Jordanien Rundreise im November 2018 (4) Wadi Rum und Jerash

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6.11.2018 – Chaos Tag im Wadi Rum 

Bad things come in threes ! Or fours ?

Das war definitiv nicht mein Tag.

Es fing damit an, dass ich den Safe in meinem Hotelzimmer nicht öffnen konnte. Das Masterpasswort hatte nur der Manager, der von zu  Hause gerufen werden musste, und das dauerte…

Dann funktionierte Google Maps nicht und ich hatte alle Mühe aus Wadi Musa/ Petra heraus zu kommen und die Straße nach Akaba/Wadi Rum zu finden. Passanten schickten mich kreuz und quer durch die Altstadt. Ein Verkehrspolizist schrie mich an, als ich neben ihm anhielt, statt mir zu helfen. Mit dem Tipp von zwei Franzosen, deren GPS wundersamerweise funktionierte, gelang es schließlich.

Auf der Landstraße  kam  ein Wegweiser. Das Schild zeigte einen Pfeil nach Amman nach links, das war nicht meine Richtung. Ich musste Richtung Akaba fahren. Dorthin ging es laut Wegweiser gerade aus. Kurz danach kam eine Abfahrt nach rechts, dahinter ging es gerade aus, aber nicht links! Nach Amman ? Kurz entschlossen  bog ich rechts ab. Nun landete ich auf einer kleinen Gebirgsstraße mit sehr wenig Verkehr.

Beunruhigt schaute ich auf die Uhr. Um 10 Uhr musste ich in Rum Village sein, von dort startete meine Jeeptour durch das Wadi Rum. Kurz danach entdeckte ich einen Neuwagen auf einem Parkplatz, das konnte nur ein Mietfahrzeug sein. Tatsächlich saß darin ein englisches Ehepaar, das sich ebenfalls fragte, ob es sich auf dem richtigen Weg befand. Witzigerweise hatten sie die Tour durch das Wadi Rum beim selben Veranstalter gebucht. Zusammen fuhren wir weiter. Kurz vor dem Ende der Fahrt, als es überhaupt kein Vertun mehr gab, meldete sich Google Maps wieder !

Als ich am Eingang zum Nationalpark meinen Jordan Pass vorzeigen wollte, fand ich meinen Ausdruck nicht mehr. Ich konnte aber die PDF Version auf meinem Smartphone vorzeigen. Das klappte übrigens bei allen weiteren Ticketschaltern,   meinen Pass hatte ich tatsächlich  verloren.

Zusammen mit zwei weiteren jungen Männern aus Belgien und Frankreich  starteten wir mit unserem Guide, einem jungen freundlichen Beduinen, mit der Jeeptour. Es war nur ein bisschen bewölkt, die Wüstenlandschaft mit dem roten Sand und den wilden Felsen sah wunderschön aus. Auf dem Programm stand zunächst die Lawrence Quelle (zu Ehren von Lawrence von Arabien so benannt) . Wir hielten an einer Stelle mit vielen parkenden Jeeps, die an einer steilen hohen  Felswand lag. Alle Veranstalter fahren wohl zu den gleichen Sehenswürdigkeiten. Unser Führer zeigte weit nach oben zu einem einzelnen Baum, der von der Quelle gespeist wird, und meinte, er würde auf uns warten.
Jordanien (272)

Die Mitglieder meiner Gruppe hatte ich beim Aufstieg bald aus den Augen verloren. Es gab keinen Weg, man musste um die Felsen herumklettern. Als ich oben anlangte, kamen mir die Anderen schon wieder entgegen. An der Quelle duftete es sehr aromatisch nach Kräutern und der Ausblick war ziemlich beeindruckend, aber ich fragte mich, wie ich da wieder herunterkommen sollte.
Jordanien (274)

Leider war  ich beim Abstieg nicht so vorsichtig wie sonst und geriet ins Rutschen, überschlug mich sogar, blieb aber bald liegen. Abstürzen konnte man nicht, es lagen zu viele hohe Steine herum. Der Belgier aus der Gruppe kam auf mich zu und fragte, ob ich ok sei. Nachdem ich aufgestanden war, konnte ich das bejahen. Es war nichts gebrochen oder gezerrt, allerdings blutete ich stark am Daumen und meine Hose war mit Blutflecken übersät. Der Belgier bat mich, einen Moment sitzen zu bleiben, weil ich zitterte, was mir nicht aufgefallen war und zeigte mir dann netterweise einen sicheren Weg nach unten. Dort gelang es uns, einen Beduinen aufzutreiben , der Wasser aus einem Schlauch über meine Wunde laufen ließ, die schon nicht mehr blutete. Ich beschloss, es nun sehr ruhig angehen zu lassen.

Wir fuhren zur roten Sanddüne, zur kleinen Felsenbrücke, einem kleinen Canyon und zum Lawrence House (einer Ruine, hinter der man natürlich wieder hinaufklettern konnte). Meistens ging ich mit, aber mit dem Klettern hatte ich an diesem Tag abgeschlossen. Sehr schön fand ich es, einfach nur in die überaus spektakuläre Wüstenlandschaft zu schauen.

Nach einem sehr erholsamen von unserem Guide frisch zu bereiteten Picknick mit Gemüse, Fladenbrot, Ziegenfrischkäse, Obst und Keksen, das wir an eine Felswand gelehnt mit Ausblick in die  Wüste verspeisten, ging es weiter zur großen Felsenbrücke.
Als ich sah, wie selbst junge Leute den steilen rutschigen Abstieg sehr vorsichtig im Sitzen herunterrutschten, war für mich klar, dass ich vom Beduinenzelt zuschauen würde. Dort trank ich auf dem Teppichboden sitzend, an ein Sitzkissen gelehnt einen Kardamon-Salbei-Schwarztee und schaute den Kletterern, die über die Brücke balancierten und denjenigen zu, die vorher umkehrten. Im Wadi Rum gibt es an jeder Attraktion ein großes Beduinenzelt, in dem sich die Fahrer und Guides sich ausruhen und eine  schwatzende Männerrunde um das zentrale Feuer bilden, auf dem das Teewasser kocht. Auch die Touristen bekommen kostenlos so viele kleine Gläschen sehr zuckrigen Tees wie sie haben möchten. Daneben verkaufen die Beduinen Tee, Kräuter, Steine und kleine Souvenirs.

Wir fuhren weiter zur kleinen Sanddüne, die ich versehentlich für den Sunset Point hielt. Dort spazierte ich im warmen Abendlicht, das die Landschaft zu verzaubern begann, und entfernte mich ein ganzes Stück von der Gruppe, bis ich den heftig winkenden Guide bemerkte. Am Chicken Rock bewunderten wir dann den Sonnenuntergang. Mit der sinkenden Sonne begann die Wüste gerade zu in einem tiefen Rot zu glühen. Der Sonnenuntergang selbst war in Ordnung, konnte aber das einzigartige Landschaftserlebnis nicht mehr steigern.

Im Camp, das versteckt in einem Canyon in der weißen Wüste lag, wurden wir auf die Zelte verteilt. Ich hatte ein eigenes Zelt gebucht, das drei Betten mit vielen warmen Decken enthielt und sehr sauber war. Das galt auch für den Sanitärbereich in einem eigenen Gebäude mit Waschbecken unter freiem Himmel, Toiletten und einfachen Duschen. Tee und Abendessen gab es in einem zentralen Verpflegungszelt. Das in einem Erdloch gegarte Hähnchen mit Gemüse schmeckte uns nach dem langen Ausflugstag sehr gut. Dazu gab es Tee und Mineralwasser. In der Zeltmitte brannte ein Feuer. In Dana war es aber wesentlich kälter gewesen.

Wir unterhielten uns bis um 21 Uhr das Licht ausging und wir mit unseren Taschenlampen bewaffnet  unsere Zelte aufsuchten. Es war ein Abend in netter Gesellschaft und ich genoss es, zur Abwechslung mal nicht alleine zu sein. Meine Hoffnung, mehr über das Beduinenleben in der Wüste zu erfahren, hatte sich allerdings nicht erfüllt. Schon die einfache Frage: „Wie oft regnete es hier im Jahr ?“ konnte wohl mangels Sprachkenntnissen nicht beantwortet werden. Nachts als ich auf die Toilette ging, bewunderte ich den tiefschwarzen Himmel mit Myriaden funkelnder Sterne.

Mein Fazit: Wadi Rum sollte man auf keinen Fall auslassen, die Landschaft ist sehr spektakulär. Wer alle Attraktionen bei den Jeeptouren mitmachen will, muss klettern. Auf jeden Fall eine Nacht in einem Beduinencamp verbringen, aber dann: Back to Civilization !

7.11.2018 – Besichtigung von Jerash und Blindflug zum Hotel

Jordanien (353)Am Morgen brachen wir gegen 9 Uhr auf und fuhren zurück nach Rum Village, wo wir uns verabschiedeten. Die lange Strecke von 360 km nach Jerash fuhr ich  schon wieder ohne GPS, aber die Strecke verlief zum großen Teil auf dem King’s Highway und war gut ausgeschildert. Man hätte 110 oder sogar 120 km/h fahren können, allerdings bestand mindestens die Hälfte der Fahrstrecke aus Baustellen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Zwar hielt kein Fahrzeug diese Geschwindigkeit ein, auch ich nicht, aber es dauerte dann doch fünf Stunden, bis ich mein Ziel erreichte.

Ich fand sogar die Tangentiale, die westlich von Amman um die Innenstadt herumführt, und den Weg nach Jerash. Dort angekommen fuhr ich direkt auf die römischen Ruinen zu. Etwas länger brauchte ich, um den Eingang mit dem Parkplatz zu finden. Als ich gegen 14:30 Uhr ausstieg, hätte ich sehr gerne eine Pause eingelegt, aber das ging nicht. Bis zur Schließung hatte ich nur noch zwei Stunden Zeit. Von der Ausdehnung der antiken Stadt hatte ich allerdings keine Vorstellung, als ich nach einem Schluck brühwarmen Colas losging. Kurz darauf begann es zu schütten. Einen Schirm hatte ich natürlich nicht mitgenommen, weil es während der gesamten Fahrt sonnig gewesen war. Bald war ich ziemlich durchnässt. Wunderbarerweise hörte der Regen nach zehn Minuten auf und ein warmes Nachmittagslicht ließ die Ruinenstadt fantastisch aussehen. Über den Kolonnaden gab es sogar einen Regenbogen zu sehen.

In den zwei  Besichtigungsstunden düste ich durch das riesige Gelände und  staunte wie gut vor allem die spätrömischen Monumente aus dem 1. bis 3. Jahrhundert erhalten waren. Jerash ist tatsächlich das Pompeji des Nahen Ostens. Neben den Highlights wie dem Artemis Tempel, dem ovalen Forum, dem Zeus Tempel, dem Nymphäum und dem Cardo Maximus faszinierte mich der Anblick der modernen Stadt am Hügel direkt hinter den antiken Tempelresten, oder der gut erhaltene Straßenbelag einer römischen Straßenkreuzung. Wie gerne hätte ich mich an manchen Stellen hingesetzt, um diese Eindrücke länger auf mich wirken zu lassen.

„Man sollte antike Stätten nur im Nachmittagslicht bewundern,“ dachte ich, aber im Hintergrund lauerte schon meine Sorge, dass ich mein außerhalb gelegenes Hotel nach Sonnenuntergang nur schwer finden würde. Ein Blick auf den Buchungsausdruck zeigte mir, dass ich zunächst auf der Straße nach Aljoun fahren musste. Als ich das nach mehreren Anläufen geschafft hatte, war es dunkel und als ich aus Jerash herausgefahren war, gab es keine Straßenlaternen mehr und es wurde richtig düster.

Neben einer Tankstelle hielt ich an und da war sie wieder: die außergewöhnliche jordanische Hilfsbereitschaft. Die Angestellten riefen mir schon von Weitem zu, ob sie mir helfen könnten. Ich fragte nach der Abzweigung zum Olive Branch Hotel. Ein älterer Mann wollte in meinem Auto mitfahren und mich führen, worauf ich aber vorsichtshalber verzichtete. Dann hielt direkt neben mir ein alter Wagen, der mit drei Erwachsenen und mindestens vier Kindern vollgestopft war. Eine junge Frau mit Kopftuch stieg aus und bot in perfektem Englisch an, mir die Abzweigung zu zeigen. Ich fuhr der freundlichen Familie hinterher bis zu einer kleinen Straße, an der ein kleines und schlecht beleuchtetes Schild auf das Olive Branch Hotel hinwies. Nachdem ich mich sehr herzlich bedankt hatte, fuhr ich noch ein paar Kilometer auf einem engen Sträßchen den Berg hinauf, kam aber bald im Hotel an. Dort aß ich zu Abend, weil mir nicht nach weiteren Fahrten durch die Dunkelheit zumute war.

Bei einem Bier (endlich wieder !) zog ich mein Fazit: Jerash ist eine sehr gut erhaltene,  faszinierende Sehenswürdigkeit und gehörte zu den Highlights meiner Reise. Für eine Besichtigung reichen zwei Stunden nicht aus. Drei oder besser vier Stunden Zeit sollte man sich nehmen. Ich würde gerne wieder kommen und mir Jerash noch einmal in Ruhe ansehen.

Wollt Ihr wissen, was ich davor auf meiner Traumreise erlebt habe ? Dann schaut doch mal hier nach:

Jordanien Rundreise im November 2018 (1) Madaba und Totes Meer

Jordanien Rundreise im November 2018 (2)

Jordanien Rundreise im November 2018 (3) Petra

Und so ging es weiter:

Jordanien Rundreise im November 2018 (5) Amman

Jordanien Rundreise im November 2018 (3) Petra

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Nach meinem Wandertag  im wildromantischen Wadi Dana begab ich mich zu den Highlights einer jeden Jordanienreise: Petra und Wadi Rum. Auf meiner Tour habe ich keine Touristen getroffen, die diese Ziele auslassen wollten.

Letztendlich ist das absolut berechtigt. Es handelt sich um  besonders beeindruckende Sehenswürdigkeiten in kultureller bzw. landschaftlicher Hinsicht. Schade ist nur, dass alle Touren, auch wenn sie selbst organisiert sind, sich stark ähneln.

Als ich vor vielen, vielen Jahren, in den Zeiten vor dem Internet, durch Australien reiste, hatte ich nur eine grobe Vorstellung von meiner Reiseroute. Der genaue Verlauf der Tour ergab sich erst nach und nach während der Reise, durch Gespräche, Tipps, etwas das man im Reiseführer gelesen oder unterwegs aufgeschnappt  hatte. Ob das besser war, weiß ich nicht. Möglicherweise hab ich so ein paar Highlights verpasst …  Auf jeden Fall war das Reisen spontaner, abenteuerlicher aber auch oft frustrierend,wenn Dinge nicht klappten, aber gerade diese Erlebnisse habe ich nie vergessen.

4. – 5.11.2018  Wunderbares Petra

Mein Aufbruch von Dana Village wurde von einer süßen Eselshorde begleitet, die sehr hungrig war und jedes Mal, wenn ein Auto gepackt wurde, vom Müllcontainer abließ und herantrabte.

In Wadi Musa/Petra kam ich nach einer guten Stunde an und checkte im Hotel La Maison Petra ein, das ich weniger wegen des Komforts ausgesucht hatte, sondern weil es nur 250 m entfernt vom Eingang zur Ausgrabungsstätte liegt.

Mit dem Jordan Pass musste ich mich nicht am Ticketschalter anstellen und konnte gleich zum Eingang gehen.

Das Museum ließ ich links liegen und  stürmte gleich zu den Ausgrabungen. Ich weiß nur zu gut, dass es schwer ist, die Ungeduld zu bezähmen, wenn man zu einer Hauptattraktion kommt, würde das Museum aber zuerst und nicht, wie ich es tat, hinterher besuchen. Es gibt nur wenige Ausgrabungsstücke zu sehen, aber man erfährt viel über die Geschichte und die Gesellschaft der Nabatäer, das Volk, das die Stadt vor über 2000 Jahren erbaute und für einige Jahrhunderte bewohnte.

Beim Ticketschalter erhält man auch eine sehr gutes Faltblatt, in dem  die Lage der Sehenswürdigkeiten eingezeichnet ist. Später sollte ich allerdings feststellen, dass in meiner deutschen Broschüre keine Wanderwege eingezeichnet waren. Ich empfehle daher, ein englischsprachiges Blatt mitzunehmen.

Es ist alles sehr gut ausgeschildert und auf der Hauptroute kann man nicht falsch gehen. Nur wenn man zu bestimmten Zielen, wie z.B. dem Großen Opferplatz aufsteigen will, muss man auf das Faltblatt schauen oder jemanden fragen.

So überlaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte, war es nicht. Allerdings wurde ich buchstäblich alle fünf Meter angesprochen, ob ich den kilometerlangen Weg auf einem Esel, einem Pferd oder einem Kamel zurücklegen wollte oder ob ich ein Andenken von einem der zahlreichen Verkaufsstände erstehen wollte („Madam, want to ride a horse …“ „Want to buy ? Good price !“) Ich versuchte, das so gut es ging zu ignorieren und begann mit der Besichtigung.

Zuerst lief ich durch den berühmten Siq, die ungefähr einen Kilometer lange und zunehmend enger werdenden Schlucht, an deren Ende sich der Platz öffnet, wo das Schatzhaus steht, eines der größten und schönsten der in den Sandstein gemeißelten Königsgräber.

Dann ging ich die Fassadenstraße entlang und stieg die vielen Stufen zum Großen Opferplatz hinauf. Auf dem Weg ruhte ich mich aus und trank ich Tee bei einer sehr netten Beduinenfrau namens Noor („Licht“, wie die frühere jordanische Königin). Wir unterhielten uns ein bisschen und ich kaufte ihr einen schönen Stein mit den typischen bunten Bändern der Felsen von Petra ab. Auf dem Aufstieg zum Opferplatz ging es an einer Stelle sehr steil aufwärts. Ich war mir nicht sicher, ob ich richtig war und blieb stehen. Ein Beduinin schrie mir von ihrem Verkaufsstand „Up, up!“ zu, so dass ich vorsichtig hinauf kletterte und bald den wunderbaren Blick genießen konnte.

Anschließend führte mich die Beduinin auf einem fast ebenen Pfad zu ihrem Stand zurück. Unterwegs kamen wir an einer Eselin und einem Eselchen vorbei, die sich im Schatten ausruhten. „Buy, good price!“ forderte mich die Frau nun auf. Ich meinte ihr danken zu müssen, wollte aber nichts kaufen , daher fragte sie, ob sie Tee hatte. „Ok, one minute tea!“ entgegnete sie rasch und holte einen großen Plastiksack, aus dem sie trockenes Reisig heraus schütteln wollte. Mir schwante, dass es mit dem Tee doch sehr viel länger dauern würde. In diesem Moment kamen die jungen Deutschen vorbei, mit denen ich auf dem Opferplatz unterhalten hatte. Ich verabschiedete mich von der Beduinin und sagte, dass ich leider doch keinen Tee trinken könne, weil ich mit meinen Freunden zurückgehen musste. Den von Noor empfohlenen Weg am Soldatengrab vorbei fand ich leider nicht, aber der Abstieg über den Hinweg war wegen des veränderten Lichts trotzdem sehr schön.

Unten angekommen stärkte ich mich mit Cola und einem Fladenbrot. Verhungern oder verdursten kann man in Petra nicht, dazu gibt es zu viele Verkaufsstände. Allerdings ist speziell das Essen überteuert und ich verspeiste das trockenste Sandwich meines Jordanienurlaubs.

Gestärkt ging ich zum Theater und den Königsgräbern und folgte dann dem Al-Khubtha-Trail, der hoch hinauf bis zu einem Aussichtspunkt führte, von dem man auf das Schatzhaus hinunterschauen konnte. So anstrengend hatte ich mir das gar nicht vorgestellt. Auch verlief ich mich ein bisschen, als die Stufen aufhörten und der Pfad durch eine wilde idyllische Felsenlandschaft weiterführte. Ein englisches Ehepaar, mit dem ich kurz ins Gespräch gekommen war, hatte mir noch geraten „Turn left at the donkey!“, aber entweder war es ein anderes Tier, bei dem ich abbog, oder ich hatte etwas falsch verstanden. Jedenfalls kraxelte ich eine Weile durch die wunderschöne Gegend bis ich wieder Besucher auf dem Weg unter mir erblickte. Vor dem letzten steilen Aufstieg legte ich noch eine Pause in einem Beduinenzelt ein, trank an ein buntes Sitzkissen gelehnt einen Tee und unterhielt ich mich mit zwei anderen erschöpften Wanderern aus Spanien und den USA.

Den Ausblick am Ende der Wanderung konnte man nur genießen, wenn man in einem weiteren Beduinenzelt  eingekehrte , das direkt an dem steilen Abhang stand . Nach kurzem Zögern ließ ich mich dort nieder, bestellte mir einen Nescafé und genoß den Ausblick. Nun verstand ich, warum der Aufstieg so anstrengend gewesen war: das Schatzhaus sah jetzt richtig klein aus. Sehr imposant war aber, wie die Nabatäer es geschafft hatten, das riesige Grabmal in den Felsen einzubauen.
Jordanien (200)

Auf dem Rückweg bewunderte ich noch einmal die Grabmale, die nun durch das Abendlicht herrlich angestrahlt wurden. Ich merkte aber auch, dass der Siq in dieser Richtung leicht aufwärts verlief und schleppte mich kurz vor Sonnenuntergang mit vielen anderen Touristen zum Ausgang zurück. Zur Belohnung bekamen wir noch die Sonne zu sehen, die sehr fotogen hinter einer Felsgruppe verschwand.

Natürlich wurde ich auch auf dem Rückweg immer wieder gefragt, ob ich nicht ein Reittier nehmen wollte. Nicht damit gerechnet hatte ich allerdings, dass auf dem 250 m langen Rückweg ins Hotel mehrmals ein Taxi neben mir mit der Aufforderung „Taxi , Madam ?“ halten würde.

Nachdem ich mich entstaubt hatte (aus meinen Schuhen kam ein ganzer Sandberg), ging ich im Hotel essen. Das Buffet war in Ordnung und ich war zu geschafft, um ein Restaurant zu suchen. Ich überlegte, wie es mir in Petra gefallen hatte. Die Bauten sind natürlich spektakulär, die Architekturleistung der Nabatäer ist äußerst beeindruckend, aber das war es nicht, was mich fasziniert hatte. Die Felsenlandschaft in verschiedensten Rot – und Rosatönen, die Einbettung der antiken Bauten in diese Landschaft und die  kurzen aber durchaus anstrengenden Aufstiege mit den fantastischen Aussichten, kurz gesagt, das Gesamtkunstwerk Petra war für mich einzigartig.

Nachdem es in Dana Village komplett „trocken“ gewesen war, freute ich mich auf ein Bier zum Abendessen. Als ich eines bestellen wollte, eröffnete mir der Kellner, dass es sich um ein Hotel ohne Alkohol handelte. Ich fragte dann nach einer Bar in der Nähe, bekam auch eine Wegbeschreibung zum Palace Hotel, hatte aber das Gefühl , als ob  ich nach  einem Speak Easy gefragt hätte. An diesem Abend schaffte ich nicht mehr in die Bar, war einfach zu müde, um noch einmal auszugehen.

Am nächsten Morgen gegen 7 Uhr war ich zurück in Petra. Eigentlich sollte man noch früher gehen, um das Schatzhaus bei bestem Fotolicht (ohne Schatten)  zu sehen, aber an diesem Tag war es ohnehin bewölkt. Morgens war es noch schön leer und ich schlenderte gemütlich zu den restlichen Sehenswürdigkeiten vom Theater bis zum Monastry, dem imposantesten Grabtempel, der in einer wunderbaren Berglandschaft liegt.

Der Aufstieg zum Monastry besteht aus 900 Stufen, die sich aber problemlos bewältigen lassen. Zu Beginn nahm die Nachfrage „Madam, donkey to the Monastry ?“ stetig zu.  Ich kam kaum an den Tieren und ihren Haltern vorbei. Auf dem Weg musste man dann aufpassen, dass man nicht von einem Esel, auf dem ein völlig verkrampfter, oft asiatischer oder übergewichtiger, Tourist saß, an die Felswand gedrückt wurde. Zwar liefen die Beduinen mit den Reitern mit, hielten sie manchmal sogar fest, aber die ganze Eselsgruppe hatten sie doch nicht im Griff.

Im Teashop gegenüber dem Monastry, einem Logenplatz mit wunderbarer Aussicht auf das Bauwerk, ließ ich mich nieder. Zwischendurch zeigte sich sogar einmal die Sonne.
Jordanien (248)

Dann stieg ich noch auf zwei Aussichtspunkte. Von dem höheren konnte man sehr schön ins Gebirge und in einen Canyon  schauen.  Mit dem sehr freundlichen Beduinen, der dort den Teashop betrieb, unterhielt ich mich eine Weile. Er zeigte mir ein abgelegenes Grab auf einem Berg, das man mit einem Beduinenführer besuchen kann, der ein Zelt zum Übernachten und die Verpflegung mitbringt. Wir sprachen noch über den Jordan Trail, einen Fernwanderweg, den man auch in Etappen begehen kann. Sehr schön soll es sich von Dana nach Petra in vier Tagen gehen.

Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich noch einmal den Aufstieg zum Opferplatz gehen und dann auf den Trail abbiegen, den ich am Vortag verpasst hatte. Inzwischen waren dicke schwarze Wolken herangezogen und es fing leicht an zu regnen. Ich beschloss, auf eine Wanderung über regennasse Felsen zu verzichten und begab mich zum Ausgang.

Wie sich das Wetter in Petra weiter entwickelte, habe ich nicht verfolgt. Am 10.11. stieg das Wasser in Petra jedenfalls nach einer Sturzflut bis zu vier Meter hoch und mehr als 3500 Touristen mussten evakuiert werden !

Am Abend trank ich mein wohlverdientes Bier, Marke „Petra“, und zog mein Fazit: zwei  Besichtigungstage waren für mich ideal. Der Betrieb in Petra kann schon nerven, aber die antike Stadt gehört völlig zu Recht zu den „Sieben Neuen Weltwundern“.

Weiterlesen „Jordanien Rundreise im November 2018 (3) Petra“

Jordanien Rundreise im November 2018 (1) Madaba und Totes Meer

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Jordanien ist ein  echtes Traumreiseziel, ein kleines Land mit relativ  geringen Entfernungen, es ist voller beindruckender Sehenswürdigkeiten und weist dramatische Fels- und Wüstenlandschaften auf. Als sehr freundlich und hilfsbereit habe ich die Jordanier erlebt. Und diese Hilfe nahm ich  häufiger in Anspruch. Ich  war nämlich alleine mit dem Mietwagen unterwegs …

Für die Inspiration zu dieser Reise bedanke ich mich bei Edel Seebauer. Ihren wunderbaren Reisebericht mit sehr guten Tipps zum Reisen in Jordanien kann ich nur wärmstens empfehlen  (  https://www.edeltrips.com/reiseberichte/jordanien/ ).

Jordanien ist kein Billigreiseland. Das Preisniveau entspricht in etwa dem deutschen, auch wenn sich bei manchen Ausgaben Geld sparen lässt, z.B. durch Essen in Schnellrestaurants oder an Essensständen. Benzin ist mit 0,8/1,0 JOD (Wechselkurs im November 2018: 1 JOD =1,23 €) nicht so günstig, wie man es im Nahen Osten erwarten würde. Alkohol ist generell sehr teuer und wird vor allem im Süden des Landes in Restaurants nicht ausgeschenkt.

Der Jordan Pass lohnt sich auf jeden Fall, wenn man Petra besuchen möchte. Außerdem ist sind die Visumsgebühr von 40 JOD und zahlreiche weitere Attraktionen z.B. in Jerash, Wadi Rum, Kerak und Amman inklusive.

Meine Reiseroute: Amman Flughafen-Madaba-Kerak-Dana-Petra-Wadi Rum-Jerash-Amman.

Jordanien (1)

 

Ich war insgesamt neun Tage im Land unterwegs. Auf der schnellsten Straßenverbindung von Amman nach Akaba fährt man gerade einmal vier Stunden (allerdings ohne Baustellen, die aktuell sehr häufig anzutreffen sind). Andererseits gibt es sehr viel zu sehen und zu erleben. Die Hauptattraktionen können aber  innerhalb einer Woche angeschaut werden. Ich habe sehr viel unternommen und wäre gerne noch mindestens zwei Tage länger gereist, z.B um nach Akaba zu fahren und am Roten Meer zu entspannen.

31.10.2018  – Ankunft in Jordanien, das fängt gut an !

Nachts gegen 22 Uhr verließ ich den Flughafen  Amman und stieg in meinen Mietwagen, um nach Madaba zu fahren, wo ich die ersten zwei Nächte verbringen wollte. Meine Bedenken, nachts alleine in einem orientalischen Land, einen Mietwagen zu übernehmen, hatte ich damit beruhigt, dass ich ein Navi dazu nehmen würde. Dieses hatte mir der Angestellte der Mietwagenfirma nicht geben wollen, weil die Navigation in Jordanien nicht mehr aktualisiert werde und daher nutzlos sei. Statt dessen bot er mir eine WiFi gestützte Car Navigation an. Das hörte sich für mich teuer und schwierig an (funktionierte auch nicht, wie ich später von anderen Touristen erfuhr). Als ich insistiert hatte, hatte mir der gute Mann den Sack mit dem Gerät auf den Tresen geworfen.

Ich fuhr los und steckte das Gerät an. Wird wohl auch ausgeschildert sein, dachte ich. Nach kurzer Zeit merkte ich, dass das Navi tatsächlich verzichtbar war. Es kannte die vierspurig ausgebaute Schnellstraße vom Flughafen nach Amman nicht und schlug mir dauernd nicht existierende Abfahrten vor. Ich wusste, dass ich bald hinter dem Flughafen links abbiegen musste, nur wann kam jetzt diese Abzweigung ?

Ich fuhr auf den Standstreifen und wählte Google Maps auf meinem Handy. Vor der Reise hatte ich einmal die Navigation mit dem Smartphone im Auto geübt und mir die Offlinekarte von Jordanien heruntergeladen.  Nun fand das Gerät aber meinen Standort nicht. Leicht beunruhigt fuhr ich weiter, an vielen Abfahrtsschildern vorbei mit langen arabischen Bezeichnungen  und  kurze Namen in lateinischer Schrift. Aber nirgendwo stand „Madaba“.

Die Schnellstraße war schon ziemlich leer, die Tankstellen geschlossen. Endlich entdeckte ich einen Verkehrspolizisten, der auf dem Standstreifen den Verkehr beobachtete. Dieser hörte sich freundlich meine Frage an, verstand aber kein Englisch. Immerhin mein ständiges Wiederholen der Wortes „Madaba“ veranlasste ihn dazu, mir gestikulierend zu zeigen, dass ich zu weit in Richtung Amman gefahren war. Er konnte mir auch verständlich machen, dass ich erst abfahren musste,  um  dann durch eine Unterführung hindurch auf die andere Straßenseite zu gelangen.

Nun fuhr ich eine Weile in die andere Richtung. Dann sah ich einen Autofahrer, der Reifen auf der Standspur wechselte und hielt an. Ich fragte den jungen Mann, ob er Hilfe brauchte, was er verneinte. Er sprach gut Englisch und seine Frau, die im Auto saß, zeigte mir auf ihrem Smartphone, dass ich bald rechts abfahren musste.

Die weitere Fahrt nach Madaba gestaltete sich problemlos. Nur musste ich dort noch mein Hotel finden. Das zog eine weitere Fragerunde nach sich. Gut war, dass es auf der Straße auch nach 23 Uhr noch ein bisschen belebt war und dass einige Läden noch geöffnet waren. Die meisten Passanten, alles Männer, verstanden mich nicht, aber sie gaben sich große Mühe, mir zu helfen. Da wurde z.B. ein englischsprechender Freund angerufen. Nur konnte mir dieser nichts raten, weil ich nicht wusste, wo ich mich genau befand. Anscheinend hatten ihm seine Freunde das auch nicht erklärt …

Schließlich landete ich vor einem andern Hotel. Der herbeigeeilte Angestellte, konnte mir den Weg erklären, so dass ich endlich im Mosaic City Hotel herzlich willkommen geheißen wurde. Nach einem Absackerbier (ich war im christlich geprägten Madaba, wo es ohne weiteres Alkohol im Hotel gab, das sollte sich im Laufe der Reise ändern) sank ich recht geschafft in die Federn.

1.11.2018  –  Madaba und Totes Meer

Um 8 Uhr morgens begann ich meine Besichtigung in Madaba bei schönstem Sonnenschein. Im November geht die Sonne in Jordanien gegen 16:30 Uhr unter, entsprechend kurz sind die Sehenswürdigkeiten am Nachmittag geöffnet. Angenehm ist, dass die meisten Hotel ein frühes Frühstück schon um 6 oder 6:30 Uhr anbieten.

Ich konnte ohnehin nicht lange schlafen, weil der Muezzin vom Minarett der nahegelegenen Moschee über leistungsstarke Lautsprecheer zum Morgengebet (fadschr) gerufen hatte. Dieses Gebet findet zwischen Morgendämmerung und Sonnenaufgang statt. Es gab allerdings einen ersten Aufruf gegen 4:30 Uhr, der wohl dazu diente, eine „erste Warnung“ zu geben, dass das Morgengebet naht. Als ich gerade wieder eingedöst war, erfolgte gegen 5:30 Uhr der richtige Gebetsaufruf. Dieser frommen Beschallung entgeht man nur, wenn man außerhalb der Städte ein Hotel bucht.

Zunächst schaute ich mir die griechisch orthodoxe St. Georgskirche mit der berühmten Palästina-Mosaikkarte an. Die Karte aus dem 6.Jahrhundert, die nur in Teilen erhalten ist und ursprünglich aus über 2 Mio. Steinchen bestand, fand ich schon interessant, hatte sie mir aber größer vorgestellt und schön war die Darstellung nicht.

Jordanien (6)

Schon besser gefiel mir der naheliegende Archäologische Park mit sehr schönen Mosaiken in der Hyppolytus-Halle, einer byzantinischen Villa aus dem 6.Jahrhundert,  und ich schaute dann noch beim benachbarten Madaba Institute for Mosaic Art herein, wo Restauratoren und Mosaikkünstler ausgebildet werden.

Danach besichtigte ich die Kirche Johannes der Täufer. Die Hauptattraktion des Gotteshauses aus dem 20.Jahrhundert, die darunterliegende Akropolis, war  geschlossen, so dass ich wenigstens auf den Turm klettern „musste“. Zuletzt ging es über sehr steile Leitern und ich musste mich um Glocken und Glockenzüge herum winden, aber der Ausblick über die Stadt war atemberaubend.

 

Inzwischen war es recht warm geworden und ich empfand die starke Trockenheit der Luft. Mit einem frisch gepressten Granatapfelsaft, der lecker und sogar fast süß schmeckte, und einem Espresso stärkte ich mich in einem Straßencafé. Dann begab ich mich auf die Suche nach der Apostelkirche, die außerhalb der Altstadt liegt. Hier hatte ich zum ersten Mal trotz Stadtplan Orientierungsschwierigkeiten. Nach mehreren Nachfragen (nicht hilfreich war dabei, dass kein Reiseführer den arabischen Namen der Kirche nennt) stand ich schließlich vor der unscheinbaren Kirche, die das schönste Mosaik in Madaba enthalten sollte.

Leider gab es keinen Gang in der Kirche, von dem man alle Mosaiken sehen konnte. Nur an der einen Seite konnte ich schauen, während die interessantesten und schönsten Bilder auf der anderen Seite nicht zu sehen waren. Der Museumswärter bemerkte meine enttäuschte Miene und  knipste netterweise ein paar Fotos mit meinem Smartphone.

Nach einer kleinen Pause im Hotel wagte ich mich wieder mit dem Auto auf die Straße. Zuerst wollte ich zum Berg Nebo fahren, dem biblischen Ort, von dem Moses angeblich das Gelobte Land gesehen hatte  und dann im Alter von 120 Jahren (?) gestorben war, ohne  Israel zu betreten. Der freundliche  Hotelangestellte hatte mir erklärt, dass ich erst auf die Hauptstraße fahren müsste und dann gehe es immer nur gerade aus. Die Hauptstraße fand ich ohne Probleme, aber dann kam ich zu einem Kreisverkehr mit Abfahrten in alle Richtungen. Meiner Wegbeschreibung folgend, nahm ich die zweite Ausfahrt, die gerade aus führte, und landete in einem Neubaugebiet, wo sich die Straße weiter verzweigte.
Außerdem machte ich erste Bekanntschaft mit den vielen Speed Bumps. In Jordanien gibt es keine Umgehungsstraßen. Alle Straßen verlaufen durch die Orte, oder wenn es Schnellstraßen sind, zumindest am Rand vorbei. Es gibt immer Stellen, an denen Passanten die Straße kreuzen. Daher wurden mehr oder minder fiese Erhöhungen errichtet, die den Autofahrer zum starken Abbremsen zwingen sollen. Zum Teil werden die Buckel durch Schilder angekündigt aber oft auch nicht. Nun schaute ich gerade nach dem Weg und schon rumste es gewaltig. Ich kehrte zum Kreisverkehr zurück und war entschlossen, mein Problem zu lösen. Im Hotel hatte man mir geraten, eine jordanische SIM-Karte zu kaufen. Vielleicht klappte es damit besser als mit der Offline-Navigation. Nur spaßeshalber versuchte ich noch einmal Google Maps auf meinem Smartphone. Fassungslos starrte ich auf die Fehlermeldung, die ich nun bekam und die mir vorschlug, meinen Standort freizugeben. Nachdem ich das erledigt und mein Ziel eingegeben hatte, funktionierte die Navigation (zunächst) ohne Probleme !  Nun ja, dachte ich mir, zu den Digital Natives gehöre ja nicht …

Auf dem Berg Nebo in der Moses Memorial Church mit Grundmauern aus dem 4. und 6. Jahrhundert befanden sich die beeindruckendsten Mosaiken von Madaba. Auch der Blick ins Heilige Land und auf das  Tote Meer gefielen mir. Allerdings war es zu diesig, um tatsächlich bis nach Jerusalem zu schauen.

Vom Berg Nebo stürzte die Straße in engen und steilen Serpentinen herab zum Toten Meer auf Minus 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Trotzdem war ich erstaunt, wie gut diese Straße ausgebaut war. Es war an keiner Stelle eng oder gefährlich. Alle Bergstrecken in Jordanien, die ich Laufe des Urlaubs befuhr, waren gut in Schuss. Von der Straßeninfrastruktur in Jordanien war ich positiv überrascht.

Am Toten Meer rauschte ich auf dem Dead Sea Highway zunächst an allen Badestellen, die kostenpflichtig von den Hotels angeboten werden, vorbei. Ich wollte ohnehin zunächst  zum Mittagessen im Dead Sea Panoramic Complex einkehren.  Allerdings ging es dorthin auf einer kurvigen Bergstrecke mehr als 10 km bergauf und ich entdeckte  auch noch, dass die Straße direkt nach Madaba führte. Das Panorama Restaurant bot dann tatsächlich eine gigantische Aussicht auf das Tote Meer. Ich nahm ein gutes Fischessen mit Zitronensauce  ein, das nicht ganz billig war, aber angesichts der Lage und des guten Services im schön designten Restaurant nicht überteuert. Wenn ich schon am Toten Meer war, dann musste ich dort auch baden, daher beschloss ich, noch einmal zurück zu fahren.

Leider hatte ich nun nicht mehr viel Zeit und bog zum nächst gelegenen Strand ab, dem OH Beach. An der Schranke traf ich  den ersten unfreundlichen Jordanier, der grußlos mehrfach „Twenty-five JD“ sagte. Meine Nachfrage, ob es Schließfächer gab, schließlich war ich alleine unterwegs und  wollte  meine Wertsachen nicht am Strand ablegen, konnte ich dort nicht klären und zahlte den teuren Eintritt.

Nach einem längeren Gespräch mit diversen Angestellten bei den Umkleidekabinen erhielt ich dann einen Schlüssel mit der Aufforderung, weitere 3 JOD zu bezahlen. Ich stieg zum Ufer hinab, was gar nicht so einfach war. Es ging über den felsigen Steilhang hinab und der vorgesehene Steg endete hoch über dem Ufer. Erst später erfuhr ich, dass das Tote Meer austrocknet und die Uferlinie sich jährlich um mehrere Meter senkt, so dass die Hotels die Stege verlängern müssen, was am OH Beach offensichtlich nicht geschehen war. Auch der Gang zur Dusche, die man unbedingt nach dem Bad benutzen muss,  war mit einer längeren Kletterei verbunden. Außerdem gab es keine Angestellten am Strand und die bekannten Schlammpackungen wurden nicht angeboten.

Trotzdem : das Bad im Toten Meer ist ein tolles Erlebnis. Du gehst ins Wasser und dann hebt es dich wie von alleine hoch, sogar schon ab Hüfttiefe, und du schwebst auf dem Wasser. Schwimmen ist nicht möglich, dazu müsste man tiefer im Wasser liegen. Also: bei allem Ärger einmalig ! Nach zehn Minuten muss man in der Regel das Bad beenden, weil an irgendeiner Körperstelle ein heftiges Brennen einsetzt. Oft handelt es sich um eine winzige Wunde, die vorher überhaupt nicht aufgefallen ist. Nach dem Duschen schwamm ich noch im Süßwasserpool, der recht groß war, und dann musste ich auch schon wieder los.

Übernachten am Toten Meer ist meiner Meinung nach nicht notwendig, aber einen Tagesausflug von Madaba zu unternehmen und mindestens einen halben Tag zu bleiben, vielleicht in einem der Luxushotels, empfehle ich schon.

Meine Rückfahrt nach Madaba führte über eine gut ausgebaute Bergstraße in  unzähligen Serpentinen stetig bergauf und bergab. Die Felsen glühten in verschiedenen Farbtönen im Abendlicht. Es war einfach wunderschön.

Trotzdem war ich froh, als ich bei Sonnenuntergang, pünktlich zum Ruf des Muezzins zum Abendgebet, wieder in Madaba ankam.

Wollt ihr wissen, wie es weiterging ?

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