Wöchentliche Fotochallenge „toll“/Weekly Photo Challenge „great“ #12

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Roland von Royusch-Unterwegs lädt uns in dieser Woche ein, Fotos zum Thema „toll“ zu posten

Roland nennt folgende Beispiele zur Bedeutung von toll

  • ungewöhnlich, unglaublich (eine tolle Geschichte)
  • großartig, prächtig (eine tolle Figur haben, eine tolle Frau, der Film war toll, die Mannschaft hat toll gespielt)
  • sehr groß, stark (eine tolle Hitze)
  • sehr (sich toll freuen, toll verliebt sein)
  • schlimm (sie trieben tolle Streiche)
  • ausgelassen und wild (in toller Fahrt ging es bergab)

und schließlich „Na toll“ (im Sinne von ärgerlich).

Genervt bin ich immer wieder gerne, deswegen habe ich mich für das folgende Bild entschieden.

The inn is closed from June 17-20. When open, they offer tasty cakes …

Von weitem sehe ich das handgeschriebene Schild, das mehrere Sorten Kuchen anpreist. Ein erfrischend säuerlicher Rhabarberkuchen mit einem Cappuccino wäre jetzt toll. Aber als Erstes bestelle ich ein großes Glas eiskaltes Wasser.

Es ist mein zweiter Tag auf dem Münchner Jakobsweg. Fühle mich besser als erwartet. Die Füße brennen nur ein bisschen, der Rücken verträgt den Rucksack ganz gut. Aber nun laufe ich schon stundenlang durch die brütende Sommerhitze. Nicht einmal ein leichter Windhauch ist auszumachen. Der Weg hat mich durch eine liebliche landwirtschaftlich geprägte Landschaft mit Feldern, Blumen und Obstbäumen geführt, aber auch über asphaltierte, kleine Straßen (ohne Autoverkehr) und nur ganz kurz durch einen schattigen Wald. Mein mitgebrachtes Trinkwasser hat inzwischen Körpertemperatur angenommen. Mindestens! Auf das im Pilgerführer beschriebene Gasthaus, eines der wenigen auf meiner Strecke, freue ich mich sehr.

Beim Näherkommen sehe ich zu meinem Schrecken, dass im Wirtshausgarten niemand sitzt und schon bestätigt sich mein Verdacht. Das Gasthaus ist geschlossen und zwar für vier Tage. Der Gastwirt hat den Feiertag mit dem Brückentag und dem Wochenende für eine Ruhepause genutzt. Scheinbar hat er den Verdienst durch Ausflügler nicht nötig !

„Na toll! Nun steh‘ ich hier und gucke ziemlich dumm!“ denke ich und lasse mich erschöpft und schweißgebadet auf die Bank fallen. Nach einer kurzen Ruhepause gehe ich weiter. Warmes Wasser stillt den Durst schließlich auch und Kaffee und Kuchen müssen eben bis Starnberg warten.

PS: Wie ihr sicher schon gemerkt habt, beschreibe ich eine Situation aus dem Sommer 2019. Nun, im April 2021, ist alles anders. Die Gasthäuser haben coronabedingt seit mehr als fünf Monaten geschlossen. Zum Wandern nimmt man eine Brotzeit mit und das Trinkwasser kommt in eine Thermosflasche. Wenn ich unterwegs ein geöffnetes Kiosk mit Kaffee und Kuchen entdecke, ist meine Freude riesengroß. Und die große Mehrzahl der Gastronomen wäre über jede Gelegenheit zur Öffnung mehr als dankbar. Ihnen und uns wünsche ich alles, alles Gute!

Und wie gut es mir damals ging! Nie wieder will ich mich über kleine Unpässlichkeiten beim Wandern aufregen, sondern für alles dankbar sein, das ich erleben darf. Wieder auf einer Gasthausterrasse mit schöner Aussicht bei Speis‘ und Trank sitzen zu können, das wird ganz toll.

Mehr über meine erste Etappe auf dem Jakobsweg von München nach Lindau könnt ihr hier nachlesen .

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.