Münchner Innenstadt im Lockdown „Light“ Munich City Center in Lockdown „Light“

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Ein Fan des Münchner Weihnachtsmarkts auf dem Marienplatz war ich noch nie. Meistens habe ich mich geärgert, wenn ich in der Gegend etwas besorgen wollte , weil es dermaßen voll war, dass man kaum vorwärts kam. Wenn ich in der Stadt unterwegs war, bin ich oft einen Umweg gegangen, um dem Markt auszuweichen. Glühweintrinken an einem Stand, vor Kälte zitternd, mag ich sowieso nicht und auf den Kauf der immer gleichen Waren des Christkindlmarkts verzichte ich gerne.

Aber dieses Jahr ist alles anders. Wegen Corona wurde der Markt abgesagt. Wie in jedem Jahr wurde aber vor kurzem ein riesiger Weihnachtsbaum vor dem Rathaus auf dem Marienplatz aufgestellt. Die Webcam zeigte mir die Mammuttanne. Ansonsten wirkte der Platz ungewohnt verlassen. Das musste ich mit eigenen Augen sehen!

Seit einem Monat war ich nicht mehr in der Stadt gewesen. Die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln schreckte mich ab. Auch wußte ich nicht so recht, was ich in der Stadt unternehmen sollte. Die Museen und alle weiteren Kultureinrichtungen sind geschlossen und auf Corona Shopping lege ich keinen Wert. Immerhin der Viktualienmarkt war geöffnet …

Schließlich siegte meine Neugier. Die Auswirkungen des Lockdowns „Light“ auf den Einkaufstrubel in der Vorweihnachtszeit auf dem Marienplatz und den angrenzenden Einkaufsstraßen interessierte mich. Mir der U-bahn würde ich außerhalb der Hauptverkehrszeit fahren und die Fahrt würde nur zehn Minuten dauern, wenn ich den ersten Teil statt mit dem Bus mit dem Auto zurücklegte.

An einem sonnigen Nachmittag ging es los. In der U-bahn war es so leer, dass die Einhaltung des Mindestabstands kein Problem darstellte. Das hatte ich, zuletzt im Oktober, ganz anders erlebt.

Als ich am Odeonsplatz an die Oberfläche kam wurde mir klar, dass in der gesamten Fußgängerzone Maskenpflicht bestand, auch draußen. Bisher hatte ich den Mund-Nasen-Schutz oft freiwillig getragen, wenn mir das Getümmel zu dicht war. Unangenehm war aber, dass bei den kühleren Temperaturen meine Brille dauerhaft beschlagen blieb. Der Nebel lichtete sich auch nicht wie bisher nach ein paar Minuten. Während des Spaziergangs trug ich die Brille oft in der Hand. Wenn ich doch einmal richtig sehen wollte, wischte ich sie trocken. Aber gleich nach dem Aufsetzen war ich wieder blind ! Das wurde sofort besser, als ich in einen Laden betrat. Drinnen wollte ich mich jedoch nicht lange aufhalten .

Die nachfolgenden Fotos wurden zum Teil monocrom aufgenommen. Letztere sind auch ein erster Beitrag zu Mannis neuem Fotoprojekt „Schwarz-Weiß“ . Rein monochrome Ansichten wirken trüber als die Realität, daher zeige ich euch eine Mischung. Auch wollte ich mehr berichten, als es bei einer Foto Challenge angemessen ist. Zu Mannis tollem Fotoprojekt werde ich noch einen weiteren passenden Beitrag posten.

Foto zum Vergrößern bitte anklicken !

Vom Odeonsplatz ging ich zum Marienplatz und schaute mir den Baum an. An der Tanne gab es in diesem Jahr nichts auszusetzen. Im Gegensatz zu vielen ihrer Vorgängerinnen war sie schön gewachsen. Aber sie wirkte sie auf dem zentralen Platz der Altstadt ohne den Weihnachtsmarkt wie fehl am Platze. Auch der Fußgängerverkehr war gegenüber dem üblichen Einkaufstrubel vor Weihnachten deutlich reduziert. Das war einerseits gut und zeigte, dass viele Leute vernünftigerweise zu Hause blieben, stimmte mich aber auch traurig, weil es überdeutlich zeigte, dass zur Zeit nichts normal ist. Das wußte ich natürlich schon vorher, aber zwischen dem abstrakten Wissen und dem konkreten Erleben vor Ort besteht doch ein Unterschied.

Auf dem Viktualienmarkt kaufte ich Blumenzwiebeln und spazierte dann noch ein bisschen über den Platz. Viel Betrieb herrschte dort nicht und schätzungsweise ein Drittel der Marktstände hatte geschlossen. Ganz klar war auch, dass die in- und ausländischen Touristen fehlten. Kaffee und Kuchen wurden zum Mitnehmen angeboten, aber im Gehen mochte ich nichts verzehren. Außerdem war es mir bei der Kälte zu ungemütlich.

Danach besuchte ich die Heilig-Geist-Kirche, die direkt am Viktualienmarkt liegt. Vorschriftsgemäß desinfizierte ich mir die Hände und schaute mich um, so gut es eben ohne Brille ging. Kann mich nicht erinnern, die Kirche schon einmal von Innen gesehen zu haben, da musste wohl erst Corona kommen.

Noch einmal überquerte ich den Marienplatz. Über die Haupteinkaufsmeilein der Kaufinger- /Neuhauser Str. eilte ich zum Karlsplatz („Stachus“). Inzwischen war es neblig naßkalt. Normalerweise sind auf dieser Strecke Menschenmassen unterwegs, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen und das nicht nur am Wochenende. Die Einbußen, die den Einzelhandel treffen, kann ich mir lebhaft vorstellen. Während auf der Kaufinger-/Neuhauserstr. noch ein bisschen Betrieb herrschte, fand ich den Anblick des fast menschenleeren Stachus deprimierend. Natürlich hatte ich gewusst, dass auch der „Münchner Eiszauber“ mit Schlittschuhbahn und Marktständen nicht stattfinden konnte. Aber auf diese Ödnis war ich nicht vorbereitet gewesen. Der Stachus ist der zentrale Treffpunkt in der Stadt und zu jeder Jahreszeit ist dort mächtig viel los.

Mit der glücklicherweise nur schwach besuchten U-bahn fuhr ich wieder nach Hause.

Fazit:

Der Lockdown „Light“ ist dringend notwendig, um Covid-19 einzudämmen. Gestern sind in Deutschland 487 Menschen gestorben, soviel wie noch nie zuvor während der Pandemie. Trotzdem hoffe ich, dass wenn das Ganze vorbei ist, wir keine verödeten Innenstädte vorfinden.

Über euer Feedback freue ich mich immer sehr.

11 Kommentare zu „Münchner Innenstadt im Lockdown „Light“ Munich City Center in Lockdown „Light“

  1. Vor Corona war ich auch nicht oft in der Innenstadt, vor allem nicht am Wochenende, in der Adventszeit, zur Wies‘nzeit usw. usw.
    Aber letztendlich war der Trubel unserer Lebensweise mit der fast grenzenlosen Reisefreiheit und der Attraktivität der Stadt geschuldet. Und das soll bitte bald wieder so sein. Aus heutiger Sicht freue ich mich schon fast auf ein (ungefährliches) Gedrängel 😉.

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  2. Das ist immer interessant zu sehen, wie Andere die Heimatstadt wahr nehmen. 😉
    Ich habe seit langem schon permanent die Münchner Innenstadt gemieden, weil ich das Gedränge sehr nervig fand. Deine Eindrücke machen Lust darauf, endlich mal wieder vom Odeonsplatz zum Stachus zu schlendern.
    Liebe Grüße!

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  3. … ist es mir jetzt zu leer. Das Gedränge, nicht nur in München, war eben der Preis, den man für die fast unbegrenzte Bewegungsfreiheit zahlen musste. Das fehlt mir jetzt doch sehr …

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  4. Vielen Dank für die Eindrücke aus München, ich war vor Corona nahezu alle zwei Wochen da und da ging mir München ganz schön auf die Nerven (insbesondere der morgendliche Nahverkehr).
    Aber nun, nach 9 Monaten Abstand, würde ich gern mal wieder hin

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  5. Ein wirklich toller Bericht, mit perfekt in s/w belassenen Fotos und bei uns in Nürnberg sieht es ähnlich aus, worüber ich auch kurz etwas bloggen werde.
    Liebe Grüße von Hanne

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  6. Danke dir. 😊Wir können nur hoffen, dass das Impfen hilft und dass das Ganze nicht so lange dauert, bis die Wirtschaft am Boden liegt und der Staat rettungslos verschuldet ist.

    Teil 2 kann noch ein bißchen dauern. Habe zuletzt vor vielen, vielen Jahr schwarz- weiß fotografiert und die Umwandlung von Farbe in Schwarz- Weiß in der Post finde ich oft nicht überzeugend. Du hast uns wieder eine schöne Anregung zum Fotografieren gegeben 👍👏.

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  7. ein ebenfalls ganz ganz toller Beitrag und die hast die Sitiuation in der wir uns alle befinden bestens beschrieben. Die s/w Fotos passen natürlich ebenfalls zur Lage in München und anderswo in Deutschland bzw. Europa. Die Horrorzahlen der letzten Tage sprechen für sich und ich bin gespannt wie das jetzt bis Weihnachten mal weitergeht. In den HotSpot Städten will man ab morgen kompletten Ausgangssperren abends bzw. nachts anweisen. Der Einzelhandel jetzt zur Weihnachtszeit kann einem auch leid tun, die Online Händler werden noch mehr profitieren wie bisher !
    Ich denke dass viele Innenstädte in ein paar Monaten anders aussehen werden als wir das gewohnt sind. Viele Geschäfte werden das wohl nicht überleben.
    Jetzt aber wieder zum Beitrag ! Hast dir sehr viel Mühe gemacht und es soll ja noch einer kommen. Ich dachte dass ich mit s/w nie solchen Zuspruch erhalten würde. Also wieder alles richtig gemacht !!!
    Ich danke dir vielmals und freue mich auf Teil 2 ! LG Manni

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