Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #4

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Weiter ging es auf dem Schwabenweg, einem Teil des Schweizer Jakobswegs, der von Konstanz nach Einsiedeln führt. Ich war nun drei Tage gepilgert und fühlte mich immer noch gut, auch wenn ich nicht so fit war, wie ich es mir gewünscht hätte.

Die 4. Etappe von Gibswil nach Rapperswil war bei geringen Höhenunterschieden sicher gemütlicher als die Strecke vom Vortag mit dem Auf- und Abstieg auf das Hörnli (s. hier) . Eigentlich hatte ich in Rapperswil übernachten wollen, aber wegen des an diesem Wochenende stattfindenden „Ironman 2021“ hatte ich kein Quartier bekommen. Daher hatte ich beschlossen, nach der Wanderung mit dem Zug nach Einsiedeln zu fahren, um dort zweimal zu übernachten. Am nächsten Tag würde ich nach Rapperswil zurückkehren und von dort die Etappe nach Einsiedeln angehen.

Morgens brach ich von Gibswil auf. Es war stark bewölkt. Um 16 Uhr war Starkregen vorausgesagt, so dass ich bis ich mich etwas beeilen wollte. Auch Rapperswil wollte ich mir möglichst noch im Trockenen anschauen.

Kurz nach Beginn meiner Wanderung riss es auf und der beste Bergblick des Tages ergab sich.

Ich befand mich nun auf der historischen Route des Jakobswegs. Seit fast 1000 Jahren ziehen hier Pilger entlang. Nach einem kleinen Aufstieg sah ich in Ried die 18. Jahrhundert erbaute Pilgerherberge “Zum weißen Kreuz”. Und oberhalb des Örtchens Wald ging der Pilgerweg an der ehemaligen Herberge “Dändler” vorbei.

Der Jakobsweg führte dann leicht an- und absteigend auf einem kaum befahrenen Sträßchen weiter. Dieses war vor kurzem frisch geteert worden, so dass es leider ziemlich stank. Ich durchquerte eine Wiesenlandschaft mit einigen kleineren Waldstücken. Immer wieder hatte ich traumhafte Weitblicke, wie sonst nur auf einem Panoramahöhenweg. Schöner wäre es allerdings bei klarer Sicht gewesen!

Panoramabild bitte anklicken!

Durch mehrere Dörfchen mit wunderbar restaurierten alten Bauernhäusern zog ich weiter. So schön die Gegend auch war, es gab über weite Strecken keinerlei Sitzgelegenheit, keine Bank, nicht einmal einen Holzstoß. Meine Trink- und Stretchingpausen verbrachte ich stehend.

Der Weg führte schließlich steil abwärts hinab zum Fluß Jona, aber über Stufen und mit einem Geländer gesichert. Hinter der Brücke musste ich natürlich wieder hinauf steigen und fühlte mich nach zweieinhalb Stunden Wandern mit dem Rucksack schon ziemlich matt. Hinter dem Ort Weier führte der Weg in den Wald. Und dann sah ich sie, eine schöne große Bank! Aber dort hatte es sich schon eine Wandergruppe bequem gemacht. Wegen Corona traute ich mich nicht, die Leute zu fragen, ob sie ein bisschen zusammenrücken können.

In diesem Moment überholte mich eine junge Frau mit einem Tagesrucksack. „Das war die einzige Bank in zehn Kilometern!“ sprach ich sie an. Wir kamen ins Gespräch und liefen ein Stück gemeinsam durch den Wald. Sie hatte einige Jahre in der Schweiz gearbeitet und wohnte nun in München. Zur Zeit war sie in der Alpenrepublik zu Besuch. Von ihren Wanderausflügen kannte sie schon einige Teile der Via Jacobi und war, wie ich auch, schon über den Münchner Jakobsweg nach Lindau gepilgert. Ich wandere sehr gerne alleine, hänge meinen Gedanken nach, fluche laut wenn mir danach ist, und möchte in meinem eigenen, eher langsamen, Tempo, laufen. Aber ein Stück mit einer Begleitung zu pilgern, mit der ich mich über Caminoerlebnisse austauschen kann, habe sehr genossen.

Wie ihr wahrscheinlich schon wisst, trinke ich sehr gerne Kaffee. Gerade hatte ich mich bei meiner Gesprächspartnerin darüber beklagt, dass es in den Schweizer Dörfern am Jakobsweg nur selten Cafés gibt (was auch auf Münchner Jakobsweg zutrifft!) und schon standen wir vor dem „Pilgerstübli“, einem kleinen Hofladen am Wegesrand. Auf einer handgeschriebenen Tafel wurden u.a. Kaffee und Most angeboten. Danke, Heiliger Jakob ! Meine Begleiterin ging weiter, während ich mich an den Tisch auf der gemütlichen kleinen Terrasse setzte. Bei der Bauersfrau bestellte ich Kaffee und frischen Apfelmost. Beides war sehr gut und ein Stück selbstgebackenen Schokoladenkuchen gab mir die nette Frau gratis dazu.

Kurz danach kam der Bauer. Er setzte sich zu mir und wir unterhielten uns sehr nett. Vor Jahren war er auf dem Jakobsweg bis Fribourg gepilgert. Außerdem erzählte er mir, dass manche Pilger in einer Etappe von Fischingen nach Rapperswil wanderten, eine Strecke von 32 km. Bei 30 Grad im Hochsommer kämen sie oft sehr erschöpft im „Pilgerstübli“ an und pausierten dort, um sich für die letzten fünf Kilometer zu stärken. Zwischendurch traf noch eine Nachbarin ein, die frische Milch kaufte. Von dem kurzen Gespräch auf Schweizerdeutsch habe ich allerdings nur wenig mitbekommen. Gut erholt und gestärkt verabschiedete ich mich schließlich.

Die restliche Strecke nach Rapperswil verlief durch den Stadtwald und alle paar hundert Meter gab es Bänke und Rastplätze ! Durch das Stadtgebiet ging es ziemlich lange, aber immer gut ausgeschildert weiter. Schließlich erreichte ich die auf einer Halbinsel im Zürichsee gelegene Altstadt .

Fazit:
16,3 km, 5 Stunden ohne Pausen, 120 Hm bergauf und 460 Hm bergab.
Leichte, mittellange Etappe. Der einzige steile Absteig ist durch Treppen und Geländer gesichert. Wunderbare Fernblicke in die Alpen (wenn das Wetter es erlaubt!). Ein Großteil des Weges verläuft über verkehrsarme Sträßchen. Einige Waldstücke, aber bei sonnigem Wetter bietet die Strecke nur wenig Schatten.

Den historischen Ortskern von Rapperswil schaute ich mir kurz an. In der Kirche St. Johann aus der Mitte des 13. Jahrhunderts (nach einem Brand im 19. Jahrhundert neugotisch ausgestattet) holte ich mir den Pilgerstempel und auf dem Schlosshügel besichtigte ich die Liebfrauenkapelle (ursprünglich ein Beinhaus, das um 1250 n. Chr erbaut wurde). Am meisten bewunderte ich die wunderschöne Aussicht auf den Zürichsee und das Umland. Aber schon zogen ganz dunkle Wolken heran …

Panoramafoto bitte anklicken!

Eine Treppe führte direkt hinunter zum Hauptplatz mit dem Rathaus aus dem 15. Jahrhundert.

Von dort eilte ich zum Bahnhof. Der Himmel hatte sich tiefdunkel verfärbt und ein kalter Wind wehte. Als mein Zug nach Einsiedeln Rapperswil verließ, kam der angekündigte Starkregen. Den Zürich See konnte ich kaum erkennen, als wir ihn überquerten. Während der kurzen Fahrt von rund 20 Km überwand der Zug knapp 500 Höhenmeter. Nun schwante mir, dass die nächste Etappe von Rapperswil nach Einsiedeln kein Spaziergang werden würde …

Als ich durch den Regen zu meiner Unterkunft in der Nähe des Klosters Einsiedeln ging, entdeckte ich mehrere Cafés. Ratet mal, was ich bald nach dem Einchecken in Einsiedeln unternommen habe.

Wenn ihr wissen wollte, was ich an diesem Abend noch erlebt habe, dann schaut doch mal hier.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr..

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #3

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Etappe 3- Von Fischingen nach Gibswil

Am dritten Tag meiner Wanderung auf dem Schweizer Jakobsweg stand die erste Bergetappe auf dem Weg von Fischingen nach Gibswil an. Den Anstieg von rund 500 Höhenmetern auf das Hörnli würde ich sicher schaffen, zur Not halt sehr langsam gehend. Allerdings fürchtete mich vor dem Abstieg nach Steg, der im Pilgerführer als teilweise steil abwärts führend beschrieben war.

Bevor ich das Kloster Fischingen verließ, holte ich mir in der prächtigen Idda-Kapelle noch einen Pilgerstempel. Dann streckte ich meine Füsse in das Loch unter dem Grabstein der Hl. Idda, was den Pilger angeblich von Fußschmerzen befreien soll. Zwar hatte ich keine Probleme mit den Füßen, dachte aber, es könne nicht schaden. Dazu später mehr …

Als ich morgens aufbrach, war es stark bewölkt, aber immerhin regnete es nicht. Gleich zu Beginn führte der Weg mal durch den Wald und dann wieder auf einer Nebenstraße und immer steil in die Höhe. Einen letzten Blick auf das schöne Kloster Fischingen werfend ging ich weiter.

Kurz vor dem Weiler Au verlief der Schwabenweg etwas angenehmer begauf. Am Wegesrand lag auch ein hübsches St.Idda-Bildstöckchen.

Aber gleich hinter dem nächsten Dörfchen war wieder meine Kondition gefragt. Die Krönung war eine lange steile Himmelstreppe, die wie im Pilgerbuch beschrieben, „den Kreislauf in Schwung bringt“.

Weiter bergauf führte nun ein aufgeweichter wurzeliger und rutschiger Waldweg. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich, wie ich dessen Pendant beim Abstieg bewältigen würde.

Den Gasthof zum Kreutz konnte ich bald sehen und erreichte ihn schließlich angemessen außer Puste. Da traf es sich gut, dass es den ersten Weitblick zu bewundern gab. Auch das örtliche Federvieh schaute ich mir an und fotografierte es. Die armen Truthähne würden sicher bald als „Trutenfleisch“ enden.

Das Wetter klarte nun weiter auf und ich brauchte mich nicht mehr zu sorgen, dass es auf dem Hörnli keine Aussicht geben würde.

Nach einem weiteren knackigen Anstieg von 150 Höhenmetern hatte ich das Hörnli erreicht. Zunächst suchte ich das Berggasthaus auf, das nur wenige Meter unterhalb des Gipfels lag.

Ein kühler Wind trieb mich in die urige holzvertäfelte Gaststube. Dort trocknete ich meine verschwitzen Klamotten so gut wie möglich und erholte mich bei einer köstlichen vegetarischen Gerstensuppe. Bei einer Tasse Kaffee studierte ich die Karte in meinem Pilgerführer noch einmal etwas genauer. Zu meiner großen Begeisterung entdeckte ich, dass sich ein Sträßchen dicht am Jakobsweg entlang schlängelte. Zur Sicherheit fragte ich den Wirt, der mir bestätigte, dass ich diesen Weg nach Stegen nehmen könne, allerdings wäre es etwas weiter. Mein Entschluss stand schnell fest. Ich folgte zwar dem Jakobsweg, aber wenn es galt, eine für mich unangehme Strecke zu vermeiden, würde ich nicht päpstlicher als der Papst sein. Und auf ein paar Kilometer mehr kam es mir nicht an .

Aber zunächst suchte ich den nur wenige Meter höher gelegenen Hörnli Gipfel auf. Dort war es ziemlich belebt. Das 360 Grad Panorama war schon grandios aber die Sicht doch ziemlich getrübt. Bei klarerem Wetter hätte man sicher eine bessere Fernsicht mit weiteren Bergspitzen genießen können.

Panoramafoto bitte anklicken!

Danach folgte ich der kleinen Bergstraße, von der schon bald der Jakobsweg steil bergab führend abzweigte. Da der Weg nach dem tagelangem Regen schlammig und rutschig aussah, blieb ich weiterhin auf dem Teerweg und folgte damit dem Beispiel der großen Mehrzahl der Wanderer. Während ich genüsslich hinunter schlenderte und dabei die Aussicht genoss, erschien mir die nicht durchgehend asphaltierte Strecke nicht zu lang. Erst im unteren Teil kamen einige Fahrzeuge vorbei.

Panoramaphoto bitte anklicken.

Kurz vor dem Talort Steg traute ich schließlich mich zweimal, ein Stück abzukürzen, indem ich auf den Jakobsweg zurückkehrte. Der Pfad war etwas glitschig, verlief aber über flache Stufen und ich konnte meine Wanderstöcke einsetzen. In Stegen angekommen entdeckte ich bald einen Wirtshausgarten, wo ich mich bei einem großen Milchkaffee erholte.

Die letzten fünf Kilometer durch das Tösstal kamen mir danach etwas lang vor. Zum Einen brannte inzwischen die Sonne und zum anderen verlief der Weg zwar weitgehend eben führte aber oft ziemlich dicht an den Bahngleisen entlang. Allerdings folgten immer wieder idyllische Abschnitte am Wasser. Da hatte sich jemand viel Mühe gegeben, die Wanderstrecke so angenehm wie möglich anzulegen.

Als kurz vor Gibswil noch ein kürzerer Aufstieg anstand, fanden das meine müden Beine überhaupt nicht lustig. Aber schließlich erreichte ich meine Unterkunft in Gibswil. Auf der Caféterrasse fand ich mich bald darauf ein und freute mich bei Cappuccino und Hörnli-Gebäck über den gelungenen Pilgertag. Und ein bisschen stolz war ich auch …

Fazit:
Knapp 19 Km (15,3 km auf dem Jakobsweg), 600 Aufstieg, 450 m Abstieg, 5,5 Stunden ohne Pausen.
Sehr schöner und panoramenreicher Weg. Anstieg auf das Hörnli zum Teil steil, geht aber, wenn man sich Zeit lässt. Wenn der Camino wegen Nässe rutschig ist, empfiehlt es sich beim Abstieg, die kleine kaum befahrene Bergstraße mit den tollen Weitblicken zu nehmen. Das gilt nicht für Pilger, die noch die nächste Etappe von Gibswil nach Rapperswil anhängen wollen, weil ihre Strecke ohnehin schon über 30 km beträgt.
Der Weg von Steg nach Gibswil ist eigentlich ein Spaziergang kann aber am Ende der Etappe ermüdend sein.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Drei/Three

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Mit seiner 26. (!) wöchentlichen Fotochallenge hat Roland in seinem Blog „Royusch -Unterwegs“ das Thema „Drei“ aufgerufen. Gepostet werden darf wie immer nur ein Foto.

Wieder beteilige ich mich gerne und danke Roland für die neue Challenge.

Diesen Wegweiser der drei Ziele angibt, habe ich kürzlich auf dem Jakobsweg in der Schweiz fotografiert, während ich in Richtung Rapperswil und Santiago ging. Ich befand mich schon in der Nähe von Rapperswil, aber nach Santiago waren es noch mehr als 2000 Kilometer ! Bin gespannt, ob ich es dahin noch schaffe …

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

Lens-Artists Challenge – Changing with the light

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Kloster/Monastry Einsiedeln Schweiz/Switzerland

After dinner, when I came out of the restaurant, it was still raining. The light was very flat and the famous monastry looked rather drab.

But suddenly the sun broke through the clouds and covered the buildings with golden evening light.

Kloster/Monastry Einsiedeln Schweiz/Switzerland
Kloster/Monastry Einsiedeln Schweiz/Switzerland

A short time later a full rainbow appeared right over the cloister buildings.

Kloster/Monastry Einsiedeln Schweiz/Switzerland
Kloster/Monastry Einsiedeln Schweiz/Switzerland

On the huge circular square in front of the monastry many people were gazing at the beautiful sight and taking photos with their smartphones . It looked like a miracle had happened in the famous place of pilgrimage … Well, those certainly were magic moments!

I turned around and walked back to the hotel looking into the setting sun.

Ladenschild/ Shop sign Einsiedeln Schweiz/Switzerland

Posted for Tina’s Lens-Artists Challenge #162 . Thank you Tina, for hosting !

Always looking forward to your feedback

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino #2

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Etappe 2 – Von Märstetten nach Fischingen

Wenn es auf meiner Pilgerwanderung in der Schweiz eine Chaos-Etappe gab, dann handelte es sich um diejenige am zweiten Tag. Nachdem ich am Vortag mit pausenlosem Regen (siehe hier) zu kämpfen hatte, sollte ich nun Schwierigkeiten anderer Art begegnen.

Zunächst servierte die Bäuerin in meiner Unterkunft ein opulentes Frühstück. Dazu durfte ich mir beliebig viel Kaffee in einer Kapselmaschine zubereiten. Dementsprechend gut gestärkt begab ich mich schon um 8:30 Uhr auf die lange Etappe nach Fischingen. Ein bisschen fürchtete ich mich vor dieser Strecke, die bei maßvollen Höhendifferenzen immerhin fast 27 km betragen würde. Notfalls wollte ich, was in der Schweiz praktisch überall möglich ist, die restliche Strecke mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen.

Als Erstes galt es, zurück zum Jakobsweg zu finden, den ich am Vortag verlassen hatte, um in Märstetten zu übernachten. In der Kirche hoffte ich einen weiteren Pilgerstempel zu erhalten. Das Gotteshaus hatte aber leider geschlossen. Ich spazierte durch den Ort, fotografierte noch ein historisches Fachwerkhaus und verpasste so die Abzweigung zum Bahnhof, den mir meine Gastgeberin beschrieben hatte. Möglicherweise hatte ich auch die Schweizerdeutsch sprechende Bauersfrau nicht richtig verstanden. So kam es, dass ich einen ersten Umweg rund um den Ort von ca. einem Kilometer zurücklegte.

Kurz vor dem Bahnhof sprach mich ein Mann an, der meine Jakobsmuschel am Rucksack gesehen hatte und mir erzählte, dass er schon lange auf den Camino gehen wollte. Er kam aus Sachsen, arbeitete aber schon viele Jahre als Küchenbauer in der Schweiz. Wir unterhielten uns ein bisschen über den Camino, aber dann wollte er recht genau wissen, wo ich wann hingehe und ob ich alleine wandere. Vorsichtig wie ich bin, verabschiedete ich mich schnell und ging weiter.

Danach hatte ich kein Problem, den Jakobsweg wieder zu entdecken, der allerdings als asphaltierter Fuß- und Radweg an der Straße entlang bis zum nächsten Ort Amlikon führte. Das recht trübe Wetter hellte sich nun zunehmend auf, erste Wolkenlöcher waren zu sehen. Am Nachmittag sollte es aber wieder regnen, so dass ich mich möglichst beeilen wollte.

Am Ortseingang von Amlikon bog der Jakobsweg nach Hünikon ab. Es ging durch ein idyllisches kleines Tal mit schönen Bauernhöfen auf einer kaum befahrenen Straße.

Nach Hünikon folgten weitere kleine Weiler und Gehöfte mit sehr schönen Fachwerkhäusern. Der Camino führte nun auf Feldwegen durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend mit Feldern und Rinderherden.

Unterwegs sah ich viele Raubvögel, die zum Teil auf Bäumen saßen und aufflogen, wenn ich mich näherte. Die Vögel hatten einen Gabelschwanz und ich meine, dass es sich um Milane handelte. Leider schaffte ich es nicht, die Tiere abzulichten. Entweder reichte das Telezoom meiner kleinen Kamera nicht oder die Lichtverhältnisse waren schwierig. Oder beides …

In Maltbach zweigte der Camino wieder ab. Als Fußweg führte er an der stark befahrenen Hauptstraße Nr. 16 entlang, allerdings nur ein kurzes Stück bis zum nächsten Ort. Leider lag die Kapelle in Kaltenbrunnen, die vom Pilgerführer als „beachtenswertes und hübsches Kleinod“ bezeichnet wurde, direkt an dieser Straße und sie war wegen Corona geschlossen. Meine Pause, die ich dort geplant hatte, legte ich trotzdem auf einer Bank an der Kirchenmauer ein. Ich war seit mehr als zwei Stunden unterwegs und musste meinen Rucksack absetzen, um die Schultern zu entspannen. Der Verkehr an der Hauptstraße bestand aber auch aus Schwerlastern, die direkt an mir vorbei donnerten, so dass ich nach einer kurzen Trinkpause wieder aufbrach.

Kurt danach befand ich mich wieder alleine in einer Wald- und Wiesenlandschaft und erreichte dann Affeltrangen. Am Ortseingang erblickte ich eine AGIP-Tankstelle, was mich auf einen Shop mit Espressoangebot hoffen ließ. Es handelte sich aber um eine Dieseltankstelle, wo es nur Kraftstoffe und Autozubehör zu kaufen gab.

Am Ausgang des Ortes sah ich schön gestaltete Jakobswegsteine und folgte dann den Wegweisern nach Tobel. Das ging ja wie am Schnürchen ! Tatsächlich bewegte ich mich fast in dem Zeitrahmen, den das Pilgerbuch für die Strecke vorsah. Nun lief ich auf Feldwegen durch eine liebliche Bauernlandschaft, die von grünen Hügeln umrahmte wurde. Zwischen den Wolken lachte die Sonne. Auf der schattenlosen Strecke wurde mir langsam heiß.

Die Markierung der Jakobswege in der Schweiz ist ausgesprochen gut. An den wichtigsten Abzweigungen stehen große Schilder, welche die nächsten Ziele mit Wegzeiten anzeigen. Außerdem gab es auf meiner Strecke die weiße Vier auf grünem Grund mit blauer Umrandung und gelber Jakobsmuschel. Zusätzlich ist der Schwabenweg bis zum Hörnli (s. nächster Bericht) mit markanten weißen Pfosten ausgezeichnet. Dazwischen stehen an jeder Abzweigung kleine leuchtend gelbe Hinweisschilder mit stilisierten Wanderern. Manchmal sind auch separate blau-gelbe Muschelmarkierungen angebracht. Diese sind allerdings gelegentlich mit Vorsicht zu genießen. Das Camino-Wegzeichen, die strahlende Sonne, bedeutet, dass Santiago in Richtung der runden Sonnenscheibe liegt und nicht dass man nicht den Strahlen folgen soll. Es kommt vor, dass die stilisierte Sonne in die falsche Richtung zeigt. Das lässt sich allerdings leicht durchschauen. Wenn man richtig abgebogen ist, sieht man als Bestätigung bald ein gelbes Rautenzeichen, das für die Schweizer Wanderwege steht. Zu dieser sorgfältigen und gerade zu liebevollen Ausschilderung kann man den Schweizern nur gratulieren!

Auf dem Jakobsweg nach Fischingen gelang es mir trotzdem, mich zu verlaufen. Hinter Affeltrangen sah ich schon den nächsten Ort auf einer Anhöhe. „Prima, das ist schon Tobel,“ dachte ich, „bald habe ich die halbe Strecke geschafft“. Zu meinem großen Erstaunen wies ein Wanderweg-Schild (das mit dem Wanderer, ohne weitere Angaben) kurz darauf scharf nach rechts. Zweifelnd folgte ich der Beschilderung. Der Weg führte nun immer weiter weg von „Tobel“ und als an der nächsten Kreuzung kein Schild stand, beherzigte ich nicht die oberste Wanderregel: „Wo kein Schild steht, geht es weiter geradeaus.“, sondern bog nach links in die meiner Meinung nach richtige Richtung ab. Gerne hätte ich mich bei Google Maps rückversichert, aber wie berichtet, funktionierte meine Schweizer SimCard leider nicht.

Danach kamen lange Zeit keine Schilder und mir schwante, dass ich mich verlaufen hatte. Auf einem Hof fragte ich einen Mann, der im Garten mit seinem Hund spielte, wo ich mich befand. Es stellte sich heraus, dass es nicht weit von Lommis war. Im Pilgerbuch war zwar ein Abstecher zur Jakobskirche nach Lommis beschrieben, den hatte ich allerdings nicht gehen wollen, die 27-Km- Etappe waren mir schon lang genug.

Nach Lommis ging es dann ziemlich bergauf. Kaum war die Sonne hinter einer dunkelen Wolke verschwunden, da begann es auch schon stark zu schütten. Fluchend holte ich meinen Schirm heraus und zog die Regenhülle über den Rucksack. So plötzlich wie der Regen gekommen, hörte er nach wenigen Minuten auf. Durch die dampfend schwüle Hitze ging ich weiter. Als ich in Lommis ankam, war die gesamte Gastronomie des kleinen Ortes geschlossen und die Straßen schienen menschenleer.

Nachdem ich die Kirche angeschaut hatte, wo es wenigstens einen schönen Pilgerstempel gab, folgte ich einem Hinweisschild auf dem „Grillshop“ stand. Leider stellte sich heraus, dass es sich um einen Shop für Grillzubehör ohne Bewirtung handelte. Inzwischen hatte ich beschlossen, nicht nach Tobel zurückzukehren, sondern auf einer kleinen Straße zu laufen, die direkt zum Ort St. Margarethen führte, wo ich wieder auf den Jakobsweg treffen würde. Vor dem Grillshop standen Einheimische, die ich mir nach meiner Nachfrage die nicht beschilderte Abzweigung zu der Nebenstraße beschrieben.

Nach einer Erholungs- und Snackpause auf einer Bank vor der geschlossenen Touristeninformation ging ich weiter. Die Straße führte zunächst steil bergauf aber dann angenehm hinunter durch einen schattigen Wald und vorbei an Weihnachtsbaumplantagen. Den häufig vorbeifahrenden Autos konnte ich gut auf dem Seitenstreifen ausweichen. St. Margarethen erreichte ich nach einer guten Stunde. Kurz hinter dem Ortsschild hörte ich es donnern und der Regen setzte wieder ein. Ich war nun soweit , dass ich vom Nachbarort Münchwilen mit Zug und Bus nach Fischingen fahren wollte.

An der Hauptstraße fragte ich eine Frau nach dem Bahnhof und nach einem Café. Gleich um die Ecke lag ein Restaurant. Ich betrat die kleine Außenterrasse, auf der schon eine fröhliche Männerunde vor den Gläsern saß. Die Bedienung, die bei den Gästen hockte, erhob sich seufzend, als ich eintrat. Normalerweise wäre ich sofort umgekehrt, aber ich brauchte sehr dringend eine Kaffeepause.

Als ich die Terrasse betrat, entschuldigte ich mich dafür, das ich vergessen hatte, meine Maske aufzusetzen und legte eine Strecke von vielleicht eineinhalb Metern zurück, bevor ich meinen Rucksack absetzte und mich auf einen freien Stuhl fallen ließ. „Macht nichts !“ antwortete ein älterer Mann, der eine extrem stinkende Zigarre qualmte, „In der Schweiz ist das mit der Maske nur in den feineren Restaurants ein Ding! Wir sitzen ja auch draußen.“

Auf der überdachten Terrasse vor meinem köstlich dampfenden Kaffee sitzend entdeckte ich Jakobswegschilder und die spätgotische Kapelle St. Margarethen. Während ich darauf wartete, dass es aufhörte zu regnen und meinen Kaffee genoss, plauderte ich mit den anderen Gästen, die sich als nette und hilfsbereite Menschen erwiesen und sich für meine Pilgerwanderung interessierten. Ein Mann versuchte sogar, meine SIM-Karte zu aktivieren, was leider nicht gelang. Wenn ich nicht vollständig geimpft gewesen wäre, hätte ich mich vielleicht nicht wohl gefühlt, aber so verbrachte ich eine schöne Pause. Es stellte sich heraus, dass der Weg nach Fischingen noch mehr als zwei Stunden betrug. Der Zigarrenraucher riet mir, auf dem Jakobsweg eine halbe Stunde weiter zu laufen und dann nach Sirnach abzubiegen, um mit dem Bus direkt zum Kloster Fischingen zu fahren.

Nachdem ich mich verabschiedet hatte, besuchte ich die Kapelle, fand sie ausgesprochen schön, war aber so fertig, dass ich den Pilgerstempel vergaß.

Dann lief ich weiter auf dem Jakobsweg, der nun sehr idyllisch am rauschenden Flüsschen Murg entlang und durch eine Parklandschaft führte. Trotz des immer wieder einsetzenden Regens empfand ich dieses Stück als sehr erholsam.

Nach einigem Suchen fand ich die richtige Bushaltestelle in Sirnach und kam nach kurzer Zeit in Fischingen an. Im Kloster Fischingen checkte ich um 17:30 Uhr ein, neun Stunden nachdem ich aufgebrochen war.

Fazit:
21 km, ca. 7,5 Stunden ohne Pausen, auf meiner Route geringe Höhenunterschiede, auf dem „normalen“ Jakobsweg bis Fischingen 380 m im Aufstieg und 230 m im Abstieg, Weg oft schattenlos.

Der auf der von mir gegangenen Strecke nicht besonders abwechselungsreiche Weg war mir persönlich mit 27 km zu lang, evtl. verkürzen und die Strecke der nächsten Etappe hinzufügen.

Nach dem Abendessen im Kloster Fischingen schaute ich mir die prächtige Klosterkirche im Barock- und Rokokostil mit der Iddakappelle an. Den Abend ließ ich mit einem würzigen Klosterbier ausklingen und hoffte, dass der nächste Pilgertag weniger chaotisch verlaufen würde.

Heute war mein Bericht etwas länger als sonst, ich hoffe, er hat euch trotzdem gefallen. Über euer Feedback freue ich immer sehr.

Auf dem Schweizer Jakobsweg /On the Swiss Camino# 1

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Im Sommer 2019 war ich auf dem Münchner Jakobsweg ( siehe z.B. hier) gestartet. Der Weg führt von München nach Lindau am Bodensee. Lindau erreichte ich im Oktober 2019 nach Wanderungen mehrerer Teilstrecken. Den Camino wollte ich im Jahr 2020 in der Schweiz fortsetzen. Aber dazu kam es nicht, natürlich wegen Corona! Wie berichtet wollte ich, nachdem ich vollständig geimpft war, auf einem Schweizer Jakobsweg weiter Richtung Santiago pilgern.

Die „Via Jacobi“, der Jakobsweg in der Schweiz, führt vom Bodensee zum Genfer See und dann bis zur französischen Grenze. Es gibt aber nicht nur den einen Weg, sondern mehrere Varianten.

Der bedeutende Wallfahrtsort Einsiedeln bildet seit jeher einen ersten großen Treff- und Versammlungsort der Pilger. Der Ort kann auf drei Routen erreicht werden. Ich entschied mich für den Schwabenweg, der von Konstanz nach Einsiedeln führt. Zweigleisig führt der Camino auch ab dem Vierwaldstättersee weiter. Dort wählte ich die Variante über Luzern, weil ich diese Stadt schon seit längerem besuchen wollte. Ab Fribourg bestehen erneut zwei Möglichkeiten, so weit wollte ich aber dieses Mal nicht pilgern.

Die Wetteraussichten für meine Tour waren sehr bescheiden, immerhin sollte es nicht die ganze Zeit regnen. Mir brannten aber die steigenden Coronazahlen in der Schweiz auf den Nägeln. Die 7-Tage-Inzidenz betrug dort Anfang August schon über 70. Mein Vorhaben wollte nicht schon wieder verschieben müssen.

Also begab ich am 04.08.21 auf eine (abenteuerliche) Reise mit dem Zug nach Konstanz. Gebucht hatte ich eine Schnellzugverbindung bis St. Gallen in der Schweiz, wo ich in den Regionalzug nach Konstanz umsteigen wollte. Schließlich erreichte ich mein Ziel zur vorgesehenen Zeit um kurz vor 11:00 Uhr, aber das grenzte an ein Wunder.

Im Allgäu hatte ein Erdrutsch die Bahnstrecke verschüttet. Daher stiegen wir in Memmingen in einen Ersatzbus, der uns nach Bregenz (Österreich) brachte. Dort sollte der Ersatzzug nach Zürich stehen. Sinnigerweise war dieser bereits abgefahren, als wir dort ankamen. Mit Hilfe einer sehr hilfsbereiten Schweizerin orientierten wir uns schnell neu und fuhren mit einer S-Bahn nach St. Margarethen. Dort wartete bereits ein Zug nach St. Gallen, den wir gerade noch erreichten. In St. Gallen stieg ich dann in den Regionalzug, mit dem ich ohnehin hatte fahren wollen. Bemerkenswert fand ich, dass bei diesen mehrfachen Grenzübertritten nach Österreich, in die Schweiz und wieder zurück nach Deutschland keinerlei Pass- oder Impfzertifikatskontrollen stattfanden.

Etappe 1 – Von Konstanz nach Märstetten

In Konstanz schlenderte ich durch die Altstadt und ging zum Münster, dem Startpunkt des Schwabenweges.

Die Kirche geht auf die Anfangszeit des Bischofssitzes um das Jahr 600 n. Chr. zurück und wurde im Jahr 780 erstmals urkundlich erwähnt. Das Münster war für gut zwölf Jahrhunderte die Kathedrale der Bischöfe von Konstanz und diente als Sitzungssaal des Konzils von Konstanz (1414–1418)… Es ist eine der größten romanischen Kirchen Südwestdeutschlands, eine dreischiffige Säulenbasilika mit kreuzförmigem Grundriss, … Im Innenraum überlagern sich die Ausstattungsepochen des Barock, des Klassizismus und der Neugotik. Besonderes Pilgerziel am Schwabenweg (Jakobsweg) ist die romanische Mauritiusrotunde.
Quelle Wikipedia

Nachdem ich mir den ersten Stempel für den Pilgerpass geholt und den Hl. St. Jakobus in der Mauritiusrotunde angeschaut hatte, begann ich meine Pilgerwanderung an den ersten Jakobsweg-Wegweisern. Nach einer kurzen Strecke durch die Fußgängerzone ging ich durch das Schnetztor, wo die Altstadt endete. Nach 20 Minuten überquerte ich, wieder ohne Kontrolle, die Schweizer Grenze und erreichte den Ort Kreuzlingen.

In Kreuzlingen wollte ich mir eine Schweizer SIM-Karte besorgen. Der Umweg zur Kreuzlinger Hauptstraße war mir zu weit, so dass ich auf dem durch die Stadt führenden Jakobsweg Ausschau nach einem entsprechenden Geschäft hielt. Nachdem ich mehrere Passanten angesprochen hatte, landete ich schließlich in einem Asia Laden. Dort kaufte ich die einzig angebotene und recht günstige Prepaid Karte eines mir unbekannten Anbieters. Die Servicekraft installierte die Karte und als ich eine Bestätigungs-SMS des Netzwerks erhielt, zog ich zufrieden weiter. Erst danach sollte ich merken, dass garnichts funkionierte, aber dazu später.

Bisher war es stark bewölkt gewesen, aber als ich aus dem Laden trat, fing es an zu tröpfeln. Schnell durchquerte ich ein Wohn- und ein Industriegebiet in Kreuzlingen. Der Jakobsweg führte nun an einem hübschen Fachwerkhaus mit Mühle vorbei, aber ich eilte schnell weiter in den Wald. Dort ging es sanft aufwärts durch das Saubachtal. Der Bach war allerdings gerade dabei, sich in ein reissendes Gewässer zu verwandeln. Bald regnete so stark, dass ich meinen neuen Wanderschirm aufspannen musste.

Nach einer guten Stunde erreichte ich die Heiligkreuzkapelle in Bernrain, die im Jahr 1388 erbaut wurde und laut Pilgerführer ein viel besuchtes Gotteshaus ist. Dort war ich ganz alleine, was wohl mit dem schlechten Wetter zu tun hatte. Auch der schöne Ausblick zurück nach Konstanz und zum Bodensee, den es vom Kirchvorplatz geben sollte, war stark getrübt.

Weiter ging es durch den Wald bis zum Weiler Schwaderloh, der gänzlich verlassen schien. An einem kleinen Weiher fand ich danach eine überdachte Bank an einem Holzhaus, auf der ich mich kurz zu einer Trinkpause niederließ. Bei dem Weiher handelte sich um ein Fischgewässer, das nur Mitgliedern vorbehalten war. Kaum hatte ich mich hingesetzt, da kam auch schon ein Auto angebraust und ein Mann fing an, Kästen in die Hütte zu räumen. Wohl überzeugt, dass ich eine harmlose Pilgerin war, ignorierte er mich. Ich nutzte den Unterstand auch dazu, die Regenhülle über meinen Rucksack zu ziehen.

Ich durchquerte noch zwei weitere kleine Orte und versuchte einigermaßen trocken zu bleiben. Es regnete nicht sehr stark, hörte aber auch nicht auf. Die Regenjacke zog ich nicht an, um nicht zu schwitzen. Vielmehr hielt ich den Regenschirm genau über meinem Kopf bzw. verschob ihn jeweils in die Richtung aus der die Nässe kam. Nach einiger Zeit fand ich sogar eine Stelle vor meinem rechten Rucksacktragegurt, auf der ich den Schirm auflegen konnte. So hatte ich die Hände frei und konnte meine Schultern besser entspannen.

Nicht schön fand eine längere Passagen auf einer kleinen Straße mit großen Maisfeldern, die auch befahren wurde. Es kamen zwar nicht sehr viele Fahrzeuge, aber manchen musste ich ausweichen, um nicht nassgespritzt zu werden.

Mir ging es dann nur noch darum, bald nach Märstetten zu kommen. Zum Fotografieren der wunderschönen Fachwerkhäuser unter dem Regenschirm hatte ich überhaupt keine Lust. Aber für einen der hübschen Wegweiser auf dem Schwabenweg reichte es gerade noch.

Auf dem laut Pilgerführer „aussichtsreichen Weg“, der sich im Regen so nicht präsentierte, ging ich weiter und erreichte den Ortseingang von Märstetten, wo ich vom Jakobsweg abbiegen musste, um zu meiner Unterkunft zu kommen.

14 km, 4 Stunden, 170 Hm Aufstieg, 110 Hm Abstieg
Fazit: Eigentlich eine sehr abwechselungsreiche und leichte Etappe zum Einstieg in den Pilgerweg, wenn es nur nicht pausenlos geregnet hätte.

Im Zentrum des langgezogenen und menschenleeren Ortes, entdeckte ich schließlich drei Männer, die unter einem Hausdach Kaffee tranken und die ich nach dem Weg zu meinem B&B fragen konnte. Es lag etwas außerhalb des Ortes. Ich hatte inzwischen festgestellt, dass die Datennutzung, das Telefonieren und das Simsen mit meiner Schweizer SimCard nicht funktionierten. Also war ich darauf angewiesen, mich zu den Zielen neben dem Pilgerweg durchzufragen. Schnaufend erklomm ich den letzten Aufstieg und spazierte dann zu dem Bauernhof, wo ich übernachten würde. Dort wurde ich sehr nett empfangen. Es gab freie Getränke, u.a. selbst gekelterten Apfelsaft und sogar Kaffee. Im Hofladen kaufte ich eine Brotzeit für das Abendessen. Am Abend reichte es gerade noch für einen Gang über den Hof, um die Tiere anzuschauen.

Ziemlich geschafft sank ich in die Federn. Auf dem Bauernhof gab es WLAN und so konnte ich mich auf besseres Wetter am nächsten Tag freuen. Regen wurde nur noch gelegentlich angekündigt.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.