Flachlandwanderung in Bayern/Flat country hiking in Bavaria

For translation please use the Google Translate Button!

Der Monat April machte seinem schlechten Ruf alle Ehre. Wie schon im März mussten wir mit häufigen Schnee- und Graupelschauern rechnen, was unsere Situation im Lockdown nicht gerade erleichterte. Für Freitag letzter Woche waren Temperaturen von 8 bis 12 Grad sowie Sonne und Wolken angekündigt. Und es sollte trocken bleiben. In den Alpen würden viel niedrigere Temperaturen herrschen, daher entschied ich mich für eine weitere Wanderung bei Bad Gögging (zu meiner letzten Wanderung im Altmühltal siehe hier). H. nahm mich wieder mit, aber dieses Mal ging ich direkt im Ort los. Ich hatte mich für eine Kombination der zwei Kurzwanderungen Neustadt- und Goldau-Runde entschieden und wollte so etwa zwölf Kilometer zurücklegen.

Ein Blick in den Wandervorschlag verriet mir, dass es sich keineswegs um eine Bergwanderung handeln würde. Die Auen- und Moorlandschaft in der Nähe von Bad Gögging bei der Altmühl und der Donau ist völlig eben. Aber dass die Strecke sich als dermaßen flach erweisen würde, hatte ich mir doch nicht vorgestellt. Winzige Höhenunterschiede konnte ich nur dann zurücklegen, wenn ich den Hochwasserdamm, auf dem die Strecke größtenteils verlief, verließ um mir Etwas anzuschauen.

Aber nun zu meiner Wanderung:
Von Bad Gögging ging ich entlang der Neustadt-Runde auf dem Hochwasserdamm. Die Landschaft zeigte sich fast noch winterlich. Auf den Hopfenfeldern wuchsen noch keine Pflanzen und die Rankhilfen für den Hopfen, die Holzstangen und Drähte, wirkten ausgesprochen kahl. Nur in Flußnähe war zartes Grün auf den Wiesen und den Sträuchern zu sehen.

Nach einem guten Kilometer erreichte ich das Tiergehege am Kögelhaufen, das in einem Auenwaldgebiet liegt. Zwar grasten dort einige Hirsche, den ich mich aber nicht nähern konnte, weil der Zugang als Privatweg ausgewiesen und gesperrt war.

Um es kurz zu sagen, meine Begeisterung für diese Wanderstrecke hielt sich, vor allem zu Beginn, in Grenzen. Um die herbe, fast winterliche Schönheit der Umgebung zu erkennen, musste man sehr genau hinschauen. Mir fehlte auch die Abwechslung durch Waldstücke. Als Radtour konnte ich mir die ebene Strecke eher vorstellen. Schön war dagegen, dass ich auf der gesamten Strecke nur wenigen Personen begegnete. So beschloss ich, die kühle, frische Luft zu genießen und die Wanderung als dringend notwendige Fitnessübung zu betrachten.

Bald erreichte ich die Abzweigung zur Goldau-Runde. Aber vorher legte ich einen Abstecher zur nahegelegenen Donau ein. Diese Donaubrücke hatte ich schon mehrfach mit dem Auto überquert und mir immer wieder vorgenommen, das Ufer zu besuchen. Am Fluss setzte ich mich auf einen angeschwemmten Baumstamm und nahm eine kleine Brotzeit ein. Als die Sonne herauskam, verwandelte sich der Fluss kurz in die vielbesungene, blaue Donau.

Die Goldau-Runde ist nach dem Naturschutzgebiet Goldau benannt. Hier verlaufen großteils verlandete Altarme der Donau in einem naturnahen Sumpfgebiet. Diese Etappe hatte ich mir ein bisschen wilder vorgestellt, aber es lief sich sehr angenehm oben auf dem Dammweg, der auch gute Ausblicke auf die Umgebung bot. Außer mir waren nur einige wenige Spaziergänger unterwegs und überall zwitscherten Vögel. Unterwegs sah ich einen Hasen, der mit großen Sprüngen über die Wiesen floh. Das war wie ein verspätetes Ostergeschenk, auch wenn ich es nicht schaffte, den flinken Meister Lampe zu fotografieren. Kurz danach begegneten mir zwei Rehe, von denen ich eines noch halbwegs ablichteten konnte, bevor die Tiere mit riesigen Sätzen über den Damm sprangen und verschwanden. Zusammen mit den zwei Rehen, die mir während der letzten Wanderung bei Essing begegnet waren, handelte es sich um meinen Rekord an Wildtiersichtungen in Deutschland. Rehe hatte ich nur sehr selten und dann mit großem zeitlichen Abstand gesehen.

Auf einer kleinen Brücke überquerte ich einen Weiher mit Wasservögeln. Danach verließ ich das Naturschutzgebiet und lief in einem Bogen zurück, zunächst nach Neustadt an der Donau.

Im Ort begegneten mir zum ersten Mal an diesem Tag viele Menschen. Am Ende der Goldau-Runde konnte ich aber gleich wieder auf den Rückweg der Neustadt-Runde einbiegen, die mich um die Altstadt herum an den Resten der Alten Stadtmauer entlang führte. Hier sah es schon recht frühlingshaft aus, was ich als sehr wohltuend empfand. Auch die Sonne ließ sich wieder einmal blicken. Normalerweise wäre ich nun einen Kaffee in Neustadt trinken gegangen, aber ich hatte keine Lust, mich ins Zentrum und damit unter Leute zu begeben. So nahm ich nur schnell die Pfarrkirche St. Laurentius auf und ging gleich weiter nach Bad Gögging.

Die letzte Etappe kannte ich von früheren Spaziergängen und Joggingrunden. Sie führt durch eine Moorlandschaft, die im Frühling oft noch unter Wasser steht. So war es auch an diesem Tag. Mir gefiel dieser Abschluss sehr.

12 km, 9 Hm (!), 3,5 Stunden ohne Pausen

Wieder in Bad Gögging begab ich mich unverzüglich zur Eisdiele im Kurzentrum. Zu einem köstlichen Eis schlürfte ich einen rabenschwarzen Espresso. Mit meiner Wanderung war ich schließlich recht zufrieden.

Fazit:
Wenig frequentierte Wanderung, für Moor- und Flußauenliebhaber, mit viel frischer Luft, sehr flach (so stelle ich mir Wandern in der Norddeutschen Tiefebene vor !), gute, mittellange Strecke. Die Wanderung lässt sich um weitere 5 km durch die Badesee-Runde nach Mauern erweitern. Zum Baden sollte man im Sommer besser mit dem Fahrrad fahren, da es nur sehr wenig Schatten gibt.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Wöchentliche Fotochallenge „toll“/Weekly Photo Challenge „great“ #12

For translation please use the Google Translate Button !

Roland von Royusch-Unterwegs lädt uns in dieser Woche ein, Fotos zum Thema „toll“ zu posten

Roland nennt folgende Beispiele zur Bedeutung von toll

  • ungewöhnlich, unglaublich (eine tolle Geschichte)
  • großartig, prächtig (eine tolle Figur haben, eine tolle Frau, der Film war toll, die Mannschaft hat toll gespielt)
  • sehr groß, stark (eine tolle Hitze)
  • sehr (sich toll freuen, toll verliebt sein)
  • schlimm (sie trieben tolle Streiche)
  • ausgelassen und wild (in toller Fahrt ging es bergab)

und schließlich „Na toll“ (im Sinne von ärgerlich).

Genervt bin ich immer wieder gerne, deswegen habe ich mich für das folgende Bild entschieden.

The inn is closed from June 17-20. When open, they offer tasty cakes …

Von weitem sehe ich das handgeschriebene Schild, das mehrere Sorten Kuchen anpreist. Ein erfrischend säuerlicher Rhabarberkuchen mit einem Cappuccino wäre jetzt toll. Aber als Erstes bestelle ich ein großes Glas eiskaltes Wasser.

Es ist mein zweiter Tag auf dem Münchner Jakobsweg. Fühle mich besser als erwartet. Die Füße brennen nur ein bisschen, der Rücken verträgt den Rucksack ganz gut. Aber nun laufe ich schon stundenlang durch die brütende Sommerhitze. Nicht einmal ein leichter Windhauch ist auszumachen. Der Weg hat mich durch eine liebliche landwirtschaftlich geprägte Landschaft mit Feldern, Blumen und Obstbäumen geführt, aber auch über asphaltierte, kleine Straßen (ohne Autoverkehr) und nur ganz kurz durch einen schattigen Wald. Mein mitgebrachtes Trinkwasser hat inzwischen Körpertemperatur angenommen. Mindestens! Auf das im Pilgerführer beschriebene Gasthaus, eines der wenigen auf meiner Strecke, freue ich mich sehr.

Beim Näherkommen sehe ich zu meinem Schrecken, dass im Wirtshausgarten niemand sitzt und schon bestätigt sich mein Verdacht. Das Gasthaus ist geschlossen und zwar für vier Tage. Der Gastwirt hat den Feiertag mit dem Brückentag und dem Wochenende für eine Ruhepause genutzt. Scheinbar hat er den Verdienst durch Ausflügler nicht nötig !

„Na toll! Nun steh‘ ich hier und gucke ziemlich dumm!“ denke ich und lasse mich erschöpft und schweißgebadet auf die Bank fallen. Nach einer kurzen Ruhepause gehe ich weiter. Warmes Wasser stillt den Durst schließlich auch und Kaffee und Kuchen müssen eben bis Starnberg warten.

PS: Wie ihr sicher schon gemerkt habt, beschreibe ich eine Situation aus dem Sommer 2019. Nun, im April 2021, ist alles anders. Die Gasthäuser haben coronabedingt seit mehr als fünf Monaten geschlossen. Zum Wandern nimmt man eine Brotzeit mit und das Trinkwasser kommt in eine Thermosflasche. Wenn ich unterwegs ein geöffnetes Kiosk mit Kaffee und Kuchen entdecke, ist meine Freude riesengroß. Und die große Mehrzahl der Gastronomen wäre über jede Gelegenheit zur Öffnung mehr als dankbar. Ihnen und uns wünsche ich alles, alles Gute!

Und wie gut es mir damals ging! Nie wieder will ich mich über kleine Unpässlichkeiten beim Wandern aufregen, sondern für alles dankbar sein, das ich erleben darf. Wieder auf einer Gasthausterrasse mit schöner Aussicht bei Speis‘ und Trank sitzen zu können, das wird ganz toll.

Mehr über meine erste Etappe auf dem Jakobsweg von München nach Lindau könnt ihr hier nachlesen .

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.


Entspanntes Wandern bei Essing Relaxing hike around Essing

For translation please use the Google Translate Button !

Im März herrschte bei uns tagelang schauriges Aprilwetter mit Schnee- und Graupelschauern. Für Mittwoch letzter Woche wurde endlich wieder Sonnenschein mit Temperaturen bis zu 20℃ angekündigt. Das musste ich zum Wandern nutzen, zumal es über Ostern erneut ungemütlich werden sollte. In den Bergen wollte ich nach der Schlechtwetterperiode lieber nicht wandern. H. nahm mich nach Bad Gögging bei Kehlheim mit. Zu meinem Wanderziel Essing im Altmühltal fuhr ich noch knapp 20 km weiter.

Kaum hatte ich geparkt, da wurde mir klar, dass die im Wanderprospekt (ohne Höhenprofil) angegebenen 253 Höhenmeter auf ein Mal und zwar entlang der steil aufragenden Felsen zu absolvieren waren.

Frohgemut machte ich mich auf den Weg. Durch den lichten Wald schien die Sonne auf den steilen aber trockenen Pfad. Bald musste ich, heftig schnaufend, zwei Lagen Kleidung ablegen. Meine Mühe wurde nach kurzer Zeit durch einen wunderbaren Blick ins Altmühltal mit dem Main-Donau-Kanal belohnt.

Nun folgte ich dem gemächlicher steigenden Weg bis zur Burgruine Randeck. Der Zugang zur Burg aus dem 11. Jahrhundert war, wie zu erwarten, geschlossen. Von ihrem Burgfried soll man eine einmalige Aussicht auf das Altmühltal geniessen können. Auf der sonnigen Bank vor der Burganlage ließ ich mich nieder und verspeiste meine mitgebrachte Brotzeit. Immer wieder kamen andere Wanderer vorbei, aber den Corona Abstand einzuhalten, war kein Problem.

Nach der Burg trennte sich der Rundweg von einer deutlich kürzeren Route und dann war ich alleine auf weiter Flur. Das sollte sich während der nächsten Stunden nicht ändern und war sehr entspannend. Ich genoss die frische, milde Luft und dachte ich eine ganze Zeit lang überhaupt nicht an Corona.

Zunächst kam ich an der idyllisch an einem Weiher (der als „Bartholomä See“ bezeichnet wird) gelegenen Kapelle St. Bartholomä vorbei.

Dann lief ich auf der Jurahochfläche weiter. Nicht verhehlen möchte ich, dass die Landschaft nun kahl und etwas eintönig wirkte. Auch brannte die Märzsonne und die unbelaubten Bäume warfen keinen Schatten. Ein bisschen schade fand ich auch, dass die Gegend noch sehr winterlich aussah. Frühlingsgrüne Knospen konnte ich nur selten ausmachen. Im Wald entdeckte ich aber zahlreiche Leberblümchen. Anderseits lief ich alleine durch Wald und Feld und einmal sprangen sogar zwei Rehe direkt hinter mir über den Weg. Fotografieren konnte ich so schnell leider nicht.

Der Abstieg vom Hochplateau ins Altmühltal verlief glücklicherweise allmählicher. Nur im Naturschutzgebiet Schulerloch war ein kurzes Steilstück zu bewältigen. Der Weg war trocken, fast schon zu trocken für die Jahreszeit. Ich ging vorsichtig hinunter, brauchte aber keine Wanderstöcke. Nun freute ich mich, dass ich mich auf dem Hinweg „verlaufen“ hatte. Im Wandervorschlag wurde die Strecke in umgekehrter Richtung beschrieben. Persönlich laufe ich lieber steil bergauf als bergab. Aber das sehen manche Wanderer vielleicht anders!

Eine weitere Attraktion, die Tropfsteinhöhle Schulerloch, hatte coronabedingt geschlossen. Am Eingang gab es aber einen zauberhaften Blick ins Tal mit Essing im Hintergrund.

Das letzte Stück der Wanderung zog sich. Die Sonne sorgte für eine gehörige Wärme und es waren auch wieder mehr Leute unterwegs, zu denen man Abstand halten musste. Die kleine Treppe auf den letzten Metern bewältigte ich japsend. Kurz danach kam ich wieder auf dem Parkplatz an, wo ich noch letzte Fotos von Kirche und Felswänden aufnahm. Dass ich den auf den Kirchenbesuch verzichtete, war für mich eher untypisch. Wahrscheinlich war ich doch ein bisschen fertig …

11 Km, 253 Hm, 3 Stunden ohne Pausen

Fazit:
Im Altmühltal verbrachte ich einen schönen sonnigen, durchaus fordernden, aber nicht zu anstrengenden Wandertag. Auf der Hochebene ist es sicher schöner, wenn die Vegetation weiter fortgeschritten ist. Wiederkommen würde ich gerne, wenn die Burg Randeck und die Tropfsteinhöhle wieder geöffnet sind. Auch einige schön gelegene Gasthäuser mit Gartenterrassen habe ich unterwegs gesehen…

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.


Wintersonne in Aschau/ Winter sun in Aschau

For translation please use the Google Translate Button !

Drei lange Corona-Wochen hatten wir richtiges Aprilwetter. Es regnete, schneite, hagelte und graupelte im steten Wechsel. Die Sonne ließ sich nur sporadisch sehen, meistens nur ein paar Minuten lang. Wanderungen in den Bergen waren unmöglich.

Als die WetterApp für letzten Mittwoch den ersten Tag mit durchgehendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen von bis zu 14 Grad ℃ vorhersagte, beschloss ich gleich zuzuschlagen . Das ist so auch ein C-Reflex, zumindest bei mir. Man unternimmt etwas sobald wie möglich, weil man fürchtet, dass demnächst die nächste Einschränkung kommt. Ehrlich gesagt, mein Leben als Rentnerin hatte ich mir ganz anders vorgestellt !

Meine Wanderung in den Bergen plante ich sorgfältig. Unser heimischer Wald hatte sich zwischenzeitlich in eine Schlammwüste verwandelt, also konnte ich in den Bergen nicht auf einem Waldweg mit größeren Steigungen gehen. Ich entschied mich für den Kapellenweg in Aschau im Chiemgau, der größtenteils auf kleinen Straßen und befestigten Wegen verläuft.

Als ich mich morgens Aschau näherte, staunte ich nicht schlecht. Rund um den Ort war alles dick verschneit. Die Gegend, die ich viele Jahre lang nicht besucht hatte, gefiel mir aber sofort. Die Berge in der Umgebung , vor allem die den Ort um 1200 Höhenmeter steil überragende Kampenwand (1669 m) , rahmen das obere Priental auf das Schönste ein.

Nachdem ich am Bahnhof geparkt hatte, ging ich zur Katholischen Pfarrkirche, dem Startpunkt des Kapellenwegs. Um es gleich vorweg zu nehmen, es gab dort und auch später keine Ausschilderung der Strecke. Unterwegs sprach ich mehrere Passanten an, darunter auch Einheimische, aber niemand kannte den Kapellenweg. Trotzdem war die Orientierung ziemlich einfach, weil es auf dem Hinweg westlich des Flüßchens Prien entlang ging und auf dem Rückweg am anderen Ufer.

Zunächst ging ich an der Restkapelle vorbei, die 1686 von der Gräfin von Preysing – Hohenaschau für die damals üblichen Feldprozessionen errichtet wurde. Kurz danach sah ich zum ersten Mal das Schloss Hohenaschau, das ich auf dem Rückweg besuchen wollte.

Nach einer weiteren Nachfrage fand ich die Abzweigung zur kleinen Straße, die, zunächst leicht ansteigend, zum Aschauer Ortsteil Bach führt. Auf dem Scheitelpunkt liegt die Felsenkapelle „Auf der Kette“. Die Kapelle in einer Felsnische ließ Baron Fidler von Isarborn 1913 errichten. Sie liegt sehr idyllisch über der Prien -Klamm. Laut Wanderbeschreibung sollte man dort steil hinab steigen („Kinder sollte man hier an die Hand nehmen“) . Diese Strecke war aber nicht zu erkennen. Sie lag wahrscheinlich unter der Schneedecke verborgen. Ich folgte der Straße („Rollstuhlfahrern empfehlen wir den Teerweg zu nehmen …“) und erreichte bald Bach.

Quelle Kapellen: https://www.chiemsee-alpenland.de/entdecken/tourenportal/wandern-auf-dem-aschauer-kapellenweg-rundweg-2-von-der-pfarrkirche-in-richtung-sueden-und-zurueck-9a4b40ebfb

Quelle Wanderbeschreibung: Touristeninformation Aschau

Nachdem ich die Prien überquert hatte, entdecke ich den Rückweg nach Aschau, der nun in den Wald führte und noch tief verschneit war. Einen Augenblick überlegte ich, ob ich auf der Straße umkehren sollte, aber dann zog ich meine Wanderstöcke aus und taste mich voran. Zunächst verlief der Weg leicht bergab. Bei jedem Schritt versank mein Wanderstock tief im Schnee und das Ganze war mir nicht geheuer. Andererseits herrschte in dem verwunschenen Winterwald eine wunderbare Stille, die nur gelegentlich von Vogelgezwischter unterbrochen wurde. Weit und breit war kein Wanderer zu sehen, was mir ungeheuer gut tat. Als es auf der Ebene weiterging fühlte ich mich wohl. Gerne hätte ich dort eine Pause eingelegt, aber die Bänke waren richtiggehend eingeschneit.

Hinter dem Wald begann wieder eine kleine, nicht befahrene Straße. Sofort eröffneten sich fantastische Ausblicke auf das hochgelegene Schloss Hohenaschau. Nun genoss ich den wohltuenden Sonnenschein und die angenehmen Temperaturen.

Bei einer Abzweigung fragte ich eine Spaziergängerin nach der Abzweigung zum Schloss. Sie antwortete mir mit deutlichem Ruhrpottakzent. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte mir, dass sie in Aschau wohnt. Es hatte wochenlang immer wieder geschneit, zuletzt noch am Vortag. Tagelang hatte man überhaupt keine Aussicht. Sie war sehr froh über das schöne Wetter und die Möglichkeit wieder nach Draußen zu gehen. Das tat sie aber nur in der Woche, weil am Wochenende alle Wege durch Ausflügler überlaufen seien.

In der Pandemie könne man in Aschau kaum etwas unternehmen. Einen Termin zum Einkaufen in einem Geschäft zu vereinbaren und dann nur zu einem kleinen Laden Zutritt zu erhalten, lohne sich nicht. Zur Arbeit könne sie zu Fuß gehen ohne öffentlichen Verkehrsmittel benutzen zu müssen, aber in ihrer Arbeitsstelle trage sie die ganze Zeit Maske, was sie notwendig aber doch belastend fand.

Wir verabschiedeten uns mit „Bleiben Sie gesund !“ und „Passen Sie auf sich auf !“.

Zum Schloss ging es zum ersten und einzigen Mal kurz steil bergauf.

Das Schloss Hohenaschau liegt im Ortsteil Hohenaschau auf einem etwa 50 Meter hohen Felsrücken. Über etwa sieben Jahrhunderte war es Sitz bedeutender adliger Dynastien und Zentrum der Herrschaft Hohenaschau. Die letzten Drittel des 12. Jahrhunderts entstandene mittelalterliche Ringburg verlor im 18. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung und verfiel.

Mitte des 19. Jahrhunderts wechselte die Anlage mehrfach den Besitzer und wurde schließlich vom Industriellen Theodor Freiherr von Cramer-Klett erworben und von seinem Sohn zum Schloss umgestaltet. Heute befindet sich das Schloss im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und wird als Ferien- und Erholungsheim genutzt.
Quelle Wikipedia

Wie zu erwarten war das Gebäude nicht geöffnet, auch der Zugang zur Schlosskapelle war nicht möglich. Der Blick auf die Burg mit der weiß verschneiten Kampenwand im Hintergrund gefiel mir aber ausnehmend gut.

Ich setzte mich auf eine Bank unterhalb des Schlosses und gönnte mir einen kleinen Snack. Als ich meinen heißen Tee einschenkte, schaute ich mich vorsichtig um, konnte aber kein Tier entdecken. (Wenn ihr wissen wollt, was es damit auf sich hat, schaut doch hier oder dort). Alles blieb friedlich und ich konnte meine Pause in der Bergwelt bei strahlendem Sonnenschein genießen.


Auf dem Rückweg nach Aschau verpasste ich die weiteren Kapellen, was wohl damit zusammen hing, dass ich nicht der Straße nach Aschau ging, sondern einem Weg durch den Kurpark folgte. Richtig dramatisch fand ich das nicht, weil es sich dort entspannt flanieren ließ. Nun entdeckte ich, dass Aschau sich „Bankerldorf“ nennt, wie ihr an den folgenden Beispielen sehen könnt. Der Aufforderung auf dem „Fuchslugerbach Bankerl“ wird man wohl erst nach der Pandemie wieder folgen können …

Übersetzt: Setz dich her, dann sind wir mehr Leute.

Als ich wieder an der Pfarrkirche ankam, fotografierte ich noch einmal die Kirche und die Residenz, das bekannte Gourmet Lokal und Fünfsterne Hotel von Heinz Winkler. Bald erreichte ich den Bahnhof und fuhr mit vielen schönen Eindrücken und dem Wunsch, im Sommer wieder zu kommen nach Hause.

7,5 km, 166 Hm, 2,5 Stunden ohne Pause

Fazit:
Der Kapellenweg bietet auf kurzer, fast durchgehend aspaltierte Strecke und praktisch ohne Steigungen wunderbare Landschaftsbilder und ist daher sehr gut als Winterwanderweg geeignet. Er ist allerdings überhaupt nicht ausgeschildert, was sicher leicht zu ändern wäre.

Auf dem Heimweg hörte ich im Radio, dass der gerade erst von der Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin beschlossene Osterlockdown schon wieder zurückgenommen wurde. Begründet wurde das damit, dass die praktische Umsetzung so kurzfristig nicht möglich sei.
Wie bitte ???

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Fotoprojekt/Photo project „ABC – F“

For translation please use the Google Translate Button !

Wortman hostet in diesem Jahr das Fotoprojekt „ABC“. Er schreibt:

Worum geht es beim Projekt ABC?
Das Alphabet wird Buchstabe für Buchstabe fotografisch dargestellt. Das heißt, Woche 1 beginnt mit „A wie …“ (Apfel, Affe, Ahornbaum – eurer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt) und endet mit Woche 26 und „Z wie …“ (Zaun, Zug etc). Dieses Mal bleiben Ü, Ö, Ä außen vor, weil es sonst nicht hinkommt mit dem Wechsel von Aequitas und mir.
Falls ihr mehrere Ideen zu einem Buchstaben habt, ist das natürlich kein Problem. Und falls euch mal gar nichts einfällt – auch nicht schlimm…“

Nun ist der Buchstabe F des Projekts ABC aufgerufen. Ich danke Wortman für seine Initiative und beteilige mich wieder gerne mit Fotos aus unserem Sommerurlaub 2020 im bayerischen Fichtelgebirge. Ohne Corona wäre ich da wahrscheinlich nicht so bald hingefahren. Von der Schönheit der Landschaft war ich dann sehr angenehm überrascht. Am besten gefielen mir die Felsformationen, die den Wald oft wie eine Märchenlandschaft aussehen ließen.

Hier also einige Felsen im Fichtelgebirgswald

und zum Schluss noch die namensgebenden Fichten des Fichtelgebirges.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Fotoprojekt „Wöchentliche Fotochallenge“/“Weekly Fotochallenge #08

For translation please use the Google Translate Button !

Nun fordert Roland von Royusch-Unterwegs uns in seiner wöchentlichen Fotochallenge auf, Fotos zum Thema „leer“ zu posten. Wieder beteilige ich mich gerne und danke Roland für seinen unermüdlichen, tollen Einsatz.

Mariaberg bei Kempten, Allgäu, Bayern

Nein, das ist kein Bild von einem pandemiebedingt geschlossenen Wirtshausgarten ! Das Foto habe ich im Oktober 2019 bei Kempten im Allgäu aufgenommen, als ich im strömendem Regen mit dem Rucksack auf dem Jakobsweg pilgerte. Im Unterschied zu den gegenwärtigen Verhältnissen konnte ich aber dann in die gemütliche Wirtsstube eintreten und mich bei heißem Tee und Apfelkücherl erholen. Aber statt mich darüber zu freuen, wie ich es heutzutage tun würde, starrte ich nur mißmutig nach draußen und hoffte, dass es bald aufhören würde zu regnen. Was aber nicht der Fall war! Ziemlich durchnässt erreichte ich am Nachmittag meine Unterkunft auf dem Bauernhof. Dort wurde ich sehr freundlich und mit selbstgebackenem Apfelkuchen empfangen. In meinem warmen Bauernstubenzimmer konnte ich meine Klamotten trocknen und es mir gemütlich machen.

Schade, dass ich es damals nicht zu schätzen wußte, wie gut es mir trotz Dauerregens auf diesem Teil der Jakobswegs ging. Das soll mir nie wieder passieren ….

Über eurer Feedback freue ich mich immer sehr.

Intermezzo am Schliersee/ Intermezzo at Lake Schliersee

For translation please use the Google Translate Button !

Während des nicht endenwollenden Coronadramas (Gerade wurde vom RKI die dritte Welle verkündet. Waren wir nicht gerade noch in der zweiten Welle ?) versuche ich, wie viele andere, den Kopf oben zu behalten. Also suche ich ca. einmal in der Woche eine Abwechselung. Wie schon mehrfach berichtet, unternehme ich dann eine kleine Wanderung im Münchner Umland oder in den Bergen. Das möchte ich, so Corona uns lässt, wieder zu längeren Touren mit mehr Höhenmetern ausbauen, wenn die Wege wieder trocken sind.

Vor zehn Tagen schaute ich aus dem Fenster und stellte fest, dass das Wetter nicht so gut wie angekündigt war, sondern stark bewölkt. Immerhin regnete es nicht und das sollte laut WetterApp auch so bleiben. Daher beschloss ich, nicht wie geplant bei Garmisch zu laufen, sondern mit einer nähergelegenen Tour vorlieb zu nehmen.

Zwar bin ich eine Liebhaberin der Tegerseeregion, war aber bisher nur selten am Schliersee unterwegs. Dort suchte ich mir den Seerundweg aus, der mit gut 7 km auch bei schlechterem Wetter gut machbar erschien. Mein Wanderführer schlug vor, zunächst ein kleines Stück am Westufer des Sees entlang zu gehen aber dann auf einen Höhenweg abzubiegen, der erst in Fischhausen wieder auf das Südufer trifft. Als ich im Ort Schliersee sah, dass der See zum Teil noch zugefroren war, dachte ich, dass der Höhenweg matschig und rutschig sein könnte. Normalerweise hätte ich in der Touristeninformation nachgefragt, aber diese war natürlich coronabedingt geschlossen. Auf der Karte hatte ich gesehen, dass der Seerundweg am Westufer direkt neben der Bundesstraße 307 entlang verlief, dachte aber „Zwei bis drei Kilometer an der Straße, das kann so schlimm nicht sein.

Zunächst lief ich durch den Kurpark, wo sich auch einige moderne Skulpturen aufgestellt sind. Bei meinem Blick auf den stillen See bewunderte ich die Reflektion der Berge und freute mich, dass die Sicht auf die Berge bei bewölktem Himmel noch recht gut war. Bei meinem Ausflug nach Murnau hatte ich bei sonnigem Wetter weniger gesehen.

In Schliersee entdeckte ich einige kunstvoll bemalte Häuserfassaden, die mir mit den Bergen im Hintergrund ausnehmend gut gefielen.

Weiter ging es auf dem Uferweg, der bei dem trüben Wetter angenehm leer war. Nur sehr wenige Spaziergänger begegneten mir. Recht bald wurde mir klar, dass der Grund dafür der höllische, stetig vorbei brausende Autoverkehr war. Zwar war der Blick über den See und zu den umliegenden Bergen wirklich schön, aber der Lärm störte mich doch sehr. Die Abzweigung bei Fischhausen, wo sich der Schlierseerundweg von der Bundesstraße entfernt, konnte ich kaum erwarten. Scheinbar erging es nicht nur mir so. Am Wegesrand las ich auf einem großen Schild den Mutmacherspruch „Ostufer coming soon“!

Am Ufer in Fischhausen ließ ich mich erleichtert auf einer Bank nieder, um Brotzeit zu machen. Kaum hatte ich meinen heißen Tee eingeschenkt, da kam eine rotgetigerte Katze auf mich zugelaufen. Erfreut zückte ich meine Kamera, um das hübsche Tier abzulichten. Erst spät bemerkte ich, dass die Katze mir sehr nahe gekommen war. Mit einem Satz sprang sie auf die Bank, stolzierte elegant um den Becher mit dem Heißgetränk herum und legte sich auf meinen Schoß. Tiere schaue ich mir sehr gerne an, aber berühren mag ich sie eigentlich nicht. Außerdem wollte ich gerade essen und mir nicht die Hände dreckig machen. Nachdem die Katze auf meine „Geh weg“ und „Hau ab“ Rufe nicht reagiert hatte, drückte ich sie vorsichtig mit dem Ellbogen herunter. Nun erwartete ich, dass das wahrscheinlich hungrige Tier die nächste Bank mit Spaziergängern aufsuchen würde, aber sie lief vorbei. Einen sehr zutraulichen Hund hatte ich schon bei meiner Brotzeit in den Dachauer Amperauen erlebt. Sollte es etwa an meinem nach Zitronen duftenden Tee liegen ? Und welches Biest würde mich bei meiner nächsten Corona-Tee-Pause anfallen ?

Ein paar Meter weiter kam ich zu einem Bauernhof, wo ich auch die freche Katze wieder sah. Aber die Stars standen vor dem Stall: eine bunt gescheckte Schafsherde mit kleinen Lämmern, die von vielen Spaziergängern bewundert und fotografiert wurde. Da konnte ich natürlich auch nicht widerstehen !

Am Ostufer ging es recht lebhaft zu. Außer einem gelegentlich vorbei fahrenden Zug war kein Verkehrslärm zu hören, so dass es sich bei schönen Blicken auf den See angenehm gehen ließ. Allerdings waren auch viele Gruppen unterwegs, die den Mindestabstand nicht einhielten, so dass ich immer wieder ausweichen musste. Wie im heimischen Wald konnte ich mich nicht richtig entspannen.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist ostufer-schliersee-1-1.jpg.
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist ostufer-schliersee-2-1.jpg.
Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist ostufer-schliersee-3-1.jpg.

Der Rest des Weges verlief praktisch ohne Steigungen und war schnell zurückgelegt. Nach etwa zweieinhalb Stunden kam ich wieder im Ort Schliersee an.

Auf dem Heimweg fuhr ich am Café Winklstüberl in Fischbachau vorbei. Dort standen schon so viele Leute an, dass ich überlegte, ob ich auf den zu Recht berühmten, köstlichen Kuchen verzichten sollte. Bald entdeckte ich, dass es an den Schaltern für Speisen zum Mitnehmen mehrere Schlangen gab und dass an der Kuchen-Ausgabe nur wenige Leute warteten. Zusammen mit einem wunderbaren Cappuccino genoß ich ein riesiges Stück Schokoladensahne auf einem Mäuerchen in einer abgelegenen Ecke der riesigen Caféterrasse. Natürlich unter Einhaltung sämtlicher Hygienevorschriften ! Ein bisschen wehmütig dachte ich an die Kaffeepause nach meiner Wanderung zur Kesselalm auf der damals wieder geöffneten Terrasse im Mai 2020. Gut gesättigt und recht zufrieden trat ich die Heimfahrt an.

Fazit:
Die Gegend hat mir gut gefallen. Bei der nächsten Wanderung würde ich aber das verkehrsgeplagte Ostufer des Schliersees auf dem Höhenweg über Oberleiten und die Ruine Hohenwaldeck umgehen. Von oben soll man auch ein schöne Sicht auf den Schliersee haben. Der Weg verlängert sich dadurch auf angenehme 9,2 Km (270 Hm, Gehzeit 3 Stunden).

Auf meiner umständehalber nicht sehr umfangreichenen Bucketlist mit Reisezielen im Jahr 2021 habe ich mir vorgenommen, um fünf (bayerische) Seen zu wandern. Einen See habe ich nun geschafft. Mal sehen, vielleicht geht doch noch mehr, was dieses Ziel betrifft und überhaupt …

Auf euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Rund um Murnau/Around Murnau

For translation please use the Google Translate Button !

Manchmal rede ich mit mir selbst. Auf meinen Reisen, wenn ich keine Ansprechpartner habe, gerne auch laut. Oder ich spreche mit Hunden, Katzen und Kühen am Wegesrand. Natürlich nur, wenn ich meine, dass mich niemand hört. Zu Hause im Alltag führe ich stille Zwiegespräche.

Es ist dann so, als ob meine Persönlichkeit gespalten wäre. Inga I ist vernünftig, geduldig und meint, dass wir Corona durch angemessene Maßnahmen bekämpfen müssen. Außerdem erkennt sie, dass es ihr in der Pandemie relativ gut geht. Gesund zu bleiben und keine finanzielle Not zu leiden, sind schließlich am Wichtigsten.

Inga II jammert oft und zwar ausgiebig:
Meine Tochter habe ich seit einem Jahr nicht mehr in den Arm genommen. Bin in Rente und kann die Vorteile nicht genießen. Dass ich eineinhalb Jahre früher in Rente gegangen bin, um mehr Zeit für meine Hobbies zu haben, hat mir nicht viel geholfen. Kann nicht ins Ausland reisen wegen Corona. Gesundheitlich bin ich auch eingeschränkt. Die Sehenswürdigkeiten sind geschlossen, die Zoos und die Botanischen Gärten auch. Shoppen ist nicht so mein Ding, aber meine Lieblingscafés in der Stadt möchte ich mal wieder besuchen. Wie langte dauert das Ganze noch? Es reicht !
usw., usw.

Inga I: Aber wir dürfen immerhin im Freien spazieren gehen.

Inga II: In „unserem“ Wald begegne ich sehr, sehr vielen Spaziergängern, Radfahrern und heftig keuchenden Joggern. Die meisten halten den Mindestabstand nicht ein, so dass ich oft ausweichen muss und dann im Gebüsch stehe. Das hat sich seit Beginn der Pandemie kaum verändert (siehe auch hier). Auf Spaziergängen kann ich mich selten entspannen. Corona ist immer präsent.

Inga I: Klage doch nicht immer! Du bist in Rente und hast viel Zeit. Du lebst in München. Es gibt viele schöne Ausflugsziele. Es ist nicht weit in die Berge. Du kannst dir einen Tag mit gutem Wetter aussuchen und dann gehst du Wandern!

Mittwoch letzter Woche war es soweit, bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen begab ich mich nach Murnau am Staffelsee , das in der Nähe von Garmisch liegt. Zum Einstieg in meine Wandersaison hatte ich mir den rund sechs Kilometer langen „Drachenstichrundweg“ mit geringen Höhendifferenzen ausgesucht.

Vom Bahnhof Murnau lief ich zunächst zum bestens ausgeschilderten Münter-Haus. Nachdem die Malerin Gabriele Münter das Haus an der Kottmüllerallee in Murnau 1909 erworben hatte, hielten sie und Wassily Kandinsky sich oft in diesem Haus, im Volksmund auch als „Russenhaus“ bezeichnet, auf.

Die Murnauer Landschaft, insbesondere das Haus selbst, der Garten und die unmittelbare Umgebung, wurde für Münter und Kandinsky zu einer wichtigen Inspirationsquelle. Oft malten sie den Blick aus dem Fenster zur Kirche und zum Schloß sowie zur Bergkette. Das Münter-Haus spielte auch eine ausschlaggebende Rolle in der Geschichte des „Blauen Reiter“. Es wurde zu einem bedeutenden Treffpunkt der Avantgarde. Das Haus ist mit Gemälden, Graphiken und Hinterglasbildern von Kandinsky und Münter sowie mit Beispielen der Volkskunst, die sie sammelten, und mit ihren selbst bemalten Möbeln ausgestattet und kann besichtigt werden (derzeit leider geschlossen).
Quelle: http://www.muenter-stiftung.de/de/das-munter-haus-2/

Weiter ging es durch die historische Kottmüller-Allee, einen Fußweg mit 140 Eichen. Gleich am Anfang der Allee legte ich einen kurzen Abstecher zur Lourdes Grotte ein, die einige hundert Meter weiter, etwas versteckt aber gut ausgeschildert, in einer Schlucht unterhalb der Baumallee liegt.

Zurück auf der Eichenallee, auf der nur wenige Spaziergänger unterwegs waren, gelangte ich alsbald auf einen Höhenrücken. Von einem Aussichtspavillon sollte man eigentlich einen traumhaften Blick auf das Murnauer Moos, eine ausgedehnte Moorlandschaft, und die dahinterliegende Bergkette genießen können. Sogar die Zugspitze, unser höchster Berg, sollte zu sehen sein. Trotz des guten Wetters war die Sicht aber wegen des Saharastaubs und des Gegenlichts äußerst diesig. Die Umgebung von Murnau wird wegen ihrer Bedeutung für den „Blauen Reiter“ das „Blaue Land“ genannt. Nun sah es eher nach einem „Gelben Land“ aus.

Inga II: So ein Mist! Von Dachau aus, habe ich letzte Woche die mehr als 100 km entfernten Berge viel klarer gesehen. Das wird schwierig mit dem Fotografieren.

Inga I: Ist das schön, was für ein zauberhafter Ausblick! Wenn man ein bisschen genauer hinschaut, kann man die Silhouetten der Berge erkennen. Die Fotos kann ich mit HDR und Bracket aufnehmen und noch nachbearbeiten.

Kurz darauf zweigte ein Weg zum „Ähndl“ ab, dem Georgskirchl aus dem 8. Jahrhundert, das als die älteste Kirche im Staffelseegebiet bezeichnet wird. Die Kirche und die daneben liegende Wirtschaft waren leider geschlossen.

Inga II: Warum ist diese Kirche geschlossen ? Und das Foto wäre mit einem Berg im Hintergrund viel schöner.

Inga I: Schöne alte Kirche und der Biergarten sieht toll aus. War klar, dass der nicht geöffnet hat. Im Inneren der Kirche sind wertvolle Gegenstände. Sie ist deswegen wahrscheinlich nur am Wochenende offen, wenn auch das Wirtshaus mit Speisen zum Mitnehmen geöffnet ist.

Von der Kirche sah ich, dass auf dem darunterliegenden Parkplatz viele Autos standen. Die meisten Wanderer waren wohl auf dem 12 km langen Rundweg durch das Murnauer Moos unterwegs. Das wäre sicher eine schöne Tour, die ich aber nur bei guter Sicht auf die Bergkette unternehmen würde.

Zurück auf dem Rundweg kam ich bald an den Drachenstich, eine idyllische Schlucht mit einem kleinen Wasserfall. Dann ging es über steile Stufen hinauf auf einen weiteren Höhenrücken. Wieder einmal fiel mir auf, dass meine Fitness stark ausbaufähig war. Nach kurzer Zeit blieb ich stehen, um die Wanderer hinter mir vorbei zu lassen. Während ich den Blick von oben auf den Wasserfall genoss, stellten sich die Beiden direkt neben mich. In gewohnter Manier wich ich zurück und sagte in freundlichem Ton. „Jetzt bin ich Ihnen doch gerade ausgewichen!“ „Oh, Entschuldigung!“, antworteten sie. Wir kamen dann ins Gespräch. Die Leute, die auf Mitte 40 schätzte, erzählten mir, dass sie zwar vorsichtig seien, manchmal aber doch zu unbesorgt, weil sie beiden schon an Corona erkrankt waren. Die Frau hatte nur vorübergehend den Geschmacksinn verloren, während sich der Mann mit Fieber und Schüttelfrost drei Tage lang ziemlich schlecht gefühlt hatte.

Inga I: Wie schön, so wäre Corona kein Problem!

Inga II: Mich würde es bestimmt heftiger treffen!

Nach Überquerung einer Straße ging ich durch einen schönen Wald mit ersten Frühlingsblüten hinunter zum Staffelsee.

Als ich den Staffelsee erreichte, staunte ich nicht schlecht. Das Gewässer war größtenteils mit Eis bedeckt, obwohl es schon seit Tagen frühlingshaft warm war. Am Strandbad Murnau stand ein geöffneter Kiosk, der allerlei Speisen und Getränke zum Mitnehmen anbot. Ich entschied mich für Cappuccino und Käsekuchen und ließ mich damit auf der Wiese nieder. Viele, aber nicht zu viele Menschen genossen dort den Blick über den See bei angenehmer Frühlingssonne.

Inga I und II: Bin begeistert!

Anschließend ging ich hinauf in die Altstadt, wobei ich wieder ziemlich ins Schnaufen kam. Offensichtlich reichte es nicht, täglich spazieren zu gehen. Ich musste mehr tun. Einige vom Lockdown betroffene Einzelhandelsgeschäfte hatten zum Zeichen des Protestes ihre Schaufenster verkleidet und kündeten eine Klagewelle gegen die Corona Maßnahmen der Regierung an.

Die Murnauer Altstadt kannte ich von einem Besuch vor einigen Jahren. Im Hochsommer hatte ich in einem Café in der Fußgängerzone gesessen und es viel zu heiß gefunden. Wie gut es mir damals ging!

Nun schlenderte ich an den schönen bunt bemalten Häusern mit historischen Hinweisschildern vorbei und freute mich, dass doch einige Passanten auf Bänken saßen, mit Einkaufstüten oder einem Speiseeis vorbei gingen. Es herrschte eine ganze andere Stimmung als in Dachau, wo nur wenige Menschen mit der obligatorischen Maske vorbeieilten.

Inga II: Schon schön, aber wenn man die Berge im Hintergrund sehen könnte, wäre es noch schöner. Und ein Eis würde ich jetzt gerne essen, bin aber noch satt vom Käsekuchen.
Inga I: Aber es ist nicht überlaufen und die Altstadt ist wirklich malerisch.

Dank einer sehr guten Ausschilderung fand ich ohne weiteres zum Bahnhof zurück.

Fazit:
Schöne und sehr abwechselungsreiche Kurzwanderung (6,1 km, mit Abzweigungen zur Lourdes Grotte und zum Georgskirchl ca. 8 km, 110 Höhenmeter, gut 2 Stunden, 3 Stunden mit Pausen). Die Murnauer Altstadt ist sehr sehenswert. Wer sich für den „Blauen Reiter“ interessiert, sollte das Münter Haus und das Schlossmuseum Murnau besuchen, wenn die Museen wieder geöffnet sind.

Inga I: Sehr schöner Ausflug! Das hat mir gut getan.
Inga II: Stimmt, aber beim nächsten Mal will ich die Berge sehen!

PS: Inga I setzt sich meistens durch.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.