblicke z.B. zurück auf die Eisriesen der Berner Alpen und den Thuner See. Am Weg liegen schöne alte Holzhäuser und interessante Kirchen, besonders in Amsoldingen. Trotz insgesamt geringer Höhenunterschiede strengte mich das häufige Auf und Ab sehr an. Auch war mir die Strecke etwas zu lang, weil ich am Tag zuvor versehentlich drei Kilometer „eingespart“ hatte. Mit durchschnittlicher Fitness ist diese Etappe gut machbar.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #12

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Von Merligen nach Thun/Dürrenast

Am nächsten Tag hatte ich eine kürzere Etappe geplant, die mich nur bis kurz hinter Thun führen sollte. Am Vortag hatte ich mich nicht sehr fit gefühlt (siehe hier) und außerdem wollte ich mir am Nachmittag noch die Stadt Thun anschauen.

Morgens ging es zunächst einen knappen Kilometer zurück zum Frühstücken in ein Café, weil dieses in meiner Unterkunft nicht angeboten wurde. Bei der Gelegenheit schaute ich mir auch die örtliche Kirche an und stempelte meinen Pilgerpass.

Das Wetter hatte sich leider wie angekündigt verschlechtert. Dicke Wolken hingen fest über den Bergen und feiner Nieselregen sollte mich während der Wanderung häufiger begleiten.

Beim Start musste ich mich entscheiden, ob ich bis zum nächsten Ort Gunten dem Jakobsweg folgen und einen steilen bergauf- und bergabführenden Waldweg nehmen wollte oder auf dem Gehweg an der Seestraße bleiben wollte. Ich wollte mich schonen und blieb daher am Seeufer, was ich nicht bereute. Es herrschte zwar schon Verkehr auf der Uferstraße, dieser hielt sich allerdings am späteren Montagmorgen in Grenzen. Obwohl es ziemlich neblig war, konnte ich laufend über den Thuner See blicken und genoss die gedämpfte und mit einem Mal herbstliche Stimmung. Den pyramidenförmigen Berg Niesen konnte ich alllerdings nur erahnen und die Bergwelt des Berner Oberlands versteckte sich in den Wolken. Viele grandiose Bergblicke hatte ich in den letzten Tagen auf dem Schweizer Jakobsweg aber schon genießen dürfen. Außerdem regnete es zwar ein bisschen, war aber nicht kalt. Daher war ich nicht unzufrieden. Zum Fotografieren eignete sich das Wetter aber nur bedingt!

Dann traf ich wieder auf den Camino und es folgten mehrere kleine Auf- und Abstiege teils auf schmalen Pfaden durch den Wald aber auch über kleine Straßen durch Wohngebiete. Schön war es, dem Blätterrauschen im Wald bei Regen und Wind zu lauschen.

Gegen Mittag kehrte ich in Oberhofen in einer gemütlichen holzvertäfelten Wirtshausstube ein. Nach dem Verspeisen eines riesigen frischgebackenen Stücks Schoko-Nuss-Kuchen zum Cappuccino fühlte ich mich gut gerüstet zur Fortsetzung der Wanderung.

Weiter ging es ein Stück zur Kirche in Hilterfingen, die etwas oberhalb des Thuner Sees liegt. Danach führte der Camino zum Schloss Hünegg, einer von einem Berliner Architekten um 1860 erbauten Villa, und durch den ruhigen Hüneggpark mit wunderschönen alten Bäumen.

Bald war ich hinunter zur Seepromenade gegangen, der ich bis nach Thun folgte. Schon von weitem sah ich die Kirche Scherzlingen am anderen Seeufer.

Diese Kirche ist die älteste Gotteshaus in der Thunerseeregion. Der karolingische Turm stammt aus dem 9. , das romanische Schiff aus dem 10. Jahrhundert. Die Malereien wurden zwischen 1200 und 1600 gefertigt.
Quelle: Rother Pilgerführer, Schweizer Jakobswege

Allerdings war die Fähre, die mich direkt dorthin gebracht hätte, nicht in Betrieb, so dass ich dem Ufer bis zum Seeende folgen musste. Über eine alte Holzbrücke ging es dann zum Bahnhof und stadtauswärts am anderen Ufer entlang zur Kirche Scherzlingen.

Nach dem Kirchenbesuch hatte ich es nicht mehr weit zum Hotel, wo ich zunächst eine ausgedehnte Ruhepause einlegte.

Fazit:
15 km, 270 m Auf- und 200 m Abstieg, 4,5 Stunden reine Gehzeit.
Leichte Halbtagesetappe, sehr abwechselungsreich, bietet bei klarem Wetter sicher schöne Ausblicke über den See mit Bergpanoramen, sehr interessante Kirche Scherzlingen.

Am Nachmittag stieg ich direkt vor dem Hotel in den Bus und fuhr in die Stadt, wo ich durch die Altstadtgassen bummelte, etwas Proviant einkaufte und schließlich zum Abendessen beim Italiener ging.

Die Surfer an der Holzbrücke hatten sich offensichtlich nicht vom schlechten Wetter abhalten lassen. So wollte ich es auch halten, wenn ich den Jakobsweg am nächsten Tag fortsetzte. Nach einer Wetterbesserung sah es nämlich nicht aus.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #11

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Von Oberried (Ringgenberg) nach Merligen

In Oberried am Brienzer See verbrachte ich zwei Nächte. Bevor es auf dem Jakobsweg weiterging, legte ich einen wohlverdienten Ruhetag ein. Am späten Vormittag spazierte ich zum Bahnhof in Oberried und nahm den Zug, der mich in acht Minuten nach Interlaken-Ost brachte. Schon wieder herrschte schönes Sonnenwetter bei angenehmen Temperaturen!

In Interlaken erledigte ich einige Besorgungen. Die Stadt gefiel mir nicht so gut wie andere Schweizer Orte, die ich besucht hatte. Es gab viele Luxusläden mit Designermode, Schweizer Uhren etc., protzige Hotelpaläste und nur eine kleine Altstadt. Aber die Lage ist einfach traumhaft. Durch den Ort fließt die türkisfarbene Aare und mitten in der Stadt eröffnet sich ein wunderbarer Ausblick auf die schneebedeckten Viertausender Eiger, Mönch und Jungfrau.

Nach dem Mittagessen fuhr ich mit der Zahnradbahn auf den Hader Kulm, den Hausberg von Interlaken. Dort oben war es sehr voll, was verständlich war, weil das Landschaftspanorama, das vor allem die schon erwähnten Berge zeigt aber auch den Brienzer und den Thuner See, fantastisch aussieht. Nicht ganz wohl war mir in der vollgestopften Zahnradbahn, allerdings betrug die Fahrtzeit nur acht Minuten.

In Oberried ließ ich den Tag entspannt ausklingen. Beim Vespern in einer einfachen Wirtschaft mit Wurstsalat und Bier unterhielt ich mich mit meinem Zimmernachbarn aus dem B&B.

Panoramafoto bitte anklicken.

Am nächsten Morgen begab ich mich wieder auf den Camino. Mein gesundheitliches Problem hatte sich in den letzten Tagen zunnehmend bemerkbar gemacht. Nach einer durchwachten Nacht nahm ich am Morgen die erste Tablette der vorsorglich mitgenommenen Antibiotika.

Als ich losging, sah ich dass der angekündigte Wetterumschwung eingetreten war. Es war stark bewölkt, aber immerhin regnete es nicht.

Im Pilgerführer hatte ich gelesen, dass zwischen Oberried und Niederried ein langer Auf- und Abstieg anstand. Es handelte sich wohl wieder um einen Panoramaweg wie auf der Strecke von Brienz nach Oberried. Ausblicke auf den Brienzer See hatte ich schon reichlich genossen, also entschied ich mich spontan, mit dem Zug nach Ringgenberg zu fahren. Das verkürzte die mit 23 km angegebene Strecke nach Merligen um gut 5 km und die Wanderung um fast zwei Stunden.

In Ringgenberg besuchte die Kirche neben der Burgruine, wo ich mir wieder einmal einen Pilgerstempel holte und einen der letzten Blicke auf den Brienzer See warf.

Bald hatte ich Interlaken erreicht. Der Jakobsweg führte mich noch einmal an der Aare entlang. Dort brachen ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Eine zauberhafte Lichtstimmung!

Ich durchquerte die Stadt und ging in Richtung Thuner See. Die Berge Eiger, Jungfrau und Mönch waren nun fast von den Wolken verhüllt. Bei meinem Ausflug nach Interlaken am Vortag hatte ich unglaubliches Glück mit dem Wetter gehabt !

Weiter ging es am Aare entlang. Dann ging ich durch ein Naturschutzgebiet und erreichte bald den Thuner See. In Neuhaus legte ich eine Pause in einem Biergarten ein, es wurde mir aber bald zu kalt. Der Weg führte weiter am Seeufer bis zur Schiffsanlegestelle nach Sundlauenen, wo der Aufstieg zu den St. Beatus Höhlen begann. Über einen langen „imposanten Stufenweg musste ich nun kräftig an Höhe gewinnen“ (Beschreibung aus dem Pilgerführer).

Während der letzten Stunden war ich auf einer fast ebenen Strecke gelaufen, aber nun merkte ich, dass ich mich überhaupt nicht fit fühlte. Immer wieder blieb ich stehen, ließ mich auf fast jede Bank fallen und konnte den trotz des trüben Wetters noch schönen Ausblick nicht genießen .

An den Beatus-Höhlen herrschte am Sonntag ziemlich viel Betrieb. Die Höhlen, in denen der Heilige Beatus lebte, sind seit dem 13. Jahrhundert Wallfahrtsort und können besichtigt werden. Ich ging bis zum Eingang, verzichtete dann aber doch auf einen Besuch.

Hinter den Beatus Höhlen hatte ich einen angenehmen Weg hinunter nach Merligen erwartet. Allerdings galt es zunächst, einen riesigen Steinbruch durch einen weit aufwärts führenden Aufstieg zu umgehen. Danach folgte ein längerer aber leichter Abstieg durch einen dichten Laubwald nach Merligen. Ziemlich erledigt erreichte ich den Ort und bezog mein Quartier. Zu meiner großen Freude war ich in einem Gästehaus über dem Hotel untergebracht, das über eine steile Treppe zu erreichen war !

Fazit:
18 Km, 400 m Auf- und Abstieg, 6 Stunden (ab Oberried 23 Km, 520 m Auf- und Abstieg, 7-8 Stunden)

Lange, aber abwechselungsreiche Strecke, schöner Übergang vom Brienzer zum Thuner See. Anstrengender Aufstieg zu den Beatus-Höhlen, danach noch ca. 1,5 – 2 Stunden nach Merligen,

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.