Ausgebremst # 3: Münchner Westpark

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Jetzt wohne ich schon über 30 Jahre in München. Seit Corona habe ich meine Heimatstadt neu entdeckt und dabei viele Orte besucht, an denen ich nie zuvor war. Aber in den Westpark hat es mich noch nie verschlagen. Das mag daran liegen, dass ich ganz im Münchner Osten wohne. Aber wenn ich die Entfernung zu diesem Park z.B. mit meiner Reise nach Patagonien vergleiche, dann handelt es sich um den sprichwörtlichen Katzensprung (oder eher Mäusehüpfer ?).

Der Westpark in München wurde 1983 zur internationalen Gartenausstellung angelegt. Er ist nach dem Englischen Garten, Schlosspark Nymphenburg und dem Olympiapark der viertgrößte Park in München. Der Park ist in zwei Teile aufgeteilt (Westteil und Ostteil) und besitzt zwei Seen.

Vor allem im Westteil des Parks gibt es sehr viel zu entdecken, da hier nach der internationalen Gartenausstellung vieles erhalten blieb. So befindet sich dort das Ostasien-Ensemble mit seinen asiatischen Tempeln und Parkanlagen.

Quelle: https://www.dailytrip.de/ausfluege/westpark-muenchen-sehenswuerdigkeiten-park-muenchen/

Da ich gerade „ausgebremst“ bin, bot sich vor einer Woche ein kleiner Ausflug in die Gartenanlage an. Um meine noch „zickende“ Achillessehne zu schonen, würde ich meine Tour auf den Westteil des Parks beschränken. Ich parkte an der U-Bahn, die mich in einer knappen halben Stunde zur Station „Westpark“ brachte. Nach einem kurzen Spaziergang hatte ich die Grünanlage erreicht.

Am Westsee entlang ging ich zum Ostasien Ensemble. Ich schaute mir den Japanischen Garten an, ein Geschenk der Münchner Partnerstadt Sapporo. Die Anlage fand ich recht hübsch. Sie konnte aber mit den penibel gepflegten Gärten im Herkunftsland nicht mithalten. Wegen der Sommerhitze wirkte das Ensemble zudem leicht ausgedörrt.

Bald erreichte ich den farbenprächtigen thailändischen Pavillon Tempel, der mitten im Wasser steht und daher nicht betreten werden kann. Im Tempel befindet sich eine große Buddha-Statue. Definitiv ein Highlight, aber natürlich nicht ganz so prächtig wie die Tempel in Thailand z.B. in Bangkok.

Beim Blick über den See hatte ich schon die Nepalesische Pagode mit ihren wunderbaren Holzschnitzereien entdeckt, die von 300 nepalesischen Handwerkern in mühevoller Handarbeit geschnitzt und im Rahmen der internationalen Gartenausstellung nach München verschifft wurde. Kurios war, dass die Hohlräume der Pagode beim Transport nach München zum Schmuggel von 400 kg Haschisch genutzt wurden.
Quelle:
https://www.dailytrip.de/ausfluege/westpark-muenchen-sehenswuerdigkeiten-park-muenchen/

Nepal habe ich leider noch nicht besucht. Die Schnitzereien fand ich ausgesprochen schön. Mein Fernweh war geweckt. Aber dass ich es jemals nach Nepal schaffen werde, glaube ich nicht.

Auf der Suche nach einer Einkehrmöglichkeit lief ich am Ufer des Westsees entlang. Wie in allen Münchner Parks waren dort Wildgänse zur Plage geworden und hatten die Wiesen und das Gewässer verschmutzt.

Inzwischen war die Sonne verschwunden und dicke schwarze Wolken zogen auf. Mit dem Kaffeetrinken im Park wurde es dann leider nichts. Der Biergarten am Rosengarten war geschlossen und auf der Terrasse des daneben liegen Restaurants wollte man mich wegen des nahenden Gewitters nicht mehr bedienen. In die Innenräume konnte ich auch nicht gehen, weil dort eine Hochzeitsgesellschaft feierte.

Ich brach schnell wieder auf und erreichte die U-Bahn-Station, noch bevor das Gewitter kam. Erst als ich schon im Zug saß, fiel mir ein, dass ich auf dem Rückweg eigentlich noch den Chinesischen Garten besuchen wollte.

Fazit:
Das Ostasien Ensemble hat mir sehr gut gefallen, war eine tolle Chance einer kleinen Stippvisite durch vier faszinierende Länder. Gastronomisch fand ich den Westteil des Parks eher unattraktiv. Auch die Parkanlage bot im Vergleich zu den anderen großen Münchner Parks nichts Besonderes.

Der Ostteil des Parks soll die schönere Gartenlandschaft besitzen. Außerdem gibt es dort ein viel gelobtes Café am See, das „Gans am Wasser“. Den Ostteil möchte ich noch besuchen, am besten im Herbst, wenn die Blätter bunt gefärbt sind. Dann werde ich auch meinen Besuch im Chinesischen Garten nachholen. Das Laufen sollte dann hoffentlich kein Problem mehr sein.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

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Ausgebremst #2: in Ismaning

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Wie schon berichtet bin ich zur Zeit aus mehreren Gründen wenig mobil (Ausgebremst #1). Habe immer noch ein Rückenproblem (Auf dem französischen Jakobsweg: Yenne) und wegen meiner Achillessehnenentzündung kann ich nicht normal gehen. Nach ärztlicher Anweisung soll ich mich schonen. Aber immer nur schonen kann ich mich nicht. Mir ist es nicht gegeben, wochenlang zu Hause zu bleiben. Ich halte es eher mit Monaco Franze: „Ein bissl was geht immer.“ Seit es mir etwas besser geht, unternehme ich kleine Ausflüge ohne lange Gehstrecken. Dazwischen ruhe ich mich tagelang aus, weil ich möchte, dass bald alles wieder in Ordnung ist.

Eine meiner kleinen Fluchten führte mich in der letzten Woche nach Ismaning, eine Gemeinde im Norden des Landkreises München mit rund 17.500 Einwohnern. Der Ort soll schon im 6./7. Jahrhundert besiedelt gewesen sein.

Nach Ismaning fuhr ich am Nachmittag eine kurze Strecke mit der S-Bahn (17 Minuten ab Ostbahnhof). Da kamen gleich nostalgische Gefühle auf. Der Ort liegt an der Strecke zum Münchner Flughafen, den ich seit fast drei Jahren nicht mehr betreten habe.

Vom Bahnhof spazierte ich leicht hinkend zum historischen Ortskern, vorbei am Schloss (beherbergt das Rathaus und kann nicht besichtigt werden) und dann in den Schlossgarten. Dort gefiel mir das tiefe Grün der Vegetation und besonders das LichtHaus. Ich setzte mich ein paar Minuten lang in das bunte Glashaus und freute mich über die farbigen Durchblicke zum Schlossmuseum und in den Park.

Im Kallmann Museum im Schlosspark schaute ich mir die sehr sehenswerte Ausstellung „Kaleidoskop Expressionismus – vom Aufbruch in die Moderne zur NS-Verfemung Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider“ an. Besonders interessant fand ich, dass neben den bekannten Expressionisten auch zahlreiche Werke unbekannter oder vergessener Künstler gezeigt werden. Natürlich darf man in einem kleinen Museum keine großformatigen Gemälde erwarten, aber die gezeigte Auswahl, darunter viele Druckgrafiken, ist doch beachtlich.

Danach schlenderte ich noch etwas durch den Park. Ich schaute kurz im Schlosspavillon vorbei, wo eine kleine Ausstellung zum 40jährigen Bestehen der dortigen Galerie gezeigt wurde.

Auf dem Rückweg folgte ich der idyllischen Promenade am Seebachufer. Schon auf dem Hinweg hatte ich mir eine Kaffeepause im denkmalgeschützten „Gasthof zur Mühle“ mit Biergarten und altem Baumbestand vorgemerkt. Leider wurde dort neben dem obligatorischen Apfelstrudel mit Eis und Vanillesauce (Ist für mich nicht mehr so attraktiv, seit ich in Bayern wohne, genau wie Leberkässemmel, Hax’n und ähnliche Spezialitäten), überhaupt kein Kuchen angeboten, so dass ich wieder aufbrach. Schließlich fand ich ein kleines Café an der Hauptstraße, wo ich auf einer sonnigen Terrasse Platz nahm und zum Cappuccino sogar noch das letzte (!) Stück Himbeerkuchen serviert bekam.

Nachfolgend zeige ich einige Impressionen. Die Bilder aus der Ausstellung kann ich aus Gründen des Urheberschutzes leider nicht publizieren. Der Austellungsflyer auf der Webseite des Kallmann Museums zeigt aber eine gute Auswahl.

Fazit:
Ismaning ist ein sympathischer Ort mit historischen Gebäuden und idyllischem Weg am Seebach. Im Kallmann Museum, dem Schlosspavillon und dem Schlossmuseum werden Wechselaussstellungen gezeigt. Die Ständige Sammlung des Schlossmuseums beleuchtet die Lokalgeschichte und dürfte eher für Einheimische interessant sein.

Es lohnt sich, einige Stunden in Ismaning zu verbringen. Nicht nur für Ausgebremste!

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Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino: Genf/Geneva

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Auf dem Schweizer Jakobsweg stand noch eine kurze Etappe bis zur Grenze mit Frankreich an. Aber zunächst wollte ich mir Genf anschauen und erst am folgenden Tag eine gemütliche Abschiedstour auf dem Camino zurücklegen (Bericht folgt).

Ein französisches Frühstück mit Cappuccino, frischem Orangensaft und Croissant schmeckte mir sehr gut und reichte aus. Schließlich würde ich nicht stundenlang wandern. Vom Hotel in der Nähe des Bahnhofs gelangte ich schnell zum Quai de Montblanc am Seeufer, wo ich die Touristeninformation besuchte. Von dort sah ich schon, dass das Wahrzeichen der Stadt, der Jet d’eau, in Betrieb war. Bei meiner Ankunft in Genf war das nicht der Fall gewesen.

Der sehr nette Herr in der Touristeninformation erklärte mir, das der Springbrunnen regelmäßig um 10 Uhr angestellt aber bei zu viel Wind abgeschaltet wird, weil die 140 Meter hohe Wasserfontäne sonst zu gefährlich sei. Das fand ich einleuchtend, aber im Laufe meines Aufenthaltes fiel mir auf, dass der Jet d’eau immer nur vormittags sprudelte, obwohl es nachmittags nicht windiger zu sein schien. Eventuell doch eine Sparmaßnahme?

Es herrschte schönes aber noch recht diesiges Sonnenwetter. Den Mont Blanc, der hinter dem Genfer See aufragt, konnte ich nicht sehen. Der Angstellte erklärte mir genau, an welcher Stelle ich nach dem Berg Ausschau halten musste, wenn es aufklarte. Mit einer sehr informativen und schönen Karte versehen begab ich mich auf die Stadttour. Ich ging über die Brücke und lief am östlichen Seeufer entlang, um mir den Jet d’eau aus der Nähe anzuschauen. Unterwegs sah ich ein Nest mit Schwaneneiern (die Vogeleltern waren in der Nähe, ließen sich aber nicht gut fotografieren).

Auf dem weiteren Weg sah ich wunderschöne Enten, die in dem klaren Seewasser schaukelten.

Den Jet d’eau fotografierte ich immer wieder. Je näher ich der Fontäne kam, desto imposanter sah sie aus. Im La Rade Hafen schoss der Jet d’Eau mit ungeheurer Wucht in die Höhe. Dort wurde es mit dem Fotografieren schwieriger, weil an dieser Haupttouristeninformation ständig jemand durch das Bild lief. Und zu nah durfte man auch nicht kommen, sonst „regnete“ es.

Ich spazierte noch eine ganze Weile auf der Seepromenade in Richtung Norden. Hinter dem Strandbad bog ich links ab in das Viertel Eaux-Vives. In dem Wohn- und Geschäftsviertel gefiel es mir sehr gut. Es gab keine total überteuerten Designer Läden, wie ich sie in der Rue du Rhône nach meiner Ankunft in Genf gesehen hatte, sondern viele kleinere Geschäfte und gemütliche Cafés. Das Wohn- und Geschäftsviertel Eaux-Vives wirkte wesentlich authentischer.

Nach einer Kaffeepause setzte ich die Stadterkundung fort. Vorbei an der russischen Kirche (trotz Allem schön!) erreichte ich ein idylllisches und ruhiges Wohnviertel mit wundervollen Türen und dann die im Bastiones Park gelegene Reformationsmauer. Das Denkmal wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Die monumentalen Steinstatuen zeigen die Reformatoren Jean Calvin, Guillaume Farel, Théodore de Bèze und John Knox, die Hauptakteure der Genfer Reformation. Ich fand das Denkmal, obwohl es die Männer zeigt, die Genf zum „protestantischen Rom“ machten, etwas überdimensioniert. Schön war aber, wie die Leute den Ort zur Erholung, zu Sport und Spiel und für die Mittagspause nutzten.

Panoramafoto bitte anklicken

Nach einer ausgiebigen Mittagspause im Hotel fuhr ich mit dem Bus in das Internationale Viertel, in dem zahlreiche internationale Organisationen ihren Sitz haben. Vor dem Palais des Nations, dem europäischen Sitz der UNO, steht der Broken Chair. Er erinnert an das Schicksal der Opfer von Landminen, verbunden mit dem Aufruf an die Staatengemeinschaft, sich für das Verbot von Streubomben einzusetzen. Zur Veranschaulichung steht der Broken Chair auf nur drei Beinen, während das 4. Bein auf halber Höhe abgebrochen ist.
Quelle: https://www.myswitzerland.com/de-de/erlebnisse/staedte-kultur/kunst-kultur/kunst/broken-chair

Am Broken Chair fand eine Demonstration zur Befreiung von Kurdenführer Öcalan statt. Der Palast der Nationen war ebenso wie der Völkerbundpalast in der Nähe geschlossen. Eine Besichtigung ist nur mit einer vorgebuchten Führung möglich. Nicht einmal ein kleines Stück in den Garten des Völkerbundpalastes wollte mich der Sicherheitsdienst lassen …

Den restlichen Nachmittag verbrachte ich am westlichen Ufer des Genfer Sees. Nun spazierte ich über die Promenade La Perle de Lac, auf der ich auf dem Jakobsweg die Genfer Innenstadt erreicht hätte, wenn ich nicht mit dem Zug gefahren wäre (Auf dem Schweizer Jakobsweg #22). Und nun zeigte sich endlich der Mont Blanc, der sich meinem Blick wegen des schlechten Wetters während meiner Pilgerwanderung tagelang verweigert hatte. Ein wahrhaft fantastischer Anblick, ich war begeistert!

Zur Feier dieses Ereignisses ließ mich auf einer schönen Caféterrasse am Seeufer nieder, gönnte mir ein Erdbeertörtchen zum Cappuccino und freute mich, dass ich es doch noch geschafft hatte, den Berg zu sehen.

Auf dem Rückweg schaute ich eine Karikaturenausstellung mit originellen Beiträgen zum Krieg in der Ukraine und zur Situation von Flüchtlingen an. Wieder einmal kam ich mir unendlich privilegiert vor.

Schließlich entdeckte ich noch das Sisi-Denkmal, das unweit der Stelle errichtet wurde, an der die österreichische Kaiserin 1898 von einem Anarchisten ermordet wurde.

Fazit:
Ein wunderbarer Tag bei schönstem Sonnenwetter: Genf hat weit mehr zu bieten als edle Designerboutiquen und Sterne Gastronomie. Die Stadt wird allerdings neben Zürich auch als die teuerste Schweizer Stadt bezeichnet …

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Auf dem Schweizer Jakobsweg/On the Swiss Camino: Lausanne

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Nachdem ich am Vortag ziemlich erschlagen in Lausanne angekommen war ( Schweizer Jakobsweg/Swiss Camino #19), freute ich mich sehr auf meinen Ruhetag.

Ganz so schön wurde es dann doch nicht. Ich hatte mich beim Wandern erkältet und fühlte mich ziemlich angeschlagen. Um Corona handelte es sich aber nicht, Fieber und Halsweh hatte ich nicht und auch keine weiteren Symptome.

Praktisch war, dass es bei Hotelübernachtungen in Lausanne die Karte für den Öffentlichen Nahverkehr kostenlos dazu gibt. Bei meiner Stadtbesichtigung konnte ich so viele Wege sparen und mich wirklich schonen. Morgens fuhr ich mit dem Bus zum Bahnhof und lief von dort in die Altstadt. Zunächst musste natürlich die Kathedrale besucht werden. Am Eingang traf ich die zwei Pilgerinnen aus der Oberpfalz wieder, mit denen ich mich auf dem Weg nach Lausanne unterhalten hatte. Sie waren tatsächlich bis in die Stadt gelaufen, hatten aber den Abstieg, der immer wieder von Aufstiegen unterbrochen wurde, äußerst anstrengend gefunden. Deswegen würden sie nach dem Besuch der Kirche mit dem Zug bis Rolle fahren. So sparten sie eine sehr schöne Etappe aus, die größtenteils am See entlang führt, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Beim Betreten der Kathedrale verabschiedeten wir uns und wünschten uns einen guten Weg.

Die Kirche, das bedeutendste Bauwerk der Schweiz aus dieser Epoche, beeindruckte mich durch die prächtigen Fensterrosette und reichlich verzierte Portale, aber das Innere wirkte hauptsächlich als hohes Raumerlebnis, während die Ausstattung der reformierten Kirche sich erneut als recht karg erwies.

Danach drehte ich eine gemütliche Runde um die Kirche und schaute mir die Altstadtbauten an. Auf einer Bank machte ich es mir gemütlich und genoss die Aussicht über die Stadt.

Danach ging ich zum Palud Platz im Zentrum der historischen Altstadt an. Dort steht immer noch das im 7. Jahrhundert erbaute Rathaus. Der Brunnen auf dem Platz mit der Justitia- Statue ist der älteste Brunnen der Stadt. Ich muss gestehen, dass ich die Altstadt von Lausanne nett fand, aber in der Schweiz schon viel Schöneres gesehen hatte. In Luzern hatte es mir so gut gefallen (Luzern 1, Luzern 2), dass es seitdem jede andere eidgenössische Stadt schwer hatte.

Als ich den Brunnen fotografierte, stellte ich außerdem mit Schrecken fest, dass der Monitor meiner kleinen Panasonic Kamera, die ich auf Rucksackwandersungen mitnehme, schwarz blieb, wenn ich sie einschaltete. Ich fotografierte mit dem winzigen Sucher, durch den ich als Brillenträgerin fast nichts sehe. Am Nachmittag stellte ich dann fest, dass ich den Kopf der Gerechtigkeitsstatue abgeschnitten hatte. Das Foto des Rathauses geriet auch nicht gerade gut, aber wenigstens ein Foto des Palud Platzes möchte ich zeigen.

Auf dem Platz befindet sich aber ein schönes Café, wo ich es mir auf der windgeschützten Terrasse mit Apfeltörtchen und Cappuccino bequem machte. Ich scrollte durch viele Menuepunkte konnte aber das Kameraproblem nicht lösen. Wenn ich das Gerät hin und her drehte, kam manchmal die Monitoransicht wieder, verschwand aber gleich wieder. Nach und nach sollte ich herausfinden, dass ich das Objektiv beim Einschalten nach unten gekippt halten und dann sehr vorsichtig aufrichten musste, damit der Monitor nicht dunkel wurde. Das war natürlich äußerst mühsam und führte dazu, dass ich die Kamera, wenn der Bildschirm nach einer falschen Bewegung wieder verschwand, sehr oft aus- und wieder anschalten musste. Warum ich in Lausanne nicht sofort ein Fotogeschäft aufgesucht habe, weiß ich nicht. Wahrscheinlich dachte ich, dass ich das Problem selbst lösen kann. Auch schreckte mich an diesem Tag, an dem ich mich nicht so wohl fühlte, die Aussicht auf ein Fachgespräch über Kameraprobleme auf Französisch. Wie ich zu Hause in meinem Kamerabuch sehr schnell feststellen sollte, hatte ich versehentlich etwas verstellt und zwar nicht über das Menue sondern durch die Festlegung einer Funktionstaste, die ich nie benutzte !

Nach dem Kaffeetrinken nahm ich die U-bahn nach Ouchy an das Ufer des Genfer Sees. Meine letzte Fahrt mit diesem Verkehrsmittel war alles andere als angenehm verlaufen (Auf dem Schweizer Jakobsweg #19). Ich vertraute aber zu recht darauf, dass ich nicht sofort wieder eine Störung erleben würde. Nach kurzer Zeit gelangte ich zum See, den ich noch nicht besucht hatte. Die richtige Stimmung wollte bei mir nicht jedoch nicht aufkommen. An diesem Morgen war es sonnig aber extrem diesig, so dass die Berge kaum zu sehen waren. Außerdem gab es an der Seepromenade um diese Jahreszeit viele Betonflächen und nur wenig Vegetation. Am kleinen Yachthafen konnte ich aber das Chateau d’Ouchy und das Hotel Beau Rivage bewundern.

Am Seeufer entlang spazierend erreichte ich das Musée Olympique des IOK. Die Ausstellungen besuchte ich nicht, aber im Park des Museums gefiel es mir richtig gut. Die Organisation hatte keine Kosten und Mühen gescheut. Werke berühmter Künstler, z.B. von Botero, Niki de St. Phalle und Eduardo Chillida, wurden wunderbar in Szene gesetzt präsentiert.

Auf dem Seeuferweg lief ich bis zum Thailändischen Pavillion, ein Geschenk des thailändischen Königs an die Stadt Lausanne aus dem Jahr 2005.

In der Nähe benutzte ich eine Busverbindung nach Pully, wo ich mir im Musée de Pully eine kleine aber feine Ausstellung (La Belle Époque de l’Art Nouveau) anschaute. Gezeigt wurden Plakate, Zeitschriften und Drucke berühmter Künstler darunter Jules Chéret, Edvard Munch, Pierre Bonnard, Alphonse Mucha, Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die idyllische Lage von Pully, einem Nachbarort von Lausanne, in den Weinbergen über dem See und die kleine Altstadt gefielen mir sehr gut.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich im Hotel und ruhte mich aus. Am Abend reichte es gerade noch zu einem frühen Essen beim Inder um die Ecke. Danach sank ich erschöpft in die Federn.

Fazit:
Beim Pilgern auf der Via Jacobi Lausanne zu besichtigen, ist meiner Meinung nach nicht unbedingt erforderlich, aber mir persönlich haben die Abwechslung und die Entspannung gut getan. Wer sich für die Olympischen Spiele interessiert, sollte das Museum besichtigen.

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Lübeck lohnt sich/Worthwhile trip to Lübeck #3

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Nachdem ich die Hansestadt Lübeck bisher nur im schönsten Sonnenschein gesehen hatte (siehe Lübeck #1 und Lübeck #2 ) , stellte ich am Morgen des dritten Tages fest, dass das vorhergesagte schlechte Wetter eingetroffen war. Es war sehr diesig, Nebel hing in Tröpfchen in der Luft und ließ die rot-braunen Backsteingebäude viel dunkler erscheinen. Das musste das berüchtigte norddeutsche „Schietwetter“ sein.

Nach einem ausgedehnten Frühstück begab ich mich ein bisschen widerwillig auf eine weitere Runde durch die Lübecker Altstadt. Zunächst ging es zur St. Petri Kirche, wo ich mit dem Lift auf die Aussichtsplattform fuhr. Leider herrschte nicht das beste Wetter für diese Unternehmung, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Die Fernsicht, die bis zur Ostsee gehen sollte, war nicht vorhanden. Auch zog es oben auf dem Turm ganz gewaltig. Es war feucht kalt, richtig eisig. Aber ich konnte die hohe Marienkirche und das Rathaus endlich ohne stürzende Linien und die auf dem Marktplatz aufgebauten Weihnachtsmarktbuden ablichten. Auch die Sicht auf den Dom und das nahe Holstentor gefielen mir sehr. Allerdings begab ich mich sofort wieder nach unten, nachdem ich in alle Richtungen fotografiert hatte.

Als ich die Kirche verließ, regnete es. Schnell ging ich zum Dom. Ich wählte den Weg durch die Mitte der Altstadtinsel, der wesentlich kürzer war, als derjenige am Ufer der Trave, wo ich am Vorabend herumgeirrt war.

Der Lübecker Dom war der erste große Backsteinkirchbau an der Ostsee und mit fast 132 Metern Länge eine der längsten Backsteinkirchen. 1173 wurde der Lübecker Dom von Heinrich dem Löwen gestiftet und 1247 geweiht.
Quelle: Wikipedia

Im Inneren schaute ich mir das Triumphkreuz und den Lettner mit der Kirchenuhr von Bernt Notke aus dem 15. Jahrhundert sowie die gotischen Flügeraltäre an und schlenderte in aller Ruhe durch die Kirche. Ein bisschen grauste es mir davor, nach draußen ins Naßkalte zurück zu kehren. Bald bemerkte ich, dass sich die anderen Kirchenbesucher ebenfalls ungewöhnlich lange umsahen.

Bei diesem Wetter half nur noch ein Museumsbesuch. Vom Dom war es nicht weit zum Museumsquartier St. Annen. Aber zunächst musste ich durch das „Fegefeuer“ gehen !

Das Lübecker Museumsquartier St. Annen befindet sich in den Gebäuden des ehemaligen St. Annenklosters. Es umfasst neben dem St. Annen-Museum die Kunsthalle St. Annen. In der 2003 eröffneten Kunsthalle schaute ich mir eine Ausstellung moderner Kunst an. Gezeigt wurde Kunst nach 1945 aus den Sammlungen der Kunsthallen Lübeck und Rostock. Interessant war es, die unterschiedlichen Kunstströmungen aus dem Osten und dem Westen zu vergleichen.

Danach folgte ein richtiggehendes Kontrastprogamm. Ich schaute mir sakrale Kunst des Mittelalters an, die in den Klostergebäuden präsentiert wird. Das St. Annen Museum verfügt über die größte Anzahl mittelalterlicher Flügelaltäre in Deutschland. Viele stammen aus Lübecker Kirchen. Die in den Kreuzgewölben wunderbar präsentierte Sammlung fand ich sehr beeindruckend, auch wenn diese Kunstrichtung nicht gerade mein Fall ist. Sehr gut gefiel mir aber der Passionsaltar von Hans Memeling vom 1491.

Danach ging es weiter in eine kleine Sonderausstellung über den Lübecker Maler Hans Kemmer, der Meisterschüler von Lucas Cranach dem Ältere gewesen sein soll, mit einem sehenswerten Vergleich der Gemälde beider Künstler.

Es folgten gefühlte 20 Themenräume mit Rats-, Zunft- und Kirchensilber, alten liturgischen Gewändern, Beispielen zur Lübecker Wohnkultur etc. Obwohl das für sich durchaus interessant war, strich ich nun die Segel. Meine Aufnahmefähigkeit war erschöpft.

Als ich das Museum verließ, regnete es nicht mehr. Es hatte sich sogar etwas aufgehellt. Durch die südliche Altstadt ging ich zum Traveufer. Die St. Petri Kirche war aus dem Nebel aufgetaucht, nun konnte ich sie fotografieren. Ich schlenderte zurück zum Hotel, wo ich mich eine Stunde lang ausruhte.

Um 15 Uhr startete ich wieder, um das berühmte Café Niederegger zu besuchen. Lübeck ist die deutsche Marzipanstadt und das vor 200 Jahren gegründete Café des Marzipanfabrikanten Niederegger ist die Institution. Direkt gegenüber dem Rathaus werden unendlich viele Marzipanspezialitäten verkauft. Im Laden im Erdgeschoss herrschte ein ziemlicher Andrang, so dass ich schnell in den ersten Stock hinauf ging, wo sich das Kaffeehaus befindet. Es war gut besucht, aber längst nicht so überlaufen wie ich befürchtet hatte. Eine sehr freundliche, unaufgeregte Kellnerin brachte mir ein Stück Marzipan-Nusssahne-Torte und einen Café Crème. Marzipan mag ich gerne, normalerweise würde es mir aber nicht auf dem Kuchen schmecken, wäre mir zu süß und zu fett. Dieses Kuchenstück war gar köstlich, sehr frisch und schmackhaft und das Marzipan zerging auf der Zunge !

Anschließend ging ich noch kurz durch das kleine Marzipanmuseum im Niederegger, wo die Geschichte des Marzipans und des Hauses Niederegger dargestellt wird.

Vorbei am Lübecker Marzipanspeicher, wo die Süßigkeit ebenfalls erworben werden kann, ging ich zurück zu meiner Unterkunft.

Abends war ich noch so gut gesättigt, dass ich mir nur ein leckeres Fischbrötchen von einer Imbissbude holte. Später setzte ich mich in die Hotelbar, wo ich beim Bier relaxte, Tagebuch schrieb und den nächsten Tag plante. Ich würde in den 20 Km entfernten Lübecker Vorort Travemünde fahren und dort zweimal übernachten. Auf das Spazierengehen am Meer freute ich mich schon sehr. Nach zwei Jahren !

Die Wettervorhersage war nicht gut, es sollte auch regnen. Zur Not würde ich die Ostsee eben bei Wind und Wetter genießen. Das alles etwas anders kam, werde ich berichten (Lübeck-Travemünde lohnt sich #4).

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Lübeck lohnt sich/Worthwhile trip to Lübeck #2

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Am vorherigen Tag war ich nachmittags in Lübeck angekommen und hatte einen ersten Stadtrundgang unternommen (Lübeck lohnt sich #1). Nun lachte wieder die Sonne. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Zu Hause war es seit Wochen neblig grau gewesen. Allerdings wurde eine Verschlechterung des Wetters in Lübeck vorausgesagt, also musste ich den heutigen Tag für eine ausgedehnte Stadtbesichtigung nutzen.

Vom Hotel ging ich über die Trave in die Altstadt und schaute mir zunächst einige der zum Unesco Welterbe gehörenden Gänge an.

Der Wohnraum innerhalb der Stadtmauern wurde schon ab dem 13. Jahrhundert knapp. Daher brachen geschäftstüchtige Kaufleute und andere findige Hausbesitzer zumeist schmale Gänge durch die Vorderfronten ihrer Häuser und bauten winzige einstöckige und oft fensterlose “Buden” in ihre Hinterhöfe. Diese vermieteten sie an Bedienstete, Tagelöhner, kleine Handwerker und einfache Seeleute mit ihren Familien. Es existieren noch etwa 90 Gänge. Die meisten sind öffentlich zugänglich. Die kleinen, liebevoll restaurierten Ganghäuschen sind heute begehrter Wohnraum im Herzen der Stadt.
Quellen: Wikipedia und Lübeck Tourismus

Als ich vor dem Hellgrünen Gang stand, der von der Straße Engelswisch abzweigte, zweifelte ich an der öffentlichen Zugänglichkeit. Der Eingang war dermaßen niedrig, dass ich nur stark gebückt durchgehen konnte. Allerdings entdeckte ich später, dass es noch einen anderen Zugang von der Untertrave gab, über eine ganz normale, wenn auch ziemlich schmale Gasse.

Hinter dem Eingang befindet sich ein sehr idyllisches Viertel mit gepflegten Häuschen und winzigen Plätzen. Die Gebäude stammen größtenteils aus dem 18. Jahrhundert.

An der Straße „Engelsgrube“ liegt ein weiteres Gängeviertel. Dort schaute ich mich im Bäckergang um.

Danach war ich bereit für eine Ruhepause im Café, wo ich mir einen Cappuccino und ein Franzbrötchen gönnte. Es handelt sich um ein Plunderteilchen aus Norddeutschland, das mit Zucker und Zimt gefüllt ist und zu meinen Lieblingskuchen zählt. Als ich vor Jahren in einem Bistro in El Calafate im südlichen Patagonien auf ein Teilchen zeigte, um es zu bestellen, antwortete die Kellnerin tatsächlich „Franzbrötchen?“ Ich war begeistert! Schmeckte allerdings nicht so gut wie in der Heimat.

Nun stand eine Kirchenbesichtigung an.

Die Sankt Jakobikirche ist die Kirche der Seefahrer aber auch Pilgerkirche, weil sie an der Via Baltica liegt, einem Jakobsweg, der von Swinemünde nach Osnabrück führt.

Die St. Jakobikirche wurde im 14. Jahrhundert gebaut. Neben bedeutenden Kunstschätzen wie dem spätbarocken Altar und mittelalterlichen Wandmalereien an den Pfeilern befindet sich dort das Rettungsboot des Segelschulschiffs Pamir, das 1957 unterging. Von 86 Passagieren konnten nur sechs gerettet werden. Neben dem Schiff sind die Namen der 80 Ertrunkenen eingemeißelt.
Quelle: Reise KnowHow City Trip Lübeck

Nachdem ich mich umgeschaut hatte, holte ich mir am Informationsstand spaßeshalber noch einen Pilgerstempel für meinen Reiseführer und unterhielt mich mit dem netten älteren Herren am Informationsstand. Er bestätigte mir, was ich schon geahnt hatte. In der gesamten Fußgängerzone in der Altstadt galt Maskenpflicht im Freien, es durfte aber auch eine medizinische Maske sein. Diese besorgte ich mir am Nachmittag tatsächlich, um sie draußen zu tragen. So beschlug meine Brille etwas weniger und ich sah wenigstens halbwegs, wohin ich ging.

Als ich aus der Kirche trat, sah ich das Haus der Schiffergesellschaft, in dem sich ein historisches Lokal mit von den Decken hängenden Schiffsmodellen befindet. Das Essen soll sehr gut sein. Leider habe ich es nicht geschafft, dort während meines Lübeck Aufenthalts zu essen. Vielleicht beim nächsten Mal …

Danach wollte ich das Heiligen-Geist-Hospital anschauen, eine der Top-Sehenswürdigkeiten von Lübeck, aber es war geschlossen, weil im Hof gerade ein weiterer Weihnachstmarkt aufgebaut wurde.

Nach einem Spaziergang durch das Burgtor schaute ich noch am Hafen vorbei. Unterwegs gab es wieder wunderschöne Backsteinhäuser zu sehen, die im Sonnenschein in warmen Farbtönen glänzten. Habt ihr schon gewusst, dass die Norddeutsche Backsteingotik ihre Existenz dem Mangel an geeignetem anderen Baumaterial verdankt ?

Im Europäischen Hansemuseum verbrachte ich eineinhalb lehrreiche Stunden.

Die Hanse war eine zwischen der Mitte des 12. Jahrhunderts und der Mitte des 17. Jahrhunderts bestehende Vereinigung hauptsächlich norddeutscher Kaufleute, zur Sicherung der Schiffspassagen und zur Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen, besonders im Ausland. Sie war auch auf politischem und kulturellem Gebiet ein wichtiger Faktor.
Quelle: Wikipedia

Im Museum wurde das gesamte Umfeld der Hanse in Lübeck, Brügge, Nowgorod und an weiteren Orten dargestellt. Außerdem konnte man mit einem Chip in der Eintrittskarte an den meisten Stationen noch weitere Informationen abrufen. Die Ausstellung fand ich sehr interessant, aber ich erlebte einen Overkill an Informationen. Jedes der dargestellten Teilgebiete hätte einen eigenen Museumsbesuch gerechtfertigt. Eine Führung wäre ideal gewesen, wurde aber an meinem Besuchstag leider nicht angeboten. Gegen Ende der Präsentation wurden dann noch die großen Pestwellen im Mittelalter und ihre verheeren Auswirkungen auf die Gesellschaft dargestellt, wobei mich natürlich nicht Alles aber doch Einiges an die gegenwärtige Pandemie erinnerte. Die drei Pestwellen im 14. Jahrhundert, die ganz Europa durchzogen, dauerten übrigens jeweils vier bis sechs Jahre (!).

Nachdem ich mich im Museumscafé des Behnhaus Drägerhaus erholt und einen leckeren Bagel mit Lachs verspeist hatte, war ich halbwegs fit für den Museumsbesuch. Die zwei Kaufmannshäuser aus dem 18. Jahrhundert sind prächtig mit zeitgenössischen Möbeln eingerichtet. Wandfriese, Plastiken und Gemälden können bewundert werden. Zudem gibt es dort noch eine Gemäldegalerie mit Bildern aus dem 19. und 20. Jahrhundert und eine Sonderausstellung. Dazu kommt derzeit noch die Ausstellung über Thomas und Heinrich Mann, die aus Buddenbrockhaus verlagert wurde, weil dieses Gebäude gerade saniert wird. Das Behnhaus Drägerhaus ist ein sehr sehenswertes Museum, aber man sollte richtig viel Zeit für den Besuch mitbringen!

Als ich bemerkte, dass um kurz nach 15 Uhr schon die Dunkelheit hereinbrach, legte ich einen Zahn zu. Ich wollte unbedingt noch einen Blick in den Füchtingshof in der Glockengießergasse werfen.
Die Höfe beruhen häufig auf Stiftungen wohlhabender Lübecker Bürger. Der Ratsherr Johann Füchting bestimmte 1636 ein Drittel seines Erbes „zum Nutzen und Besten der Armen“. Als Gegenleistung erbat sich der Stifter das Gebet nach seinem Ableben. Das sollte ihm dann einen „guten Platz im Himmel“ sichern. Noch heute sind 28 Wohnungen günstig an Pensionärinnen, oftmals auch Witwen und Lübecker Kaufleute, vermietet.
Quelle: Hansestadt Lübeck

Abschließend ging ich noch am Dom in der südlichen Altstadt vorbei, aber nun war es stockdunkel und die Kirche war geschlossen. Irrte dann noch etwas in der nicht gut beleuchteten Umgebung herum und kam schließlich nach einem straffen Besichtigungsprogramm und dem stundenlangen Maskentragen ziemlich erschöpft zurück ins Hotel.

Lübeck hatte mir dennoch sehr gut gefallen. Allerdings nahm ich mir vor, es am nächsten Tag etwas ruhiger angehen zu lassen.

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Stempel sammeln auf Japanisch Collecting stamps in Japan

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Nach der Besichtigung der japanischen Tempel und Schreine legte ich immer mein, in einem der ersten Tempel gekauftes, Siegelbuch (goshuinchō (御朱印帳) vor. Es dient zum Sammeln von goshuin (御朱印). Goshuin bedeutet auf Japanisch „rotes Siegel“ und ist ein dekorativer Stempel den Tempel und Shinto Schreine zur Erinnerung an einen Besuch anbieten.

In Japan kann man so auch die Stationen einer Pilgerfahrt oder -wanderung dokumentieren, aber für mich war das Buch das perfekte Japansouvenir. Jedes Goshuin wird gegen eine geringe Gebühr von einem Mitarbeiter des besuchten Ortes blitzschnell mit einer handgeschriebenen Kalligrafie und den kunstvollen Stempeln der jeweiligen religiösen Stätte versehen sowie mit dem Datum des Besuchs. Jeder Eintrag ist ein Unikat. Wunderschön !

Abends vermerkte ich im Siegelbuch immer das besuchte Heiligtum, weil ich die japanischen Schriftzeichen nicht lesen konnte und den Überblick nicht verlieren wollte. Nach ein paar Tagen studierte ich ein Einlegeblatt, auf dem die Bedeutung der Kalligrafie und der Siegel erklärt waren, und stellte fest, dass ich bis dahin die Seiten auf dem Kopf stehend betrachtet und beschriftet hatte!

Weitere Informationen und Fotos zum Sammeln von Goshuin bietet: The Complete Guide to The Goshuin Trend.

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Lübeck lohnt sich! Worthwhile trip to Luebeck #1

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Ende November 2021 unternahm ich eine Kurzreise nach Lübeck, wie schon berichtet (Auf nach Norden: Lübeck) . Dort waren die Corona Inzidenzwerte wesentlich niedriger als in München (in Lübeck am 22.11.2021: unter 200, Stand am 15.01.2022: 896) und ich wollte mich dort freier bewegen, z.B. ohne einen zusätzlichen Test Museen besuchen. Außerdem plante ich, nach Lübeck-Travemünde zu fahren, um nach zwei Jahren das Meer wiederzusehen.

Am Nachmittag des 22. November begab ich mich gleich nach dem Einchecken im Hotel auf eine erste Runde durch die Stadt. Die Sonne stand schon ziemlich tief, tatsächlich ging sie eine gute halbe Stunde früher unter als zu Hause in München, und ich musste mich beeilen, wenn ich noch etwas bei Tageslicht sehen und fotografieren wollte.

Zunächst spazierte ich zum berühmten Holstentor.

Das Holstentor ist ein Stadttor, das die Altstadt der Hansestadt Lübeck nach Westen begrenzt und 1487 erbaut wurde. Es ist das Wahrzeichen der Stadt. Das spätgotische Gebäude gehört zu den Überresten der Lübecker Stadtbefestigung. Das Holstentor ist neben dem Burgtor das einzige erhaltene Stadttor Lübecks.
Quelle: Wikipedia

Das Holstentor fand ich sehr wuchtig, etwas plump, aber es sah doch schön altehrwürdig aus. Auch die rotglänzenden und dunklen Backsteinziegel des Bauwerks gefielen mir. Ziemlich perplex war ich, als ich meine Fotos bearbeitete und feststellte, dass ich das Tor nicht gerade ausrichten konnte. Schließlich las ich, dass das Gebäude auf einer künstlichen Aufschüttung steht und dass es für den Untergrund zu schwer ist. Daher sackte der Südturm leicht schräg ab und im Laufe der Jahrhunderte sank das Bauwerk immer tiefer, so dass die untersten Schießscharten sich nun unter der Erde befinden (!).
Quelle: City Trip Lübeck, Reise Know-How

Weitere Fotos des Holstentors habe ich im obengenannten Post gezeigt.

Hinter dem Tor überquerte ich die Trave und gelangte bald in die Altstadt. Dort ging es recht geschäftig zu, was nicht nur mit der Haupteinkaufsgegend um die Breite Straße zu tun hatte, sondern auch mit dem an diesem Tag eröffneten Weihnachtsmarkt. In Bayern waren sämtliche Weihnachtsmärkte wegen Corona sehr kurzfristig untersagt worden. Im weniger betroffenen Lübeck traute man sich noch, allerdings unter strikten Vorgaben. Wie ich bald feststellen sollte, herrschte in der gesamten Fußgängerzone eine Maskenpflicht im Freien und der Zugang zum Hauptteil des Weihnachtsmarktes auf dem Platz hinter dem Rathaus war rundherum abgesperrt. Der Zugang war nur mit 2 G Nachweis (geimpft oder genesen) möglich. Ich hatte nicht vor, den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Schon in normalen Zeiten bin ich kein Fan vom Glühweintrinken und fettigem Essen in der Kälte, so dass ich mir den Besuch wegen des Ansteckungsrisikos gerne schenken wollte.

Zunächst ging ich durch das Hauptportal des Rathauses an der Breite Straße und dann am Zaun entlang, um das prächtige, ab dem 13. Jahrhundert errichtete Rathausgebäude zu fotografieren, das gerade von der untergehenden Sonne auf das Schönste angestrahlt wurde. Bald musste ich feststellen, dass der gesamte Platz durch den Weihnachtsmarkt eingenommen wurde. Also zeigte ich meinen Impfausweis und den Personalausweis vor. Beides wurde eingescannt und dann durfte ich den glücklicherweise gerade kaum besuchten Weihnachtsmarkt betreten. Auf dem Marktplatz war es ziemlich eng und dann standen auch noch die Buden beim Fotografieren im Weg! Aber den schönen Blick auf die Gebäude konnte ich trotzdem genießen und die Fotos können dies zumindest ansatzweise vermitteln.

Nachdem mein Fotostop erledigt war, verließ ich sogleich den Weihnachtsmarkt. Das Rathaus wollte ich später mit einer Führung besuchen. Recht schnell stellte ich fest, das auch die Marienkirche, die mir als Nächstes anschauen wollte, nur über den Weihnachtsmarkt zugänglich war. Also zurück zu einem anderen Zugang, wo ich wieder alles vorzeigen musste.

Die Lübecker Marienkirche wurde von 1277 bis 1351 erbaut. Die Lübecker Markt- und Hauptpfarrkirche befindet sich auf dem höchsten Punkt der Lübecker Altstadtinsel. Sie ist Teil des UNESCO-Welterbes Lübecker Altstadt und eine der größten Backsteinkirchen der Erde. St. Marien gilt als „Mutterkirche der Backsteingotik“ und als ein Hauptwerk des Kirchenbaus im Ostseeraum.
Quelle: Wikipedia

Das Innere der Kirche, die eine Museumskirche ist und 4 Euro Eintritt kostete, sah leider gerade wie eine großen Baustelle aus. Hauptwerke der Kirchenausstattung, wie das Kruzifix von Gerhard Marcks von 1959 als auch die berühmte astronomische Uhr waren durch hohe Gerüste größtenteils verdeckt. Auch war mir im Reiseführer nicht aufgefallen, dass die Kopie des im 15. Jahrhundert gemalten Totentanzzyklus im 2. Weltkrieg zerstört wurdee und dass nur noch einige Photos an den Wänden der Totentanzkapelle zu sehen sind. Allerdings gab es dort noch zwei schöne zeitgenössische Glasfenster zum Thema Totentanz von Alfred Mahlau und das halbrunde Fenster von Markus Lüpertz.

Nachdem ich die Hauptsehenswürdigkeiten angeschaut hatte, ging ich noch eine Runde durch die Kirche und bewunderte die schiere Größe des Bauwerks, das aber gleichwohl nicht bombastisch sondern gerade zu leicht in die Höhe strebend wirkte. Die einsetzende Dunkelheit und die spärliche Beleuchtung des Kircheninneren erzeugten eine geradezu magische Stimmung.

Vom ersten Stadtrundgang in Lübeck erholte ich mich in einem Café, an dem ich schon mehrmals vorbeigegangen war. Die Champagnertorte schmeckte mir ausgezeichnet, aber durch den Cappuccino hatten sie nur einige wenige Bohnen geschossen. Aber das passte schon, zum Kaffeetrinken war es für mich schon recht spät …

Nach dem Abendessen traute ich mich sogar noch in die Hotelbar, wo ich gemütlich beim Bier saß und den nächsten Tag plante. Ich war gespannt, wie sich Corona entwickelte und ob ich meine Reise wie geplant verwirklichen konnte.

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Corona Reisejahr 2021 / Corona Travel Year 2021 #2

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In der ersten Jahreshälfte 2021 hatte ich einige Ausflüge unternommen, ging zum Wandern, hatte Schlossparks, Museen und Münchner Stadtviertel besucht (Corona Reisejahr 2021 #1) , aber Verreisen war „dank Corona“ erst im zweiten Halbjahr möglich.

Rucksackreise in Bayern

Endlich vollständig geimpft traute ich mich Ende Juni wieder Öffentliche Verkehrsmittel in größerem Umfang zu benutzen und im Hotel zu übernachten. Mit dem Rucksack wanderte ich vier Tage im Bayerischen Voralpenland von Bernried am Starnberger See über Kochel nach Mittenwald, benutzte für einzelne Strecken aber auch Bus und Bahn.

Am ersten Tag, auf der Strecke am Starnberger See und an den Osterseen bis nach Kochel, sah das Wetter bedrohlich aus, glücklicherweise regnete es nicht (Wieder auf Reisen 1).

Starnberger See Seeshaupt Bayern

Das Highlight war meine Wanderung am folgenden Tag von der Kesselberg Paßhöhe auf den Herzogstand bei sehr schönem Wetter mit traumhaften Aussichten. Nur auf dem Gipfel bewölkte es sich vorübergehend (Wieder auf Reisen 2).

Auf dem Buckelwiesenweg von Wallgau nach Mittenwald genoss ich wunderschöne Landschaftseindrücke. Auf dem schattenlosen Weg setzte mir allerdings die Sommerhitze zu.

Am letzten Tag wanderte ich auf den Mittenwalder Hausberg, den Kranzberg, mit fantastischen Ausblicken in Bergwelt.

Wandern in der Fränkischen Schweiz

Ende Juli hatte H. ebenfalls den vollständigen Impfschutz erreicht. Das nutzten wir für eine Woche Wanderurlaub in der Fränkischen Schweiz, die sich in Bayerns Norden befindet (s. ab hier: Ferien in der Fränkischen Schweiz 1).

Wir unternahmen kürzere und längere Tageswanderungen, schauten uns eine Wallfahrtskirche, Burgen, eine Höhle, sowie Fachwerkhäuser an und bewunderten die typischen Felsformationen. Danach erholten wir uns in unserer gemütlichen Pension beim köstlichen und sehr vielfältigen Kuchenangebot und beobachten die Ziegenherde an einem steilen Felsen direkt gegenüber .

Schweizer Camino von Konstanz nach Brunnen

Anfang August war die Zeit reif für die Fortsetzung des Jakobswegs in der Schweiz. Trotz bescheidener Wetteraussichten machte ich mich auf den Weg. In der Schweiz stiegen die Coronazahlen stetig. Anfang August betrug die 7-Tage-Inzidenz August schon über 70, was damals als hoch galt. Ich wollte aber die Pilgerwanderung in der Schweiz nicht schon wieder verschieben wie im Jahr 2020.

Zwar gab es dann Tage mit viel Regen und mancher schöne Ausblick entging mir, aber das Pilgern durch die wunderbare Schweiz mit ihren liebvoll restaurierten Häusern, den vielen Kapellen, dem Weg, der über historische Pilgerpfade führte, war möglich und gefiel mir sehr. Auch blieb es an einigen Tagen trocken, wurde sogar richtig schön (Näheres: Auf dem Schweizer Jakobsweg #1 bis #6 ). Zum Abschluss gönnte ich mir einen Tag in der Traumstadt Luzern.

Leipzig, Quedlinburg und Eisenach

In Ostdeutschland waren die Inzidenzen Ende August relativ niedrig, in Leipzig lag sie z.B. unter 30. Daher begab ich mich auf die schon seit längerer Zeit geplante Städtereise. Der Sommer war wirklich verregnet im letzten Jahr. Zwei Tage verbrachte in jeder Stadt und an einem schüttete es jeweils! Trotzdem war ich sehr beeindruckt vom reichen kulturellen Erbe der besuchten Orte.

In Leipzig sah ich die Schauplätze der Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 und bewunderte den Mut der Bevölkerung, der zum Ende des DDR Regimes führte (s. Street Art Mural). Auch die vielen sorgfältig restaurierten historischen Gebäude begeisterten mich.

In der Welterbestadt Quedlinburg konnte ich Stiftskirche mit dem Quedlinburger Domschatz, die Altstadt mit Kirchen, Stadtmauer und über 1300 Fachwerkhäusern aus mehreren Jahrhunderten besuchen.

Ganz oben auf meiner Liste hatte die Welterbestätte Wartburg in Eisenach gestanden. 1521/22 hielt sich der Reformator Martin Luther als „Junker Jörg“ hier versteckt und übersetzte während dieser Zeit das Neue Testament der Bibel ins Deutsche. Im Lutherhaus in Eisenach wurde die Bibelübersetzung anschaulich und interaktiv vermittelt. Man konnte sogar einzelne Passagen an den Bildschirmen mitübersetzen (natürlich nur mit Einmalhandschuhen). Im 16. Jahrhundert exitierte keine einheitliche, hochdeutsche Sprache nur viele verschiedene Dialekte. Durch Luthers Bibelübersetzung wurde die Heilige Schrift nicht nur zugänglicher für die breite Bevölkerung sondern Luther legte die Grundlage für die deutsche Standardsprache (Wartburg und Luther).

Schweizer Jakobsweg von Brunnen nach Fribourg

Das Pilgern auf dem Schweizer Jakobsweg im August hatte mir so gut gefallen, dass ich den Weg in Brunnen am Vierwaldstätter See Anfang Oktober fortsetzte. Zunächst zögerte ich noch, weil sich die Corona Infektionen in der Schweiz wieder auf relativ hohem Niveau bewegten, aber als sie im Oktober leicht gesunken waren und ich las, dass genau auf die Maskenpflicht geachtet wurde und in jeder Unterkunft und allen Restaurants 3G galt, was streng kontrolliert wurde, zögerte ich nicht mehr.

In neun Tagen lief ich auf dem Camino bis nach Fribourg. Einen Ruhetag verbrachte ich am Brienzer See und einen weiteren nach dem Jakobsweg humpelnd in Fribourg. Über meine Erlebnisse, die vielen Höhen und wenige Tiefpunkte habe ich ausführlich berichtet (beginnend: Auf dem Schweizer Jakobsweg #7). Auf dem Schweizer Jakobsweg möchte ich in diesem Jahr über Lausanne und Genf bis zur Schweizer Grenze weiter ilgern, am liebsten im Frühjahr, wenn es Corona zulässt.

Im November stiegen die Inzidenzzahlen in Bayern immer weiter. Einzelne Gebiete, welche die Schwelle von 1000 erreicht hatten, mussten in den Lockdown gehen, und in München lag die Zahl bei 720, mit steigender Tendenz. Dazu kam, dass für alle Freizeitangebote, also auch für Museen und Kinos, 2 G plus (Zugang nur für Geimpfte oder Genesene mit aktuellem Test) galt. Ich beschloss, Corona ein Stück weit auszuweichen und unternahm eine Kurzreise nach Lübeck und Travemünde in Norddeutschland, wo die Inzidenzwerte mit unter 200 vergleichsweise moderat waren.

Was ich dort erlebte, werde ich noch berichten. Nur soviel: ich verliebte mich in die Backsteingotik der Welterbe Stadt Lübeck, besuchte sehr interessante Museen und naschte vom berühmten Lübecker Marzipan. In Travemünde konnte ich nach zwei Jahren endlich wieder am Meer spazieren gehen, ein auch bei trübem Herbstwetter wunderschönes und berührendes Erlebnis.

Fazit:
2021 war ein besonderes aber trotzdem sehr ereignisreiches und schönes Reisejahr für mich. Die meisten Ziele suchte ich dann auf, wenn es coronabedingt günstig war. Der vollständige Impfschutz und mein Rentnerinnenstatus ermöglichten mir das. Weil ich mich viel an der frischen Luft aufhielt und mich eher etwas strenger als erforderlich an die Coronamaßnahmen hielt, fühlte ich mich auch sicher.

Alle Orte hatte ich schon länger aufsuchen wollen und es gefielt mir ausnahmslos sehr gut. Obwohl es stimmt, dass es in Deutschland und in den Nachbarländern unendlich viel Wunderbares zu sehen und zu erleben gibt, hoffe ich doch sehr, dass bald wieder Auslandsreisen in weiter entfernte Länder möglich werden. Europäische Länder würden mir schon reichen …

Abschließend danke ich euch, meinen treuen Lesern und Followern, für euer stetiges Interesse an meinen Reiseberichten und das immer sehr nette Feedback. So macht das Schreiben von Blogposts richtig Spaß!

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Corona Reisejahr 2021 / Corona Travel Year 2021 #1

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Das Jahr begann wie das alte aufgehört hatte: im Lockdown. Die Infektionszahlen wollten nicht sinken und am 14. Januar 2021 meldete das RKI die Höchstzahl von 1244 Corona-Toten in 24 Stunden in Deutschland.

Kontaktbeschränkungen galten, die meisten Läden waren geschlossen, in der Gastronomie gab es Essen nur zum Mitnehmen. All das war notwendig, aber alles andere als erfreulich.

Wann wir einen Impftermin ergattern würden, stand noch in den Sternen. Vor uns, den über 60jährigen, mussten die Hochbetagten und die besonders Gefährdeten mit dem knappen Impfstoff versorgt werden.

In dieser Situation fuhr ich nicht mit Öffentlichen Verkehrsmitteln, unternahm aber lange Spaziergänge in „unserem“ Wald und in den Parks, die ich zu Fuß erreichen konnte, dem Riemer See und dem Ostpark in München.

Als ich mich Ende Januar dem Coronakoller näherte, weil die Infektionszahlen wieder einmal stagnierten, nahm ich mir vor, einmal in der Woche ein sicheres Ausflugsziel aufzusuchen. Das bedeutete weitgehend mit dem Pkw zu fahren, die U-bahn nur etwa zehn Minuten lang zu benutzen und oft an der frischen Luft zu sein.

Als Einstieg ins Frischluftvergnügen wählte ich einen warmen Wintertag Anfang Februar für die Beendigung des Münchner Jakobswegs. Am Westufer des Ammersees Anfang holte ich die Strecke von Utting nach Riederau nach. Nun war ich bereit für die Fortsetzung auf dem Schweizer Jakobsweg!

Die Museen waren weiterhin geschlossen, aber Outdoor-Kunst gab es glücklicherweise auch zu sehen. Als Nächstes unternahm ich einen Ausflug nach Wasserburg am Inn, wo ich bei eisig kaltem aber sonnigem Winterwetter einen zauberhaften Spaziergang auf dem Skulpturenweg am Innufer und durch die größtenteils geschlossenen Altstadt unternahm.

Eine Woche später unternahm ich einen Ausflug nach Dachau. Dort spazierte ich durch die Amperauen und ging hinauf zum Dachauer Schloss mit traumhaftem Blick auf die mehr als 100 km entfernten Alpen. Die Dachauer Altstadt präsentierte sich allerdings wegen der vielen geschlossenen Läden als sehr verlassen.

Bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen begab ich mich eine Woche später nach Murnau am Staffelsee. Zum Einstieg in meine Wandersaison hatte ich mir den rund sechs Kilometer langen „Drachenstichrundweg“ mit geringen Höhendifferenzen ausgesucht, wo ich nicht nur mit meinem anderen Ich kämpfte, der überaus pessismistischen Inga II, sondern auch den ersten Ausflug in der vorfrühlingshaften Berglandschaft sehr genoss. In der Murnauer Altstadt waren die Bänke besetzt, die Leute tranken Kaffee To Go, schleckten Eis und ratschten. Es herrschte eine ganze andere Stimmung als in Dachau bei kälteren Temperaturen.

Anfang März spielte ich in meiner Heimatstadt München Touristin. Da weiterhin alle Sehenswürdigkeiten geschlossen waren, blieben mir nur Besichtigungen im Freien. Nach einer kurzen U-Bahnfahrt von fünf Minuten besuchte ich nach 30 Jahren in München endlich den Nobelvorort Alt-Bogenhausen mit seinen prächtigen Jugendstilhäusern und Gründerzeitvillen. Im Mai setzte ich das Programm durch eine Tour zu den Jugendstilvillen in München-Schwabing (Jugendstil in Schwabing) fort.

Mit meiner neuen Kamera, die ich nach einer Terminvereinbarung im Fotogeschäft hatte kaufen können, ging ich als Nächstes auf Fototour durch den Arnulfpark, ein neues Stadtviertel in München mit Wohn- und Bürogebäuden, Kultureinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und einem Park auf dem Gelände des ehemaligen Münchner Containerbahnhofs.

Nachdem Ende März endlich wieder einmal ein schöner Sonnentag vorhergesagt wurde, spazierte ich rund um Aschau im Chiemgau auf dem Kapellenweg durch eine verschneite Berglandschaft.

Zwischenzeitlich hatte die Ministerpräsidentenrunde zwar Lockerungen der Coronamaßnahmen beschlossen, einen Stufenplan, der größtenteils an sehr niedrige Inzidenzzahlen von unter 50 bzw. bis 100 gekoppelt war. Da die Coronazahlen aber weiterhin stiegen beschloss die Bundesregierung am 23.3.2021 einen strengen Osterlockdown vom 01. bis zum 5.4.2021.

Nur einen Tag später hörte ich auf dem Heimweg von Aschau im Radio, dass der beschlossene Osterlockdown wieder zurückgenommen wurde. Begründet wurde das damit, dass die Umsetzung der Maßnahmen so kurzfristig nicht möglich sei. Warum hatte man sich das denn nicht vor der Beschlussfassung überlegt ?

Von Ende März bis Ende April unternahm ich mehrere Wanderungen in der Nähe von Bad Gögging durch die Kultur- und Auenlandschaft an der Donau . Bei Essing (Kehlheim) waren einige Höhenmeter zurückzulegen, aber bei den weiteren Wanderungen (Flachlandwandern in Bayern, Flachlandwandern in Bayern 2, Römerwanderung bei Bad Gögging) stand für mich die Bewältigung von steigenden Streckenlängen im Vordergrund.

Ab Ende März war es endlich soweit, die Museen in München sperrten wieder auf. Bei einer Inzidenz von über 50 bis unter 100 waren Besuche mit vorheriger Ticketbuchung möglich. Soweit ich mich erinnere, mussten die Münchner Museen ein paar Tage später wegen gestiegener Inzidenzen wieder schließen, um dann bald erneut zu öffnen (Die armen Mitarbeiter!).

Ich besuchte zunächst die neu renovierte Glyptothek, das sehr sehenswerte Museum für Griechische und Römische Skulpturen. Das Museumscafé, eines meiner Lieblingskaffeetempel, war aber natürlich noch geschlossen. Dann kehrte ich in die Alte und die Neue Pinakothek sowie das Lenbachhaus zurück. Schließlich schaute mich erstmals im MUCA um, dem Street Art Museum (s. auch meinen Beitrag zur Münchner Street Art und dem Bogenhausener Friedhof), und ein Besuch in der Fotoausstellung „Erwin Olaf“ in der Hypo-Kunsthalle durfte auch nicht fehlen. Wieder einmal Kunst genießen zu dürfen, war wunderschön. Das ein oder andere Freudentränchen habe ich dabei vergossen.

Schon lange hatte ich vor, die Schlossanlage Schleißheim im Münchner Norden zu besuchen. Die Gebäude waren coronabedingt geschlossen, aber ein Spaziergang durch den großzügigen Schleißheimer Schlosspark und eine Runde durch den Wald waren Ende April doch möglich. Es gefiel mir ausnehmend gut, nur die Gartenanlage wirkte noch etwas kahl. Meinen Plan im Sommer oder Herbst wieder zu kommen, habe ich bisher nicht umgesetzt.

Danach hatte ich richtig Lust auf einen weiteren barocken Schlosspark und Landschaftsgarten und begab mich nach Schloss Nymphenburg . Inzwischen hatte ich die erste Impfung bekommen, daher traute ich mich, mit der U-bahn und der Straßenbahn 30 Minuten lang zu fahren. An diesem Tag herrschte schönes Wetter, aber es war sehr windig. Das vermittelte mir eine ganz besondere Sicht auf den bekannten Ort (Nymphenburg: Stürmischer Tag im Schlosspark ).

Nicht vergessen möchte ich, dass Mitte Mai die Gastronomie wieder öffnete und damit der von den Münchnern und von uns sehnlichst erwartete Biergartenbesuch möglich wurde. Zu Beginn war das Wetter allerdings noch etwas frisch …

Eine idyllische Genusswanderung unternahm ich Ende Mai auf dem Isar-Erlebnispfad in Krünn bei Mittenwald.

Im Juni wagte ich mich an eine erste Bergwanderung (Hoch auf den Hirschberg) und teste meine Fitness auf einem Anstieg von 900 Höhenmetern. Wieder debattierten Inga I und Inga II lebhaft. Ich musste einsehen, dass ich nicht fit war, geschafft hatte ich es aber trotzdem und darauf war ich ziemlich stolz. Und der Ausblick vom Gipfel war eine Wucht!

Nachdem ich Ende Juni den vollständigen Impfschutz erlangt hatte, konnte wieder mit „richtigen“ Reisen beginnen, davon wird im nächsten Beitrag die Rede sein. Bis dahin stöbert doch gerne in den verlinkten Posts.

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